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„Was ehrlich ist und was die Eide gebieten, das thu' ich," sprach Herr Answald endlich und die Wolke wich von seinem Antlitz: „Sei mir willkommen, Ingo, Königssohn."

„Edlen Sinn verräthst du, Held," begann die Fürstin, „daß du dich scheust, Gefahr in den Hof deines Oastfreundes zu leiten. Uns aber ziemt zu erwägen, wie wir zugleich die Treue erweisen und unsere Höfe vor der Gefahr beschützen. Weit schallt der Name eines Königs durch die Lande und viele Feinde umlauern den Helden, der unter Krone geht, du selbst hast es leidvoll erfahren. Drum meine ich, nur Vorsicht hilft dir und uns zum Heile. Und darf ich meinem Hausherrn treue Meinung sagen, so dünkt mir gut, daß dein Gast unbekannt in deinem Hause weile und Keiner von seiner Herkunst wisse, als du und ich allein."

„Soll ich im eigenen Hause den werthen Gast verstecken?" rief der Wirth unwillig, „ich bin kein Diener, nicht des Cäsars, nicht der Katten."

„Auch der König der Thüringe speist seine Mahlzeit gern aus den goldenen Schüsseln, welche Römerkunst gefertigt hat," fuhr die Hausfrau fort, „hüte dich des Königs Argwohn zu wecken."

Der Gast stand unbeweglich und vergebens suchte die Fürstin seine Meinung zu erkennen.

„Schwer ist es edles Blut im Dienerkleid zu bergen," wandte Herr Answald ein.

„Auch Held Siegfried, von dem der Sänger meldet, stand im Knechtsgewand am Ambos."

„Und schlug zuletzt den Ambos in den Grund und den Schmied dazu," rief der Wirth. „Sprich Ingo selbst, wie willst du, daß wir dich halten?"

„Ich bin der Flehende," antwortete der Gast mit Selbstüberwindung, „und darf nicht hadern, ob du hoch, ob du niedrig mich reihen willst unter den Genossen deiner Bank. Meines

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Namens berühme ich mich nicht, aber ich berge ihn nicht, und zu ruhmloser Arbeit wirst du mich nicht stellen."

„Er meint wie ich," rief der Fürst.

„Stets fürchten die Helden Minderung ihrer Ehre," sprach lächelnd die Fürstin. „Was ich bitte, ist leicht gewährt, nur kurze Zeit laß dir das Gewand gefallen, welches wir dem Fremdling im Hofe spenden; unterdeß wirbt dir mein Herr im Volk gute Meinung. — Nicht ewig währt der Kriegsruf an der Grenze, dem Cäsar wird's an neuem Streit nicht fehlen, in wenig Monden ist das Geräusch verhallt, indeß gelingt's wohl auch den König zu gewinnen."

„Ich will's bedenken bis zur Nacht," sprach der Wirth, „denn klug räth meine Hausfrau und oft habe ich ihren Rath erprobt. Bis dahin hülle dich, o Held, in demuthvolles Wefen, denn vertraue mir, mit bedrängtem Herzen ersehne ich den Tag, wo ich in offener Halle künden kann, was deine und meine Ehre fordert.

So verließen die Männer der Herrin Kammer. Als aber am Abend der Hauswirth auf seinem Lager niedersaß, rief er unwillig: „Mir frißt's am Herzen, daß ich ihn sehen soll zu unterst an der Bank." Aber die Fürstin antwortete leise: „Erst prüfe doch, ob er auch werth ist deines Schutzes. Denn ungewöhnlich ist des Fremden Art und freudenlos sein Schicksal. Sein Geheimniß bergen wir vor Jedem, und auch vor Irmgard, unserm Kind."

Das Festmahl.

Im Hofe des Fürsten wurde den Landgenossen das Fest gerüstet. Die Hausfrau schritt mit den Mägden durch die Räume, wo die Vorräthe der Küche bewahrt wurden, in langer Reihe hingen dort die Schinken, runde Würste und in Rauch gedörrte Zungen der Rinder; sie freute sich des guten Vorraths, ließ abheben für die Küche und befahl den Mägden in die besten Stücke ein Zeichen zu ritzen, damit der Vorschneider diese den Tischen der Aelteften aufsetze. Dann ging sie in den kühlen Keller, der von Stein gewölbt in einer Ecke lag, wo das Sonnenlicht wenig hinkam, hochbedeckt mit Erde und Rasen, dort wählte sie die Fässer mit starkem Biere und die Krüge mit Meth und sah zweifelhaft auf einige große fremdartige Thongefäße, die halb im Boden vergraben in einer Ecke standen. „Ich meine nicht, daß mein Herr des Weines begehren wird, doch wenn er darnach ruft, so sagt dem Schenken, daß sie das kleine nehmen, denn die anderen stehen und harren auf einen größeren Festtag. Und sehet selbst zu, daß die ungeschickten Gesellen mir den theuren Thon nicht zerschlagen, denn was mühsam im Stroh durch Rosse und Männer herbeigeführt wurde aus dem welschen Land, dem könnte die lange Reise durch das Ungeschick der methgefüllten Knaben wohl verdorben werden." Ernsthaft blickte sie noch einmal durch den großen Raum: „Es ist Vorrath genug für eines Häuptlings Haus und manches liebe Iahr mag der Meth das Herz der Männer erfreuen, mögen die Götter uns schaffen, daß unsere Helden Alles fröhlich und in Ehren leeren. Und höre, Frida, man weiß ja wohl, was die Männer zumal gebrauchen, aber beim Trunk trügt der Anschlag, auch wenn er reichlich war. Laß noch drei Kruge von altem Meth in Vorrath herausheben, und sage dem Schenken, wenn die Männer friedlich sind und in ehrlichem Gespräch, so wird ihnen am Ende noch dies geboten, wenn sie aber wider einander eifern und zwieträchtig hadern, so soll er vorsichtig sein mit dem Gießen, daß uns kein großes Unheil entstehe."

