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rühmst meine glatte Wange, sieh her, ob sie dir noch gefällt," Blitzschnell fuhr sie mit dem Messer aus dem Gewande, hielt es ihm entgegen, daß er zurückfuhr, schnitt mit dem Stahl sich eine klaffende Wunde in die Wange, daß ihr Blut herunter strömte, und hob den Stahl wieder gegen sich selbst. Da sprang Gottfried herzu und entriß ihr die Waffe. Ratiz stieß einen schweren Fluch aus und packte den Methkrng, um ihn gegen das Weib zu werfen, aber auch er taumelte und stürzte zu Boden, übermannt vom Meth und vom Zorn. Die Sorben sammelten sich um ihren Häuptling und Gottfried führte mit Hilfe des Weißbarts die wunde Iungfrau nach ihrer Hütte, dort suchte er das strömende Blut zu stillen und mit dem Sorbenweibe die klaffende Wunde zu binden.

In der Hütte des Miros saß spät am nächsten Morgen Ingram, das Haupt in der Hand und seine Gedanken wirbelten wild durcheinander. Auf dem Schoß hielt er das Schwert, welches sein Gastfreund ihm in die Hände zurückgelegt hatte. Miros stand vor ihm und erzählte von dem letzten Ausgang des Gelages und von der Wunde des Weibes. „Sie hätte den Faden ihres Lebens durchschnitten, denn ihr Sinn war wild, als der fremde Bote ihr das Messer entwand. Unnütz war die Mühe, das Messer wäre ihr rühmlicher gewesen, als die Keule des Ratiz sein wird."

Ingram zuckte und griff nach feinem Schwert. „Was würdest du thun, wenn dir ein gefangenes Weib mit dem Messer drohte?" frug Miros. Ingram nickte bestätigend mit dem Kopf. „Wäre sie tot durch rühmliche That, die sie selbst an sich vollbracht, und wäre der Ratiz durch mein Schwert erlegt, dann wäre ich wieder frei und könnte lachen," murmelte er. „Ietzt aber bedrängt mich der Zauber, den die unholden Christenmänner durch ihren Gesang und durch ihr Silber auf meinen Weg geworfen haben. Darum hat mir der Gott, der des Trinkhorns mächtig waltet, seine Hilfe versagt. Auch ihn höhnten die Riesen durch ihre Wunder und ruhmlose Kämpfe mußte er ausfechten. Mir ist das Leben verleidet und die Heimkehr begehre ich wenig."

„Bleibe bei uns," rieth der Sorbe teilnehmend, „und gewöhne dich an unsern Brauch, dann baut dir Herr Ratiz eine Hütte, und wenn du das Weib mit der zerrissenen Wange noch begehrst, so ist möglich, daß er dir sie schenkt, damit sie deinen Mühlstein drehe."

Ingram lachte: „Könntet ihr vergessen, daß ich eure Krieger erschlug? Würde doch mein Schwert aus der Scheide springen, wenn es neben einer Sorbenkeule hinge. Wie kann Friede dauern zwischen euch und mir? Nein, Miros, anders rathen mir die Schicksalsfrauen. Und du meinst, daß er sie töten wird?"

„Wie kann er anders?"

„So sage ihm, daß ich ihn zum Kampf fordere auf der Haide zwischen eurer und unserer Mark auf den sechsten Tag von hent."

„Sage selbst solche Botschaft, wenn du Lust hast aus dem Sonnenlicht zu scheiden, auch du stehst unter seiner Hand und wenn er dich entläßt, so weiß er, daß ein Todfeind frei von ihm reitet. Denke vor allem an das eigene Heil!"

„Du sprichst verständig, friedlich will ich von euch gehen oder gar nicht. Die Götter mögen auch mir das Loos werfen. Der Becherkunst ist dein Herr mächtig, wie ich fehe, laß ihn versuchen, ob er auch das Würfelspiel versteht, sein Schicksal gegen das meine. Geh, mein Wirth, und trage ihm eine Botschaft, die er annehmen mag oder nicht nach seinem Gefallen. Noch einmal messen wir uns in friedlichem Kampf, wie der Würfel fällt, den unsere Hände gleiten lassen, um Alles oder Nichts; er setzt in das Spiel das Weib und mein Roß, das er gestern gewonnen, und ich —"

„Und du?"

„Mich selbst, ob ich frei davon reite oder als sein Ge

fangener hier bleibe, bis gütliche Schatzung vereinbart wird, welche mich löst, nach Brauch der Grenze." Der Sorbe trat zurück. Er öffnete sein Hemd und wies eine Narbe. „Du weißt, wer mir diesen Schlag gab, denke daran, Held; unrühmlich ware mir zu sagen, daß ein Knecht die Wunde geschlagen hat."

Ingram reichte ihm die Hand. „Geh doch, Fremdling, tief bin ich verstrickt und meine Stunde ist gekommen, wo ich die Hohen fragen will, ob sie retten oder verderben."

Der Sorbe ging unzufrieden hinaus, Ingram legte das Haupt auf den Tisch. „Seit der Fremde den Mühlstein unter dem Baume herauf scharrte, ist das Glück von mir gewichen und der Segen, den die Ahnen mir hinterlassen, hat seine Kraft verloren. Eine hat sich zornig von mir gewendet, ich aber will prüfen, ob ich noch die Kraft habe, sie durch meine Beschwörung zu gewinnen, oder ich will ihr Loos theilen."

