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und wesentlich anerkennt. Denn selbst, wenn Jemand nicht über das Lokale hinausgeht, so liegt darin noch nicht, dass er überhaupt da stehen bleiben wolle. Was nun drittens die geringe Berücksichtigung betrifft, welche diese Methode der Beschränktheit unserer Kenntniss von den Lokaltraditionen soll wiederfahren lassen, so wollen wir dieselbe im Einzelnen gern zugeben, namentlich in Beziehung auf Pausanias, freuen uns aber gestehen zu müssen, dass der Vf. selbst überall Veranlassung genommen hat, auf die Auctorität nicht bloss des Hesiod, sondern auch der Logographen und selbst der spätern Topographen die Lokaltraditionen gehörig zu berücksichtigen. Wenn nun aber Homer als der Anfang der Griechischen Literatur ihm der erste Stützpunkt der Nationalmythologie ist, so kann Ref. nicht umhin, gar mancherlei Bedenken zu erheben. Denn erstlich, woher weiss der Vf., dass die Auffassung des Mythus, die wir bei Homer finden, damals die Auffassungsweise aller, oder nur mehrer Stämme, auch nur des eigentlich Hellenischen Volkes gewesen sey? Oder wenn er das nicht meint, weiss der Vf., wann und in welchem Umfange Homer mit seiner Mythologie allgemeine Anerkennung gefunden habe? Er will freilich, dass Hesiod, obgleich er ältere Lokaltraditionen benutzt habe, sie doch immer nach der Homerischen Analogie unbilde. Zugegeben, Hesiod habe Homer gekannt und habe sich von ihm leiten lassen: bleibt doch nicht ein wesentlicher Unterschied, besonders in der religiösen Fassung der Mythologie? Ist die Götterfurcht, die Götterverehrung bei Homer und Hesiod dieselbe? Leugnet man aher die Bekanntschaft Hesiod's mit Homer, behauptet und erweis’t man, dass Homer erst zu Lykurgs oder Solons Zeit allgemein geworden, wie dann? Auch möchte gar leicht seyn zu beweisen, dass trotz des Ansehens, das Homer genoss, in jedem Lande, ja in jeder Stadt die abweichende Ansicht eben da eine grössere Auctorität gehabt habe, als Homer. Denkt man vollends an die religiöse Fassung der Mythologie, wie verschieden ist die Wirksamkeit des Epimenides, wie ganz anders die Weise des Aeschylus, des Sophocles, um nicht von den Mysterien zu reden? Ä könnte man aus den eigenen Resultaten des Vfs. beweisen, dass es in keinem andern Sinn eine Nationalmythologie gegeben habe als eine Nationalität überhaupt, d. h. in gewissen allgemeinen Zügen, bei denen die Eigenthümlichkeit der Stämme und Staaten überwiegend blieb. Deshalb müssen die vom Vf. aufgestellten Grundsätze wesentlich beschränkt werden, wie denn auch in der Ausführung überall der wahrhaft historisch-kritische Geist nicht jenen Grundsätzen zu Liebe beeinträchtigt ist. Hiernach ist nun Homer zunächst als ionischer oder wenigstens als kleinasiatischer Sänger anzusehen und sein mythologisches Ansehen, als Nationaldichter, überall zu beschränken. Dann aber ist Einzelnes als Nationales selbst weit über seine Zeit hinauszusetzen, wir meinen die Ansich

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ten vom Olymp als dem Wohnsitz der Götter, von Pierien als dem Musenlande; von der menschlichen Gestalt der Götter, von der Theogonie und dem grössten Theil der vortroischen Mythen, namentlich vom Herakles und den Argonauten. Der Vf, ist auch weit entfernt dies zu bestreiten, hätte aber deshalb Homer nicht zum Ausgangspunkt machen sollenDie Verschiedenheit der Mythenbehandlung in der Ilias, Odyssee und in Hesiod zeigt nun aber den Entwickelungsgang, der wiederum Rückschlüsse auf das Frühere gestattet und in Verbindung mit der Mythologie verwandter Völker selbst den Ursprung entdecken, wenigstens ahnen lässt. Das selbe gilt nun, wie uns scheint, von der Erforschung des kalen, von dem aber noch wieder mehr und strenger als geschehen ist, die Stamm-Mythen unterschieden werden sollten: von diesen spricht der Vf, fast gar nicht. »

