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von Adolph Erman S. 186–276, in der That, ebenfalls ein langer Abdruck aus dem nächstens erscheinenden zweiten Bande von Erman's historischem Bericht seiner Reise um die Erde. Ausser dem eigentlichen Tagebuche werden die Bemerkungen über das Vorkommen der Kröpfe, die Sitten der Jakuten und das Klima von Jakutzk mit Interesse gelesen werden. Der folgende Aufsatz: Entdeckung von Antiocheia in Psidien, wo den Heiden Tuerst das Evangelium gepredigt wurde von F. V. J. Arunduell S. 277 – 309 ist zwar für den Antiquar und Kirchenhistoriker recht interessant, dürfte aber doch von vielen Lesern des vielen Details wegen überschlagen werden. Den Schluss bilden Ansichten der Karolinischen Inseln von Mertens S. 310–336 nach der Ansicht des Rec. zwar der kürzeste, aber der passendste Aufsatz des Almanachs. Mit lebhaften Farben wird hier die Physiognomik der Gewächse geschildert und selbst derjenige, welcher Humboldt's bekannten Aufsatz in seinen Ansichten der Natur gelesen hat, wird diesen Abschnitt nicht unbefriedigt aus der Hand legen; dann folgen Bemerkungen über den Menschen; Thätigkeit, Fröhlichkeit und besonders die grosse Decenz im Umgange beider Geschlechter zeichnen sie vor den übrigen Bewohnern der Südsee aus. in der Einleitung S. 1 – 169 giebt der Vf. flüchtige Blicke auf die neuesten Fortschritte in der Erdkunde und betrachtet hier namentlich Fitz Roy's hydrographische Entdeckungen längs den Küsten von Südamerica , im grossen Ocean und rund um die Erde; Boué's Reise durch die Türkei; hydrographische Vermessung des rothen Meeres und Wellsted's Reise in Oman; Smith's Expedition im südlichen Afrika; Mitchell's Untersuchungen im Innern von Neu-SüdWales; Erforschung der Südwestküste von NeuGuinea. – Als Zugabe fanden wir die Bildnisse von Drake, Scoreshy (Vater) Hearme und Belzoni; Ansichten von Port Natal, dem Missionsposten Bunting und Antiocheia; dann eine Karte von Oman und der Südwestküste Neu-Guinea's. So sehr Rec. dieses Taschenbuch den Lesern empfiehlt, so kann er doch den Wunsch nicht unterdrücken, dass der Herausgeber bei künftigen Jahrgängen mehr darauf bedacht sei, nicht solche Aufsätze zu geben, welche binnen Kurzem in Deutschland erseheinen, sondern entweder solche deutsche Arbeiten gebe, von denen nicht vorauszusehen ist, dass sie Abschnitte grösserer Werke bilden oder wofern er dieses nicht will, lieber interessante Auszüge aus kostbaren ausländischen Werken mittheile; denn es ist bei der immer mehr zunehmenden Zahl von Büchern zu viel verlangt, wenn Jemand sich um eines einzigen Aufsatzes willen mehrere andere kaufen soll, welche er ausserdem schon besitzt.

