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zog dann seinen Befehl wiederholte und denselben besonders auf die Güter des zerstörten Klosters Michelstein angewandt wissen wollte, dessen Bewohner das Kloster ,abgetreten“ und in Anzahl von drei oder vier Personen an andern Orten und Enden versammelt seien, darum kein Anrecht mehr an die Klostergüter hätten), da antwortete der Rat ablehnend und sehr kühl, dass dazu gar kein Grund vorhanden sei; weil die Mönche, wenn sie jetzt auch zerstreut auf ihren Klosterhöfen lebten, ihr Kloster bald wieder aufzubauen gedächten. Der Abt von Michelstein sei erst kürzlich in Lüneburg gewesen und habe sich die Rente von 1525 und einen Vorschuss auf das laufende Jahr geholt). Dagegen war der Herzog einfach machtlos.

Erstes aktives Vorgehen des Herzogs in Sachen der Religion.

Der Fürst hoffte damals noch, dass auf dem kommenden Reichstage, die Frage wegen der Kirchengüter eine allgemeine Erledigung finden werde). Ob diese aber den Fürsten günstig sein werde, das war schwer vorauszusehen. Die Stimmung des Kaisers war den evangelisch Gesinnten feindlicher denn je, so viel als möglich, suchte er die katholische Partei zu stärken, und die Mitglieder derselben waren eifrig thätig, eine engere Verbindung vorzubereiten. Zur Sicherung gegen diese Gefahr hatten der Landgraf von Hessen und der Kurfürst von Sachsen (Ende Februar 1526) sich zu Gotha verpflichtet: einander mit allen Kräften beizustehen, im Falle sie wegen des göttlichen Wortes oder der Abschaffung der Misbräuche angegriffen würden. Man sah sich nach Bundesgenossen um; der Kurfürst Johann wandte sich an seine Neffen Otto und Ernst, auf die er, wie wir sahen, grossen Einfluss hatte, und deren jüngster Bruder an seinem Hofe sich aufhielt. Ernst hatte schon früher mit dem Kurfürsten von Sachsen über die allgemeinen Fragen correspondiert 4). In Magdeburg traten am 12. Juni 1526 die Brüder“) nebst andern lutherisch gesinnten Fürsten dem Bunde bei. „So bildete sich zuerst eine compakte evangelische Partei“ 6), und diese führte unter entscheidender Mitwirkung der süddeutschen Reichsstädte dann auf dem kurz nachher stattfindenden Reichstage zu Speier den Abschied herbei: ,,dass in Sachen, die das Wormser Edict betreffen, jeder Stand so leben, regiegieren und es halten werde, wie er es gegen Gott und kaiserliche Majestät zu verantworten sich getraue“.

1) Otto und Ernst an den Rat, d. d. Celle, | 4) Vgl. Friedensburg, Zur Vorgeschichte des am Tage Matthiae apli. 1526 (24. Februar). Gotha-Torgauischen Bündnisses, p. 98. Orig. L. A.

5) Alle drei Brüder waren in Magdeburg. 2) Der Rat an den Herzog, Sonnabend nach Vgl. Hortleder, Ursachen des evangel. Krieges, Reminiscere (3. März) 1526. (Concept im L. A.) | VIII, 1.

3) Er spricht dies in dem Anm. 1 angeführ 6) Ranke, Reformation, II, 249. ten Schreiben vom 24. Februar 1526 aus.

