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Papst Julius war inzwischen schon lhätig gewesen, mit der Partei des Gegners ein Abkommen zu suchen. Die Schwäche seines Charakters, die Haltlosigkeit und Unzuverlässigteit seines Willens trat nie handgreiflicher zu Tage, als in dieser Wendung von dem Kaiser zu den Franzosen. Wie die Dinge nicht im ersten Momente glänzenden Erfolg aufwiesen, ward er verzagt; wie die französischen Drohungen praktische Bedeutung zu haben anfingen, warb er eingeschüchtert; wie seine Politik ihn Geld kostete, ward er ängstlich und für seine Existenz besorgt: ohne Schwierigkeit gab er sich da den Einflüssen hin, welche die französischen Parteigänger in Rom geltend zu machen suchten. Und wir begreifen, daß einen solchen Papst die Vorgänge auf dem Conzile nicht gerade zur Beharrlichkeit in der eingeschlagenen Richtung ermunterten'°).

Schon bei den ersten Anzeichen einer längeren Dauer des italienischen Krieges hatte er einen Kardinal an den französischen Hof geschickt, mit väterlicher Stimme noch einmal König Heinrich zum Frieden zu ermahnen "). Dieser Legat fand dort allerdings freundliche Aufnahme und höfliche Behandlung, aber von seinen Aufgaben erreichte er Nichts; und erst auf römischem Boden selbst, direkt bei der Person des Papstes fand die französische Politik ein besseres Fortkommen. Die Höflichkeit des Papstes zu erwiedern, ließ Heinrich den Kardinal Tournon von Venedig nach Rom gehen ^). Und diesem Kardinale, einem Welt« erfahrenen Politiker, einem geübten Hofmanne, der seine Leute richtig zu behandeln wußte, gelang es, die günstigen Ehancen alle benutzend, auf Papst Julius Eindruck zu machen und Einfluß zu gewinnen. Wir verfolgen hier nicht die einzelnen Vorschläge und Gegenvorschläge, die aufgeworfen und erörtert wurden, der Farnefischen Frage durch ein Compromiß ein befriedigendes Ende zu geben"): für uns hat nur die Seite ein Interesse, zu erfahren, wie sich Kaiser Karl zu diesen Bewegungen seines Verbündeten verhalten hat.

Als Karl zueist von den neu angeknüpften Verbindungen des Papstes mit Frankreich erfuhr, gcrieth er in nicht geringe Aufregung "). Wenn der Papst ihm auch betheuern ließ, ei weide zu keinem Ab» schlusse mit Frankreich und den Farneses kommen, ohne vorher des Kaisers Zustimmung einzuholen, ja er wolle auch hierin sich nur von de« Kaisers Rath leiten lassen, so warf Karl diesen wohlklingenden Versicherungen die bittere Bemerkung entgegen, wie sonderbar es sei, daß der Papst ihn um Nath frage, nachdem er schon an Frankreich ge> sendet habe: ein solches Rachen nach geschehener That sei doch eine überflüssige, fast eine beleidigende Form. Die Unentschiedenheil, so erörterte der Kaiser dem Nuntius, die der Papft jetzt beweise, könne nur iibele Früchte bringen: es wäre unverantwortlich, wenn der Papst ihn jetzt, nachdem der Kaiser gerade des Papstes wegen den französischen Krieg auf sich gezogen habe, im Stiche lassen wollte. Karl nahm keine Entschuldigung an und bestand darauf, daß der Papst, seinem Worte getreu, fest zu ihm halten müsse. Aber während dann die Entscheidung de« Papstes noch hin und her schwankte, brachte eine Maßregel Gon zaga's ihn endlich zum Schlusse. Gonzaga hielt es für geboten, mit dem kaiserlichen Heere sich von Italien nach Piemont zu wenden; dort war eS dringend nothwendig geworden, die kaiserliche Stellung mit neuer Macht zu vertheidigen. Unter dem Eindrucke dieser Nachrichten aber nahmen Tournon's Verhandlungen immer besseren Fortgang. Die kaiserlichen Agenten wenigstens gewannen sehr bald die Anficht, daß der Papst irgend einem Lompromisse in Italien zueile"). Als da nun der Papst noch einmal durch einen neuen Nuntius, den Bischof Camajani von Fiesole, die Gefahren und Unbequemlichkeiten seiner Stellung dem Kaiser hatte auseinandersetzen lassen"): wie auf der einen Seite ein Schisma der französischen Kirche drohe, und wie auf der anderen Seite des Kaisers italienisches Heer dem Papste gar keinen Nutzen bringe, wie er selbst aller Hülfsmittel entblößt sei, und wie zuletzt sogar ein Bruch der päpstlichen Macht mit ihrem kaiserlichen Protettor dort auf dem Eonzile bevorstehe; so legte er zuletzt ihm mit naiver Offenherzigkeit die Bitte vor, Karl selbst möge ihm seinen Rath ertheilen, wie er jetzt sich verhalten und ob er sich auf die französischen Anerbietungen einlassen solle. Und wenn dann Karl kaltblütig seine Lage übersah, so kam er selbst zu dem Schlusse, daß in Italien ein Compromiß auch ihm einigen Vortheil bringen werde. In dem allgemeinen Kriege mit

2«) Scharf, aber treffend schildert den Papst Mendoza am 15. April 1552. (Döllinger 189 ff.) Ich bewerte, daß auf S. 190 Z. 14 von oben statt äilüeult»<Ie8 ücsäe uo l>»6» zu lesen ist äilticulwäez 6e n<> u»6a.

n) Instruktion für Veralte. 3 Oktober 1551. (L. ss Lerxos»): feine Verhandlungen, vgl. bei Nibier II. 363 ff.

