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1ässt sich gewiss nicht mit dem gelehrten Zweifel zwischen einem Ibycus und Stesichorus, oder den Variirenden Urtheilen über die Verfasser der Komödien vergleichen. