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soll, vom Vf. in dieser zweiten Ausgabe seiner AusÄs nicht einmal unter der Litteratur aufgeführt wird. Welche Gründe auch der Vf. dazu gehabt haben mag, Rec. kann es nur als einen Mangel bezeichnen. Was nun die Auslegung selbst betrifft, so erscheint das Ganze, wie in der ersten, so auch in dieser zweiten Ausgabe, nur als ein Auszug aus den neueren besseren Erklärungsschriften, so dass der Vf, meistens nur die Resultate anderwärts gemachter Untersuchungen hinstellt. Rec. will dies an sich gar nicht tadeln: es darf und soll ja jeder im Anbaue der Wissenschaft seine Vorgänger benutzen, und wenn anders stets die richtigen Erklärungen ausgewählt sind, so liegt in einer solchen kurzen Zusammenstellung eben der Nutzen und die Zweckmässigkeit der Arbeit für eine cursorische Lectüre und für die Anfänger überhaupt. Und hier darf man es nun von selbst erwarten, dass der Vf. nach seinem Geiste meistens gewiss die begründetsten und bewährtesten Resultate aufgenommen, oder, um ihm in keiner Hinsicht zu nahe zu treten, die von andern angestellten Untersuchungen richtig gewürdigt und oft auch mit dem Resultate das Hauptmoment der Begründung hervorgehoben hat. Darin liegt der wirklich der kurzen Erklärung zukommende Werth, und Rec. nimmt keinen Anstand, in dieser Hinsicht das Buch Anfängern zum Gebrauche sehr zu empfehlen. Als Beispiele für die richtige Auswahl der Resultate können die Erörterungen des Vfs. zu III, 25 über die Bedeutung von Aaotgtov, die Bemerkung S. 40, welche Wichtigkeit die Worte ei; vôeugv tjg öxatooövyg «üroö haben, so wie zu VI, 16 S. 75 über das innere Verhältniss der Argumentation des Apostels dienen, u. s. w. Nur ist das missfällig, dass der Vf, in dieser zweiten, wie in der ersten Ausgabe, gar oft die von anderen gewonnenen Resultate, ja auch die von anderen angegebenen Gründe hinstellt, ohne diese Ausleger zu nennen, was darum auffällt, weil er doch oft wieder die Vertreter der verschiedenen Ansichten beifügt. * * Mit allem bisher Gesagten wird es aber wohl bestehen können, aufrichtig es zu bedauern, dass der Vf. nicht nur im Ganzen etwas eilig gearbeitet hat, sondern auch in den wichtigern Rücksichten, der dogmatischen Seite des Briefes, und zwar auch in dieser zweiten Ausgabe, so wenig Resultate darbietet, wie man sie von dem Geiste des mit Recht gefeierten Vfs. erwartet. Obwohl nämlich meistens die richtigen Erklärungen ausgewählt und hingestellt sind, so ist dies doch keineswéges überall der Fall, und darum erscheint nun diese kurze Art der Exegese, wenn sie wirklich die Verfahrungsweise des Vfs. nothwendig bedingt, etwas bedenklich, weil nun die falschen Erklärungen dem Anfänger mit gleich täuschender Objektivität und ohne die Möglichkeit der Selbstprüfung gegeben werden. Mit Vergnügen bemerkt indess Rec., dass die in der ersten Ausgabe oft vorkommenden absprechenden Urtheile und oft wenig motivirten wegwerfenden Sei

