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zwei Cheiler c, d, von welchen der leßtere in den erstern einges schraubt ist, wie die im Durchschnitte entworfene Zeichnung ans gibt. c ist ganz durchbohrt, d wenigstens zum größern Theile hohl, um die Nadel aufzunehmen. Diese kann man sehr zweck: mäßig aus einer feinen englischen Reibahle bilden, welche man rund und spiß zuschleift, da diese Werkzeuge eine sehr große Härte besigen. – In fig. 4 ist der hohle und etwas fonische hölzerne Stiel e, in welchem die Nadel g steckt, von f bis e durch einen feinen Sägenschnitt gespalten, und darüber ist ein messingenes Rohr h aufgeschoben, welches den Spalt zusammenpreßt, um so die Nadel gehörig festzuhalten. Die Höhlung im Stiele ist so lang, daß man die Nadel auch noch weiter hinein schieben fann, als die Stellung in der Zeichnung angibt.

Die Nadirnadel muß stets mit Sorgfalt in solcher Weise geschliffen werden, daß ihre Spiße genau rund ist, und folglich in jeder Stellung einen gleich breiten Zug einreißt, auch nirgends eine scharfe oder schneidende Stelle darbiethet. Um aber feinere und gröbere linien ziehen zu können, bedarf man wenigstens dreier Nadeln, deren Spißen in verschiedenem Grade (chlanf oder fein sind. Beim Gebrauch kommt die Nadel fast senfrecht gegen die Metallfläche, in welcher man gravirt, zu stehen. Die soge: nannten Schneid nadelu, deren Spiße mit zwei oder drei Flächen zugeschärft, und also von eben so vielen zusammenlaufen: den Kanten umgeben ist, werden felten gebraucht. Das Námliche gilt von einer Abänderung der Radirnadel, welche mit dem Namen Echoppe bezeichnet wird, und dadurch entsteht, daß man eine gewöhnliche runde Nadel (chrág von einer Seite ab: schleift. Dadurch bildet sich eine kleine eliptische Zuschärfungos Flache und eine runde Schneide, mit welcher schmale oder brei: tere Züge eingerissen werden können, je nach der Wendung des Werkzeugs.

2) Der Grabstichel (Stich el). Er ist das am allger meinsten gebrauchte Werkzeug bei fast allen Arten des Gravirens. Man fann einen Grabstichel überhaupt als ein gehärtetes stáh: lernes Stäbchen erklären, welches an seinem Ende fo geschliffen ist, daß es eine Fleine Schneide oder eine Spiße mit daran lies genden Schneiden erhält. Die Verschiedenheit der Arbeiten

jedoch, welche mit dem Grabstichel ausgeführt werden müssen, · macht eine große Mannichfaltigfeit dieser Werfzeuge nöthig, fowohl was die Größe als was die Gestalt betrifft. Man findet auf Taf. u3 die gebräuchlichen Arten der Grabstichel abgebildet, und zwar nach Eremplaren der größten Art, jedes Stück in zwei Ansichten, überdieß daneben den Durchschnitt nach einer punktirt angegebenen Linie. Da alle Grabslichel (so lange sie noch nicht durch oft wiederhohltes Schleifen verkürzt sind) ziemlich einerlei Länge haben (4 bis 5 Zou fammt der Angel, welche in dem Hefte steckt); so sind die meisten, zur Raumersparung, nicht in ihrer vollen Länge abgebildet.

Der gemeine Grabstichet oder der Grabiti ch el im engern Sinne des Wortes (fig. 2) ist im Duerschnitte von der Form eines Quadrates (dessen Seite 1 bis 2 Linien mißt); er wird der: gestalt fchrág angeschliffen, daß die neu gebildete Endfläche (die Kappe ) rautenförmig erscheint, und die nach unten gerichtete Kante (die Bahn) mit dieser Fläche einen spißen Winkel bilder. An der Stelle dieses Winkels befindet sich demnach eine scharfe Spige, die durch das Zusammenlaufen der angeschliffenen Fläche (Kappe) mit den beiden unteren Seitenflächen des Stäbchens gez bildet wird. Durch das Zusammentreffen jener eben erwähnten Seitenflächen mit der Kappe entstehen zwei Schneiden, welche in der Spiße sich vereinigen. Hiernach ist der Grabstichel des Graveurs dalīelbe Werfzeug, dessen man sich auch zum Drehen auf der Drehbank und dem Drehstuhle bedient (s. Zaf. 74, Fig. 44, 45, und Taf. 84, fig. 1; BD. IV. 8. 395, 432). Eine häufig gebrauchte Modifitation desselben ist der r a utenförmige Gradstichel (Fig. 6, 7), mit rhombischem Ouerschnitte, Wo: durch eine schärfere , zum Einschneiden feiner linien besser geeig. nete Spiße entsteht. Man nennt die Grabstichel, deren Durch, schnitt ein Quadrat ist, niedrige, jene mit rautenförmigem Querschnitte hohe oder halbhohe, je nachdem die Raute mehr oder minder fpißig ist. Bei den halbhohen Sticheln ist der Winkel an der Bahn etwa=79 Brad. Die stappe wird boch genannt, wenn sie einen großern, dagegen niedrig, wenn sie einen kleinern Binkel mit der Bahn bildet. Dieser SBintel bes trägt überhaupt zwischen 30 ua) bo Grad. Beim Schleifen der

