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Sofort erklärte er ihm, in allen Fragen Freund des Kaisers sein zu wollen, in allen Fragen sich dem Willen des Kaisers anzuschließen.

Es war das in der That ein unerwarteter Anblick, wie sich dieser Monte als Papst benahm. ES war ein unverhofftes Glück, daß dieser ^om Kaiser Ausgeschlossene sofort dem Kaiser Beweise seines Anschlusses gab.

Der Papst schickte, seine Erhebung mitzutheilen, nach Frankreich den Conclavisten Guise's, den Abt von Rosetto und an den Kaiser den Conclaviften Toledo's, Don Pedro de Toledo; er ließ durch diese beiden Gesandten den beiden Höfen seine freundschaftliche Gesinnung betheuern, er ließ darthun, daß er auflichtig, offen, frei, ohne jegliche Verstellung zu verfahren gedenke, daß er auch die allgemeine Kirchenfrage mit Ernst und Eifer nach den allgemeinen Bedürfnissen und nach den allgemeinen Wünschen erledigen werde. Jede nähere Beschluß« fassung aber behielt er weiterer Sendung vor').

Am kaiserlichen Hofe war man zufrieden, daß doch endlich eine Wahl zu Stande gekommen, und daß der neue Papst sofort jene Versicherungen an Mendoza ertheilt hatte. Man wolle nur hoffen, so meinte man, daß wirtlich der Papst die Erwartungen zum Nutzen Gottes und der Kirche auch erfüllen werde. Man erklärte sich auch befriedigt damit, daß Mendoza das kaiserliche Veto nicht verwendet, und daß er auch von des Kaisers Seite jenen Versprechungen des Papstes in freundlicher Weise geantwortet habe. Und der Kaiser wollte auch durch die That beweisen, baß er in Julius III. Vertrauen setze: er kam sofort mit sehr umfassenden Geldforderungen heraus, mit dem Antrage auf bedeutende geistlichen Steuern in Spanien, und er hegte zu dem gutgesinnten Papste das Zutrauen, daß er keine Schwierigkeiten dagegen machen werde. Was er 1547 fallen gelassen, auf den Widerspruch der Spanier zuletzt doch hörend, das hoffte er in umfasfendem Maße durch des Papstes Auctorität jetzt durchzusetzen. Und auch er sandte einen persönlichen Freund und Diener nach Rom, den ^uis de Avila, den bekannten spanischen Geschichtschreiber des deutschen Protestantenkrieges').

<) Die Instruktion für Pedro de Toledo und süi den Abt Rosetto sind ab schriftlich in der Sammlung Nerzofa's vorhanden. Ich bemerke noch, baß auf die sich steigernden Ausdrücke der Dankbarkeit und des Vertrauens gegen den Kaiser in dieser Instruktion oder in dem Schreiben des Papstes an Karl lein Gewicht zu legen ist,weil ganz dieselben Phrasen auch dem Könige von Frankreich gemacht wurden.

5) Karl an Mendoza vom 27, Februar, 18. Vliirz und 23. April 1bb0.

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6) Ueber die Verhandlungen Toledo'8 am kaiserlichen Hofe gibt eine sehr ausführliche Depesche des Kaisers an Mendoza vom 18. März Aufsáluß. Es heißt darin: nos dixo en esto del concilio como de suyo que el creya que no solamente le dara su sd. en Trento, pero aun mas adelante en Alemania si aquel lugar paresciese incomodo, con tanto que le asegurasemos que las cosas tocantes a la reformacion y authoridad de su sd, no pasassen por el rigor de quien quisiesse meter mas adelante la mano en ellas.

7) Ribier II., 274. 276. 277.

legte er im April die ganze Sache vor; und ihr Outachten ging dahin, daß wirtlich dieses Conzil in Trident fortgesetzt weiden müsse: man sah allerdings ein, daß bei einer Wiederaufnahme der Tridentiner Versammlung sich manche Schwierigkeiten ergeben würden, aber man war überzeugt, daß man diese einzelnen Fragen in der Praxis auf irgend eine Weise überwinden müsse und tonne b). Das einzige Bedenken, bei dem es sich wirtlich um eine Prinzipienfrage handelte, und das ini Sinne des Kaisers zu entscheiden dem Papst wirtlich hart ankommen mußte, war die Frage, ob jene Verlegung von Trident nach Bologna rechtskräftig gewesen, und ob das in Bologna Geschehene zu den Akten des Conzils mitzurechnen sei. Aber auch diese Frage wußte man zu umgehen. Der Kaiser war einstweilen damit einverstanden, baß man diese Rechtsfrage fallen lasfe, und daß man, ohne von Rückkehr des Eonziles zu reden, einfach die Verhandlungen in Trident wieder aufnehme').

