Abbildungen der Seite
PDF
[ocr errors][ocr errors][merged small][ocr errors][ocr errors][ocr errors][ocr errors][merged small][ocr errors][ocr errors][ocr errors]
[ocr errors]
[ocr errors]
[ocr errors]
[ocr errors]
[ocr errors]

E. ist wahrlich nichts Geringes was uns hier ger boten wird: eine metrische Uebersetzung des Dante in Begleitung des Textes, mit vielen Anmerkungen jnter der Uebersetzung und von einleitenden Ä Handlungen begleitet, welche jede Leseri den Stand setzen sollen, mit geringer Mühe sich in das Zeitalter des Diohtens und in die innerste Organo tion seines grossen Werkes zu versetzen. Zwar fehlt es uns nicht an deutschen Uebersetzungen dieses grossen Dichters, metrischen und prosaischen, ge-eimten, reimlosen und auch ungereinten aber. Wenn auch die meisten derselben durch Anmerkungen das Verständniss des Dichters zu erleichtern suchen, so giebt es doch keine, welche die Abfgäbe, den Dante Äinem deutschen Leser vollkommen nahe zu bringen, in der Ausdehnung gelöst hätte, wie die vorliegende es verheisst. Um von den älteren verschollenen Uebersetzungen Bachenschwanzes und Jagemanns zu schweigen, haben zwar die beiden poetischen Uebersetzer, Kannegiesser und Streckfis, namentlich der erstere, durch Einleitungen und Anmerkungen nicht ganz unbedeutendes geleistet mehr noch jerdanken wir, freilich bis jetzt nur für die Hölle, einem hochgestellten Fürsten, Ä nicht allein eine treue, lesbare, und in vieler insicht treffliche, wenn auch reimlose Uebersetzung geliefert, sondern auch ganz vorzüglich durch gründliche Unterohnen mancher historischen und naturgeschichtlichen jnkjch ein grosses Verdienst um den Dichter erworben hat. Die ungereimten Uebersetzungen, von Hörwarter und Enke in Prosa und die noch Yiel toere von Heigen, in einer Versält, welche Äeil sie ein wahres Unicum ist, deren Künstdarin besteht, fast jeden Vers, auf ein einsylbiges Wort ausgehen zu assen, wohl verdiente die golinohe Versart ohne weiteres zu heissen Äsind ihrem Charaj auch in den wenigen Änderkingen trengeblieben, die sie darbieten. Hr. Konisch übertritt dem gemäss, wenigstens in Hinsicht auf Vollständigeit,aile seine Vorgänger. Sehen wir nun, soweit A. L. Z. 1838. Zweiter Band.

[ocr errors]

n: zeituNG

: 1. 11,7

[ocr errors]
[ocr errors]