««) Instruktion filr Tournon. 23. Dezember 1551. Ribier II. 360.

W) Vgl. Ribier II. 368 ff.

«>) I,o <zue p»8ü «u ms. 2ou ei obispo <le ?»uo. 9. November 1551. (leg, 648. l«I. 106).

«) Nontcsll, 6., 9. und 12 Februar, 1552,

<«)«llrlanMenboza27. Februar 1552 berichtet sehr detaillirt jene Verhandlungen mit dem Nunciu«, er ertheilt in dieser Depesche den Auftrag auf ein «oueierto in Italien hinzuarbeiten.

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Frankreich, der eben damals an allen Punkten entbrannte, war es auch für den Kaiser ein Gewinn, in Parma und Mirandola den Krieg zur Ruhe zu bringen. So erhielt das Haupt der kaiserlichen Diplomatie in Italien, Mendoza selbst, den Auftrag, sich sofort nach Rom zu verfügen und auf eine geschickte Weise unter der Hand einen Waffenstill' stand für jenes mittelitalienische Terrain einzuleiten. Und in Rom sah es Mendoza im ersten Augenblicke ein"), daß die päpstliche Politik schon ganz mit Friedensgedanken erfüllt fei. In den Gesprächen mit 5em päpstlichen Staatssekretair Dandino und in den Erörterungen mildem Papste selbst mochte Mendoza vielleicht Vorwürfe gegen seine Haltung erheben oder von einem endgültigen Frieden abrathen, aber er wußte es gelegentlich anzudeuten, daß ein Waffenstillstand für Italien bei dem Kaiser Billigung finden werde. Je länger, je mehr drängte die Nothwendigleit der allgemeinen Lage auf diese Auskunft hin. Wenn König Heinrich dem Papste zu erklären sich erdreistete, baß ja gar kein Krieg zwischen ihnen bestände, — den Schutz seines Freundes Ottavio gegen den Papst wollte er nicht einen Krieg genannt wissen, — so war auch ihm es jedenfalls lieb, feine Kräfte an anderer Stelle gegen den Kaiser verwenden zu können und zugleich die Spaltung mit dem geistlichen Haupte auszugleichen. Wenn aber der Kaiser immer mehr seine Kräfte auf die deutsche Seite hinwenden zu müssen einsah, wenn die Erhebung der deutschen Fürsten immer bedrohlichere Dimensionen annahm, so tonnte auch ihm es recht sein, in Italien von der Vürdc des Krieges einstweilen befreit zu werden.

So waren im Anfange des April die Aussichten einem italienischen Frieden immer günstiger geworden. Allerdings Gonzaga war nicht der Freund eines solchen Friedens: obgleich er die Unzulänglichkeit feiner Mittel deutlich einsah, wollte er doch seinerseits wiederum die Offensive ergreifen, dachte er doch durch einen glücklich geführten Schlag alle diplomatischen Gewebe wieder zu zerreissen "). Aber auf die kaiserliche Politik gewannen diese Ideen diesmal leinen Einfluß. Mendoza's Erörterungen in Rom gingen allein darauf hinaus, die Verhandlungen zwischen Tournon und dem Papste so zu lenken, daß sie wirklich eine Sicherung der kaiserlichen Stellung ergäben; er wünschte besonders durch den zu schließenden Vertrag alle spanischen Positionen in Italien gegen einen französischen Angriff sicher zu stellen"). Und wenn dies

«) Mendoza 14., 21. Mär,. 4. Npril u. s. w.
«) Gonzaga 26. Februar 1552.
«) Mcndoza 14. April.

M<Ml«nb«ch«. K»il V, 19

auch nicht in die Bedingungen de« Waffenstillstandes aufgenommen wurde, so versprach doch der Papst den kaiserlichen Wünschen allen möglichen ^Vorschub zu leisten. Am 15. April wurde die Sache im Consistorium vorgebracht und der Waffenstillstand mit Tournon besiegelt"). Es war darin festgesetzt, daß für zwei Jahre Ottavio Foinese in Parma nicht belästigt, und daß alle anderen Guter den FarneseS zurückgegeben werden sollten. Dem Kaiser blieb es vorbehalten, diesem Vertrag auch seinerseits beizutreten. Mochte auch Gonzaga, von seinen Ideen einer kaiserlichen Offensive und einen Tendenzen einer kaiserlichen Annexionspolitik getrieben, sich nachdrücklich gegen diesen Stillstand erklären und auf Erneuerung des italienischen Krieges in umfassenderem Maßstäbe dringen, sein Outachten fand am kaiserlichen Hofe keinen Beifall"). Nicht, wie Gonzaga es wünschte, eine Nachgiebigkeit gegen die deutsche Empörung, um in Italien Krieg führen zu tonnen, sondern ein Eompromiß mit den Italienern, um die Deutschen empfindlich zu strafen, das war der Sinn des Kaisers, dahin gingen damals alle Maßregeln, die seine Politik ergriff. Am 10. Mai ratifizirte er den Waffenstillstand und das Compromiß mit den Italienern, das Tournon in Rom vermittelt hatte").

Auf diese italienischen Vorgänge im Felde und im Conzile habe» schon die Ereignisse in Deutschland ihren Einfluß geübt: der deutsche Aufstand hat den Kaiser bewogen, in die Suspension des Conziles zu willigen, er hat ihn in die Lage versetzt, mit den italienischen Kleinstaaten Frieden zu suchen; ja diese Erhebung aus der Tiefe der deutschen Nation hat ohne weiteres alle glänzenden Früchte der kaiserlichen Politik hinweggerafft und Karl's Kaiserthum über Deutschland in seinen Wurzeln getroffen.

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