Im Juni war der Entschluß des Papstes zur Reife gelangt; und ihn zu verkünden, geschah auch jetzt eine doppelte Sendung an den Kaiser und an König Heinrich, Dem Kaiser erörterte der Papst, daß er in dieser allgemeinen Angelegenheit der Kirche doch auch auf Frankreich Rücksicht zu nehmen habe, und so habe er der Franzosen Zutritt zu gewinnen, festgestellt, daß man auf dem Conzile nur kirchliche Fragen be» handeln, alles Politische dagegen sorgfältig vermeiden werde: mit dieser Beschränkung sei er entschlossen demnächst da« Conzil wieder zu eröffnen. Er wollte den Kaiser nur seinerseits auffordern und erinnern, auf's Neue den deutscheu Reichstag zu der Unterwerfung und Beschickung dieses Conziles anzuhalten, und der Kaiser sollte sich verpflichten, auch den schon früher gefaßten Beschlüssen des Conziles Beachtung zu ver« schaffen"). Und gleichzeitig wurden auch die Franzosen ermahnt, dieses Eonzil anzuerkennen: indem er ihnen jene Entfernung aller politischen Fragen aus den Debatten zusagte, wies er darauf hin, daß nicht seine Freundschaft für den Kaiser, sondern die Notwendigkeit der Sache selbst ihm diesen Beschluß dictirt habe").

Diese Eröffnungen fanden verschiedene Aufnahme. Der Kaiser

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tonnte doch nicht anders als durch diese Mittheilungen zur Zufriedenheit gestimmt sein. Pighino und Granvella einigten sich ohne Schwierigkeit über alle sonst noch zu erledigenden Details. Daß ohne Zeitverlust zchon der Papst Reformen anordne, ohne auf die Beschlüsse des Consiles zu warten, auch das entsprach durchaus der Meinung Karls. Wenn er hierzu noch besonders den Papst ermahnen ließ, nahm er es auf sich, jene gewünschte Unterwerfung der deutschen Stände unter das Conzil beizubringen, und Beiden schien es angemessen, für nächstes Frühjahr den Wiederbeginn des Conziles festzustellen").

Aber es ergab sich ein anderes Bedenken. Wenn der Papst von seinem Standpunkte aus mit vollem Rechte darauf bestehen mußte, daß die in der ersten Versammlung von Trident aufgestellten Dogmen jetzt nicht wieder in Zweifel gezogen werden dürften, und daß also die Fortsetzung des Conziles in Trident nur das noch unerledigt Gelassene in» Berathung ziehe, so war vorauszusehen, daß an dieser Frage die Unterwerfung der deutschen Protestanten unter das Conzil anstoßen werde. Auch nach den Siegen Karl's, auch nach der Unterordnung, der Deutschen unter seinen Willen war es eine starke Zumuthung an einen Protestanten, jene ohne sein Zuthun gefaßten Beschlüsse nachträglich anzuerkennen, sich zu jenen seiner Religion durchaus feindlichen Dogmen jetzt nachträglich zu bekennen. In der That, wir finden, daß sich aus dem bisherigen Gange dieser Dinge hier ein schwieriges Problem herausgestellt hatte. Der echte Katholik tonnte sicher nicht wollen, daß die Dogmen eines ökumenischen Conziles wieder umgestoßen würden; und ein guter Protestant konnte sich nicht einer Versammlung anschließen, die die Grundpfeiler seiner Ueberzeugung schon verworfen hatte. Aber auchin dieser Frage suchte des Kaisers Staatstunst durch einige praktische Kunstgriffe zu helfen. Ich glaube, auch wenn wir nicht die ausdrückliche Erklärung unseres Kaisers über diese Schwierigkeiten besäßen, wir dürften doch leinen Zweifel hegen, auf welcher Seite er gestanden. Aber trotzdem war Karl ein zu guter und zu gewandter Politiker, als daß er diese seine innere Ueberzeugung allen Parteien offen ausgesprochen hätte. Als ihm der Papst vorhalten ließ, daß die Gültigkeit der früheren Beschlüsse außer allem Zweifel stehen müsse, antwortete der Kaiser, das sei allerdings auch seine Meinung und sein Wille, aber da sie Beide, Kaiser wie Papst, doch darauf ausgingen für Deutschland

»2) Karl an Mendoza 10. September, vgl. Depeschen Pighino's aus dem August und September. (Ich benutzte eine Lopie derselben in jenen lidi-o» 6s Lei» 20«» in Simancas)

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