das erste Heft seiner Arbeit, das vor uns liegt, éi erlaubt, was er geleistet. Wenn wir auch Ä äej auf dem Umschlag befindlichen, Prospectus entje men müssen, dass die gänze Arbeit zum Druck bereits fertig vorliegt, und die Hefte schnell auf einander folgen sollen, so wollen wir doch uns die Mühe nicht verdriessen lassen, dieses Heft, welches die ersten 12 Gesänge enthält, als ein Probeheft zu betrachten, und mit allem Fleisse uns die Uebersetzung; die Anmerkungen, den Text, und was sonst sich der Kritik darbietet, genau anzusehen, in der Hoffnung dass der Vf., doch vielleicht daraus Veränij nehmen könnte, ... wein unsre Bemerkungen ihm zeitig genug in die Hände fallen, für die späteren Theile des Gedichts, hie und da Rücksicht darauf zu nehmen. " . . “ : . ..:: - ; . . . Schlimm ist es, dass der Vf nicht für gut gefunden, uns über die von ihm befolgté Methode beim Uebersetzen, über die Grundsätze, die er sich gemacht und die Freiheiten, die er sich glaubte nehmen zu dürfen, im voraus zu bekehren; wir können dadurch leicht in den Fäll kommen; etwas an seiner Arbeit als Nachlässigkeit zu tadeln, was er viel, leicht später als eine Sache reiflicher Ueberlegün in Schutz nehmen wird. So, um mit dem Auffallend sten zu beginnen, finden sich in jedem der K2 hier übersetzten, Gesänge, mehr jedoch in den digieren als in den letzteren, eine nicht unbedeuteAdZahl von Versen, welche, nach der im Ganzen deauEbber, setzung, sowie durchaus im Original herrschenden Versart, eine auch mehrere Sylben zu viel haben, und es bleibt IIIS vorläufig bei Versen wie folgende: # Ä Ä hinabge älzet. a sorach mein Führer“zu ihm: wäfüm nür - . ", " " ;-W ÄÄÄÄÄ Und was zu hören und sagen euch geliebet. *: 1 : . . . Liebe, die keinem Geliebten erlässt das Lieben. Ill' ZUl rathen übrig, ob der Vf emeint hat es den Charakter des GÄ re Ä Ä von Tröchien, Jämben und Spondj oder aber gemeint, dass man nach Äj nannten Knittelverse, "düróh stärke Elisjön und Ä sches Verschlucken mehrerer Sybends gejnliche Metrum beim Lesen herausbringen j erie etWa S0: s . . . . . . . . . . . . . . . . sl, ob j Und wie die Krat'ehe zehn ihr klagehorgä3°°CI Liebe, die ken", # ÄÄ Ä Beides aber scheint ans höchst odieser Würde des Gedichts nachtheilig, und wir würden dem Ä doch ernstlich rathen, die noch ungedruck0

[ocr errors]
[graphic]

en Theile seiner Arbeit in dieser Hinsicht streng zwungene Constructionen, seltne und ungewöhnliche

ÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄrz

nicht, wie ihnen zu helfen wäre und wie man sie Nichts der Art aber darf, der in Anspruch nehmen, lesen soll, z. B. “dërsich-ckes-Reimes entschlägt, und wie der Italie

. . . . . . . nex mit „Recht von dem verso sciolto die höchste

Eurialus, Turnus und an VVun den Nisus. Vollendung der Sprache und des Versbaues uner

[ocr errors]

Die, Uebersetzung ist reinlös. Wir wollen mit denü Vf, darüber nicht wachten, was auch jedenfalls zu ät käme, da die Anhetereits fertig ist, und der Vft es so für däs Beste gehalten hat. Das eins Uehert setzung, welche die ganz ausserordentlich schwöre Kessel des Reines abgestreift, jede gereimte an Gei, Räuigkeit, Prävision des Ausdrucks und 6nges Amir schliessen ah das Original übertreffen. Iüiisse, wersteht sich wohl Fonsekat, und war es damVfnun um diesen Vorzug zu thun, so können wir seinb Wahl nur billigen; obgleich eine solche Uebersetzung doch auch wieder, vorzüglich dem Original so gerade gegenüber, gegen dieses gehalten, an Anmuth und Wohllaut nothwendig weit zurücksteht. Es fehlt ihr nichts Geringeres, als dièr ganze Zauber der Poesie; sie gleicht mehr oder weniger einem Schmetterlinge, dem man den Farbenschmelz von den Flügeln abgestreift hätte, oder einer schöneit Melddie, die man aber nur mit den Fingern trommelte... Ja, was das Schlimmste ist, und worauf wir noch später zurückkommen werden, eine sólche reimlose Uebersetzung erweckt immer Erwärtungen, dia sie nicht erfüllt und giebt das Gefühl eines Mailels, besonders wenn sinnvolle und bedeutende Wärer den Vers heschliessen. Dass aber auch eine gereimte Usebersetzung einen hohen Grad der Treue erreichen könne, davon haben Kannegiesser und Strèckfos hie und da, wenn auch natürlich nicht derohäus tend überall glänzende Beispiele geliefert. Einer gereinhten Uebersetzung muss man billig viees zu gute halten, ünd einzelne Härten, etwas ge: "... ,ot si . . .“ - . s Durch mich gelangt man in die Stadt die wehklagt, Durch mich gelangt man in das ew'ge Weh, Durch mich gelangt man zum verlormen Volke. - 1 Gerechtigkeit trieb meinen hohen Schöpfer, Gebildet hat mich die göttliche Allmacht, Die höchste VVéisheit ünd die erste Liebe.“

