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eine Besserung zu schaffen, so scheine es wi'mschenswerth den Deutschen die Meinung beizubringen, daß die Protestanten über alle religiösen Artikel gehört werden sollten; es sei ja zu vermeiden, daß sie nicht unter dem Verwände, man wolle sie nicht hören, das Conzil überhaupt verwürfen; und wirtlich, ein Anhören protestantischer Erörterungen ändere doch auch nichts an der Beschlußnahme: nachdem man sie nach ihrem Wunsche einmal angehört habe, tonne man ja einfach die früheren Beschlüsse wiederholen"). Ueberhaupt was die conziliare Frage betraf, so befand sich dieses Mal wirtlich der Kaiser in Uebereinstimmung mit diesem Papste. Und wenn der Papst in richtiger Ertenntniß der Sachlage dem Kaiser noch einen weiteren Wunsch vortrug, so erklärte sich der Kaiser auch hierin zu des Papstes Zufriedenheit: er verhieß nicht eher aus Deutschland fortzugehen, bis diese religiöse Frage ganz erledigt sei, er meinte auch in der Nähe des Conziles bleiben zu sollen, um durch den Einfluß seiner Persönlichkeit Alles im richtigen Gleichgewichte zu erhalten. Als sich in dieser Weise die beiden Häupter der Christenheit geeinigt, erließ der Papst am 13. November die Bulle, welche den Wiederbeginn conziliarer Verhandlungen in Tribent auf den 1. Mai des nächsten Jahre« ansetzte, und der Kaiser sprach, wenn er auch in manchen Wendungen dieser Bulle noch größere Klarheit, rückhaltlosere Anerkennung des alten spanischen Standpunkte« gewünscht hätte, ja wenn er sogar gegen die möglichen Nachtheile aus seiner Zustimmung zu dieser Bulle einen Protest aufsetzen ließ, doch mit dem Entschlüsse des Papstes vollkommene Uebereinstimmung und Zufriedenheit aus"). Auf der anderen Seite fand diese Idee des Papstes, das Conzil wieder in Trident zu versammeln, nicht denselben Beifall. Anfangs wünschte König Heinrich sich noch nicht in definitiver Weise zu äußern, er suchte den Entschluß hinauszuschieben und einstweilen allerlei Ein« würfe gegen die Zweckmäßigkeit und den Nutzen der Tridentiner Ver» sammlung geltend zu machen. Der päpstliche Gesandte gab da wohl einmal zu, daß tcinenfalls ohne die Zustimmung des Königs von Frant

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reich das Eonzil versammelt werden sollte. Aber Heinrich, wenig geneigt eine solche Zustimmung auszusprechen, crtheilte zuletzt geradezu die Antwort, daß er für sein Königreich und für die gallicanische Kirche durchaus kein Bedürfniß nach einem solchen Conzile fühle; man möge in den andern Ländern thun, was man für nöthig halte, Frankreich sehe nicht die Nothwendigteit eines allgemeinen Eonziles aller Nationen ein. Mit diesen und ähnlichen Erklärungen und Gegenerklärungen stritt man sich eine Zeitlang herum; zuletzt wurde in Rom dennoch der Beschluß zum Conzile gefaßt, ohne Rücksicht auf die französische Ab> Neigung ").

Es kam hinHu, daß auch in den politischen Dingen dieser Papst, das Geschöpf der französischen Partei im Eonclave, sich von dieser französischen Partei stets weiter entfernt Halle. Während er sich dem Kaiser in allen Fragen anschloß, trat in den Beziehungen zu König Heinrich Erkaltung, Entfremdung, zuletzt Spannung ein. Auch hier gab die italienische Landcspolitik, mit der allgemeinen europäischen Machlfragc verflochten, den Anlaß.

Wir sahen, wie in den letzten Tagen Pauls III. Ottavio Farncse und der Kardinal Farncse gegen die Erklärung des Großvaters sich in dem Besitze von Parma zu behaupten suchten. Ottavio war dcßhalb eine Verbindung sogar mit seinem Todfeinde Ferrante Gonzaga eingegangen. Während des Eonclave standen nun die Beiden über die Er« cberung Parmas, das im Namen der Kirche gegen die Farncscs von Camillo Orsino gehalten wurde, in Verhandlung. Aber wenn Gonzaga zu einem Handslreiche den Farnese mit Geld und Truppen unterstützen sollte, wünschte er vorsichtiger Weise doch dessen sich zu vergewissern, daß Ottavio das Herzogthum Parma nur als Vasall des Kaisers und im Namen von Kaiser und Reich ^behaupten werde; und als Ottavio solche Bedingungen einzugehen sich weigerte, wollte Gonzaga sich nicht zu sofortiger Hülfe verstehen, er wollte nicht die Verantwortung übernehmen, Ottavio in den Besitz von Parma zu setzen, ohne für die tünflige Stellung desselben zum Kaiser ein Unterpfand zu haben. Der Kaiser freilich wies ihn an, sofort Ottavio zu helfen und ihm in dieser seiner Noth Vertrauen zu schenken. Aber als dieser Befehl in Italien eintraf, und als Gonzaga sich widerwillig zu dieser Hülfeleistung an« schickte, war der Moment vorbei, Ottavio zu verpflichten. Der neue Papst, der in dem Eonclave die Bedingung unterzeichnet hatte, in jedem

") Ribiei II, 279-, vgl. Renard« Depesche vom 7. August.