Die Herrin schritt zu dem Küchenhause, darin brannten mächtige Feuer auf steinernen Platten. Die Iünglinge waren vor dem Hause beschäftigt, die Opferthiele zu zerlegen, dazu große Hirsche und drei Eber des Waldes, und das Fleisch an lange Spieße zu stecken. Die Mägde aber saßen in langer Reihe vieles Geflügel rupfend, oder sie rundeten mit den Händen gewürzten Weizenteig zu ansehnlichen Bällen. Und Knaben des Dorfes warteten mit lachendem Antlitz auf die Zeit, wo sie die Spieße drehen würden, damit auch ihnen vom Fest der Helden ein wohlschmeckender Antheil werde.

Unterdeß schafften die Mannen des Häuptlings um die große Halle. In der Mitte des Hofes stand der mächtige Bau, aus dicken Fichtenbalken gefügt, eine Treppe führte zu dem geöffneten Thor, im Inneren trugen zwei Reihen hoher Holzfäulen die Balken des Daches, von de n Säulen bis zu den Wänden liefe n auf drei Seiten erhöhte Bühnen; in der Mitte, gegenüber der Thür stand darauf der Ehrensitz des Wirthes und der vornehmsten Gäste, daneben ein schön geschmückter Raum, einer Laube gleich, für die Frauen des Hauses, damit sie dem Festmahl der Männer zuschauen konnten, solange sie begehrten. Und die jüngsten der Mannen schmückten die Holzlaube mit blühenden Zweigen, die sie in der Flur abgehauen. Draußen aber fuhr Wolf einen großen Wagen mit Binsen und Kalmus heran, den er am Ufer des nahen Teiches geschnitten, um den Fußboden zu bestreuen.

„Hier ist gut sein, Gast," begann Wolf grüßend zu Ingo, „auch dir war die Herrin gnädig, du wandelst in neuem Gewande, das unsere Weiber gewebt; wie trägt sich das Tuch der Mädchen aus Thüringeland?"

„Was gern gebote n wird, sitzt dem Empfänger bequem," antwortete der Fremde lächelnd, „ich freue mich deine Stimme wieder zu hören, denn Tage lang warst du auswärts."

„Wir Herdgefellen holten mit den Hunden die Festbraten aus dem Wald," versetzte der Mann. „Hilf, Theodulf," rief er einem Gefährten zu, „soll ich allein den Wagen räumen?"

Theodulf, ein stolzer Mann aus dem Gefolge, griff steif-» armig in die Binsen und sprach über die Schulter zu dem Fremden: „Wer gewöhnt ist, fremdes Gewand zu bitten, der soll nicht müßig stehen, wenn bessere Männer die Hände rühren."

Ingo sah sinster auf den Sprecher, eine hohe Kriegergestalt, breitbrustig mit einer langen Narbe auf der Wange; dem Fremden begegnete mit gleichem Trotz der Mann des Fürsten, an den Augen des Einen entzündete sich der Zorn des Andern, bis die Blicke beider Gegner wie Flammen gegen einander sprühten. Aber mit Selbstbeherrschung bändigte Ingo seinen Grimm und versetzte den Rücken kehrend: „Hättest du gutherzig gemahnt, folgte ich williger deiner Weisung."

Der Wächter aber raunte ihm zu: „Hüte dich, den zu reizen, er ist ein unwirscher Gesell, der gern Eisen beißt, er stammt aus der Freundschaft der Herrin, und er dient nicht wie wir, denn er ist aus edlem Geschlecht, hat sich nur auf Zeit gelobt, und wird einst im reichen Erbe seiner Väter stehen. Kein Wunder, daß ihn die Binsen stechen, wenn er sie tragen soll."

„Wer dient, muß tragen," versetzte Ingo sinster.

Aber auch die Mädchen sorgten um das Festkleid des Fremden. „Sich, Herrin, wie stolz der Fremde in dem Wams schreitet, das ihm die Fürstin gespendet hat," sagte Frida zu Irmgard. „Wackerer Sinn adelt geringes Kleid," versetzte Irmgard.

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