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so, daß die Auswahl des Werfzeuge für jeden einzelnen Fall sehr von der Beurtheilung oder dem Gutdunken abhängt.

Alle Grabstichel mussen aus dem besten Stahle verfertigt, sorgfältig gehärtet und wieder bis zur strohgelben Farbe nachge: lassen seyn, damit ihre Schneiden oder Spigen weder sich ab: stumpfen noch brechen. Sehr vortheilhaft für die Güte diefer Berfzeuge ist es, wenn man sie mehrmahls maßig (bis sie gelb anlaufen) erhißt, und dann auf dem Umbosse bis zum Kaltwerden vorsichtig, besonders auf den Kanten, hämmert. Zur Dauere haftigkeit der spißigen Grabstichel trágt auch sehr viel bei, wenn dieselben in Form eines quadratischen Stäbch.118 geschmiedet, falt nadigehämmert und dann erst so ausgefeilt werden, daß die entstehenden Kanten aus Theilen der ursprünglichen Flächen des Stäbchens sich bilden; weil diese Flächen durch die Hammerschläge eine vortheilhafte Verdichtung erlitten haben, welche nicht erreicht wird, falls man nach dem gewöhnlichen Verfahren den Grabstichel sogleich in seiner bleibenden Form schmiedet; denn durch diese Methode werden zwar die Flächen dicht und záh, aber nicht die Kante, aus welcher beim Anschleifen die Spiße entsteht, und welche daher der wichtigste Cheil ist.

Die Grabstichel werden zum Gebrauch in kurze hölzerne Hefte befestigt. Das Heft fommt in die hohle Hand zu liegen, während der Zeigefinger ausgestreckt auf der obern Fläche oder Kante des Werkzeugs ruht, um dasselbe auf die Arbeit niederzu: drücken. Die Führung des Grabstichels geschieht dergestalt, daß derselbe, während er in (chräger Richtung gegen die Platte steht, langsam (mit der Spiße oder dem schneidigen Ende voraus) fort: geschoben wird. Krumme Züge erzeugt man theils durch Bendung des Grabstichels, theils durch Drehung des Metalls, wor: auf man gravirt. Die Grabstichel : Hefte haben mehr oder weniger genau die Gestalt, welche A in Fig. 2 (Saf. 113) angibt. Ofters fann indessen ein solches Heft ein Hinderniß fenn, den Grabstichel unter einem sehr kleinen Winkel gegen die Flache der Arbeit aufzulegen. Manche Grabstidel sind, um eine solche Lage zu erleichtern, gefrümmt (m. 1. Fig. 4, 5, 9, 10, 15, 20); man verändert aber zu diesem Behufe auch gern die Form des Heftes, indem man von dem Umfreise desselben das untere Seg

ment wegschneidet, wie aus Fig. 19, bei B, ju ersehen ist. 34: gleich liegen dann auf der dadurch gebildeten Abplattung der kleine Finger und der Ringfinger der Hand, und verhindern die Dres hung des Grabstichels. Vorzüglich gibt man deu Messerzeigern,

Spigsticheln, Flac) - und Boltsticheln solche Hefte, oft aber auch • anderen Arten. ' ,

Eine Einrichtung des Grabstichel - Heftes, wodurch es mög: lich wird, den Grabstichel schnell und leicht herauszunehmen, auch denselben in dem Maße wie die Arbeit es erfordert entweder zu verlängern oder zu verfürzen, hat Donaldson angegeben, . Fig. 6, Taf. 133, Hier ist А die Seitenansicht des Grabstichels sammt dem Hefte; B das Heft allein im Längendurchschnitte, C Der Grasstidiel, D ein Querschnitt beider Theile. Das Heft d enthält unten eine, mit seiner Udse parallel laufende Furche, in welcher der Grabstichel ab liegt. Beşterer enthalt bei b eine Anzahl schräger Zähne, von denen einer gegen den stáhlernen, von oben durch das Heft eingeschobenen Stift c gestüzt wird. So kann der Stichel nach Erforderniß mehr oder weniger aus dem Hefte hervorragen. Zwei stáhlerne, leicht aufzuschiebende und wieder loszumachende Ringe f, g, welche unten aufgespalten find, und daher wvie Federn wirfen, halten den Grabslichel fest.

