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E R GÄN ZU N GS B L ÄT T ER

ZU R.

ALLGEM EIN EN LITERATUR-zEITUNG

April 1838.

RÖMISCHE LITTER ATUR.

NüRNBERG, b. Schrag: Titi Livii Patavini Historiarum Liber XXI. et XXII. Mit Anmerkungen von Dr. Ernst Wilhelm Fabri, Professor am. K. B. Gymnasium zu Nürnberg. 1837. X u. 356S. nebst XXXS. Register. 8.

D, die Geschichtsbücher des Livius in Absicht auf gelehrte Bearbeitung keineswegs vernachlässigt sind, und da sie oben ein zu denjenigen Schriften gehören, deren Brauchbarkeit für Schulen am allgemeinsten anerkannt ist, so muss es auffallen, dass es bisher an Ausgaben, welche die Bedürfnisse der Schiiler befriedigten, fast gänzlich gefehlt hatte. Freilich wenn man dieselben in dem Maasse mit Anmerkungen ausrüsten wollte, wie es bei Cäsar, Nepos u. a. und wie es auch bei den vorliegenden zwei Büchern

eschehen ist, so würde eine lange Reihe von BänÄ nöthig werden, deren Anschaffung einem Schüler nicht zuzumuthen wäre, sollte es auch möglich und räthlich seyn, eine so grosse Masse brauchbaren Stoffes für solchen Zweck aufzuspeichern. Darum ist es ohne Zweifel ein sehr glücklicher Gedanke des Hrn. Fabri, dass er nur zwei Bücher ausgewählt hat, und zwar gerade diejenigen, denen schwerlich zwei andere rücksichtlich des Reizes und der Wichtigkeio des Inhalts und der Schönheit und Lebendigkeit der Darstellung gleich kommen diirften. Sie reichen vollkommen hin, um an ihnen die Eigenthümlichkeit der Livianischen Sprache im Ganzen und im Einzelnen deutlich zu machen, und da der Herausgeber, wie man nach seiner sehr schätzbaren Bearbeitung des Sallust zu erwarten berechtigt war, seine Aufgabe mit grosser Einsicht in das Bedürfniss der Schule gelöst hat, so muss ihm das Verdienst zugestanden werden, zuerst ein Buch geliefert zu haben, das ganz geeignet ist, die Lectüre des Livius auf die fruchtbarste Weise einzuleiten. Bei vorwiegender Sorge für die grammatische Interpretation, ohne jedoch die historische ungehiirlieh zu versäumen, (nur die bedeutenden Zweifel, welche über Hannibals Zug obwalten, nnd die darüber vorhandenen Schriften von de Luc, Ilickham u. Cramer, Long, Reichard, Ukert, Runström hätten wohl eine kurze Erwähnung verdient), hat Hr. F. sich fern gehalten von jedem unnützen Aufwand an gelehrten Citaten und sernliegenden Vergleichungen; vielmehr behält er überall in