Durch seinen Beitritt zum Bündnis von Gotha hatte der Herzog seinen Anschluss an die Reformation offen bezeugt; er hatte durch diese That ausgesprochen, dass er auch in seinem Lande nach der Durchführung derselben trachten werde. Das musste bei den Prälaten des Fürstentums die schlimmsten Befürchtungen erregen. Herzog Ernst war selbst auf dem Reichstage zu Speier gewesen"). Aber nicht sowohl die dort gefassten Beschlüsse, als vielmehr das Gefühl der Zusammengehörigkeit mit den andern evangelisch gesinnten Fürsten hatte auf Ernst einen bedeutenden Einfluss. Das zeigt sich schon, als die Verhandlungen über den Beitritt zum Gotha-Torgauischen Bunde noch nicht völlig abgeschlossen waren. Aufs Neue war von den Klöstern Geld gefordert). Mit dem Abte von St. Michaelis hatten der Propst Heinrich von Kramm und der Kanzler Förster im Auftrage des Herzogs verhandelt, und als man ihm wieder einen Schein versprochen hatte, dass er das Geld unverpflichtet nur als Darlehn gegeben habe, zahlte er Ostern 1526 1000 Goldgulden. 14 Tage nach Ostern wurde der Abt nach Celle beschieden, und hier beredete ihn Heinrich von Kramm auf den Schein zu verzichten, der Herzog könne denselben der andern Klöster wegen nicht ausstellen. Ja, noch mehr. Der Abt musste in Celle einen Revers ausstellen: „J. F. G. bestes to donde na juwen vermogen“. Obwohl das gegen das Herkommen war, und selbst angesehene Adlige, wie Asche von Kramm, ihm abrieten, that er es mit schwerem Herzen *). – Das alles beweist, dass der Herzog jetzt bereits eine ganz andere Stellung den Klöstern gegenüber einnahm als im Jahre 1524. Der Speierer Abschied hatte vorläufig keinen Einfluss auf den Gang der

1) Die Anwesenheit des Herzogs ergiebt sich | in Italien teilnahm und bereits 1528 starb, aus der in der Zts. des hist. Ver. für Nieder- | zwingen uns diese Ereignisse bereits auf Ostern sachsen, 1848, p. 69 mitgeteilten Urkunde. Das 1526 und nicht wie dies v. Weihe-Eimke p. 129 dort nicht angegebene Datum ist: Montag nach thut, erst in das Jahr 1529 zu setzen. Auch Laurentii (13. August) 1526. (H. St. A.). ist die Geldzahlung ausserdem für das Jahr 1526

2) Scharnebeck musste Ostern 1526 5000 bezeugt durch Gebhardi, welcher mittheilt, dass Goldgulden zahlen (Verz.d. Manuscr. J.76 H.St.A.) der Abt 1526 1000 Gulden für den Herzog und

3) Diese Vorgänge werden erwähnt in einem 100 Gulden für den alten Herzog Heinrich habe eigenhändigen undatierten Schreiben Boldewins zahlen müssen. an seinen Schwager, welches Gebhardi (Bd. 14) Nur das ist zweifelhaft, ob der Abt, wie er im Auszuge mitteilt. Die Erwähnung Asches dies selbst schreibt, schon Ostern 1526 bezahlt von Kramm, der 1527 an dem Kriege Karls V. hat, oder ob er damals noch mehr versprochen hat, denn im Anfang Juli lässt ihn der Herzog | von 1526, in der Hist. Ztr. 1886, p. 215 ff. bereits wieder mahnen, die versprochenen 1000 2) Wethenkamp an den Herzog (in d. HanGulden zu zahlen. (Concept H. St. A. Des. 47, delyng twyschen den Barvoten und den Predi1 vom Montag nach Kiliani (9. Juli) 1526). gern to Celle) am Thomastage 1526.

Fürstentume Lüneburg. Die Berufung auf denselben als die gesetzliche Grundlage für das jus reformandi der Fürsten erscheint auch hier erst später, erst im Jahre 1528). Noch im December 1526 nehmen die Barfüsser in Celle die Beschlüsse von Speier als für sich günstig in Anspruch und schreiben: „Es sei dem Herzoge nicht verdeckt, wie nach kaiserlichem Edict und auch nach dem Abschied von Speier der christliche Kirchengebrauch ohne allen Widerspruch gehandhabt werden solle“ 2).

In das Jahr 1526 fällt das erste aktive Vorgehen des Herzogs gegen den Katholicismus im Fürstentume, aber zunächst greift er nur da ein, wo sich eine günstige Gelegenheit bietet, das entsprach seiner vorsichtigen und zuwartenden Natur. Sein Einschreiten gegen die Lehre und das Wirken der Barfüsser in Celle wurde veranlasst durch die Streitigkeiten, die wiederum zwischen den Mönchen und den Predigern ausgebrochen waren. Ehe wir auf dieselben eingehen, müssen wir zwei andere Episoden berühren, die als Vorläufer der späteren Kämpfe unser Interesse in Anspruch nehmen.

