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einen Ausweg in dieser schwierigen Lage. Zwei Jahre nach dem Tode Herzog Ernsts, im Jahre 1548, schloss er mit den die vormundschaftliche Regierung führenden Räten einen Vertrag, wodurch das Kloster wieder in den vollen Besitz seiner Güter und seiner früheren Rechte gelangte. Dasselbe musste jedoch einen Teil der Güter, den der Herzog verpfändet hatte, selbst wieder einlösen und einen Beitrag zu der Erziehung der „jungen Herrschaft“ leisten").

Der endliche Ausgleich des Herzogs mit der Stadt Lüneburg erfolgte erst viel später. Erst im Jahre 1563 gelang es den Bemühungen Klammers und des Abtes von St. Michaelis, Eberhard von Holle (Herbord war im Jahre 1555 gestorben, den Streit, welcher nun fast 40 Jahre lang gedauert hatte, zu schlichten. In dem Vertrage wurde in betreff der Kirchengüter im ganzen der status quo bestätigt. So behält der Herzog die eingezogenen Güter von Heiligenthal ausserhalb, der Rat die innerhalb der Stadt. Die anderen Vertragspunkte gehören dem Gegenstande unserer Darstellung nicht ano).

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Das Fürstentum und die Klöster seit der Ankunft des Urbanus Rhegius.

Es bleibt uns noch übrig einen Blick auf die weitere Entwicklung der religiösen Verhältnisse des Fürstentums seit der Ankunft des Urbanus Rhegius zu werfen).

Früher haben wir bereits erwähnt, dass der Herzog in der Mitte des Jahres 1531 an die Domherren von Bardowik die Forderung stellte, ihre Kirchengeräte bis auf vier Kelche abzugeben. Dieselbe ist keine vereinzelte. Bei allen Kirchen, über welche der Herzog das Patronat von vornherein besass oder an sich genommen hatte, liess er im Jahre 1531 die Kleinodien aufschreiben und einziehen, nur die zum Gebrauche nötigen liess man denselben“). An der Spitze der Commission, welche durch den Herzog beauftragt war, dies vorzunehmen, stand

1) Vgl. Havemann a. a. 0. p. 464.

sachen 2. Die Schriftstücke waren meist im Ori2) Vgl. Havemann p. 473 f.

ginal oder im Concept vorhanden. 3) Für diese Verhältnisse wurden beson- 4) Betreffs Schwarmstädt findet sich die ders folgende Aktenfascikeln des H. St. A. be- 1 Bitte: der Herzog möge gestatten, aus mehreren nutzt: Des. 49, Reformation der Stifte und Kelchen einen zu machen, da einer für das Klöster 1; Des. 49, 3; Des. 49, Ebstorf 2; viele Volk nicht genüge. Des. 48, 6; Des. 48, Kirchen- und Pfarr- ;

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der fürstliche Rentmeister Simon Hoppener; ausser ihm waren noch vier Männer thätig, deren jeder einen bestimmten Bezirk unter sich hatte.

Dass bei dieser Massregel eine Anregung des Urbanus Rhegius anzunehmen ist, möchte ich sehr bezweifeln; viel mehr, so scheint es mir, sind dabei finanzielle Gesichtspunkte als religiöse massgebend gewesen. Nur ein Nebenzweck war es, alles zu beseitigen, was noch an das Papsttum erinnern konnte; der Hauptzweck war jedenfalls der, Geld durch diese Massregel zu erlangen. Der Wert der Geräte wird manchmal, namentlich in den Klosterkirchen, denn auch diesen wurden die Kleinode genommen "), nicht gering gewesen sein. Zahlte doch im Jahre 1532 der Rat von Lüneburg, der dem Vorgehen des Herzogs nachgefolgt zu sein scheint, für 10 Kleinode: Crucifixe, Monstranzen u. dgl. 5750 Mark?). Dass es gerade auf den Metallwert der Kostbarkeiten den herzoglichen Beamten ankam, zeigen einzelne Zusätze in den Registern. In den kleineren Städten, wie z. B. in Uelzen, behielt der Rat nur ein beschränktes Verfügungsrecht über die Kirchenkleinode: nicht ohne Genehmigung des Herzogs durften dieselben verkauft werden. Schon früher, im Jahre 1527, als Uelzen zum 16. Pfennig 400 Gulden beisteuern sollte, hatte der Rat mit herzoglicher Bewilligung zwei silberne Bilder (Maria und Johannes), die eine Elle hoch waren, nebst Monstranzen, Ampullen u. dgl. zu Gelde gemacht, um die Steuer zahlen zu können ), und der „Viehschatz“ von 1535 wurde zum grössten Teil vom Rate zu Uelzen mit den Kleinodien der dortigen Kirche bezahlt 4).