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Auge, was bei jeder Stelle erwartet oder Wenigstens gebraucht werden kann; überall ist es zunäcj der besondere Sprachgebrauch des Livius, den er erläutert, und er thut dies mit sorgfältiger Benutzung einer Vorgänger, die er sehr häufig durch eigene fleissige Beobachtung vervollständigt hat, und von denen er die meisten an systematischer SprachkenntÄ*», antretender Auffassung des Einzj A 1 Klarheit in der Erläuterung weit übertrifft Besonders zweckmässig und sorgfältig gewählt sind die Parallelstellen , die eine vertraute Bekanntschaft mit Livius beurkunden; durch sie wird j eine weitere Beschreibung des vorliegenden SprachgebrauchserPÄ Yie denn überhampt jede Weitjfj 9 Emieden ist. Von anderen §Ä j vjzugsweise Cicero, Sallust und Cäsar zur Vergleichung gezogen, auch ist nicht versäumt, darauf je Äisen, wie die Sprache des Livijssij VOIN der jener Musterschriftsteller entfernt und theils ein eigenthümliches Gepräge Ägt, theils zu den neuen Gestaltungen des silbernen Zeitalterj leitet: jedoch wäre diesem Theile der Beobachtung noch mehr Rücksicht Zu Wünschen, z. B. bei 74amquama mit dem Conjunctiv pag. 41. Die Verschiedenheiten der Lesarten sind ziemlich oft besprochen jedoch ist darin das richtige Maass für de Zwej des Vf eben nicht überschritten. Am meisten vermisst Rej Bemerkungen über einzelne Punkte der Etymologie die bei Livius in Frage kommen; so wäre zB XÄ? 5, § 10 nunmehr wohl adorerenjzj schreiben ge Wesen statt adorirentur, was vielleicht Bekker schon aufgenommen hat; Wenigstens muss es mit demselben Rechte geschehen, wie bei P0erentur; und die Menung, dass diese Formen nur poetisch seyen, ist aufzugeben; auch sind sie neuerdings bei Tj schon hergestellt; aber selbst bei Cäsar B. G. V, 53, I giebt die beste Handschrift Oreretur; so schreie Ä Frontin und Sueton; bei anderen AutoYen. Wird eine genauere Vergleichung dej Codd. wahrscheinlich j Ergebnis Ä Äielleichtuch das. c. 7, 7 u. 12 §jnj lar cetera eine Bemerkung verdient; fernej die -, Pelten Formen des Plural conatus und C0N (tt(! Ä ehe beide lib. XXI. vorkommen, letztere c 5ó %. denn es sind nicht alle Casus von beidej Gebjej Was Pog. 166 über den Genitiv paludij und p 86 iiher jurisse gesagt wird, ist Dgenügend. Fj wir, und wieder wohl mehr Rücksicht auf die Il

onymik zu nehmen gewesen, z. B. bei custodiae
stätiones XXI, c. 4, 7. 14, 2, bei primo das. c.
10, in Vergleich mit primum u. s. w.; wo es ge-
ehén ist, da bleibt zuweilen eine grössere Ge-
igkeit und Bestimmtheit zu wünschen, z. B. p. 2
Äres und robur; pag. 12 bei fortis und strenuus;
es soll heissen: kraftvoll, tüchtig; dieses: rasch
That, rüstig; ich möchte es fast gerade umkeh-
, so dass fortis auch Muth und Kraft beim An-
ifen einer Sache, strenuus auf die unverdrossene
sdauer geht. Unrichtig ist es ohne Zweifel, wenn
h pag. 14 magis bei Livius oft gleichbedeutend mit
it seyn soll, und der Unterschied, der nach
g. 19 in der Bedeutung von agmen quadratum statt
äen soll, ist vollkommen ungegründet, wie sogar
2 eigenen Worte des Vf, erkennen lassen: Bei
XI, 9, 3 und an anderen Stellen wäre eine Bemer-
ng über den Grund des Accus. c.inf, statt des
oj. c. inf. zweckmässig gewesen. Doch abgesehen
ervon will Rec. lieber über einige einzelne Stellen
B. XXI sprechen, wo er eine Berichtigung für
thig hält. - -
Pag. 3 wird der Plural odia erklärt durch: Em-
indungen des Hasses, was unnatürlich scheint; dann
er Hass ist hier nur Einer, und es ist nicht einzu-
hen, von welcher Art die verschiedenen Empfin-
ungen desselben gewesen seyn sollen. . Viel einfa-
her war es, daran zu erinnern, dass hier von zwei
arteien, ja von zwei Völkern, die Rede ist, in de-
en jedermann sein eigenes odium hat. -
P. 32 wird in den Worten c. 10, 9: Vicerunter-
odi hominesque; et id, de quo verbis amigebatur,
terpopulus föedus rupisset, eventus bell, velutteq.us
der,unde ius stabat, eivictoriam dedit eine Anako-
thie angenommen, die jedoch den zu c. , bespro-
henen, auf welche verwiesen wird, unähnlich wä-
e; hier soll Livius etwa im Sinne gehabt haben: id,
e quo verbis ambigebetr; -, re diudicatum est.
Hierbei ist übersehen, dass das id vor de qu0 garnieht
nders zu betrachten ist als in der bekannten For-
ael id quod, bei welcher doch Niemand verlangt,
ass das id ausserhalb des Relativsatzes noch eine be-
ondere Beziehung haben soll, durch welche der Co-
us desselben begründet würde; eine solche ist in
ler Regel nicht vorhanden oder sie besteht nur in ei-
er allgemeinen Hindeutung auf einen ganzen Satz
der einen Satztheil, ohne dass eine enge Anschlie-
sung nach Genus, Casus und Numerus statt fände,
selbst auch dann nicht, wenn diese möglich wäre;
o sagt Liv. VI, 17, 6 quum remisso, id quod ereptu-
jerjt, er seiatus consulto Manliusvinculs libera-
ur, wo man hätte remiss0 e02 quod ereptur erant
erwarten sollen. Die Unveränderlichkeit von id
steht hiernach fest; sie wird auch bestätigt durch
eine in anderer Beziehung merkwürdige Stelle bei
Terent. Hec. III, 3, 8: Laeto exclamant: venit,
idquod me repente asperernt. Hätte nun auch in der
obigen Stelle: dquod verbis ambigebtur gestanden,
so würde der Vf. vielleicht an keine Anakouthie ge-
dacht haben, sondern es lag dann näher, die leichte

