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Es war ein entscheidender Schritt, den Karl in dieser Sendung seines bedeutendsten Diplomaten gethan. Mendoza hatte sich in Trident schon die gehörige Einsicht in die römischen Zustände verschafft, er war dort schon unzählige Male den Intriguen der geistlichen Fürsten entgegengetreten, er war vollständig im Stande, auch den ge reizten Beziehungen der beiden Mächte energischen Ausdruck zu geben. Es war Mendoza ein Mann von hoher geistiger Begabung und hohem politischen Talente. Von der Kraft und der Ueberlegenheit seines Geistes selbst auf's Höchste erfüllt, feiner persönlichen Würde und seiner amtlichen Stellung vollständig sich bewußt, von den Ideen und den Tendenzen dieser spanisch« kaiserlichen Politik auf das Lebhafteste durchdrungen, wußte Mendoza die Dinge und die Personen in Rom im Tone des Meisters und mit der geistigen Ueberlegenheit des Meisters zu behandeln. Wir besitzen heute noch die Depeschen, die er von dieser Gesandtschaft geschrieben. Es gewährt einen hohen Genuß, aus ihnen nicht nur Belehrung über die Borgänge in Italien zu schöpfen, , sondern auch die meisterhafte Charakteristik italienischer Zustände von der Hand eines Meisters historischer und novellistischer Darstellung zu verfolgen; in den Debatten und Conferenzen, die er hier schildert, wie in seiner Darstellung selbst ist er reich an geistreichen und überraschenden Wendungen. Mendoza ist uns so recht ein Repräsentant jener politisch-religiösen Gesinnung, die damals Spanien und seinen Kaiser erfüllt hat. An der Religion und der Kirche festhaltend, tritt er doch den Prätentionen Roms unzählige Male mit Ernst, mit Schärfe, mit Hohn entgegen; die Uebergriffe dieses Papstes und seiner geistlichen und weltlichen Räthe auf kirchlichem und auf politischem Gebiete fertigt er jedesmal mit Entschiedenheit ab; auch vor den persönlichen Eigenschaften 5es Papstes hegt er nicht die minbeste Achtung; seine Doppelsinnigkeit und Unzuverlässigteit ist ihm leinen Augenblick verborgen; überhaupt machen auf ihn die frommen und wohltönenden Redensarten dieser Römer auch nicht den mindesten Eindruck. So kam Mendoza nach Rom, von der Nothwendigleit oder wenigstens von der Zweckmäßigkeit einer Aussöhnung des kaiserlich-päpstlichen Zwistes überzeugt, aber durchaus weit entfernt davon, diese Versöhnung durch eine Aufgabe der taiferlichen Anschauung erlaufen zu wollen; ja er war weit eher geneigt durch Einschüchterung auf die Furcht der Farnefes zu wirken, als ihnen durch Freundschaft und Belohnung eine kaiserliche Allianz abzuschmeicheln.

In den Verhandlungen Mendoza'S in Rom machte sich von päpstlicher Seite der Einfluß des CardinalS Farnese jetzt wieder geltend, des Cardinales, der ja schon seit mehreren Jahren in alle Fragen für den Kaiser vermittelnd eingegriffen, der die Zukunft der Farneses durch die Heirath seines Bruders mit der kaiserlichen Tochter am besten gesichert glaubte. Farnese und Mendoza, die früher schon in Trident in ähnlicher Weise Bekanntschaft gemacht, näherten sich auch in Rom bald einem solchen Compromisse. Die spanische Kirchensubsidie, die der Papst zu» letzt zu einer Höhe von 4(X),tX)(> Dukaten angeboten, die aber Karl abgelehnt hatte, entschloß sich Karl jetzt anzunehmen. Mendoza und Farnese setzten es jetzt auch in Rom durch, daß die päpstliche Bulle definitiv für diese Summe von 400,(XX) Dukaten ausgefertigt wurde. Und auch auf die weitere Geldforderung des Kaisers nahm Farnese Rücksicht. Was er einmal früher angedeutet hatte, daß der Papst zwar nicht die geforderte Hälfte aller Kirchengeräthe, wohl aber lieber noch eine bestimmte Summe von der spanischen Kirche bewilligen wolle, das nahm man jetzt wieder auf. Der Papst selbst äußerte sich einmal günstiger hierüber, und Farnese hielt unausgesetzt die Hoffnungen der kaiserlichen Politiker wach, daß eine nochmalige Zahlung zugestanden werden könnte: Man bot da einmal dem Kaiser auf indirekte Weise eine Geldsumme an, wenn er in seinen Conzilforderungen nachlassen wolle, — eine Zumuthung, auf die er doch nicht eingehen durfte. Auf den Einen Umstand aber machte bei Allem Farnese unablässig aufmerksam, ebenso in direkten Aeußerungen, wie in unbestimmten Andeutungen, und dieser Eine Punkt war in der That der eigentliche Kernpunkt, um den es sich bei allen Verhandlungen zwischen Kaiser und Papst stets handelte. Wenn Karl sich entschließen könnte, trotz Allem, was vorgefallen, der Familie Farnese den Preis für die päpstliche Allianz zu zahlen, wenn Karl seine Abneigung gegen eine Befestigung der Farneses in Parma und Piacenza überwinden oder, was ihnen noch weit lieber war, wenn er sich vielleicht zu einer Belehnung eines Farnese mit Siena entschließen wollte, in diesem Falle glaubte der Cardinal Farnese, würden keine Schwierigkeiten aus den politischen Erfolgen des Kaisers und aus de» conziliaren Streitigkeiten erwachsen: in diesem Einen Falle glaubte er versprechen zu dürfen, daß man in allen anderen Fragen sich bald einigen werde°).

