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Zeugniss der Abkunft, wobei es jedoch zu beachtes ist, dass diese oft nur von Besitzungen in slawischen Ortschaften herrühren. (Sollten sie nicht áuch wie in Polen und Russland eine slavische Endigung hekommen haben?) Sonst sind zwar auch viele Familien deutscher Herstämmung um diese Zeit ansässig geworden, mit denen das Lehnwesen herrschend ward, welches hier weit früher als in Mecklenburg Eingang fand. Auch Ministeriale erscheinen in Urkunden, welche Hofämter sowohl beim Bischof als beim Grafen verwälteten. Schlossgesessene Burgmänner kommen vor in Ratzeburg, Gadebusch, Wit

tenburrg und Lauenburg, welche für den Burgdienst,

den sie leisteten, Ländereien zu Lehen bekamen. S6 ist es nicht unwahrscheinlich, dass die Bülow ursprünglich Burgmänner zu Gadebusch gewesen. Die weitere Geschichte ist hier nicht anzufanzen, weil der Vf, sie nicht beendigt, sondern den ritten Théi noch zu liefern hat. Sie wickelt sich anz nach deutscher Art und Weise mit örtlicher Ä ab, und es ist äusserst schwer, den rechten Fäden zum Gewebe jedesmal genau zu reffen, der eben zu dem Zuge und zu Licht oder Än in der Schilderei gehört, und nur den taktImässigen Anschlag der Grundtöne, nicht aber das IKnären üid Schñarren des Gestells, oder leeres Gezänk hören zü lässen.

Zum Schlusse darf die Moral nieht fehlen, zuvor soll jedoch noch der alterthiimlichen Schmucksa«chen gedacht werden, welche der rastlose Frhr. von Hormayr aus unsern Landesgeschichten und Gedichten hervorgesucht und in seinem neuesten Taschenbuche niedergelegt hat, worin sieh S. 157 findet: die alten Sachsen waren weiland M1änner des wunderlichen Alexander, der in zwölf Jahren die Welt bis an ihr Ende erfuhr. Da er nun zu Babylon angekommen, mochten die Sachsen. sich nicht unterthun in dem Lande, durch des Landes Hass wiIlen, und schifften auch von dannen u. s. w. Wenn das offenbar Dichtung aus dem Mittelalter ist, so ist es doch nicht unmöglich, dass Alexander auf seinem Thraeischen Zuge mit Deutschen bekannt geworden und bei dem Volke überhaupt in Kunde gekommen ist. Leicht möglich ist ferner, dass griechische Ausgewanderte bei dem Sturze des macedonischen Reichs die deutsche Gastfreundschaft angesprochen haben, Und dass der schlaue Mithridat durch griechische Handelsleute die Cimbern und Teutonen aufgeregt hat, wie es jetzt englische Handelsleute auf eigene Hand am Caucasus zu machen Lust haben. Dooh, wie dem sey: - die auswärtigen Eroberungen der Deutschen wurden durch ihre Rückwirkung das Unglück der alten Sachsen, die schwerlich unsern Zustand bei all seinem wissenschaftlichen Glanze und seinen künstlichen Bequemlichkeiten dem ihrigen vorziehen würden, um die Leute bei guter Gesund

heit und vor der Vergiftung zu bewahren, und umw sie weder durch Branntwein anten und direh Lustsenohe oben hinweken, noch hagere magere Massendurch die Cholera mit einem Schlags ASM ZWlassen. Nun, dürfen wir diese Webel nicht fortwithen lassen, und haben wir déek mit den bisher dawider versuchten Mitteln nichts ausgerichtet, sescheint mit allem Ernst auf anders, die gründlieh helfen, zu denken zu seyn, die es nothwendig geben muss, weil die Uebel neu und also keinesweges notlswendig sind.