angeführten Stellen fast alle unpassend sind.

Erklärung anzuwenden, welche die Grammatiken
auszudrücken pflegen durch : quod attinet adid quod.
Pag. 33. c. 11, 1: quum Hanno perorasset, ne-
mini omnium certare oratione cum eonecessefuit: adeo
prope omnis senatus Hannibalis erat. Hier bemerkt
der Vf. nur etwas über die Verbindung von necesse
est mit dem blossen Infinitiv oder mit dem Dativ und
Infinitiv; beides gehörte eigentlich nicht hierher, da
nemini necesse fuit hier eine ganz andere Bedeutung
hat, bei welcher der Dativ nothwendig ist, nämlich:
Niemand hielt es für nöthig, für der Mühe werth.
Pag. 47. c. 17, 4: supplicatioper urbem habita
atque adorati dii, ut bene ac feliciter evenire“, quod
bellum populus Romanus iussisset. Der Vf. constru-
irt: ut bellum bene ac fel. eveniret, quod p. R. iussis-
set, und dass diese Construction an und für sich mög-
lich sey, ist nicht zu bezweifeln, obgleich die dafür
Aber
weit natürlicher ist es doch, das ganze Factum: quod
bellum p. R. iussisset als Subject von eveniret zu neh-
II1E Il.
Pag. 48. c. 17, 9: duas legiones Romanas et X
millia sociorum peditum, milleequites socios, sexcentos
Romanos Gullia provincia eodem versa in Punicum bel-
lum habuit. Die Schwierigkeit dieser Stelle liegt in
den Worten eodem versa; die Conjectur nondum versa
verwirft der Vf, ohne genügenden Grund; denn in
§. 7, wo gesagt ist, dass L. Manlius in Galliam mif-
tebatur, liegt keinesweges ein Widerspruch; es ist
damit ja nicht ein früheres Factum ausgesprochen,
wie auch das Imperf. zeigt, sondern nur vorläufig
dasselbe angedeutet, was die vorliegende Stelle ent-
hält. Indessen will auch Rec. das nondum nicht ver-
theidigen, so wenig es auch anstössig wäre, wenn
es in den Codd. stände. Ausserdem sind zwei Er-
klärungen möglich, die der Vf. beide für möglich
hält; aber die eine, das versa auf legiones-sercentos
Romanos zu beziehen, ist nicht möglich, da es dann
hätte versos heissen müssen; das Neutrum wäre hier
gänzlich unpassend. Es bleibt daher nichts weiter
übrig, als in Punicum bellum für eine Epexegese von
eodem zu nehmen und versa auf Gallia zu beziehen.
Jedoch liegt hier ohne Zweifel noch ein Fehler, der
nicht leicht zu heben ist; es mag etwas ausgefallen
seyn, das in Verbindung mit eodem und versa den
Grund angab, wesshalb ganz genau so viele Trup-
en nach Gallien geschickt wurden als Scipio für
anien bekam, z. B. periculo.
Nicht gelungen sind ferner die Versuche, wel-
che der Vf. gemacht hat, um c. 22, 1 das haud minus,
c. 27, equites virique und das. §. 7 prodito fumo zu
vertheidigen, an welchen Stellen wohl nur, wie schon
von Andern geschehen, durch Conjectur zu helfen
ist. Auch ist c. 22, 3 die handschriftliche Lesart:
ne quid terrestris deesset atrilii genus durch Aufnah-
one Yon quod zu leicht abgefunden. Aber pag. 69. c.
26,8 ingens coactavis navium est lintriumqie – no-
osque alias primum Galli inchoantes cavabant er
ongulis arboribus; deinde et ipsi milites alveos in-
formes faciebant, ist das inchoantes carabant

