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vorgezeichnet, dann aber mit dem Grabstichel ausgearbeitet. Man bedient sid, dazu des gewöhnlichen rautenförmigen Grabstichelo, der ganz gerade oder schwach aufwärts gebogen ist; zu feinen Strichen auch der Messerzeiger. Striche von beträd)tlidyer Breite fónnen nicht wohl auf Einen Zug ausgeführt werden; man seßt sie deßhalb aus mehreren gleid laufenden Strichen zusammen, ebnet aber nachher das raube Junere mittelst eines Flachstichels, dessen Schneide die erforderliche Breite hat. Geübte Schriftstes cher befolgen hierbei gewöhnlich das Verfahren, deu Fladistichel von der Mitte des breiten geraden Striches aus (š. B. in den Buchstaben I, T, N u. . 1v.) zuerst nach dem einen Ende hin und dann nach dem andern Ende zu fiihren, so, daß der Grund der Vertiefung gleichsam doppelt abgedacht erscheint, indem auf dem Uusgangspunfte in der Mitte ein faum merklicher, äußerst stumpfer Winfel als Erhabenheit stehen bleibt. Der Grath, wels chen das Metall zu beiden Seiten der Striche aufwirft, wird mits telst des Schabers weggenommen, oder - falls auf der Fläche nicht geschabt werden darf – vorsichtig mittelst des Grabstichels abgelöst. Bei sehr feiner Gravirung auf weichen Metallen (z. B. Kapfer und Silber) wird der unbedeutende Grath bloß durch Schlei: fen mit einem in Wasser getauchten Stückcheu weicher Holzkohle fortgeschafft.

IV. Die Kunst des O tem p elschneiden s begreift haupts fächlich die Verfertigung der Prägstempel zu Geldmünzen und Medailen; außerdem die Gravirung der Stanjen zum Pressen verzierter Gegenstände aus Blech, so wie der Stempel zum Prägen der metallenen Kleiderknöpfe. Bei allen diesen Gegenständen sind die Verfahrungsarten wesentlid, übereinstimmend. Die Prāgs stempel und fleineren Stanzen werden ganz aus Stahl gemacht; größere @tanzen aus geschmiedeten Eisen, auf welches eine mehr oder weniger dicke Lage Stahl aufgeschweißt ist, zuweilen auch bloß aus Eisen. Nachdem durch das Schmieden und hierauf durch Befeilen oder Übdrehen dem Stahlstücke die erforderliche Gestalt gegeben ist, wird dasselbe so sehr als möglich erweicht, indem man es in einer eisernen Büchse mit Kohlenpulver umgibt, einen. Deckel mit Lehm befestigt, das Ganze im Essenfeuer glühend macht,

und die Büchse erst nach vollendeter, höchst langsam bewerkstellig: ter Abfühlung wieder öffnet.

Eine nothwendige Vorbereitung zum Graviren eines Stem: pels ist die Aufertigung eines Modells, welches aus Wachs bossirt wird (s. Art. Bofriren im II. Bde.), und genau so aus, gearbeitet werden muß, wie der Abdruck des Stempels erscheinen fou. Nach Anleitung dieses Models wird der Uniriß der Zeich: nung auf der fein und eben abgeschliffenen Fläche des Stahls mit der Spiße einer Radirnadel entworfen. Zur Zusarbeitung der Vertiefungen, wobei man mit den tiefsten Theilen anfängt, bes dient man sich der verschiedenen Arten von Grabstidelnı; feine Theile des Gegenstandes werden wohl auch mittelst kleiner Pun: zen ausgebildet, wie diejenigen sind, deren die Goldarbeiter sich bedienen, g. B. Ziehpunzen, Mattpunzen, Frisoirs, u. f. w. (f. Art. Goldarbeiten). Nur bei sehr großen und tiefen Stel. len, wie sie zuweilen bei großen Stanzen, wohl nie aber bei Münz- und Medaillen : Stempeln vorkommen, kann man es wa: gen, aus dem Roben den Stahl mittelst der Meißel auszuhauen, von welchen an einer frühern Stelle dieses Artikels die rede war (f. Taf. 113, Fig. 26, 27, 28). Von Zeit zu Zeit madit der Künstler einen Ubdruck seines Stempels in Wachs oder geschmol: zenem, mit Blei verseştem Zinn, um durch Vergleichung dessels ben mit dem Modelle zu erkennen, ob und wo noch nachzuhelfen nöthig ist. Die breiten und glatten Vertiefungen werden mit kleinen gekrümmten Feilen (Riffelfeilen) geglättet, die legte Vol: Lendung aber gibt man allen Theilen, welche durd, den Grabstichel felbst nicht glatt genug ausfallen, mittelst kleiner Ohlschleifsteine, welche wie ein Bleistift zwisdien den Fingern gehalten werden, und denen man durch Wegen auf einem Sandsteine eine ange: messene Form ertheilt. Die Schrift der Stempel wird mit Puns zen eingeschlagen, der Rand auf der Drehbank eingedreht.