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tenblicke auf andere Erklärungen, die von ihren Vertretern mit beachtungswerthen Gründen unterstützt waren, in dieser zweiten Ausgabe zum Theil ganz weggelassen oder doch gemildert sind. Als Beispiele, wie der Vf., wo schwere Fragen vorliegen, auf exegetisch - grammatischem Gebiete, nur entscheidet, ohne eigentliche Begründung, bezeichnet Rec. nur die Bemerkungen über vövváust I, 4, über § ávaotáoscog vexgöv, über ëtt V, 6 ohne jedoch diese Stellen der Auslegung in ihrer Art als die bezeichnendsten hinstellen zu wollen. Von neuern Arbeiten hat der Vf., ausser Fritzsche, sehr spärlich und mit „weniger Ausbeute," wie er selbst sagt, den von Olshausen berücksichtigt, dessen dogmatisirende Tendenz, von exegetischer Gründlichkeit verlassen, zu weit vom Wege des Vfs. abgeht." Ausserdem ist Rothe über Röm. 5, 12 ff. und nachholend die Erklärung des Prof. Beck von Röm. 9 verglichen. Der Vf. hat selbst die Gesichtspunkte verzeichnet, unter welche die Verbesserungen dieser neuen Ausgabe zu stellen seyen, als „Berichtigungen der Erklärung und Ansicht, bessere Bestimmungen des Zusammenhanges, genauere Textbeurtheilungen, wobei er („ von Fritzsche noch mehr." als er es schon war, „ darauf aufmerksam gemacht") die verschiedenen Lesarten aus der Verwirrung, in welcher sie unsre, nur Wort-, nicht Text-Varianten liefernden kritischen Ausgaben darstellen, zu sondern gesucht habe; genauere und vollständigere

Angaben der verschiedenen Erklärungen, endlich

und meistens bessernde verdeutlichende und grössere Bündigkeit bezweckende Umarbeitungen, – und der Vf, hat zugleich die Stellen zu jeder der genannten Rücksichten beigefügt. Indess ist die Aenderung und Verbesserung oft nur unbedeutend, und beschränkt sich einige Male nur auf Weglassung oder Umstellung einiger Wörter (auch trägt schon dem äusseren Umfange nach die Umarbeitung für das ganze Buch nur 20 Seiten mehr aus), so dass Rec. es unterlässt, eine Prüfung der wirklichen Verbesserung anzustellen, obwohl diese hie und da, namentlich gemäss der Rücksicht auf die noch verglichenen Arbeiten, Statt gefunden hat. Z. B. ist I, 18 die Erklärung von Meyer und Fritzsche angenommen, 5, 12 ist eine beachtunswerthe Argumentation dafür gegeben, dass die Verbreitung nicht auf den Tod allein zu beschränken sey, u. s. w. Rec. überhebt sich aber der Prüfung der wirklichen Verbesserung in den von dem Vf. genannten Stellen nur, weil er noch Wichtigeres zu besprechen wünscht, und das oben schon angedeutete Urtheil über die dogmatische Seite der Auslegung noch zu rechtfertien hat. 8 Nämlich wo man gewiss berechtigt war, vorzugsweise eine reiche Frucht von dem Geiste des Vfs. zu erwarten, das ist das dogmatische oder doctrinelle Element der Auslegung, sey es um die Wahrheit an sich, oder um den Lehrbegriff des Apostels genauer festzustellen. Rec. bescheidet sich auch hier, nicht absprechen zu wollen, wie viel von dem, was er vermisst, auf Rechnung der ganzen Anlage und der Grenzen, die sich der Vf. selbst gesteckt hat, zu setzen sey: dass er aber in dem doctrinelldogmatischen Gebiete viel zu wünschen übrig lässt, und zwar, wie schon oben bemerkt, auch in dieser zweiten Ausgabe, sey dem Rec. vergönnt, in den dogmatisch-wichtigsten Stellen zu zeigen. Der Vf, urtheilt zuerst ganz richtig (Einl. S. 2) über die hohe Bedeutung des Briefes für den Lehrbegriff des Apostels: Der Br. a. d. Röm. ist der einzige Brief des Apostels, worin er absichtlich seine Lehre in ausführlichem Zusammenhange vorträgt u. s. w., und urtheilt eben so richtig über den Grundgedanken der Paulin. Lehre von dem allein durch den Glauben und nicht durch Gesetzeswerke zu erlangendem Heile, so wie er auch über die Oekonomie des ganzen Briefes, die Durchführung der Argumentation und die innere Verknüpfung der Gedankenmassen die schon von anderen Auslegern vorgetragenen richtigen Ansichten theilt. Um so leichter hätte er darum auch die Hauptstellen, in denen nicht nur die Hauptthesen des Lehrbegriffs des Apostels, sondern auch die Wendepunkte seines Systems, wie auch die Stellen, in denen überhaupt dogmatisch - doctrinelle Schwierigkeiten liegen, in ihrem oben bezeichneten Gewichte hervorheben und recht gründlich behandeln können, und Rec., und mit ihm gewiss viele, haben Ihier manche Lösung oder doch grössere Befriedigung erwartet, um so mehr, als ja auch für den Lehrbegriff des Apostels theils von Usteri, theils in Ausiegungen viel angeregt und wohl auch theilweise schon geleistet war. Ueber den so wichtigen Begriff der totag findet sich bei In. D. de W., auch in dieser zweiten Ausgabe nicht, weder philologisch noch dogmatisch eine genauere Erörterung, so dass man weder die ursprüngliche Bedeutung, und deren Modification nach dem jedesmaligen Zusammenhange, noch die Beziehung und Bedeutung des Wortes in den Hauptstellen zum ganzen Lehrbegriffe des Apostels kennen lernt. Der Vf. hat zwar oft, z. B. gleich wo das bedeutungsvolle Wort zum ersten Male erscheint, I, 5 die richtige Bedeutung angenommen, aber eine Erörterung darüber nach seinem Geiste vermisst Rec. ganz, da, was er S. 15 darüber sagt, nur ein schwacher Reflex der von anderen gegebenen Erklärung ist. Ueber den wichtigen Begriff der Özatooéry I, 17 hat der Vf, zwar viel gesprochen, aber Klares und Genügendes, geschweige Besseres, als schon gesagt war, hat er nicht vorgebracht, auch in der zweiten Ausgabe nicht, sondern da nur die Mängel der ersten beibehalten. Er weist zuerst ganz richtig die Erklärungen von einer Eigenschaft Gottes ab, und erklärt selbst: es sey bald der Inbegriff aller Tugend und Frömmigkeit, bald imputativ Unbescholtenheit und Schuldlosigkeit. Die letztere Beziehung herrsche bei Paulus vor, es sey das, was bei Gott gilt (II, 13), das Ergebnis seines rechtfer

