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Sachsen gesagt sei. Er könne christlichen Unterricht leiden und wollte mit göttlicher Hülfe alles unbillige Vornehmen abthun".

Doch es war zu spät, nach wenigen Tagen erfolgte der Ausweisungsbefehl. Nur das habe er, so schreibt Ernst, aus ihrem Vorgehen ersehen können, dass sie alle seine Fürsorge verachteten und seine Befehle überschritten, daher müsse er auf andere Weise seine Unterthanen vor ihnen zu retten suchen. Durch ihren Misbrauch sei das ihnen früher erteilte Privileg verwirkt, und sie würden dasselbe überhaupt nicht erhalten haben, wenn sein Ahne die richtige Einsicht gehabt hätte. Ein armes, nach Wahrheit hochbegieriges Volk wollten sie in ihrem verderblichen Wesen behalten. Während doch St. Franciscus durch seiner Hände Arbeit den armen Leuten gedient hätte, brächten sie durch ihre Bettelei das Volk um sein sauer verdientes Brot. Mit welchem Gewissen und mit welcher Stirn sie es wagen dürften, das, was sie für ihre Ordensregel hielten, bekräftigen zu wollen. Er, der Herzog, habe stets so gehandelt, wie es die Not seiner Unterthanen erfordere, und wie er das vor Gott und Ksl. Majestät schuldig sei. — „Weil ihr aber“, so schliesst das Schreiben, „göttlicher Forderung und wahrhaftig christlichem Leben nicht zu folgen bedacht seid, wollen wir die zwei gethanen eure Schriften hiermit verantwortet, euch aber ernstlich und redlich befohlen haben, dass ihr euch von Stund an von dannen hebt, unser Städtlein räumt, im Abzug aber die eingesessenen Bürger unverworren, auch was zum Kloster an allerlei Kleinodien gehörig, unverrückt daselbst lasset, und werdet ihr anderswo euer Bestes nach Vermögen, Willen und Billigkeit wohl wissen zu schaffen“ 2).

Am folgenden Sonnabend, den 18. Juli, mussten die Mönche das Kloster und die Stadt verlassen 3). Ein Teil von ihnen wandte sich nach Lüneburg 4).

In Celle suchte der Herzog noch in letzter Stunde einen friedlichen Auseich herbeizuführen. Ende Juli liess er den Mönchen durch seine Räte den Vorschlag machen: Sie sollten das Kloster freiwillig verlassen, dann wolle er die zum Predigen Geschickten zu Pfarrern machen, die andern ein Handwerk lernen lassen und die alten versorgen. Ihr Stand und Leben sei in der Schrift nicht begründet, darum könne er sie nicht länger im Kloster dulden. - Es sind Anerbietungen, die wir später noch bei andern Klöstern wiederholt finden werden, und die dem Herzoge alle Ehre machen. Auf Grund des letzten Landtagsbeschlusses, den die Mönche nicht befolgten, hätte er kraft seiner fürstlichen Macht dieselben ohne Rücksicht auf ihr späteres Fortkommen des Landes verweisen können.

1) Oldersen an den Herzog, Lüneburg, am ren an den Rat von Lüneburg (Havemann a. a. 10. Juli 1528.

O. p. 100. Anm. 3). 2) Herzog Ernst an den Guardian von Win- | 4) Vgl. Hämmenstädt a. a. 0. Als Datum sen, Sonntag nach Kiliani (12. Juli) 1528. der Ausweisung giebt derselbe Freitag vor Ja

3) Vgl. das Schreiben Heinrichs des Mittle- | cobi (24. Juli) an.