Falle Parma ungesäumt den Farneses zurückzugeben, hatte diese Zusage <rfnllt; und so war Ottavio wieder in den Besitz von Parma gelangt").

In den ersten Tagen seiner Regierung erklärte, wie wir sahen, 5er Papst, er werde die Farneszs als seine Nepotcn behandeln, aber <ö zeigte sich bald, wie schwierig dieser Vorsatz zu vcrwirtlichen war. Wenn immer es etwas Unerhörtes gewesen ist, daß die Nepoten eines Papstes auch bei dem Nachfolger die erste Stelle in der Regierung betleiden, so war es bei den damaligen Verhältnissen der Farneses, in ihren ehrgeizigen Verbindungen mit dem Kaiser und mit dem Könige von Frankreich geradezu als eine Unmöglichkeit anzusehen. In diesen Italienern dauerte doch noch das Streben ungeschwächt fort, um jeden Preis ihr Fürstenthum von Parma und Piaeenza sich zu wahren, und im kaiserlichen Rathe hatte sicherlich der Wunsch nicht nachgelassen, diese Territorien dem Hcrzogthume Mailand zu ainicctiren. Da brachte -es zunächst die Stellung des neuen Papstes mit sich, daß er als der Lehnsherr der Farneses und als der Alliirte der kaiserlichen Politik eine Ermittelung der beiderseitigen Ansprüche auf sich nahm. Er empfahl dem Kaiser die Berücksichtigung der Farneses auf das Wärmste, er ivünschte in gütlicher Weise die Streitfrage beizulegen. Aber der Herzog Ottavio glaubte in jenen Verhandlungen während des Conclave genug von dem Sinne des Kaisers erkannt zu haben; Gonzaga's Weigerung hatte ihm die Augen geöffnet, er sah in dem Generale, der in Mailand gebot, wiederum nur den alten Feind, der ihm den Vater erschlagen, »nd der auf die Beseitigung aller Farneses ausging. Und wie da die französische Diplomatie Alles aufbot, eine antitaiserliche Liga in Italien zu schließen, kam es bald dahin, daß Ottavio sich lieber dem französischen Schutze in die Arme warf").

Die päpstlichen Nuntien, die am kaiserlichen Hofe in der Kirchenfrage verhandelten, hatten gleichzeitig auch die Aussöhnung der Farneses mit dem Kaiser zu betreiben. Des Kaisers Erklärungen waren da Anfangs recht schroff: er beharrte fest auf seinem Grundsatze, daß Parma wie Piaeenza dem Reiche gehöre, daß man verpflichtet sei, auch Parma ihm auszuliefern, daß also er nicht an eine Restitution von Piaeenza denke. Es war nun wohl nicht seine Absicht, diese scharf und schroff gegebene Antwort auch durchzuführen; er meinte vielmehr dadurch die Farneses zur Nachgiebigkeit zu zwingen, durch seine ablehnende Haltung

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beabsichtigte er sich ein Compromiß mit dem Gegner zu erleichtern^ Alle seine Absicht ging nur darauf hinaus, durch ein solches Compromiß in den ungestörten Besitz jener Territorien zu kommen und Ottavio Farnese dafür, wie er es ja auch schon früher angeboten, in angemessener Weise zu entschäbigen. Man verhandelte darüber lange hin und her. Von kaiserlicher Seite wurde dabei jetzt dieser Umstand immer nachdrücklicher betont, baß man nur eine mäßige Entschädigung geben und nicht bei den früheren Geboten verbleiben wolle. Bei Ottavio wurde die Einsicht immer klarer, daß er immer weniger von dem Kaiser zu erwarten habe, daß er fortwährend der Gefahr ausgesetzt bleibe, durch einen kühnen Handstreich Gonzaga's unversehens seitr Parma zu verlieren, und daß ihn dagegen nur der Rückhalt größerer militärischer Kräfte schützen tonne. Bei dem Papste Julius zuletzt wurde nach und nach der Unwille rege, daß er mit allen seinen Vorschlägen und allen seinen schlau crsonnenen Projekten zu nichts komme. Und der Kaiser war geschickt genug, auf des Papstes Idee einzugehen und sich mit den vom Papste vorgelegten Compromissen einverstanden zn erklären; wenn dagegen Ottavio es auf sich nahm, die ausgesonnencn Mittelwege des Papstes beständig abzuweisen, so brachte er dadurch den päpstlichen Lehnsherrn immer mehr gegen sich auf. Das erste Jahr dieses PontificateS war noch nicht zu Ende, und der gütige Vermittler hatte sich in den zürnenden Gebieter verwandelt").

