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er behauptete, versicherte er, daß der Papst den besten Willen für da« Gelingen de« großen Unternehmens hege, entschuldigte er die Säumniß in der Auszahlung des Gelbes, verhieß er zuletzt, daß am Conzile wie im Kriege Paul III. fest zu dem Kaiser stehen werde"). So beruhigte in dieser Geldfrage, der wichtigsten für das Gelingen der ganzen Sache, des Cardinals Erscheinung noch einmal den Kaiser, und beschwichtigte den schon auflodernden Zorn des reizbaren Fürsten.

Eine andere Schwierigkeit erhob sich, die sich nicht so leicht beseitigen ließ. In der Urkunde der Kapitulation war doch dem Kaiser «in Verkauf von Grundstücken aus dem Besitze der spanischen Kirche bis zu 500,000 Dukaten zugesagt, freilich mit dem Zusätze, daß Karl eine entsprechende Entschädigung zu geben gehalten sei. Dies war ein Punkt, der bei den Cardinälen in Rom sofort auf erheblichen Widerspruch stieß: der dauernden Entäußerung von Kirchenbesitz zogen diese geistlichen Fürsten es vor, aus den Kirchengeräthen und Kostbarkeiten aus dem Gold- und Silberschmuck der Kirchen eine feste Summe dem Kaiser preiszugeben. Als man Karl dies vortrug, fand er zuerst keinen Anstoß diesen Tausch einzugehen, wenn er nur dieselbe Summe von 500,000 Dukaten dadurch in seine Hand bringe. Aber wie ward seine Entrüstung erregt, als es sich ergab, daß der Papst dabei eine andere Berechnung aufgestellt hatte: wenn Karl von der Verpflichtung zur Wiedererstattung des von der Kirche aufgenommenen Geldes befreit würde, könne er auch, so hatte der Papst es sich ausgedacht, mit 300,000 Dukaten in baarer Zahlung zufrieden sei. Allein eine solche Herabsetzung der früheren Summe tonnte und wollte Karl sich durchaus nicht gefallen lassen"). Nicht nur der ordentliche Gesandte in Rom wurde angewiesen, stets auf's Neue Protest gegen diese Maßtegel zu erheben, sondern es ward auch speziell für diese Frage ein Minister an den Papst entsendet, auf der ganzen ungeschmälerten Subsidie zu bestehen. Da nahmen in Rom die Verhandlungen einen immer gereizteren Ton an. Karl ließ fallen, daß der Papst den geschlossenen und beschworenen Vertrag gebrochen"), und der Papst in immer gesteigertem Feine bestand auf der ausdrücklichen Erklärung, daß er den Vertrag vollständig erfüllt habe, daß alle weiteren Bewilligungen von ihm als eine neue Gunst erbeten würden"). Aber alle diefe schon so früh erwachsenen Zwistigleiten sollten bald noch ganz andere Nahrung erhalten: es ergab sich ein wunderbarer Fall: alle Fortschritte, die Karls Waffen in Deutschland machten, trugen nur dazu bei, die Vlißstimmung im Papste zu erhöhen. Es ward dem kaiserlichen Gesandten wenigstens aus allen Aeußerungen am päpstlichen Hofe klar, das gerade der Erfolg des taiserlichpäpstlichen Bundes dem Papste immer widerwärtiger werde. Und auch der Kaiser überzeugte sich je länger, je mehr, daß der Papst zwar bereitwillig den Pertrag unterzeichnet habe, zur Ausführung aber nur fäumig komme''). dürfen. Woher aber sollte er sie anders erlangen, als aus derselben spanischen Kirche, die bis dahin ihm geholfen? So entschloß er sich damals zu einer umfassenden Maßregel von weitreichender Bedeutung. Auch dieser gut katholische König von Spanien glaubte, in dem Drange der Umstände und für eine heilige Sache in den geheiligten Besitz der Kirche eingreifen zu dürfen. Und diesmal bestand er nicht nur auf jenen 5(X),(XX) Dulaten, sondern ganz allgemein in allen Reichen und Staaten, ohne ein einziges auszunehmen, von allen Kirchen und Klöstern forderte er die Hälfte ihres Besitzes an Gold und Silber und Werthgegenständen und von den kirchlichen Genossenschaften die Hälfte ihres jährlichen Einkommens. Eine so allgemeine und so uneingeschränkte Maßregel hatte Francisco de Toledo, ein^im kanonischen Rechte wohlbewanderter und in den Discussionen am Conzile geübter Eleriter, gemeinschaftlich mit dem Beichtvater des Kaisers ersonnen, und Toledo warb auch mit der Durchführung seiner Idee in Rom beauftragt. Freilich, wenn der Papst hartnäckig sich sträubte, verhehlte man es sich nicht, daß wohl auch ohne den Willen des Papstes diese Säkularisation geschehen müsse. Die Heiligkeit seines Zweckes hat bei diesen Theologen auch einen solchen Schritt gerechtfertigt^).

n> Karl an Mendoza vom 6. September (Arch, v. Sim. leg, 642. iol. 122.) «gl auch Karl an Vega vom 30. August im Anhang V. 5.

