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„So ist es recht, Volkmar," schloß der Konig besänftigt und erhob sich. „Geendet sei der Trunk, brecht auf von de n Sitzen, und du Volkmar sollst mir heut anstatt Kämmerer sein, geleite mich." Der König stützte sich schwer auf Volkmars Schulter und schritt mit ihm über den Hof zum Schlafhaus der Königin. Unterwegs sagte er ihm lustig ins Ohr: „Nun, Schelm, wo bleibt der Becher?"

Volkmar öffnete den Beutel, den er an seinem Gurt trug, und bot das Goldgefäß dem König dar. „Stecke mir's ins Gewand," sagte der König, „ich will um deinetwillen sorgen, daß Frau Gisela das Ding nicht erblickt."

Am nächsten Morgen verließ der Sänger die Burg. »Der König sah feinem Bote n mißtrauisch nach und dachte in seinem Sinn: meine Waldfüchse werden mir de n Fremden schwerlich in die Burg senden. Wenn sie ihn meiner Forderung weigern, dann geben sie mir einen Grund gegen sie zu ziehen, ihren Bauernstolz zu brechen und ein Ende zu machen mit ihrem freien Bunde. Dann aber wählen sie de n Ingo zu ihrem Führer, er dünkt mich ein mannhafter Recke, und es könnte einen harten Kampf gebe n unter Scheitholz und Waldpilzen. Was dann das Ende wird, weiß Keiner, und ich habe keine Lust meinen Leib zum Schemel zu machen, über den ein Anderer zum Herrensitz steigt. So trank er sorgenvoll seinen Meth, verschlossen auch gegen die Königin, die mit ihren großen Augen forschend auf ihn hinsah und zuweilen seine Gedanken errieth ohne daß er sie aussprach.

Tag auf Tag verrann, Ingo kam nicht. Dagegen pochte eines Abends Sintram, Theodulfs Ohm, an das Thor. Der König empsing ihn mit offenen Armen, er sprach lange heimlich mit ihm und Frau Gisela merkte, wie der König dem Edlen mit einem Händedruck versicherte: „Dein Vortheil und meiner sollen zusammen in de n Wald springen wie zwei Wölfe." Aber als Held Sintram geschieden war, sah auch ihm der König unzufrieden nach, und nannte ihn einen schiefäugige n Fuchs. b*

In den Waldtauben.

Auf dem Herrenhof und im Dorfe knarrten die Erntewagen, die Mannen des Häuptlings vergaßen im Drange der Arbeit zuweilen ihren Kriegerftolz und halfen den Knechten, die Schnitter banden dem großen Gott des Volkes die letzte Garbe mit frommem Zuruf und brachten im Reigen springend de n Aehrenkranz zur Halle des Fürsten; die barbeinigen Dorfkinder schwärmten wie Drosseln um das Vorholz und sammelten Beeren und Nüsse in langen Düten aus Holzspänen. Ieder war eifrig die Früchte einzuheimsen, welche die Göttin der Flur dem seßhaften Manne spendet. An der Seite des Hofherrn achtete Ingo auf die friedlichen Werke, die er sonst nur vom hohen Kriegsrosse geschaut hatte; er hörte mißfällig, wenn sein Wirth sich wie ein Bauer über die Wölfe ärgerte, weil sie ihm ein junges Rind zerrissen, öfter aber lachte er froh, wenn er Irmgard unter den Mägden fah, denen sie bei der Arbeit gebot. Ihm und der Iungfrau pochte das Herz in Freude, wenn sie vor den Andern im Hofe und auf der Flur höflichen Gruß tauschten und zuweilen wenige Worte. Denn streng war die Hofzucht, gesondert lebte n die Männer, und Ingo scheute sich feit er den Gastschwur gethan, durch dreistes Nahen den Frieden des Hofes zu verletzen. Fast Alle blickten ihn freundlich an, nur das Auge der Fürstin umwölkte sich, wenn sie ihm nachschaute. Ihr kränkte den stolzen Sinn, daß er gegen ihren Rath einen Mann ihrer Freundschaft im Kampfspiel besiegt hatte, auch daß ihr Wunsch, ihn als fremden Landfahrer zu halten, durch den Sänger vereitelt war. Und noch Anderes war ihr beschwerlich. Sie hatte ihren Blutsverwandten, den Theodulf, zum Gemahl der Tochter erkoren, ihr eigenes Geschlecht und Herr Answald hatten schon vor Iahren darum gehandelt. Ietzt beobachtete sie argwöhnisch die Tochter und den Gast.