tigenden richterlichen Urtheils, étwas Zugerechner tes. Nach einer exegetisch seyn, soll Ä. ction spricht dann der Vf. auf einmal von Mori catio. Sie sey richtig nach den alten protestantischen Dogmatikern sensu forensi, i. e. imputative zu nehmen. Gott rechtfertige um Christi willen u. s. w.; diese Rechtfertigung sey nun allerdings ein objectiver Act Gottes, aber sie müsse auch subjectiv gefasst werden, wie sie denn subjectiv bedingt sey, und damit kommt Hr. D. de W zum eigentlichen Begriffe der öxatooövy: die durch den Glauben an Gottes Gnade in Christo gewonnene Schuldbefreiung (richtiger: Befreiung von Strafe) und Freudigkeit des Bewusstseyns, diejenige Stimmung, welche dem vollkommenen Gerechten – wenn es einen solchen gäbe – eigen seyn würde, die Harmonie des Gemithes mit Gott, der Friede mit Gott." Vorher aber, im Anfange seiner Erklärung hat der Vf. folgenden Begriff aufgestellt: „der vollkommene sittliche Zur stand des Menschen, Angemessenheit seines Hanodelns zum menschlichen und göttlichen Gesetze, Freiheit von Tadel und Schuld.” Wie stimmen dann nun beide Definitionen zusammen? In der zuletzt angeführten ist die Öx. offenbar ein Zustand des Menschen, etwas Subjectives, bei dem das Gerechtseyn (und die damit nothwendig verbundene, und vom Vf. mangelhafterweise nicht urgirte Geltung als gerecht) vor Gott das Hauptmoment bildet: in der obigen Definition aber (der zweiten des Vfs.) tritt nur das objective Verhältniss des Menschen zu Gott, die Schuldbefreiung, und dann das Bewusstseyn und die Seligkeit davon als Moment auf. Doch hier scheint gar mannigfach gefehlt. Richtig wäre nur der zuerst aufgestellte Begriff (doch mit der angeger benen Zuthat) gcwesen. Aber nun soll die öx. zuerst bald als Inbegriff der Tugend, bald imputativ genommen werden. Rec. gesteht, zuerst lange gezweifelt zu haben, was der Vf. mit dem „impulativ" sagen wolle. Ist die öxatoo. ein Zustand des Menschen (und dies bleibt sie nach beiden Begriffen des Vfs.), so kann der doch nicht zugerechnet werden, eben weil es ja das Wesen des ganzen Subjectes selbst ist. Auch wird nach Paulus und nach dem Dogma der Kirche nur das Verdienst Christi imputirt, und daraus, insofern im Menschen der Glaube und mit ihm die Wiedergeburt eingetreten ist, geht die Gerechtigkeit vor Gott hervor: aber diese selbst wird nicht imputirt. Rec. hat lange geschwankt, ob nicht der Vf. hier einen besonderen Begriff mit dem Ausdrucke imputativ verbinde, vielleicht so, dass jemand von Gott für gerecht erklärt werde, declarativ, aber dies heisst doch imputativ nicht, und der Gedanke (dies hat der Vf. wohl sagen wollen), dass der subjective Zustand des Menschen erst durch Gottes Rechtfertigung um Christi willen zu einer wahren Gerechtigkeit vor ihm werde, war ganz anders auszudrücken.