Eine Annahme dieser Vorschläge war jedoch von den fanatischen Ordensleuten nicht zu erwarten. Aber sie versuchten jetzt eine Art Rechtfertigung ihres Ordenslebens, die man lange gefordert hatte, zu geben und damit die drohende Gefahr zu beseitigen: Die Länge der Zeit bestätige ihren Stand und Leben, ergründet sei er von etlichen gemeinen christlichen Concilien, bestätigt von der christlichen Kirche und bezeugt durch mannigfache Mirakel. Dadurch würden alle Zweifel an der Berechtigung desselben von ihnen genommen. Ihrerseits schieben sie den Predigern den Beweis zu; sie möchten die betreffenden Artikel ihrer Lehre schriftlich angeben und sie zur Prüfung an das Kammergericht oder an ein allgemeines christliches Concil gelangen lassen. „Die Prediger verkündigen dem Volke, dass niemand verpflichtet sei, etwas zu geloben, zu thun oder zu lassen, was nicht in der Heil. Schrift begründet ist; nun aber findet man doch nirgends, dass man den Evangelien Matthäi, Marci, Lucae und Johannis allein glauben soll und nicht auch dem Evangelio Nicodemi oder Bartholomaei. Darum mögen die Prediger doch ihre Lehre aufschreiben und prüfen lassen, weshalb wir dem von Menschen geschriebenen Evangelio glauben, das doch Christo von Gott nicht schriftlich übergeben worden ist, dann wollen auch wir unsere Lehre beweisen“. – Der Fürst möge sie bei ihrem Leben lassen, wäre er aber (was sie nicht glaubten) gesonnen, sich mit Gewalt an ihnen, „den armen nackenden Brüdern“ zu vergreifen, so seien sie einträchtig entschlossen, nach dem sicheren Stande ihres Lebens, gegrundfestet in der göttlichen Schrift, da sie im Gehorsam ihrer Obersten (wie Christus im Gehorsam gegen Gott) zur Stelle geschickt seien, um der Liebe Christi willen, lieber Tods zu sterben, als die Stätte zu verlassen oder Vorschläge des Herzogs anzunehmen).

Die theologischen Bedenken und Behauptungen der Mönche liess der Herzog durch seine Prediger zu Celle widerlegen, an deren Spitze damals Heinrich Bock stand. Von Cruse ist seit dem Anfang des Jahres 1527 keine Spur mehr

On

1) S. F. G. underthänige Undersaten ge- Herzog Ernst am abend Vincula Petri (31. meyne arme Bröder im Kloster to Zelle an Juli) 1528.

nachzuweisen“). Zugleich mit der Antwort der Prediger übersandte der Herzog den Barfüssern am 6. August den Befehl, das Kloster zu räumen: Seit 6 oder 7 Jahren habe er nun mit ihnen verhandeln lassen, um für sich selbst Unterricht zu empfangen, worauf sein Herz und Gewissen friedlich ruhen könne; alles sei vergeblich gewesen, nicht einmal die Schrift der Prediger hätten sie beantwortet. Darum müsse er sie, da sie ihr ungöttliches Wesen nicht abstellten, Gott und seinem Gerichte überlassen; aber seine Unterthanen wolle er wenigstens vor ihnen schützen. „Und befehlen alsdann hiermit, gesinnen auch gnädiglich und wollen, dass ihr ungesäumt euch erheben und aufmachen, das Kloster mit allen so dazu gehörig (räumen), auch ohne Bewegnis dieser Stadt an andere Orte, wo ihr euer Bestes werdet zu schaffen wissen, euch verfügen sollt. Welches wir euch, danach euer Ding zu richten, nicht wollten bergen“ 2).

Die Mönche waren darauf vorbereitet; ihre Habseligkeiten lagen seit etlichen Tagen zum Abzuge fertig gepackt da; ein jeder ergriff sein Bündel, und sie verliessen das Kloster. Im Angesichte des Volkes, das sich versammelt hatte, um das Schauspiel anzusehen, stimmten sie ein Tedeum an und zogen dann Klagegebete murmelnd ihre Strasse.

