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Re. hat das hier genannte Werk zuerst langsam durchgelesen, und dabei vielfachen Anstoss im Einzelnen gefunden; dann schnell, und ist dabei in hohem Grade von ihm angezogen worden. Der letztere Eindruck möge der richtigere gewesen seyn. Dass derselbe aber nicht der anfängliche war, hat seinen Grund nicht blos in der, bei dem zweiten Durchlesen besser gelungenen, Auffassung des das Buch durchdringenden Geistes- und in dem leichtern Verständniss der lebhaften Rede, die der Vf. in ihm an den Leser hält, sondern auch darin, dass derselhe seine Worte nicht überall mit der Genauigkeit abwägt, welche man nach den ersten Titelworten: „System der Erziehung," zu erwarten pflegt, und dass er überhaupt nicht so in das Einzelne der, vielleicht geflissentlich auf dem Titel nicht mit Namen genannten, Pädagogik eingeht, wie man es von Schriften unter ähnlichen Titel gewohnt ist. Dazu kamen die ersten Sätze des Vorwortes. „In dem Werke, das ich hier dem Publicum vorlege, habe ich versucht, Pädagogik und Philosophie nicht bius zu verbinden, sondern als eins und dasselbe darzustellen. Es ist aus der durchdachten Ansicht hervorgegangen, dass Pädagogik ganz philosophisch, und die Philosophie erziehend seyn müsse. " Es leuchtet ein, dass das Letztere seyn und geschehen kann, ohne dass dadurch Philosophie und Pädagogik Eins und Dasselle werden. Auch zeigt sich beim Lesen des Buches sehr bald, dass der Verf. in ihm nichts weniger als ein „System der Philosophie = Pädagogik" gegeben hat; wenn man auch gern einräumen mag, dass eine sich selbst verstehende Philosophie nicht anders erziehen wird, als der Vf. es will, und dass also in dem Buche wirklich die „philosophische Grundlage zur Erziehung und Bildung des Menschen" enthalten ist. Hiermit stimmt auch überein, was wir weiter über Philosophie zu Ende der Vorrede lesen. . Ergänz. Bl. zur A. L. Z. 1838.

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ger Zeit hat sich besonders in Deutschland die Philosophie nur mit der Untersuchung und Darstellung der Wahrheit und des Wahren überhaupt beschäftigt, ohne nähere Berücksichtigung des Menschen und wie er zur Wahrheit und wahren Befriedigung hingelangen könne. Ganz besonders ist hier die Hegel'sche Schule zu nennen. Dagegen stelle ich nun hier, wenigstens in seinen Grundzügen, mein philosophisches Bestreben, eine erziehende oder, besser gesagt, eine geschichtliche Philosophie auf." – „AIles, was der Mensch Wahres, Gutes und Schönes hat, das hat er durch eine göttliche Geschichte und als etwas Geschichtliches." – Der Sinn dieses an sich nicht klaren Ausdruckes ist, dass alle philosophische Entwickelung des menschlichen Geistes nach ewigen Gesetzen allmählig fortbildend, praktisch erziehend, ein Werden des Idealen in der Zeit und getragen von deren Ereignissen sey. In diesem Sinne hat der Verf. den Geist der älteren und neuern Philosophie aufzufassen gestrebt, und er berichtigethernach gelegentlich einzelne Lehren besonders der letztern. Vermittelst dieser Ansicht glaubt er, „in dem endlosen Gewirre und Gewoge der Meinungen, und der unnennbaren Bodenlosigkeit und Vagheit des Unterrichts- und Aufklärerwesens einen vernünftigen Halt und einen leitenden Grundsatz aufstellen zu können." Um diese letztere Beschuldigung nicht zu stark zu finden, denke man nicht sowohl an unsere Systeme der Erziehungskunst, welche auch der Vf. hierbei nicht, oder doch nicht vornehmlich, in Auge gehabt zu haben scheint; sondern man denke vielmehr an die nicht abzuleugnende Einseitigkeit, mit welcher die Mehrzahl unsrer Lehrer und Erzieher, oft gegen ihr besseres Wissen und Wollen, durch ihr Verfahren beim Unterrichte, in höhern und niedern Schulen und ausserhalb derselben, darauf hinwirkek, die Intelligenz im Menschen zu heben und zu erweitern, ohne in gleicbem Verhältnisse auf Befestigung des Gemüthes Herz, Gefühl, und auf Richtung und Kräftigung des Willens [Charakterbildung bedacht zu seyn. Man erwäge, welchen Antheil hieran die Philosophie hat, wenn sie, einen Monismus des Gedankens einseitig huldigend, mithin die unüberwindliche Duplicität des Geistes und die Bedingtheit seines Wollens durch die Fassung seines Gemüthes Yeokennend, den durch Unterricht oder Selbsterkenntniss zu bildenden Menschen immer nur, oder doch Vor