(Die Fortsetzung folgt.)

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BIBLIscHE LITERATUR.

I) Leipzig, in d. Weidmann. Buchh.: Kurze Erklärung des Briefes an die Römer. Von Dr. W. M. L. de Wette. . "

2) GöTTINGEN, b. Vandenhoeck u. Ruprecht: Kritisch exegetisches Handbuch über den Römerbrief von Heinr. Aug. Wilh. Meyer u. s. w. (Fortsetzung von Nr. 28.)

eiter hat der Vf. nun ganz ungehörig den Begriff der Rechtfertigung mit in seine Erklärung hereingezogen und eben dadurch diese verwirrt. Die öxaooöyn ist nie gleich mit der justificatio: diese ist vielmehr bei Paulus die öxaioog (Röm. 1V, 25. V, 18). Ferner ist die Rechtfertigung nach Paulus, wie nach dem Dogma der Kirche, nie subjectiv: sie ist immer nur ein objectiver Act Gottes. Die seyn sollende subjective Seite der Rechtfertigung, worin der Vf. nun eben die höchste Spitze der öxatoovy findet, ist nur die Folge der Rechtfertigung. Aber eben darum ist auch der ganze zweite Begriff der Ölxatooüvy, den der Vf. aufstellt, unrichtig: er ist theils nur Angabe des Verhältnisses der Menschen in der öxatoo. zu Gott (Schuldbefreiung), theils das Bewusstseyn davon. Dass aber öxatoo. an sich mit dem Begriffe der Rechtfertigung nicht nothwendig verbunden werden müsse, hätte der Vf. aus dem Unterschiede ersehen müssen, den der Apostel selbst macht, X, 3 und Phil. III, 9. Auch die christliche Juxatooüvy ist nur eine species der Öx., nämlich die öx. éx 7tiors(og, behält aber darum immer die Merkmale und die Bedeutung des genus, insofern die nior1g nur die Bedingung davon angibt. – Eben so verfehlt scheint in der zweiten, wie in der ersten Ausgabe, die Erklärung des Vfs. von änoxa? Özttstat sig ztlotuv I, 17 ebend. Er nimmt eig notuv = sig zuotsüovtag 3, 22, während dort ganz andere Gründe der Erklärung vorliegen. – I, 24 liegt die grosse Schwierigkeit vor, dass nach der allein zulässigen Bedeutung von nagéöoxev Gott die Menschen zur Strafe ihrer Sünden noch in grössere Sünden hingiebt. Der Vf. hat auch hier in der zweiten Ausgabe seine Erklärung aus der ersten ganz beibehalten. Er erkennt ebenfalls die Andeutung einer Fügung, nicht blos Zulassung, Gottes an, ,, weil die Menschen darin von einer gewissen Gewalt der Gemein

