Die Theorie, die nicht sterben wollte: Wie der englische Pastor Thomas Bayes eine Regel entdeckte, die nach 150 Jahren voller Kontroversen heute aus Wissenschaft, Technik und Gesellschaft nicht mehr wegzudenken ist

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Springer-Verlag, 16.09.2013 - 365 Seiten

„Wenn sich die Fakten ändern, ändere ich meine Meinung. Und was tun Sie?“ John Maynard Keynes

Suchmaschinen und Qualitätsmanagement, Versicherungen und Erdbebenvorhersagen, Verkehrsflüsse, Geheimcodes und medizinische Prognosen – die sogenannte Bayes’sche Regel ist geradezu allgegenwärtig und dennoch nur wenigen vertraut. Dabei ist sie in ihrer grundlegenden Aussage bestechend einfach: Man beginnt mit einer Vermutung und revidiert diese anhand neuer, objektiver Informationen – und gelangt so zu einer verbesserten Annahme. Für seine Anhänger ist das Bayes-Theorem eine elegante Formulierung dafür, dass man aus Erfahrung klug wird, und ein mathematisches Instrument, das einer klaren Linie folgt. Für seine Gegner ist es ein Amoklauf der Subjektivität.

Sharon Bertsch McGrayne schildert in ihrem spannenden Sachbuch die erstaunliche Geschichte dieser Regel und berichtet von der Besessenheit ihrer Anhänger und Gegner. Sie beschreibt die Entdeckung des Theorems durch den britischen Geistlichen und Amateurmathematiker Thomas Bayes in den 1740er-Jahren und seine Weiterentwicklung in eine moderne Form, die fast der heutigen entspricht, durch den französischen Wissenschaftler Pierre Simon Laplace. Sie deckt auf, warum angesehene Statistiker das Theorem 150 Jahre lang mit einem Tabu belegten, während in der gleichen Zeit Praktiker darauf zurückgriffen, um Probleme zu lösen, die mit großen Unsicherheiten und einem Mangel an Informationen einhergingen. Eine wichtige Rolle spielte dabei Alan Turing, als er im Zweiten Weltkrieg den deutschen Enigma-Code knackte. Die Autorin erklärt schließlich, wie mit dem Aufkommen der immer preiswerter und für alle verfügbaren Computertechnologie in den 1980er-Jahren ein ganz neues Zeitalter für das Bayes-Theorem anbrach. Heute spielt es in Wissenschaft, Technik und Gesellschaft fast überall eine Rolle – ob es nun um die Entschlüsselung der DNA, das Börsengeschehen oder die Terrorabwehr geht.

Das Buch, das sich auf Originalquellen wie auch auf Interviews mit Statistikern und anderen Wissenschaftlern stützt, beleuchtet auf fesselnde Weise, wie ein auf den ersten Blick simples mathematisches Theorem eine der größten Kontroversen aller Zeiten auslöste. McGrayne macht darin ein spannendes Stück Wissenschaftsgeschichte zugänglich und anschaulich.

 

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Inhalt

Die Frage nach den Ursachen
3
Der Mann der alles machte
15
Viele Zweifler wenige Verteidiger 39
38
Bayes zieht in den Krieg
70
Noch einmal tot und begraben
100
vom statistischen Werkzeug zur Glaubensfrage 1 11
111
Jerome Cornfield Lungenkrebs und Herzinfarkt 127
126
Die Nützlichkeit von Bayes
159
Wer schrieb die FederalistArtikel? 179
178
Kalte Krieger
189
Three Mile Island
203
Eine Wasserstoffbombe fällt ins Mittelmeer
209
Tei V
245
Urheberrecht

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Häufige Begriffe und Wortgruppen

Über den Autor (2013)

Sharon Bertsch McGrayne interessiert sich für die Schnittstelle von wissenschaftlichem Fortschritt und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und ist Autorin mehrerer Bücher über wissenschaftliche Entdeckungen und die Menschen, die dahinter stehen − darunter Nobel Prize Women in Science: Their Lives, Struggles, and Momentous Discoveries und Prometheans in the Lab: Chemistry and the Making of the Modern World. Die Absolventin des Swarthmore College hat als Wissenschaftsjournalistin für Zeitschriften wie Science, Scientific American, Discover und The Times Higher Education Supplement geschrieben und ist mit mehreren Beiträgen in der Encyclopaedia Britannica vertreten. Sie lebt in Seattle im US-Bundesstaat Washington.

Bibliografische Informationen