. 3) Meißel. Man gebraucht sie beim Graviren öfters und in verschiedener Form. Sie werden, wie zu anderen Zwe: cken, durch Hammerschläge eingetrieben, und ihre Anwendung unterscheidet sich auf diese Weise von jener der Grabstichel, welche bloß frei mit der Hand geführt werden. Zum Graviren der Ge: wehrschlösser und Gewehrläufe dienen zum Theil kleine Meißel mit fehr kurzer geradliniger Schneide, welche man nach Erforderniß allmählich auf der Arbeit fortrückt (zieht). Die Stempelschneider gebrauchen zum Aushauen sehr großer Vertiefungen, so wie zum Wegbauen des Metalls rings um größere Erhabenheiten, Meißel, welche die Form theils von großen gewöhnlichen Grabsticheln (Fig. 26, Taf. 113), theils von Boltstidjeln (Fig. 27) *) oder Flachsticheln (Fig. 28) haben.

*) In mehreren Abdrücken der Siupfertafel u3 iit der unter Fig. 27

ftehende Durchschnitt unrichtig gezeichnet, indem die nach der lin: fer Hand gekehrte Scite konver gerundet renn muß.

4) Punjen (Bunzen) *). Die Ausarbeitung vieler Vertiefungen beim Graviren von Siegeln, Prágstempeln sc. wird durch die Anwendung der Punzen sehr erleichtert, und diese Wert: zeuge sind oft ganz unentbehrlich. Die meisten Punzen des Gra: veurs unterscheiden sich von den gleichnahmigen Werkzeugen des Goldarbeiters (f. Goldarbeiten) dadurch, daß der 'Eindruck, welchen sie auf dem Metalle hervorbringen, nicht bloß einzelne Elemente einer Zeichnung darstellt (wie linien, Punkte u. dgl.), sondern ganze Bestandtheile derselben, deren Uusarbeitung mits telst des Grabstichels auf diese Weise erspart wird. Aber Arbeito: Ersparung ist nur selten der einzige oder auch nur der Hauptzweck ihrer Anwendung. Vielmehr müssen Punzen durchaus ge. braucht werden, wenn es sich darum handelt, mehrere kleine Pers tiefungen von vollkommenster Gleichheit hervorzubringen, was mittelst des Grabstichels so gut als unmöglich ist ; so wie, wenn der Grund (die Bodenfläche) der Vertiefungen ganz glatt und eben ausfallen soll, was bei allen zu Abdrücken in weicheren Körpern bestimmten Gravirungen gefordert wird, wie bei Petschaften, Múngprågstempeln u. dgl. Die Grabstichel fönnen hier oft den Zweck gar nicht, oder nur in Folge sehr mühsamer Urbeit, volkommen erfüllen; und einen Gegenstand erhaben auf Pungen zu graviren ist fast ohne Zusnahme leichter, als denselben vertieft unmittelbar in die Arbeit einzugraben. Daher findet der Graveur e$ -- in Fällen der oben bezeichneten Art - meistentheils ange: messener, sich Punjen felbst dann zu verfertigen, wenn auch nur ein Einmahliger Gebrauch derselben vorher zu sehen ist. Buchsta: ben und Zahlen, Kronen, Sterne, Kreuze, Punfte, Theile von Ordensfetten, Wappenbilder oder deren Bestandtheile, and zahl: lose ähnliche Gegenstände werden so viel nur möglich mittelft Punzen eingeschlagen, wobei es fich von selbst versteht, daß die Zeichs nung auf den Punzen verfehrt gestellt feyn muß, wenn der damit gebildete Eindruck seine richtige Stellung erhalten fol.

Die Pungen sind von Stahl, gehärtet und bis zur gelben Farbe nachgelassen, an dem Kopfe oder obern Ende, worauf man

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*) Der Nahme ist wahrscheinlich aus dem Franzófifden poinçon cut• ftanden.

mit dem Rammer schlägt, fogar noch weicher. Das mit der Zeichnung versehene Ende ist polirt, wenn nicht der Zwed das Gegentheil erfordert. Ihre lange beträgt 2 bis 3 Zoll ; ihre Dicke ist natürlich, nach der Größe des darauf befindlichen Ges genstandes, sehr verschieden. Eine wesentliche Eigenschaft guter Punjen ist es, daß sie in der Mitte am dicksten sind, und sich von da nach beiden Enden hin verjüngen. Wird dieser Umstand ver: nachläftigt, fo prellen die Punjen, d. h. der auf ihren Kopf geführte Schlag bewirkt eine höchst unangenehme Erschütterung in den Fingern, welche die Punze halten, und veranlaßt wohl aud), daß leßtere von der Stelle, wo man sie aufgesegt hat, ab: weicht, und einen falschen Eindruck macht.' Die Ursache hiervon ist folgende. Da der Schlag des Hammers Faum jemahls mit mathematischer Schärfe in der Richtung der Uchse der Punze wirft, so muß er nothwendig ein Bestreben äußern, die Punze zu biegen, wenn gleich nur in unsichtbar geringem Grade: diese Biegung, so wie das Zurückspringen der Punze in ihre gerade Stellung am Ende des Schlages, bewirft das Prellen, welches nicht eintreten fann, wenn eine größere Dicke der Punge in ihrer Mitte sich der Biegung widersent..

