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„Alle rufst du, Harietto, die hier stehen, nur Einen, meine ich, ladest du nicht. Und darum zürne nicht, wenn ich für unziemlich halte, den Hals vor dem Hochgericht des Cäsars zu beugen."

Beide neigten stolz das Haupt und traten auseinander. Die Königsmannen aber hatten sich dazu gedrängt, nach Rede und Gegenrede murmelten sie beistimmend, starker, wenn Harietto sprach, doch auch Ingo's Worten fehlte der Beifall nicht und er sah, daß bei seinen letzten Worten der König selbst mit dem Kopf nickte.

Der Gesandte schritt mit dem König in de n Saal, wo seine Begleiter die Geschenke des Cäsars aufstellten. Der König schaute erfreut auf Goldschalen und Becher, auf die wundervolle Arbeit mit eingesetzten Edelsteinen, und versicherte den Gesandten, er sei ein Freund des Cäsar und zu vielem guten Dienst erbötig. Da begehrte Harietto geheimes Gespräch, und als der König alle Hörer weggescheucht hatte, forderte der Franke die Auslieferung Ingo's.

Bisino erschrak, er saß lange überlegend und antwortete endlich, die Forderung sei allzuhart für ihn und er brauche Zeit um eine Antwort zu sinden, der Gesandte möge sich's unterdeß als Gast an seinem Hofe gefallen lassen. Aber Harietto drang auf schnellen Entschluß, bot höhere Geschenke und drohte. Da empörte sich der Stolz des Königs und zornig rief er, was er freundlichem Gesuch verweigere, werde er dem Drohenden vollends nicht bewilligen. So entließ er den Fremden und dieser lagerte mit seinem Gefolge unter den Knaben des Königs, trank mit ihnen und theilte Geschenke aus.

König Bisino aber blieb verstört; zuletzt ging er in sein Schatzhaus, setzte sich auf den Schemel, besichtigte mit schwerem Herzen noch einmal die neuen Geschenke und überzählte darauf seine Schnüre, an denen goldene Armringe aufgereiht waren, seine großen Schüsseln und Kannen, die goldenen Becher und Trinkhörner. Mit Mühe hob er eine Silberschüssel, spiegelte sich darin und sprach kummervoll zu sich selbst: „Grämlich ist das Bild, das ich sehe. Der Fremde hat mir reiche Geschenke gebracht, obgleich die größte Schale nur vergoldetes Silber und keine rühmliche Gabe an einen Volkskönig ist. Dennoch würde ich ungern die anderen Gaben missen, von denen er spricht, und der Römer gibt sie mir nicht, wenn ich Jenen nicht lebendig oder vielleicht auch tot ausliefere. Aber wenn ich das Unrecht auf mein Leben nehme und ihn seinen Feinden einhändige, so werde ich scheusälig vor allem Volk als ein Miethling der Fremden und weil ich den Gastfreund einem ehrlosen Tode preisgebe. Auch thut mir der Gesell selbst leid, denn gutherzig ist er und ehrbar und ein treuer Genosse beim Kruge und auf dem Rosse. Dagegen wenn ich ihn trotz den Römern bewahren will, so droht mir markverzehrende Arbeit, der Krieg räumt vielleicht meinen Schatz, er mindert die Kraft des Volkes und rüttelt an meinem Königstuhl." Sein Blick siel auf ein Schwert, welches über dem glänzenden Metall an der Wand hing. „Dies ist die Königswaffe meines Geschlechtes, gerühmt im Liede und gefürchtet im Volke, manche schwere That hat sie ausgeführt, ein Gott hat, wie die Sage kündet, einst den Stahl dazu gehämmert, mich wundert, daß ich heut die Augen nicht von ihr abwenden kann." Und seufzend fuhr er fort: „Ich habe mit ihm getrunken, gejagt und an seiner Seite gefochten und ich wünsche ihm, daß sein Ende rühmlich sei wie das seiner Väter, die es auch eilig hatten, die Todeswunde auf der Brust zu erhalten. Vermag ich ihn nicht zu retten, so will ich ihm doch wenigstens Königsehre erweisen."

Der König erhob sich und ergriff die Waffe. Da fühlte er sich leise am Arme gefaßt, er fuhr zusammen und zückte das Schwert; vor ihm stand Frau Gisela und sah ihn spottend an: „Will der König mit seinem Tafelgeräth zu Felde ziehen, daß er darüber Heerschau hält?"

„Worin liegt Königsmacht, wenn nicht im Schatze?" frug der König unwillig zurück. „Wie kann ich der Begehrlichen Sinn festhalten und ihren Treuschwur gewinnen, wenn ich ihnen nicht von dem fremden Metall spende? In meinem Lande haben es Wenige, und Alle fordern es, woher soll ich's holen, wenn ich's nicht von den Fremden erkaufe?"

„Der König will den Mann an die Römer verhandeln?" frug die Königin und ihre Augen flammten wie Feuer.

„Würde ich mich bedenken, wenn ich's thun wollte?" murrte der König. „Aber dieser Fremde sitzt wie ein Uhu auf meinen Bäumen, alles Geflügel der Luft schießt heran und schreit gegen ihn, nicht lange, so senden auch die Könige von der Oder und fordern seinen Leib."

„Du täuschest mich nicht," brach die Königin in heißem Zorne los, „siehe zu, o König, ob du leben kannst nach solcher Schmach, ich will es nicht. Dem meineidigen Mann, der um römisches Gold seinen Schwurgenossen verkauft, weigere ich die Genossenschaft an Tisch und Lager."

