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*) Französische Zeitungen und andere Veröffentlichungen haben die Behauptung aufgestellt, daß im Augenblicke, als der Friedensvertrag von Villafranca unterzeichnet wurde, Feldmarschall Heß eingestanden habe, es wären ihm bei der Schlacht von Solferino 50,000 Mann kampfunfähig geworden; „denn“, soll er gesagt haben, „die gezogenen französischen Kanonen haben unsere Reserven dezimirt.“ Allein es wird wohl erlaubt sein, an der Aechtheit dieser Worte zu zweifeln.

für die drei Armeen noch 40,000 Mann beizählen, welche am Typhus und anderen Krankheiten, theils in Folge der ungeheuren Strapazen vom 24. Juni oder der unmittelbar vorhergehenden und nachfolgenden Tage, theils in Folge der schädlichen klimatischen Einflüsse bei der tropischen Hitze in den Ebenen der Lombardei, theils auch durch die Unvorsichtigkeiten der Soldaten sclbst ihren Tod fanden. – Ganz abgesehen vom Standpunkte des Militärs und des Ruhmes wäre somit die Schlacht von Solferino in den Augen jedes neutralen und unparteiischen Menschen als ein wirklich europäisches Unglück zu betrachten*).

*) Lassen wir hierüber Paul de Molènes sprechen, welcher als Stabsoffizier der französischen Armee der Schlacht beiwohnte und dessen edles Herz ihn folgende Zeilen niederschreiben ließ, welche vollständig zu unserm Gegenstande passen:

„Nach der Schlacht von Marengo, derjenigen von 1800, welche doch noch lange nicht in Beziehung auf das Gemetzel der Schlacht von Solferino gleichkommt, bemächtigte sich Napoleon's I. eines jener plötzlichen und überwältigenden Gefühle, welche den Rathschlägen der Politik fremd, selbst die Eingebungen des Genie's zu verdrängen im Stande sind, eines jener Gefühle, das Geheimniß von Heldenseelen, welche unter dem Auge Gottes die verborgensten Fibern des Gewissens erwecken. – „Auf dem Schlachtfelde“, schrieb er an den Kaiser von Oestreich, „inmitten der Leiden von einer Menge Verwundeter und umgeben von 15,000 Leichnamen, beschwöre ich E. M., auf die Stimme der Menschlichkeit zu hören.“ Dieser Brief, den uns ein berühmter Geschichtschreiber der heutigen Zeit vollständig wiedergiebt, hat mich lebhaft ergriffen. Derjenige, welcher ihn schrieb, war selbst davon bewegt und überrascht. Und in seine Ueberraschung mischte sich dennoch nicht jene geheime Reue, von welcher die Menschen oft durchdrungen werden, wenn sie bei ihrem Erwachen, wie sie sagen, ihren Verstand anklagen, daß er geschlummert und ihr Herz eine edelmüthige That habe vollführen lassen. Er nahm unter der unerwarteten, ursprünglichen Form diesen Gedanken auf, dessen Ursache er begriff und achtete. Diese Quelle des Gedankens nun, welche dem Sieger von Marengo jenen Erbarmens- und Trauerschrei erpreßte, brach sich durch die Schlacht von Solferino,“ setzt Paul de Molènes hinzu, „von Neuem Bahn.“

Die Transporte von Verwundeten, welche von Brescia nach Mailand stets in der Nacht abgiengen (wegen der brennenden Sonnenhitze des Tages), boten durch die mit verstümmelten Soldaten gefüllten Waggons einen ungemein traurigen und ergreifenden Anblick dar, und so besonders die Ankunft in den von einer traurigen, stillen Volksmasse angefüllten Bahnhöfen, welche der fahle Schein von Pechfackeln beleuchtete; in dieser dicht gedrängten, von Mitgefühl tief bewegten Menge hielt jeder Einzelne wie im Einverständnisse den Athmen an, während das Klagen und das unterdrückte Stöhnen aus den Waggons bis zu ihnen drang.

Die Oestreicher hatten bei ihrem Rückzuge bis zum Garda-See, während des Juni, die lombardisch-venetianische Eisenbahn auf vielen Punkten auf der Strecke von Mailand nach Brescia und Peschiera unterbrochen; allein diese Linie wurde schnell wieder hergestellt und dem Verkehre übergeben*), um den Transport des Materials, der Munition und der für die alliirte Armee bestimmten Lebensmittel zu erleichtern und die Entleerung der Spitäler von Brescia zu ermöglichen.

Auf jeder Station waren lange und schmale Barracken aufgeschlagen, um die Verwundeten, sobald sie die Waggons verließen, darin aufzunehmen, zu welchem Zwecke sich Betten oder einfach neben einander gelegte Matratzen darin be

*) Dieses Resultat ist namentlich der Thätigkeit und der Energie des mailändischen Banquiers Carl Brot zu danken, welcher das einzige in der Stadt zurückgebliebene Mitglied des Verwaltungsrathes der lombardischvenetianischen Eisenbahnen war.

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