schaft und Ueberlieferung, also vom Schicksale,

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abhängig waren, ohne deswegen unfrei zu seyn." Dies erklärt ja nun aber gar nichts, denn die eigentliche Schwierigkeit der Willensthätigkeit Gottes ist gar nicht berührt, und die seyn sollende Erörterung, jene Ansicht sey vom absoluten Standpunkte der Religion aus wahr, musste als erläuternd näher bestimmt werden. – II, 6 macht der Apostel gegen seine sonstige Lehre vom Glauben alles von den Werken abhängig, ög änoôöost Excotop zätä Ägya dvtoö. Der Vf. (in der zweiten, wie in der ersten Ausgabe): – womit keineswegs der Rechtfertigungslehre des Ap. widersprochen wird; denn die– ser hebt die ursprüngliche sittliche Zurechnung nicht auf, sondern setzt sie voraus, und macht das Ergebniss derselben, dass kein Mensch dem göttlichen Gesetze Genüge leistet, zur Vollendung des sittlichen Charakters durch den Glauben geltend." Unbedingt widerspricht auch dies, wie dem Dogma der Kirche, auch dem Lehrbegriffe des Apostels. Nach Hr. D. de W. lehrte Paulus: Gott straft und belohnt jeden („ursprünglich") nach seinen Werken; nun findet es sich aber, dass keiner gerecht ist, darum ist der Glaube (zur Vollendung des sittlichen Charakters) nöthig. Diese Thesis hat nur Sinn, wenn Paulus ein Strafen und Belohnen (ein Gericht, sittl. Zurechnung) vor dem letzten Gerichte, gleichsam zwei Acte Gottes, annähme, und nun bei dem zweiten erst den Glauben geltend machte. Aber Paulus spricht hier von dem letzten Gerichte selbst, wo also das Verdienst des Glaubens so gut vorhergegangen ist, als das der Werke, und legt doch den Werken alles bei. Wie wenig genügt hier der Vf. bei so wichtigen Fragen des Paulin. Lehrbegriffes! – II, 14 lehrt der Apostel, nach der allein richtigen Erklärung des "Orav – ÄGyy – tä toü vóuov notf, dass die Heiden das Gesetz zuweilen erfüllen, während er sonst entschieden lehrt, es erfülle keiner das Gesetz. Hier war Hr. Dr. de W. in der ersten Ausgabé im handgreiflichsten Widerspruch Ä u. S. 26), indem er für V. 14 leugnete, dass da gesagt werde, dassdie Heiden wirklich das Gesetz erfüllén könnten, und doch S. 26 dies wieder wörtlich behautete. Dort verkannte er den Grundgedanken und den Ä gänzlich. In der zweiten Ausgabe ist die Beziehung You Ys. 13 zugegeben, aber wieder, der Fortschritt der Argumentation des Apostels gar nicht erkannt und darum gerade der richso wie sonst, so ist es