Draußen klang der Tritt bewaffneter Männer. Ratiz trat ein, begleitet von einem Theil seiner Krieger. Ihm lagen die Augen noch tief im Kopf und heifer war seine Stimme, als er sprach: „Du kamst als ein eifriger Spieler. Den ersten Kampf bot ich, den zweiten bietest du. Fürwahr, hoch achtest du dich selbst, lieber mag ich das Weib und das Roß als dich, und ungern thue ich deinen Willen. Aber meine Krieger fordern, daß ich dein Spiel nicht zurückweise. Dein Einsatz gilt, Roß und Weib für dich oder du für mich, ein Würfel und ein Wurf."

„Weib und Roß, beide unversehrt zur Stelle für mich, oder mein Lösegeld für dich, so wie mich deine Krieger ehrlich schatzen," versetzte Ingram.

„Wir werden dich ehren als Krieger, wenn wir dich schatzen." bestätigte der Häuptling. „Beide wollen wir's geloben." Die Männer faßten an ihre Schwerter und sprachen den Eid. „Hast du einen Mann," fuhr Ratiz fort, „dessen Würfel du vertrauen kannst, wie ich ihm vertraue, so nenne den Namen."

„Mein Wirth Miros," antwortete Ingram.

Miros trat in eine Ecke der Hütte, holte den Würfel aus dem Kasten und stellte ihn auf den Tisch, einen Holzbecher dazu. „Ehrlich ist der Würfel und ehrlich fei das Spiel," sagte Miros, „und Ieder, der hier steht, gelobe dem Sieger treue Erfüllung."

Die Männer schwuren, die Kämpfer traten bei Seite und sprachen leise ihre Beschwörung. „Der das Spiel gefordert hat, thue den ersten Wurf," gebot Miros. Er legte den Würfel in den Becher und bot ihn Ingram. Das Angesicht des Thürings war bleich und ebenso das des Ratiz. Stille war in der Hütte und Alle starrten auf den Tisch. Ingram schüttelte und warf. „Fünf," rief Miros. „Ein guter Wurf," sprach Ratiz, er nahm den Becher, schüttelte und warf. „Sechs," rief Miros. Ein gellender Siegesruf, der weit über das Thal zog, erscholl in der Hütte, Alle traten von Ingram zurück. Er stand einen Augenblick mit geneigtem Haupte, dann löste er sein Schwert und warf es auf den Boden. Ratiz legte die Hand auf ihn: „Mein Knecht bist du, holt die Weide und bindet ihm die Hände."

Vor der Hütte des Ratiz, in welcher Walburg lag, saß der Mönch. Vor ihm tummelten sich wilde Gesellen mit den Rossen, die sie aus den Ställen gezogen hatten, und ansehnliche Sorbenkrieger eilten einzeln oder in kleinen Haufen zu der Halle des Häuptlings. Aber gleichgültig fah der Mönch auf dies fremdartige Kriegertreiben; er hatte die Nacht vor der Hütte gewacht, zuweilen war er eingetreten und hatte die Slavenfrau geweckt, welche neben dem Lager der Verwundeten lag, daß sie die Wunde mit kaltem Wasser netze, oder er hatte der Fiebernden einen Trunk gereicht und leise an ihrem Haupt gebetet. Ietzt schauerte sein erschöpfter Leib in der warmen Morgensonne, aber feine Gedanken flogen unablässig zu dem Christenmädchen in der Hütte. Zum ersten Mal in seinem Leben hatte er um ein Weib zu sorgen, er fühlte darüber eine wonnige Freude, lächelte vor sich hin und sah dann wieder ernsthaft und demüthig nach der Höhe.

In der Nähe hörte er Eisengeklirr und schnellen Tritt, Ratiz stand mit seinem Gefolge vor ihm in Waffen, zum Auszug gerüstet, unter den Kriegern Ingram, waffenlos mit gefenktem Haupt, die Arme durch starke Weiden auf den Rücken gebunden. Ratiz wies auf die Sonne. „Weit ist dein Weg, junger Bote, und widerwärtig ist dein Anblick meinem Volke. Das Spiel, welches in meiner Halle begann, ist beendigt. Sieg und Ruhm haben mir die Götter verliehen. Dennoch will ich dir halten, was ich dir gestern bot, wenn du deinem Bischof mich rühmen willst. Gib mir das Silber und nimm die Gefangenen."

„Willst du jetzt die Antwort des Bischofs auf deine Frage hören?"

„Sprich," gebot Ratiz. „ich und meine Edlen, wir hören."

„Du begehrst Gesandte an den Hof des Helden Karl nach dem Westland zu senden, und du begehrst, daß mein Herr der Bischof ihnen Geleit werbe und geziemenden Empfang bei dem Frankenherrn. Habe ich recht deine Meinung gesagt, so bestätige mir sie vor diesen."

„Seine eigene Sorge hat jeder Tag," erwiederte der Sorbe ausweichend, „viele Monde ist's her, daß ich nicht an die Gesandtschaft dachte, meine Krieger fürchten nicht die Macht der Franken, wo sind ihre Heere, wir sehen sie nicht."

„Hast du deinen Sinn geändert, dann bin ich der Rede enthoben." Er trat zur Seite, Ratiz aber begann einlenkend: „Auf scharfer Wage wägst du die Worte, Fremder, noch ist es möglich, daß mir's gefällt die Boten zu entsenden, vielleicht auch nicht."

Gottfried schwieg.

„Will der Mann, den sie Winfried nennen, mir Bürge werden, daß meine Krieger am Hofe des Frankenherrn freundlichen Empfang sinden und Gewähr ihrer Forderung?"

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