Das Gefühl, als Märtyrer für ihren Glauben ausgetrieben zu werden, das Kreuz auf sich zu nehmen, wie so viele ihrer Vorgänger, erhöhte ihren Mut. Auch das Volk war nicht gefühllos dabei, der Anhang der Barfüsser war noch gross, nicht viel fehlte, so hätte man zu ihren Gunsten in Celle einen Aufstand ins Werk gesetzt, und die Aufregung legte sich erst allmählich. Noch in der Mitte des August hielten es die Prediger zu Celle für angezeigt eine Verteidigungsschrift ausgehen zu lassen, um die Vertreibung der Mönche beim Volke zu rechtfertigen. Ihr sind unsere Nachrichten über den Auszug der Barfüsser entnommen 9). — Es ist dies wohl der einzige Fall, wo wir im Fürstentum Lüneburg einen Widerstand des Volkes gegen die Reformation constatieren können.

1) Eine alte Vermutung (Seckendorf) ist es, diger, der ein Auszug aus den Regeln des heil. dass Cruse der „Dominus K.“ gewesen sei, von Franciscus beigefügt ist. dessen Selbstmord Luther im December 1527 3) Verantwortung der Prediger zu Celle, am an Just. Jonas schreibt (De Wette III, p. 35). Tage Assumptionis (15. August) 1528. „Allen Diese Ansicht ist allerdings völlig unhaltbar, ! christlichen Personen, die diese Schrift lesen, vgl. Corp. reform. I, 925.

wünschen wir Heinrich Bock und andere ver2) Herzog Ernst an die Barfüsser, 1528, ordnete Prediger zu Celle Gnade und Friede" Donnerstag nach Vincula Petri (6. August). lautet der Eingang. Von demselben Datum ist die Schrift der Pre

Einsetzung lutherischer Prediger in den Klöstern. Die Übernahme der

Verwaltung der Klostergüter durch den Herzog).

Als Herzog Ernst in seinen Kirchen die Durchführung der Reformation beendet hatte, konnte er daran denken weiter zu gehen. Seine Anwesenheit auf dem Reichstage zu Speier im Jahre 1529, wo er nebst seinem Bruder Franz die Protestation der evangelischen Fürsten unterschrieb, mag sein Handeln beschleunigt haben. Nur noch enger hatte er sich an seine Glaubensgenossen angeschlossen und war vielleicht gerade von ihnen angetrieben, jetzt endlich auch Hand an die Reformation der Klöster zu legen.

Schon seit einiger Zeit hatte der Herzog begonnen, auf Grund der früheren Beschlüsse und seiner in früheren Jahren erlassenen Befehle gegen einige besonders renitente Geistliche vorzugehen; von der Erfüllung des letzten Landtagsbeschlusses hatte er dabei jedoch, wie wir erwähnten, vorläufig abgesehen und das dem eigenen Ermessen der Prälaten überlassen.

Der Propst von Medingen hatte sich nicht weiter um den in Uelzen erlassenen Befehl des Herzogs, dass die Pröpste im Fürstentum residieren sollten, gekümmert; er lebte in Halberstadt nach wie vor. Daher forderte der Herzog ihn am 18. Mai 1528 nochmals nachdrücklich dazu auf, in Medingen zu wohnen, sonst werde er sich genötigt sehen, auf andere Weise Abhülfe zu schaffen. Es sei wahrlich nicht fein, als vornehmstes Glied des Fürstentumes die Ehre und Nutzung hinzunehmen, und das Land und Kloster winzig zu bedenken“ 2).

gen und Versprechungen nicht fehlen, allein an eine wirkliche Änderung dachte er nicht). – Mit heftigen Worten hielt der Herzog, nachdem fast ein Jahr verstrichen war, ohne dass er sich im Fürstentume hatte blicken lassen, dem Propste vor, dass bei ihm die bewiesene Geduld mehr schade als nütze. Er möge doch dem Herzoge, „die Verwaltung des Klosters folgen lassen“, wenn er sich der