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Ueber den Plan, Zweck und über die Einrichtung dieser Rechenaufgaben, so wie über die mit denselben vorgenommenen Veränderungen spricht sich der Verf. in der Vorrede zu dem Rechenbuche, womit diese Aufgaben in engster Verbindung stehen, im Besonderen aus. Da für eine Anzeige solcher praktischer Schriften der Inhalt selbst nicht näher zu beurtheilen und höchstens die zweckmässige Auswahl und Behandlung der Aufgaben bemerkbar zu machen ist, so fügt Ref. hier kurz dasjenige bei, was zur Bekanntschaft mit dem Plane und Zwecke der Aufgabenhefte beitragen kann und was auf den Werth derselben schliessen lässt. Der Inhalt des ersten Heftes ist oben angegeben; er unterscheidet sich von der vorigen Ausgabe durch die neu hinzugekommenen vermischten Aufgaben, welche besonders geeignet sind, das Nachdenken zu schärfen und den Schüler zu veranlassen, das Gelernte theils geistig zu verarbeiten, theils praktisch anzuwenden. Diese Absicht hat der Vf, vollkomunen erreicht, wie sich jedem, der die Aufgaben beim Schulunterrichte gebraucht, zu erkennen geben wird. Das Heft gewinnt vorzüglich noch dadurch an praktischem Werthe, dass das Verzeichniss der Münzen, Maasse und Gewichte ganz umgearbeitet, und mit einem Anhange vermehrt ist, der den Silberwerth der vorzüglichsten Münzen des Auslandes nach Preuss, Gelde angiebt. Diese Zugabe dient recht gut zur Vermehrung der Aufgaben und bietet dem Lehrer sehr zweckmässige Gesichtspunkte für den Unterricht dar, der ihn durch diese sehr erleichtert wird. Für das Numeriren findet man dieselben Erläuterungen wie im Handbuche; ähnlich verhält es sich mit den 4 Species; dann folgen für die Addition 50, für die Subtraktion 40; dann noch 10 gemischte Aufgaben für beide Operationen; den Multiplicationsbeispielen geht das bekannte Einmaleins voraus, worauf 50 für jene und 77 für die Division, dann noch 20 gemischte Beispiele folgen. Als Einleitung in die 4 Rechnungsarten mit ungleichbenannten Zahlen stellte der Vf, die sogenannte Reduktion voraus, weil sie selbst für die Addition und Subtraktion unentbehrlich ist; dann folgen sowohl für die Verwandlung höherer Einheiten in niedere, als umgekehrt jedesmal 20, also 40 Uebungsbeispiele, die der Vf, wenn die der Multiplikation mit ungleichbenannten Zahlen vorausgeschickten Vortheile beim Multipliciren und Dividiren versinnlicht sind, mit Anwendung dieser Vortheile nochmals durchrechnen zu lassen anräth. Für die Addition und Subtraktion findet man 60 Beispiele und die Zeitrechnung selbst gegen die vorige Auflage erweitert und vervollständigt; für die Multiplication sind 32, für die Division 36 Beispiele mitgetheilt, denen noch verschiedene ge

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mischte Aufgaben folgen, deren Auswahl dem Vf. zum Lobe gereicht. Zugleich gewähren dieselben nebst dem materiellen Vortheile noch den Nutzen, dass der Anfänger durch sie die jetzt in Preussen gesetzliche Rechnung mit Silbergroschen recht kennen und iiben lernt, ohne dass das Buch für andere Gegenden weniger brauchbar ist. Das zweite Heft beschäftiget sich vorzüglich mit den praktischen Bruchrechnungen. Da, wie Hr. Hahn sagt, von dem, was die 1ste Ausgabe bot, ausser den Beispielen so gut wie nichts zu gebrauchen war, und selbst diese wegen ihrer Mangelhaftigkeit bedeutend vermehrt und vielfach verändert werden mussten, so hat man dasselbe gleichsam als neue und fast selbstständige Arbeit anzusehen. Hier entwickelt der Bearb. die Theorie der Bruchrechnung etwas weitläufiger, als selbst im Handbuche, weil es bei ihr nach seiner Ansicht unumgänglich nothwendig ist, dass der Lernende den Grund des Verfahrens einsieht und nicht eher zu etwas Neuerem übergeht, bis er mit dem Gelernten völlig vertraut ist und sich in diesem ohne besondere Schwierigkeit und mit besonderer Gewandheit und Sicherheit bewegen kann. Uebrigens findet man hier meistens dasselbe, was im Lehrbuche gegeben ist; oft selbst dieselben Beispiele, daher gelten gleiche Bemerkungen für diese Darstellungen, wie sie beim Beurtheilen des Rechenbuches gemacht wurden. Die Anzahl der Beispiele zur Uebung ist gross genug, um für den Unterricht in Schulen vollkommen auszureichen, und der Mühe des Selbstbildens überhoben zu werden. Mit wenigen Worten ist das Verfahren für jede Rechnungsart angegeben und die Richtigkeit des darnach erhaltenen Resultates den Fassungskräften der Schüler angemessen bewiesen. Jedoch möchte es viel zweckmässiger seyn, jenem allgemeine Gesichtspunkte anzugeben und ihn alsdann selbst am besten auf analytischem Wege das Verfahren und die Begründung finden zu lassen; weil hierdurch eine gewisse Selbstständigkeit und ein Selbstvertrauen, welches mit Liebe zur Behandlung der Gegenstände verbunden ist, erzeugt wird, welche die Grundlage für allen gedeihlichen Unterricht bildet. So viel der Bearb. die Vortheile, welche einzelne Rechnungsarten kürzer und vortheilhafter zum Ziele bringen, in Schutz nimmt, und so umständlich er sie oft angieht, so wenig hält er es für zweckdienlich und rathsam, dieselben dem Schüler gleich vornherein zu zeigen; vielmehr will er denselben mit jenen nicht eher bekannt gemacht wissen, bis derselbe auf dem gewöhnlichen Wege die nöthige Geschicklichkeit und Fertigkeit sich erworben hat. Aus diesem Grunde räth er, vorzüglich bei der Multiplication und Division in Brüchen, für welche er die Rechungsvortheile besonders hoch anschlägt, einen dopPelten Cursus zu machen, und Einmal die Beispiele auf die gewöhnliche Weise, das Andermal mit Hülfe der Vortheile rechnen zu lassen. Ref.achtet die Ansicht des Bearb., und stimmt ihm wohl darin bei,

