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er Gastrecht bot? Mit kaltem Gruß hast du meinen König entlassen, kalt wie Eisen sei die Antwort, die der Vandale dir bietet." Und schnell wie ein Raubthier sprang er von den Stufen und stieß die Waffe dem Häuptling der Thüringe durch Panzer und Brust. Dann rief er über den entsetzten Haufen: „Vollbracht ist Alles und gut war das Ende. Zieht heim, bleichnasige Thoren, und dreht mit den Weibern die Mühlsteine eurer Königin. Der große König der Vandalen steigt aufwärts zu feinen Ahnen," Um ihn flogen die Geschosse, er aber schüttelte die Eisen ab wie ein verwundeter Bär, wandte sich schwerfällig nach der Halle, setzte sich mit seinem Schilde an den Fuß des Königslagers und sprach nicht mehr.

Durch das zerbrochene Thor ritt die Königin gegen die brennende Halle, Laut rollte der Donner und die Blitze zuckten, von der Flamme des Hauses glühte wie rothes Feuer der Golddraht des Panzers, welcher ihre Brust umschloß. Sie tauchte vom Rosse zu Boden, scheu wichen die Männer zurück, denn leichenbleich war ihr Antlitz und sinster gezogen die Brauen.

Sie stand unbeweglich und sah in die Lohe. Nur einmal regte sie sich und warf die Augen flammend zur Seite, als sie ein Weib merkte, das, ein Kind auf dem Arme, gegen die Männer rang, welche sie festhielten. „Es ist nur die Dienerin," sprach Theodulf halblaut mit fahler Wange, „und es ist das Kind." Die Königin befahl durch eine heftige Geberde, das Weib zur Seite zu führen. Das Feuer leckte über den First hoch gegen die Wolken, der Wettersturm fuhr in die Flamme, daß sie weit umherloderte, er warf brennende Spähne und Breter gegen Frau Gisela und den Haufen der Männer. Aber die Königin stand unbeweglich und starrte in die Glut.

Drinnen im Haus war es still, Irmgard kniete am Lager des Gatten; ihr Haar deckte feine Wunde, sie hielt ihn fest umschlungen, und lauschte auf feine Athemzüge.

Der todwunde Mann legte den Arm um sie und sah ihr stumm in die Augen. „Ich danke dir. Ingo," sprach sie, „sei mir gegrüßt, Geliebter, auf dem letzten Lager liegen wir beide gesellt." Naher rollte der Donner. „Hörst du die oben rufen?" murmelte der Sterbende. „Halte mich, Ingo," rief Irmgard. Ein flammender Blitzstrahl erfüllte die Halle, ein Wetterschlag dröhnte, die Balken des Daches brachen zusammen.

Draußen schoß auf die betäubten Mannen der Königin der Hagelschauer, die Eisstücke schlugen auf Helm und Panzerhemd. „Die Götter laden ihren Sohn zu sich in den Saal," schrie die Königin und verhüllte ihr Haupt in den Mantel. Die Männer aber warfen sich unter ihren Schilden zu Bode n und bargen das Antlitz vor dem Zorn des Donnergottes. Als das Wetter vorübergerauscht war und die Krieger sich scheu erhoben nnd um sich schauten, da war die grüne Bergfläche mit grauem Eise bedeckt, zusammengestürzt lag das Haus und aus der nassen Kohle züngelten kleine Flammen. Die Königin, wie in Stein verwandelt, stand immer noch vor der Brandstätte und sprach vor sich hin: „Die Eine liegt still auf heißem Lager, die Andere steht draußen vom Hagel geschlagen; vertauscht hat der Neid der Götter die Loose, mein Recht war es, dort drinnen zu sein."

„Wo ist sein Kind?" frug sie mit wildem Blick umherfehend. Frida und das Kind waren verschwunden. Die Krieger suchten an der Berglehne und in Hen Thälern, sie spähten in jeden hohlen Baum und in jedes Dickicht verflochtener Zweige, Theodulf durchzog mit seinem Gefolge den ganzen Gau der Waldleute nnd forschte an jedem Herdfeuer. Aber von dem Sohne Ingo's und Irmgards erhielt die Königin niemals Kunde.

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1.

Im Zahr 724.

Auf dem Waldwege, der vom Main nordwärts in das Hügelland der Franken und Thüringe führt, zogen an einem heißen Sommertage drei Reiter schweigend dahin. Der erste war der Führer, ein junger Mann von starken Gliedern; das lange Haar hing ihm wild um das Haupt, die blauen Augen waren in unaufhörlicher Bewegung und spähten nach beiden Seiten des Weges in den Wald. Er trug eine verschossene Lederkappe, über der braunen Iacke eine große Tasche mit Reisevorrath, in der Hand den Wurfspeer, auf dem Rücken Bogen und Iagdköcher, an der Seite ein langes Waidmesser, am Sattel seines Rosses eine schwere Waldaxt. Einige Schritte hinter ihm ritt ein breitschultriger Mann in den Iahren seiner besten Kraft, mit großem Haupt, die mächtige Stirn und die blitzenden Augen gaben ihm das Aussehen eines Kriegers. Aber er trug sich nicht wie ein Mann des Schwertes, das kurz geschorene Haar deckte ein sächsischer Strohhut, an dem langen Gewande war nicht Wehrgehenk, nicht Waffe sichtbar, nur die Axt, welche jeder Reisende in der Wildniß führte, steckte im Sattel; nach dem großen Ledersack, der vor ihm befestigt war, mochte man ihn für einen Händler halten. Ihm zur Seite trabte ein Iüngling in gleicher Tracht und Ausrüstung, der auch auf dem Rücken ein Bündel trug und in der Hand einen Baumzweig, mit dem er sein Rößlein antrieb. Daß der Führer die Reisenden nicht als gewaltige

ßieytog, Wille, VIII. 14

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