zugsweise, von der Einen und ethisch bedenklichsten Seite seines Wesens zu erfassen strebt. Man erinnere sich der, die gerügte einseitige Richtung der Zeit beurkundenden, Unzahl der Lehrbücher, für den Elementarunterricht nicht allein, sondern auch für mehrere Zweige des höhern Unterrichts, besonders solche, welche dem formellen Spekuliren Raum gehen und den Schein der Originalität über ihre BeÄrbeiter verbreiten können, z. B. methodische Anweisungen, Sprachlehrbücher, Katechismen u. 8. w. – wogegen an einem ganz angemessenen Lehrbuche der christlichen Religion und Moral, für die höhern Schulen fast mehr als für die niedern, noch immer ein fühlbarer Mangel ist. Man denke endlich an den noch nicht ganz niedergekämpften Missbrauch, welcher in manchen Elementarschulen von der edeln Katechisirkunst gemacht wird; man lerne die Bildungsstufe und Bildnngsart kennen, mit welcher hin und wider noch die angehenden Schullehrer aus den Seminarien entlassen werden; man beobachte die noch zunehmende Neigung solcher junger Lehrer, selbst als Schriftsteller aufzutreten dürch geographische Lehrbücher, Anweisungen zum Rechnen, Briefsteller u. dgl. Durch alles dieses wird man zu der Ueberzeugüng geführt werden, dass die harten Worte des Verfassers, die angeführten und die nicht angeführten, nicht ohne Grund sind, und dass wir diejenige Erziehungskunst noch nicht besitzen, welche den zögling so bildet, wie die Philosophie lehren müsste, dass er werden solle; noch auch eine Philosophie, welche dem Pädagogen das Ziel seiner Thätigkeit wahr und bestimmt genug vorzeichnete. Die Grundgesetze, von deren Befolgung der Vf. eine wahrhaft gedeihliche Erziehung in dem angegebenen Sinne erwartet, sind folgende: 1) Die Erziehun f# alle Bewegungen der Seele, und lasse sie so 'ei als möglich; – 2) Die Erziehung führe alle jene Bewegungen zur Bescheidenheit und Zucht; – 3) Der Mensch werde nur erzogen in Liebe und Glauben. Diesem zufolge zerfällt das Buch in drei Theile, welche überschrieben sind: das Gesetz der Freiheit; das Gesetz der Zucht; die Erfüllung des Gesetzes der Freiheit und der Zucht in der Liebe und dem Glauben. Nach diesen Ueberschriften war Rec. nicht geneigt zu erwarten, dass der Vf, leisten werde, was er versprochen. Indessen erfand bald, dass der Vf. weder ein eignes System der Pädagogik oder der Philosophie hatte aufstellen, noch die vorhandenen, ihm entgegengesetzten Systeme kritisiren oder berichtgen wollen; sondern dass seine Absicht nur dahin ging, durch lebendige Darstellung der Lebensverältnisse und Lebensaufgaben, wie sie wirklich sind, den Geist auszusprechen und anzuregen, mit welchem der Erzieher vertraut seyn muss, wenn seine Arbeit gelingen soll. Von diesem Geiste wird denn auch jer teilnehmende und unbefangene Leser sich durchdrungen fühlen. Es wird in den meisten Fällen kein hm fremder Geist seyn, er wird denselben nicht so