dass man auf ihre fortwährende Anwendung für die vorgegebenen Beispiele streng halten müsste, und sich nicht, wie in manchen derselben vorkomme, dadurch irre machen lassen dürfe, dass der gewöhnliche Weg der kürzere sey. Allein er kann in den Rechnungsvortheilen darum keinen sehr grossen Gewinn finden, weil sie, als vorzugsweise Gedächtnisssache, wenn sie nicht ununterbrochen geübt werden, sehr bald vergessen werden und mit ihnen alsdann die Kenntniss des Verfahrens selbst verschwindet. Er hält sie eher für sogenannte Rechnungsrecepte, welche in verschiedenen Schachteln liegen und bei Verwechselung dieser oder Veränderung ihrer Lage selbst nicht viel nutzen, sondern häufige Verwirrung erzeugen. Sie geben Veranlassung zu einem gewissen Mechanismus, der für ein gründliches Erlernen und Anwenden der Rechnungsoperationen sehr nachtheilig wirkt und meiStens Ä des schnellen Vergessens der Rechnungen ist, zugleich aber auch den Grund der Klage enthält, dass man von dem arithmetischen Unterrichte in Schulen so wenig gute Früchte ärnte. Ref. hält es daher für besser, den Anfänger alle Gesetze und Verfahrungsarten zureichend begründen und die Rechnungsvortheile ihn gleichsam selbst finden zu lassen, oder ihm höchstens gewisse Momente derselben kurz anzudeuten. Was Ref. beim Rechenbuche über die Bearbeitung der Verhältnissrechnung gesagt hat, bezieht er auch hierher auf den mit jenem ziemlich gleichlautenden Inhalt des dritten Heftes: die frühere Auflage bedurfte nicht allein einer bedeutenden Erweiterung, sondern einer völligen Umarbeitung - wobei Hr. Hahn nur die Beispiele beibehalten hat. Hat diese neue Auflage gegen die frühere gleichwohl manche Vorzüge, so sind doch nicht alle Lücken un

sichtsvoll ausgefüllt und alle Gebrechen geheilt: Da

das Ganze eine völlige Umarbeitung seyn soll, so konnte die Lehre von den Verhältnissen und Proportionen nach einer viel zweckmässigeren Methode behandelt werden. Es sollte nämlich der wissenschaftliche Charakter hervortreten und diese doppelte Lehre dem Anfänger zum klaren Bewusstseyn gebracht werden. --Wenige Hauptsätze würden zum Ziele führen. Auch sollten die stetigen Proportionen nicht übersehen seyn; freilich könnte män nach dem, win dem Buche gesagt ist, die geometrische mittlere Proportionalzahl nicht suchen, weil diese Forderung das Ausziehen der Quadratwurzel verlangt. Hieraus geht zugleich hervor, dass die arithmetischen Dis: ciplinen, wenn sie gegenseitig auseinander abgeleitet und durch einander begründet werden sollen, in einem wesentlich veränderten Sinne bearbeitet werden müssen, als es gewöhnlich geschieht. . d Wäs übrigens der Bearb, giebt, reicht füro gewöhnlichen Gebrauch und für die allgemeinen Bedürfnisse des öffentlichen Lebens bin; „allein Ref. stimmt ihm in der Meinung nicht be» dass die Lehre jWÄitjsjund Pjortionen Gener spricht."

