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angehalten werden. Die Hälfte des Einkommens von Abt und Convent soll zur Erhaltung der Klosterherren, die andere zur Erziehung und zum Unterhalt der herzoglichen Kinder verwandt werden; ausserdem sollen sechs vom Adel und drei Bürgerskinder (davon zwei aus Lüneburg) mit Stipendien unterstützt werden. Von Seiten des Herzogs und der Landschaft soll ein Verwalter des Klosters eingesetzt, die Kleinode u. s. w. sollen vom Fürsten, den Räten und der Landschaft verwahrt werden, bis ein christliches Concil über ihre Verwendung bestimmt. Dann sollen sie verkauft und zur Tilgung der Landesschulden verwandt werden. Nach dem Tode oder dem Abfinden der Mönche sollen die Gebäude des Klosters gegen eine Zahlung an den Herzog der Stadt verbleiben). Da der Rat stets sage, Bardowik und Ramelsloh gehe ihn nichts an, so soll er auch nicht hindern, dass die von dem Herzoge mit Präbenden dieser Stifter Belehnten ihre Renten einzögen). Die innerhalb der Mauern gelegenen Güter des Klosters Heiligenthal und ein Holz desselben wollte der Herzog der Stadt überlassen, das andere wollte er für sich behalten.

Die Änderung in den Plänen des Herzogs in betreff des Klosters St. Michaelis war wohl veranlasst durch die Forderungen des Adels, welche freilich noch weiter gingen. Man bat, wie es scheint, schon ziemlich früh darum, das Kloster für den Adel zu erhalten und es in eine Schule umzugestalten, in welcher die Söhne von Adligen und des Herzogs erzogen würden). Dieselbe Forderung wurde auch im Jahre 1541 auf einem Landtage zu Uelzen wiederholt und hier nicht bloss für das Kloster St. Michaelis, sondern auch für die Frauenklöster.

Vorläufig kam es aber nicht zu einer derartigen Umwandlung des Klosters. Weder die Vermittlung Wildefürs noch auch die Verhandlung der streitigen Fragen vor den Hansestädten, die man bereits öfter versucht hatte“), führten zu einer Versöhnung.

Im Jahre 1538 war die Stimmung in Lüneburg sehr erregt. Die Kanzler

1) Die Stadt soll dem Herzoge 8000 Gulden | Renten nicht ausfolgen lassen wolle. dafür geben; auf die Güter der ausländischen 3) Die verordneten Räte und die von der Geistlichen 25000 Gulden. Der Rat geht in Landschaft zu Lüne, versammelt am Montag der mündlichen Verhandlung darauf nicht (weiteres Datum fehlt), an den Herzog. Das weiter ein.

| Schriftstück scheint nach andern Anzeichen be2) Darunter war auch der herzogliche Hof- | reits in das Jahr 1533 oder 1534 zu gehören. prediger Wilhelm von Cleve, welcher sich 1534 4) Vgl. Hämmenstädt zu den Jahren 1535 und 1539 beschwerte, dass ihm der Rat seine | und 1538.

Förster und Klammer verhandelten (vom 17. Januar an, etwa 14 Tage lang) mit Wildefür in der Stadt selbst?).

Es waren natürlich die alten Streitpunkte, über die man hin und her redete, nur finden wir jetzt bei dem Herzoge eine ihm sonst nicht eigene Schroffheit. Die alte Forderung, dass die Briefe und Siegel von Bardowik in Uelzen verwahrt werden sollten, tritt wieder hervor. Der Herzog besteht auf der Leistung der Hülfe, auf seinen Absichten in betreff des Klosters St. Michaelis und wirft Drohungen hin, falls der Rat sich nicht willfährig erzeige. Das rief eine ungeheuere Aufregung in der Stadt hervor; man war auf die Kanzler sehr erbittert, sie waren kaum vor Mishandlungen sicher. Spottverse gegen sie und den Herzog wurden am Thore angeschlagen. Einer derselben lautete:

„Das den Gott schende, der alle ding anfenget beim unrechten ende
„Und so alle recht vorkeret und doch gut vor ogen gebereth!
„Hoh püthen und stive kratzen konnen wol unsere leven katzen“ 2).
Der Herzog beklagt sich bitter, dass die Lüneburger mit ihren Kniffen

1) Es beziehen sich darauf die Schriften | Edelmann: Ich wolt, das m. g. h. were aus des Herzogs vom Dienstag nach Fabian und

schulden, Sebast. (22. Jan.) 1538 und Sonnabend nach

Das der paur mich auch konte Ancherii 1538. Der Bericht Försters ist vom

zalen meine gulden. Mittwoch und Donnerstag nach Sebastiani. Narr: Ja ihr herren habt ihn mit eurem 2) H. St. A. Des. 55, 15. Dort findet sich

wucher darnach zugebracht noch ein anderes Spottgedicht, welches am

Und zum dickern darüber in die Montag nach Conversionis Pauli (28. Jan.) 1538

faust gelacht. an das Thor geschlagen worden war, unter der Bürger: Ach herre gott, wie leuft diese Überschrift: „Lies und lache nicht“. Es lautet:

sachen doch gar arglistig finanHerzog: Alles, was nur der pfaffen, münch

zisch und geschwinde vor, und nunnen mag sein,

Das man alte privilegien, lobliche Nehme ich alles unter einem guten

herkumpt alleine mit stolz reden evangelischen schein.