Die Anwendung von Pungen im größten Maßstabe findet bei dem Senten der Münzstempel Statt, wovon weiter unten die Rede ist.

Die Verfirtigung der Punzen, welche der Graveur nöthig hat, geschicht theils durch eigentliches Graviren (mittelst des Grabstichels), theils mittelst so genannter Kontre: Punzen, theils endlich durch Denken. Man bereitet ein gehörig zuge: feiltes Stahlstäbchen von der Größe, welche die Punze erfordert, entwirft auf der fein und eben abgeschliffenen Endfläche mit der Radirnadel die Zeichnung der Figur, und arbeitet diese mittelst der verschiedenen Grabstichel (am Umrisse zum Theil mit Hülfe feiner Feilen) so aus, daß sie erhaben steht. Vertiefungen der Figur, welche nicht regelmäßig genug mittelst des Grabstichels hervorzubringen seyn würden, schlägt man mittelst einzelner Punjen (der schon erwähnten Kontre: Punjen, Gegen pu n: den) ein. So z. B. werden beim Graviren einer Punze für den Buchstab B die zwei halbkreisförmigen Vertiefungen mittelsi einer Gegenpunze gebildet, welche nur zwei, diesen Vertiefungen gleich gestaltete Erhöhungen enthält. Das Senfen der Punjen wird angewendet, wenn deren mehrere von einerlei Gestalt herzustellen sind. In diesem Falle gravirt man nur ein einziges Eremplar, hártet dasselbe , schlägt es in einen würfelförmigen ståhlernen Senffloß ein, härtet auch diesen, und bildet mittelst desselben die übrigen Eremplare der Punge dadurch, daß man die stáhlernen Stäbchen auf die Vertiefung des Senkkloges reßt, und durch Hammerschläge den Abdruck bewirkt. Der Graveur pflegt fehr oft alle seine Pingen in den Senfkloß einzuschlagen, um jede zu Grunde gehende sogleich ersehen zu können, ohne sie von Neuem graviren zu müssen. Zu bemerken ist indessen, daß die gesenkten Punjen nicht leicht völlig fo scharf ausfallen, als das gravirte Original war.

5) Sch aber und Polirstahl. Die mit der Radirnadel eingerißten oder mit Grabsticheln eingeschnittenen Züge werfen mehr oder weniger einen scharfen Rand (Grath) auf, welcher weggeschafft werden muß, nicht nur weil er der Reinheit der Unirisse und überhaupt der Schönheit der Gravirung an sich Scha: den bringt, sondern auch weil bei den zum Abdrucke bestimmten Gravirungen Farbe an diesem Grathe bângen bleibt, welche den Ubdrücken ein schmußiges, raubes und hartes Ansehen gibt. Man wendet zur Wegschaffung des Grathes verschiedene Arten von Schabern an, welche bei anderen Gelegenheiten auch gebraucht werden, um fehlerhaft gemachte Züge u. dgl. ungefähr fo wies der auszurilgen, wie man in einer auf Papier gemachten Zeicha nung mit dem Messer radirt. Des Polirst a bls bedient man sich theils zum Glätten des Metalls vor dem Graviren, theils zum Poliren solcher Stellen, welche durch den Schaber eine nach: theilige Rauhigkeit erlangt haben. Man führt sie mit reibender Bewegung, unter Anwendung eines gehörigen Drucks, über die Metalifläche hin und her.

Die Schaber sind harte (gelb angelassene) stählerne Werf. zeuge mit zwei, drei oder vier Schneiden, welche entweder bloß einen geschmiedeten Stiel zum Anfassen besigen, oder mittels einer {pißigen Angel in ein hölzernes Heft gesteikt werden, oder doppelt Tind, d. h. za zwei Stück an den Enden eines Stiels sich

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