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1) So berichten die Venetianer aus Spanien 1517. „Esso re per la qualita soa non e hom di far molto conto, und auch: Quel re di Spagna e reputa per niente per esser giovene (bei lanz Mon Habsburg 2. Abtheilg. Einleitg. p. 220.) Vgl. Ranke, Fürsten und Bülfer. I. p. 131.

im Dienste Maximilians I. mit ihrem Herin in den Nebelträumen des christlichen Univcrsalreiches geschwelgt hatten, sie haben auch der spanischen Politik König Karls I. von Spanien Richtung und Losung gegeben; und auch als Kaiser Karl V. Mann geworden war, sind alle Fasern seiner Seele von diesen politischen Ideen erfüllt: der politische Ideenkreis Maximilians hat auch Karls Geist umgeben.

Mit den Jahren entwickelten sich die Anfangs verborgenen Anlagen des kaiserlichen Jünglings. Fast von Jahr zu Jahr ist ras fortschreitende WachSthum zu erkennen, in welchem der unbedeutend und träge erschienene Jüngling sich in den mächtigsten Selbstherrscher seiner Zeit verwandelt hat. Schon im Jahre 1525 hören wir, daß er die Freuden, denen sonst jugendliche Fürsten nachzugehen pflegen, nicht übermäßig beachte, daß er aber an den Geschäften des Rathes Gefallen finde, daß er thalig und fleißig mit seinen Staatsräthen zu arbeiten pflege^). Und wenn wir auch im Verlaufe feines Gebens zuweilen von Liebschaften des Kaisers hören, wenn wir vielleicht auch Spuren von übermäßigen Excesfen und Ausschweifungen, auch in den Freuden der Tafel, begegnen, so finden wir doch nicht, daß diese Dinge an irgend einer Stelle de» Kaiser beherrscht oder ihn gar einem persönlichen Einflüsse von irgend einer Seite unterjocht hätten. Auch an der Jagd, an körperlicher Bewegung, an militärischem Spiele fand Karl mehr und mehr Gefallen. Obwohl schon früh von Krankheiten heimgesucht und im ManneSalter von der Gicht hart geplagt, war er doch immer zu rascher Thätigteit und Bewegung bereit: in Mitten aller körperlichen Schmerzen und Leiden nie ganz niedergedrückt, erhob er sich bei dem ersten Rufe zu allen Strapazen, die man von ihm fordern konnte.

Seine Theilnahme an den Staatsgcschäften ist immer mehr gewachsen: unter der Leitung seiner Minister hat er die Lage Europa'« auf allen Seiten studirt und sich selbst immer mehr mit den taiser« lichen Tendenzen erfüllt. Die Bewältigung des- rivalisirenden Balois und der große Zug des Abendlandes gegen den Islam, das sind die beiden Unternehmungen, zu denen sich mehr und mehr Karls Wille und Geist gerüstet hat. Noch weilte er eine Zeit lang in Spanien, stille sitzend, und in der Thätigteit Anderer lernend; aber in den Arbeite» seine« Nathes, denen er mit Eifer oblag, hat er selbst die Geschäfte zu treibe» gelernt. Als er 1529 Spanien »erließ, da. deute ich, war seine Lehrzeit vollendet, da glaubte er selbst eingreifen zu dürfen"».

2) Relation Contarini« von 1525 (Alberi, Serie I, Bd, 2.) Vgl, p. ei. Derselbe belichtet, daß auch nach dem Lomuneros-Aufstand Karl bei feinem spanischen Volte noch immer verhaßt sei, p, 44 und 45.