Der König sah mit querem Blick auf sie: „Heftig stürmen deine Gedanken, Frau Gisela, ich meine, sie verfehlen das Ziel."

„Wer darf mehr für des Königs Ehre eifern als die Königin?" antwortete das Weib nach Fassung ringend. „Getraust du dich nicht ihn vor dem Römer zu bewahren, so entlaß ihn von deinem Hofe. Besser ist es, sich schwach zu erweisen als treulos."

„Damit er nach der Kränkung lebe als mein Feind," sprach der König.

„So binde ihn durch hohen Schwur; er ist, wie ich meine, von denen, die ihr Gelübde halten."

„Will die Königin ihn dazu überreden, daß er der Kränkung niemals gedenke?" frug der Burgherr lauernd.

„Ich will," versetzte Frau Gisela tonlos, „wenn es dem Könige nützt." Beide standen einander mit sinstern Gedanken gegenüber, endlich begann der König: „In der Noth dient schnelle That, versuche dein Heil, Gisela, sende ihm heute Abend Botschaft, daß er in deinen Thurm steige zu geheimer Unterredung, vielleicht hilfst du ihm dort zu einer guten Ausfahrt."

Die Königin sah vor sich nieder, erblichen war ihr Antlitz als sie antwortete: „Ich will ihn zur Ausfahrt mahnen, da du es gebietest." Sie wandte dem König schnell den Rücken, er sah ihr sinster nach.

Am Abend harrte die Königin in ihrem Thurmgemach, die Nachtvögel saßen auf der Mauer und klagten über das Unheil, welches drinnen Einem bereitet werden sollte, in den scharfen Stößen der Luft, die durch das offene Fenster drang, flackerte die Wachsfackel und trieb den Schatten des fchönen Weibes an den Wänden hin und her. Frau Gisela stand inmitten des Raumes, im Festgewande, die rothe Königsbinde über die Stirn, das bleiche Haupt vorgebeugt, die Hände fest geschlossen wie zu gewaltsamer That. „Scheidest du von hier, Ingo, mir ist es Qual, ärger als Tod, und weilest du, dann ist von Dreien, welche leben, Einer zu viel." Sie fuhr zusammen und horchte wieder, aus der Tiefe erklang Gemurr vou Stimmen und leises Waffengeklirr. Da riß sie die Fackel von dem hohen Leuchter und hielt sie zum Fenster hinaus, daß der Rauch und die lodernde Flamme an die Thurmzinne wehte und die Eulen erschreckt aufflogen. Aus der Ferne antwortete nach wenigen Augenblicken ein einzelner Iagdruf, die Königin hob die Leuchte zurück und schob den Teppich vor die Fensteröffnung.

Auf der Steintreppe klang ein Männertritt. „Er ist es," sprach sie leise. Aber als sich die Thür öffnete, fuhr sie zurück, denn König Bisino trat ein, düster war sein Antlitz, der vierschrötige Leib gedeckt mit einem Panzerhemd, das Haupt mit dem Stahlhut; am Griff seines Schwertes schimmerte im Lichte ein blutrother Stein. „Die Königin ist geschmückt wie zu einem Hochfest," sagte er zornig.

„Du hast es gewollt."

„Ich will auch unsichtbar ein Zeuge sein deiner Unterredung mit ihm, und damit du Alles sprichst wie ich geboten, so höre die Warnung: am Fuße des Thurmes harren zwei meiner Knaben mit harten Händen, steigt er hinab ohne mich, er überschreitet nicht lebend die Schwelle."

„Gut sorgte der König," antwortete Frau Gisela starr. Da siel ihr Blick auf das Schwert des Königs und sie schrie: „Blutig glänzt der Stein an dem Messer des Königs, die Todeswaffe deiner Ahnen ist's," und ihr Entsetzen mühsam bändigend fuhr sie fort: „Vom Gemach der Königin bleibt sonst das Schwert der Männer ausgeschlossen. Warum kränkt der König mein Recht?"

„Es ist nur Vorsicht, Gisela," versetzte der König grimmig. Er schritt nach dem Hintergrund des Zimmers, öffnete eine kleine Seitenthür und verschwand dahinter.

Wieder stand die Königin allein und in wilder Empörung flogen ihre Gedanken. „Gewaltthat sinnt der lauschende König, und ich soll helfen bei nichtswürdiger That."

Da klang draußen der Tritt des Andern und Ingo trat ein, ungerüstet und schwertlos. „Ich,danke dir, Base Gisela," begann er herzlich, „daß du mir heut deinen Thurm öffnest." Er sah in den geschmückten Raum, auf gestickte Teppiche an der Wand und kostbares Geräth aus fremdem Lande. „Seit ich die Mutter verlor, habe ich niemals wieder das Prunkgemach einer Königin betreten. Was stehst du so feierlich, Base?" fuhr er traurig fort, „verzeihe mir, wenn ich mich nicht, wie ich sollte, der Ehre freue, daß du den armen Ingo im Königschmucke empfängst." Er ergriff ihre Hand, trotz der Angst flog ein rosiger Schein über ihr bleiches Antlitz, als sie die Hand zurückzog. „Leichter ist der Aufgang zum Gemach der Königin als der Sprung aus der Thurmthür," sprach sie leise.

„Ich sah lauernde Knaben des Königs," antwortete Ingo, „und mich verwundert das nicht, denn ich weiß, Harietto hat den Sinn des Königs, der mir sonst gütig war, gegen mich empört, darum siehe ich, sorge du, soweit du vermagst,

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