gänzlich missverstanden: sie höhlten sie auf unvollkommene Weise aus, eine Sprachweise, von welcher der Vf. selbst vermuthet, dass sie sonst nicht vorkommt. Der Zusammenhang zeigt sehr deutlich, dass die Gallier den Anfang machten mit dem Verfertigen der Nachen; die Soldaten des Hannibal thaten dann das Uebrige, bis die Zahl der Nachen hinreichend war zum Uebersetzen. So hat inchoare hier seine ganz gewöhnliche Bedeutung. Pag. 73. c. 28, 4. Galli, postquam utroquevim

facere conati, pellebantur, quapatere visum maxime

iter, perrumpünt trepidique diffugiunt. Mit Unrecht ist hier utroque statt des bei weitem besser beglaubigten ultro aufgenommen. Schon der Ausdruck u troque vim facere, nach beiden Seiten hin einen Kampf versuchen möchte sich schwerlich belegen lassen, und irrthümlich sind die beiden Argumente, dass ultro seinem Sinne nach hier nicht passe, und dass perrumpere und vim facere per hostes (letzteres steht gar nicht im Texte und wäre auch nicht gut latein) gleich viel sey. Die Gallier stehen am Ufer des Flusses und wollen die übersetzenden Soldaten des Hannibal angreifen, da kommt ihnen Hannibal mit einem anderen Theile des Heeres in den Rücken; vor sich und hinter sich Feinde waren sie plötzlich in die schlimmste Lage versetzt, in der ihnen nur übrig blieb zu fliehen oder sich so gut es gehen wollte, zu vertheidigen, bis ihnen etwa von aussen her ein Ausweg geöffnet würde. Statt dessen verfahren die Gallier offensiv, was nicht besser ausgedrückt werden kann als durch ultro vim facere; so wird ultro sehr häufig bei einem Angriff gesagt, selbst wenn er weniger unerwartet ist als hier; s. Tac. Agr. 26. Ann. XV, 5. Cic. in Cat. III, 12 § 28. Liv. 40, 12, 4 das. Drakenb. Frontin strategg. 11 II, 7, 23 und viele andere Stellen. Da nun die Gallier die Feinde nicht zurückschlagen konnten, so mussten sie zu fliehen suchen, perrumpere, qua patere visum maxime iter, d. h. wo die Punier eine Lücke gelassen hatten, und wenn dies auch nicht gerade geschehen konnte ohne Kampf, so ist es doch offenbar wesentlich verschieden von dem vorher versuchten vim facere. - - - Pag. 76. c. 28, II urgentes inter se und pag. 116 fg. c., 39,9 aurerant infer se opinionem hätte über den eigenthiimlichen Gebrauch von inter se, das die Ä ausdrückt, vielleicht etwas mehr gesagt werden sollen; namentlich ist es nicht recht klar, was mit den: oft s c h ein t se zu fehlen – gemeint ist; das inter se drückt nämlich die Beziehung der beiden Objecte zu einander aus, mag diese sonst durch den Accus. oder durch andere Casus bezeichnet werden. Wie urgentes inter se, complexi inter se XXIIII, 16. VII, 42 so sagt Liv. 44, 24, 8 inter se captantes, wofür er c. 25 a. E. das Passivum setzt, inter se captati. Eine reiche Stellensammlung über diesen Gebrauch findet man in Guntheri latinitas restitut yol. II. unter amare interse. vgl. Hand Tursell. III. pag. 397 fg. Pag. 186. c. 62, 6. Novemdiale sacrum edictum et subinde aliis procurandis prope tota civitas operaia

