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Die Protestanten nahmen in Deutschland nach dem Ausgang des Regensburger Reichstages eine gewaltige Stellung ein, sie konnten es sich nicht verbergen, von welcher Wichtigkeit für seine ganze Lage dem Kaiser ein gutes Vernehmen, ein Frieden mit ihnen geworden: sie ergriffen dann auch den nächsten Anlaß, den raschen und eifrigen Herzog von Braunschweig für seine katholische Gesinnung und sein' entschiedenes Auftreten gegen die Reformation eigenmächtig zu züchtigen; ja, sie wagten es offen zu erklären, daß sie ungünstigen Sprüchen des Kammergerichtes nicht mehr gehorchen würden. Nud trotz alledem mußte Kaiser Karl in der großen Gefahr, in die ihn 1543 die Osmanen auf der einen, und die Franzosen auf der anderen Seite brachten , sich ihnen freundlich und geneigt erweisen. Nachdem er so den deutschen Verbündeten des Königs, den Herzog von Eleve, mit gewaltigen Schlägen in seine Arme zu treiben vermocht hatte, erlangte er auf dem Reichstage zu Speier im Jahre 1544 von den Deutschen bereitwillig erneuerte Hülfe gegen die Türken und gegen den französischen Reichsfeind. Den Protestanten hatte er freilich einen hohen Preis dafür zahlen müssen. Während er einstweilen die Rechtsgleichheit von Protestanten und Katholiken im Reiche anerkannte, verhieß er ihnen mit aller Bestimmtheit die Berufung eines „gemeinen, freien, christlichen EonzilS," und für den Fall, daß dies Eonzil verhindert werden sollte, sagte er für Deutschland eine Ordnung der ganzen religiösen und kirchlichen Frage durch einen deutschen Reichstag des nächsten Jahres zu'). Dieser Abschied des Speiercr Reichstages hat aber die äußerste Grenze der kaiserlichen Nachgiebigkeit berührt, ja cr hat sie fast überschritten.

In der ganzen katholischen Welt ward das Staunen und Entsetzen über diese That Karl's rege. Gegen daß Versprechen einer religiösen Ordnung auch ohne Eonzil, allein durch den deutschen Reichstag, donnerte sofort des Papstes Zorn und Eifer. Aber war es des Kaisers Schuld und.Fehler, der ihn den von ihm stets gehaßten „Ketzern" nahe gebracht? Mit schneidender Schärfe und treffender Entrüstung hat er dem Papst zu entgegnen gewagt und deutlich bezeichnet, wen nach seiner Ansicht der größte Vorwurf treffen müsse ^). Und ich glaube

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2) In seiner Antwort auf des Papstes Breve (vom 24. August 1544. Pallaviciuo V. Lap. Ü.) erörtert der Kaiser (A. v. Simancas): «u ui>>- nunc» u» siä« u;- «iaäu, cauga »IZuna » los mconvemeutez »clleciäoz en I» cnrigtiHuäaä, 8mo

in der That, schon diese momentane Wendung in dem Verhältnisse zwischen dem Kaiser und den Protestanten hat auf des Papstes Ideen einen ganz gewaltigen Eindruck gemacht und ihm die Augen über seine und des Kaisers Lage geöffnet. Wenn ihn schon eine richtig verstandene Familienpolitik seines Sohnes und seiner Enkel auf das Bünbniß'mit dem Kaiser hinweisen mußte, so machten ihm diese Vorgänge allgemeinerer Natur doch mit zwingender Gewalt die Notwendigkeit eines offenen und rückhaltlosen Anschlusses an den Kaiser begreiflich.

Schon vorher war der Kardinal Farnese bei dem Kaiser erschienen, im Namen des Papstes auf Frieden mit Frankreich zu dringen. Er fand bei dem Kaiser allerdings nicht die freundlichste Aufnahme. Dem jungen Kirchenfürsten hielt der Kaiser in seiner schonungslosesten Weise die Sünden und die Fehlgriffe seines Großvaters vor; und den Bethcuerungen Farncse's von der Geneigtheit und dem Eifer des Papstes für das allgemeine Wohl der Christenheit setzte er die Aufforderung entgegen, durch einen engen Bund mit dem Kaiser die Wahrheit jener Gesinnungen ;u erweisen; so werde er am besten für das Wohl der Kirche und für den Vortheil der kirchlichen Herrscher, der Farneses sorgen'). Diese Erörterungen haben gewirkt. Es bahnte sich jetzt, wohl durch dieses Kardinales Farneses Bemühungen vermittelt, der gegeheime Bund von Kaiser und Papst an, der die Basis geworden für den beabsichtigten Protestantenlrieg des Kaisers.