ER BAUUNGSSCHRIFTEN. "Ä Ä Ä. Christus in Sonnkags- sgesängen nach allen Evangelien. des KÄ zur häuslichen und kirchlichen Erbauung, von Ernst Breyther, dem Vf. der Coeleste. 1837. XVIII u. 268 S. 8. (LRahlr.)

Wenn der Vf. dieser Öfchtungen mehr seine egene Empfindung über den gegebenen biblischen Stoß ausgesungen hätte, anstatt diesen Stoff selbst in Versen darzastelten, so würde die Sammkung einen umgleich höhern Werth Äbj Hj. dort kann durch den Klingklang des Reims nur verKieren: z. B. Lucas: Es war ein reicher Mann, der hatte einen Maaskater; der ward vor ihm berüchtigt, als hätte er am seine Güter umgebracht. Und er forderte ihn und sprach zt ihm: Wie höre ich das von dir Thun RechReng von deinen Haushalten; denn du kanas kinfort nicht mehr Haushalter seyn. Der Haushalter sprach bei sich selbst: Was soll kclr thrum? Mein Herr nimmt das Amt von mir; graben mag ich nicht, sé schäme fch mich zu betteln. Mehr weisswolf wanken thun will, wenn ich mitn von dem Amte gesetzt werde, dass sie mich in ihre Häuser aufnehmen u. s. w.

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E R GÄN zÜNGs BLÄT T E R

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ALLGEMEINEN LITERA

TUR-zEITUNG

- - - - MI ai ERDBESCHREIBUNG. - AUGsBURG, Verl. d. Kollmann. Buchh.: Lehrbuch der mathematischen und physischen Erdbeschreibung für die Bayerischen Gymnasien, verfasst von Franz Ammon, k. b. Lycéal- Professor in Augs- burg, niin in Passau. Zweite verbesserte Auflage. Erster Thl. die mathematische Erdbeschreibung, mit 2Steintafeln; Zweiter Thl. die physische, dort XII u. 128; hier VI. u. 156 S. 1837. gr. 8. (2I gGr.) .

D. Erscheinen dieses Lehrbuches in der zweiten Auflage könnte für die Gediegenheit und Brauchbarkeit einen Beleg geben; allein für keinen beider Vorzüge ist dies der Fall, weil, wenn man das Büch nach wissenschaftlichem Standpunkte betrachtet, es aus einem schnellen, ümsichtslosen und ünverarbeiteten Zusammentragen verschiedener zur mathematischen und physischen Geographie gehöriger Gegenstände besteht, die Geographie als auf blosser Empirie beruhend darstellt und üür leere Schalen enthält, die den wissbegierigen Jüngling nicht nur nicht anspreehen, sondern in ihm Gleichgültigkeit gegen einen der auf das Gemüth und Herz oö. sehr wirkenden

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seyn seines edlen Daseyns hinleiten sollte, erzeugt, wódurch allerdings der erhabne Zweck der Einführung der Geographie unter die Gegenstände des Gymnasialunterrichtes ganz verfehlt wird. Von einem wissenschaftlichen Charakter, von einer erhabenen Idee über Gestaltung und Belebung der Erdoberfläche durch ein ewi Faltendes eineis nach dén Forschungen eines Ä „ÄPärrot, Link, Ritter und Anderer entdeckt man kéine Spür; von der in unseren Tagen so einflussreichen Behandlung der Geographie nach Naturgrenzen, wofür die physikalische Geographie die Grundlage bildet, scheint der Vf. gar keine Ahnung zu haben, sonst würde er den Stoff nicht zu frostig, so kalt, so theilnamslos und von allem gemüthlichen Leben entkleidet behandelt haben: " . . ." Und doch wird man erwiedern, ist eine zweite Auflage des Buches erchienen; dieses lässt sich in einem Zeitraume von acht Jahren beim Gebrauche in einer oder der anderen grösseren Anstaltutid bei einem gewissen Mani uliren mancher Individäen eines FÄ Standes leicht erklären Ein sorgfältiges Prüfen des Buches von Seiten eihérin dem Fache wohlerfährnen Commission giebt unfehlbar das UrErgänz. B. zur A. L. Z. 1838.

