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Die Sarden waren vom Morgen bis zum Abend fortwährend damit beschäftigt, in kleinen Scharmützeln und durch Sturmangriffe die Mamelons von San Martino, Roccolo, Madonna della Scoperta bald zu vertheidigen, bald dem Feinde zu entreißen, fünf und sechs mal hinter einander wurden diese Mamelons genommen und wieder genommen, bis endlich die Sarden im Besitze von Pozzolengo blieben, obgleich sie nur divisionsweise und ohne allzuviel Uebereinstimmung kämpften. Ihre Generale Mollard, de La Marmora, Della Rocca, Durando, Fanti, Cialdini, Cuccchiari, De Sonnaz, sowie die Offiziere aller Waffen und Grade unterstützten die Bemühungen ihres Königs, unter dessen Augen die Generale Perrier, Cerale und Arnoldi verwundet wurden.

Sollten wir bei Erwähnung der französischen Armee nicht auch, nebst den Marschällen und Divisionsgeneralen, des glorreichen Antheils gedenken, den die wackeren Brigadegenerale, alle diese thatkräftigen Obristen, die braven Commandanten und Hauptleute an dem glücklichen Erfolge dieses großen Tages hatten? Es war wahrlich auch ein Ruhm, Krieger zu bekämpfen und zu besiegen, wie einen Prinzen Rückzug zuerst anzutreten, noch ehe Marschall Canrobert alle seine Streitkräfte entwickelt hatte; die Armee des Grafen Schlick mußte trotz der Standhaftigkeit des Grafen Stadion, der mit Ausnahme der Division des Prinzen von Hessen von den Feldmarschall-Lieutenants Clam Gallas und Zobel zu schwach unterstützt wurde, alle ihre Positionen aufgeben, die in den Händen der Oestreicher zu ebensoviel Festungen geworden waren. Der Himmel verdunkelte sich plötzlich durch das Heranziehen dichten Gewölkes, der Sturm tobte und brach Aeste von den Bäumen, welche er forttrug durch die Lüfte; ein kalter, vom Sturm gepeitschter Regen oder vielmehr eine wirkliche Wasserhose entlud sich über die Streiter, welche bereits von Hunger und Müdigkeit erschlafft, von den Rauchwolken und dem aufgeworfenen Staube fast erblindet, nun auch gegen die vom Himmel entfesselten Elemente anzukämpfen hatten. Allein trotz diesem Wetter sammelten sich dennoch die Oestreicher auf den Commandoruf ihrer Offiziere; gegen 5 Uhr mußte das Kämpfen von beiden Seiten aufgegeben werden, die Regengüsse, die Schloßen, die Blitzschläge, der dumpf rollende Donner und die über das Schlachtfeld sich verbreitende Dunkelheit hinderten jede Fortsetzung des Kampfes. Während dieser ganzen Schlacht zeigte das Haupt des Habsburgischen Hauses eine bewunderungswürdige Ruhe und Kaltblütigkeit; bei der Einnahme von Cavriana befand er sich mit dem Grafen Schlick und seinem Flügeladjutanten, dem Prinzen von Nassau, auf einer benachbarten Höhe, auf la Madonna della Pieve, zunächst einer mit Cypressen umgebenen Kapelle. Als das östreichische Centrum weichen mußte und der linke Flügel nicht mehr hoffen konnte, die Stellung

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*) Was den General Forey betrifft, so entlehnen wir über ihn folgende Stelle aus dem hübschen Buche des eidgenössischen Herrn Obrist Edmund Favre: „Die preußische Armee und die Manoevres von Köln im Jahre 1861“:

„Der König ließ uns alle für den gleichen Tag zur Tafel im Schlosse Benrath bei Düsseldorf einladen. . . . Ehe sich der König zu Tische setzte, nahm er die Generale Forey und Paumgartten bei der Hand. „Nun Sie Freunde sind“, sagte er lachend zu ihnen, „so setzen Sie sich einer neben den Andern und plaudern Sie.“ Da nun Forey der Sieger von Montebello und Paumgartten sein Gegner war, so konnten sie nach Herzenslust einander um alle Einzelheiten jenes Tages befragen. Aus dem ehrlichen Lächeln des Oestreichers war zu erkennen, daß die Zeit des Grolles vorüber sei, der Franzose hatte, wie wir wissen, ohnehin keinen Grund dazu. So ist der Krieg, so sind die Soldaten! Die beiden diesen Herbst so befreundeten Generale, theilen sich vielleicht nächstes Jahr wieder Hiebe aus, um dann nach zwei Jahren irgendwo wieder zusammen zu speisen.“

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