ort im Gegensatze mit den bisher gewonnenen An

sichten von der Wahrheit und dem Wege zur Wahrheit erblicken. Bei weiterem Nachdenken aber wird er doch bemerken, dass derselbe in manchen Erziehungsschriften der neuern Zeit, insbesondere in den aus der neuern spekulativen Philosophie hervorgegangenen, nicht rein und lauter enthalten, noch weniger aber der Geist sey, in welchem jene Lehr- und Erziehungs-Künstler handeln, deren Verfahren oben beiläufig gerügt worden ist. Pestalozzi, Schwarz, Herbart u. A. werden dem Verf. als Pädagogen die Hand am freundlichsten bieten, sowie unter den Philosophen diejenigen, welche mit Kant und Jacobi näher als mit Hegel oder Schelling verwandt sind. In der ersten Abtheilung des Buches setzt der Vf. zuerst die nachtheiligen Folgen auseinander, welche jede, die natürliche und freie Entwickelung des Zöglings am Körper und Geiste hemmende Behandlung hat, sey es durch Vernachlässigung oder durch übertriebene Sorgfalt. Er zeigt, wie alle Kräfte des Menschen durch diese Hemmungen leiden, und wie das Kind dadurch zu derjenigen Trägheit seines Wesens gebracht wird, welche darin hesteht, dass es nicht beharrlich thätig werden kann oder mag aus eignem Triebe nach richtig gefühltem Berufe seiner Natur. Es wird dabei nicht verkannt, dass auch durch die Natur vielfach dergleichen Hemmungen eintreten; aber weit bedeutender und folgereicher bleiben jene durch die Aftererziehung. Das Resultat ist: , Befriedige alle natürlichen Bedürfnisse des Kindes; entferne alles, was das junge Leben hemmen kann; besonders aber hemme selbst nicht, und schnüre nicht ein nach Meinung und Convenienz!". Dies ist die Erziehung zur Freiheit. – Aber Freiheit ohne Gesetz und Gehorsam ist nicht das echt Menschliche. Davon in der zweiten Abtheilung. Der Mensch kann wahrhaft gross und lebenvoll werden nur durch Gesetz und Maass, Bescheidenheit und Gehorsam. Die Schönheit und Vortrefflichkeit dieser höheren Naturordnung wird entwickelt, und dann gezeigt, wie das Wesen der christlichen Erziehung eben in dieser Zurechtweisung des selbstischen Bewusstseyns des Menschen beruhe und von frühe angeübt werden müsse. Die Schlussfolge ist: „Die Pädagogik strebe vor Allem, im Innern des jungen Menschen Bescheidenheit, Selbstverleugnung und Selbstbeherrschung mehr und mehr zuezeugen, und somit dann auf eine gründliche Weise in alle seine Bewegungen Maass und Zucht zu bringen." Belehrung und Üj nicht die HauptSache. -. Wie nun beide Gegensätze, Freiheit und Zucht, einzeln für sich oder auch beide in blosusserer Verbindung, nur Verziehung bewirken, und nur in einer höhern Vermittelung wahrhaft erziehend worden; dies entwickelt die dritte Abtheilung. Diese höhere Vermittelung aber ist die Liebe und der Giae. Nicht ohne Grund und Bedeutung nennt der Vf. überall die Liebe zuerst. Nur so lange die Menschen lieben und glauben, können sie erzogen und gebildet werden. Äuch der starrste Egoismus löset in Liebe und Glauben sich auf, und die Bildung schreitet von nun an auf ihrem natürlichen Wege fort. Die Art und Weise, wie Liebe und Glaube in dem Menschen erweckt werden können, wird ausführlich besprochen. Sie selbst aber sind das, was eigentlich die Idee genannt werden sollte, selten aber in diesem Sinne genommen wird. Der Verf, nähert sich hier der Hegelschen Philosophie mehr der Form nach (wie Rec. meint), als in der Sache. Das Höchste, sagt er, hat der Mensch nicht in der Idee, auch nicht in der Wirklichkeit, sondern nur in der lebendigen Vereinigung beider. Liebe und Glaube aber ist diese Iebendige Vereinigung, und die Erscheinung derselben in der Zeit, in Christo. So kömmt der Verf. auf die christliche Erziehung zurück, und zeigt, wie sie allein das Gesetz der Freiheit und der Zucht in Liebe und Glauben erfüllt und vollendet. Doch wir müssen dies unsern Lesern selbst überlassen.

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Der Inhalt des Buches ist nicht neu; das sollte und konnte er auch nicht; aber die Darstellung ist eigenthiimlich und geistreich, und man wird dem Vf. grösstentheils Ä wenn man nicht zu sehr Än Einzelnheiten hangen will. Sollte der Vf, unsre über seine Stellung als Philosoph oben gemachte Bemerkung nicht richtig finden, so überlassen wir der Zeit, ihn selbst darüber, wenn er in der hier genommenen Richtung beharret, allmählich klar zu machen. Druck und Papier sind empfehlend; die Reihe der eingeschlichenen Druckfehler hätte können vermieden werden.

