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beendigt, wenn alle Blätter die volle Größe des Pergaments (4 Zoll Länge und Breite) erreicht haben. Man nimmt sie mit dem breiten, zweischneidigen, am Ende abgerundeten Gold: oder Reißmeffer aus der Form, und zerschneidet sie auf einem mit Kalbleder überzogenen, die Fleischseite des Leders auswärts fegrenden, mit Marienglas eingeriebenen Kissen, mittelst des nams lichen Messers in vier gleiche Theile, wobei man zum Anfassen des Goldes ein kleines hölzernes Zángelchen zu Hülfe nimmt. So erhält man im Ganzen 896 Blätter von 2 Zoll Länge und Breite.

Diese 896 Blättchen kommen nun mit einander in die erste Hautform (Lothform), welche 5 Zoll im Quadrate groß ist. Man schlägt dieselbe zwei Stunden lang, oder überhaupt so lange, bis das Gold die Ränder der Form- erreicht, uud befolgt dabei wieder das nämliche Versahren, welches schon bei der Bearbeitung in der Dickquetsche angegeben worden ist. Man spannt nun die Form an einer ihrer Eden fest in eine Zange (Spannzange), deren Schenkel durch einen darüber geschobenen Ring zusammens gedrückt werden, blättert die Form nach und nach auf, legt mit dem hölzernen Zángelchen die Goldblätter auf das Kissen, zers schneidet sie wieder in Viertel, und erhalt dadurch 3584 neue Blátter von der Gestalt eines Duadrats, dessen Seite 2'/2 30l mißt.

Man bildet hieraus vier neue Formen (Dűnnschlagformen) von 5 Zoll Größe, von welchen eine jede 800 Goldblätter auf: nimmt, da die übrigen 384 gewöhnlich zerrissen oder sonst fehler: baft sind. Die Bearbeitung der Dünnschlagform ist die langwierigste, und nimmt am meisten die Sorgfalt des Goldschlägers in Anspruch. Ein geschickter Arbeiter fann kaum mehr als zwei solche Formen in einem Tage beendigen. Er schlägt zuerst durch dier Stunden mit dem i opfündigen Hammer, dann eine halbe Stunde mit dem 5pfündigen, wechselt hierauf mit diesem und dem vorigen von halber Stunde zu halber Stunde ab, und beendigt die Arbeit mit dem 12pfündigen Hammer. Wenn das Gold bis an die Ränder der Form herausgedrungen ist, haben die Blätter ihre gehörige Feinheit erreicht. Man nimmt sie mit den schon bes schriebenen Werkzeugen auf das Lederkissen, zerschneidet sie in vier Theile, und legt diese zivischen die Blätter kleiner Büchels hen aus feinem röthlichen Papiere, welches, um das Unhängen Tehnol. Encyklop. VII. Bd.

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des Goldes zu verhindern, mit Bolus eingerieben ist. Löcher in den Blättern werden durch Ausdrucken eines kleinen Stückes von dem Abfalle bedeckt. Die einzelnen Goldblättchen, welche nun 2/2 Zoll lang und breit sind, werden so zwischen das Papier (dessen Länge und Breite 2 Zoll ist) eingelegt, daß die zwei durch den Schnitt entstandenen geraden Seiten mit dem hintern und obern Rande des Budies gleich liegen, während das überflüssige vorn und unten herausragt. Man preßt 12 auf einander lies gende Bücher durch ein Bretchen mit der Hand zusammen, und reibt mit einem Stüde Leinwand alles, was vom Golde hervora steht, weg.

Der Abfall während der ganzen Bearbeitung beträgt fast die Hälfte des Goldgewichtes, und die übrig bleibenden brauch. baren Goldblätter, im Durchschnitte 12600 an der Zahl, wiegen demnach kaum über 20 Dufaten. In runder Zahl rechnet man 500 bis boo Blätter, also eine Fläche von 2000 bis 2400 Quar dratzoll auf das Gewicht eines Dufatens, wonach ein Gran Gold auf 42 bis 50 Quadraizou ausgebreitet ist. Die Dicke der Blátt: chen beträgt ungefähr 0.00000435 oder 4/230000 300. Die ure sprüngliche Dicke des gewalzten Gold;ains, welche nahe '/215 Zoll war, ist durch das Ausschlagen auf dem 21mbosse auf '8375 Zoll, in der Dicquetschform auf */2300, in der Dúnnquetsche auf 492001 in der Lothform auf 57500, und in der Dúnnschlagform auf

/290000 Zou reduzirt worden. Diese Sorte Gold ist die dúnnste, welche verfertigt wird.

