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Neapel und in Mailand, besaß, ihm Machtmittel, auch die Mitte des Landes zu fassen: was jetzt in Deutschland gelungen schien, durfte nun auch in Italien versucht werden"). Und auch unter den italienischen Fürsten fand in den Medicis und Gonzagas Karl Verbündete zu dieser Politik.

In jenem Sommer 154? schon haben Frauzosen und Italiener unaufhörlich davon geredet, daß der Kaiser durch seine ungcbändigtc Eroberungslust und seine tyrannischen Gefühle zu Angriffen auf die italienischen Zustände getrieben werde. In der That zeigen eS uns jetzt die Akten dieser Regierung, die bis heute geheim geblieben sind, daß Wirt« lich solche Pläne vorgelegen haben: Gonzaga hat wirklich auf allen Seiten vorwärts gestrebt. Das Wichtigste war, daß die Farncses entweder vollständig und auf immer für den Kaiser gewonnen oder ganz aus der Reihe italienischer Fürsten beseitigt wurden. Wie die Reibungen zwischen Pierluigi und Gonzaga immer weiter um sich griffen, da gewann Gonzaga immer mehr die Uebcrzeugung, daß dem ein Ende zu machen sei. Während Pierluigi immer mehr sich in französische Verbindungen einließ, ward die Nothwcndigleit immer dringender, sich so wichtiger Plätze wie Parma und Piaccnza zu bemächtigen. Schon im Winter legte Gonzaga es seinem Kaiser vor, daß genug Elemente der Unzufriedenheit in jenen Ländern vorhanden seien, um mit geringem Zuthun von kaiserlicher Seite Pierluigi's Herrschaft zu stürzen"). Die Vorgänge in Genua und Pierluigi's Thcilnahme an Fiesco's Comploll, die den kaiserlichen Ministern zweifellos feststand, konnten auch den Ab

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sichten Oonzaga's nur neuen Nachdruck geben. So billigte denn auch Karl ausdrücklich die Absichten feine« Vertreters: für den Fall einer Veränderung in dem Papate orbnete er an, daß Gonzaga sich jener Städte bemächtigen solle. Der Sturz Pierluigi's schien damals fchon eine beschlossene Sache zu sein"). Aber Gonzaga ging noch weiter. Er fragte bei dem Kaiser an, ob er eine etwa sich bietende Gelegenheit benutzen und ob er auch schon zu Lebzeiten des alten Papstes einen Handslreich auf Parma oder Piacenza mache» dürfe. Ja, er wußl< bald es darzulegen, welche Vortheile ein solcher Handstreich auch noch zu Lebzeiten Pauls III. biete. Jetzt im Frühlinge 15>47, meinte er, seien alle Umstände einem solchen Unternehmen günstig. Er entwickelte alle Vorwände, durch die man die Truppenbewegungen zu mastiren habe, und alle Wege, auf denen man zuerst sich Piacenza's und dann auch Parma's bemächtigen könne"). Dazu wollte Karl zunächst noch nicht seine Zustimmung geben-, noch immer wähnte er, nicht auf ewig mit dem Papste und seiner Familie brechen zu dürfen. Und so verfiel auch Gonzaga einmal auf jene Idee, mit den Farneses einen Tauschhandel einzugehen und ihnen gegen die Überlassung von Parma und Piacenza an das Herzogthuin Mailand von kaiserlicher Seite die unter kaiserlichem Schutze lebende Republik von Siena zu opfern"). Wir wissen, daß damit den Wünfchen der 'Farneses gedient gewesen wäre. Aber diese Vorschläge einer Nachgiebigkeit, die auch gewiß Oonzaga nicht ernstlich meinte, fanden am kaiserlichen Hofe damals immer weniger Anklang. Oonzaga's feindselige Gedanken und feindselige Pläne hatten doch in der Nähe des Kaisers einen wackeren Vertreter: Granvclla, der intime Freund Oonzaga's, suchte die kaiserliche Politik zu einem feindlicheren Verhalten gegen des Papstes Familienpläne zu bewegen. Es währte nicht lange, und inmitten jener Spaltung über die Conzilfrage faßte der Kaiser den Entschluß, nicht mehr mit freundlichen Anerbietungen, sondern mit offener Gewalt gegen Pierluigi zu verfahren"). Und als Gonzaga erst diese endgültige Entscheidung erhalten, war auch er schnell mit einem detaillirten Angriffsplane gegen Piacenza und Parma zur Hand ^°)