Ofters wird der Gegenstand eines Stempels erhaben auf Stahl gravirt, wobei man die Umgebung der Zeichnung mittelst der Meißel vorsichtig weghaut, die Zeichnung selbst aber mittelst der Grabstichel, kleinen Feilen, Punzen und Ohlsteine ausführt und vollendet. Eine solche Gravirung wird dann gehärtet und niittelst der Prägpresse in weichen Stahl eingedrückt (gefeutt), um den Stempel zu bilden, den man, in so fern dieß nöthig ist, mit den schon genannten Werfzeugen nachgearbeitet. Die Schrift wird immer erst auf dem Stempel eingeschlagen, und nicht ge: senkt. Bei Medaillen -Stempeln wird dieses Verfahren, seiner Weitläufigkeit wegen, nicht oft angewendet, obschon die erhabene Gravirung leichter auszuführen ist als die vertiefte; dagegen ist es bei der Verfertigung der Stempel zu Geldmünzen ganz in der Regel. Diese Stempel, vorzüglich die Köpfe auf denselben, were den nämlich stets zuerst er haben in Stahl gravirt, und man drückt dieses Original., nachdem es gehärtet ist, in eine beliebige Unzahl von Prägstempeln ein, wozu man sich der Prágpresse bes dient, wie beim Münzprägen selbst, nur daß jene Arbeit (das Senken) begreiflicher Weise viel langsamer geht und große Aufmerksamkeit erfordert. Man erreicht auf diese Weise die volls kommenste Gleichheit aller Stempel. Ist eine Gravirung ur: sprünglich vertieft (8. B. ein Wappen), so prägt man sie zuerst erhaben in Stahl ab, und verwendet diesen erhabenen Abdruck, welchen man härtet, zum Senken der Prägstempel. Bei erhas benen Originalen befolgt man sogar gewöhnlich ein noch weits läufigeres Verfahren. Um námlich die erste Gravirung nicht durch zu oftmahligen Gebrauch der Gefahr des Verderbens auss juseken, prägt man sie vertieft in Stahl ab, härtet den Abdruck, senft damit eine neue erhabene Kopie, härtet diese ebenfalls, und bedient sich endlich ihrer, um damit die Prägstempel herzustellen. Geht nun auch diese erhabene Kopie zu Grunde, fo fann sie leicht wieder ersegt werden.

Pon höchster Wichtigkeit ist das Hårten der Stempel. Die Schwierigkeit dieser Arbeit liegt darin, dem Stempel den ers forderlichen Grad von Härte zu geben, und die Entstehung von Sprüngen (f. g. Hårterisfen) zu vermeiden. Zu geringe Şárte raubt dem Stempel seine Dauerhaftigkeit, zu große macht ihn spróde, und veranlaßt fehr leicht das Zerspringen desselben beim Prägen. Da ein Unglücksfall beim Härten die ganze mühevolle Arbeit des Graveurs zu Nichte macht, so darf feine der Vors fichten versäumt werden, welche beim Härten großer oder dicker Stahlstücke überhaupt zu beobachten sind. Man unterscheidet in Bezug auf die Stempel zwei Hartungs - Methoden, von welchen Tehnol. Encnflop. VII. Bd.

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bald die eine bald die andere vorgezogeu wird; nämlich die Kår: tung durch Eintauchen und die Hartung durch den Strabi.

Um nach der erstern Weise zu verfahren, umgibt man den Stenipel (die Gravirung nach unten gefehrt) in einer seiner Größe angemessenen Büchse von Eisenblech überall mit einer 3 bis 4 Linien dicken Lage von Ruß oder feinem Koblenpulver ; feßt einen Deckel auf, dessen Fuge man dicht mit lehm verstreicht; erhißt die Büchse in einem Ofen recht gleichmäßig 1/2 bis 2 Stunden, überhaupt bis der Stenipel beim Öffnen der Büchse stark rotha glühend erscheint; zieht ihn dann behende mit einer Zange aus der Buchse, und taucht ihn (die gravirte Flache nach unten) in faltes Wasser, worin man ihn herum bewegt, bis er nicht mehr zischt, endlich aber so lange liegen läßt, bis er völlig erfaltet ist.