[ocr errors]
[ocr errors][ocr errors][ocr errors][merged small][merged small]

““ bittlich verfängt, sówerden auch wir ähnliche Anforde

[ocr errors]
[ocr errors]

äscläté“ogii sporäriza Üoi ch'intrate. . - * - - - "“ Queste parole di cofore oscuro : Ä . . sid 'io scritte.al sammo d'unaporta; . . . ", "

j: Perch a Maestro i sensa or me duro.
Jo- degli .me, ofne persona accorta: .
Quis conbier läsciare ogni sospetto,
Cognitolté éonvien ehe quisia morta. -
Woisern venuti al luogó, ov'io t'ho detto,
-Chs wederai eigendlórose "
-f: Ä futo be delig 'ntelletto... ...
Zeiha sämt odlta mia pose 1“ “
“Coolet. ots boo cm jrta, ".
Ä alle secrete cose!oi: '''
; e- "(. .

- * - . . .“

1 : - : .

i . "
1 " . - -


zf,
- -
: “ or -

diese MTreüe 2 wollen wir gewiss gebührend an dieser Arbeit rühmen, nur darf sie nicht zu Sprachsünden verführen; auch ist es sonderbar, däss sich dér- Vf, nicht ganz consequent bleibt und z. B. schreibt: So dass verfehlet war die grade Strasse, wo er doch eben so leicht, mit Beibehaltung der Wortstellung hätte sagen können: So dass die rechte Strasse . war verfehlet, und so an vielen Stellen. Noch viel weniger aber ist es zu dulden, wenn in eiher solchen Uebersetzung hin und wieder entweder der Sinn verfehlt, oder doch ungenau wiedergegeben ist; wie wenn es heisst: Ward vor die Augen. Einer mir gestellet, statt: bot sich Einer meinen Augen dar; ? Ich ward sub Julio, obwohl das spät kam, wo eine schlechte Auslegung offenbar den Uebersetzer

getäuscht hat; der Sinn ist: Ich ward geboren unter

Jul. Caesar, obwohl spät, d. h. lange nach Caesar und lebte unter August u. s. w. Denn auf diesen Gegensatz kommt es dem Dichter an. Das nämliche ist dem Uebersetzer begegnet, da wo er che'n te s'incinse mit: die sich um dich gegürtet, übersetzt, statt: die mit dir schwanger war. Eben so ist fioco mehrmals falsch durch heiser übersetzt, es heisst bloss schwach. Er sey das Heil (fa), was aber er wird seyn heisst. Wo es Neid zuerst herausgetrieben, statt der erste MWeid, Satans nämlich. Consolata heisst nicht sowohl getröstet, als vielmehr erfreut. Fiumana ist nicht. Sturzbach, sondern über die Ufer getretenes Gewässer. Waldig, selvaggia, kann der Weg zur Hölle wohl nicht seyn, wohl aber wild. Die Dinge werden’s lehren, le cose tifien conte, sie werden dir kund, deutlich, werden. Uns still ist, ci tace, so lesen freilich Einige; der Vf, aber lässt si tace, schweigt, drucken. Rüttelt sie, scuoja statt -schindet sie. Eure Einsicht kommt mit ihr niemals zu Streite heisst grade das Gegentheil: Eure Einsicht vermag nichts wider sie, kann sich mit ihr nicht messen. In dem Unflath, nella strozza heisst in der Gurgel. „Wicht gar weit von hier, costä dipresso dort in der Nähe, nicht von Weitem. Endlich kann man sich, wenn man das figliuolo so oft durch Söhnlein übersetzt sindet, des Gedankens nicht erwehren, der Uebersetzer habe, aber ganz ohne Grund, jenes Wort für einen Diminutiv gehalten. – Der UÄ setzer ist weit davon entfernt, seinen Dichter, wie wohl manche andere gethan, mit falschem Schmuck verschönern zu wollen; nur hüte er sich, nicht in den entgegengesetzten Fehler zu fallen, wie ihm dies doch hin und wieder begegnet ist, wie wenn er gaffet für hinschaut; nachzuspüren statt aufzusuchen; all' seine Kleider statt all' seinen Schmuck sagt; eben so ist mit einsackt gemein, obgleich das Original gewissermaassen dazu verleitet. Viel häufiger geschieht es, ihm dagegen, auffallende, prunkende, ungewöhnliche Wörter zu brauchen, da, wo ihm das Original gar keine Veranlassung dazu gab, wie das so oft vorkommende Bängniss statt Furcht und Besorgniss; Schau statt Anblick; Fanghund statt Windhund; Sinnkraft statt Geist oder Erinnerung; hehren Schlummer statt tiefen Schlummer; auftönt statt er