von geometrischen, woran sich dieser Ält) für den Anfänger besondere Schwierigkeiten habe, weswegen jeujführlich behandelt werden müsste, um sie so verständlich als möglich zu machen Der Anfänger kennt die Gesetze der Division und der Briiche; nun ist ein geometrisches Verhältniss nichts anderes, als eine formelle Division, oder ein Bruch, was also von beiden gilt, gilt auch von jenem 5. ferner ist die Proportion eine blosse Gleichheit zwischen zwei gleichen Brüchen oder formellen Divisionen, mithin ist kein Grund vorhanden, die Sache für schwer zu erklären, da sie im wesentlichen schon behandelt ist. Dass die Rechnungen, aus drei, fünf o. „W; Gliedern das 4te, 6te und jedesmalige gerd. Glied jden, die wichtigsten Fälle des bürgerlichen Lebens enthalten, ist nicht zu leugnen, weswegen sie nicht genug eingeübt werden können allein dieses Einüben darf nicht mechanisch geschehen und mit zu vielen Rechnungsvortheilen auswendig gelernt werden, weil hiermit selten ein geistige Durchschauen j Charakters der Aufgabe und des Bildens des Aes verbunden ist. - s Ä umfassend, möglichst reichhaltig o Init vielen Vortheilen versehen, durchgenomen; Die AnÄh der Beispiele ist ausserordentlich gross und ist für den praktischen Gebrauch nichts zu wünschen übrig, als geringere Rücksichtsnahme auf mechanirfahren. "Ällen oder sogenannten Gewerbschlen werden diese Hefte wegen der grossen Reichholtigkeit der Uebungen mit grossem Nutzen für den Sjüler gebraucht werden; lief. empfiehlt sie, je jj Lehrer oder Vorstand genannter Schulen und ist überzeugt, dass sie dem Lehrer grosse Bequemlichjt gewähren und er es nicht bereuen Ärd, das wejge Geld für ihren Ankauf verwendet zu haben. jgen sie in recht vielen Schulen eingeführt werden jnd in die Hände recht vieler Lehrer kommen,

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Diese Materie hat der Bearb.

heit zweier Verhältnisse von gleichem Verhältnisszeiger: der Beweis, dass das Produkt der äusseren Glieder dem der inneren gleich ist, beruht allein darauf, dass man beide Produkte aus gleichen Faktoren bestehend darstellt; so ist in 4 : 6 = 14 : 2I wohl 4.21 = 84 und 6: 14 = 84; aber dieses ist noch kein Beweis; vielmehr ist 4 = 6. # = 6. # und 14 = 21. ## = 21. ; also 4.21 = 6. F. 21. und 6. 14 = 6. 21. # d. h. 6. 21. # = 6. #. 21 = 64. Des Verf’s. allgemeiner Beweis begründet das Gesetz nicht, weil der Anfänger nicht einsieht, warum a. d = b. c aus a: b = c : d seyn soll. Für die Bestimmung irgend eines fehlenden Gliedes vermisst man die erforderliche Nachweisung; der Vf. zeigt blos die des 4ten: von stetigen Proportionen, von dem Verstellen verhältnissmässiger Glieder, vom Bilden zusammengesetzter Proportionen u. dgl. ist nichts gesagt.

