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bergen des Helden Ruhm. Sei gegrüßt in meinem Hause, du Gastfreund aus der Vater Zeit. Rückt den Sessel, Knaben, daß der Fürst sich den Edeln meines Volks geselle. Trage Wein herzu, Schenk; im Festbecher, mit dem Römertrank aus Römergolde trinken wir Heil dem königlichen Helden, dem Sohn unsrer Götter."

Offene Herzen.

Am frühen Morgen schritt Irmgard durch das thauige Gras dem Walde zu. Weißer Nebel wallte am Boden und hing wie Gewand der Wassergeister um die Bäume. Aus dem Dampf der Wiese hob sich die helle Gestalt der Iungfrau, sie sang und jauchzte mit gerötheter Wange und langflatterndem Haar, selig im Herzen; so fuhr sie durch die wirbelnden Wolken dahin einer Göttin der Flur vergleichbar. Denn sie hatte gehört und geschaut, was Heldenthum heißt und was den Mann emporhebt aus den Schrecken des Todes in die Gesellschaft der hohen Götter; alle Landgenossen hatten sich vor der Heldenkraft des Einen geneigt, der ihr heimlich gesiel und vertraulich war wie kein Anderer. Sie stieg den Bergweg hinauf bis zu der Stelle, wo die Halle des Vaters hinter dem Baumlaub verschwand; dort stand sie allein zwischen Wald und Fels, unter ihr rauschte der Gießbach, über ihr schwebten die Lichtwolken des kommenden Tages. Sie trat auf den Stein und sang dem Felsen und dem rauschenden Wasser die Weise des Sängers und die Worte des Liedes, die sie in der Halle gehört. Sie kündete freudig, was ihr von der Kunst des Volkmar im Gedächtnis; haftete und als sie zu dem Sprung in den Rhein kam, gesiel er ihr sehr, sie sang in der Begeisterung: „Ihr klugen Vögel auf den Bäumen, Boten der Götter, und ihr kleinen Elbe unterm Farnstrauch, hört es noch einmal." Und sie wiederholte die Worte. Und als der Held zuletzt im Strome verschwand, wurde ihr sein Verschwinden traurig und da sie ein sinnvolles Weib war, so ergoß sich ihre Bewegung in neuen Worten und sie sang noch eine Klage des Sängers. Ueber den Rufen der Waldvögel und dem leisen Klingen des Bergquells tönte das Lied des jungen Weibes mächtig von, Felsen zurück.

Da rollte in ihrer Nähe ein Kiesel zum Bach, sie sah zur Seite und erkannte abseit eine Gestalt, die eingehüllt in das luftige Gewebe der Nixen unter ihr an einem Baumstamm lehnte; der Held, dessen Ehre sie dem Walde verkündet, stand leibhaftig in ihrer Nähe und als sie erschrocken zurücktrat, vernahm sie seine bittende Stimme: „Singe weiter, o Iungfrau, daß ich aus deinem Munde höre was glücklich macht. Lieber als alle Kunst Volkmars ist mir der Ton aus deiner Kehle. Denn als der Sänger fang uud die Halle vom Zuruf der Männer dröhnte, da dachte ich immer an dich und die stolzeste Freude war mir, daß du die Kunde vernahmst."

„Im Schrecken über deinen Anblick schwinden die Worte," antwortete Irmgard und suchte sich zu fassen, als er ihr näher trat. „Unter dem Hollunderbaum war ich muthiger dich anzureden," fuhr sie endlich fort, „doch auch damals bedurftest du, o Held, wenig meines Rathes, und wenn ich daran gedenke, muß ich mich über meine Thorheit wundern; verspotte du mich darum nicht. Denn geradeaus geht die Rede unter uns Waldleuten und einfältig sind unsere Gedanken. Mir aber thut weh, daß du zweimal aus meinem Munde gehört hast, was du schon weißt; hätte ich dich gekannt wie du bist, so hätte ich meine gute Meinung ehedem dir besser verborgen und auch heut bedrückt mich die Scham, weil du mich belauschtest."

„Verhehle mir nicht, Irmgard," siehte der Gast, „wenn du huldvoll gegen mich gesinnt bist, denn glaube mir, selten hört ein Gebannter herzliche Rede aus dem Mund einer guten Frau. Auch wenn der Sänger ihn preist und der Wirth ihm zutrinkt, dennoch steht er ausgeschlossen vom Geschlecht und der Freundschaft; schwerlich gewährt dem Güterlosen ein ansehnlicher Mann seine Tochter als Ehegemahl und keine Söhne läßt der Flüchtling auf der Erde zurück, die seiner Thaten sich rühmen."