>») Vega s Depesche vom 27, Juni und eine Reihe Depeschen aus dem Otto« bei 1b4«. (Lim, leg- 873.) Line zusammenfassende Darlegung dieses Verhältnisse« gibt da« Aktenstück im Anhang IV, 15.

u») Karl an Vega vom 22. September im Anhang V. «, Ich berichtige hier den Fehler der Datirung, der dort vorgefallen ist: bort steht 12. statt 22.

Als endlich im November es einem jeden Auge sicher schien, daß der Protestanten Heer den kaiserlichen Schaaren nicht Stand halten tonne und daß der Kaiser von Tag zu Tag mehr Aussichten gewinne, sein Endziel in Deutschland zu erreichen, da war die Frage für Kaiser und Papst in den Brennpunkt der Entscheidung gekommen. Wenn Karl dem sich auflösenden und auf Nordreutschland zurückziehenden Heere mit Kraft und Nachdruck nachzuziehen im Stande war, so bot sich ihm die Gelegenheit, den Krieg rasch und zweifellos zu beenden. Aber gerade um jene Heil lief der Pertrag mit dem Papste ab. Wird da der Papst gestatten, daß auch über die sechs Monate hinaus, auf die er sich verpflichtet. iDttavio's Heer den kaiserlichen Fahnen diene, und wird er aus den bisherigen Ncsultaten der Liga die Aufforderung entnehmen, für die weitere Verfolgung und Beendigung der Sache mit dem Kaiser ver» eint ;u bleiben? ^rer ist der Papst nicht im Stande, das Glück seines Alliiiten zu ertragen?

Wenn Karl aus dem bisherigen Gange des Krieges für sich die Hoffnung eines endlichen Gelingens schöpfte, so sab er sich doch zugleich in der Lage, neue Geltmittel zu dieser Fortsetzung des Krieges zu be

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Solche Anträge aber erschreckten die römische Curie gewaltig; in der damaligen Stimmung war der Papst weit entfernt, darauf einzugehen.

In solcher Weise hat sich bis dahin des Kaisers Politik im deutschen Kriege entwickelt. Den durch die militärische Geschicklichkeit errungenen Vortheil war er gewillt, in seine Consequenzen hinein zu verfolgen. Und wenn ihm gleich der Boden der päpstlichen Liga und die Unterstützung der italienischen Kräfte in's Wanken gerieth, er hat dennoch nicht abgelassen, den Papst auf die Wichtigkeit des Momentes hinweisend, von ihm Unterstützung in großartigem und ausreichendem Maaßstabe zu verlangen. Aber der Papst blieb nicht in dem kaiserlichen Bunde, Wie er Schwierigkeiten in der Ausführung der Eapitulation gemacht, und wie er auch das Conzil nicht nach der Anschauung der kaiserlichen Politik lenkte, so fand er bald auch Wege, an dem siegreichen Kaiser vorbei der Opposition die Hand zu reichen. Denn das liegt auf der Hand, Opposition mußte allenthalben der Fortschritt des Kaisers in Deutschland erregen.

») Karl an Philipp vom 28. November 1546 im Anhang IV, 13, Wie einst es damit gemeint war, zeigt die gleichzeitig erlassene Ordre an den Vice-König von Neapel, die ich deshalb auch mittheilen zu müssen glaubte im Anhang IV. 14. Daß Toledo und Soto die Urheber de« Planes gewesen, spricht Karl au» «n F, de Toledo 28. Nov.

Zunächst hatten schon im Sommer 1546 die Venetianer in Rom Schritte gethan, den Papst von der Unterstützung des Kaisers abzuwarnen, und den päpstlichen Truppen den Durchzug durch venetianisches Gebiet verweigern zu wollen erklärt' Auf englische Einwirkung und auf Intriguen eines lutheranischen Agenten wurde die Gerüchte zurückgeführt, die sich über eine venetianische Liga mit den auswärtigen Gegnern Karls und den Protestanten verbreiteten, ja es hieß, daß die Lutheraner der Signoria die Abtretung des ganzen Tirol in Aussicht gestellt und um Perbindung des venetianischen Heeres mit den süddeutschen Protestanten gebeten hatten. Als alle diese Nachrichten dem Kaiser bekannt wurden, erhielt Mendoza die Ordre, in Venedig selbst Gegenmaßregeln zu treffen. Und seinem energischen Auftreten war es zu danken, daß Alles als ein Mißverständnis; erklärt und daß von Be» nedig Frieden gehalten wurde").