Wenn nun der Vf. weiter S. XIV. die Mythen

erzählung als besonderes Geschäft des Mythologen hervorhebt, und als ihren Zweck angiebt, den Mythus so wieder herzustellen, wie er in den besten Zeiten der Griechischen Literatur war, so müssen wir einmal die Regel für zu relativ und unbestimmt erklären und können sie auch zweitens nicht für genügend halten. Die Aufgabe erkennen wir an, möchten aber, wie auch die sonst vom Vf. gerühmte literarisch-kritische Methode thut, zugleich die Geschichte des Mythus fordern und auf bestimmte Dichter, geht das nicht, auf bestimmte Zeiten, Gegenden und Völker beziehen. ... Was endlich von der Mythenexegese und bei dieser Gelegenheit von dem Verhältniss der Mythologie zur Religion gesagt wird, das ist Ref. meistens aus der Seele geschrieben. Der Vf. warnt nämlich nicht irgend etwas Bestimmtes und Einzelnes ausschliesslich in den Mythen zu suchen, weil der Inhalt jeder beliebige seyn könne, was immer die Nation beschäftigte, ihre Reminiscenzen und ihre Ahnungen, ihr Glaube und ihre Spekulation. Nur zwei Bemerkungen erlaubt sich Ref. Es ist ihm erstens nicht recht klar, was es heissen solle, „dass doch auch auf den untersten Stufen der Religion die Natur nicht sowohl Gegenstand der Verehrung als die Grenze derselben gewesen sey; die Schranke, welche dem Streben des Geistes zum Geiste, welches der Religion als solcher wesentlich ist, entgegentritt." Will der Vf. die Vorstellung von einem rohen Fetischismus abhalten, so müssen wir ihm beipflichten, will er aber die ursprüngliche Verehrung der materiellen Elemente und Naturkräfte in Abrede stellen, so können wir ihm nicht beitreten. Dass übrigens diese immer lebendig gedacht und immer mehr vergeistigt sind, bedarf kaum der Erinnerung.

Wir verwerfen mit dem Vf, die Verwirrung, welche

gewisse, besonders Griechische Philosophenschulen angerichtet haben, als falsch, sind aber weit entfernt, deren Erklärungsversuche für ganz nutzlos zu halten: wie ihnen auch für die Geschichte des Mythus und der Religion ihre Wichtigkeit gelassen wer

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den muss, da diese Ansichten zum Theil den Mythus änderten und in den Volksglauben übergingen. “. Bevor wir diese Darlegung der Principien verIassen, können wir nicht unhin zu bemerken, dass die Vossisch-Lobecksche Methode nicht einer gleichen Kritik unterworfen ist, sofern sie nicht eben dadurch als einseitig getadelt wird, dass die Müllersche Methode ihr Supplement seyn soll. Dazu wird beiläufig die Annahme des Priesterbetrugs in der Erfindung der Mythen als beseitigt angesehen: worin der Vf, gewiss wenig Widerspruch finden wird.