tönt; Lichtglanz statt Licht, und vielés der Art. Ganz besonders fatal machen sich solche Wörter, wenn sie am Ausgange des Verses stehen, weil sie dann ganz unwiderstehlich den Leser sö afficiren, dass er auf einen entsprechenden Reim oder eine Assonanz gespannt wird, die doch nicht kommt: reimlose Verse können sich gar nicht genug vor solchen Verbis ambitiosis hiiten. Bei einem theilweise so schwierigen Gedichte kommt der Uebersetzer freilich oft in den Fall unter mehreren vorhandenen Auslegungen sich für die eine oder die andere entscheiden zu müssen; billig aber sollte man erwarten, dass diese Wahl nicht ohne vollkommne Sachkenntniss getroffen und in einer Note darüber das Nöthige gesagt würde. Das ist hier nicht immer geschehen: theils, wie schon angeführt, folgt der Vf. zuweilen offenbar unrichtigen Auslegungen, theils erfährt der minder kundige Leser gar nicht, dass hier abweichende Meinungen statt finden. So können wir aus Gründen, welche aber zu weitläuftig wären, um hier angeführt zu werden, die Uebersetzung von XII, 8., wo der Vf. nach der gewiss falschen Ansicht der meisten Ausleger alcuno sprachwidrig für keinen nimmt, nimmermehr billigen; es heisst vielmehr, wie immer, irgend eines Fusspfad, wie steil und gefährlich er auch seyn möge. 1H, 60 So weit die Schwingung fortschwingt, ruht nicht allein auf einer höchst unsichern Lesart, sondern ist auch preciös im Ausdruck, wovon das Original nichts weiss. Bei IV, 36 hätte die in vieler Hinsicht, auch durch die ältesten Ausgaben, empfohlne Lesartparte statt porta doch wenigstens erwähnt werden müssen. Den famösen Vers Pape Satan – wollen wir uns nicht anmassen mit vollkommner Sicherheit zu interpretiren, die von dem Uebers. aber angenommene Erklärung, ohne dass in den Anmerkungen das geringste von anderen Auslegungen gesagt wäre, wird gewiss von allen Orientalisten als eine unzulässige verworfen werden. Was die unter der Uebersetzung befindlichen Anmerkungen betrifft, so hätten wir gewünscht der Vf. hätte sich darin auf das allerwesentlichste beschränkt, nämlich auf die Erklärung historischer und sachlicher Dinge, und hätte alles, was zur tieferen Auffassung des Gedichts nöthig ist, auf die Ab

handlungen verspart, oder wenigstens eine zusam

menhängende Darstellung der Hauptallegorie der beiden ersten Gesänge, als einen Anhang zu diesen gegeben; denn mit den unter dem Texte befindlichen kleinen, zerstreuten Noten ist dem mit dem Gedichte noch nicht vertrauten Leser wenig geholfen; sie lassen es nicht bei ihm zu einer zusammenhängenden Anschauung kommen und tragen nicht, wie es bei einer ausführlichen Darstellung der Fall wäre, die Bürgschaft ihrer Wahrheit in ihnen selber. Hiervon abgesehen sind die Anmerkungen im Ganzen genommen ausreichend, ohne doch eben eine allzugrosse Bekanntschaft mit den vielen Vorarbeiten über das Gedicht, noch weniger aber bedeutende eigne Untersuchungen zu verrathen; denn die an