Die Sorten des Blattgoldes unterscheiden sich von einander theils durch die Farbe, welche durch verschiedene Legirungen her: vorgebracht wird, theils durch Größe und Dicke. In der erstern Beziehung ist das Nöthige schon im Eingange dieses Artikels an: geführt worden. Die dickste Urt des geschlagenen Goldes ist das fabrif gold, welches in den Golddrahtziehereien zur Vergola dung des Silberdrahtes angewendet wird (f. Bd. IV. S. 226). Vier Blätter davon, jedes 3 bis 4 Zold lang und breit, wiegen einen Dukaten; es ist daher 0.00015 bis 0.00027 oder */000. bis */3700 Zoll dick. Es wird nur in Pergamentformen geschlagen. Zum Plombiren der Zähne wird ähnliches starkes Blattgold angewendet. Das gewöhnliche dúnne Gold hat meistentheils 3 oder 21/2 300 im

Quadrat; Sorten von 3, 3/2 und 4 Zoll fommen feltener vor. Blátter von 1 Zoll im Quadrate waren sonst zum Vergolden der Pillen in den Upotheken gebräuchlich (apothefergolo).

Der Abfall an zerrissenen Blättern oder Theilen derselben, welcher beim Goldschlagen in bedeutender Menge entsteht (so daß man, wie oben angegeben, aus 56 Quartieren nur etwa 12600 fertige Blätter gewinnt, während sie doch eigentlich 14336 geben müßten), so wie das, was beim Abgleichen der Blätter in den Büchelchen wegfält, heißt Kraße oder o dh a wine, wird mit der Hand in Ballen zusammengedrückt und eingeschmolzen. Die Abfälle von den feinsten Blättern werden zu Mahlergold verarbeitet. Diesen Nahmen führt zwar auch eine Sorte Dúnnen Blattgoldes, welche die Wappenmahler zum Vergolden gebraus chen; das eigentliche Mahlergold (Muschelgold) aber ist höchst zartes Goldpulver, welches man aus den schon erwähus ten Abfällen dadurch bereitet, daß man dieselben mit Honig oder dicker Gummi : Uuflösung auf einer Glasplatte fein zerreibt, mit Walser vollständig auswäscht, und zur Einfülluny in Muscheln wieder mit Gummiwasser anmacht. Das trockene, nicht mit Gummi angemachte Pulver stellt die so genannte e ch te Golds bronze dar, welche eine grünliche Farbe besigt (grüne Bronze), wenn das Gold mit Silber legirt ist. Durch ein gleiches Verfahren bereitet man aus Blattsilber die echte Sil. berbronze. Diese Pulver werden in den Buchdruckereien zum Gold- und Silberdrucke angewendet, indem man sie auf die mit Farbe frisch bedruckten Stellen streut, oder mit Firniß anmacht und selbst als Farbe gebraucht. Un echte Gold- und Silber: bronze wird aus unechtem Blattgolde und Blattsilber bereitet, rothe Bronge (Kupfer: Bronze) aus dünngeschlagenen Kupferbláttchen. Man sehe über die Anwendung dieser legtern Produkte zum Bronziren, den Art. Bronziren (Bd. III. S. 167) nach.

Das Blattfilber wird in derselben Weise wie das Gold bearbeitet; doch läßt fiches die Feinheit desselben, wegen der gerin. gern Dehnbarkeit des Silbers, nicht so hoch treiben, was auch bei dem wohlfeilern Preise weniger nothwendig ist. Das gewöhn. liche feine Blattsilber hat 0.0000083 oder V120500 Zoll in der

Dide, und 1760 Blätter zu 2/2 Zoll Länge und Breite geben auf ein Loth. Es ist also zwei Mahl so dick, als das feinste Blatt, gold. Große (3 bis 5 Zoll im Quadrate haltende) und starke Silberblätter werden zur Verfertigung des unechten Silberdrahtes angewendet (Bd. IV. S. 228). — Man verfertigt zum Gebrauch für Buchbinder zuweilen ein mit Gold dünn belegtes oder gleich: fam plattirtes Blattsilber, welches Zwisch gold genannt wird, zwar viel wohlfeiler als echtes Gold ist, aber eine blasse Farbe besißt und leicht anläuft, daher zu guter Arbeit nie gebraucht wird. Zur Darstellung des Zwischgoldes wird das in der zweiten Per: gamentform geschlagene Silber mit Goldblättchen, welche schon in der ersten Hautform bearbeitet und also bedeutend dunner sind, belegt, zuerst in einer Form von Papierblättern, und dann in den Hautformen bis zu Ende geschlagen. Die Vereinigung der beiden Metalle durch den bloßen Druck erfolgt hierbei sehr schnell und vollfommen. Man rechnet auf die Mark Silber 9 bis 10 Dufaten Gold, auch mehr.