Es entsprach ganz den Ansichten des Herzogs, wenn er jetzt auch eine fortlaufende Rechnungsablage über das Kirchenvermögen in seinen Kirchen forderte. Dieselbe geschah, wie die vorhandenen Rechnungen beweisen, von 1531 an alle drei Jahre. Die Juraten oder Kirchengeschworenen, welche die nung zu führen hatten, mussten vor dem herzoglichen Rentmeister in Celle Rechenschaft ablegen; für ihre Bemühungen erhielten sie gewöhnlich je einen Gulden; den Überschuss zog der Rentmeister ein. Man scheint dabei stets mit

1) Walsrode gab Palmarum 1532 folgende Uelsen p. 68. Gegenstände an den herzoglichen Rentmeister 4) Schreiben von Bürgermeister und Rat ab: 1 grosses vergoldetes Kreuz, 1 vergoldetes von Uelzen an die Statthalter und Räte zu Sacramentshaus, 2 silberne Ampullen, 2 kleine Celle, Dienstag nach Assumptionis Mariae silberne Kreuze, 5 Kelche nebst Patenen u. a. ' 1548. (Des. 47, 2). Hämmenstädt berichtet Vgl. Urkundenbuch von Walsrode Nr. 375. | zum Jahre 1528, dass der Herzog viele Klei2) Uhlhorn a. a. 0. p. 192.

nodien bekommen hätte, womit sonst nichts an3) Schilling, historischer Grundriss der Stadt zufangen gewesen sei.

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Milde vorgegangen zu sein; wo gerade die Not der Kirche es erforderte, da wurde ein Zuschuss und eine Unterstützung gewährt).

Mag man es bedauern, dass so manches alte Stück von vielleicht künstlerischem Werte in jener Zeit seinen Weg in die Münze gefunden hat, so kann man die Massregel selbst, bei der schweren Not des Fürstentums, als eine durchaus richtige und gute bezeichnen. Das Land wurde von dieser Einziehung der Kleinode nicht bedrückt, und einer augenblicklichen Not des Fürstentums wurde gesteuert. Allerdings hätte ja wohl rechtlich der Ertrag aus dem Verkauf dieser Schätze den betreffenden Kirchen verbleiben müssen. Dass der Herzog denselben für sich in Anspruch nahm, zeigt eben, dass hauptsächlich finanzielle Momente bei der ganzen Angelegenheit in Betracht kamen. Dass diese Gegenstände, welche durch die inzwischen völlig durchgeführte Reformation und die Umgestaltung des Gottesdienstes unbrauchbar geworden waren, überhaupt verkauft wurden, das war jedenfalls auch aus anderem Grunde sehr vernünftig. Denn dieselben konnten höchstens dazu dienen, im Volke abergläubische Gedanken zu nähren. Dem Aberglauben neigte ja das Landvolk in jener Zeit stark zu: muss es doch fast in allen Kirchenordnungen strenge geboten werden, das Taufwasser sofort nach der Taufe wegzuschütten, damit man es nicht zu irgend welchen abergläubischen Handlungen verwende.