1838.

theil dahin ab, dass das Buch weder den wissenschaftlichen noch pädagogischen Forderungen und am allerwenigsten den Erwartungen einer höchsten Studienbehörde entspricht, da es ihr ernstlichst daran gelegen muss, alle oberflächlichen Kenntnissé, leere Ueberschriften und hohle Wortkrämereien zu vermeiden, dagegen Griindlichkeit im Denken und Handeln, Schärfung der geistigen Kräfte zum energischen Studium der Berufswissenschaften; möglichst intensive geistige Bildung und freie, vom Bewusstseyn der Gründe geleitete Bewegung in allen Lehrgegenständen zu erzielen. Keine dieser Forderungen kann das Lehrbuch auch in seiner zweiten, wie der Vf. sagt, verbesserten Auflage erfüllen. Mehrere Stellen der ersten Auflage sind wohl entweder ganz weggelassen, oder verbessert, oder durch grö– ssere und kleinere Zusätze erläutert; allein die Hauptmängel, welche die ganze Schrift durchziehen, konnte er nicht verbessern, weil sie sonst ganz neu und nach einer ganz anderen Idee hätte bearbeitet werden müssen, als es geschehen ist. Ref. beschränkt sich in der Anzeige blos auf einige Verbesserungen, welche das Buch enthalten soll, um den Unterschied der zweiten Auflage von der ersten kurz zu berühren. - In §. 1 ist Geographie als Wissenschaft definirt und physische statt physikalische gesagt, was gerade zweckwidrig ist. Von einer Behandlung der Geographie nach Naturgrenzen findet sich in beiden nichts gesagt. Die Betrachtung des Weltgebäudes nach Fixsternen, Planeten und Kometen kann blos als Einleitung zur mathematischen Geographie anzusehen seyn, wie schon der Name „Erdbeschreibung" sagt. . Zu den Eigenschaften der Fixsterne gehört doch wohl, dass sie den Planeten ihr Licht geben. Herschel scheint für die Fixsterne nichts gethan zu haben, da er ihn nicht nennt: doch der Vf, meint dieses nur. Einen Zusatz bildet die Angabe der Beschreibung der 12 Sternbilder des Thierkreises nach Manilius; in § 11 sind die Sternkarten von Joh. Bayer, Schiller, Doppelmayr und Anderer angeführt, was Beifall verdient; §. 13 sind die Doppelsterne erwähnt. Die Planeten unseres Sonnensystems erhalten freilich ihr Licht von der Sonne; woher aber die Planeten anderer Systeme? Ueber die Kometen ist wenig Erhebliches gesagt und zugesetzt: die nähere Beschreibung der Sonne ist nicht mehr Anhang; zugleich ist dieser Körper hinsichtlich seiner Oberfläche - u. dgl. viel ausführlicher, aber nicht so beschrieben, dass der Schüler einen klaren Begriff von ihm erhält,