Zuerst »ar er ron Ehi«vres beherrscht gewesen, dann hatte ibn ^atlinara rellsländig geleitet, jetzt nach Gattinara's Tode wurde er ron Cebos nnd Granrella beratben. Bon einer Herrschaft oder einer un beringten Zeitung Eines Ministers tonnte jetzt nickt mehr die Rede 'lin: Karl selbst sah jetzt den Zusammenhang der Dinge. Karl selbst g^b die Entscheidung in den vorgelegten Fragen, er böne nur neck den Nach erfahrener und verständiger Minister. Bon seinen beiden Staats» 'tcrnären bat ohne Zweifel in der ersten Zeit Eobos den überwiegenden Einfluß gehabt und. wenn ich so sagen darf, die Stellung des Premier!7!7nisters eingenommen. Mit den Jahren aber lam Granrella in riefe en:e Stelle: und nachdem 3arl (>ebos m Spanien 1543 als den vertrauten R>::bgeber des Sobnes zurückgelassen batte. da war Granoella mieiuge'chräntt der Erfle im Ralhe und im Bertrauen des Kaisers. Mit beschicklichten wußte Granvella in die Intentionen seines Kaisers einzugeben und die greie Politit wie seine eigne Sache zu führen. Aber es tann triuem ^^eiiel muerliegrn, der Führer und Meister war nickt Oranvella. war Karl selbst. Seil er eben in jenem Jahre 1543 den »ramschen Bereu r^rlanen, war Karl venenlich Herrfcher und Ralhgeber in allen wich« naereu Fragen, entschied mir vollzog er persönlich rie wichtigeren Acte seiner Staalsregiernng.

In jenen Iahreu des Preteftantenlrieges bat allerdings Karl noch manchen Minister mit wichtigen Dingen betraut, zu vertraulichen Missionen noch manchen ergebenen Freund und Treuer benutzt, aber auf die wesentliche Entscheidung der Dinge hat Niemand von ihnen einen Einftüß geübt; sie alle waren nur Werkzeuge in der Haue res Meisters Hu den wichtigeren Berathnngen pflegte höchstens rer Herzog ron Alba hinzugezogen, es pflegte höchstens mit rem Beichtvater jene» Pedro de Soto. geredet zu »erden. Der Räch dieses spanischen Mönches vor Allem dürfte wohl der einzige fem. der neben Oranrella bei rem Kaiser selbst Eingang fand. Alles Andere, zu dem mau noch Andere hinzuzog, waren Fragen des Details oder der Ausführung^ in denen man sich so oder »o entscheiden tonnte: Richtung nnd Tendenz dieser Politik aber wurde allein mit Granvella nur Soto besprochen.

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Wie verschieden ist in dieser Beziehung doch dieser Karl von deir zeitgenössischen Regenten! Wie verschieden vor Allem von dem französischen Rivalen! Während Franz, den Vergnügungen nachhängend, stets dem Einflüsse eines Minister« unterliegt, ist Karl in politischen Geschäften thätig, selbst die Seele seiner Regierung, selbst der kaiserliche Staatsmann gewesen').

Und wenn so die Leitung dieser ganzen Politik seit seinem Mannesalter allein bei dem Kaiser gewesen, so hat auch an der Ausführung der einzelnen Beschlüsse Karl selbst seinen sehr bestimmten Antheil gehabt.

Allerdings, es lag in der Natur eine« Reiches, da« aus so viel» fachen Bestanbtheilen sich zusammensetzte, daß ein jeder der Theile ein gewisses Maaß von Selbständigkeit behaupten mußte. Die lokale Regierung in den Einzelheiten und Besonderheiten der Verwaltung mußte von dem Ganzen unabhängig bleiben; es war nicht möglich, daß aus der Mitte der spanischen Halbinsel oder von einem deutschen Reichstage aus eine straffe Regierung über die Niederlande, über Deutschland, über Italien ausgeübt wurde. Und wir finden in der Thal, daß die Regierungen jener Lande eine ziemlich hohe Unabhängigkeit behaupteten. König Ferdinand in Deutschland und Königin Marie in den Niederlanden haben nach eigenen Gesichtspunkten in vielen Dingen die Geschicke ihres Lande« bestimmt und haben von dem speci« fischen Interesse des ihnen anvertrauten Gebietes aus auch Vorstellungen gegen die Gesammtpolitit zu erheben gewagt und auf die Entscheidungen der Gesammtregierung einzuwirken versucht. Auch die italienischen Statthalter Karls behaupteten eine ähnliche Stellung. Wie selbständig, fest und geschlossen war nicht Toledos Regiment in Neapel; und gar Gonzaga's Verwaltung von Mailand tonnte mit Recht manchem Zeitgenossen als eine fast willkürliche und unumschränkte er» scheinen*): so hatten doch Gonzaga'« persönliche Bedeutung und persönlicher Wille, welche bei Karl durch Granoella vertreten wurden, wie wir sahen, jene letzte Wendung in der italienischen Politik des Kaisers veranlaßt.