Die alten Klagen wegen der Unsittlichkeit der Geistlichen hatte sich auch im Amte Gifhorn gegen die dort begüterten Mönche des Klosters Marienrode bei Hildesheim erhoben. Auf einem ihrer Höfe (sie besassen solche zu Bekla, Bokelsberg und Anderten) hatten sie, wie die Klage des Herzogs lautete, durch aufgerichtete Bilder das Volk verführt, daneben sich Eingriffe in die grundherrlichen Rechte des Herzogs zu Schulden kommen lassen?). Nach der Untersuchung der Sache durch den Amtmann zu Gifhorn waren im Jahre 1526 die Mönche ausgewiesen, eine Kapelle und etliche Gebäude des Hofes zu Bekla zerstört, und ihre Güter eingezogen worden. Der Abt Jobst von Marienrode wandte sich klagend an den Kaiser; erst in Augsburg erfolgte im Jahre 1530 eine

1) Vgl. über diese Auffassung des Speierer 3) Sie hatten in einem Walde, worin sie Abschieds: Kluckhohn, der Speierer Reichstag nur die Mast hatten, Holz hauen lassen.

Verhandlung der Sache). Der Herzog erbot sich den Mönchen die Höhe ihres jährlichen Einkommens von den betreffenden Höfen zu zahlen. Allein der Abt wollte eine völlige Restitution und erwirkte daher ein Strafmandat des Kaisers, in welchem dem Herzoge die Rückgabe der Güter bei Strafe auferlegt wurde. Gegen dieses Mandat protestierte jedoch Ernst zu rechter Zeit vor Notar und Zeugen. Er wiederholte das zu Augsburg gemachte Anerbieten und that dies auch in einem besondern Schreiben an den Abt. Da die kaiserliche Verfügung nur auf Anklage einer Partei erfolgt sei, und weil der Abt die Sache falsch dargestellt habe, bestritt der Herzog in seinem Proteste die Rechtsgültigkeit des Mandates. Die Angelegenheit scheint damit erledigt gewesen zu sein, wir wissen wenigstens weiter nichts darüber %).

Im Jahre 1526 forderte Ernst, wie bereits erwähnt, von den Klöstern neue Geldleistungen, und es wird uns von Lüne berichtet), dass der Herzog gedroht habe, falls man nicht zahle, werde er alle Güter des Klosters an sich nehmen und den Nonnen das zum Leben Nötige geben. Solche Befürchtungen, die uns

Teil in den Zeitverhältnissen begründet; aber es schien um so eher Grund dazu vorhanden zu sein, als schon ein ähnliches Verhältnis in einem Kloster des Fürstentums im Jahre 1526 faktisch durchgeführt worden war.

Nach der Gefangennahme des Propstes Heino von dem Werder dachte man nämlich am Hofe sofort daran, diesen Umstand, so unangenehm er auch im Augenblicke war, auszunutzen und die Verwaltung des Klosters völlig in die Hände des Fürsten zu bringen. Kurz nach Schluss des Landtages war Ernst mit seinem Kanzler nach Ebstorf geritten, um dort die nötigen Anordnungen zu treffen). Er hielt sich für berechtigt und verpflichtet dazu, wie das schon aus seinen Erklärungen in Celle und Uelzen hervorgeht. Ein weltlicher Beamter), der völlig im Dienste des Herzogs stand und ihm alljährlich Rechenschaft ablegen musste, wurde als Verwalter des Klosters eingesetzt?). Auch ernannte sich Propst, aber er hatte Weib und Kind zu Uelzen, und das musste bei den Nonnen natürlich grosses Argerniss erregen).

1) Erwähnt bei Seckendorf a. a. 0. III, p. / Schreiben des Herzogs an den Abt (Concept) 18. Aus ihm hat sie Guden a. a. 0. p. 56, hat nur das Jahr 1531. sonst hat man diese Nachricht nicht beachtet. 3) Kalender v. Lüne z. J. 1526 (H. St. A.