A RITHM ETIK.

HALLE, b. Schwetschke u. Sohn: J. D. Dessmann's Rechenbuch zur Erleichterung des Unterrichts für Lehrer, umgearbeitet von Dr. G. Hahn, Lehrer am Gymnasium zu Salzwedel. Zweite Auflage. 1837. VI u. 304 S. 8. (20 gGr.)

Die erste Auflage dieses Rechenbuches ist seiner raktischen Brauchbarkeit wegen schon vielfach in Ä gebraucht worden, was eine 2te Auflage nothwendig machte, obgleich dem Buche wesentliche Verbesserungen nothwendig waren. Diese versuchte Hr. Hahn bei der vorliegenden Bearbeitung, wozu ihn die Verlagshandlung aufgefordert hat, und brachte so viele Veränderungen zu Stande, dass man das Ganze zweckmässig für ein neues Werk anzusehen und als solches zu beurtheilen hat. Rec. verglich die erste Aufl. mit dieser Umarbeitung und fand jene Bemerkung in der Art bestätigt, dass für alle Darstellungen nichts unverändert geblieben ist, als der Zweck und die äussere Einrichtung; in Folge jenes soll das Buch den praktischen Unterricht im Rechnen vorzüglich bei einer grossen Anzahl von Schülern erleichtern und nutzbarer machen. Das Buch enthält fast nur die Theorie und die praktischen Regeln für das Manipuliren im Rechnen nebst den nothwendigsten und erläuternden Aufgaben: die Uebungen sind in derselben Ordnung, wie

in der ersten Ausgabe blos mit veränderten Ausdrücken, in drei besonderen Heften, als ein besonderes Buch abgedruckt, wodurch der Ankauf auch für ärmere Knaben sehr erleichtert ist. Die Veränderungen selbst giebt Hr. Hahn in dem Vorworte kurz an; sie beziehen sich hiernach zuvörderst auf die ganze Anordnung, indem die frühere Eintheilung der Regel de tri in solche ohne und mit Brüchen aufgegeben und in eine Ueberschrift zusammengezogen ist, wodurch das Ganze von selbst in drei Theile, nämlich in die vier Rechnungsarten mit ganzen Zahlen, in die Bruch - und Verhältnissrechnung, welche den drei Heften der Uebungsaufgaben für drei besondere Rechenklassen genau entsprechen. Eine Hauptverbesserung besteht jedoch darin, dass das Ganze einen mehr wissenschaftlichen Anstrich erhielt und dabei zugleich die Theorie mit der Praxis in nähere Verbindung gebracht wurde. Der ganzen Umarbeitung liegt eine mehr herrschende Idee zum Grunde, woran sich die einzelnen Erörterungen anschliessen, und wodurch jener der Wissenschaft entsprechendere Charakter erzielt wurde. Diesen Vorzug selbst namhaft zu machen, scheint der Bearbeiter zu bescheiden gewesen zu seyn. Rec. kann jedoch für die Anordnnng des Ganzen einen Wunsch nicht unterdrücken, wornach es jenem hätte gefallen sollen, die Ziffernrechnung nach den Gesichtspunkten der Stellenwerthe der Ziffern, der Veränderungen mittelst der dreifach modificirten Vermehrung, der Addition, Multiplication und Potenzirung und der eben so vielfachen Verminderung, der Subtraktion, Division und Wurzelausziehung; dann nach den Gesetzen der Vergleichung (einfache Gleichungen) und endlich nach denen des Verhaltens der Zahlen zu behandeln, um möglichst gründlich verfahren und die niedere Arithmetik nach ihrem eigenthümlichen Charakter behandeln zu können. Man wende nicht ein, dass die Multiplication einer Ziffernzahl mit sich und das Aufsuchen derselben aus einem Produkte von gleichen Faktoren nicht in die Ziffernrechnung gehöre; Rec. hält sie für unentbehrlich, wenn einem mechanischen Rechnen begegnet und jedes arithmetische Gesetz zureichend begründet werden, also der Anfänger zum selbstständigen Auffassen angeleitet werden soll. Einige andere Bemerkungen über die Behandlung der Ziffernrechnung, muss Rec. unterlassen, um nicht zu weitläuftig zu werden, und theils Fragen zu erörtern, welche mit dem Buche nicht in nächster Beziehung stehen. Mehr nützlich als neu zu seyn, war vorzugsweises Streben des Bearbeiters, weswegen er das Gute überall, wo er es fand, getreu benutzt haben will, in wiefern er diese Absicht sorgfältig verfolgt und seinen Zweck gut erreicht hat, soll hier kurz nachgewiesen werden. Das Buch zerfällt in drei AbtheiIungen, denen das Nöthige vom Numeriren vorausgeht, wobei jedoch der eigentliche Charakter - und Stellenwerth nicht gehörig hervorgehoben ist. Auch

hält es Rec. für nothwendig, in einer Einleitung die

allgemeinsten Vorbegriffe über das Verändern der

Zahlen möglichst umfassend zu erörtern, gewisse einfache Wahrheiten daraus abzuleiten und mittelst jener Veranschaulichungen dem Knaben eine allgemeine Uebersicht von dem zu verschaffen, was er zu erlernen hat und mittelst dieser leicht verständlichen Sätze ihm bestimmte Anhaltspunkte zu geben, welche für das Auffassen der Rechnungsarten entschieden wichtig sind. Das Numeriren selbst ist recht ut behandelt. Das Additionszeichen für deutsche chüler liest man wohl nicht gut mit plus, wohl aber mit mehr oder zu, damit jene auch wissen, was sie sagen und thun sollen. Eine kurze Versinnlichung der Art und Weise, wie die Addition vorgenommen wird, dürfte am rechten Orte seyn, wofür von den 58 Uebungsbeispielen fast die Hälfte wegbleiben konnte. Recht gut ist der Charakter der Subtraktion erklärt, nur möchte Rec. „ weniger" oder „ von " für minus gesagt haben; bei der Multiplication würde man zur Raumersparung als Operationszeichen den Punkt statt X besser gebraucht haben. Den Begriff „ Dividiren" erklärt der Vf, in so fern zu eng, als sich auch mit einer grösseren in eine kleinere Zahl dividiren lässt und hieraus der Bruch entsteht. Der Ausdruck 6: 18 heisst stets, mit 18 in 6 zu theilen, daher ist diese Schreibart, wenn mit 6 in 18 zu theilen ist, nicht richtig; man muss alsdann 18: 6 schreiben. Des Vfs. Erklärung mit „in” und „durch " hebt die Zweideutigkeit nicht auf, weil der Anfänger bei jenem Ausdruck doch nicht weiss, wie er zu nehmen ist. Diese Bemerkung bezieht Rec. für alle vom Vf. angegebenen Uebungsbeispiele. Das Verzeichniss der hauptsächlichsten in Deutschland üblichen Geldsorten, Gewichte, Maasse und Zahlenbenennungen ist recht praktisch, sollte jedoch für die einzelnen Länder, welche in dem Zollverbande sind, ausführlicher seyn. Die Rechnung mit ungleich benannten Zahlen hinsichtlich, der Reduktionen durch Verwandlung höherer Einheiten in niedere, und dieser in jene und der vier Species nebst einem Anhange zur Addition und Subtraktion mit besonderer Hervorhebung der Zeitrechnung wird in Beispielen versinnlicht; der Vf, erläutert, die Gesetze überall durch sie, begründet sie jedoch nicht; praktische Gesichtspunkte leiten ihn überall; aus den Beispielen muss der Lernende die Art und Weise sich selbst ableiten, wie er bei den einzelnen Rechnungsoperationen zu verfahren hat. Für denjenigen, dessen Geist schon etwas gestärkt ist, und der über diese Rechnungsorten schon einige Anleitung erhalten hat, dürfte dieses Verfahren von grossem Nutzen seyn; aber für