Einen bedeutenden Antheil hatte Karl selbst an den militärischen Erfolgen seiner Regierung. Nachdem er einmal sich erst in einem Fcldzuge geübt hatte, gewann er Fertigkeit und Befriedigung in der Rolle de«

2) Vgl. die interessante Parallele de« Vemtianers Giustinillno von 1538. (Alb eri Serie I. «d. 1. p. 203 ff.)

<) So rühmte sich Gonzaga selbst an den Lardinal von Ferrara. Vgl, Ribier. II. p. 220 ff.

Feldherr«. Bon den großen Generalen, die im erste» Jahrzehnte »einer Regierung seine Heere zum Siege geführt batten, war ibm »ackher für seine großen Felrzüge auch nicht Einer am 5eben geblieben Ein Glück, daß er selbst diesen Mangel zu ersetzen wußte. Großen Ruf in Europa genossen sowohl Alba als Gonzaga, aber schärfer zubackende Zeilgencssen haben schon geurtheill, daß der größte Feldherr, den Karl gehabt, er selbst gewesen sei'). Bon ihm durfte man rübmen, daß er Bertbcile und Nachtheile im Felde schnell zu übersehen wisse, daß er zu allen schwierigen Dingen Muth beweise, daß er in der Ausführung 'einer Pläne leinen Augenblick zage. Er selbst hat de» siegreichen Zug nach Tunis geführt, ihm selbst war die Rettung de» Heeres vor Algier zu ranken, er selbst hat den Einfall ins Herz von Frankreich geleitet, er selbst hat endlich wohl die trefflichen Dispositionen in dem Felrzuge des Herbstes 1546 entworfen. Und Karl tonnte es auch leinen Augenblick verbergen, daß er trotz seiner Kränklichkeit und persönlichen Schwäch« in diesen Dingen des Krieges lebe und webe. Im Lager war er rührig, munter, aufgeweckt, hier wollte er selbst Alles sehen und selbst Alles leiten, hier oerläugnele er den großen Kaiser und that Dienste wie jeder andere General.

Auch in den eigentlichen Geschäften des Politikers, in den Verhandlungen, Ecnferenzen, Audienzen war Karl bestrebt, seiner Stellung zu genügen. Wie er schon in jenen Jahren der Ruhe in Spanien an den Sitzungen und Debatten seiner Räthe gern Theil genommen hatte, so hat er auch später es oft übernommen, selbst eine wichtige politische Sacke zu führen. In den persönlichen Begegnungen mit dem Papste erschien er schon 1529 auf das Trefflichste instruirt und zu den bevorstehenden Debatten vorbereitet. Ueberhaupt den Fürstencongrsssen > den persönlichen Zusammenkünften der politischen Häupter war er nicht abgeneigt: und wie oft liebte er es nicht, wichtige Verhandlungen mit einem fremden Gesandten persönlich abzumachen! Aber ich glaube, trotzdem ist Kaiser Karl ein schlechter Diplomat gewesen. Seine reizbare Natur hat ihn oft zu Aeußerungen hingerissen, die mit der Würde seiner Stellung und dem Ernste der Sache sich nicht vertrugen. Die Scenen, die er den Nuneien in jenem Frühjahr 154? bereitete, waren gewiß nicht der Art, ihm Ansehen bei diesen Italienern zu verschaffen. Und es scheint, ob als allmälig man am Hofe des Kaisers dies eingesehen

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