Das un echte Blattgold (Metallgold) besteht aus Lombat (einer Mischung von 4 Theilen Kupfer und 1 Theile Zink); das une ch te Blattfilber (Metallsilber) aus Zinn, welchem wohl auch eine kleine Menge Zink und Antimon zugefeßt wird. Beide werden viel weniger dúnn geschlagen, als das echte Gold und Silber. Wágung und darauf gestúßte anná. hernde Berechnung haben die Dice des nürnbergischen gelben Metals zu ^/52900 30d, und jene des weißen zu /22500 300 erge: ben. Zum unechten Blattgolde werden drei Pergamentformen (Dicks, Mittel- und Dünn- 2. uetsch e) und eine Hauts form (Dúnnschlagform) gebraucht, zum unechten Silber eine Pergamentform und eine Hautform. Die Vorbereitung und das Schlagen selbst sind im Wesentlichen übereinstimmend mit den gleichen Arbeiten bei echtem Metalle. Das Tombak muß aber, so lange es noch einige Dicke besikt, mehrmahls im Laufe der Arbeit geglüht, und zuleßt mit schwachem Scheidewasser oder vers dúnuter Schwefelsäure abgebeißt werden. Die Hautformen der Metallschläger sind alte, weldie ihnen von den Goldschlägern, als für diese nicht mehr brauchbar, überlassen werden.

K. Karmarsch.

G ra ý h i t. Der Graphit ist ein, zwar nicht selten, aber auch nicht sehr häufig, in den älteren Gebirgsarten vorkommendes, schwar: jes, metallglänzendes, stark abfärbendes Mineral, das wegen seiner Verwendung zu den Bleistiften (f. d. Artifel) allgemein ber kannt ist, auch daher den Nahmen Reißblei führt. Er fómmt gewöhnlich schuppig und glimmerartig, feltener in dichten, derben Stüken vor. Sein wesentlicher Bestandtheil ist Kohlenstoff, und er ist als eine in einem eigenthümlichen Uggregatzustande befind: liche Koble anzusehen, die mit Eisenoryd und den Gebirgsarten, in denen er sich findet (gewöhnlich Kieselerde, Shonerde, Eisenund Manganoryd) mehr oder weniger verunreinigt ist. Je reiner der Graphit von diesen zufälligen Beimengungen ist, desto vors züglicher ist er. Bei manchen Sorten betragen dieselben nur ei: nige Prozente, bei andern 15 bis 20 Prozent und darüber. Der Graphit ist für sid), wie Koble, unschmelzbar, verbrennt aber wie legtere beim Zutritte der Luft, jedoch nur in hohen Feuers graden, wobei die erdige Beimengung als Usche zurúckbleibt, die dann, wenn der unreine Graphit vor dem Knalgasgebläse vers brannt wird, zu einer Glasperle schmilzt. Sein spezif. Gewicht ist = 1.8 bis 2.4; in der Regel ist der Graphit um fo reiner, je geringer sein spezif. Gewicht ist, da die größere Dichtigkeit haupt: sächlich von der eingemengten Kieselerde (Quarz) herrührt. Unreiner, mit Quarz durchzogener Graphit läßt sich daher bis zu einem gewissen Grade durch Schlammen reinigen, wenn er ger púlvert mit Wasser angerührt, und lebteres von dem sid, schnell zu Boden sebenden quarzartigen Gemenge abgegossen wird, das mit sich dann der reinere Graphit daraus niedersebe.

Der Graphit findet eine ziemlich ausgebreitete Anwendung. Sein Gebrauch zu Bleistiften ist bereits in der Art. Bleistifte erörtert worden. Fein gerieben dient er, zumahl die minderen Sorten und Abfälle, jum Pußen und Poliren von Kupferge. fbirren und anderen Metallen; als eine dauerhafte Anstrichfarbe mit Obl, auf Hols, Stein, mit Wasser auf Thonwaaren, zumahl Ofen aus gebranntem Thon, um diesen das Unsehen des Gußs eisend zu geben, wobei der aufgetrocknete Graphit mit einem woller

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