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Notiz

über den Transport der Verwundeten im Felde und über einen bei Schenkelund Beinbrüchen anzuwendenden Apparat,

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Der Zweck dieser Mittheilung ist, die Aufmerksamkeit auf einen Gegenstand zu lenken, dessen Wichtigkeit und Dring- lichkeit der Feldzug in Italien dargelegt hat, nämlich: auf die Amputationen im Allgemeinen und auf die anzuwendenden Mittel, um die Zahl der Amputationen zu vermindern, ohne das Leben der Verwundeten zu gefährden.

In einem Werke: „Le chirurgien à l'ambulance“*), habe ich versucht, zu beweisen, daß die Versuche, bei Schenkel- und Beinbrüchen die betreffenden Glieder zu erhalten, nur in wenig Fällen eine Heilung zulassen, und zwar nur in dem Verhältnisse von 35: 100, und daß bei den sogleich vorgenommenen Amputationen im Vergleiche zu den erst später erfolgenden die ersteren einen annähernden Vortheil von 73:52 darbieten. Ohne die Wichtigkeit solcher Zahlenverhältnisse bei Beobachtungen dieser Art überschätzen zu wollen, glaube ich doch, daß die Amputation mehr Möglichkeit des Gelingens darbietet, wenn sie alsogleich vorgenommen werden kann. Man wird aber zugeben, daß die Folgen eines solchen chirurgischen Systems sehr bedenklich sind. Durch die Vermehrung der Zahl der Verstümmelten wächst auch die Zahl der für die menschliche Gesellschaft nutzlosen oder wenig nützlichen Individuen an, und werden auch die Finanzen durch die gezwungene Unterhaltung dieser Armee von Invaliden schwer belastet.

*) Ein Band in 8°. Paris und Genf, bei Joel Cherbuliez.

Dem ernsten Dilemma gegenüber, entweder 1) etliche Glieder zu erhalten, aber viele Leben auf das Spiel zu setzen, oder 2) eine große Zahl von Leben zu erhalten, aber dadurch viele Invaliden zu schaffen, – ist es wohl natürlich, die Frage aufzuwerfen, ob es kein Mittel gebe, um die eine dieser Gefahren zu vermindern, ohne die andere zu vermehren.

Die Bemühungen der Chirurgen können sich sowohl der Art der Behandlung der Wunde zuwenden, als auch auf Anlegung des ersten Verbandes und auf den Transport der Verwundeten sich beziehen. Der eine dieser Punkte fällt mit allen Fragen über die Behandlung der durch Feuerwaffen hervorgebrachten Wunden im Allgemeinen zusammen, und diesen Gegenstand haben wir hier nicht weiter in Betracht zu ziehen.

Allein ist es in Beziehung auf den Transport nicht augen

scheinlich, daß derselbe einen unmittelbaren Einfluß auf die Erhaltung des Verwundeten und des verletzten Gliedes hat? Was waren nicht oft die traurigen Folgen eines langen Transportes auf holperigen Wegen in schlecht konstruirten Wagen und bei unvollständig angelegten Verbänden! Die ergreifenden Darstellungen von „Eine Erinnerung an Solferino“ bieten uns davon einen bedauernswürdigen Beweis.

Wird der Apparat für Knochenbrüche, von welchem ich hier eine Beschreibung geben will, in den verschiedenen Armeen irgend eine allgemeine Anwendung finden? Wir wissen es nicht, allein auf alle Fälle haben die obersten militärischen Sanitätsräthe von Paris und Turin ihn in den Militärspitälern geprüft, und er wurde auch in der spanischen Armee während des marokkanischen Krieges beim Transporte der Verwundeten angewendet. betreffende Schiene die wünschbare Länge für das zu stützende verwundete Glied erhält. Um jedes Schwanken des Fußes nach einer oder der anderen Seite zu verhindern, ist an dem Endpunkte der langen Schiene eine Holzsohle angebracht, welche an den Fuß geschoben und mit Riemen da festgeschnallt wird. Sobald der Apparat an das Bein angelegt ist, wird jede Bewegung unmöglich; es bleibt dann nur noch übrig, das gesunde Glied an das kranke an zwei Stellen zu befestigen, und der Transport kann ohne Gefahr vorgenommen werden. In Beziehung auf diesen Transport kommt es natürlich auf den Sitz und auf die Gefährlichkeit der Verwundung an, so wie auf die Distanz, welche man zurückzulegen hat. Das Tragen in freier Hand ist immer schwierig, und kann nicht auf lange Strecken angewendet werden; es sind dazu mindestens zwei Träger nothwendig. Da jedoch ihre Hände leicht ausgleiten und sich trennen können, so muß man durch ein sehr einfaches Mittel diesem vorbeugen. Man dreht ein Taschentuch in Strickform zusammen, knüpft die zwei Enden fest an einander, und nachdem man den auf diese Weise angefertigten Strick zu einer oo gekreuzt, werden die Hände hineingeschoben und fassen sich unter der Kreuzung. Auf diese Weise ist jedes Ausgleiten unmöglich, und der Transport kann ohne Gefahr auf eine so weite Strecke vor sich gehen, als die Kraft der Arme es erlaubt. Bei Knochenbrüchen, vorzüglich der untern Gliedmaßen, muß man es vermeiden, den Transport vorzunehmen, ohne daß ein vorläufiger Verband angelegt wurde. Es ist in diesen Fällen immer besser, den Verwundeten zuerst an einen Platz zu bringen, wo er gegen die Geschoße gesichert

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