2) Der Thatbestand ist entnommen drei Verz. d. Manuscripte J. 37). Schriftstücken des H. St. A. (Calenberg. Br. A. 4) Denkschrift des Proptes Koller von St. Des. 7, 6). Das Pönalmandat (in dem sich die Johann in Lüneburg an den Rat daselbst, 1528 Angabe findet, dass die Ausweisung der Mönche am avende Johannis (L. A.) vor etwa 4 Jahren geschehen sei) ist datiert: ! 5) Bericht Försters an Herzog Otto über Augsburg, d. 7. October 1530. Es wurde am den Landtag zu Uelzen. Aus demselben geht 12. Februar 1531 in Celle überreicht, am 13. auch hervor, dass Herzog Ernst damals in UelFebr. erfolgte der Protest des Herzogs. Das zen und nicht, wie Havemann (Bd. III p. 104)

| meint, zu dieser Zeit ausser Landes war.

So lange Heino – niemand, auch er selbst nicht, wusste wo – gefangen gehalten wurde und noch zuerst nach seiner Freilassung, bemühten sich die Herzöge eifrig für ihn, sie klagten bei befreundeten Fürsten und beim Reichskammergericht, um Christoph von Steinberg zur Strafe heranzuziehen“); das waren sie dem alten Diener schuldig, der 11 Jahre in der Kanzlei ihres Vaters

hre als Propst und geistlicher Rat dem Fürstentum gedient hatte 5). — Aber ein Umschwung trat ein, als der Propst wieder in sein Kloster zurückkehren wollte. Das war gerade zur Zeit des Reichstages zu Speier. Die herzoglichen Beamten verweigerten ihm den Eintritt in das Kloster, auch seine dort vorhandenen Sachen behielt man vorläufig noch zurück. Klagend wandte er sich an Herzog Otto, der nicht in Speier an den Verhandlungen teilnahm. Er erhielt den Bescheid, dass ihm bis zur Rückkehr Ernsts nicht gestattet werden könne, „zum Kloster und dessen Gütern zu kommen“ 6).

Cs scheint ziemlich zweifellos zu sein, dass der offene Anschluss des Herzogs an die evangelische Partei schon hier seine Wirkung that. Man dachte gar nicht daran, Heino wieder in seine Propstei kommen zu lassen, und auch als der Propst am 18. September persönlich in Celle war, erhielt er von Ernst nur gute Versprechungen. Er möge wenigstens so lange sich vom Kloster fern hal

1) In einem undatierten Schreiben teilen über die Reformation in Ebstorf vom 22. Juli die Herzöge den Nonnen mit, dass sie Thile | 1629 im H. St. A. von Honstedt beauftragt hätten, für sie zu sor 4) Die Akten über den Streit Heinos mit gen, da sie die Geschäfte nicht allein besorgen Steinberg und später mit dem Herzoge sind sehr könnten und es auch nicht ziemlich sei, wenn umfangreich und auch in dem Aufsatze von der Schreiber dies thäte. (Concept: Des. 55, Eb Blumenbach: Extractus actorum des Thumdestorf 1.)

chanten Heino von dem Werder (Zts. des hist. 2) Der Herzog an Thumpropst und Kapitel Vereins f. Niedersachsen, 1848) noch nicht gevon Hildesheim, Zell, Montag nach Nativitat. nügend verarbeitet. Besonders kommt die Akte Christi 1529 (also 28. Decemb. 1528).

des H. St. A. Des. 55, Ebstorf 1 in betracht. 3) Zuerst erscheint ein gewisser Thile Hon I 5) Heino an den Abt von St. Michaelis, d. stedt als Verwalter, aber nur auf kurze Zeit d. Braunschweig, am Tage Lucae (18. October) (undatiertes Concept: Des. 55. Ebstorf 1.); | 1526. schon 1526 war es Simon Reinecke. Unter | 6) Instruktion Herzog Ottos für Heinrich ihm stand dann wohl noch ein Schreiber (Joa- | von Brocke, Celle, Montag nach Laurentii 1526. chim Rauh). Vgl. den früher erwähnten Bericht

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