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Bevor von Gestalt und Grösse der Erde die Rede seyn kann, müssen die aus der Astronomie auf unsee Erde zu übertragenden Punkte, geraden Linien jd Kreise versinnlicht seyn. Für die Gestalt der Erde sind die Gründe aus der Wahrnehmung und js der Physik und Mathematik nicht unterschieden; in deutschen Schulen erzählt man die Sache eben so her wie der Vf, sie giebt. Wesentliche Zusätze j :ediaterie nicht erhalten; die Stellung des 4ten Hauptstückes ist ganz verfehlt; an den abgerissenen Darstellungen ist auch hier nichts Bedeutendes geändert: das über den Ursprung und das Alter der Sternbilder des Thierkreises Gesagte wird nicht mehr als Anhang, mithin als integrirender Theil betrachtet. Für die Bewegung der Erde werden mehrere Sätze aus der Geometrie und Astronomie, verschiedene Erklärungen von Begriffen, z. B. Ellipse, grosse und kleine Achse, Excentricität, Sonnennähe, Sonnenferne, Erdnähe, Erdferne, Knoten der Planetenbahn, Conjunktion, Opposition, verschiedene Umlaufsarten u. dgl. eingeschoben, welche in der ersten Auflage einen grossen Mangel ausmachten. Uebrigens sind dieselben nicht am rechten Orte, indem sie den Vortrag nachtheilig unterhrechen. Zu §. 61 ist eine Tabelle zugesetzt, mittelst (und nicht mit) welcher man für jeden Tag die wahre Sonnenzeit in die mittlere verwandeln kann. In §. 63 dagegen ist die in der ersten Auflage berührte Stelle von Josua, welcher der Vf., nachdem er die Meinung Josua's, „ Sonne und Mond sollten da, wo er sie sah, sichtbar bleiben, ohne von den Wolken bedeckt zu werden; und dieses geschah; das Wetter nahm die Richtung dahin, wohin die Feinde flohen," beifügte (welche erzwungene Erklärung!) ferner die Stelle von Liebermann, welche bekräftigen sollte, dass die Herren Sehriftsteller nach dem herrschenden Sprachgebrauche gesprochen haben, völlig weggelassen. Was sich seit 8 Jahren geändert hat, giebt der Vf. hierdurch zu erkennen; hätte derselbe lieber die Erde ruhen und die Sonne wieder bewegen lassen. Mit Herausgabe von Gebetbüchelchen, Uebungen bei Processionen h. dgl. beschäftigte sieh der Vf. bisher, welche ihm für jene Stellen Furcht eingejagt haben mögen. In §. 70 liest man als Zusatz den Grund, warum die Sphären gerade, schiefe und parallele heissen. S. 92 muss §. 78 statt §. 73 stehen; der Druckfehler findet sich auch in der ersten Auflage. Die Aufgaben zur Uebung am künstlichen Globus bilden keinen Anhang mehr; dagegen bildet das über den Kalender Zugesetzte und aus Littrows Kalendariograhie Entnommene einen belehrenden Anhang, betrifft die Abtheilung der Zeit, die Länge des Jahres, die Julianische und Gregorianische Reform, den Sonnenzirkel und Sonntagsbuchstaben; den Mondzirkel und die Epakten; den Indiktionszirkel und die Berechnung des Osterfestes. Vieles Unverständliche, Unlogische und dem Geiste der Gymnasialbildung meistens Widersprechende sollte noch verbessert seyn. . Im zweiten Theile findet man gleich viel Zweckloses, seicht Behandeltes und noch wenigere gediegene

Abänderungen. Auch hier nehmen die Ueberschriften sehr viel Raum hinweg, wodurch dem lernbegierigen Jünglinge höchstens Verzeichnisse von Worten, welche meistens oberflächlich und nirgends in Bezug auf wahre Ursachen der Erscheinungen erklärt sind, dargeboten werden. Das vom Barometer und Thermometer Erwähnte verdient gar keine Berücksichtigung. Bei der Eintheilung der Ebenen berücksichtigt der Vf. jetzt auch die fruehtbaren Ebenen; dagegen vermisst man die Zwischenebenen, die besonderen Eigenschaften der Sandwüsten und die vorzüglichen Ursachen ihrer Entstehung. Der Unterschied der afrikanischen und asiatischen Wüsten ist nicht berührt. Wo man die vorzüglichsten Ebenen findet, giebt er nicht an. Nach den neuesten Messungen ist nicht mehr der Chimborasso der höch

ste Punkt in Amerika, sondern nach den Nachrich

ten von Pentland finden sich einige höhere Punkte in

den Anden; seine Höhe beträgt nicht über 20.000,

sondern gegen 19,000 Fuss, da Pentland nur 6500 Meter gefunden hat. Die mitgetheilten Höhen sollten vermehrt und nach den einzelnen Ländern angegeben seyn. - -