/uit. Ueber operatits werden hier passend zwei Stel- len angeführt Liv. I, 3 extr. und X, 39 in., welche die Construction und die Beziehung auf eine heilige Handlung deutlich machen; dann wird hinzugesetzt: „Man bemerke übrigens, dass das Part. Perf dieses Verbums gerne aoristisch gebraucht wird." Das ist ungenau; operatus hat vielmehr die Bedeutung eines Präsens, und das ist der Grund, weshalb das Ptcp. durch ein Präs. oder Imperf. aufzulösen ist, und weshalb im Indic. Perf. nicht gesagt wird operatus est, sondern fuit. Drakenborch und Bentley wussten dies nicht, und deshalb wollte jener bei Liv. I, 31, 8 regem operatum his sacris se abddisse das operatum als Supinum nehmen, dieser wollte operaturum schreiben. Man vergleiche folgende Stellen: Virg. Ge. I, 339 annua magnae sacra refer Cereri laetis operatus in herbis. Horat. Od. III, 14, 6 unico gaudens mulier marito prodeat iustis operata divis. Tibull. II, 1, 9. Omnia sint operata deo. ib. v. 65 aliqua assiduae textis operata Minervae cantat. II, 3, 36 praeda tamen multis est operata malis. 5, 95 tunc operata deo pubes discumbet in herba. Seneca de brev. vit. 2, 12. Quid illi, qui in componendis canticis operati sunt? Quintil. X, 3, 13 scholae operatus. Frontin IIII, 7, 44 ut operatas Cereris sacro feminas Atheniensium raperent. Valer. Max. VI, 6, 1 integerrimi viri sanctitatem reip. usibus et sacris operatam externae procuratiomi vacare volut. VIII, 7, ext. 4 quo magis vacuo animo studiis litterarum esset operatus, patrimonium suum patriae donavit. Daher das Futurum das. IIII, 7, 7 extr. erit operata.s Tacit. Ann. II, 14 viditque se operatum. III, 43 n0bilissimam Galliarum subolem, liberalibus studiis ibi operatam. Hist. V, 20egressum militem et caedendis materiis operatum turbavere. Grat. Falisc. v. 42. Lactant. institt. II, 14, 14 occulte in visceribus operati valetudinem vitiant Ich habe diese Stellen deshalb mitgetheilt, weil auch in der sonst guten Schrift von Lübker de participiis p. 23 dieser Gebrauch nur sehr flüchtig und ungenau erwähnt ist; er lässt sich noch von mehreren anderen Participien nachweisen. Operatus ist demnach entsprechend dein 0ccupatus, womit es Seneca a. a. O. zusammenstellt; deutsch: beschäftigt, bemüht, beflissen; im Griechischen Zonovôazóg und ähnliche zu vergleichen, das zwar auch die Bedeutung des Präsens hat, aber doch nicht gleich ist mit orovöócov; s. zu Xen. de Rep. Lac. ind. p. 328. Noch sind manche andere Punkte übrig, wie z. B. des Vfs. Aeusserungen über den Gebrauch des Perf. conj. pag. 7, über das Tempus nach postquam pag: 38, über das ne mit dem Plusquamperf.p: 9 worin Rec. dem Vf. nicht beistimmen kann; jedoch wäre dabei zum Theil eine ausführlichere Erörterung nöthig, als sie hier gegeben werden kann. Ungeachtet dieser kleinen Ausstellungen kann Rec. doch nur urtheilen, dass Hr. Fabri ein sehr zweckmässiges und brauchbares Buch geliefert hat, das man in den Händen recht vieler Schüler zu sehen wünschen muss. Die äussere Ausstattung ist musterhast. - L. Haase

