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*) Während dem Orientkriege vom Winter 1854–1855 besuchte der Kaiser von Rußland, Alexander II., die Spitäler der Krim. Dieser mächtige Herrscher, dessen ausgezeichnetes Herz und dessen großmüthige, menschenfreundliche Seele bekannt genug sind, war von dem Schauspiele, das sich seinen Blicken darbot, so tief ergriffen, daß er sich von diesem Augenblicke an entschloß, Frieden zu schließen, da es ihm widerstrebte, die Metzeleien fortdauern zu lassen, welche eine so große Zahl seiner Unterthanen in diesen bejammernswerthen Zustand versetzten.

Reiches, in welchem sie ersucht wurde, die Pflege der englischen Soldaten im Oriente zu übernehmen. Miß Nightingale, deren Namen seitdem im Volksmunde lebt, zögerte keinen Augenblick, diesen Vorschlag, für den sie auch das Herz ihrer Monarchin eingenommen wußte, anzunehmen, und sie reiste im November 1854 über Constantinopel und Scutari mit 37 englischen Damen, welche gleich nach ihrer Ankunft in der Krim die so zahlreichen Verwundeten von Inkermann zu pflegen Gelegenheit hatten. Im Jahre 1855 folgte ihr Miß Stanley mit 50 neuen Gefährtinnen, wodurch es Miß Nightingale möglich wurde, nach Balaklava zu gehen und dort die Spitäler zu besuchen. Man weiß ja, was ihre glühende Liebe für die leidende Menschheit in der Krim für Gutes vollführte.*) Allein wie viele andere Beweise von Hingebung, sowohl in der neueren als in der älteren Zeit und von denen wohl die Meisten unbekannt geblieben sind, wie Viele waren mehr oder weniger erfolglos, weil sie allein standen und nicht durch zusammengreifende und wohlorganisirte Anordnungen unterstützt wurden! Wenn solche freiwillige Krankenwärter den 24., 25. und 26. Juni in Castiglione, oder zur selben Zeit in Brescia wie auch in Mantua und Verona gewesen wären, welch' unberechenbares Gute hätten sie hier wohl leisten können?

*) Das Bild der Miß Florence Nightingale, wie sie während der Nacht mit einer kleinen Laterne in der Hand die weiten Schlafsäle der Militärspitäler durchwandert, und den Zustand jedes Kranken sich aufschreibt, um ihm die nothwendigste Hülfe verschaffen zu können, wird sich wohl niemals aus den Herzen derer verwischen lassen, welche Gegenstand oder Zeuge dieser bewunderungswürdigen Barmherzigkeit waren, und die Geschichte wird den Namen dieser Frau für immer in ihren Annalen bewahren.

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von Médole und in den Schluchten von San Martino, sowie auf den Abhängen des Fontanaberges oder der Mamelons von Solferino thätig zu sein, so würde man nicht den 24. Juni während vieler langen Stunden jenen Bersagliere, jenen Uhlanen oder jenen Zuaven in so drückender Todesangst, in der so bitteren Furcht des Verlassenseins gelassen haben; diese Unglücklichen versuchten trotz ihrer furchtbaren Schmerzen sich zu erheben, und gaben vergebens von der Ferne und wiederholt Zeichen, damit man eine Tragbahre nach ihrer Seite hinbringe. Endlich würde man nicht in den schrecklichen Fall gekommen sein, wie dies nur zu wahrscheinlich den andern Tag geschehen, noch Lebende mit den Todten zu begraben! Bei besseren und vollkommeneren Transportmitteln*) würde man jenem Jäger der Garde die schmerzhafte Ampu

*) Sobald man bessere Transportmittel anwendet, so werden auch die so häufigen Verschlimmerungsfälle während der kurzen Strecke vom Schlachtfelde bis zum Feldlazarethe vermieden werden, und dadurch vermindert sich auch die Zahl der Amputationen und selbstverständlich die Ausgaben für jeden Staat, der die Invaliden zu pensioniren gezwungen ist. Mehrere Chirurgen haben in letzterer Zeit den Transport der Verwundeten zum Gegenstande besonderer Studien gemacht; so erfand Dr. Appia einen weichen, leichten und sehr einfachen Apparat, in Folge dessen die Stöße in den Fällen von Kochenbrüchen vermindert werden, und Dr. Martrès hat auch mit günstigem Erfolge seine Aufmerksamkeit dieser Frage zugewendet. Herr Louis Joubert, ehemaliger Zögling der Chirurgie in den Spitälern von Paris, und jetzt Premier Attaché des kaiserlichen Hauses, hat seit dem italienischen Kriege eine Tornister-Tragbare oder ein Tornisterbett mit einem sehr einfachen und sinnreichen Mechanismus erfunden, welches so bedeutende Vortheile darbietet, daß man bereits eine gewisse Anzahl dieser Transportapparate den französischen Expeditionstruppen nach Mexiko und Cochinchina mitgab. Mehrere Regierungen, welche bereits die Nützlichkeit dieses Tornisterbettes erkannten, haben dasselbe angenommen, und seine Anwendung ist auch schon in Frankreich bei den Civilverwaltungen, in großen industriellen Etablissements, wie Hüttenwerken, großen Bauhöfen, Minen 2c. ziemlich allgemein. Das Tornisterbett kann zu gleicher Zeit als Schutzzelt, Feldbett, provisorisches Spitalbett und als gedeckte Tragbahre mit Kopfkissen dienen.

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