plützlich vorleggen däre. Narr: Ja, welcher teufel hat dir die Narr: Ja, das sein wol schlechte sachen, gewalt verlehnt,

Man wolte sie gern was nidriger Zu rauben, das alleine zu gottes

machen. ehren und gebrauch gewent. Paur: Barmherziger gott, wo dieser plage Kanzler: Das thut m. g. h. behuf seiner

nicht wird ein ende zu hand, land und leute,

So muss ich verlaufen aus dem Damit er kome aus schulden ,

land. auch derselbigen schaden ver- Narr: Eia, wohin wiltu laufen oder gehn, hüten.

Weistu es nicht zu sein der letzen Narr: Ja, wer sicht nicht grosse besse

zeichen ein, rung dar van;

Muss den der narre stets der Man schindet und schabet doch

deuter sein ? gleichwol jedermann.

en

stets etwas von seinen Forderungen ,abfeilen“ wollten. Das könne er sich nur so erklären: „dass sie sich zu vertragen nicht geneigt und uns abermals mit vergeblicher Handlung umführen und ihren Bürgern das Maul aufsperren, als wollten sie gern vertragen sein und doch ihr Herz anders gericht und ihre That und Handlung das Gegenteil bezeugen, so müssen wir es abermals geschehen lassen und den Schimpf zu andern, so uns von ihnen vielfältig ist begegnet, kommen lassen“, so schreibt der Herzog an seinen Kanzler am Sonnabend nach Ancherii 1538. Die Verhandlungen wurden abgebrochen.

Schon seit etwa acht Jahren hatte man die Stadt nicht mehr zu den Landtagen herangezogen. Die Beschlüsse wurden stets ausdrücklich nicht auf Lüneburg ausgedehnt). Als aber im Jahre 1540 im August ein Landtag abgehalten wurde, forderte der Herzog auch die Stadt zur Teilnahme auf.

Es hatten sich Streitigkeiten zwischen Herzog Ernst und seinem jüngeren Bruder Franz erhoben. Seit dem Ende des Jahres 1536 war dieser in die Regierung aufgenommen, aber bereits im October 1539 mit dem Amte Gifhorn und Isenhagen abgefunden. Dies war damals ohne Genehmigung der Landschaft geschehen; Franz war später nicht damit zufrieden und brachte die Sache vor die Stände des Fürstentums. Aber diese standen auf seiten Ernsts; erst später, Anfang December 1540, wurde der Streit durch den Kurfürsten von Sachsen geschlichtet ?).

Das war dem Herzoge eine Gelegenheit auch die Verhandlungen mit Lüneburg, welche seit dem Jahre 1538 geruht hatten, wieder aufzunehmen. Man war mistrauisch gegen ihn: die beiden Bürgermeister ritten unter starker Bedeckung nach Uelzen. Aber sowohl jetzt, als auch im October desselben Ja als er in Medingen den Gesandten des Rates Audienz erteilte, bezeigte sich der Herzog sehr gnädig und freundlich gegen die Abgeordneten der Stadt und gab seinem Wunsche nach Frieden offen Ausdruck 3).

So wurden im folgenden Jahre die Verhandlungen wieder aufgenommen. Ein Landtag zu Uelzen beschäftigte sich mit der Lüneburger Frage. Hier war es, wo der Adel jene oben erwähnten Forderungen in betreff des Klosters St. Michaelis und der Frauenklöster wiederholte. Denn die Ritterschaft mochte wohl fürchten, dass bei einem Vertrage des Herzogs mit der Stadt das Kloster St. Michaelis zwischen den beiden streitenden Mächten geteilt werden möchte. Wenn der Herzog ihre Bitte gewähren würde, so versprach man treulich auf Seiten des Fürsten zu stehen, „wenn die Stadt auf ihrem Mutwillen beharre“ 1).

1) Vgl. Jacobi, Landtagsabschiede I, 163. 2) Vgl. Schomaker a. a. 0. zu diesem

Jahre.

3) Schomaker a. a. 0.