1) Hauptquelle für das Folgende sind nach- 4. Des. 49. Bardowik 1. Des. 48. Klostersastehende Akten des H. St. A.: Des. 49, Re- | chen 10. form. der Stifter und Klöster 1. Des. 49, 3. ; 2) Der Herzog an Johann von Mahrenholz, Des. 50, Kloster St. Michaelis 2. Des. 55 Ra- Montag nach Cantate 1528. (H. St. A.). melsloh 5. Des. 55 Bardowik II, 1. Des. 40, i 3) Johann v. Mahrenholz an Herzog Ernst,

Freitag nach Cantate (22. Mai) 1528.

selben nicht annehmen wolle. Man würde aber, wenn er auch jetzt keine Abhülfe schaffe, auf das Fürstentum und das Kloster mehr Rücksicht nehmen als auf ihn“). Durch diese drohenden Worte fühlte sich der Propst „beschwert“, da er stets das Beste des Klosters und des Fürstentums vor Augen gehabt. Er bat um Frist bis nach Ostern), und auch diese gewährte ihm die Milde des Herzogs.

Auch die Canoniker von Bardowik hatten die Bestimmungen des Landtages von Uelzen nicht erfüllt, sie sollten daher auf Ostern 1528 vor dem Herzoge in Winsen erscheinen, allein ein schrecklicher Brand verhinderte den Tag. Doch scheint die Furcht vor dem Herzoge die Abstellung der Messe bereits zu Ostern 1529 veranlasst zu haben %).

Ende Juni 1529 begann der Herzog mit einer Visitation der Stifter und Klöster seines Fürstentums. Gestützt auf die beiden Landtagsbeschlüsse, dass das Inventar der geistlichen Güter eingeliefert werden, und dass das Wort Gottes lauter und rein gepredigt werden sollte, ging er jetzt vor. Die Nichterfüllung der Beschlüsse ermächtigte ihn, kraft fürstlichen Amtes einzuschreiten. Wohin er kam, da setzte er evangelische Prediger ein, und es scheint sogar nach einer uns erhaltenen Nachricht schon damals eine Einteilung des Landes in verschiedene Superintendenturen stattgefunden zu haben“). Die eingesetzten Prediger wurden mit einer Instruction versehen, „wie und was sie predigen sollten“5).

Diese Instruktion ist ausserordentlich charakteristisch für das besonnene

1) Der Herzog an den Propst, d. d. Celle, / stentums Pfarrherren und Predigern zu prediCircumcisionis Domini (1. Jan.) 1529.

gen befhalen“ (H. St. A.). Die Schrift ist un2) Der Propst an den Herzog, Halberstadt, datiert, lässt sich aber ziemlich sicher datieren. Dienstag nach Circumcis, Dni. (5. Januar) 1529. Sie wird zuerst genau erwähnt, als der Herzog

3) Die Nachricht, die Schlöpke p. 357 an sie am 13. Juli 1529 dem Kloster St. Michaegiebt, bestätigt das alte Kapitelbuch, dem lis zusandte. In ihr wird auf Bugenhagens sie entlehnt ist. Dort heisst es: „D. Gosman Hamburger und Braunschweiger KirchenordTunder Scholmester und Cantor, so nu vom Ca- | nung (die damals schon im Fürstentum verpitel mit der Commende Johannes Baptistae be breitet gewesen zu sein scheint) verwiesen. Dalehnt, hefft lest mal eine Missen papistico more her können wir die Instruktion ihrer Entstehung celebreret und gesungen, 3a feria post pascha nach in die Zeit von Mai—Juli 1529 setzen. (30. März) 29“. Diese Erscheinung steht ein- Der von Uhlhorn p. 201 angeführte niederzig da; eine völlige Abschaffung der Messe wird deutsche Titel der Instruction: Eyn underes auch wohl weniger gewesen sein, als eine richt und schriftliche summe ofte bevel, wo sich Abstellung der öffentlichen Feier derselben. de parner und prediger in deme predigen hol

4) In der gleich anzuführenden Instruktion. den schullen“ stammt aus Gebhardi (Bd. XIV),

5) „Wie und was wir Ernst v. G. G. Her- der jedoch die Schrift nicht näher kennt. zog zu Braunschweig und Lüneburg unsers Für- |

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