Irmgard sah ernsthaft vor sich nieder.

„Du aber," fuhr Ingo fort, „dulde, daß ich dir bekenne, was ich Geheimes auf der Seele trage. Verachtest du mein Vertrauen nicht, so sitze hier auf dem Stein, damit ich dir's künde."

Irmgard faß gehorsam nieder, der Mann stand vor ihr und begann: „Vernimm, was mir nach der Alemannenschlacht geschah: Die Sterne schienen, ich lag todmüde am kiesigen Ufer des Stromes, das rothe Band des Römers um den kraftlosen Arm geschlungen, der Nachtwind stöhnte die Totenklage, die Wellen rauschten, kalt war der Leib und betäubt das Hirn. Da neigte sich ein gramvolles Antlitz über mich, die Schicksalsverkünderin war es der Alemannen, ein weises Weib, die Vertraute der Götter. ,Dich suche ich, Ingo, unter den Leibern der Männer, daß ich dir dein Leben bewahre, wie du mir das meine/ Sie zog mich vom Ufer empor, bedeckte die Glieder mit warmer Hülle und bot mir heilkräftigen Trank; darauf riß sie den Langspeer vom fremden Banner und warf betend den zerbrochenen Stab zurück in den Strom. Im Waldesdickicht barg sie den Müden und saß bei dem Lager wie eine Mutter Nacht und Tag. Beim Abschied ergriff sie das Purpurzeichen und sprach: ,Hier weise ich die Faden, die dein Schicksal lenken, die Götter lassen dem Helden die Wahl. Wirfst du von dir den Zauber, den Römer gesponnen, so magst du altern in friedlicher Stille, verborgen im Volke, geduldig im Leben und schicksalsfrei. Doch bewahrst du das Purpurbild mit tückischen Augen und feuriger Zunge, dann singt wohl unter den Kriegern der Sänger dein Lob, gewaltig lebt dem Gedächtniß bei Andern; doch fürchte ich, der Drache verbrennt dir dein Glück und den Leib. Wähle jetzt, Ingo, denn die Götter theilen dem Mann sein Schicksal nach seinen Gedanken, und aus seinen Thaten fallen die Loose, die schweren und leichten, wie er geworfen, so wird sein Geschick/ Da sprach ich: Längst, liebe Mutter, warfen die Götter und die Thaten der Ahnen mir mein Erdenloos, von dm Göttern kam ich zur Menschenerde, ruhmloses Dehnen auf weichen Fellen vermag ich nicht zu küren, du weißt es ja selbst; im Vorkampf mit meinen Genossen zu schreiten, die Männer der Erde hinaufzuführen zum Wolkensaal der Helden, das ist mein Amt. Bin ich auch ein Fremdling bei fremden Geschlechtern, ich fürchte dennoch nicht den weisenden Finger der Schicksalsfrau, mit festem Herzen will ich unter den Helden schreiten, meinem Mannesmuth will ich fröhlich vertrauen. Bringt auch Haß mir der Drache: der Ruhm schafft Freunde, nimmer berge ich mein Haupt vor dem Licht der Sonne.

„Da nahm die Mutter den Purpur zur Hand, sie trennte die Häupter des Drachen vom gewundenen Leibe, die Häupter behielt sie, das Gewebe des Leibes warf sie in die Flamme des Herdes, vielleicht löse ich so das drohende Unheil von deinen Tagen/ sprach sie am Herde. Die Flamme ,schlug hoch auf, mißfarbiger Qualm erfüllte den Raum, sie stürzte hinaus und riß mich ins Freie. Dann band sie die Häupter mit biegsamer Weide, knüpfte die Knoten, raunte das Lied und bot mir den Bund in lederner Tasche, damit ich ihn heimlich vor Iedem bewahre. ,Es schützt vor dem Wasser, nicht wahrt's vor dem Feuer, dein Leben befehle ich in der Götter Hut/ So wies sie mich nordwärts mit Reisesegen.

„Dies, Iungfrau, ist das Geheimniß meines Lebens, dir künde ich's gern. Was die Götter mir fügen wollen, weiß ich nicht, dir aber vertraue ich, was sonst Keiner weiß. Denn seit ich in das Land kam und dich schaute, ist mir der Sinn geändert und mir dünkt besser, neben dir zu sitzen oder zu Roß über die Flur zu reiten, als mit den Geiern dem Schlacht

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