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sigte, während in die Werkstätten aller anderen techjchen Gewerbe dieselben eingedrungen sind und sie beherrschen. Nur in den Boden, die grösste aller Werkstätten des ökonomischen und technischen Lébens, haben sie, hat namentlich die Chemie, den Weg noch nicht in dem Grade gefunden, in welchem sie ihn finden muss, wenn die Landwirthschaft wesentlich verbessert werden soll. Diese Wichtigkeit legt den Lehrern der Chemie die besondere Pflicht Äüf, diesen Gesichtspunkt um so mehr zu berücksichtigen, als man in der neuesten Zeit bedacht ist, dem rationellen Theile der Landwirthschaft eine wissenschaftliche und eben darum sichere und einflussreiche Grundlage zu verschaffen und in den Gewerbschulen, womit man öfters einen Unterricht in den landwirthschaftlichen Beziehungen verbindet, für die mehr wissenschaftliche Ausbildung der für das Betreiben der Landwirthschaft in grösserer Ausdehnung sich bestimmenden Individuen sorgt. - (Der Beschluss folgt.) STAATSWISSENSCHAFTEN. LEIPzIG, b. Kummer: Ueber die Demokratie in Nordamerika, von Alexis de Tocqueville – – Aus dem Französischen übersetzt von F. A. der u. s. W. - ; - (Beschluss von Nr. 48.)

Habsucht ist der Ehrgeiz der Demokratieen; denn die Menschen können eines solchen Stachels nicht entbehren. Ist die Gewalt recht tief herabgewiirdigt, so beschränkt man sich darauf, nach Reichthüm und den Gütern, die er gewährt, zu streben. Werden auch in den Vereinigten Staaten alle öffentIichen Aemter besoldet und sind auch viele derselben mit Ehrenbezeugungen und Titeln umgeben, welche mit einer strengen Gleichheit unvereinbarIich scheinen, so kommt doch die Gewalt allzu theuer zu stehen, um in Anschlag gebracht zu werden. Man zieht das Gold vor. Die demagogischen Gleichmacher gewahren nicht, dass ihre Bestrebunen Ehrenbezeugungen herabzuwürdigen, sie zuletzt

j führen, sich an der Ehre selbst zu vergreifen. Der menschliche Geist erstaunt, nachdem er alle die besondern Umstände, die glücklichen Zufälligkeiten in Betracht genommen, die der amerikanischen Republik gestatteten, ein halbes Jahrhundert hindurch an Umfang und Macht zu wachsen, ohne dass ihr Grundprincip irgend einen merklichen Wechsel erfuhr. Gleichwohl gewahrt man, dass auch dort das demokratische System, neben den kostbaren Gütern, die dessen freier Genius erzeugt, bereits seine Friichte trägt. Man hört von ferne, unter dieser glänzenden sind befruchtenden Sonne drohende Donner in den Lüften rollen. Welches wird, so fragt man sich, die Zukunft dieser Gesellschaft seyn, in welcher, trotz der Sitten, durch die Wirkung der Gesetze selbst, das Uebergewicht der Massen sich stets fühlbarer macht und ihre Herrschaft immer weiter um sich greift, wo der Kampf der Racen, – der Weissen und der Farbigen, jeden Tag noch die Gefahren der Kämpfe unter den