Sehr gut und praktisch ist jedoch die einfache direkte und indirekte Verhältnissrechnung behandelt; der Vf. unterscheidet Multiplications-, Divisions- und gemischte Aufgaben, giebt besondere Regeln und eine grosse Anzahl von Uehungsbeispielen, und verschafft dadurch dem Buche einen rein praktischen Werth, welcher durch die einzelnen Aunstgriffe, welche als Regeln beigefügt sind, besonders erhöhet wird. Die indirekte Regel de tri erläutert er kurz und verständlich und versinnlicht sie durch Beispiele, welche gut gewählt sind. Die zusammengesetzte Regel de tri behandelt er als Regula Quinque, multiplex, als Ketten- und Gesellschaftsrechnung; jedoch vermisst man eine anschauliche Darstellung über das Anordnen der Glieder im Proportionssatze; blos die Beispiele müssen dem Lernenden nach und nach die Gesichtspunkte bemerkbar machen. Recht zweckmässig ist die Kettenrechnung erläutert; die ausgewählten Beispiele tragen zur näheren Versinnlichung bei. Dasselbe gilt auch von der Gesellschaftsrechnung, welche durch einfache und zusammengesetzte Aufgaben vergegenwärtigt wird.

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E R GÄN ZU N GS BLÄT T ER
Z U R

ALLGEMEINEN LITERATUR-ZEITUNG

Februar 183 8.

GRIECHISCHE LITTERATUR.

BoNN, b. Weber: Der epische Cyclus oder die Homerischen Dichter von F. G. Welcker. 1835. Zweite*) Abtheil. Die Homerischen Dichter. S. 119–418. Anhang. Die bisherigen Erklärungen des epischen Cyclus. S. 419–455. (2 Rthlr. 16 gGr.)

De zweite Abtheilung des vorliegenden Buchs hat

eine zwiefache Aufgabe oder Bedeutung für die Ge

schichte des Epos der Griechen. Einerseits geht der Hr. Vf. darauf aus, seine Ansicht vom epischen Cyclus als einem Homerisch-epischen Kreise im Einzelnen zu belegen und durchzuführen; andrerseits verfolgt er die schon in jener Ansicht vom Cyclus einbegriffene Bestreitung und Berichtigung der Wolfschen Meinung über die Entstehung der Ilias und Odyssee bis dahin, dass er in einem sehr ausführlichen Abschnitte über den Vortrag der Homerischen Gedichte S. 338 – 406 nicht bloss eine Weise der Rhapsodenagonen aufstellt, bei der eine Ilias recht wohl zum Vortrag kommen konnte, sondern auch alle die Zeugnisse, welche Wolf für die späte Aufzeichnung durch Pisistratus geltend gemacht hat, berichtigend durchgeht. Hiermit ist aber der reiche Inhalt der Schrift noch keineswegs angedeutet. In den einzelnen Abschnitten iiber die Homerischen Dichter oder die nach des Vf. Ansicht zum Cyclus gehörigen Gedichte werden die von den Dichtern vorhandenen Nachrichten und die über den allgemeinen Inhalt der Gedichte vom Verf. gefassten Meinungen so ausführlich dargelegt, wie man es nur in einer Reihe für sich bestehender Untersuchungen erwarten durfte. Unleugbar, hat der Vf, hiermit wieder einen sehr reichen Schatz aus seiner überall heimischen Belesenheit mitgetheilt; hat auch hier durch die grossartige Ansicht und den weiten Ueberblick, dem seine Erörterungen nachgehn, die Untersuchung wie mit einem genialen Hauch belebt, was Rec. namentlich an sich selbst erfahren hat; hat endlich im Einzelnen Vieles berichtigt und noch Mehres angeregt.