VERMISCHTE SCHRIFTEN.

DarspEN u. Leipzig, in d. Arnold. Buchh.: Zehn Briefe Sweier deutschen Protestanten; herausgegehen von Ernst Frey. 1837. IV u. 71 S. 8. (8 gGr.) Ist der Briefschreiber wirklich, wofür er sich usgiebt, ein Protestant, und nicht, wie es den Anjn hat, ein verkappter Jesuit, so ist er Är igstens ein schlecht unterrichteter und einseitizjeihaft Urtheilender, der seiner Kirche UnwahjÜnverdientes nachsagt und bei der Yerglehung, die er zwischen Protesto und Katholien änstellt, selbst die allerwichtigsten Punkte UlIljj lässt. Ueberall blickt die Absicht hervor, ie protestantischen Gemeinen sammt ihren Geistlij im Vergleich mit den Katholik", herabzuÄn. „Dass ein Protestant gegen die Katholiken pricht, erklärt der erste Brief, ist nichts Neues, j etwas Gewöhnliches und sogar Werätfes;" und S. 8, „ehe ein Protestt jetzÄ Zeit, jnders ein hiesiger (Wo die Briefe sind ohne )rtsangabe aus dem Jahre 1836 datirt), hat er's Vor llen Dingen erst nöthig, in seinen eigenen Busen zu greifen und das wuchernde Unkraut in seiner eigenen Kirche auszujäten, Missbräuche aller Art, seichgültigkeit gegen die heiligsten Pflichten, Vernachlässigung der Amtstreue, Ja 50 Nichtkenntmiss der evangelischen Lehren, Nichtkenntniss des Werts der protestantischen Kirche sind in der Togesordnung. So ist denn überall der ifrain: dass jjen Katholiken, Geistlichen und Laien. beser zustehe, als bei den Protestanten, Das Unbejimmte und Wahrheitswidrige dieser Behauptungen ist so augenfällig, dass es keiner Wiere 5 bedarf. Wir bejerken daher nur, dass in fünf Briefen, zoerst die protestantische Geistlichkeit und dann die jtestantischen Laien, wegen unter ihnen heimij Missbräuche und Mängel,, angegriffen, werden, wogegen u. a. von den katholischen Geistlichen gesagt wird, dass sie jenen ein nachahmungswürdijuster darbieten. j Unter ihnen lässt sich keine eindschaft, kein Neid, keine Missgunst laut werjej Ueberall reden sie mit Achtung und FreundÄft von einander, u. s. f. (!?). S. 4) wird die Mojität der Protestanten und Katholiken im Allgemeinen gewürdiget und als Resultat geselliz S. je Äurch länge Jahre sich bestätigende Wahrheit, dass unter den Katholiken weniger Verbrechen begangen und weniger Betrigoio verübt werden. jner Schilderung der Sittenlosigkeit in Protostantischen Häusern, S. 50 heisst es 2, Kennst du jeichen katholische Schmachhitten? O ja, hie und da steht eine in den Städten; die protestanjschen aber bilden Strassen, ich möchte sagen an jnchen Orten Stadtviertel. " – Wo wohnt der Mann? Welche katholische und protestantische Länj sah er, um durch Vergleichung derselben zu soljhen Ergebnissen zu gelangen? Doch genug! Die finf Antwortschreiben machen dem Ankläger leich

