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gen des ganzen Unternehmens im Einzelnen geordnet und die päpstlichkaiserliche Liga definitiv beschlossen. Es übernahm der Papst, ebensowohl ein Heer von 12,000 Mann und 500 Reitern zu stellen, als 300,000 Dulaten in baarem Gelde beizutragen und geistliche Steuern in den spanischen Reichen zu gestatten"). Mit diesem Resultate war man im kaiserlichen Staatsrathe zufrieden, und man versäumte nicht, es so» fort in Ueberlegung zu ziehen, ob noch in demselben Sommer der Krieg beginnen tonne. Trotz aller Schwierigkeiten war der Kaiser anfangs geneigt, nicht zu fäumen, aber es ergaben sich wie von selbst Bedeuten mannichfacher Art und Hemmnisse von bedeutenderer Tragweite: es war schwierig oder unmöglich, sofort sich das nöthige Geld zu verschaffen, und eben so unmöglich, vor Mitte September ausreichende Heeres» Massen nach Deutschland zu ziehen. Und aus diesen Erwägungen ergab sich der Schluß, daß es besser sei, noch bis zum nächsten Frühjahr mit den Feindseligkeiten zu warten").

Auf die Geschäfte des Reichstags übte diese letztere Wendung natürlich sofort ihren Einfluß aus. Wenn bei jener Weigerung der Protestanten dem Conzil sich zu fügen der Bruch der Gegensätze einmal gedroht hatte, so mußte jetzt der Kaiser, wenn er noch den Krieg eine Zeit lang aussetzen wollte, auch für den Augenblick jenen Bruch der Parteien herbeizuführen vermeiden; er lenkte wieder auf gütlichere Wege ein und bewilligte fogar, nochmals ein Religionsgespräch vornehmen und nochmals eine Versöhnung der Protestanten mit der Kirche verhandeln zu lassen. Und die Protestanten gingen darauf ein: sie blieben im Wahn befangen, daß es ein wirtlicher Ernst mit der fried

") Mittheilung des kaiserlichen Gesandten vom 20. Juni 1545 im Anhang II. 3. und Karls Acußerung vom 25, Juli id, II. 4. Tic Ominoutnire-8 <Io 0d»r!e5-yuiut lassen den Entschluß zum Protestontmtricgezwi° scheu Karl und Ferdinand entstehen und dann eist dem Legaten Mitthcilung davon machen. Nach ihnen wäre Farnese durch diese Eröfsmmg in, höchsten Grade erschreckt gewesen (effr»;»!, ezpnmado) und hätte in Rom das ihm auserlegte Ge° hcimniß gebrochen. Ick gestehe, daß dies eine der stellen in den Ommentairez ist, welche Zweifel an der Echtheit derselben entstehe» lasse». Man müßte denn in der Gereiztheit des Kaisers zur Zeit der Absassung dieser schritt ein Motiv sehen wollen, des Papste« Zweideutig!«! in grellerem Lickie zu schildern, als e« aus den Acten, aus die wir uns eben bezogen, sich ergibt. 3ie Frage über den Charakter dieser schrill bleibe einer anderen Gclcgcicheit vorbehalten.

«) Zo motivirt dies Idiaqucz an Cobos. Vgl, An bang II. 5, — Es scheint, daß wobl besonder« Granvclla diesen Aimckub durcbgcscl.'t bat <!o sagt 1555 der Cardinal von Augsburg ?»p, «l'et. IV, 41!,) Vgl. auch Anhang III 2

lichen Miene sei-, sie ahnten oder sie glaubten Nichts von den verborgeneren Absichten dieses Kaisers und ließen sich in die alten, schon abgesprochenen Erörterungen auf's Neue verwickeln. Wenn der Kaiser stets vor einem Angriff der Protestanten sich gefürchtet, wenn er befolgte, sie würden seine Meinung durchschauen, so durfte er jetzt nur ruhig und ungestört feine Waffen schärfen und seine Kräfte sammeln!

Weit gefährlicher war ihm das Verhalten der italienischen Kirchenpolitiker.

Den Aufschub des Krieges und die Motive desselben ließ er durch einen Hausbeamten dem Papste vortragen; und den zwingenden Grün, den dieser Sendung tonnte auch der Papst sich nicht verschließen. Wenn er auch über des Kaisers Schwanken zu murren, und wenn auch des Kaisers Säumniß in der Bewilligung der italienischen Fürstenthümcv ihm unheimlich zu werden begann, so konnte doch die Aussicht auf ein frohes Familiencreigniß, zu dem jener Kämmerer den Glückwunsch des Kaisers überbrachte, die Bande der allgemeinen Allianz nur enger und dauerhafter befestigen. Wie erwünscht wäre es da gewesen, wenn der Papst die Velehnung mit Parma und Piacenza auf Ottavio und dessen eben erwarteten Sprößling hätte ausstellen wollen! Aber bei dem Papste war Picrluigi's Einfluß so überwiegend, daß er allen Vorstellungen entgegen und dem Proteste der kaiserlichen Agenten zum Trotze den Sohn und nicht den Enkel zum Herzog von Parma er» hob '5). Pierluigi machte dann allerdings Versuche, das Geschehene am Hofe des Kaisers rechtfertigen und von dem Kaiser billigen zu lassen, aber es blieb eine Mißstimmung und ein Aerger in der Seele des Kaisers gegen das eigenmächtige Vorgehen deS Papstes und seiner Nepoten zurück.