Die Einleitung beginnt mit den Behauptungen: „Homer ist die erste und lauterste Quelle aller Griechischen Mythologie", und „die Homerischen Gedichte sind in jeder Beziehung ohne Mystik." Dass Homer für uns die erste Quelle ist, wird Niemand bestreiten, dass er aber auch die lauterste, möchte auf die Hellenische Mythologie in ihrem Unterschiede von der Griechischen zu beschränken seyn, in so fern dies eine ältere Pelasgische mit umfasst. Da der Vf. gleich auf das Mystische als ein der Nachhomerischen Zeit eigenthümliches Element übergeht, um den Gegensatz gegen den Hellenismus Homers deutlich zu machen, wäre es wohl zweckmässig gewesen, den Begriff des Mystischen vorher recht klar zu machen und festzustellen: was erst §. 11. S. 27I und ff. geschieht. Sehr natürlich ist der Gedankengang, den sich der Vf. ferner vorzeichnet: Homerische Demeter, mystisches Element, Folgen desselben. Zuerst sucht der Vf. zu erweisen, dass der Raub der Persephone, an welchen sich das mystische Element besonders anschloss, dem Homer unbekannt gewesen sey. Wenn sich aber an diese Mythe die Mystik schloss, so glauben wir darum dieselbe nicht ursprünglich daran gebunden, und so richtig der Schluss seyn mag, so scheint er uns weniger wichtig. Es wird nun wahrscheinlich gemacht, dass nach Homer Persephone die Gemahlin des Aidoneus, die Tochter des Zeus und der Okeanine Styx, oder eine Schwester der Styx gewesen sey. In letzterm Fall ist jedoch etwas unklar, wie sie dann eine Tochter des Zeus gewesen, auch liegt es ziemlich fern, da sie in dieser Verbindung Daeira heisst. So ergänzt der Vf, selbst nicht ganz consequent den Homer aus den Späteren. Trefflich ist nun im Folgenden nachgewiesen, wie die z/jugtgog xógy und die Persephone ursprünglich durchaus verschieden gewesen: jene das liebliche Denneterkind, diese die finstere Gemahlin des finstern Königs der Unterwelt. Für diese Unterscheidung hätte noch die Doppelheit der Namen benutzt werden können: Persephone die Lichttödterin, Persephassa die Lichtglänzende. Es werden drei Hauptunterschiede nachgewiesen in der Idee des Todes, in der Idee des Werdens und in dem Formalismus der Mythenbildung. Hier ist viel Schönes gesagt, doch möchte nicht Alles wahr seyn. So ist es wohl zu allgemein behauptet, wenn es heisst: Homer wisse nichts von Naturkräften und

bedeutungsvollen Mächten und Potenzen S. 17, und wenn vorher der Demetermythus bei Hesiod der Allegorie vindicirt wird, was gerade im Homerischen Mythus von der Demeter nicht weniger der Fall, wenn es heisst, dass Demeter sich dem Jasios vermählt auf dreimal gepflügtem Acker und von ihm den Plutus geboren, inag Jasios der Fleiss der Menschen oder die fruchtbare Temperatur bedeuten. Auch erkennt der Vf. später S. 285 hier die Allegorie an.

Wir folgen nun dem Vf. in Beziehung auf die von ihm S. 15 gezogenen Folgerungen über die Religion und Mythologie der Pelasger und Hellenen in ihrem Unterschiede. Er erklärt, dass die mystische Demeter eine Pelasgische Göttin und insofern älter als Homer, aber erst später ein Bestandtheil der Hellenischen Nationalreligion geworden sey. So sehr wir dies für richtig halten, so scheint uns doch der Vf. diesen Gegensatz zu unbedingt und zu sehr ohne chronologische Grundlage hinzustellen. Einmal ist ihm dasjenige Hellenisch, was durch die epische Poesie Gemeingut geworden, und wiederum erscheinen die Hellenen als einzelner Stamm, der über die Pelasger herrscht und als ihnen feindlich. Nun soll das Pelasgische in der Zeit zwischen Homer und Hesiod zum Hellenischen geworden seyn. Darnach müssen wir annehmen, dass der Vf. im Homer noch gar nichts Pelasgisches findet. Eine genauere Analyse dieser Annahme wird dieselbe in ihrer Nichtigkeit aufweisen. Nimmt er doch selbst an, dass die Mythe von Demeter und Jasios in Kreta lokal gewesen? ist es doch nicht zu leugnen, dass die Verehrung Athene's in Athen dem Homer, bekannt? Freilich die besondere Auffassung der Götz tin verschweigt er, aber jene offenbare Allegorie des Kretischen Mythus von Demeter, ist diese denn irgendwie und irgendwann in die Nationalmythologie verflochten und von derselben weiter ausgebildet worden? - 1 . . !