eblichen Beziehungen auf Stellen der h: Schrift Äönnen wir nicht immer glücklich und treffend nennen; hin und wieder zeigt sich sogar Flüchtigkeit und auffallender Irrthum. Die Porta di San Pietro, am Ende des ersten Gesanges kann wohl schwerlich im Purgatorio gesucht werden: Dante spricht hier nach der Volksmeinung, wo Petrus den Eingang zum Himmelsthor bewacht; und soweit soll ja auch Virgil ihn führen. La stella ist gewiss nicht die Sonne, da Dante sonstwohl il Sole von Ia Stella ausdrücklich unterscheidet. Pag. 19 haben Text und Uebersetzung Lino und in den Noten ist von Livius die Rede, welches auf einer falschen, von einigen Neueren empfohlenen Lesart beruht. Weshalb der Uebers. das nobile castello im IVten für ein grünendes Gebirge hält, wären wir wirklich neugierig zu wissen. Ciacco war keine Gerichtsperson, sondern ein uomo di corte, homo de curia, d. h. ein lustiger Gesellschafter, gelegentlich Spassmacher der Grossen, wie man dies aus Boccaccio und anderen alten Novellenschreibern deutlich entnehmen kann. Die Stadt des Dis hat mit Sodom und Gomorrha nichts zu schaffen, sondern ist ganz einfach der natürliche Gegensatz der Città di Dio, 1, 28. In der letzten Anmerkung dieses Heftes ist, vermuthlich etwas im Druck ausgefallen, denn nicht von Ezzelino da Romano, sondern von Obizzo da Este sagt Dante, sein figliastro habe ihn umgebracht. Der Gedanke den Text mit der Uebersetzung zugleich zu geben, ist gewiss in jeder Hinsicht in glücklicher zu nennen; aber man würde dem Vf. noch ungleich mehr dafür danken, wenn er auch diesem Texte einige Sorgfalt gewidmet hätte; davon ist aber nicht viel zu spüren. Der hier gegebene Text ist, zum mindesten gesagt, charakterlos, und stimmt nicht einmal immer, wie schon bemerkt worden, weder mit der Uebersetzung noch mit den Anmerkungen. Im Ganzen ist es der Text der Crusea und gegen diese Wahl wäre auch nichts erhebliches einzuwenden, wenn nur wenigstens die nicht seltenen aber unbedeutenden Abweichungen angegeben und einigermassen legitimirt wären, eine Forderung, welche man an ein Werk, welches wie das vorliegende, auf eine gewisse encyklopädische Vollständigkeit Anspruch macht, wohl nicht übertrieben finden dürfte. Vor allen Dingen aber möchten wir dem Vf. rathen, sich vor so ganz aus der Lut gegriffenen, und noch oben ein der Geschichte Hohn sprechenden Lesearten zu hüten, wie die, welche er V, 59 aufgenommen, wo man statt des unbestritten richtigen Äuccedette das unbegreifliche Sugger dette liest, welches man dem untreuen Gedächtniss eines aus dem Kopfe citirenden, unwissenden Prädikanten des 15ten Jahrhunderts verdankt, und wodurch die hisher unbekannte Notiz in die Geschichte eingeführt wird, dass Ninus nicht blos der Gemahl, sondern auch der Sohn der Seniramis gewesen. i Soviel von dem Werke soweit es vor uns liegt. Wir sind absichtlich sehr genau auf viele Einzelhei

