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*) Diese Thatsache, welche ich in einer Sitzung der société d'Ethnographie von Paris erzählte, wurde in der Revue orientale et américaine (Januar 1850) von Herrn R. Cortambert in seinem bemerkenswerthen Artikel „De la chevelure chez les différents peuples“ erwähnt,

außer den körperlichen Leiden und dem Grame über die Gefangenschaft noch den Haß erdulden, den die Mailänder gegen ihre Race, ihre Führer und ihren Regenten im Herzen trugen, und fanden erst wieder auf französischem Boden eine freundlichere Behandlung! Ihr armen Mütter in Deutschland, in Oestreich, in Ungarn und in Böhmen! wer sollte nicht an euer Bangen denken, sobald ihr vernahmet, daß eure verwundeten Söhne in diesem feindlichen Lande sich als Gefangene befanden! Allein da die Frauen von Castiglione sahen, daß ich keinen Unterschied zwischen den Nationalitäten machte, ahmten sie meinem Beispiele nach, indem sie alle diese Leute von so verschiedener Abkunft und ihnen ja alle gleich fremd mit demselben Wohlwollen behandelten. „Tutti fratelli,“ sagten sie oft mit bewegter Stimme. Ehre diesen mitleidigen Frauen, diesen jungen Mädchen von Castiglione! Nichts hat sie zurückgeschreckt, nichts ihren Eifer geschwächt oder sie entmuthigt; und ihre bescheidene Hingebung war weder durch Beschwerden, noch durch den Widerwillen, noch endlich durch Opfer zu ermüden. Das Gefühl, welches man über seine eigene Untüchtigkeit bei so außerordentlichen und ernsten Ereignissen fühlt, ist eine unnennbare Qual; es ist in der That ungemein peinlich, nicht immer die Leiden lindern zu können, welche wir vor unsern Augen haben, oder zu denen zu gelangen, welche unsere Hülfe erflehen, indem hier besonders manche Stunde vergieng, bis man dahin gelangte, wohin man wollte, hier aufgehalten von dem Einen, dort befragt von dem Andern, und auf jedem Schritte hingehalten von einer Menge Unglücklicher, die uns entgegenkamen und umringten; und dann, weßhalb sich auch links wenden, während rechts so Viele

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*) Da ich erst nach mehr als 3 Jahren mich entschlossen habe, diese peinlichen Erinnerungen zusammenzustellen, die nicht für die Oeffentlichkeit bestimmt waren, so wird man begreifen, daß sie bereits ein wenig verblaßt sind und außerdem noch in Beziehung auf die Schmerzens- und Verzweiflungsscenen, deren Zeuge ich war, nur in abgekürzter Form gegeben wurden. Allein wenn diese Blätter beitragen könnten zur Entwicklung und Reifung der Frage über die den verwundeten Soldaten im Kriege zu leistende Hülfe und über die gleich nach einem Gefechte ihnen zu widmende Pflege, und wenn sie die Aufmerksamkeit der Freunde der Humanität und Philanthropie auf sich ziehen sollten, oder mit einem Worte, wenn die Beschäftigung und das Studium über einen so wichtigen Gegenstand durch Erlangung von Fortschritten einen Zustand bessern könnten, der nie genug, und selbst in den bestorganisirten Armeen, ins Auge gefaßt werden kann, so würde ich im vollsten Maße mein Ziel erreicht glauben.

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