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$ [ 0 đ c n. Die Gloden sind hier unter drei Rücksichten zu betrachten, nämlich hinsichtlich ihres Materials, ihrer Gestalt und Größe, und ihrer Verfertigungsart.

1. Material der Gloden. Das allgemeinste Mates rial, woraus Gloden verfertigt werden, ist eine Mischung aus Kupfer und Zinn, also Bronze (s. diesen Artikel im III. Bde. S. 156), welche aber nach dieser Verwendung insbesondere die Namen Glockengut, Glockenspeise, Gloden metall führt. Die Vorschriften zur Zusammenfeßung dieser Legirung sind verschieden, und zıvar imerhalb so weiter Grenzen, daß auf 100 Theile Kupfer von 12 bis zu 50 Th. Zinn empfohlen werden. Nach den zuverläßigsten Erfahrungen aber findet sidy der stärfste und schönste Klang mit einer hinlänglich großen Zähigkeit danu sereinigt, wenn das Kupfer nahe das Vierfache des Zinns aus. macht. Dieß ist die Misdung der wegen ihres durchdringenden Sons befannten chinesischen Beden oder Gong Gong, in welchen man 78 Prozent Kupfer und 22 Prozent Zina gefunden, þat. Das Glockenmetall foute jederzeit fo genau als möglich diese Zusammenfeßung haben; allein da häufig zur Herstellung eines neuen Gusses verschiedene 'alte Gußstücke eingeschmolzen werden, deren Zusammensepung man nicht kennt und auch nicht durch Analyse zu erfahren sucht, so ist ganz natürlich die Beobachtung eines genauen Verhältnisses in der Praris oft unausführbar. Alle andern Metalle, außer Kupfer und Zinn, sind theils nußlos, theils fogar schädlich, indem sie den Klang verschlechtern oder die Spródigkeit vermehren; daber sind die Zufäße von Zink oder Mes: sing, Blei, Wismuth u. f. w. zu verwerfen. Daß eine Beimis schung von Silber den Klang der Glocken erhöhe, ist ein längst widerlegtes Vorurtheil; und alte, wegen ihres Klanges berühmte Glocken, welche man für silberhaltig ausgegeben hatte, zeigten bei der chemischen Untersuchung feine Spur dieses Metalle Eine größere Menge Zinn reßt man besonders gern den ganz kleinen: Glocken oder Kiingeln zu, um das Metal leichtflüssiger zu ma. chen; in diesem Falle erlaubt man sich auch am öftesten eine Beis, mischung von Zint, weil dadurch die Masse wohlfeiler spird, und.. Technol. Encyklop. VII. Bd.

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doch das Zerspringen eben nicht zu befürchten ist. Gutes Glo: cenmetal muß eine röthlidyweiße Farbe und einen dichten, fein: förnigen Bruch besißen. Grobe Zaifen auf der Bruchfläche zeis gen einen zu geringen Zinngehalt an; dagegen ist ein sehr feiner Brud), dessen Korn man faum bemerken fann, ein Mirfmahl zur großen Zinn - Zusaßeß. Ein, Kubiffuß Glockenmetal wiegt in runder Zahl 500 Pfund.

. Gußeiserne Thurmglocken scheinen schon in früherer Zeit angewendet worden zu feyn; neuerlich haben preußische und öster: reichische Eisengießereien dergleichen verfertigt, welche sich bei der Unwendung durch starfen und guten Klang, so wie durch Halts barkeit bewährten. Ihre Wohlfeilheit macht sie empfehlenswerth.

Handglocken oder Klingeln werden befanntlich sehr oft aus Messing, zuweilen aus Argentan, aus Silber und auch aus Eisen gegossen. In Frankreich hat man seit mehreren Jahren mit gutem Erfolge Handglocken aus einer weißen Mischung von 19 Theilen reinem Zinn, 1 Sheil Kupfer und einer kleinen Menge Antimon (Métal d'Alger genannt) verferrigt, welde den Vor: theil gewäørte sich wie Zinn in meltingenen Formen gießen zu lassen. Voll, tein und dem Glase ähnlid flingend sind, nadh Kastner, folgende zwei Legirungen, welche daher ebenfalls zul guten weißen Glocken brauchbar rern würden: a) 800 Cheile Zinn, 17 Th. Supfer, 5 Th. Wismuth; b) 7) Th. Zinn, i Ib. eisenfreies Antimon. .' Die Viehglocke n nach Schweizer Urt, welche aus Eis fenblech gebogen, zusammengenietet und niit Kupfer oder Melo singschlagloth verlöthet werden, sind hier gleid)falls anzuführen. . Gläserne Glocken verdienen nur als eine selten vorfom: mende Sonderbarfeit Erwähnung. - Der Stahlsiab: Oe: I aute als Ersaßmittels der Glocken ijt im V. Bande, S. 550 gedacht. • Gestalt und Größe der U loof en. Die Gestalt der Glocken ist im Allgemeinen befannt genug; sie erfordert jedoch hier eine genauere Untersuchung Eine lange Erfahrung hat zu einem gewillen Verhältnisse zivischen den Dimensionen der Glocken geführt, welches für die Erzeugung des Schals das vortheilhaf: teste ist, und son welchem daher nicht, oder nur in unbedeutendem