gesellschaftlichen Klassen vergrössern rät, wo endlich aus der Schwächün Ägjiaj der Erweiterung des Reichsgebiets und aus dem Zusanimenstössen mit benachbarten Nationen eine Colo lisiou der Einzelstaaten sich ergeben wird der Zeitpunkt sich freilich nicht bestimmen lässt? Diese Zukunft nun, wo, nach der Meinung des Vfs., die Erhaltungs-Elemente den Obsieg über die Zerstörungs- Principien davontragen werden, haben in ihm sehr schöne Gedanken ünd treffende Ansichten erweckt. Zum Schlusse unseres Berichts entlehnen wir davon dem Werke diejenigen, die auf den letzten Seiten desselben angedeutet sind: * , „Es giebt jetzt auf der Erde, heisst es dort, zwei grosse Völker, die von verschiedenen Punkten ausgehen, und zum nämlichen Ziele vorrücken: die Russen und die englischen Amerikaner. - Bei de wurden in der Finsterniss gross, und indess die Blicke der Menschen auf andere Gegenstände gewandt waren, haben sie sich plötzlich in den ersten Rang der Nationen gestellt, so dass das Palfiküm fast zu gleicher Zeit ihre Entstehung und ihre Grösse erfuhr. – Alle andern Völker scheinen ungefähr die ihnen von der Natur bestimmten Grenzen erreicht zu haben, mit der Verpflichtung, sich dort zu er-hälten; aber diese beide befinden sich noch in ihrem Wachsthum; auch steigert sich unter allen Völkern Europas die Volksmenge allmälig in Rulland äm Ä - Alle übrigen befinden sich in einer Art Hemmung und rücken nur mit tausend Anstrengungen vorwärts. Jene allein marschieren leichten Schrittes in einer Laufbahn, deren Grenze das Auge noch nicht erblickt. Der Amerikaner kämpft nur mit Hindernissen der Natur. Der Russe dagegen mehr mit dem Menschen. Der Erstere bekämpft die Wüsten und die Barbarei. Der Anders wird beschuldigt, die Civilisation in ihrer vollen Rüstung zu bekämpfen. Der Amerikaner erwirkt seine Eroberungen meistens mit dem Pfluge, und der Russe, ausser seinen jetzigen Grenzen, mit dem Schwerte, seiner Krieger. Ä seinen Zweck zu erreichen, stützt sich der Amerikaner auf das persönliche Interesse und lässt, ohne sie zu leiten, die Kraft und die Vernunft der Individuen handeln. Der Russe dagegen vereinigt gewissermassen in seinem durch seinen Charakter verehrten Autocraten die ganze Macht des Staats. Durch die Freiheit wirkt vorzüglich der Amerikaner und der Russe durch die Knechtschaft. – Beide gehen aus von verschiedenen Punkten, und ihre Bahnen sind verschieden; nichts desto weniger scheinen. Beide, nach einer uns noch geheimen Absicht der Vorsehung, jeder in seiner Obhut eine hätlbe Erde zu halten." Wir können eben nicht sagen, dass die vor uns liegende Uebersetzung uns überall Befriedigung gewährt hätte. Es kam uns dieselbe oftmals sehr gezwungeh vor; bei Vergleichung mit dem Original aber fanden wir, dass Ä Ursache davon vielmehr in der eigenthümlichen Schreibart des Hn. R. aj, als in dessen Bestrebungen, den Sinn des Origina

öglichst treu wiederzugeben.

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Der Boden nun hat der Vf. zu wenig im Auge und die Gewinnung der verschiedenen Stoffe aus den Produkten des Ackerbaues berücksichtigt er nicht mit derjenigen Umfassendheit, wie es geschehen sollte. Die Verwendung der verschiedenen Stofe, die Wirkungen der Körper, z. B. des Kali, Natron, Ammoniaks u. s. w., die grosse Wichtigkeit des Humus, seiner Bestandtheile und der aus ihm sich entwickelnden Hümussäure, die Einwirkungen des Sauerstoffes, der Kohlensäure und nancher anderer Stoffe und Säuren, sollten unter besonderem Bezuge auf den landwirthschaftlichen Betrieb kurz berührt seyn. Auch dem Waldboden sollte hinsichtlich seiner Bestandtheile und der verschiedenen

oflanzennährenden Kraft derselben die erforderliche Aufmerksamkeit gewidmet seyn. Diesen Wunsch

spricht Ref. besonders in Ansehung des 2ten Thei

les der Schrift aus, in welchem die verschiedenen

organischen Stoffe manchmal recht gut hehandelt

sind und im Vergleich mit anderen Lehrbiichern die Arbeit des Vfs. wesentliche Vorzüge hat.

- Wohl machen Kohlenstoff, Sauerstoff und Stickstoff den Hauptbestand der organischen Körper aus; dass sich aber ausser diesen in ihnen noch viele andere Stoffe befinden, wie z. B. die Bestandtheile der Pflanzen, der aus ihnen gewonnenen Asche, welche unter andern, wie der Vf. richtig bemerkt, Kali, Natron, Kalkerde, Bittererde, Eisenoxyd, Manganoxyd theils frei, theils gebunden an (sollte wohl

besser verbunden mit) Phosphorsäure, Schwefel

säure, Kieselsäure, Kohlensäure, Chlor, Fluor(?) und Jod enthält, beweisen, ist eine durch die Analyse derselben bestätigte Wahrheit. Hierbei kommt es weniger darauf an, ob ein organischer Körper eine organische Verbindung des ersten oder zweiten Grades oder ein Gemenge mehrerer Verbindungen ist. Aengstliche Nachweisungen derselben nach stöchiometrischen Verhältnissen verfehlen meistens ihren Zweck und verderben, namentlich in der Landwirthschaft mehr als sie gut machen. Eine solche Procentenbestimmung führt zur nutzlosen Projekten

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wendet werden.