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wenn sie das Gesetz erfüllen, auch wirklich gerechtfertigt werden, wodurch das, was der Apostel eigentlich will, erst ganz scharf hervortritt, dass umgekehrt die Juden eben so gewiss verdammt werden, wenn und insofern sie das Gesetz nicht erfüllen. Hr. Dr. de W. macht einen Nebengedanken, den Hülfsgedanken, dass die Heiden wirklich ein Gesetz der Zurechnung in sich tragen, zur Hauptsache. Dieser Gedanke ist Bedingung ihrer Schuld und ihres Verdienstes, aber für den Hauptzweck und Fortschritt der Argumentation kommt darauf weiter gar - nichts an. . Die dogmatische Lösung aber ist, wie in der ersten Ausgabe, so auch in der zweiten nur von einem andern Ausleger genommen, aber unvollkommen, weil er die in dem anderen Commentare gegebene Lösung von der Sittlichkeit einzelner im Gegensatz zur Verwerflichkeit aller zu einer qualitativen Sittlichkeit, „gewisser Spuren von Sittlichkeit," umschafft. – IV, 11 giebt der Vf. (wie schon in der ersten Ausgabe) eine auffallende Erklärung darüber, dass und wiefern der Apostel Abraham zum Vater der Heiden mache: der Abrahamismus sey das allgemein menschliche, das IsraeIitische Volksleben eine Beschränkung davon: „Abrahanh war ein frömmer Mensch, der Christ ebenfalls nichts weiter, er sey Jude oder Heide, mithin ist er mit Abraham geistig verwandt, dessen Sohn." Allein Paulus legt das ganze Gewicht auf den Glauben, im Gegensatze zur Beschneidung, und lehrt, dass der Glaube schon bei Abraham vor der Beschneidung da war, dass die Beschneidung nur als Siegel der Gerechtigkeit des Glaubens hinzutrat, und dass darnach die, welche glauben, die Nachkommen Abrahams sind. Nach dem Vf. scheint ja ein Christ auch Jude oder Heide seyn zu können: und dann ist es gar nicht das Allgemeinmenschliche, was P. dem Äbraham zum Vérdienste anrechnet, sondern der Glaube. Findet der Vf. nun eine Schwierigkeit darin, dass Abraham schon den christl. Glauben gehabt habe, so musste er nur das Allgemeinmenschliche im christl. Glauben aufsuchen, – da lag die Lösung, aber immer im Glauben. – VII, 14–23, wo der Äpostel den Kampf des bessern und des sündhaften Princips im Menschen schildert, ist doch wohl die Entwickelung gar wenig befriedigend: der Hang zur Sünde wird zwar ganz richtig als von Paulus in die Sinnlichkeit gesetzt anerkannt, dann aber behauptet, öágE sey der sinnliche Wille, was sehr unbestimmt lautet, während andere Ausleger weit schärfer ind klarer alles gelöst hatten. – S. 89 wird der Züsammenhang von Kap. VIII mit Kap. Vjü. WI nicht allein ganz matt, sondern wohl Ä Ängegeben. Der Vf. meint, die Käp6:7 geschilderté Neubelebung der Sittlichkeit in Christenthume führe den Äp. natürlich, „da jeÄ der Sittlichknit eine nachtheilige oder vtheilhäfte Wirkung auf den Gemüthszuständ ausist ind entweder unzufrieden, öder zufrieden Ältailf, die beseligende Wirkungen der*kijh und er schreibe nur dieselben

Wirkungen der christl. Sittlichkeit zu, die er vor

her dem Glauben zugeschrieben habe. Aber es ist

hier nicht eine mögliche Anknüpfung der Gedanken, sondern es ist vielmehr nothwendige Vollendung der ganzen Lehre des Apostels, wie dies von anderen Auslegern klar und seharf gezeigt ist; und es ist immer nur die eine Lehre vom Glauben, die auch hier die Basis der Argumentation und die einzige Quielle der Sittlichkeit ist. Hier lag aber auch ein Hauptpunkt der Erklärung des ganzen innern Zusammenhänges des Lehrbegriffes des Apostels, und seiner höchsten Spitze, was der Vf. nicht gezeigt und wohl nicht genug gewürdigt hat. – So ist ferner VIII, 3, S. 92 die durch Zv öuotdöuar angedeutete Vorstellung gar nicht in Beziehung gesetzt zum ganzen Lehrbegriffe des Apostels: so wird ebdas. xataxgiyetv tiv äuagtlav unrichtig für überwindengenommen, da Verdammung dies freilich auch voräussetzt, zugleich aber die Wesenheit der äu«gtla mothwendig mit schildert; so ist öixaioua S. 92 in seiner Bedeutung ganz verkannt, und scheint es wirklich, als ob der Vf. sich nicht genügend in den Ideengang des Apost. versetzen könne, wenigstens dies nicht gethan habe. Auch über alle die Stellen, in denen das Dogma von der Prädestination in Frage kommt, giebt der Vf. gar keine befriedigende Lösung, sondern nur eine Milderung der Schroffheit des Gegensatzes, die auch schon von anderen Auslegern gegeben war, und klarer und entschiedener. Rec. muss sich versagen, auf so manches, was das dogmatischdoctrinelle Element des Briefes betrifft, genauer einzugehen. Sachkundige werden aber aus den angeführten Beispielen sehen, wie wenig manche Erörterungen des Vfs. genügen, und Rec. beklagt namentlich, dass nicht die Hauptwendepunkte des Systems stets mehr hervorgehoben sind, und so dessen innerer Zusammenhang dem Anfänger mehr zur Anschauung gebracht ist.