>«) Karl an Gonzaga vom II. Februar 1547,

>') Gonzaga vom 6, Mär; 1547 (das Original in Tim., aber schon nach einer niiuut«, bei Affi> p, 145—152.

'») Gonzaga vom 21. April. Vgl. auch Affi» r>. 153.

>N) Hart AI. Mai: uo» lmvemo« lezuelt« aus In yue m»8 xinviüüß por tullu» re8pectn8 es <zus 8« procecl» z>nr I» vi» <!e I» luer^» como o» purere,

««) Gonzaga vom 13, Juni. Auch hier hat Affö p, 159 ff schon au« ein« ininut» das Schreiben gekannt.

Nach Art dieser kleinen italienischen Fürsten war auch Pierluigi i» seinem neuen Staate mit konsequenter Energie und rücksichtsloser Strenge verfahren. Den Adel jener Städte hatte er natürlich sich zu Feinden gemacht; und solche Mißvergnügte waren es, auf deren revolutionären Beistand Gonzaga rechnete. Während Pierluigi durch den Bau einer Festung allen Aufstanbsgelüsten zu begegnen gedachte, knüpften seine unzufriedenen Unterchanen mit dem Statthalter von Mailand an. Eine Revolution dort zu erregen, Pierluigi gefangen zu nehmen und den: Platz dem Kaiser auszuliefern, dazu erboten sie sich an Gonzaga. Allesdrängte dahin, daß Gonzaga sich leicht mit ihnen einigte.

Wir verfolgen hier nicht die nähere Entwicklung des Verhängnisses in jenem Theile Italiens; es genüge hier, darauf hinzuweisen, daß der Kaiser gern und schnell auf diese Anträge einging, daß Gonzaga mit den Verschworenen von Piacenza Alles im Einzelnen ordnete, wie es, kommen sollte, daß endlich der Kaiser alle Verabredungen seines Statthalters billigte. Und nur den Einen Umstand heben wir hervor, der Karls Verhalten nach einer anderen Seite hin beleuchtet. Er schärfte es Gonzaga mit allem Nachdrucke ein, daß man sich bei jenem Aufstande in Piacenza nicht an dem Leben Pierluigi's vergreifen dürfe, und daß man den Herzog nur in sichere Gefangenschaft bringe. In der That weit vortheilhafter war es für den Kaiser, diesen Sohn des Papstes in feiner Hand zu halten und in langen Prozessen wegen der Genuesischen und Florenlinischen Complotte ihm mit dem Todesloose zu drohen» als durch eine Mordthat den Papst sich auf immer zu verfeinden").