Richtig ist was S. 22 über das Alter Hesiods gesagt wird, aber seine Abhängigkeit von Homer möchte auf eine ganz andere Weise zu erklären seyn. Der Vf. meint, die Homerische Form der Mythologie habe auf ihn gewirkt und die ursprünglich ganz anders gefassten Mythen umgebildet. Die Thatsache geben wir zu, halten es aber nicht für ausgemacht, dass sie so zu erklären sey. Es ist uns vielmehr die Umgestaltung der Religion überhaupt, von der Homer so gut abhängig ist als Hesiod eines Umwandlung in der Fassung der Mythen, die albes Mythologie'n erlebt haben: ich meine die, dass spätere Geschlechter, denen der ursprüngliche Sinn immer dunkler ward, denselben nach und nach ganz fallen liessen und die Mythen als äusserliche Geschichte fassten. Homer selbst liefert uns die sichersten Beiträge zu der Geschichte dieser Umbildung,

die mit der Geschichte des Griechischen Volks in

dem engsten Zusammenhange steht, aber eben daher muss die Mythologie über Homer hinausgehen. In

Hesiod ist die frühere Gestalt noch deutlicher zu er-
ennen, weil in Böotien diese äussere Auffassung
päter durchgedrungen seyn mag, darum, aber sind
sie Homerischen Ä ursprünglich nicht anderer
Art gewesen, sie haben nur durchgreifendere Ver-
jdejung in der Auffassungsweise erlitten. Der
Vf, scheint die Homerische Mythologie gleichbedeu-
end zu nehmen mit der Hellenischen. Das geben
wir zu in Beziehung auf den Ton: es darf aber nicht
erkannt werden, dass der Gegensatz zur Pelasgi-
ichen nur relativ ist und der grösste Theil des pelas-
zischen Elementes schon bei Homer ins Hellenische
ibergegangen war. Wider Willen ist der Vf. durch
diesen Gegensatz oft über Homer zurückgegangen.
Hellenisch ist nur ein Collectiv- Begriff: in Homer
liegt zunächst das Achäische vor, aber nicht mehr
reij: denn der Sänger ist ein Ioner und da entsteht
gleich die Aufgabe: hat des Dichters ionische Auf-
fassung auf seine Darstellung des Achäischen Ein-
fluss gehabt? Diese Frage muss in Zusammenhang
mit den Untersuchungen über die Homerischen Ge-
dichte überhaupt beantwortet werden. Hier können
wir nur als Theses hinstellen, was uns aus unsers
trefflichen Nitzsch Untersuchungen zu folgen scheint,
dass das Achäische reiner, vielleicht ganz rein, nur
in der Ilias vorliegt, in der Odysse aber die ioni-
sche Auffassungsweise des Dichters ein bedeutendes
Uebergewicht hat. Wir erinnern an die verschie-
dene Vorstellung von dem Wesen, dem Aufenthalte
und der Erscheinung der Götter. Dem Achäischen
scheint noch das Aeolische voraus zu liegen, was
auch in der Ilias schon mit dem Achäischen innig
verflochten ist, wie aus der Erwähnung der Argo-
nautika folgt, die den Aeolern angehören. Das Aeo-
ische, was dem Pelasgischen viel näher steht, muss
faber Äie dieses schon in sich aufgenommen haben.
Was aber unmittelbar von den Pelasgern, was durch
die Beziehung zu den Aeolern, was durch den Thra-
kischen Gesang zu den Achäern gekommen ist, kann
vielleicht in Hauptmassen, so wie in dem Typus,
nicht aber in allen Einzelnen mehr gesondert werden.
Wäre die Herakles - Sage durchaus Dorich, so
müsste selbst das Dorische schon früher Einfluss ge-
wonnen haben: was auch nicht undenkbar, da sie
dieselben oder wenigstens benachbarte Gegenden
Thessaliens bewohnt haben, indess, weniger wahr-
scheinlich, da im Ganzen die Dorer vor den Troi-
schen Zeiten den Aeolern und Achäern, wenn nicht
feindlich, wenigstens fremd geblieben zu seyn sche-
Ät. Was nun die Achäer betrifft, so scheint bs-
sanders von ihnen die äusserliche historische Auffas-
Äung des Mythus herzurühren und durch sie all-