den ersten Anfang im Rechnen muss der Lehrer dem

Knaben zu viel erklären, was dieser zu behalten hat,

aber meistens nicht behalten wird, wodurch ihm das Rechenbuch nicht die gewünschten Dienste zu leisten vermag. - - Die 2te Abtheilung enthält die Rechnung mit Brüchen, und heginnt mit dem Begriffe, mit der Entstehung und Eintheilung der letzteren; Briiche, deren Zähler eben so gross, als die Nenner, oder deren Zähler ein Vielfaches vom Nenner sind, sind keine unechten, wohl aber blosse Formbriiche. Die Verwandlung unechter Brüche in gemischte Zahlen und umgekehrt, d. h. das Einrichten der Briiche; das Erweitern und Abbreviren der Brüche, wofür man gewiss viel zweckmässiger „Reduciren" sagt, wenn man denn ein fremdes Wort einführen will; das Darstellen der Brüche von höheren Einheiten in niedrigere z. B. die Verwandlung der in Thalern ausgedrückten Bruchtheile in Groschen u. s. w.; das Gleichnamiginachen der Briiche, sodaun die vier Rechnungsarten in ihnen sind sehr gut und praktisch behandelt und die vielen Uebungsbeispiele für jede Operation lassen wenig zu wünschen übrig. Man findet besonders für die Multiplication sehr viele und sehr brauchbare Rechnungsvortheile mitgetheilt, welche besonders zu empfehlen sind. Die Multiplication der Brüche mit Brüchen ist sehr gut versinnlicht, aber es sind die Gründe nicht erörtert, warum z. B. das Produkt aus zwei echten Brüchen kleiner ist als jeder Bruchsaktor, warum der umgekehrte Fall stattfindet; warum das Produkt aus einem echten in einen unechten Bruch grösser ist als jener, aber kleiner als dieser u. s. w. Die Division in Brüchen billgt Ref. nicht ganz; der Vf. sollte das Hauptgesetz für die Umkehrung des Divisors auf anderem Wege beleuchten und die dann erforderliche Multiplication durch Gleichnamigmachung der Brüche begründen. Ein Beispiel mag das Verfahren und die Ansicht des Ref. kurz versinnlichen: es ist : =##: ## = * * * * = 12: 10 = Z; aber auch F: # = X | = ## mithin ist die Umkehrung des Divisorbruches gerechtfertigt, woraus alsdann der Anfänger leicht erkennt, dass z. B. 4: = 4 × § = * * ist; hier versteht der Vf. das Divisionszeichen ganz falsch; denn er sagt 4: = = oder 5: § = = = u. s. w., was jenes nicht bedeutet, indem, wie oben berührt wurde, der Ausdruck 5: # sagt, es sey init # in 5 zu dividiren. Aehnlich verhält es sich mit allen Darstellungen von Divisionen, was Ref, ungern bemerken muss; die Deutung, welche der Vf. dem Zeichen geben will, liegt nicht im Charakter desselben. In materieller Beziehung genüget derselbe jeder billigen Anforderung: die Lehre von Decinalhiichen sollte jedoch nicht übergangen seyn, da sie im bürgerlichen Leben so häufig Yorkommen und einen eben so grossen, ja noch grössern materiellen Nutzen gewähren, als die gemeinen Hriiche.

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- E R GÄNZU N GS B L ÄT T ER

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A L L GE ME IN EN LI T E RA TUR-ZEITUNG

Februar 18 38.

GEOGRA PH I E.

STUTTGART, b. Hoffmann: Almanach für das Jahr 1838. Den Freunden der Erdkunde gewidmet von Heinrich Berghaus. VIII, 172 und 336 S. 12. Mit4Stahlstichen und 6 Lithographieen.(2Rthlr.)