Als Rhegius Ende Juni 1531 von Lüneburg nach Celle zurückkehrte und dort das Amt eines Landessuperintendenten übernahm, war die Reformation im Lande selbst durchgeführt. Nur die Klöster, mit Ausnahme von Oldenstadt und Scharnebeck, widerstrebten noch.

In den beiden letzteren Klöstern waren, wie gesagt, die Mönche zum grossen Teil zurückgeblieben, jetzt gelang es — vielleicht dem Einflusse des Rhegius 2) – die meisten von ihnen zu bewegen, dem Klosterleben völlig zu entsagen.

Es wird uns von katholischer Seite berichtet, der herzogliche Verwalter habe die zurückgebliebenen Mönche in Oldenstadt hart behandelt, ihnen das ihnen zukommende Bier entzogen und am Brennholz zu sparen gesucht 3). Aber nicht das wird der Grund gewesen sein, weshalb die Mönche das Kloster verliessen. Je mehr sich dieselben von dem Katholicismus abwandten, um so mehr mussten sie auch erkennen, dass nicht das Klosterleben das Richtige sei. Im October 1531 wiederholten Abt und Convent des Klosters Oldenstadt (es sind im ganzen noch neun Personen) ihren früheren Verzicht auf die Güter des Klosters und erklärten alle ihre früheren Privilegien, sowie die Urkunden, welche Tzarstede dem Kloster entfremdet hatte, für erloschen. Der Herzog bestätigt ebenfalls seine früheren Verfügungen, wonach er dem Abte und Convente lebenslänglichen Unterhalt versprochen hatte").

1) Die Register und Rechnungen befinden | dass man dies damit vielleicht in Verbindung sich im H. St. A.

| bringen könnte. 2) Gerade in diese Zeit, in welcher die 3) Chronicon Bothonis bei Leibniz, Ss. rer. Klöster völlig aufgelöst wurden, fällt auch eine Brunswic. II, 365. Visitation der Frauenklöster durch Rhegius, so I

Auch in Scharnebeck waren die meisten der Conventualen zurückgeblieben, der Abt Ratbrock dagegen hatte sich, wie bemerkt, nach Lüneburg begeben. Für die Mönche wurden jetzt die früheren Versprechungen des Herzogs wiederholt, und genauer die Lieferungen präcisiert, welche der herzogliche Verwalter ihnen zu geben hatte?); aber die Mönche, welche jetzt noch im Kloster zurückblieben, sind von nun an nur noch Privatleute, sie haben keinerlei Ansprüche weiter an das Kloster zu machen. Mehrere, welche sich dazu eigneten, wurden von dem Herzoge nach Bardowik geschickt und dort in die gerade erledigten Präbenden und Vicarien eingesetzt. Damit erlosch ganz oder teilweise die Verpflichtung des herzoglichen Klosterverwalters, sie noch fernerhin zu versorgen. Sie werden jedoch, um einen Haushalt beginnen zu können, vom Herzoge noch ganz besonders ausgestattet, sie erhalten zwei Schweine, zwei Kühe, Roggen und 10 Mark bares Geld. Allen denen, die in den Dienst des Herzogs traten, sei es als Pfarrer, oder als Verwalter von Klosterhöfen, als Küster u. dgl., wurden in besonderen Urkunden diese Zusicherungen wiederholt). Von den 20 Klosterpersonen, welche im Jahre 1529 (den Abt mitgerechnet) im Kloster gewesen

1) Drei Urkunden vom Sonnabend nach diese Urkunde nicht bereits in das Jahr 1529 Dionysii (14. Octob.) 1531. In der einen wie- zu setzen ist, ergiebt sich unzweifelhaft aus einiderholt und erweitert der Herzog die Lieferun- gen Bemerkungen derselben. gen für den Abt. Dem Convente wird nur 3) Es sind etwa 8 Urkunden in Copien vom ganz allgemein Unterhalt für Lebenszeit ver- Montag nach Undecim milia Virginum (23. Ocsprochen. Von demselben Datum ist auch die tober) 1531. Die Namen der Conventualen Urkunde, welche Abt und Convent dem Her- giebt ein bei den Akten liegender Zettel. Einer zoge ausstellten.