mein Hellenisch geworden zu seyn, so fern diejelbe nicht überhaupt in dem natürlichen Entwickeungsgange der Mythologie lag. Die Mythologie der Aoäer war nach unserm Dafürhalten arm und ab: : " : . . - - - "»

strakt: sie hatten keine Theogonie, so wenig als,
die Römer, es fehlte ihnen die Intension der Phäno.
tasie, welcher die frühere Bevölkerung den reichen
Mythus verdankt. Ihre Götter sind ziemlich ab-
strakte Mächte, wie die obern Götter bei Homer
erscheinen, obgleich ihre Sage da schon mit Pelas-
gischen Elementen ausgeschmückt ist, ihre Heroen
schliessen sich in der dritten Generation rückwärts
an den Zeus. - Die ihnen angehörige historische
oder Heroen-Sage reicht also nicht über die Zeit
ihres Aufenthaltes in Griechenland hinauf. Mit
dem Gesange der Thraker oder frühern Bevölke-
rung überhaupt, der vorher schon zu den Aeolern
gekommen war, ging ein Gemisch beider Elemente
auf sie über, ward aber in ihrem Sinne, d. h.hi-
storisch überarbeitet. ..
Demnach ist die Homerische Demeter so gut,
Pelasgisch als die Hesiodeische, aber beim Hesiod
bringt sie, wie S. 23 richtig bemerkt ist, „ge-
wisse andere Beziehungen" mit, die mit den von
Homer überlieferten, aber gewiss anders woher
dem Hesiod bekannten Vorstellungen, so gut es
ging, in Uebereinstimmung gesetzt wurden. Denn
dass Hesiod die im Homer vorkommende Sage aus
andern Quellen schöpfte, zeigt die Abweichung
im Namen (Jasios) und die Hinzufügung des Ortes
(Kreta). - - - - - -
Scharfsinnig ist die Art der Verbindung der
beiden oben angegebenen Mythen entwickelt, aber
es ist nicht erwiesen, dass erst Hesiod sie voll-
brachte. Lose und nicht ganz consequent sind die
in den ältesten Dichtern vorkommenden Lokal-
kulte daran geknüpft: denn wenn Homers Mythe
von Demeter und Jasios nach Hesiod . von Kreta
bergeleitet und mit dem Räube der Persephone auf
Kreta nach Bacchylides, sowie mit den dort gefeierten
Eleusinien und Thesmophorien in Verbindung ge-
setzt wird, so ist doch nichts wahrscheinlicher, als
dass auch hier die Pelasgische Auffassung der Per-
sephone als des Demeterkindes zum Grunde liegt
und also Pelasgisches schon in den Homer über-
egangen ist. Das wird bestätigt durch die im
olgenden besprochenen Thesmophorien auf Paros
und Thasos. -
Im §. 2 wird nun das Verhältnifs der Deme-
ter zu den verwandten Göttinnen, Ge, Isis und
Rhea, so wie der Persephone zur Hekate, dann
Demeter und Persephone nach der Orphischen Theo-
gonie erörtert.
Ursprünglich ist Ge die Erde, die schaffende
Macht, Demeter aber als Urheberin der Kultur-
pflanzen, nicht wie jene, im kosmogonischen Sinne,
sondern nur reproducirend. Daraus sind ihre sämmt-
lichen Eigenschaften abgeleitet. Erst die spätern
Philosophen haben beide gleich gesetzt. ..
(Die Fortsetzung folgt.) .

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MYTHOLOGIE.