ten eingegangen, und haben es vielleicht strenges genommen, als dem Vf. lieb ist; allein es ist nur deshalb geschehen, weil wir in dem uns hier Gebote? nen einen entschiedenen Beruf des Vfs- und ein sehr beachtenswerthes Talent zu erkennen glauben, und weil es uns sehr leid thiin würde, wenn eine so grosse und dankenswerthe Unternehmung durch Uebereilung und Flüchtigkeit minder gut geriethe, als die unleugbaren Kenntnisse und die poetische Fähigkeit des Vfs. zu erwarten berechtigen. Ein Freünd, der die ambitiosa recidat ornamenta, parum claris lucem dare cogat, arguat ambigue dicta und den Vf male tornatos incudi reddere versus zwänge, wäre eine wahre Wohlthat für ihn und für sein schönes Werk, besonders wenn dieser Freund mit Geschmack und Kritik noch eine gründliche Kenntniss des Dichters und seiner Zeit verbände. - } . . . In der Ankündigung werden uns noch 7 einleitende Abhandlungen versprochen, welche sich über das Zeitalter und das Leben des Dichters, über die Absicht die er bei seinem grossen Werke gehabt, über die Quellen aus denen er geschöpft und die Art ihrer Benutzung, über die Construction des Ganzen und seiner Theile u. s. w. verbreiten, sollen; eine Ausstattung wie sie bis jetzt das herrliche Gedicht noch niemals gefunden, und wenn der Vf, hier eine gründliche und besonnene Kritik mit umfassenden Studien verbindet, so wird er etwas geleistet haben was ihm in der Litteratur des Dante einen unsterblichen Namen sichert. Mit Vergnügen werden wir nach Vollendung des Ganzen darüber den Lesern unsrer Zeitung berichten. . . . . . . . ? Von Seiten der Buchhandlung ist alles geschehen, dem Werke eine bequeme und angenehm in die Augen fallende Einrichtung zu geben; nur wäre grössere Strenge der Correctur zu wünschen. *) ''

KöNIGsBERG, (in Commiss.) b. Gräfe und Unzer:

Gedichte von Karl Wilhelm Ferdinand Bobrik.
Erstes Bändchen, enthaltend kleine Gedichte.
Zweites Bändchen, enthaltend Kamilla Sasso,
Trauerspiel in drei Acten. 1836. I, 140 S.;
II, 134 S. 8. (1 Rthlr.) . . .

Der Vf, hat die halben Weihen der Poesie empfangen, er gehört weder zu den blossen Reimern, noch zu den wahren Dichtern, daher ist manches ganz artig, Anderes aber auch sehr gewöhnlich. m, Sonett ist er nicht sehr glücklich, mehr Beachtung verdienen die geistlichen Lieder, und da Hr. Bobril die weltliche Poesie nicht weiter cultiviren will, so giebt er dadurch zu verstehen, dass er sich selber richtig zu beurtheilen weiss. Möge er sich weiter in der geistlichen Poesie versuchen, wozu er am meisten befähigt scheint. Das Trauerspiel, welches der zweite Band umfasst, ist ganz regelrichtig gearbeitet, aber zu sehr Werk des Verstandes, und dergleichen Productionen kommen acht und funfzig Jahre zu spät. . . .

: - 4 * . - - . *) Eine zweite Lieferung, die Gesänge XIII–-XXIV umfassend, ist, seitdem dies geschrieben, erschienen.

[ocr errors]

ALLGEMEINE LIT

[ocr errors][ocr errors][merged small]

W W ir werden unserer Schaubühne Glück wünschen und unserm Publikum, wenn der echt deutsche Geist, der in diesen drei Dramen sich ausspricht, wieder Gewalt über beide gewinnt und die frivolen Bastarde einer Aftermuse, welche sich die Herrschaft angemasst haben, verdrängt. Wir müssen zu dieser Besonnenheit zurückkehren, wenn wir nicht geistig bankerot machen wollen. Es ist allerdings kein neuer Geist; aber es ist ein guter, es ist der, welcher in der besten Periode unserer dramatischen Kunst herrschte, als ein edlerer gebildeter Sinn keine anziehendere Unterhaltung kannte, als das Schauspiel, und welcher sich in den Meisterwerken eines Schiller und Göthe verherrlichte. Dieser Rückschritt, wenn man ihn so bezeichnen wollte, würde ein wahrer Fortschritt seyn, und dies um so mehr, da dieser Geist