der Conventualen wird Pfarrer zu Handorf, ein 2) Sie erhalten Kleidung, Kost, Wohnung anderer bleibt noch auf drei Jahre Verwalter im Kloster und jährlich 4 Gulden. Urkunde des Klosterhofes zu Benderstedt, ein dritter Ernsts, Scharnebeck, Dienstag (s. d.). Dass Küster zu Handorf.

waren, blieben jetzt noch neun dort zurück, und auch von diesen verliessen einige dasselbe in den nächsten Jahren, um in den Dienst des Herzogs zu treten“). Im Jahre 1535 trat eine Änderung in der Verwaltung des Klosters ein: es wurde verpachtet oder verpfändet, und daher wurden die wenigen alten Leute, welche dort noch wohnten, von dem Herzoge anderweitig versorgt. Sie erhielten ihre Lieferungen von jetzt an aus den Einkünften des Klosters Lüne, und von dort aus sollen auch die 14 Prövener und armen Leute des Klosters Scharnebeck unterhalten werden?). Auch dem ehemaligen Abte wurde jetzt eine neue Urkunde ausgestellt, in welcher festgesetzt wurde, dass seine Pension von jetzt an durch den Verwalter von Lüne ihm ausgezahlt werden solle).

Die austretenden Mönche von Oldenstadt wird der Herzog in ähnlicher Weise versorgt haben. Der Abt blieb Zeit seines Lebens im Kloster und wohnte in dem ehemaligen Krankenhause, auch einige Ordensleute blieben für immer in Oldenstadt. Im Jahre 1535, so scheint es, wurde hier ebenfalls eine Veränderung vorgenommen. Zwar finden wir nur eine Urkunde aus dem Jahre 1535, in welcher der Herzog einen früheren Angehörigen des Klosters versorgt), aber es wurde in diesem Jahre der grösste Teil der Klosterbibliothek nach Uelzen geschafft und dem Propste dort zur Verwahrung übergeben. Das Verzeichnis derselben ist uns erhalten. Der Abt durfte nach seinem Belieben für seinen Gebrauch Bücher zurückbehalten. Er hatte eine Vorliebe für historische Werke; unter seinen Büchern finden wir Sallust, Sueton, Caesar und Plutarch; Eusebius, Einhard, Sigeberts Chronik, Otto von Freising, Schriften des Aeneas Silvius, des Johann Trithemius, Gersons Werke, die Orationes Ulrichs von

1) Am Tage Simonis und Judae 1532 wird noch einmal auf alle Ansprüche an das Kloster Johann Rademaker Küster in Netze, und am verzichtet. Tage Antonii 1533 der ehemalige Portarius des 3) Die Urkunde des Herzogs für Heinrich Klosters Prädicant zu Scharnebeck.

Ratbrock ist undatiert, aber auch wohl vom 2) Die hierauf bezüglichen Urkunden des Sonntage Palmarum 1535. Herzogs sind vom Sonntage Palmarum 1535. 4) Abbas mansit in suo claustro degens in Jeder der Prövener des Klosters erhält vom infirmatorio cum una famula eum procurante Herzoge 14 Mark und 14/2 Wichhimpten Roggen usque ad mortem. Aliqui de monachis mansejährlich, ausserdem Kleider und Schuhe; ihr runt ibidem induti laicis vestibus, et aliqui Haus nebst Garten behalten sie, mit Holz soll abierunt retro et post sathanum. (Tagebuch sie der neue Herr des Klosters, Dietrich von von Lüne bei dem Bericht von 1629.) Elten, versorgen. Von demselben Datum sind 5) Urkunde des Herzogs, Freitag nach Trium auch die Urkunden des Herzogs für die letzten Regum 1535, für Hermann Lucmann. Aus derim Kloster sich noch aufhaltenden Mönche. selben geht hervor, dass sich noch etliche der Schon am Freitag nach Oculi hatten dieselben früheren Mönche im Kloster befanden.

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