Junius 1 83 8.

macherei und ist gar oft schon Ursache gewesen, dass grössere landwirthschaftliche Unternehmungen scheiterten, was bei dem gemeinen Manne allgemeines Misstrauen gegen theoretische Kenntnisse erregt; Ref. hat hierüber schon gar viele Erfahrungen

gemacht, welche ihn in jener Ansicht bestärkten. Ein apothekenmässiges Abwägen führt oft weder

hier noch in anderen grösseren Unternehmungen zum Ziele. Die Manipulation der Analyse organischer Körper versinnlicht der Vf. recht gut; die Darstellung ist kurz und allgemein verständlich; sie enthält das Wesentlichste und kann in jedem Verhältnisse angeDie Pflanzenfaser, welche der Vf. recht praktisch das Skelett der Pflanzen und aller ihrer Theiln, die Wände der dieselben durchziehenden Gefässe nennt, und welche eben so verschiedenartig erscheint, als die Formen der daraus bestehenden Pflanzentheile sind, behandelt er vorzüglich gut; wenn er jedoch sagt, die Mitte des Holzes bilde das Mark, so ist dieses etwas zweideutig, indem alsdann bei der Verkohlung des Holzes, Alles bis auf das Innere verbrennen müsste. Die Kohle ist das wahre Skelett und alle in ihr vorhanden gewesenen Theile bilden jenes Mark, welches bei den Holunderarten als eigentlich zusammenhängende Masse von bestimmten Durchmesser erscheint. Mit besonderer Aufmerksamkeit betrachtet er die verschiedenen Pflanzensäuren, ihre Darstellungsarten, ihr Vorkommen, ihre Eigenschaften und Verwendungen in verschiedenen Gewerben und Verhältnissen. Öazu rechnet Ref. besonders die Eichengerbesäure (Gerbestoff), welche z. B. für die Lederbereitung höchst wichtig ist, indem ausser den Eichenrinden auch noch andere Körper angegeben sind, in welchen sie sich findet, z. B. die Galläpfel, Knoppern, Sumacharten u. dgl. Zu oberflächlich dagegen behandelt er die Humussäure und ihre höchst verschiedenen Verbindungsarten, obgleich sie für die Ernährung der Pflanzen eine Hauptrolle spielt, und in dem Boo den oft in gebundenem Zustande vorkommt. Den Humus musste er daher vorzugsweise untersuchen, wenn er den Ackerboden beachten wollte.

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betreffen und eben so lichtvoll als klar gehalten sind. Noch macht Ref. auf die treffliche Bearbeitung der Bestandtheile, Bereitung, Arten u. s. w. des Zuckers aufmerksam, indem von den gährungsfähigen Zuckerarten die Gewinnung aus dem Zuckerrohre, aus den Maisstengeln, aus dem Safte des Ahorns und vor allen aus den Runkelrüben, welche in unseren Tagen so grosse Ausdehnung gewonnen haben, wie die vielen neuen Runkelrüben - Zuckerfabriken beweisen, nach den neuesten Forschungen mit besonderer Hinweisung auf die Darstellung und Wiederbelebung der Knochenkohle untersucht, die Reinigung des Rohzuckers versinnlicht und der Krümelzucker nach den verschiedenen Darstellungsweisen besprochen und zuletzt die gährungsunfähigen Zuckerarten nur kurz berührt werden.