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Ebenso flüchtig als im Vorigen ist p.42solus, primus u. s.w. für solum, primum erwähnt, ohne den etwanigen Unterschied auch nur mit einem Worte zu berühren. Die Zusammenstellung zweier Adverbia ist gleichfalls sehr nachlässig behandelt, wo z. B. unter den Hänfungen zwar nicht identischer aber doch „auf das nächste verwandter" Begriffe auch ohne Weiteres pag. 96 das häufige xa záyv (nicht aber das noch häufigere xa uá?a) angeführt wird; die deutsche Uebersetzung gar völlig passt zwar; aber wie ist xa mit návv auf das nächste verwandt? Das. pag. 97 wird das sehr gewöhnliche nunc iam aus einer Stelle des Plautus angeführt als entsprechend dem eöôög 7tagaxgjua, worin nichts Entsprechendes ist; denn nunc und iam sind viel verschiedener als E 3ig und 7tagazgoua; auch ist nunc iam keinesweges eine blosse Verstärkung von munc, sondern iam hat seine besondere Beziehung, was Hr. L. wohl gefunden haben würde, hätte er bedacht, dass man auch iam nunc sagt und zwar in ganz anderem Sinne. Doch dergleichen mangelhafte Einzelnheiten liessen sich noch sehr viele aufführen; nur würde damit fast immer bloss ein Tadel gegen Andere ausgesprochen werden, denen Hr. L. sein Material verdankt, und denen er in zweifelhaften Fällen beizustimmen pflegt, so dass sich z. B. über die Erklärung oder die Lesart einzelner Stellen nicht leicht irgend eine selbstständige Meinung bei ihm findet. Ganz übergangen sind viele wichtige Punkte, wie z. B. Negation und Gradation. Eine auffallende Nachlässigkeit ist z. B.

: 70 wo Hr. L. bei der Stelle Cic. p. Sext. Rosc.

d. h. S. Rosc. Am..] 5, 11 die er citirt, ohne Zweifel die Anmerkung Matthiä's vor Augen hatte; ans dieser schreibt er unbesehens das Citat Gellius IV. A..I, 7 ab, ohne zu bemerken, dass dies ihn gar nichts anging, sondern blos Matthiä, der damit seine Conjectur futurum statt futuram bestätigen wollte; denn Gellius handelt dort gar nicht von dem Gebrauch des Adverbii, sondern lediglich von dem indeclinabeln Infinitiv futurum esse in Beziehung auf ein Femininum. X+ X.

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MYTHOLOGIE.

HAMBURG, b. Perthes - Besser u. Mauke: Demeter und Persephone, ein Cyclus mythologischer Untersuchungen. Von Ludw. Preller, Dr. der PhiIosophie, Privatdocenten an der Universität zu Kiel. 1837. XXVI u. 406 S. 8. (2 Rthlr.)