Gleichwohl spricht Rec. nun gern aus, dass die dogmatische Ansicht des Vfs. mehr geeignet ist, als

bei so manchem neueren Ausleger, die Wahrheit zu

finden, da er nicht im steifen Dogmatismus befangen ist, und schon darum ist seine Arbeit jüngern Theologen sehr zu empfehlen. Auch finden sich einige dogmatische Erörterungen, die eines de Wette würdig sind, und viele Beachtung verdienen. Rec. verweist auf die Erörterungen über den Üog Gsöö, S. 9, über die Bedeutung des Sühnopfers, V, 23. S. 40, über die Erbsünde, V, 12, S. 57 der ersten Ausgabe, etwas verändert, aber hier zweifelhaft, ob verbessert, in d. 2. Ausg. S. 61, darf aber nicht weiter darauf eingehen. Zur Entscheidung über die wahre vom Vf. angenommene Construction in VII, 21 giebt wohl Galat. I, II u. 13 eine nicht unwichtige Stütze, und bittet Rec. den Vf., jene Stellen einer näheren Beachtung zu würdigen. Ueber IX, 5 giebt der Vf, keine Entscheidung. Bei der Frage über die Doxologie aber XVI, 25–27 ist Hr. Dr. de W. nicht abgeneigt, denen beizutreten, die sie ganz für unecht erklären, freilich aus lauter subjectiven Gründen. In der Kritik hätte der Vf. in der ersten Ausgabe wohl am wenigsten geleistet, er spricht dort gewöhnlich nur ab, ohne alle Gründe, und nur gegen das Ende der Erklärung findet sich häufiger die Ängabe der Auctoritäten, z. B. S. 143, zu XIV, 10, S. 51, zu XV, 24, u. s. w. In der zweiten Ausgabe ist der Vf. etwas sorgsamer zu Werke gegangen, aber bedeutende Resultate kann Rec. nicht bemerklich machen. Doch wird dieser Mangel in der Kritik dem Werthe der Erklärung keinen Eintrag thun, wie ihn Rec. für eine cursorische Lectüre und die Anfänger überhaupt bezeichnet hat. Der Vf. von Nr. 2, Herr Superintendent Meyer zu Hoya, setzt mit diesem kritisch-exegetischen Handbuche über den Römerbrief seinen kritisch exegetischen Commentar über das N. T. fort, und zwar in gleicher verdienstlicher Weise, wie in den früheren Theilen. Auch seine Arbeiten tragen mehr den Charakter von Scholien, als eines eigentlichen Commentars, und dürfen darum mit den de Wette'schen Erklärungen gleichsam als eine besondere Art der Auslegung von den übrigen gangbaren exegetischen Werken unterschieden werden. "Aber wenn auch darum das vorstehende Handbuch im Ganzen demselben Zwecke dienen soll, wie die de Wette'sche Erklärung, mehr für eine cursorische Lectüre und die erste Einführung in das Studium des N. T. brauchbar zu seyn, als die Wissenschaft zu fördern, so ist doch nicht zu leugnen, dass die Erklärung ausser jener Brauchbarkeit zugleich mehr wissenschaftlichen Werth, und unbedingt mehr Ansprüche habe, bei einer genaueren wissenschaftlichen Behandfung des N. T. wirklich auch später noch beachtet zu werden. Auch der Vf. giebt nur gleichsam in Stichworten sowohl Zusammenhang, als eigne Erklärung, und noch mehr so die Erklärung anderer Ausleger und den Hauptgrund dagegen an, aber er hat doch dem Zusammenhang, sowohl in den ganzen Massen des Briefes, als wiederum in den einzelnen kleineren Partieen, und auch zwischen den einzelnen Versen eine besonders genaue Rücksicht gewidmet; er giebt allerdings die bedeutendsten dagewesenen Erklärungen und nach ihren Hauptmomenten an, und steht in der Widerlegung anderer Ausleger, wie der Begründung seiner eignen Meinung durchaus auf wissenschaftlich anerkennungswerthem Boden. Namentlich steht der Vf. hinsichtlich der philologischen Auslegung ganz auf der Höhe der Zeit, und verräth nicht nur eine genaue Kenntniss der neueren Forschungen auf dem eigentlichen Gebiete der Philologie, soweit diese für die Erklärung des N. T. in Betracht kommen, sondern zeigt sich auch durchweg als einen selbstständigen Verarbeiter derselben. Dabei hat er sowohl die älteren, als die neueren exegetischen Werke berücksichtigt, und den neueren gewiss ein genaues Studium gewidmet, so wie er unbedingt eine sehr achtungswerthe Belesenheit und Gelehrsamkeit überhaupt in den zur Erklärung in Frage kommenden Disciplinen zu Tage legt. So scheint auch der dogmatische Standpunkt