Die Strahl: Härtung beruht darauf, daß ein Wasser: strahl auf den Mittelpunkt des glühenden Stempels geleitet wird, welcher mit Kraft auffält und sich über die ganze Fläche auss breitet. Ein Wasserbehälter wird zu diesem Ende 30 bis 40 Fuß über der Stelle, wo man das Kärten vornimmt, angebracht. Aus diesem Gefäße wird das Wasser durch eine Röhre von 14 Zoll Durchmesser herabgeleitet. Die Röhre besigt unten einen Hahn, und auszuwechselnde Anfäße von verschiedener Weite, um den Durchmesser des Strahls der Größe des Stempels angemes: sen zu verändern. Unter der Offnung des Ansages wird der glúz hende Stempel so gehalten, daß das Wasser in dem Mittelpunkte der gravirten Fläche auffält. Die Hartung erfolgt hier haupts sächlich in dem der Gravirung zunächst liegenden Theile, und nimmt von da aus allmählich ab. Der gehärtete Theil bildet (ivenn man sich ihn abgesondert denft) gleichsam ein Kugel : Seg: ment, welches in der übrigen, weichern Masse wie in einer Schale liegt. Dieses Verhaliniß muß zur Dauerhaftigkeit der Stempel wesentlich beitragen. Das Glühen der Stempel geschieht bei die: ser Methode, wie bei der ersten, in einer mit Koblenstaub audges fütterten Büchse, um die Luft auszuschließen.

Nach dem Härten wird die gravirte Fläche mit einem feinen Öhlsteine abgeschliffen, und auf der Drehbauf mit rothem Eisens oryde (f. Eisenroth) polirt; endlich aber, um die zu große

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Härte ju benehmen, der Stempel so weit erhißt, daß die blanke Fläche strongelb oder morgenroth anläuft. Zur Perfendung oder Aufbewahrung werden die stáhlernen Prägstempel dick mit Wachs umgolfen, um sie vor Rost und anderer Beschädigung zu schüßen.

V. Die Arbeiten des Siegelstech er 8 sind mit jenen des Stempelschneiders sehr nahe verwandt, ja – mit wenigen Ubweichungen – ganz übereinstimmend. Während indessen der Stempelschneider nur in Stahl arbeitet, hat der Siegelstecher befanntlich auch mit anderen Metallen, namentlich Gold, Silber und Meiling, zu thun. Die meist geringe Größe der Siegel, die unbeträchtliche Tiefe ihrer Gravirung, und der Umstand, daß felten andere Darstellungen als Wappen in den Siegeln vorfom. men, und die Kunstforderungen dabei meist eben nicht sehr hoch gesteigert werden: diese Verhältnisse stellen das Siegelstechen, eine bedeutende Stufe niedriger als die Stempelsdueidekunst. Übrigens sind die Werkzeuge und Verfahrungsarten bei beiden im Ganzen dieselben; nur daß der Siegelstecher sehr viel mehr mit Punzen arbeitet, und gewöhnlich außer der Schrift auch sehr viele Bestandtheile seiner Zeichnung (als: Kreuze, Sterne, Kros nen, Helme, Ordensfetten, ganze heraldische Thierfiguren und deren Sheile, 2c.) mittelst Punjen hervorbringt. Der Grabstichel in seinen verschiedenen Arten dient nur zur Ausarbeitung solcher Theile, die nicht mittelit Punzen verfertigt werden fóunen, oder woju eben die nöthigen Punjen fehlen. Probe : Ubdrücke zur Bes urtheilung der Arbeit vor und nach ihrer Vollendung werden in Siegellack gemacht. Eine Kraßbürste von einem fest zufainmens gebundenen Büschel dúnnir Eisen- oder Messingdrähte dient zum Glatten der Gravirung. Die Schraffirungen der Felder in den Wappen werden entweder aus freier Hand mit dem Grabstichel gezogen, oder — weit besser und genauer – mittelst einer Mas chine eingerissen.

Auf Laf. 132 ist in den Fig. 1 bis 9 eine solche, febr zieds mäßig fonstruirte Schraffirmafchine für Siegelste cher abgebildet. Fig. 3 ist der Aufriß derselben von der linken Scite; Fig. 4 der Grundriß; Fig. 5 die Basis der Maschine, ohne die oberen Theile, im Aufrisse von vorn, wo der Plaz des Arbeiters ist; fig. 6 das Reißerwerf, in derselben Ansicht, wie sig 3 e$

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