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Im Jahre 1543 wurde eine allgemeine Kirchenvisitation gehalten, und in Folge derselben erliess der Herzog eine Ordnung, durch welche einige Misstände im Lande abgestellt werden sollten. Die Gebühren des kirchlichen Amtes werden geordnet; es wird verboten, dass an Sonn- und Festtagen vor Schluss der Predigt der Kram geöffnet oder Bier verkauft werde. In betreff der Eheschliessung werden bestimmte Normen festgestellt (so lässt man das zeigt, wie conservativ der Herzog war die Pathenschaft auch fernerhin als Ehehindernis gelten)').

Bei Gelegenheit dieser Visitation wurden auch die Klöster noch einmal vom Herzoge besucht, kurz vor Fronleichnam war er in Wienhausen und bald darauf in Lüne, aber, wie zu erwarten war, richtete er nichts aus. An Medingen erging sogar damals wenn uns recht berichtet wird – der Befehl zur Räumung des Klosters; da wandten sich die noch im Kloster befindlichen Mitglieder des Conventes an Erzbischof Christoph, übersandten ihm auf seine Forderung eine ganze Reihe von Beschwerden gegen den Herzog, und er säumte denn auch nicht, seine Klage sowohl beim Kaiser als auch beim Kammergerichte anhängig zu machen. 1544, am 29. Februar, erwirkte er ein Pönalmandat gegen den Herzog und am 1. December 1544 einen kaiserlichen Schutzbrief für Lüne, Ebstorf und Medingen, den er im Anfang des Jahres 1545 mit einem Ermahnungsschreiben den Klöstern übersandte. Er nahm natürlich noch jetzt alle die Rechte, welche er früher gehabt hatte, in Anspruch, und die Klöster betrachteten sich auch noch immer in erster Linie als Unterthanen des Bischofs von Verden Auf den Rat Christophs kehrte jetzt auch Margaretha von Stöteroge nach Medingen zurück).

Ernst wollte jetzt wirklich zu schärferen Massregeln greifen, allein das verhinderte sein, wie es scheint, plötzlicher Tod. Als er im Anfang des Jahres (am 11. Januar) 1546 starb, standen die vier Klöster Lüne, Ebstorf, Medingen und Wienhausen noch auf demselben Standpunkte, auf dem sie im Jahre 1542 standen, und dabei blieben sie auch noch längere Zeit. Ebstorf unterhielt im Jahre 1546 stetige Verbindung mit dem Propste Joachim Schütte zu Halberstadt, der das Kloster mit Berichten über den Schmalkaldischen Krieg versorgte").

gegen Lüne und Ebstorf im Jahre 1542 ange- 1) Die Kirchenordnung, gedruckt bei Richter, wandt wurde, ergiebt sich aus dem Kalender Kirchenordnungen des 16. Jahrhunderts II, von Lüne (H. St. A.: Verz. der Manuscripte 54 ff., ist datiert vom Donnerstag nach MarJ. 37) und einem Schreiben des Lambertus tini (15. November) 1543. Germanus, des Predigers von Ebstorf, d. d. die 2) Die Urkunden sind gedruckt bei LyssJovis post Matthaeum 1546.

mann a. a. 0. p. 146 ff.

Der günstige Verlauf des Krieges mochte allerdings neue Hoffnungen bei den Nonnen erwecken, als aber die Jahre vergingen und keine Änderung eintrat, da trat ein Kloster nach dem andern zum Protestantismus über.

Zuerst Medingen, wo die Äbtissin Stöteroge durch ihren Bruder Nicolaus, der damals Bürgermeister von Lüneburg war, dem evangelischen Glauben gewonnen wurde. Im Juli 1554 feierte der Convent zum ersten Male das Abendmahl unter beiderlei Gestalt).

In Lüne hatte man sich nach dem Tode Ernsts an die Räte des Fürstentums mit der Bitte um Erleichterung der Clausur gewandt. Man gewährte dieselbe und erneuerte zugleich die von Ernst gegebenen Versprechungen. Das trug wesentlich zur Versöhnung bei; das alte Geschlecht starb allmählich aus, aber erst im Jahre 1573 erfolgte, wie bemerkt, der völlige Übertritt des Conventes zum Luthertume ).

Von Ebstorf wissen wir nichts Genaueres, nur wenig auch von Wienhausen. Nach dem Tode von Katharina Remstedt (1549) wurde die streng katholische Dorothea Spörken zur Äbtissin gewählt, ihre Nachfolgerin Anna von Langelen war die letzte katholische Domina Wienhausens.

Wir stehen am Ende. Ohne Zweifel ist Herzog Ernst der eigentliche Mittelpunkt des ganzen Werkes gewesen, wenn er auch gewiss ohne die tüchtigen und kräftigen Männer, welche ihm als Theologen und Juristen zur Seite standen, es nicht so leicht hätte durchführen können. Unter dem Schutze des Fürsten schlug das Luthertum bis zum Jahre 1526 tiefe Wurzeln im Lande; unter seiner thätigen Hülfe wuchs es empor und breitete sich nach den Landtagen von 1527 schnell über das Fürstentum aus. Bis zum Jahre 1530 war das Schwerste gethan. Was später kam, diente allerdings der Befestigung und dem Ausbau des Begonnenen, aber es nimmt sich im ganzen mehr aus wie letzte weitausgesponnene Scenen eines Dramas, in welchem die Entscheidung schon gefallen ist; es zeigt gewiss einzelne interessante Entwicklungen, aber wenn man

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1) Vgl. den Bericht des Predigers Lambertus Germanus im H. St. A.

2) Vgl. Lyssmann a. a. 0. p. 159.

3) Vgl. den Kalender von Lüne im H. St. A. und Zts. d. hist. Vereins für Niedersachsen 1830, p. 103.

die Vorgänge mit einiger Vollständigkeit und Genauigkeit darlegen will, so muss man manche fruchtlose Verhandlung, nicht erfüllte Versprechung und nicht ausgeführte Drohung erwähnen, die kaum unser Interesse fesseln kann.

Politische Erwägungen haben keine unwichtige Rolle bei dem Vorgehen des Herzogs gespielt, und er hat nicht alles, wie das eine theologisierende Geschichtschreibung gern annimmt, nur zur Erhöhung der Ehre Gottes, ohne weltliche Rücksicht gethan. Aber niemand wird darum leugnen können, dass den besten Anteil an seinem Lebenswerke die religiösen Gedanken hatten, von welchen er ergriffen und erfüllt war. Ernst wollte sein Volk glücklich machen. Aliis inserviendo consumor“, war sein Wahlspruch. Durch die That hat er ihn bewährt. Sein Name wird stets mit Ehren unter den Fürsten Deutschlands genannt werden.

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