Der zweite Jahrgang des vorliegenden Almanachs besteht aus zwei Abtheilungen, von denen wir zuerst die zweite und grössere betrachten wollen. Den Anfang macht ein Aufsatz über die vulkanischen Erscheinungen, insbesondereder vulkanischen Ausbrüche S. 1 – 185. In dieser Arbeit werden zuerst die Er– scheinungen, betrachtet, welche der Vulkan schlummernden Zustande darbietet, die Gase und Dämpfe angegeben, welche dabei aus dem Krater hervorkommen; sodann folgen die Vorboten der Ausbriiche, letztere selbst und den Schluss machen Betrachtungen über die Produkte, welche aus dem Krater hervorkommen, sowohl nach ihrer Zusammensetzung als ihrer Bildungsart. Indem wir glauben, dass ein Jeder, welcher an dem behandelten Gegenstande Geschmack findet, diesem Aufsatze mit steigendem Interesse folgen wird, können wir es nicht unterlassen einige Bemerkungen über diese Arbeit hinzuzufügen. Der Vf. ist nicht genannt, es heisst im Inhaltsverzeichnisse nur, sie sey eine Fortsetzung der im vorigen Jahre gegebenen Untersuchung über die Erdbeben, aber auch hier war nur gesagt: „sie sei die Arbeit eines Freundes, der bereits in die himmlischen Gefilde hinüber gewandert ist. Er schrieb sie im Jahre 1828 und theilte sie mir ein Jahr später zur Bekanntmachung mit.“ Dieser Freund jedoch ist Niemand anders, als Friedrich Hoffmann, und wenn gleich jeder Naturforscher die Arbeit eines so ausgezeichneten Beobachters über die Vulkane mit Dank aufnehmen wird, so ist es nach der Meinung des Recensenten sehr zu bedauern, dass dieselbe abgefasst wurde, ehe der Verfasser derselben einen Vulkan gesehen hatte. Oder ist etwa diese Arbeit später als vom Jahre 1828? Hoffmann hatte diese Arbeit über Vulkane zuerst für seine Vorlesungen in Halle verfasst und Rec. kannte diese Arbeit ziemlich genau, jedoch der Vf, stets mit seinen Arbeiten unzufrieden, änderte mehrmals grosse Abschnitte. Im Jahre 1835, wo Rec. den Vf, sprach, erzählte dieser, er habe das Ganze völlig umgearheitet, was wohl kaum anders zu erwarten war, wo er einen mehrjährigen Aufenthalt in Italien zum StuErgärz. B. zur A. L. Z. 1838.

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dium der vulkanischen Erscheinungen benutzt hatte. Von dieser Arbeit besitzt Rec. eine ziemlich voständige Copie, welche er durch den Vf. selbsterhielt und er war nicht wenig verwundert, dass diese ganze Seiten hindurch mit dem vorliegenden anonymen Aufsatze übereinstimmt. Es fehlen nur gerade diejenigen Bemerkungen, welche sich auf Hoffmann's eigene Beobachtungen beziehen. Aber auch angenommen der Aufsatz wäre von 1828, so hätte der Herausgeber wenigstens einige dieser Erfahrungen aus des Verfassers Schrift über die Liparischen Inseln hinzufügen können, und eben so hätten ausser mehreren andern Untersuchungen die von Boussingault und John Davy über die gasförmigen Produkte der Vulkane wohl eine Erwähnung verdient, zumal da ersterer namentlich über das Hydrogen spricht, welches nach einigeGeogosten in solcher Menge hervorkommen soll, dass es den Hauptbestandtheil der Feuersäule bildet. Einige solche Erfahrungen namentlich von Hoffmann in Anmerkungen hinzuzufügen, und wären es auch nur blosse Citate gewesen, wäre gewiss eben so erlaubt und den Lesern jedenfalls wisikommener gewesen, als dass der Herausgeber auf S. 182 auf seine Länder- und Völkerkunde verweist. Da überhaupt Rec. wenigstens von Berlin aus bereits vor mehr als einem Jahre wusste, dass die Vorlesungen von Hoffmann über physikalische Geographie und vulkanische Erscheinungen herausgegeben werden sollten, dieses auch vielleicht dem Herausgeber nicht ganz unbekannt war, so wäre es wohl am besten geWesen, diesen Aufsatz ganz zurück zu halten, da doch wohl die meisten Leser die letzte Arbeit des Verf's., von Kennern durchgesehen der vorliegenden vorziehen werden und wenige Käufer Lusthaben werden, dasselbe Werk zweimal zu bezahlen, zumal, da wir fest überzeugt sind, Hoffmann würde im Jahre 1837 nicht seine Einwilligung zum Abdruck eines Aufsatzes über Vulkane gegeben haben, den er 1828 niedergeschrieben hatte, Ueberhaupt scheint es dem Rec., dass der Herausgeber mehr zum Nutzen seines Verlegers und des Publicums gearbeitet hatte, wenn er diesen langen Aufsatz fortgelassen und dafür entweder eine Arbeit gegeben hätte, die nicht binnen Kurzen zum zweiten MÄlein Deutschland zu kaufen ist oder wenn er dafür eine ausländische Arbeit bekannt gemacht hätte. Dieses gilt eben so von dem zweiten Aufsatze. Ostsibirsche Reisebilder. Fahrt im Lena-Thale nach Jakuzk M

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