Grade, abgewichen wird. Die Hauptfäße, welche in dieser Bes ziehung aufgestellt werden können, sind folgende:

1) Eine Glocke besitzt den größten Durchmesser an ihrer Mündung, und die größte Metalldicke an dem Schlagringe (Schlag oder Kranj), d. h. jenem Umkreise, gegen welchen der Klöppel schlägt.

2) Die größte Weite ist das Fünfzehnfache, die Höhe aber (sdyrag außen an der Glocke gemelTen) das Zwölffache von der Dicke am Sálagringe.

3) Bon dem Schlagringe bis zur halben Höhe der Glocke vermindert sich die Dicke derselben; von hier an und in der gan: jen obern Hälfte (dem Oberfaße) beträgt sie nur den dritten Theil der Dicke am Schlagringe. Von demi Sdilage nach dem Ilmfreise der Mündung hin nimmt die Dicke ebenfalls ab: dies fer dünnere Rand führt den Namen Bord.

4) Der Durchmesser in obersten Cheile (der Haube oder Platte) ist halb so groß als der Durchmesser - der Mündung.

5) Die Schwere des Kloppels oder Schwengels ist ungefähr der vierzigste Theil vom Gewichte der Glocke. Nach der von Şabu (in 'seiner Kampanologie, Erfurt 1802) gegebes nen, auf Erfahrung gegründeten Unweisung foll man auf jede 100 Pfund der Glocke 34/2 Pfund Eisengewicht rechnen, dem so bestimmten Gewichte des Klöppels noch 5 Pfund zufeßen, und den Klopp el ball, d. h. den fugel: oder birnförmigen, an die Glocke schlagenden Theil, im Verhältnisse von 5 zu 3 dicker ma: chen als die Metallstärke der' Glocke' am Schlagringe. Jedoch fällt nach dieser Regel für Glocken unter 100 Pfund der Klöppel zu schwer aus.

Das richtige Profil einer Glocke von gegebenem Durchmes. ser wird auf folgende Weise verzeichnet, wobei indessen manche fleine Abweichungen in dem Verfahren bei verschiedenen Gießern úblich sind. Die horizontale Linie ab (Taf. 128, fig. 1) fer die vorgeschriebene Weite der Glocke an ihrer Mündung. Mau theilt diese Länge, welche zu dem Behufe bei a'b' noch ein Mahl aufgezeichnet ist, in 15 gleiche Theile, welche man Schläge nennt, weil eitt solcher Theil die Dicke der Glocke am Schlage oder Schlagringe darstellt. Dieser so eingetheilte Durchmesser

le

der Glode dient als Maßstab bei den folgenden Operationen. Zunächst theilt man ab in vier gleiche Theile, und errichtet in den Sheilungspunften c, d, e drei fenfrechte linien cf, dg, eh. Nun gibt fh den Durchmesser der Haube, welcher halb so groß ist als der Durchmesser der Mündung. Mit einer Zirkelöffnung von 12 Schlägen schneidet man aus dem Punfte b die Linie eh in i; zieht dann die Linie bi, und theilt sie in 12 gleiche Theile; beschreibt mit dem Halbmesser b k=1/2 Schlägen aus b einen Bogen; schneidet darauf einen Schlag von k nach 1 ab, und erhalt so die Dicke der Glocke am Schlagringe. Nachdem die Linie 1b gezogen ist, errichtet man auf m, als der Mitte von bi, eine Senfrechte, und bezeichnet auf derfelben ein túc mn= 1/2 Schlägen. Der Punft n bestimmt, wie weit die Schweifung der Glocke in der Mitte der Höhe zurücktritt. Um die Schweifung selbst zu zeichnen, welche in zwei Theile nk und ni von verschiedener Krümmung zerfáut, sucht man mit einer Zirkelöffnung von 30 Schlägen von n und i aus einen Durch, fchnittspunkt o, und beschreibt von bier mit dem Halbmesser on den Bogen in. Ferner wird auf der Linie mn von n nach p