Technol. Encnflor. VIL B8.

Otichel bearbeitet man zuerst die beiden Flächen der Bahn auf dem Ohlsteine, bis sie in eine scharfe Schneide zusammenlaufen; julegt schleift man die Kappe, mit der Vorsicht, daß sie eine ein zige ganz ebene Fläche darstellt. - Aufwärts gefr û in mte Grabstichel (Fig. 4 und 5) finden núbliche Anwendung iu folchen Fällen, wo ein gerader Stichel fast horizontal auf die Aro beit gelegt werden mußte, und legtere binderlich für die Hand seyn fönnte ; feltener gebraucht man abwärts gefrú mn mute Grabst ich el (Fig. 3) und abgefrópfte (Fig. 8).

Der Mefferzeiger (Fig. 9) von dem feilförmigen Quer: schnitte und der daraus hervorgehenden messerartigen Gestalt so genannt, ist zur Uusarbeitung sehr feiner Zuge noch mehr geeigs net als der rautenförmige Stichel. Der Spißsti chel (Fig. 10) unterscheidet sich vom Messerzeiger bloß durch die ges wölbte Gestalt ,der beiden Seitenflächen. Es gibt auch ovale @pißstichel (Fig. 11), welche statt der obern schmalen Fläche des gewöhnlichen Spiestichels ebenfalls eine Kante , wie unten, besiken ; ro, daß der Durchschnitt die Gestalt eines zweispißigen Dvals zeigt. Der Justirzeiger (Fig. 12) ist ein solcher ova' ler Spisstichel, dessen Eigenthümlichkeit bloß in der Art des Un: schleifens liegt, indem er nicht von oben, sondern schrág von der linken Seite mit einer großen Fazette zugeschärft ist, und dadurch eine viertelfreisförmige Schneide erhält. Er wird von den Jus welieren zum Justiren der Edelstein - Fassungen gebraucht (f. Art. Goldarbeiten).

Fig. 13 zeigt einen rautenförmigen Grabstichel, an welchem die obere und oft auch die untere Kante durch eine sehr fdymale Fläche abgestumpft ist; im erstern Falle hat derselbe Ähnlichkeit mit dem Spißstichel (Fig. 10), im zweiten Falle gehört er schon zu den Flachst ich el n. Mit diesem gemeinschaftlichen Nahmen bezeichnet man jene Grabstichel, welche feine Spiße, sondern eine schmålere oder breitere, geradlinige, rechtwinfelig gegen die Uchse des Stichels gestellte Schneide haben. Die gewöhnlichen schma: len Flachstichel (wie Fig. 14) sind im Durchschnitte trapezförmig, mit zwei breiten Seitenflächen, oben mit einem schmalen Rücken und unten niit einer etwas breiteren Schneide. Die Konvergens der Beitenflachen nach dem Rücken hin erlaubt den Eifen der

Schneide, ganz scharf in winkeligen Bertiefungen der Gravirung zu arbeiten. Die breiten Flachstichel (Fig. 15), zur Bearbeitung größerer Vertiefungen mit ebenem Grunde dienend, haben ini Durchschnitte die Gestalt eines Rechtecks, und sind gewöhnlich ein wenig nach oben hingebogen. fig. 16 stellt einen dreieckigeu flach stich el vor, der — genau betrachtet - fünfeckig im Quers schnitte ist. Er hat nämlich unten eine breite horizontale Fläche, zu beiden Seiten zwei ganz schmale fenfrechte Flächen, und oben einen aus zivei abdachungen gebildeten Rücken. Man kann sich diese Gestalt entstanden denken aus einem niedrigen gleichschenfes ligen Dreiecke, dessen Winkel an der Grundlinie abgestumpft wur: den. Wird bei diesem Grabstichel die breite Grundflädje aufwärts gefehrt, und die Zuschårfung8 - Gazette oder Kappe von hier nach der Spiße hin abgedacht; so entsteht eine Art Spigstichel, dessen Schneiden aber in eine ziemlich stumpfwinkelige Spiße zusammen: laufen (Fig. 17).