Unter den stickstoffhaltigen Pflanzenstoffen zeichnet sich der Pflanzenleim und unter den übrigen besonders der Harz - und Farbestoff aus; an sie reihen sich die verschiedenen Pflanzenfette, nämlich die Oele, Butter- und Wachsarten und die flüchtigen Oele nach den mancherlei Bereitungen, Gebrauchsarten u. dgl.; der Vf. begnügt sich nicht blos mit wissenschaftlichen Erörterungen, sondern vorzüglich mit den Anwendungen in den Gewerben. Dieses bewahrheitet er bei Betrachtung der Farbestoffe, worunter er eine Menge von Stoffen versteht, die in ihren chemischen Eigenschaften sich sehr weit von einander entfernen. Er betrachtet nach ihren Farben sie eintheilend, den rothen, gelben, grünen und blauen und zeichnet unter letzteren die mancherlei Indige besonders aus.

Von Interesse und praktischem Werthe ist auch die Erörterung der Bereitung der verschiedenen Weine; die nähere Beschreibung der Bierbrauerei, z. B. das Malzen, Würzemachen und Gähren, der Branntweinbrennerei, Essigbereitung u. dgl. Die Färberei, oder die Kunst, den Faserstoff zu entfärben und ihn mit den verschiedenartigsten Farben zu verbinden, welche hiernach das Bleichen und Färben unter sich begreift, übertrifft alle anderen Gegenstände; der Vf. versinnlicht die Behandlung des Flachses und der Leinwandbleiche, der Baumwolle und ihrer Bleiche, besonders noch die Leinwand- und Baumwollenfärberei, das Bleichen und Färben der Seiden und Wollen und verbreitet sich über die Zeugdruckerei nach ihren einzelnen Beziehungen, z. B. über die Tafeldruckwaare, über das Weissblöden, Reservageartikel u. dgl.; eben so gut als gründlich über die trockne Destillation der Pflanzenstoffe, z. B. des Holzes, der essigsauren Salze, des Kautschucks, der Steinkohle und des Steinöles, wodurch die praktische Seite der Schrift sehr hervortritt.

Unter den verschiedenen Thierstoffen betrachtet er die Thierfaser, das Thiereiweiss, die verschiedenen Fettarten, den Schleim und die Flüssigkeiten des Thierkörpers. Endlich folgt das Wichtigste der Lederfabrikation hinsichtlich der Lohgerberei, der

Weissgerberei, Sämischgerberei und Pergamentfabrikation, die Leimsiederei und Fabrikation der Talglichte, die Seifensiederei, die trockne Destillation der Thierstoffe und zuletzt das Wesentlichste der Fäulniss organischer Körper, wobei dem-Humus einige Aufmerksamkeit zugewendet wird, die jedoch nur oberflächliche Bemerkungen machen und den Gegenstand nicht nach Erforderniss betrachten lässt. Die wesentlichsten Grundsätze der Landund Forstwirthschaft und viele Bearbeitungen anorganischer und organischer Stoffe vermisst man. Das Handbuch der Cameralchemie von Prestinari, welches dem Vf. zum Vorbilde gedient zu haben scheint, konnte ihm die Mittel darbieten, die Mängel und Lücken theilweise zu ergänzen und seiner Arbeit noch inehr praktischen Werth zu geben.

Obgleich Ref. mehrfach abweichende Ansichten zu erkennen gab und dem Buche Verbesserungen wünschte, so hat er es doch vorzüglicher gefunden als viele andere zur Abhülfe von ähnlichen Bedürfnissen bestimmte; er machte die Bemerkungen blos in der Absicht, bei einer etwaigen neuen Auflage, durch ihre Benutzung den Werth desselben noch mehr zu erhöhen, uud zur Erreichung dieses Zweckes dem Vf. gewisse Gesichtspunkte zu bezeichnen, keineswegs aber der Arbeit an ihrem Werthe etwas zu henehmen. Er glaubt den Ideengang nach Wunsch des Vfs. und zum Vortheile der Leser für eine genaue Kenntniss jenes mitgetheilt und den Forderungen an eine kritische Anzeige entsprochen zu haben. Papier, Druck und Preis tragen Ä zur Empfehlung des Buches, dem Ref. recht viele Leser wünseht, sehr viel bei. P.

GESCHICHTE DER ERF IN DUNGEN.

STUTTGART, in d. Hoffmann. Verlagsbuchh.: Geschichte aller Erfindungen und Entdeckungen im Bereiche der Gewerbe, Künste und Wissenschaften von der frühesten Zeit bis auf unsere Tage; beschreihend und in Abbildungen dargestellt von Joh. Heinr. Moritz v. Poppe, Dr. der Philos. und Staatswirth., ordentl. Prof. der Technologie zu Tübingen, Hofrath u. s. w. mit 162 Abbild. auf 32 Taf. 1837. XXII u. 552 S. gr. 8. (1 Rthlr. 18 gGr.)