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Die Absichten Gonzaga's blieben nicht auf diese Gebiete beschränk sie suchten auch an anderen Stellen die kaiserliche Herrschaft weiter vorzuschieben; und alle Bewegungen in italienischen Städten durften zu diesem Zwecke ausgenutzt weiden. Wenn in Genua der Aufstand Ficsio's eine unmittelbare Gefahr für die kaiserliche Stellung in nächster Nähe angezeigt hatte, so waren nachher der Kaiserlichen Pläne nur leben» diger geworden, sich für immer der Macht in Genua zu bemeistern: es war besonders Gonzaga's Wunsch, einen Handstreich in dieser Richtung wagen zu können; und beständig blieb er bemüht, die Chancen eines solchen Schlages vorzubereiten. Wenn sich damals in Siena Erinnerungen an alte Freiheit und Herrlichkeit regten, so schien es allen diesen kaiserlichen Politikern, Gonzaga wie Mendoza, wünschenswerth, gegen diese populäre Bewegung eine kaiserliche Besatzung dorthin zu legen. Hier im Herzen von Italien diesen sicheren Stützpunkt zu finden, die Aussicht mußte alle Bedenken niederschlagen. Und legte nicht der Aufstand, der gegen den großen Vice-König von Neapel Don Pedro de Toledo ausbrach, die Befürchtungen nahe, daß mit französischem Gelde und mit französischer Hülfe eine allgemeine Erhebung Italiens ausbrechen könne? Das Verhalten, das man in Rom in diesem kritischen Momente beobachtet hatte, tonnte auch da« Mißtrauen des Kaisers nur steigern. Und so empfahlen sich Gonzaga's Pläne auf weitere Annexionen italienischen Lande« an das kaiserliche Reich durch jede Erwägung, die man nur anstellen konnte. In dem Schwanken der Verhältnisse in Ita» lien und in dieser Lage, die in jedem Augenblick durch eine päpstlich-französische Liga dem Kaiser gefährlicher werden konnte, kam Gonzaga auf die Idee, nicht nur dieses Siena zu besetzen, sondern auch außer Parma und Piacenza noch einige andere günstig gelegene Städte dem Herzogthume Mailand zu incorporiren. In Bressa, in Crem« und in Bergamo dachte er Aufstände des Voltes gegen die venetianische Herrschaft zu erregen und durch feine Agenten auch dort die kaiserliche Annerionspolitil vorbereiten zu lassen"). Der Anfang aber sollte mit Piacenz» und Parma gemacht werden.

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Noch eine kurze Weile verzögerte den Streich Ottavio'S Besuch bei dem Vater in Piacenza. Erst als es gelungen, ihn von dort zu entfernen, konnte Gonzaga den Verschworenen das verabredete Zeichen geben. Und da erfolgte am 10. September der Aufstand in Piacenza. Des Herzogs Leben sollte man schonen, aber die Privatrache jener verschworenen Adeligen war stärker als die Rücksicht auf das Verbot des Kaisers. Picrluigi selbst fiel. Und dann riefen die Verschworenen nach der früheren Verabredung Gonzaga's Hülfe herbei, der sofort die Stadt im Namen deS Kaisers besetzte").

Die Nachricht dieser Vorgänge fiel plötzlich in die Verhandlungen in Rom. Zuerst glaubte der Papst einen kurzen Augenblick an Gonzaga's Versicherungen, baß er nur, um die Ruhe zu erhalten, jene Stadt besetzt habe; dann aber mehrten sich mehr und mehr die Zeichen, daß Gonzaga seine Hand im Komplotte gehabt habe. Der Papst und seine Frcunre wurden immer dringender in ihren Vorstellungen und Forderungen, daß eine genaue Untersuchung des Geschehenen erfolgen, und daß Piacenza in die Hand des rechtmäßigen Erben, d. h. Ottavio'S zurückgegeben werden müsse").

Das Spiel, das man da mit dem Papste trieb, war ein seltsames und mußte die Gefühle dieses Kirchen surften immer höher aufregen. Der Kaiser erklärte von der Nichtbelheiligung seines Feldherr« überzeugt zu sein, er gab auch gute Worte und trostreiche Versicherungen, auf das Wohl der FarneseS bedacht zu sein, aber er war weit ent» fernt davon, die gewünschte Ordre an Gonzaga auszustellen, die ihu zur Uebergabe der Stadt ermächtigt hätte, und Gonzaga setzte allem Drängen und Bitten immer die eine Erklärung entgegen, daß er ohne besonderen kaiserlichen Bcfcl'i seine Truppen nicht zurückziehen dürfe"). Da ward <s auch bald den FarneseS klar, daß man sie nur Hinhalten wollte,

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