Es ist sehr deutlich zu bemerken - das mag gleich hier ausgesprochen werden – wie sehr durch die vollzogene Reformation die Macht des Fürsten sich gesteigert hat. Ernst war dem Absolutismus, zu dem ja seine ganze Persönlichkeit hinneigte, bedeutend näher gekommen, auch trotz der noch immer gesteigerten Finanznot, trotzdem noch immer neue Steuern von der Landschaft bewilligt werden mussten. Es zeigt sich das schon in der Umwandlung des von Heinrich dem Mittleren eingesetzten Landgerichts zu Uelzen in ein Hofgericht, welche im Jahre 1535 vorgenommen wurde; es zeigt sich das auch in den Klagen des Adels, die auf jenem Landtage zu Uelzen vorgebracht wurden. Der Herzog nahm alle Rechte der säcularisierten Klöster und Propsteien für sich in Anspruch. Dadurch wurden oft die alten Gewohnheiten der Ritterschaft beschränkt oder aufgehoben; Holzrecht, Jagd und Fischerei des Adels wurden eingeschränkt.

Characteristisch sind auch die Klagen der kleineren Städte. Sie beschweren sich in Uelzen über eine Emancipation der Dörfer. Man fände jetzt in den Dörfern eigne Kaufinannschaften, eigne Waagen, Krüge und Brauereien; ausländische Städte kauften auf dem Lande Flachs und andere Erzeugnisse des Ackerbaus und der Viehzucht auf; wovon man sich denn nähren solle, wenn dies alles verloren ginge? Auch dies ist bezeichnend für den Herzog. Ernst w Bauernstand heben und ihn soviel als möglich von den Lasten befreien, da er durch immerwährende Leistungen sehr heruntergekommen war.

Trotz jener absolutistischen Neigungen hatte sich der Adel im Laufe der Jahre enger an den Herzog angeschlossen. Man erkannte die Verdienste des Fürsten um das Land an, und Ernst that ja auch soviel er konnte, um die Last des Landes zu erleichtern. Seine eigne Hofhaltung schränkte er möglichst ein und zeigte sich auch hier als ein ernster und strenger Hausvater, der auf gute Zucht und Ordnung in seinem Hause sieht?).

1) Gemeiner Landschaft Beschwerung auf 2) Vgl. die Hofordnung Ernsts bei Heimdem Landtage zu Uelzen übergeben, 1541 Mitt- bürger a. a. 0. p. 184 ff. woch nach Dionysii (12. Octob.) (Des. 47,,2.) |

Dass seine Macht gewachsen war, zeigte sich auch in seinem schrofferen Auftreten gegen die Stadt Lüneburg. Als im December 1541 abermals Verhandlungen mit der Stadt begannen, da stellte der Herzog, wie uns Schomaker berichtet, Forderungen, die sich dahin streckten, dass der Rat ohne des Fürsten Bewilligung keine Macht hätte“. Soweit war der Fürst bislang noch nicht gegangen.

Es gelang dem Herzoge nicht einen Vergleich zustande zu bringen, obwohl es an Versuchen dazu auch in den folgenden Jahren nicht gefehlt hat, und eine ganze Reihe von Streitpunkten durch die Verträge mit Bardowik und Ramelsloh, sowie durch das allmähliche Aussterben der katholischen Geistlichen in Norddeutschland von selbst eine Erledigung gefunden hatte.

Mit dem Kloster St. Michaelis kam der Herzog ebenfalls nicht weiter. Das Kloster hatte sich völlig an die Stadt angeschlossen und betrachtete sich als Glied derselben. Die Verhandlungen führte ja auch, wie wir gesehen haben, seit dem Jahre 1533 nicht der Abt, sondern der Rat. Als im Jahre 1542 im Fürstentume Lüneburg die Türkensteuer erhoben wurde, sollte alles in Uelzen bezahlt werden. Allein die Stadt Lüneburg stellte für ihre Bürger eine Kiste auf dem Rathause auf und schickte ihren Beitrag dann direkt nach Braunschweig 1). Auch das Kloster St. Michaelis schickte seinen Beitrag in die Kiste auf dem Rathause, obwohl der Herzog das ausdrücklich verboten hatte). Daraus ersieht man, wie eng die Verbindung zwischen der Stadt und dem Kloster war.

Durch diesen Anschluss an die Stadt entging das Kloster der Säcularisation oder wenigstens der Umwandlung in ein gemeinnütziges Institut durch den Herzog, denn in etwas hätte Ernst doch wohl den Wünschen des Adels Rechnung tragen müssen.

Aber eine andere Gefahr lag jetzt nahe: das Kloster drohte völlig an die Stadt überzugehen. Bereits im Jahre 1543 hatte sich der Rat für den Fall des Aussterbens des Klosters vom Bischofe von Verden zum beständigen Administrator desselben ernennen lassen, und dies war auch vom Kaiser im Jahre 1544 bestätigt worden). Die Klugheit des Abtes Herbord von Holle fand

1) Die Stadt hatte sich zunächst als Hanse- / wirkte, gezwungen. stadt überhaupt geweigert die Steuer zu zahlen, 2) Schomaker a. a. 0. wurde aber später dazu durch ein ka iserliches 3) Vgl. v. Weihe-Eimke p. 149 f. Mandat, welches Herzog Ernst (1545) aus- |

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