De neue Firma dieser Buchhandlung hat in diesem Buche der gelehrten Welt treffliche Erstlinge dargebracht. Die Vorrede, welche das Werk dem Herrn Professor Nitzsch in Kiel widmet, spricht die Grundsätze des Vfs. aus, nach welchen er bei seinen Untersuchungen verfahren ist und bildet daher besonders für den Beurtheiler einen wesentlichen Theil desselben. Der Vf. bezeichnet das Geschäft des Mythologen als ein dreifaches, das der Mythenkritik, der Mythenerzählung und der Mythenexegese. Bevor die Beurtheilung dem Gange des Buches folgt, muss man sich mit dem Vf, über diese Grundsätze verständigen. Der Vf. beginnt mit der Gegenüberstellung der literarisch-kritischen Methode von Lobeck und Voss und der historisch-kritischen von K. O. Müller; er ist keiner von beiden ausschliesslich gefolgt, giebt aber der ersten den Vorzug, erklärt zwar die zweite für ein nothwendiges Supplement derselben, tadelt aber an derselben das Mangelhafte in dem Princip, in den Consequenzen und in einer zu wenig vorsichtigen Anwendung. An dem Princip tadelt er das Unklare in der Annahme einer Produktion der Mythen aus dem Volk, da man doch immer auf Individuen als die ersten Producenten kommen müsse und das seyen keine andere als Dichter, deren Namen man nicht kenne. Wenn wir hier dem Vf. auch im Ganzen Recht geben müssen, so scheint er doch einen wesentlichen Unterschied übersehen zu haben, der hier immer festgehalten werden muss. Denn erstlich meint er doch keine Dichter, die in Versen diese Schöpfungen ihrer Einbildungskraft vortrugen. Dass die Mythologie überall in alten Liedern vorhanden gewesen sey, ist gegen alle Geschichte auch vom Vf. nirgends ausgesprochen. Zweitens ist der Gegensatz zwischen einem mythenproducirenden Individuum und einer bloss receptiven Menge ein Postulat,

das bei einer genauen Zergliederung nicht Stich hält.

Hat Einer auch die erste Veranlassung gegeben zu

einem Mythus, so können doch mehrere denselben

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ausgebildet haben, möge man nun den Ursprung in einer Personifikation der Natur oder einer ganz freien Schöpfung finden. Bildete z. B. Einer den Namen des Kekrops, den wir nach der ersten Ansicht für Personifikation sey es nun des Burgfelsens von Athen, oder des an demselben rauschenden Wassers, nach Forchhammer, halten, es konnte ein Zweiter ganz unabhängig den Thau in Aglauros Herse und Pandrosos mythisiciren, ein Drittj konnte sie zu Töchtern des Kekrops machen, sey es nun, dass er Kekrops (Höhensicht, von «go und öttco) nur als Höhe überhaupt nahm, aus welcher der Thau herabfällt, oder die Beziehung des Thau's zum Felsen im Rauschen setzte. Ein Vierter konnte ohne weitere Beziehung auf den Kekrops diese Kekropiden mit Athene in Verbindung bringen, mochte Athene ihm der heitere Himmel, oder die fruchtbringende Temperatur, oder die Fruchtbarkeit des Ackers seyn. Ein Fünfter symbolisirte den durch Ueberschwemmung oder Regen beförderten Keim der nun bei heiterem Frühlingswetter der Pflege des Thau's übergeben wurde, in der Sage vom Erechtheus. Diese Mythen konnten so gut bei der Entstehung an einander geknüpft als durch die Ueberlieferung mit einander verbunden werden und in beiden Fällen kann die Produktion nur dem Volk, nicht einem Dichterindividuum beigelegt werden. 'NÄ ein Dichter den so entstandenen Mythenstoff auf, so konnte und musste er das Eine weglassen, das Andere zusetzen, ja auch er konnte aus geringen Anlässen Mythen entwickeln, aber durch ihn wurde diese bestimmte Auffassung auf einmal Eigenthum einer Stadt, eines Landes, ja von ganz Hellas. So und nur so erscheint im Fortgange des Werkes beim Vf. die Thätigkeit der Dichter. Ich bemerke nur noch, dass ich keineswegs der Meinung bin, man könne oder dürfe die Mythen so in ihre Atome auflösen; je älter der Ursprung, desto mehr fliesst die Mythen - und zugleich, sprachbildende Thätigkeit aller ununterscheidbar in einander, dass mit Recht die Mythenbildung und dichterische Bearbeitung derselben unterschieden wird. Wenn der Vf, ferner die Consequenz des Princips angreift, weil durch Verfolgung des Lokalinteresses die Gefahr entstehe, dass die höhere und wiehtige Einheit des Nationalen versäumt werde, so scheint uns dieser Gesichtspunkt mit Unrecht getadelt o. der Vf. überall denselben als nothwendig Q

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