Für die Thäler sind weder Haupt-, noch Neben-, noch Längs-, noch Seitenthäler, weder Beschaffenheit, noch Richtung, noch Bildung der Thäler berührt; Berg- und Gebirgsketten sind verwechselt; Rücken, Länge und Breite der Höhen sind nicht erklärt; die Versinnlichung der Wasserscheide, Höhenzüge, Kämme, Gebirgszweige, Knoten u. dgl. sucht man vergebens. Verbessert ist der Begriff Vorgebirg in- Vorberg; dagegen sind die Gebirgsstücke, welche für die Darstellung der Gebirgszüge wesentlich nothwendig sind, die Verbindungsgebirge u. dgl. nicht erklärt. „Die Untersuchungen

Humboldts und Buchs scheinen den Vf. fremd zu

seyn, sonst hätte er die Haupteintheilung der Vulkane in Reihen- und Centralvulkane erwähnt und seine unbedeutende Angabe verbessert. Die Ursachen der vulkanischen Ausbrüche sind etwas verbessert und von ihrer höèhst trivialen Darstellung frei

gemacht, jedoch fehlt noch sehr viel zum wissen

schaftliches Charakter. . - - -

Die Häuptéigenheit der Uebergangsgebirge ist, dass sie Ueberreste von Pflanzen, Müscheln, niedrigen Fischarten u. dgl. enthalten; den Flötzgebirgen folgen die Tertiären; übrigens ist die sogenannte Oryktographie und thetische Geographie höchst mager, gehaltlos und verworren behandelt; von Struktur, Schichtung, Formation und Versteinerungen als Eintheilungsgrund der Gebirge ist wenig oder gar nichts erwähnt. Da aus den Än die Bäche, kleineren und grösseren Flüsse entstehen, welchem Meere zugehen und es wenigstens ännähernd in gleichem Wasserstande erhalten, so sollte der Vf. von jenen, ausgegangen und zum Meere gelangt seyn. Vergleicht man dasjenige, was als yjhische Betrachtung hier mitgetheilt werden sollte, mit dem,

was sich im Lehrbuche findet, so erhält man auch

einen scheinbaren Grund, weswegen der Vf. seiner

Arbeit jenen Namen geben kann. Von allen Män

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geIn, welche das Buch in Betreff der Meere, ihres -Grundes und ihrer Tiefe, der Beschreibung des -Meerwassers, seiner Farbe und Dichtigkeit, überhaupt in Betreff jedes hydrographischen Verhältnis-ses enthält, ist auch nicht einer verbessert oder ergänzt. Ref. erinnert sich freilich nicht, dass er das Buch in einer ansehnlichen Zeitschrift angezeigt oder ein gediegenes Urtheil darüber gelesen hat, welches ein theilweiser Grund ist, warum er ausser den AbÄnderungen hier und da das Materielle berührt und