HAMBURG, b. Perthes- Besser u. Mauke: Demeter und Persephone, ein Cyclus mythologischer Untersuchungen. Von Ludw. Preller u. s. w.

(Fortsetzung von Nr. 37.)

D. Gleichstellung der Isis und Demeter ist, wie der Vf. nachweist, nie mehr als Hypothese gewesen. Hier wird Herodot hart, aber gerecht verklagt, dass er, durch den Glauben an Aegyptens Alterthum verleitet, in der Ableitung der Griechischen Götter aus Aegypten mit sich selbst in Widerspruch gekommen sey p. 37, indem er sonst die Abhängigkeit der Religion von den ethnographischen Verhältnissen und den Einfluss Homers und Hesiods auf die Griechische Mythologie anerkennt, dazu selbst erzählt, dass Aegypten vor Psammetich ein verschlossenes Land gewesen sey. So sehr wir von der ursprünglichen und fortgehend anerkannten Unterscheidung beider Göttinnen überzeugt sind, so geht der Vf. doch offenbar zu weit, wenn er den Aegyptern alle Mythenbildung abspricht und die Ueberzeugung äussert, dass die Erzählung Plutarchs von dem Suchen der Isis nach dem Osiris, und ihre Einkehr in Byblos von Griechischen Exegeten der Griechischen Mythe von der Kore nachgedichtet sey. Denn erstlich kehrt in jeder Naturreligion die Idee eines leidenden Gottes wieder, man denke nur an den Phönizischen Mythus von Adonis, an die Nordische Erzählung von Baldurs Tod. Zweitens reichen die Nachrichten von der Trauer der Isis so hoch hinauf, dass man einsieht, das Trauerfest der Isis hat frühzeitig die Aufmerksamkeit der Griechen auf sich gezogen. Das bezeugt folgendes Fragment des Philosophen Xenophanes bei Plut. Amat. p. 763. D. Fergqiyng Ayuttovg éxé évos töv 'Oouguv., et Ovytöv wouijovot, u zuáv (Ög Geóv, si öé Gsöy Yoövrat ouj OgyvéÖ. Bei S. Karsten p. 86. ,,Die Verbindung der Rhea mit Demeter, und der Hekata mit Persephone gilt dem Vf, für eine wirkliche und einflussreiche Combination, die eine Folge der Orphischen Poesie war. Ohne den frühern Usprung zu leugnen, glaubt der Vf, ihre Umarbeitung und ihre Einführung in die Griechische Literatur um die Zeit der Pisistratiden setzen zu müssen. Den Ursprung dagegen sucht er bei den Thrakern und den verwandten Phrygiern. Wir möchten die Sache Ergänz. Bl. zur A. L. Z. 1838.