Die früheren Bearbeitungen, welche der sehr fruchtbare Vf. über die Geschichte der Erfindungen und Entdeckungen theils im Allgemeinen, theils in einzelnen Fächern geliefert hat, wurden nach seiner Meinung vom Publikum, wahrscheinlich von Schülern und ähnlichen Leuten, günstig aufgenommen, was ihn bewog, dieselben auszudehnen und mit den Erscheinungen der neuesten Zeit zu vermehren. Zugleich giebt er von den erfundenen Gegenständen Abbildungen, durch welche sich das Werk von anderen ähnlichen unterscheidet, weswegen er auf eine gün397

stige Aufnahme desselben im hr hofft, als man, sieh gerade in Ä ie Ersin # Künsten und Wissenschaften sehr interessir Gegen: diese Behauptung wendet Ref. um so weniger etwas ein, als sie vorzüglich die Künste und Gewerbe, den Handel und die Manufakturen, dasäuf diesen Beziehungen heruhende Streben nach den materiellen Interessen der Staaten betrifft. Sie känn

jedoch nicht in gleichem Grade die Wissenschaften betreffen, weil die immateriellen Intere ennicht so sehr berücksichtigt, und von jenen Ä üherflügelt werden. Dieses Missverhältniss giebt sich in den meisten staatlichen Verhältnissen zu erkennen und kann dem an dergleichen Beobachtungen reichen Vf. nicht fremd geblieben seyn, wenn er die Sache unparteiisch erwog.g . . . . . . . . . . Sehr ehrenwerth ist das Streben nach Einsicht und Vervollkommnung, nach Aufklärung und Veredlung, nach Anwendungen der Geisteskräfte und Fortschritten in der Kultur überhaupt und die Geschichte der Erfindungen in den mancherlei Künsten und Naturwissenschaften liefert einen zureichenden Beweis für die Wirklichkeit dieses Strebens; allein die geistigen Interessen dürfen von den körperlichen nicht überboden werden, wenn ein wohltätiges Gleichgewicht bestehen soll und in diesem Betreffe kann Ref. die in dem vorzugsweisen Streben nach Materialismus begriffene Richtung nicht ohne bänge Erwartungen für die Zukunft betrachten. Gross ist allerdings der Einfluss der Künste und Wissenschaften auf alle Lebensverhältnisse der Menschen und unerschöpflich der Reichthum der Natur än Gegenständen für die Befriedigung jener; allein bei dem Aufsuchen und Veredeln der zahllosen Naturgegenstände soll der Mensch das moralische Element und die wahre Ausbildung des Geistes ünd Herzens nicht übersehen; was jedoch mit Hintansetzung alles Religiösen nur zu oft geschieht und grosse Nachtheile bringt. - - - z! “ - - - - Der Vf, hält ganz richtig eine Kenntniss der Geschichte der Erfindungen und Entdeckungen für eine jedem Menschen angenehme und nützliche Belehrung, welche namentlich dem Naturforscher, Künstler und Gewerbsmann die meisten Vortheile bringen solle, weil sie daraus erlernten, was schon erfunden und entdeckt worden sey, sich also in Acht nehmen müssten, neue Erfindungen oder Entdeckungen gemacht haben zu wollen, welche doch schon bekannt seyen. eine Hauptabsicht der Belehrung oder ein Hauptnutzen des Buches seyn soll, so muss Ref. bemerken, dass er diesen Umstand gar nicht hoch anschlägt, weil damit im bürgerlichen Lehen nicht viel genützt ist; denn glaubt auch ein Gewerbsmann oder ein Künstler u. dgl. eine neue Entdeckung gemacht zu haben, er nimmt aber später wahr, dass ublikum ein besonderer Schaden. Eher kann ihnen aus der Kenntniss der Erfindungen und Entde

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Wenn nach des Vfs. Ansicht dieses