verschiedene Blössen enthüllt hat. Hinsichtlich der Strömungen empfiehlt Ref. dem Vf. das Nachlesen eines Aufsatzes von Arago in seinen Unterhaltungen aus dem Gebiete der Physik, damit er sich über die Entstehung derselben eine richtigere und klarere Darstellung verschaffe, als er irrthiimlich in seinem Lehrbuche mittheilt. In so fern als er Anderen nachgeschrieben und die alltäglichen Erklärungsgründe mitgetheilt hat, ist er frei1ich zu entsehuldigen; aber Ref. denkt, ein öffentlicher Lehrer der Mathematik und Physik müsse mit den Forschungen seiner Wissenschaften fortschreiten und sich nicht immer mit Citaten aus Werken, welche vor 30 bis 40 Jahren geschrieben und in der neuesten Zeit im Gebiete der Physik wesentlich verbessert sind, begnügen; jedoch der Vf. scheint sich darum nicht zu bekümmern; die neuesten Forschungeh scheinen vor ihm spurlos hinweggegangen zu seyn, sonst musste er wenigstens in Anmerkunen sehr viele Erläuterungen und Verhesserungen mittheilen. Würde er dieses gethan haben, so würde ein aufmerksamer Schüler, welcher die ältere mit der neueren Auflage verglichen hätte, die Blössen bald entdeckt haben; daher liess er die Sache lieber, wie sie war. Von dem bekannten Bingerloche hat er keine richtige Vorstellung; nicht von einer Seite allein ist die Fahrt möglich, vielmehr kommen von beiden Seiten des Ufers die Felsen zusammen und bilden die enge Fahrt, welche jetzt bedeutend erweitert ist und gar keine Gefahr mehr bringt. Ueber das Gefrieren des Flusswassers hat er keine klare Einsicht; Aragó's Darstellungen belehren ihn eines Besseren. Aehnlich verhält es sich mit der Temperatur des Bodens und der Quellen und mit verschiedenen anderen Materien, welche Ref. nicht weiter namhaft machen will, um seine Anzeige nicht zu weit auszudehnen. In dem zweiten Theile ist eigentlieh nichts verbessert. Unter den benutzten Quellen

nennt er weder Humboldt, noch Buch, noch Link,

noch Andere. Daher konnte seine wiederholte Arbeit nicht einmal mittelmässig werden. Das Papier ist unter Kritik schlecht, die Zeichnungen sind etwas besser, als in der ersten Auflage. P.

DEUTSCHE SPRACH LEHRE. .

BUNzLAU, b. Appun: Kurzgefasste deutsche Grammatik nach den neuesten historisch-vergleichenden Forschungen, für jede Art des höhern Un-terrichts und die Selbstbelehrung systematisch und vollständig bearbeitet. Von Dr. Friedrich August Lehmann, Oberlehrer an dem Königl.