/ Schlag aufgetragen, und aus o mit dem Halbmesser op der Bogen p q für die innere Krümmung der Glocke in ihrer obern Hälfte beschrieben. Ju der untern Hälfte ist der innere Bogen aus einem andern Mittelpunfte zu zeichnen als der äußere. Man sucht nämlich, indem man den Zirkel auf 12 Sdläge öffnet, aus den Punkten r und 1 einen Mittelpunkt r, und beschreibt aus diesenı den Bogen pl; hierauf fucht man aus den Punkten n und k, in der Entfernung von 8 Schlägen, einen Punft s, der den Mittelpunkt zur Besdireibung des Bogens n k abgibt. Ends lich schneidet man mit einer Zirkelöffnung von 8 Schlägen, aus den Endpunften a und b der Linie ab, die Achse dg der Glocke in t, und zeichnet aus legterem Punfte mit dem Halbmesser ti den Bogen i u für die äußere Wölbung der Haube. Die Haube erhält / Schlag zur Dicke ; ihre innere Krümmung, qv wird daher aus dem Mittelpunkte t mit einem Halbmesser, welcher um '/3 Schlag kleiner ist als ti, beschrieben. Zur bessern Befes stigung der Senkel oder der sogenannten Krone oben, auf der Glocke gibt man gern der Haube in ihrer Mitte eine Persárkung

19 des Klobna tere gezeichne

wie die

von '%, Schlag in der Diđe, welche mit wx bezeichnet ist. Die áußere, nach der Regel entworfene Form der Glocke erleidet oft fleine Veränderungen, š. B. durch Abrundung des Winkels i und u an dem Rande der Haube, und der Kante bei k, so wie durch Reifen oder Stäbe, welche man nach Willfür an verschie: denen Stellen der Oberfläche, theils zur Verstärkung, theils als Zierde anbringt.

Fig. 2 gibt die Ansicht einer vollstándigen Glode, welche zum Theil im Durchschnitte gezeichnet ist, um die Gestalt und. Befestigung des Klöppele zu zeigen. Man sieht hier die Art, wie die Glocke an ihrem Helme befestigt ist, mit welchem sie im Glockenstuhle deo Shurms aufgehangen wird. Der Helm, der Wolf oder das Joch a a' (Fig. 3 vom Ende aus gesehen) ist ein dickes Stú& recht trockenen Eichenholzes, dessen Enden b, b eine zylindrische Gestalt besiken, und mit eisernen Reifen umge. ben sind. Un jedem Ende ist ein eiserner Zapfen c angebracht, dessen vierkantige Verlängerung in einem Falje auf der untern Seite des Helms liegt, und bei d in einen reditwinfeligen Has ken ausläuft. Zwei eiserne Bänder é, in der Gestalt langer und schmaler Reifen, gehen vorn und hinten neben dem Helme hinauf, und ragen oben und unten so weit vor, dat die eisernen Riemen f und g durchgeschoben und verteilt werden fönnen. Auf diese Weise wird der Hafen d zurückgebalten, und mit Beis búlfe des Ringet b dem Zapfen seine Unbeweglichkeit gesichert. Beide Zapfen kommen auf dem Glockenstuhle in messingene Pfans nen zu liegen, und indem mittelst eines Hebels und eines Seils der Helm gedreht wird, entstehen die Schwingungen der Glocke, welche zum Läuten nöthig sind.

Die Befestigung der Glocke an dem Helme geschieht mittelst der Krone, welche sich oben auf der Haube befindet, und aus fecho, mit dem Körper der Glocke zugleich gegossenen Henfeln besteht. Um die Beschaffenheit der Krone deutlich zu erfennen, ziehe man die Fig. 4, 5, 6 ju Rathe, von welchen Fig. 4 der Grundriß, Fig. 5 der Aufriß von vorn (entsprechend der Ansicht in Fig. 2), fig. 6 der Aufriß der linken Seite ist. In diesen drei Zeichnungen muß man sich für den gegenwärtigen Zweck die bloß punftirt angegebenen Theile wegdenken. Mitten auf der Haube der Glocke steht der so genannte Mittel bogen 7, d. 9.

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