Wenn so die politischen Umtriebe in Venedig noch rechtzeitig erstickt wurden, so tonnte eine Bewegung in der Schweiz, die zu Gunsten der Protestanten geschah, gefährlicher werben. Hatte doch der Papst den Schweizern es offen erklärt, daß es bei dem deutschen Kriege sich um die Religion der Protestanten handle. Und wie heftig auch der Kaiser bei dem Papste darüber Beschwerde führte"), so gelang es ihm nicht, den Eindruck der päpstlichen Breven zu verwischen. In der Schweiz fanden die Gesuche der Protestanten, und vor Allem die Gefuche des französischen Königs manchen Anklang. Viele Anstrengungen kostete es den kaiserlichen Statthalter Gonzaga, ehe er die Schweizer zur Neutralität bewogen").

Worauf es bei Allein ankam, die Stellung zu Frankreich ward jetzt wieder schwieriger: die alten Tendenzen Franz' I., die schon so oft den Ausbruch des Protestantenkrieges aufgehalten hatten, sie wurden auch jetzt am Abende seines Lebens in ihm wieder lebendig.

Nachdem in dem Frieden von Crespy Karl dem französischen Königshausc eines der streitigen Länder abtreten zu wollen verheißen, war es sein ganzes Bestreben gewesen, die schnelle Entscheidung in der ihm gelasseneil Alternative zu vermeiden und möglichst lange Zeit bis zur Erklärung seines Willens zu gewinnen").

w) Karl an Mendoza v. 12, Juli. Mendoza an Karl vom 30. Juli, Schreiben der Signoria vom 26, Juli und Karl an Mendoza vom 12, September (Sim. I^eg. «42. lul. 119 und 130 und I^e«, 1318 iol, N«. 118. 113,

", Vgl, Anhang V 3.

n) Oonzaga's Schreiben aus dem Novtmber (Sim. I^s«. 1132. toi. 90. ff.)

«) ?. ä'st. III, p, 67, 76. 78.

Der Tob des Herzogs von Orleans befreite den Kaiser von dieser Verpflichtung. Hin und her verhandelte man dann über die Bedingungen, unter denen der Friede erhalten und eine engere Allianz befestigt werden tonnte. Aber man kam nicht recht vorwärts in diesen Verhandlungen. Nur die Neutralität der französischen Krone in den deutschen Angelegenheiten blieb für den Anfang gesichert. Aber auch die protestantischen Bemühungen bei Franz und bei Heinrich von England, Frieden zu vermitteln und sich die Unterstützung beider Kronen zu verschaffen, blieben lange Zeit ohne Erfolg.» Erst nach dem französisch-englischen Friedensschlüsse, im Juli 1546, gewann Franz freie Hand, auf Deutschland seine Thätigteit zu richten. Es ist tlar, daß bei jedem Fortschritt des Kaisers seine Spannung wachsen mußte.

Wir sind leider nicht genau darüber unterrichtet, wie weit es zwischen dem französischen König und den deutschen Protestanten zum Abschluß gekommen. Von Gerüchten freilich und Befürchtungen einer solchen Allianz hören wir die kaiserlichen Minister an allen Stellen reden"). Ja der Eardinal Farnese durfte im Vertrauen dem kaiserlichen Gesandten die freundschaftliche Mittheilung machen, daß die Protestanten dem französischen Könige die Kaiserkrone angeboten hätten"). Aber wie dem auch sein mag, die französische Politik ließ in den letzten Monaten des Jahres 1546 es weder an diplomatischen Vorbereituugen noch an fliegerischen Rüstungen fehlen. Auch auf italienischem Boden finden wir die Spuren ihrer Thätigteit: den florentinischen Flüchtling Strozzi unterstützte sie mit Geld und Waffen, und mit dem mißmuthigen Sohne des Papstes knüpfte sie neue Verbindungen an").

Es war das letzte Moment, das zu der allgemeinen Gereiztheit dieser päpstlichen Familie gegen den Kaiser hinzukam. Wie den Farneses die Aussicht auf Anerkennung ihrer fürstlichen Bestrebungen dahinschwand

n> Eine der interessantesten Mitteilungen machte damals St, Maurice, der laiserliche Gesandte in Frantreick. Er hatte durch die Königin keonor erfahren, daß der franzisische Admiral über, eine geheim« Verabredung zwischen England und Frankreich und den Protestanten geredet; aber etwa» Bestimmte« bringt er doch nicht heraus, (Dep. v. 4, Juli 1546 in ^reb, äe I'emz,!«.)

««) Depesche Mendoza's vom 22. November 154« (Sim.). Ob sich das wohl aus die Verhandlungen zwischen Christoph von Wilrtemberg und dem Dauphin im Ottober 154« bezieht? (Psister p. l?7.)

2») Nach einer Depesche de« Nuntius vom 25. November Äfft» p. 127, 128. Auch Mendoza's Depeschen enthalten Notizen darüber. Interessant ist die Weisung Karl's an Menboza vom 14. November, er solle den Versuch machen, des Strozzi habhast zu weiden (ee!>»i in»»«!).

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