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*) Der Herzog von Magenta ist sehr beliebt in der französischen Armee, seine Soldaten achten und verehren ihn; es möge davon ein Beispiel hier Platz finden: Im Jahre 1856 befanden sich in Algerien auf der Straße nach Konstantine zwei ausgediente Zuaven in dem Intérieur eines Eilwagens, indessen ich im Coupée saß; sie begaben sich als Arbeiter nach Bathna, um dort in den Wäldern Bäume zu schlagen. Sie sprachen während der Fahrt immer von dem orientalischen Kriege und dem Marschalle MacMahon in ihrer pittoresken Sprache, und zwar laut genug, daß ich einige Phrasen verstehen konnte. „Gibt es,“ sagte der Eine, „einen General wie er? Er wußte uns zu kommandiren! Wir sind alte Troupiers, alte Brummbären, wir haben nie Furcht gehabt, und doch haben wir geweint; erinnerst Du Dich, als er zu uns auf dem Platze sprach, – wir wurden verabschiedet, und unsere Zeit war aus – wie er da von uns Abschied nahm und zu uns sagte: „Kinder, ihr habt tapfer unter den Fahnen gedient, ihr kehrt jetzt in das bürgerliche Leben zurück; begeht niemals eine schlechte Handlung, erinnert euch, daß ihr einen Vater habt, und dieser Vater – der bin ich!“ So hat er gesagt, indem er sich auf die Brust schlug . . . „und meine Börse ist die Eure. Gebt mir Alle die Hand . . .“ Erinnerst Du Dich, als er uns seine Börse voll Gold zuwarf und sagte: „Theilet unter einander, aber zankt euch nicht ! . . .“ Und wir haben Alle geweint, wie kleine Mädchen.“

befand ich mich in jenem, seitdem geschichtlich berühmt gewordenen Hause, das in der kurzen Zeit vom Morgen bis zum Abende des 24. zwei große feindliche Monarchen in sich beherbergt hatte. Um 3 Uhr Nachmittags desselben Tages war ich wieder bei den Verwundeten in Castiglione angekommen, die mir ihre Freude, mich wieder zu sehen, auf's Lebhafteste ausdrückten; und den 30. Juni kam ich nach Brescia. Diese hübsche, so recht malerisch gelegene Stadt war nicht wie Castiglione in ein provisorisches Feldlazareth, sondern mehr in ein ungeheuer ausgedehntes Spital umgewandelt, ihre zwei Domkirchen, die übrigen Kirchen, die Paläste, die Klöster, die Schulen, die Kasernen, kurz alle Gebäulichkeiten waren mit Schlachtopfern von Solferino angefüllt; 15,000 Better waren so zu sagen in einem einzigen Tage aufgeschlagen worden; die großherzigen Bewohner hatten mehr gethan, als noch je unter ähnlichen Umständen geschehen ist. In der Mitte der Stadt war der Dom, gewöhnlich il Duomo vecchio oder la Rotonda genannt, mit seinen zwei Kapellen von etwa tausend Verwundeten angefüllt; das Volk drängte sich in Masse herbei, und besonders die Frauen jeden Ranges, um Orangen, Gallerte, Biscuit, Zuckerwerk und sonstige Erfrischungen zu bringen; auch die niederste Wittwe oder die ärmste kleine Alte glaubten sich verpflichtet, ihren Tribut des Mitgefühls und ihre bescheidene Gabe darbringen zu müssen. Dieselben Auftritte fanden in dem neuen Dome Statt, einem prachtvollen Gebäude in weißem Marmor mit einer weiten Kuppel geziert; mehrere hunderte von Verwundeten waren hier untergebracht, ebenso in den vierzig anderen Gebäuden, Kir

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