Es ist mir noch nicht möglich geworden, im Einzelnen die Schritte nachzuweisen, in denen von beiden Seiten sich der Kaiser und Papst zu dieser geheimen Allianz für die allgemeinen Fragen und für die Interessen der Farneses genähert. Es bleibt aber kein Zweifel an diesem Resultate: Man gelangte allmälig zu einem Einverständnisse des Papstes mit des Kaisers Politik in Deutschland und übernahm dafür die Versorgung und den Schutz der päpstlichen Enkel in Italien*).

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Wenn so schon im Laufe des Jahres 1544 der Kaiser dem Papste angedeutet hatte, was er in Deutschland wollte, und wie er dazu von Rom aus unterstützt zu sein wünschte, so hatte er auch die allgemeinen Verhältnisse in eine seinen Absichten förderliche Lage zu bringen ver« mocht. In dem Frieden von Crespy war man auf die Verabredungen des Jahres 1539 zurückgekommen: entweder die kaiserliche Prinzessin oder eine Tochter Ferdinand'«, entweder Mailand ober die Niederlande waren einem französischen Prinzen, dem Herzog von Orleans, zugesagt. Und wie immer die Gemeinsamkeit einer christlichen Politik gegen den Türken eine der Bedingungen solcher Friedensschlüsse war, so hatte man sich auch dort vereinigt, durch gemeinsame Verhandlungen der kaiserlichen und der französischen Diplomatie einen Frieden, oder wenigstens einen längeren Waffenstillstand von dem Sultan zu erlangen. Wenn ferner in dem Friedensverträge auch zur Wiedervereinigung der Religionsparteien der Kaiser und der König gegenseitige Verpflichtungen übernommen, so war dies dahin näher erläutert worden, daß Franz für Deutschland dem Kaiser die Hülfe seiner Waffen zusagte. Eben diese deutsche Frage stand jetzt im Mittelpunkt aller Politik. Die Verhandlungen über die türtische Frage und die Aufbringung größerer Kriegsmittel von Seiten deö Reiches und der Kurie waren nach dem Willen des Kaisers durchaus abhängig gemacht von dem Ausgange dessen, was er über den deutschen Krieg beschließen werdet. Ueber die Frage aber, ob jetzt der Augenblick zum Schlagen in Deutschland gekommen, ob es möglich und förderlich fei, jetzt mit Gewalt über die Protestanten hereinzubrechen, über diese Frage sollte jetzt in Worms die Entscheidung fallen.

Die protestantischen Fürsten glaubten dort in der Richtung der Speicrer Beschlüsse vom vergangenen Jahre weitere Forderungen erheben zu tonnen. Sie verlangten, daß der Kaiser ihnen immerwährenden Frieden und völlige Sicherung schaffe, ohne Rücksicht auf das Eonzil, das in jenen Tagen in Tribent sich versammelte; sie erkannten in diesem päpstlichen Conzil nicht die Kirchenversammlung, die ihnen verheißen war; sie sahen ein Conzil unter Leitung des Papstes auf italienischem Boden nicht als ein „gemeines, freies, christliches" an: sie lehnten es gradezu ab. sich seiner Entscheidung zu unterwerfen"). So stand die religiöse Frage an einem wichtigen Punkte der Entscheidung: als der Kaiser jetzt dem deutschen Reiche das verlangte Conzil zu bieten in den Stand gesetzt war, weigerten sich die protestantischen Stände auf dem Conzil zu erscheinen. Die Sonderung dieser Deutschen von der Allgemeinheit der christlichen Kirche war damit zur vollendeten Thatsache geworden. Und für den Kaiser, der die Beibringung der Ketzer verfolgte, blieb da kein anderer Ausweg, als zu diesem Conzil diese ablehnenden Protestanten zu zwingen.

den Tinge in diese Verbindung zu einander gebracht, und darauf hin hat man auch im Jahre 1545 sich geeinigt. (Vgl, unten im Anhang II. 2) 2s ergicbt sich seiner, daß im Frühjahr 1545 der Herzog von Castro id. h, Pier 'v'uigi) die Prätension aus Parma und Piacenza schon am kaiserlichen Hofe erhoben <?».p, ä'st, III. 70.) oder man weis; dort anck von Absichten, au Ottaoio es zu geben. (Anhang p. 26*,)

2) Ter Gesandte in Rom wird angewiesen sogar den Beschluß über Ferdinand'« Antrag aus päpstliche Hülse gegen den Türken hinzuhalten, bis zu der Entscheidung in Worms. Tepesche vom 3, April 1545 im Anhang II. 1.