Die neue Liga der beiden Häupter trat damals auch darin zu Tage, daß endlich von beiden Seiten man mit der Eröffnung des Eonziles einverstanden war. Mit Ernst und mit Entschlossenheit verfolgten die Fürsten die Zwecke der allgemeinen Kirchenverfammlung, die Aufgabe der dogmatischen Festsetzung und der kirchlichen Reformation. Während in Trident gezeigt wurde, daß und wie Spanien und sein Kaiser die Restauration der allgemeinen Kirche durchzusetzen gewillt waren, bereitete des Kaisers Politik unter der Maske friedlicher Verhandlung die Waffen vor, dies Eonzil von Italienern und Spaniern zu

ll>) Diese Vorgänge in Rom in der ersten Hälfte de« August 1545 sind aus bcn Briefen der betheiligtcn Personen sehr eingehend geschildert bei Assü p. 75—85.

einem allgemeinen der Christenheit zu erheben. Da lonnte es nicht mehr bezweifelt werden, daß wirklich des spanischen Herrschers von Deutschland Politil die Tendenzen des Katholicismus zu verwirklichen strebte.

Mit dem Franzosentonige verbündet, erlangte er von dem alten Freunde Frankreichs, dem türkischen Sultan, einen Waffenstillstand, der das Abendland vor Angriffen von Außen und vor Störungen durch die Anfälle des Islam auf eine Weile sicher stellte. Was aber das Ver« hältniß zu König Franz selbst betraf, so war es reiflich erwogen worden, welches der angedeuteten Zugeständnisse schließlich gewählt werden sollte. Von der schwierigen Wahl und dem harten Entschlüsse, eines seiner Lande» den allgemeinen Interessen zu Liebe dem Herzog von Orleans zu opfern, hatte der Kaiser das Glück, durch Orleans' Tod befreit zu werden ").

Wenn es nicht allzusehr im Interesse de« Kaisers gelegen, und wenn er nicht allzuviele Bemühungen machte, auch zwischen England und Frankreich den Frieden zu vermitteln, so war im englischen Reiche selbst seine Staatskunst so sehr vom Erfolge gekrönt, daß die regierende Partei am Hofe Heinrich'« VIII. nach und nach die englischen Schismatiker in den Schoos der Kirche zurückzuführen Aussicht gab").

Nach allen Seiten hin sehen wir so den Kaiser bemüht, seine Aufgabe zu lösen. An allen Stellen hat er die günstigen Verhältnisse, wie sie sich entwickelten, geschickt zu benutzen und selbst die günstigste Lage überall herbeizuführen gewußt, die seiner Absicht in Deutschland am besten entsprach. Aus dem Friedensschluß mit Frankreich, der wenigstens Franz' Neutralität ihm sicherte, hat er den türkischen Stillstand entwickelt und die Liga mit dem Papste bereitet. Und so hat er es möglich gemacht, den deutschen Krieg im Jahre 1546 zu beginnen.

l«) D« Herzog von Orleans starb am 9, September 1545, unvcrmuthet, '?) In den stets schwankenden Parteistellungen am Hofe und in der Regierung Heinrich's VIII. war Garbincr jetzt mächtig geworden: wie er schon lange dem Papstthum sich hold gezeigt (vgl, Fronde Ni«toi-.v ol NuMuä, Bb, III. p. 273 der Leipziger Ausgabe, und Granvella's Aeußerung bei Lämmer« p, 355) so hieß es jetzt, baß er an der Herstellung desselben arbeite, Froude IV. p, 315 vgl. Paget'« Aeußerung bei Heckendorf III, 569,

Im Sommer diese« IahreS 1545 ist de« Kaiser« Politik in eine neue Bahn eingetreten, aber in eine Bahn, die durchaus ihrem innersten Wesen entsprach, und die sie lange schon aufgesucht hatte.

Während der politische Meister damals im Bunde mit dem Papste seine Vorbereitungen zum Kriege gegen die Protestanten traf, trat auch das Conzil der Kirche in's Leben, das man von allen Seiten in Europa stürmisch herbeigerufen hatte.

In der That, es war für den KatholiciSmus ein recht dringendes Bedürfnis;, dieses Conzil. Die Waffen des Kaisers allein reichten nicht aus, den religiösen Zwiespalt zu beseitigen; es mußten auch in der Kirche selbst von Innen heraus die Schäden geheilt werden, ehe die Vereinigung und Unterwerfung der Abgefallenen den Verbündeten wirtlich gelingen konnte. In dieser Anschauung begegneten sich endlich die einsichtigen Diplomaten der Curie und die nachdenkenden Räthe des Kaisers, und da setzten sie inmitten aller kriegerischen Rüstungen auch die Eröffnung dieses Conziles in's Werl,

Als zuerst Luther in Deutschland ein Conzil angerufen, und als dann die Stimme des gesammten Reiches dasselbe gefordert hatte, da hat es wohl Niemanden gegeben, der den Ruf der deutschen Nation um Hülfe und Rettung aus den verfahrenen Zuständen der Kirche als einen unberechtigten hätte bezeichnen wollen. Und auch Papst Hadrian wies diese Forderung des deutschen Reiches nach einem allgemeinen Conzile der Christenheit nicht geradezu von sich. Wie aber das Verlangen des Reiches in stets lauterer, dringenderer, ungestümerer Weise sich äußerte, nahm der Nachfolger, Papst Clemens, der auf der Deutschen Wünsche einzugehen seine Bedenken hatte, zu einem System des Ausweichen« und der Ausflüchte seine Zuflucht,

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