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Wir haben in Nr. 19 dieser Blätter vom Jahre 1836 des Vfs. „Deutsche Sprachlehre, zunächst für höhere Biirgerschulen" mit verdienter Anerkennung, jedoch mit der Bemerkung, dass sie sich mehr für die Selbstbelehrung als für den Schulunterricht eignen dürfte, angezeigt. Hier lässt nun der Vf. eine für den höhern Unterricht mehr mit gelehrten Notizen ausstaffirte Grammatik, die er eine kurzgefasste nennt, folgen. Da im Gange und in der Ausführung weiter nichts wesentliches abgeändert ist, so – können wir uns füglich auf unsere Beurtheilung jener frühern Arbeit beziehen, und müssen auch von der vorliegenden Grammatik sagen, dass sie zum öffentlichen Unterrichte uns nicht geeignet scheint, und dass wir auf die ganze Methode keinen solchen Werth zu legen wissen, als der Vf., besonders wenn wir berücksichtigen, in welchem Alter in unsern Gymnasien der systematisch - grammatikalische Unterricht in der Muttersprache eintritt: zwischen dem 14ten bis 15ten Jahre. – Wir können uns wohl damit vereinigen, dass ein gelegentlicher Blick auf die frühern Sprachstände bei dem Unterrichte, wie die vorliegende Grammatik dazu in ihren Ausführungen, die mit kleinerer Schrift gedruckt sind, eine Anleitung giebt, in gelehrten Schulen ganz zweckmässig sey; wir glauben aber, dass der jugendliche Kopf auf dem frühern philosophischen Wege, wie ihn Bernhardi angebahnt hat, bei weitem zu einer klarern und tiefern Einsicht in das innere Wesen der Sprache gelange, als auf dem hier eingeschlagenen. Wenn der Vf. von dieser neuen Methode in der Vorrede emphatisch sagt: „Sie hat die Sprache zu neuem Leben wieder geboren, die Pforten zum innersten Heiligtbum aufgethan; der Sprachgeist ist entfesselt; die Sprachwelt liegt in sonniger Klarheit vor dem erstaunten Bliek; das geheimste Walten des Geistes ist der Erkenntniss blos gelegt (blossgelegt); seine leisesten Schwingungen sind dem lauschenden Ohre vernehmbar und verständlich" – so muss man denn doch lächeln. Warum so posaunen und etwas eine Bedeutung geben wollen, die es an sich nicht hat: keine blos philologische Behandlung der Sprache kann diese haben, sondern nur die philosophische allein, denn nur diese bringt zu der Ueberzeugung, dass nicht die Willkür und Zufall Gesetzgeberin der Sprache sey, sondern dass diese ihre innere Gesetzgebung in der Gesetzmässigkeit des Menschengeistes finde. – Wir befürchten, und gewiss nicht ohne Grund, dass die neue Methode, wenn sie wirklich in die Schule eindringen sollte, viele Idioten und Wortklauber bilden wird. Wir treffen aber auch hier auf einen ganz unnöthigen Wortschwall, z. B. in der Abhandlung von den Lauten – (bei der uns oft Moliere's le bourgeois gentilhomme einfiel) – von der Wortbildung u. s. w.; zu viel Mikrologie, besonders in der Zerspalder Begriffe und in der Ueberladung mit Bemungen und neuen Kunstausdrücken, die wahrweder den Jüngling noch den gereifteren Mann, nicht gerade die Sprache zu seinen besondern lium macht, sondern sich in diesem Gebiete nur ntiren will, wie der Vf, bei dieser Arbeit beabtigte und selbst von jedem Gebildeten verlangt, für Sprachstudium anzuregen vermag: - Wie nachlig aber eine solche abstruse Behandlung der achlehre für den Jugendunterricht seyn müsse, ngt wohl in die Augen; und wie will der Lehrer finden, diese nicht weniger als 458 Seiten fülle kurzgefasste Sprachlehre mit seinen Zuhö– und wenn es siebenzehnjährige wären – ohzumachen? Wenn wir also auch zugestehen, , nach der Vorrede, nicht leicht ein ähnliches rk zu finden sey, wo auf solchem Raume und für hen Preis Soviel geboten würde; so glauben wir , es sey Zuviel für den Zweck des öffentlichen, des gewöhnlichen Selbstunterrichts. Aber dem rer der deutschen Sprache an einer gelehrten ule wollen wir diese an sich doch verdienstliche beit empfohlen haben zu einer Uebersicht dessen, in der neuen Richtung der Sprachforschung getet und gewonnen worden ist; wobei wir dem gern zugestehen, dass er die Ideen der neuesten achforscher mit eigener Freiheit des Denkens ;efasst hat.

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PARMsTADT, b. Leske: Jacques August de Thou's Leben, Schriften und historische Kunst, verglichen mit der der Alten. Eine Preisschrift von Dr. H. Düntzer. 1837. VIu. 121 S. 8. (12gGr.) Die philosophische Facultät der Universität Bonn e für das Jahr 1833 die Preisfrage de Jacobi Auli Thuani vita, scriptis et arte historica cum vetearte comparata gestellt. Hn. Düntzer's Schrift ielt den Preis und liegt jetzt in einer neu durchehenen und vielfach berichtigten, deutschen Beeitung vor uns. Und wie die Wahl des Gegen1des Lob verdient, so dürfen wir auch dasselbe Bearbeitung desselben nicht vorenthalten, die grossem Fleisse und vieler Belesenheit ausgeführt und nur hier und da noch zu sehr Spuren des inischen Originals durchblicken lässt. Vielht hätte, auch, bei der deutschen, für ein gröes Publikum bestimmten Ueberarbeitung mehr äufig nur von der historischen Kunst der Alten, Vergleich zu de Thou, gehandelt und viel mehr de u selbst in seinen Werken zum Gegenstande der rift genommen werden können, wobei dann RanSchrift Zur Kritik neuerer Geschichtschreiber ein fliches Muster abgegeben haben wiirde.