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des Vfs. sehr geeignet, um wirklich das Verständniss des N. T. zu fördern. Er ist wirklich frei sowohl von den beengenden Banden des kirchlich symbolischen als eines besonderen philosophischen Systems. Aber wenn demgemäss nun nicht zu besorgen ist, dass das inferre in scripturam sacram statt des efferre, aus jenen beiden Quellen, wie bei den meisten Auslegern unserer Zeit, Statt finde, so muss doch auch andererseits bemerkt werden, dass dem Vf. keines der nöthigen Elemente fehlt, um unsere h. Schriften auszulegen. Bei der Wendung, welche die Theologie neuerer Zeit bei gar vielen ihrer Vertreter genommen hat, ist gegen manchen

achtungswerthen Exegeten der Vorwurf ausgespro

chen, er habe nicht die theologische Auslegung, und man hat damit, wie gleichsam ein neues und zwar das allein wahre genus der Auslegung zu bezeichnen gemeint, so auch leider die davon abweichende Erklärung gleich mit einem Worte ächten wollen. Rec. will die hier in Frage kommenden Punkte nicht genauer erörtern, aber das fordert die Wahrheit und damit die Sache, auch das Beste der Theologie selbst, dass die ausgezeichneteren Exegeten unter uns, deren dogmatischer Standpunkt leicht verunglimpft werden könnte und es theilweise schon ist, in ihrem wahren Verdienste gegen Halbheit sind Befangenheit dargestellt werden. Anderer zu geschweigen, theilt der Vf. im Allgemeinen den Standpunkt von Fritzsche und de Wette, und wenn dieser Standpunkt auch nicht der symbolische ist, so ist er jedenfalls eben so biblisch, als der jener Tadler, ja er ist es noch viel mehr. Wie die genannten Exegeten, so sucht auch der Vf. nur aus dem Kreise der biblischen Vorstellungen zu erklären, ohne doch der hohen Achtung gegen eine heilige Schrift und die Wahrheit überhaupt irgend wie zu nahe zu treten. Nur vermisst Rec. auch in der Erklärung des Vfs., eben so wie bei de Wette, eine mehr übersichtliche Zusammenfassung der Resultate der einzelnen Massen, wie der wichtigsten Stellen, zur Darstellung und besseren Begründung des eigentlichen Paulinischen Lehrbegriffes, und weiss hier, wie dort, nicht, ob dies durch die scholienartige Auslegung zu entschuldigen ist. Kommen wir nun zu dem Einzelnen der Auslegung, so sind zuerst die historischen Verhältnisse des Briefes genauer erörtert, als bei De Wette, und gewiss theilweise recht befriedigend. Neue, besondere Resultate finden sich freilich nicht, aber Rec. zweifelt auch gar sehr, dass sich noch viel Neues, das zugleich gut sey, werde sagen lassen, nachdem so viele der denkendsten Männer den grössten Fleiss auf Erledigung der vorkommenden Schwierigkeiten verwendet haben. Die Frage wird also, dabei immer erneute Forschung als lobenswerth und nöthig zugegeben, doch mehr die seyn, ob die Erörterung uns die Resultate wirklich so vorführe, dass sie selbstständig auf die letzten Entscheidungsgründe sich stütze und diese erschöpfe, und dies muss Rec. von der Leistung des Vfs. aussprechen, die auch der

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