Ä nicht neu ist, so erwächst weder ihm, noch dem

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ongosinsoooo „ein Worthpil „erwachsen, als sie ÄÄÄÄ Ä fjäér Ärt mehr üsehen. Mit jenen O # rinde für den Nutzen hat demnach der Vfdie Erscheinung seines Buchés nicht sehr gerechtfertigt. “ Damit übrigens die Leser mit dem Inhalte desselben bekannt werden und beiläufig ermessen können, was ihnen in jenen dargeboten wird, wenn sie etwaige Belehrung suchen, so giébt Ref. den Inhalt kurz an und fügt hier einige allgemeine Bemerkungen über die Bearbeitung eines oder des anderen Gegenstandes bei, woraus sieh überhaupt ergeben dürfte, inwiefern der Vftsein den billigen Förderungen entsprechendes Werk geliefert hat. . . . . ., Die Iste Abtheilung S. 1–16 bildet die Ä tung in die Geschichte der Erfindungen und Ent téckungen, was Ref. insofern nicht billigt, als eine Einleitung von dem zu behandelnden Gegenstande eine einfache Uebersicht geben, die nöthigen Vorbereitungen verschaffen und gleichsam die Hauptskizze einer Schrift darlegen soll; sie kann daher mit den Abtheilungen des Stoffes nicht vermischt und zu die–sen gezählt werden. Zudem sind die in der vermeintlichen Einleitung gegebenen Erklärungen nichts weniger als allgemein, sondern betreffen besondere Gegenstände, welche in der Folge nochmals zur Sprache kommen. Das Ganze besteht in einer mehr oberflächlichen Gerede von Vielerlei, was sich an keine bestimmte Idee anreihet, sondern in ziemlicher Unordnung mitgetheilt ist. Nach des Ref. „Ansicht musste der Vf, den Charakter von Erfindungen und Entdeckungen genau erörtern; allgemeine Mittel und Wege, mit welchen und auf denen man zu jeneu gelangen konnte und musste, näher bézeichnen und nicht allein den Zufall, das tiefe Nachdenken, den Witz, den Scharfsinn und die Uebung bemerklich machen, wodurch man im Alterthume und besonders in den neueren Zeiten zu jenen ge

- langte, sondern auch die Noth vorzüglich hervor

hehen, da dieselbe in allen Zeiten eine bedeutende Rolle spielte, und zu manchen Entdeckungen ver- anlasste. - - **.

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terung seines Feldes, die Verminderung seiner Gé fahren und Verluste verdankt, und Gewerbe ind Ackerbau die unendliche Vervielfältigung ihrer Absatzwege u. s. w. verdanken. Diese und viele andere Beziehungen, wie z. B. jede Anwendung des TMaschinenwesens, in Fabriken, in welchen wohl der grössere Theit der Erfindungen gemacht wurde, sich auf höchste Gleichförmigkeit und fast mathematische Genauigkeit in der Behandlung der Rohstoffe fei ihrem Umwandelungsprocesse in Fahrikate, wo bei eine Vielzahl von Verrichtungen mit Erfolg nur durch die höhere Kraft mechanischer Hilfsmittel ausgeführt werden kann, und auf Entbehrlichmaohung der Menschenhände als des kostspieligsten ind unhequemsten Agens im Fabrikbetriebe zurickÄ konnte der Vf, in der Einleitung näher schildern, statt von Mancherlei zu reden, das ih keinem inneren Zusammenhange steht. Denn "es wird vom Pfluge, von Mühlen, von Oelpressen, von "Steinsalz, von Hauslaternen, irdenen Geschirren, von Wasserpumpen, von Luftballons, von Mathematik und wie jeder Leser selbst einsieht, vön AlIérlei gesprochen; die Errichtung von Apotheken und die Kuhpocken-Impfung nicht übersehen . s. w.; dieses ist nicht der Charäkter einer EinleiUng. tu "die weiteren Erfindungen und Entdeckungen bringt der Vf. in weitere vier Abtheilungen, so dass im Ganzen die 2te die in ökonomischen und technischen Künsten enthält und in acht Abschnitte zerfällt: “I) die Esswaaren; S. 17–61 hinsichtlich des Getreidebaues üñd der Getreideveredlung, des Mah1ens des Getreides zu Mehl, Grütze und Graupen, der Verwandlung der Kartoffeln in Mehl und SÄgo; der Stärke, des Backens der Brote, der Milch, Butter und Käse, der Oele, des Zuckers und des Kochsälzes; II) die Getränke; S. 62–82 riicksichtlich des Weines, Bieres, der verschiedenen Branntweinund Essigarten; III) die besonderen Reizmittel fir Geschmack- und Geruchorgane mittelst des Rauchund Schnupftabackes; S. 83 – 90; 1V) die Hilfswaa- ren zur Zubereitung, Aufbewahrung und zum Genusse der Speisen, Getränke, Gaumenreize u. dgl., nämlich die verschiedenen Gefässarten und Maschinen, wobei - die Braten- und Kaffeemaschinen nicht übersehen – und selbst die Messer und Gabeln, die Ä - zum Rauchen und Schnupfen des Tabackes weitlüfig beschrieben werden, gleich als wenn der Vf. eine .-Sammlung von allerlei Modelleu hätte, S. 91–129; V) die Wäaren zur Bekleidung, oder die Kleidungs