sich denn doch hier gereinigter von Philisterei und

gewandter zeigt, also einen wesentlichen Fortschritt gemacht hat: frei von Kotzebue'scher falscher Sentimentalität und Frivolität, wie von Ifflandischer Kleinmeisterei und Pedanterie. – Das Schauspiel „ Lüge und Wahrheit?!sstellt uns ein in sich verschrobenes weibliches Wesen dar, das in die Intrigue den Verstand setzt und zuletzt zur personifizirten Unwahrbeit wird sich selbst und andern. Auch die einfachsten Verhältnisse, selbst die innigsten des Herzens werden bei ihr zur Hntrigue und dadurch verscherzt sie einen würdigen Jüngling, der sie herzlich und den sie liebt, und bringt ihren redlichen liebreichen Vater an den Rand des Verderbens – wir möchten nur wünschen, sie und der Vater wären davon gerettet worden, ohne dass sie einen Ersatz für das verscherzte eheliche Glück erhalten hätte, wie ihr höchst unverdient hier in einem ausgezeichnet wackern Manne wird, durch ihre Schönheit motivirt. – Der Uebertritt des Geliebten zu der bis dahin unbeachteten wenn auch höchst trefflichen Friederike ist doch wohl ein g zu schnell. Wäre früher seine Aufmerksämkeit'äuf sie angeregt worden, vielleicht gerade in einem Augenblicke, wo Juliens Hang ihn den RedRiehen verletzte, so wäre er eher motivirt. – Die unbedachte Eilfertigkeit des Vaters in den wichtigsten A. L. Z. 1838. Zweiter Band.

[ocr errors]

- Junius 1838.

brilliren.

[ocr errors][merged small]

Angelegenheiten mag auf der Bühne von Effect seyn, widerspricht aber seinem übrigen Character und seinen Verhältnissen, und erscheint etwas karrikirt.– Das Lustspiel „Die Braut aus der Residenz" ist ehen so hübsch erfunden als ausgeführt, und muss bei einer guten Darstellung der dankbaren weiblichen Hauptrolle auf der Bühne Wirkung machen. Ein reicher und gutmüthiger etwas beschränkter Fabrikherr in einem Provinzialstädtchen hat die fixe Idee gefasst, eine neumodisch-gebildete Gattin aus der grossen Welt zu haben, um damit in der Provinz 2 Sein Freund, ein Rittmeister, dem er Ä anvertraut hat, führt ihm eine solche zu mit einem bereits geschlossenen Ehekontrakte und diese, die sehr hiibsch ist und ihm sehr gefällt, lässt nun alle Launen und allen Uebermuth einer Modedame aus der Residenz auf den Armen los und treibt ihn zur höchsten Verzweiflung, wie er sie nur wieder los werden will, bei welcher Gelegenheit er zu seiner unseligsten Ueberraschung gewahr wird, wie nahe ihm das höchste Lebensglück in einem schönen, liebenswürdigen Mühmchen war, das er gerade dieser Nähe und ihrer Bescheidenheit wegen übersehen hatte. Er will sich zuletzt mit seinem treulosen Freunde, der noch dazu in einem Liebesverständnisse mit seiner ihm zugeführten Gattin steht, schiessen, da es sich dann erklärt, dass der Ehekontrakt für diesen selbst mit der schelmischen Frau aus der Residenz geschlossen wurde und dies nur ein Mittel seyn sollte, ihn von seiner fixen Idee zu heilen. – Das Schauspiel in fünf, aber ziemlich kurzen, Aufzügen „Der Oheim” führt eine zwar nicht neue Idee aus, dass ein Hagestolz von beinahe vierzig Jahren sich in die Geliebte seines Neffen verliebt, aber mit der artigen Wendung, dass er sie wirklich davon trägt und sein etwas nichtsnutziger Neffe durch die Intrigue, mit welcher er die Einwilligung des liebreichen Oheims, seines Wohlthäters, durch einen untergeschobenen Ehecontract sich auf dessen Unkosten stehlen will, mit der langen Nase wohlverdient und wohlmotivirt abziehen muss. – In allen drei Dramen findet eine gute, oft feine Charakteristik statt, die von vieler Menschenkenntnisszeugt, eine edle Sprache, ein geschmeidiger Dialog voll Geist, dem auch Witz zu Gebote steht. Nur die Composition ist in dem ersten und dem letzten ein wenig locker. – Die Kritik kennt weder Rang noch Geschlecht, und sie begrüsst daher völlig unbefangen diese Erscheinung:äls eine sehr erfreuliche und liebenswürdige, die leicht die kritischen Runzeln zu glätten vermag. – Die Bestimmung des Honorars ist eine sehr edle, und die

[ocr errors]
« ZurückWeiter »