Auf dem Reichstage erschien im Mai der Kardinal Farnese, das Werk, das er im vergangenen Jahre eingeleitet, zur Pollendung zu führen. Er brachte dem Reiche eine Oeldhülfe von 1<X),(XX) Dukaten zum Türtentriege und dem Kaiser die Mitthcilung, daß die Verhandlungen am Conzil in kürzester Frist beginnen sollten. Und da fanden denn auch Äerathungen im kaiserlichen Rathe statt, an denen von päpstlicher Seite dieser Kardinal Farnese und der Nuntius, von kaiserlicher aber Karl selbst, sein Bruder Ferdinand, Granvella und der kaiserliche Beichtvater und außerdem noch der Kardinal Otto von Augsburg Teilnahmen ?). Es wurden hier alle Bedenken geltend gemacht, die eine sofortige Eröffnung des Conziles mit sich führen mußte; cS wurde auf die Gefahr hingewiesen, welche aus der Opposition der Protestanten, vielleicht aus bewaffneter Erhebung derselben drohen konnte'). Aber in dem Schlüsse waren alle Theilc zuletzt einig, daß dieser Krieg zwischen Katholiken und Protestanten nicht länger zu vermeiden sei. Der Kaiser hatte es eingesehen, daß den synodalen Entscheidungen des Conziles nur der Donner der Kanonen wirksame Unterstützung bringen werde"). Und diese Einsicht theiltc er dem Vertreter des Papstes mit.

«) Vgl. Raule D. G. IV. 279 ff.

') Wir sind authentisch unterrichtet über diese Verhandlungen burcl, die Ex<erpte aus den Depeschen Farncse's, die Pallavicino in seine Darstellung auf« genommen hat (V. Cap. 12 und 13) und durch die Mitthcilung Karl'« an Mcn» doza vom 20, Mai 1545 im Anhang II. 2.

«) Pallavicino V. 12. ß, 1,

") Pallavicino V, Lap. 13, K, I. macht die geistreiche Wendung egli äi

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Karl und Farnese haben im Mai 1545 den Entschluß gefaßt, endlich die Gewalt gegen die Protestanten in Anwendung zu bringen. Mochte auch diese Absicht der verbündeten Politiker noch vom Geheimnis bedeckt bleiben; mochten sie noch von Monat zu Monat die Ausführung dieses Entschlusses verschieben; mochten sie auch den Schein eines friedlichen Verfahrens im Verkehr mit den deutschen Fürsten noch beibehalten: es unterliegt doch keinem Zweifel, daß der Entschluß zum deutschen Kriege schon damals gefaßt wurde.

Es galt nun zunächst die näheren Verabredungen zu treffen und die Einheit von Papst und Kaiser in ihren einzelnen Bedingungen und Bestimmungen zu formuliren.

Nachdem sich die beiden Fürsten auch über die Zukunft der Familie Farnese geeinigt, die „unter kaiserlichen Schutz und Schirm gestellt und von dem kaiserlichen Willen abhängen sollte," kam man sofort zur Erörterung der weiteren Frage, welches die Ausstattung fein solle. Wir sahen, wie schon 1543 Hoffnung und Wunsch der Farneses laut geworden, wenigstens Parma und Piacenza zu erblichem Fürstenthume zu erhalten'"). Wenn nun auch nach der Ablehnung des Kaisers Pierluigi einen anderen Handel mit der französischen Krone begonnen hatte, so war er bei dieser neuesten Wendung der Verhältnisse doch ebenso leicht geneigt, wieder mit dem Kaiser die fallengelassenen Verhandlungen aufzunehmen. Und so hatte man den Kardinal beauftragt, bei dem Kaiser die Zustimmung auszuwirken zu der Belehnung eines Farnese mit Parma und Piacenza, deren Souveränität eine streitige Frage zwischen Kaiserthum und Papstthum geblieben war"). Dem Vater des Kardinales, Pierluigi selbst, war vom Papste das Herzogthum zugedacht. Aber dem kaiserlichen Willen hätte es weit besser entsprochen, seinem Eidam Ottavio Farnese und dessen Nachkommen den Preis für die päpstliche Liga auszuzahlen").

Farnese brachte diese Abreden mit dem Kaiser im Juli dem Papste zum definitiven Beschlüsse. Und hier in Rom wurden die Bedingun

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ilj Gegen Pallavicino's leugnen (V. 13, tz. ?,) bringt Afsi> p, 69 ein Schreiben Buoncambi« vom 30, April 1546 bei, das alle Einwendungen des allzu einigen Kardinales beseitigt,

'2, Pgl. dasselbe Schreibe» Nullnccmibi's, Njfd p b

Maunübiechel, H«l V, » l

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