Die Grabstichel mit bogenförmiger Schneide führen den Nahmen Boltstichel (Pollstich el). Ihre gewöhnliche Form ist die von Fig. 19, übereinstimmend mit dem Flachstichel (Fig. 14), nur daß die untere Fläche der Quere nach fonver, und dem ge: måß die Schneide (oder die Durchschnitislinie jener Fläche und der Kappe) bogenförmig ist. Fig. 18' zeigt einen breiten Boltstichel von halbfreisförmigem Duerschnitte; Fig. 20 einen noch breitern, aufwärts gekrümmten. — Der Rundstich el (Fig. 21) ist von freisförmigem Querschnitte, so daß die Kappe elliptisch erscheint. Von diesem unterscheidet sich der ovale Stichel (Fig. 22) dadurch, daß sein Querschnitt ein Oval ist, dessen große Udse senkrecht steht, und welches oben in eine Spiße ausläuft, wodurch es fast unigestürzt herzförmig erscheint. Diese beiden, wie die Boltstichel, dienen zur Bearbeitung runder Vertiefungen, so wie zur Vorbereitung flacher Stellen, welche nachher mittelst des Flachstichels geebnet werden.

Der zweispißige Punftirsi ich et (Fig. 23) hat einer: lei form mit dem Flachstichel (Fig. 14); jedoch ist die Schneide mit einer Einferbung versehen, wodurch sie in zwei Zacken getheilt wird, welche , spißig zugeschliffen, zum Einstechen von Punkten gebraucht werden, womit etwa eine Fläche ganz bedeckt werdeii

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soll. Zu demselben Zwecke bedient man sich auch anderer Punfo tireifen, welche aus einem zylindrischen, etwa 5 Zou langen, an einem Ende zugespißten Stahlstäbchen bestehen. Man hat dergleichen einfache, doppelte, drei- und vierfache. Das ein: fache Punktireisen wird mit drei angeschliffenen Flächen zu: gespißt. Das doppelte (Taf. 133, Fig. 12 im Querdurd): schnitte) ist aus zwei auf einander liegenden halbrunden Stäbchen gebildet, weldie zusammen die zylindrische Forın darstellen, und nur durch einen herumgewickelten Faden, etwas lose, mit einan: der verbunden sind, so daß sie bei einem Drucke des Fingers fich ein wenig verschieben, und cine doppelte Spiße bilden, welche zwei Punfte mit einem Mahle hervorbringt. Die Spiße wird hier mit vier Flächen zugeschärft, deren lage die punftirten Linien in der Figur anzeigen. Hiernach wird die Einrichtung des dreis fachen (Fig. 13) und vierfachen (Fig. 14) Punftireis fen8 leicht zu verstehen seyn. Alle diese Puuktireisen haben bei 9 linien im Durchmesser, um durch ihr Gewicht den Drud der szand beim Gebrauche theilweise zu erseßen.

Mittelst der 3 ab neisen (Taf. 113, Fig. 24, 25) fann man eine Fläche mit engen gleichlaufenden Linien versehen, oder — indem man das Werfzeug nach verschiedenen sich durchfreuzenden Richtungen führt - dieselbe gleichmäßig rauh machen. Zu dic: sem Ende ist die untere Fläche des Eisens (wie die eine Ansicht in den Abbildungen zeigt) mit sehr regelmäßigen und feinen Furchen bedect, welche, wenn die Kappe vou oben her angesdhliffen wird, eine feingezahnte Schneide hervorbringen.

Die im Bisherigen angegebenen mancherlei Arten von Grab, sticheln finden nicht bei allen Arten des Gravirens gleich häufige Anwendung. Für den Kupferstecher, Schriftstecher u. i. w., úber: haupt in allen jenen Fällen, wo nur schmale Striche in das Me: tall einzuschneiden sind, ist der gemeine quadratische oder rauten: förmige Grabstichel das gewöhnlichste Werfzeug. Dagegen bes dürfen Siegelstecher, Stempelschneider ?c., welche breitere und größere Vertiefungen zu graviren, wie auch Ilmrisse von erhaben stehender Gravirung zu bearbeiten haben, sehr häufig der übrigen Arten, deren Anwendung jedes Mahl durch die Natur der Arbeit, die Gewohnheit und Sandfertigkeit des Künstlers bedingt wird ;

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