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Allein soll der eigentlich gewonnene Ertrag des Buchs angegeben werden, so muss, nach dem Urtheil des Rec., dessen haltbarer Hauptinhalt auf folgende antiwolfische Sätze zurückgeführt werden, die wir vorzüglich aus drei Abschnitten zusammenreihen, aus dem 1sten „Homeros" S. 123 f., dem 12ten „drei früh untergegangene Homerische Gedichte" S. 288ff., und den 18ten, „über den Vortrag" u. s. w. S. 348 f. Um die richtige Vorstellung über die Entstehung der Ilias und Odyssee zu gewinnen, „ ist es nothwendig den Blick über die ganze Entwickelung der epischen Poesie bei den Griechen auszudehnen und dabei auf die allgemeine Geschichte der Poesie Riicksicht zu nehmen. Bei aller natürlichen Mannigfaltigkeit zeigt sich in den Heldenliedern der verschiedensten Völker – eine grosse Stufe der Entwickelung, eine doppelte Art oder zwei Hauptperioden. In der einen Ä einzeln stehende Lieder, worin die Poesie sich herrlich und reich entfalten und schon ein bedeutendes Gepräge epischer Kunst hervortreten kann –; in der anderen ein zusammengesetztes und geordnetes grösseres Ganze, worin im Fortschritt eine ganz neue Kunst des Plans, der Einheit, der Verhältnisse und Bezüge der Theile, erwächst, und zuletzt die Idee eintreten kann mit einer allen Stoff, alle Eindrücke und alle Künste der Gestaltung und Darstellung überwiegenden (beherrschenden) Kraft und Thätigkeit." – „Dass F. A. Wolf dieses Bildungsprincip der Zusammenfügung, die grosse MÄ er Poesie, die lebendige Einigung wild untereinander schwärmender Lieder zu geordneten und mehr oder weniger von Absicht und Organisation der Kunst durchdrungenen Ganzen nicht erkannte, sondern sich vorstellte, dass viele einzelne Lieder sich von selbst in Reihe gestellt hätten, ist die Ursache der Richtung, welche seine Untersuchungen über Homer genommen haben. Dem Homer scheinen in den Zeiten der Achäer und in den frühern der Asiatischen Kolonieen Heldenlieder vorausgegangen zu seyn in einer grösseren Fülle und in Ansehung der Stoffe von einer grössern inneren Entfaltung und Durchbildung, als wir sie bei irgend einem andern Volke kennen oder ver

*) Die 1ste Abtheilung ist von einem andern Mitarbeiter beurtheilt Fen A. L. z. 1837. Nr. 14.

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muthen dürfen. Seit der Ilias aber, die zwar gewiss nur als das erste vollkommene Muster, nicht als die erste Erfindung einer neuen grösseren Gattung zu betrachten ist, sehen wir eine Reihe von epischen Gedichten sich drängen (folgen), die in grosséin Umfang eine Menge von Personen und Begebenheiten zu einer dichterischen Einheit zusammenfügen. Diese rosse Neuerung und Erfindung – ist bezeichnet urch den Namen Homeros."

An diese höchst bedeutende und folgereiche Bestimmung über das Verhältniss, in welchem der Dichter der Ilias zu seiner Vorzeit und seinen Nachahmern stehe, schliesst sich das an, was im 12ten Abschnitte über drei uns noch deutlich kennbare vorhomerische Gedichte und im 18ten über die Vortragsweise, wie sie schon die Odyssee erkennen lässt, gesagt ist. Wir fassen es mehr mit unsern eigenen Worten kürzer zusammen: „Wenn wir sonst über die vielen vor der Ilias und Odyssee vorhandenen Gesänge nur Muthmassungen haben, so weist die Odyssee auf einige Gedichte bestimmt hin, die zum Belege dienen, dass es damals schon grössere Compositionen gegeben, und die unsere Aufmerksamkeit um so mehr auf sich ziehn, weil sie über die regelmässige Entwickelung der Poesie vom Trojanischen Kriege Licht geben, und zugleich die einsichtige Art deutlich machen, womit der Dichter sein Werk mit den beliebtesten Gedichten der Zeit verkettet und dem Stoffe nach geschichtlich basirt hat (S. 288.). Es sind diess nicht, wie man nach bisheriger Auffassung meinen möchte, der Achüer Rückkehr (Od. I, 326) und zwei Gesänge des Demodokos bei den Phäaken, das vei.og (VIII,73) und innov xóouog nebst 7tégoug (492.500ff); sondern die unterbrochenen Vorträge des zu den Phäaken versetzten Demodokos, der für eine wirkliche Person zu halten, und vielleicht der blinde Dichter von Chios ist (? S. 295.), bilden Ein Ganzes, eine ouy, und zwar eine kleiné Ilias od. Iliupersis zu Ehren des Odysseus. Als drittes rechnen wir eine Orestee (S. 297), die zwar nicht als ein fertiger Stoff oder ein vorhandenes Gedicht in der Odyssee bezeichnet ist, aber durch die wiederholt hervorgehobene Geschichte des Aegisthos und die That des Orestes sich deutlich verräth. hung auf eine solche Poesie greift zu stark in den Plan der Odyssee ein, als dass man nicht die feste Form eines abgesehlossenen und bekannten Gedichts, woran andre Poesie sich wie an Wirklichkeit od. bestimmte Geschichte anlehnen konnte, auch hier voraussetzen müsste." – „ Das Beispiel des Demodokos, der bei dem ersten Gastmahle seine Iliupersis von dem Streit des Odysseus und des Achilleus, ihPeIm ÄÄ an so lange weiter singt, bis Alkinoos die Gesellschaft zu anderem Zeitvej treibe führt, und am Abend wieder aufnimmt und zu Ende bringt» giebt uns einen willkommenen Aufschluss darüber?, wie die Composition umfassender Gedichte mit der bloss mündlichen Mittheilung verträglich und wirklich verbunden gewesen. Denn es lässtjdoch