Einstweilen war ein Stillstand der Verhandlungen in Bologna vereinbart und dadurch Zeit gewonnen worden, den gesuchten Mittelweg ausfindig zu machen. Man erörterte zu diesem Zwecke eine ganze

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Reihe von Möglichleiten. Man meinte einmal, den Tridentiner Prälaten solle die Verhandlung über Deutschland bleiben und der Bologneser Versammlung die Aufgabe der allgemeineren Kirchenreformation zuertheilt werden. Ober man gerieth auf den Gedanken, an einen dritten Ort die beiden Versammlungen zusammen zu bringen. Es erschien da Ferrara besonders geeignet als ein solcher neutraler Boden zu dienen.' Man meinte auch wohl einmal, daß Kaiser und Papst ohne Conzil die Reformation der Kirche in'« Werk richten könnten'). Aber alle diese Dinge scheitelten an dem festen und unbeugsamen Entschlüsse des Kaisers, daß die geschehene Verlegung nach Bologna ein Unrecht sei, das man erst gut zu machen habe, und daß demnach die Bologneser Prälaten so° fort nach Trident zurückzukehren hätten. Freilich als der Papst einstweilen jede Verhandlung in Bologna einhalten ließ, machte diese augenblickliche Nachgiebigkeit doch bei dem Kaiser Eindruck. In der Umgebung des Kaisers selbst fand Sfondrato Stimmen, die auf friedliche Beilegung dieses Zwistes drangen; es schien entscheidend, daß zu der Meinung des Herzogs von Alba und des Cardinales von Augsburg sich auch die Stimme des Beichtvaters Soto gesellte. Gerade dieser Solo war besonders rjihrig und eifrig, einen Mittelweg zu erforschen: wenn er die Händel des Eonziles der alleinigen Fürsorge des Papstes überlassen wollte, dann verlangte er dafür größere, nachhaltigere Unterstützung des Kaisers in der deutschen Frage: für diesen Preis wollte er alle Zwistigteiten zwischen Kaiser und Papst übersehen, dafür sollte der Kaiser es auf sich nehmen, desto nachhaltiger an der Restauration dc5 Katholizismus in Deutschland zu arbeiten'").

Das Wesentlichste war also, einstweilen nicht die Kluft zwischen

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So schien aus dem zeitweiligen Bruche wieder eine neue Eintracht dcr beireu Häupter zu erwachsen, ja, für die weitere Zukunft trafen Mendoza und Farnese Besprechungen: auch den Nachfolger des alten Papstes wollten sie gemeinsam schaffen.

In diesem Momente brach über die Hoffnungen dieser Farneses und die glückliche Lage des Papstes plötzlich ein furchtbares Donnerwetter herein. Dieser spanische Karl war nicht der Mann, dem alten Italiener es zu vergessen, in welche Lage er ihn im vergangenen Winter gebracht. Die Drohungen und Zornesworte, die er damals dem Nuncius ausgestoßen hatte, sollten nicht leerer Schall und Klang bleiben, sie sollten in erschreckender Weise und Gestalt sich verwirtlichen.

Wenn der Papst gegen die geistliche Hoheit seiner Stellung durch feine väterliche Liebe und seine Farnesifche Interessenpolitit gesündigt hat, so hat ihn in demselben Gefühle auch die Strafe erreicht.

Mochte er mit dem Kaiser über friedlichere Beziehungen unterhandeln: unter der Mäste dieser Verhandlungen verbarg der Kaiser den Plan seiner Rache. Während er die Farneses in Rom hinhielt, während er ihnen noch von allerlei Tauschprojelten uud Combiuationen reden ließ, merkte er auf jeden ihrer Schritte auf und vergaß keines Versuches, den der Herzog Pierluigi in Frankreich thun mochte. Aber gut verhüllt war die Rache geblieben: plötzlich als sich der Papst eben feines Glückes erfreute und Luftschlösser von der dereinstigen Größe der Far« nesischen Fürsten baute, plötzlich traf des Kaisers Streich seinen Sohn, t>cn Herzog jener Lande von Parma und Piacenza.

Die italienische Politik des Kaisers hatte zu diesen blutigen Consequenzen hingeführt: wenn Karl seine Projecte in Italien verwirklichen wollte, mußte er zu dem Drama in Piacenza gelangen.

Schon als Gonzaga auf italienischem Boden erschien, hatten die Absichten der kaiserlichen Politik eine entschiedenere Wendung genommen: was Gonzaga an Planen im Einzelnen entworfen, hat er bald bei dem Kaiser durchzusetzen gewußt. Nach alle» Seiten hat sich über Italien hin diese Thätigleit Gonzaga's entwickelt. Wenn Karl in diesem Jahre 154? die kleinen Herrschaften in Deutschland dem kaiserlichen Willen wieder dienstbar zu machen bemüht war, so begann er ein ähnliches Spiel auf italienischem Boden. Auch hier war es eine Reihe kleiner Staaten, die alle in sich genug Mittel boten, eine Umwälzung hervor zu rufen; auch hier durfte die Lchnshoheit des Kaiserthumes den RechtStitcl zu allen diesen Versuchen abgeben, und auch hier bot die factische Macht, die der Kaiser an den beiden Endpunkten Italiens, in

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