Eines Tages kam ein fahrender Gaukler mit seinem Kasten in die Flur, er blies vor dem Hofe des Fürsten auf der Sackpfeife, bis die Leute aus dem Dorfe herzu liefen; auch die Mannen und Knechte des Fürsten traten aus dem Hofthor. Als der Ring geschlossen war, begann der Mann in unbehilflicher Sprache feinen Bericht, daß er in dem Kasten einen Römerheld berge und wenn die Krieger und die schönen Frauen ihre Gunst erweisen wollten, so sei er bereit ihn zu zeigen. Er pochte auf den Kasten, da hob sich der Deckel und ein kleines häßliches Ungethüm, von Gesicht einem Menschen ähnlich, mit einem Römerhelm über den Ohren, hob seinen Kopf hervor und schnitt Gesichter. Viele fuhren zurück, die Beherzteren aber lachten über das Wunder. Der Mann öffnete den Kasten und der Affe sprang hervor in einer Panzerjacke wie ein römischer Krieger gekleidet. Er fuhr mit den hageren Beinchen auf dem Grase umher, überschlug sich in der Luft und tanzte. Zuerst entsetzten sich die Landleute, dann erscholl lautes Gelächter und Beifallsruf, so daß Hildebrand in die Laube lief und den Herren verkündete: „Ein Gaukler tanzt vor dem Hofthor mit einem kleinen wilden Mann, den sie einen Affen nennen." Darauf trat auch der Fürst mit Ingo und den Frauen heraus und freute sich an den lustigen Sprüngen des Affen. Zuletzt nahm der Affe den Helm ab, lief im Kreife umher und der Mann rief: „Spendet, ihr Helden, meinem römischen Krieger, was ihr von Römermünzen im Seckel habt, kleine und große, je edler der Held, um so größer das Geldstück. Wer keines hat, lege Wurst und Eier in den Kasten." Da lachten die Leute und Mancher griff an den Gürtel, Andere trugen aus dem Hofe herzu, was dem fahrenden Mann als Reisekost diente. Auch zu den Herren trat der Fremde und der Fürst und Theodulf holten römisches Kupfer aus den Taschen und Frida hörte, wie Theodulf auf Ingo weisend zu dem Gaukler sagte: „Der große Held dort spendet dir wohl am reichlichsten." Als der Mann nun mit seinem Affen dem Helden Ingo nahte, da sorgte Frida, ob der Fremde und sein Kämmerer Wolf in den Iacken der Fürstin wohl auch etwas sinden würden, was sie austheilen könnten, und um die Beschämung abzuwehren, riß sie schnell eine der kleinen Silberschellen ab, welche ihr das Herrenkind zum Brustschmuck geschenkt hatte, und vorspringend sprach sie: „Dir spendet dieser Held, welcher die Sprünge der Römer besser kennt als du, wenn du ihm Antwort gibst auf eine Frage: Welches Gewand trägt dein UngethüM, wenn du unter den Römern Gaben begehrst?"

Der Mann nahm das Silber, fah scheu nach Ingo und antwortete dem Mädchen frech: „Den Gruß der Vandalen kenne ich als verfänglich und grob. Dir aber sage ich, wer im Tanze den Römern gefallen will, muß nackt springen. Was mein Affe dort thut, rathe ich auch dir." Frida rief ihm zornig nach: „Ich meine unter de n Fremden verhöhnt dein tanzender Kater ebenso die Krieger meines Volkes, wie die Fremden bei uns." Da nickten die Männer und wandten sich lachend von dem Gaukler ab. Ingo aber trat zu ihm und frug: „Woher weißt du, daß ich von den Vandalen bin?"

„Deutlich genug trägst du's auf dem Haupte," versetzte der Mann und wies auf die Kappe Ingo's, in welcher drei Schwungfedern des wilden Schwans steckten. „Kaum acht Tage sind es, da erlitt ich bei den Burgunden hartes Fegen von deine n Federn." Ingo's Antlitz wandelte sich, er ergriff de n Mann hastig beim Arm und zog ihn zur Seite: „Wie viel waren ihrer, die dieses Zeichen trugen?"

„Mehr als zehn und weniger als dreißig," versetzte der Mann, „ungefüge Worte gaben sie mir, weil mein Kleiner dort mit Gänsefedern tanzte, und bedrohten mich durch Schläge."

„Der dich schalt, war ein alter Kriegsmann mit grauem Bart und Narben auf der Stirn?"

„Du nennst ihn wie er war, Herr, und außerdem von groben Sitten."

Irmgard sah, daß der Held Mühe hatte seine Bewegung zu verbergen, er löste sich von den Andern und ging allein nach dem Hofe zurück.

Da kurz darauf Vollmar als Königsbote in den Hof trat, empsing ihn Ingo wie einen Freund, den er sehnsüchtig erwartet hatte, er hörte seine Botschaft und führte ihn zu dem Fürsten; dort hielten die Drei vertrauten Rath.

„Der König hat mich geladen," sprach Ingo, „er hat mir Sicherheit gelobt. Was auch die Meinung seines Herzens sei, mir geziemt es der Ladung zu folgen. Nur Eines hemmt mich und mit Scham spreche ich es aus, nicht wie ein entblößter Mann darf ich zu dem Hof des Königs gehen, du gedenkst wohl, o Herr, wie ich zu dir kam."

Bekümmert versetzte der Fürst: „An Roß und Gewand würde es dir, o Held, nicht fehlen und Wolf würde dich als Kämmerer geleiten, dennoch rathe ich nicht, daß du den Worten des Königs trauest und dich unter die Aexte seiner Leibwächter wagst, denn spurlos möchtest du verschwinden hinter den Steinmauern. Die Reise wäre ein unrühmliches Ende für dein Heldenthum.

Auch Volkmar sprach: „Dir, Held Ingo, ziemt es, die Gefahr gering zu achten, du weißt ja, daß dem Mann zuweilen die Kühnheit am besten gedeiht. Wenn du aber der Ladung des Königs folgst, wie du willst, so darfst du das nimmermehr als ein einzelner Wanderer thun. Dem König und seinem Gesinde würdest du verächtlich sein, unwürdig wäre die Behandlung, die sie dir zufügten, auch wenn der König dir nicht

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