Die Bezie

nicht leugnen, dass so gut als das am Morgen begonnene Gedicht nach längerer Unterbrechung am Abend zum Schluss geführt wird, auch ein zweiter und dritter Tag, wenn die Zeit nicht ausreichte, hinzugenommen werden konnte." (S. 348). – An den Vortrag der Oeme oder geschlossenen Reihe von Liedern durch die Aöden – oity, eine Composition, ein eigner Weg od. Gang, genommen durch die einzelnen Lieder, um sie zu einem Ganzen zu verknüpfen – schliessen sich nach ihrem Grund und Zweck, diess erscheint sicher, die Rhapsodenagonen an: dass die frühere Zeit, die ersten Beispiele derselben nicht bekanut sind, ist eine der empfindlichsten Lücken in der Geschichte des Epos selbst. Denn einen gewissen Zusammenhang zwischen seiner Gestaltung und innern Entwickelung und dem Vortrag anzunehmen sind wir genöthigt; darauf bestand Wolf mit grosser Einsicht (Prol. CXII). Die Thebais, die Aethiopis, die Kl. Ilias, Kypria, Oechalias Einnahme, Werke von nicht geringem Umfange, standen unter ähnlichen Bedingungen wie Odyssee, die Oemen des Demodokos und Phemios und die Ilias. Aber, so klar diese Abhängigkeit ist, so lässt sich doch keineswegs darüber absprechen, ob nicht manchmal der Entwurf des Dichters, die Ausführlichkeit seiner Behandlung der vollständigen oder zusammenhängenden Darstellbarkeit vorgriff. Sagen und Lieder wuchsen von innen heraus. Glaublich genug ist es, dass z. B. schon Demodokos die Theile, Streit am Mahl (nach Hektors Tod), des Achilleus letzte Kämpfe und Tod, das Ross, die Nachtschlacht und Zerstörung ausführlich genug erzählte, um eine ganze Folge von Mahlzeiten zum Vortrage des Ganzen zu bedürfen; und dass der Dichter der Odyssee sie nur poetisch in die Zeiten eines Tages zusammendrängte, um das Ganze, in welchem Odysseus als Anfänger und Vollender der Eroberung offenbar die Hauptperson war, dem jetzt hülflos Ä gegenüber zu halten. Die Erweiterung eines Ganzen hing von den Kräften ab, die wir wie in der Entfaltung anderer Künste, so in dem Wesen der Poesie als wirkend wahrnehmen und erforschen. Die Charakterschilderung, die Kunst der Steigerung, der Abwechselung, Zusammenfügung, jede Ausdehnung eines festen Gedankens über einen weiten Stoff erfordern Ausführung. Stellen wir den höchsten Dichter auf eine gewisse Stufe der Entwickelung des Aeolisch-Jonischen Epos; soll er den Masstab seiner Idee und seines Planes einzig hernehmen von den Stunden einer Mahlzeit oder eines Festes? konnte er nicht vielmehr zufrieden seyn, sich und wenigen besonders empfänglichen zu genügen? nicht der Zukunft, seinem Volke es überlassen, für die äussere Feier zu sorgen, wodurch das Werk seines Geistes zur vollständigen Darstellung und zur Gesammtwirkung gebracht würde? Auch die grössten dramatischen Dichter sind zum Theil mit Composition und Poesie den Anstalten für angemessene Aufführung weit vorangeschritten. – In ihrem höchsten Aufschwung erhebt

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