Im ersten Abschnitte erzählt Hr. Diinfzer mit utzung, aller, ihm zu Gebote stehenden Quellen überall mit den nöthigen Beweisstellen dëThot's CI. Seine Erziehung, seine Rechts- und Sprachlien, seine Freundschaft mit Scaliger, Pithou, 'evre, de Puy und andern, sein Eintritt in den

I

geistlichen Dienst seit dem Jahre 1578 und in den Staatsdienst mit dem Jahre 1584 als mazire des requétes, sein Steigen von Stufe zu Stufe, die vermittelnde, ausgleichende Art, in welcher er dem Könige Heinrich III. in dem Bürgerkriege zur Seite stand, dann sein enges Verhältniss zu Heinrich IV., den er in Gemeinschaft mit Sully, de Herlai, du PlessisMornay und Jeanin mit der grössten Treue diente und die wichtigsten Geschäfte, wie die Erlassung des Edicts von Nantes, leitete, zuletzt seine allmählige Entfernung vom Hose nach dem Tode Heinrich IV. – alle diese Ereignisse werden von Hn, Düntzer auf 44 Seiten beschrieben. Seine Erzählung schliesst mit de Thou's Tode am 7. Mai 1617, der in Folge des Magenkrebses erfolgte, „also, wie der Vf. hinzusetzt, an derselben Krankheit und in demselben Monate, wie der grosse Gefangene von St. Helena.“ Dass Hr. Düntzer den Aussprüchen berühmter Zeitgenossen, die in de Thou ein Muster von Frömmigkeit, Rechtschaffenheit und Unbescholtenheit anerknnt haben, beistimmt, begreifen wir sehr wohl undtheilen auch diese Absicht. Wenn er aber am Schlusse noch eine etwas gesuchte Deutung der Goethe'schen Worte, dass „die grössten Menschen mit ihrem Jahrhundert durch eine Schwachheit zusammenhängen," der de Thou als „einen Schutzgott des sechzehnten Jahrhunderts" schildert, der „seine segnenden Flügelnoch über . einen Theil des siebzehnten erstreckt," ja ihn als „d grössten Franzosen des sechzehnten Ä als „einen Mann der grösser war als Heinrich IV." bezeichnet, so hat Hr. Düntzer hierin zu viel gesagt und sich durch die Liebe zu seinem Helden über die Grenzen der Wahrheit hinausführen lassen. Ein recht gelungener Abschnitt ist der zweite über de Thou's Schriften (S. 45–66), sowohl die poetischen als die historischen. Die nützlichen kritischen oder literarhistorischen Bemerkungen können wir nicht im Einzelnen anführen, was wir um so lieberthun möchten, da sich überall eigne, sorgfältige Studien zeigen. . . ** Im dritten Abschnitt, der von S. 66–112 die Vergleichung der historischen Kunst de Thou's mit der der Alten enthält, bewährt Hr. Düntzer die auch aus seinen philologischen Schriften. hinlänglic kannte, reiche Belesenheit. Wir sehn namentlich hieraus, dass sein Studium der alten Schriftsteller nicht blos die Worte, sondern auch den Geist und Inhalt derselben zum Gegenstand gehabt hat. Zuvörderst werden die Quellen und Hülfsmittel de Thou's durchgegangen, dann seine Glaubwürdigkeit geprüft, seine Freimüthigkeit, historiche Divinationsgahe, seine Ansichten von Vaterland und Vorsehung dargelegt und zuletzt Sprache und Composition charakterisirt, überall Ä Ä alten Schriftsteller. De Thon's Geschichte ist nach dem Vf. nicht blos, ein grosses Gemälde, sondern auch ein treu und sorgfältig entworfenes und kunstvoll und sinnreich ausgeführtes Gemälde." Um dasselbe aber in allen seinen Theilen genau zu würdigen, ist Hn, Düntzers Schrift ein sehr brauchbarer Führer. : ,

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