stücke der Menschen von den verschiedenartigsten .. d Stoffen, wobei jede Kleinigkeit be

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ERGAN zÜNGSFLÄT FERNum. 50. JUNIUs 1838.

4GG rührt wird; S. 130–185; VI) die Nebensachen zur Äd besonders Verschönerungsmittel dersel

et FÄsj jünd Hilfswaaren zür Verfertigung der. Flugstücke und des Putkes; S. 186–215 VII)'dfé Wöhtungen der Menschen und die noch sten Haupterfordernisse für jene, als Fenster, Schlosserarbeiten 2, Oefen, Möbeln u. dgl., S. 216 bis Ä mänche andere häusliche, persönliche und gesellschaftliche Bedürfnisse zur Bequemlichkeit, zum Vergnügen, zu geistigem Geñusse und geistigëFAüssildüng, so wie zu verschiedenen Liebhabereien, wohin dër Vf, die Spiegel, die Lichter, Lampen, Laternen, Drechslerwaren, Böttchewaären, Schiefsereiwaären, Uhren, Waffen, Fuhrwerke, Schreibkrnst; Buchdruckerkunst und mancherlei andere Dinge rechnet; S. 230–351; die er mit grosser Aèngstlichkeit beschreibt.

s: Die Reichhaltigkeit der Abtheilung dürfte sich aus dieser Anzeige entnehmen lassen; manche Gegenstände sind nit einer Umständlichkeit beschrieben, welche viel Geduld fordert, um die Schilderungen ganz auszulesen; manche sind blos oberflächlich berührt und oft die unbedeutendsten Werkzeuge mit grosser Wichtigkeit hesprochen. Aus Zeichnüngen scheint der Wf. manche zu kennen; ihr Ä Wesen aber nicht durchschutzu haben. Vom Pfluge der Alten, oder wie ihn die Aegyptier jetzt haben, mag er keine richtige Vorstellung gehabt häb ; unter den Dreschmaschinen ist die von Meiklé"örfundene wohl die merkwürdigste, aber nur in grossen Betriebsarten der Landwirthschaft anwendbar, weil die Kosten ihrer Anschaffung gross sind und in kleinen Betriebsarten kein Gewinn aus ihr gezogen wird. Milch wurde van den Menschen gewiss füher ge„nossen als das aus dem Getreide bereitete Brot, da die Beschäftigung mit der Viehzucht älter ist als der Ackerbau. Dass schon die Aegyptier von dem Leinöle Gebrauch machten, aus Köhl, Saflor und Kiki Oel gewannen, indem z. B. Herodot im 2ten Buche 94 Kapitel sagt, das Oel des letzteren habe zur Beleuchtung gedient, also die Kunst es zu gewinnèn Verstanden haben mussten, konnte kurz berührt werden. Ueberhaupt scheint der Vf, aus den Quellen der alten Klassiker, namentlich eines Plinius, Theophrastus, Herodot und Anderer nicht sorgfältig geschöpft, und die darin vorkommenden Künste und Fertigkeiten, die Erfindungen und Entdeckungen be"rücksichtigt zu haben. Ein kurzer Vergleich der früheren und gegenwärtigen Verfährungsarten dürfte weit belehrender gewesen seyn, als manche langweilige Beschreibung von Manipulationen, welche bei verschiedenen Stoffbereitungen beobachtet werden, und doch nicht ganz zum Ziele führt. - - - a (Der Beschluss folgt.)

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