Und wie sich in dieser Zeit immer mehr die Spannung zwischen dem Kaiser und Frankreich steigerte, griff der drohende Bruch der beiden Mächte auch in diese italienischen Verhältnisse über. Parma uno Piacenza waren der Punkt, in dem die Gegner zuerst aufeinander stießen: die Feindschaft, die auf allen Seiten Nahrung gefunden, kam auf italischem Boden zuerst zum Ausbruch.

Papst Julius ist also in der allgemeinen Frage der Kirchenordnung wie in dieser italienischen Territorialfrage ein Verbündeter des Kaisers geworden; er hat dcßhalb mit seinem alten Alliirten gebrochen und sogar die Farneses in Ungnade genommen. Er zog da mehr und mehr die eigene Familie an seinen Hof"). Freilich diese Montes sind nicht so bedeutende Erscheinungen wie die Farneses, sie haben auch niemals die glänzende Rolle der Farneses gespielt, sie haben niemals die politischen Geschäfte des Papstthums in so hervorragender Weise geleitet. Es waren der ältere Bruder des Papstes — „der Herr Balduin," wie die fremden Gesandten sagen — und dessen Sohn Giambattista, die bei der Erhebung des Kardinals zum Papste herbeieilten; eS war unter andern Seitenverwandten auch ein Sohu der Schwester des Papstes, Ascanio della Cornia, der seine Erscheinung bei Hofe machte, ein einäugiger, aber energischer Mann, ein tüchtiger Soldat. Alle diese Verwandten gewannen aber auf die eigentliche Regierung leinen Einfluß: sie verschafften sich wohl Geld und einträgliche Stellen, sie schwangen sich wohl einmal zu der Idee auf, ihrer Familie ein bleibendes Besitzthum zu erwerben, ja Ascanio, dessen Auftreten schon dem Papste Schiecken einflößte, setzte wohl einmal seine Verwendung in größeren Kriegsaffairen durch, — aber in allen wichtigen Dingen, in den politischen Fragen vermochten sie gar Nichts. Mit weit größerer Liebe und Zuneigung behandelte der Papst einen jungen Menschen, zu dem er in leiner verwandtschaftlichen Beziehung stand: es war das ein Straßenjunge aus Parma, zu dem der Kardinal Monte zuerst wegen seines herzhaften unerschrockenen Benehmens eine persönliche Zuneigung gefaßt, den er dann in sein HauS aufgenommen und als seinen liebsten Umgang behandelt hatte. Schon im Conclave hatte er scherzweise angedeutet, daß er diesen Jungen zu Ehren bringen wolle; jetzt behauptete er, zu dieser Würde des Papstthumes nur erhoben zu fein, um ihm das Kardinalat zu verschaffen. Aber es war leicht vorauszusehen, daß dieser jugendliche Kardinal ohne jede geistige Anlage und ohne jegliche Bildung sich auch leine politische Stellung im Collegium erobern werde. Und so gestaltete es sich in der That: bei Lebzeiten seines Gönners schon hatte er taum irgend eine Bedeutung, und nach dem Tode desselben hörte man von dem jungen Kardinal Monte nur reden, wenn eS sich um seine leichlsinnigen Streiche und seine scandalöse Ausführung handelte.

in) lieber diese Verhandlungen zwischen Julius III,, Ottavio und dem Kaiser tonnte ich außer dem früher bekannten Matcrialc auch noch die Depeschen Karls an Meuboza benutzen; es liegt außerhalb meiner Ausgabe, dieser Zache hier im Detail, nachzugehen.

«) Eine lebenswahre Schilderung dieser päpstlichen Verwandten gicbt Dandolo. (S, 353 ff,) Man «ermuihcte i« Rom, der Junge sei ein Lohn des Papstes; es scheint das Vcrhältnih überhaupt eine eigenthümliche Färbung gehabt zu haben, die bei Lebzeiten Julius' III. der Venetianer allerdings nur leise anzudeuten wagte.

Die päpstliche Politik überhaupt war in diesem Pontificatc nicht von einem selbständigen Gcdanten erfüllt; auch der Papst selbst leitete die Kirche nicht nach einem festen Plane und in fester Richtung; man lebte nur von dem Moment zu dem nächsten Moment und ließ sich

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