umkehren und die ältesten Elemente für ächt Griechisch halten, die neuen Elemente, mit denen sie versetzt ward, aus Thracien und Phrygien ableiten. So lässt sich der historische Zusammenhang auch leichter begreifen, denn gerade die Grundlage, nicht etwa ein Anhängsel ist Griechisch. Die alten (mythischen) Thraker, die wohl allgemein als Urheber der Theogonie anerkannt werden, wanderten wie es scheint von Pierien an die Küsten des später von ihnen genannten Landes und verbanden sich mit den dortigen Völkern. Thuc. II. 28 u. 99. Natürlich wurde auch die Religion ein Gemisch, das nach Griechenland namentlich nach Athen kam, als die Athener in jener Gegend Verbindungen anknüpften, was schon früher geschehen seyn muss, als der ältere Miltiades dort seine Kolonie anlegte, da diese Anlage schon Bekanntschaft mit jenem Lande voraussetzt. Doch giebt diese Kolonie ein bestimmtes chronologisches Datum, die Zeiten des Pisistratus. Her. VI. 34. Daher denn die Verbindung der Eleusinischen Mythen mit Thracien, in denen sich eine Kenntniss der geographischen Verhältnisse Thraciens erkennen lässt, in die Zeiten vor Solon zurückzusetzen, wie denn auch Orpheus, dessen Sagen aus Thracien zu stammen scheinen, wohl schon beim Pherekydes vorkam, bei Sturz Fr. 18. Ferner steht nach Brandis Untersuchungen wohl fest, dass die Orphischen und ähnliche Theogonien vor 600 v. Chr. in die Griechische Literatur Eingang gefunden haben, aus dem ganz einfachen Grunde, weil sie von Aristoteles den um 600 v. Chr. G. lebenden Epimenides und Pherekydes als ältere Theologen gegenüber gestellt werden. Aus dieser Erörterung ergiebt sich, dass wir dem Vf. in gewisser Hinsicht beistimmen, wenn er Orpheus als den eigentlichen Griechen ursprünglich frend bezeichnet. Weniger können wir mit ihm den grossen Einfluss desselben beklagen, weil wir diesen für geringer halten. Man denke nur, wie zuerst nur Einzelnes in die Dichter überging und noch viel weniger in die Plastik und wie sehr dieses hellenisirt ist. Denn die eigentlichen Orphischen Mysterien blieben eben immer Privatmysterien, wie Plato, Hippokrates und noch Demosthenes zeigen. . Die Eiñseitung schliesst mit der Betrachtung, wie die einzelnen Veränderungen in diesen Mythen bei den Dichtern der Zeitfolge nach hervortreten. Das erste Kapitel handelt §. 3 bis 11 den Raub der Kore ab, und zwar in §. 3 die äussere Geschichte

Pp

Hymnen, die auf die Ausbildung dieser Mythen grössten Einfluss gehabt haben; in § die Anund Interpolation des Homerischen Hymnus an Demeter; §. 5 Rekonstruktion der Orphischen lichte vom Raube; §. 6 Märchen vom Askalabos; die Arkadische Version der Mythe; § 8 sonstige sionen; § 9 die chthonischen Götter und veränte Vorsteilungen vom Zustand der Verstorbenen; 0 Analogieen der allegorisch - sentimentale Anauungsweise in der Mythe vom Rauhe; § 1 Allmeine Betrachtung des mystischen Elements der echischen Religion. Es muss auffälen, erst so spät den Begriff des stischen erörtert zu sehen, der von vorn herein bekannt vorausgesetzt wird. Freilich zeigt die ge der Materien, dass der Vf. ihn erst als Refat seiner historisch-kritischen Forschung geben lte; allein dann hätte er vermeiden müssen, on vorher daraus Folgerungen zu ziehen. So ist ihm nicht gelungen, die petitio principi ganz zu meiden; ausserdem wurde er zu so manchen Wicholungen genöthigt, und es musste sich dem Vf. ost das Gefühl des Mangels der Einheit im ganzen erk aufdrängen, welches sich auch in Titel ausicht, indem er sein Werk einen Cyklus mythoischer Untersuchungen nennt. Es stand ihm alJings frei, entweder die Untersuchung in analyher Folge zu geben oder die Resultate in syntheher Form, er wollte aber offenbar beides vergen und verfiel so in die angedeuteten Fehler, die »ch durch Gedrungenheit der Darstellung grossen eils wieder gut gemacht und durch die Gründlichim Einzelnen bei weitem überwogen werden. Vortresslich ist was §. 3 über die Hymnen des hilochos, Lasos, Pindar, Bacchylides, Pams, den Homerischen, des Musäus und Orpheus agt wird. Die epischen Hymnen werden, später etzt als die lyrischen, wenigstens als der des Arochos, von diesen aber wieder der Honerische für ältesten nach Pamphos erklärt, mit Ausnahme Interpolationen, welche in der Zeit zwischen iochus und Apollodor abgeschlossen seyn sol*) und §.4 genäu nachgewiesen werden. Er wird t nach Voss als für die Eleusinien, sondern nach

ker, obgleich aus andern Gründen als für den

n an den Panathenäen bestimmt nachgewiesen. Bei der Darlegung des Inhalts werden sowohl spätern Veränderungen des Mythus, als die entchenden Kunstdenkmäler und Feste nachgewieund erklärt. Ueberhaupt ist die Behandlung Mythus in Verbindung mit den Festgehräuchen obecks Vorgange ein besonderes Verdienst Vfs. Als später eingeschoben werden bezeichV. 21 – 37 im ersten Ahschnitt der Anthologie, die Erzählung verschieden v. 414–433 wiederk. Im zweiten Abschnitt, der das Suchen der eter schildert, wird nur der Abschnitt von

neuntägigem Suchen für zweifelhaft erklärt, wegen der Beziehung auf die neuntägige Vorbereitung auf die Mysterien. Der dritte Abschnitt beschreibt die Entfernung der Demeter und ihre Gegenwart zu Eleusis. Hier erscheint die unzeitige Erwähnung der mysteriösen Gebräuche im Dienst bei der Metaneira störend und deshalb werden V. 190–211 für eingeschoben erklärt; denn theils wiederholt sich diese Einsetzung mehrmals, theils haben jene Verse den offenbaren Zweck, gewisse Festgebräuche zu erklären. Eben so muss die dritte Erwähnung der Stiftung unecht seyn V.473–482, welche dem vierten Abschnitt angehören, der die Rückkehr der Kore zur Mutter, den Vertrag zwischen Demeter und Zeus und die Rückkehr der beiden Göttinnen in den Olymp enthält. Was bei dieser Gelegenheit p. 118 aus Pseudo Hippocrates de victus rat. II1. init. über die Länge der Ä falsch angegeben wird, ist in den Nachträgen p. 399 berichtigt. Es würde zu weit führen, mit dem Vf. über die Auslegung im Einzelnen zu streiten: wir stimmen ihm bei, dass man nicht alles deuten dürfe, aber das möchten wir auf die Ausführung beschränken: in den Anfängen historische Elemente anzuerkennen, können wir uns nicht entschliessen. Wir freuen uns, dass der Vf. bei verehrender Anerkennung, die wir mit ihm Voss und Lobeck aus vollem Herzen zollen, sich von ihrer Starrheit losgesagt hat. Aber ist Triptolemus Symbol des dreimaligen Pflügens, warum nicht der im Feuer geläuterte Demophoon Symbol des Dörrens auf der Darre, das dem Getraide Dauer giebt (als Unsterblichkeit vorgestellt) und am Keimen hindert (daher der Tod)? warum nicht im Keleos den Specht erkennen, der wie in der Römischen Mythologie unter ganz andern Verhältnissen dem Romulus und Remus Nahrung bringt als Vogel und daneben als König Picus personificirt wird. Da schwerlich der Specht irgend eine Beziehung auf den Ackerbau hat, ist hier wohl eine Symbolik anderer Art anzunehmen. Dasselbe gilt von dem Orphischen Gesange auf den Zorn der Demeter, der §.4 behandelt. Ist hier Dysaules auf den Mangel des Ackerbaues zu beziehen, warum nicht Eumolpos auf den Frühlingsgesang der Vögel? Wie schön passt dazu seine Abstammung von Poseidon und Chione: der Frühling tritt ein, wenn der Schnee schmilzt auf den rauhen Bergen, die mit Thracien bezeichnet sind (hängt zusammen mit tpaxög rauh), Chione, der Schnee, ist sehr natürlich eine Tochter des Boreas und der Ornithyia, denn er fällt, wenn der Nordwind durch die Gebirge tobt **). So ist wohl die obscöne Gebehrde des Jacchus auf den Armen der Amme Baubo in Verbindung mit der Sage, dass Demeter die Freunde ihrer Liebe hätte geniessen lassen, nur ein Symbol der Fruchtbarbeit durch Vergleichung der menschlichen Zeugung mit der Pflanzenwelt, was

Ilier hätten noch die Bruchstücke der Philetas von Kos berücksichtigt werden sollen aus der Elegie Anujrne.
Diese Beurtheilung war geschrieben bevor Forchhammers Hellenika erschien,

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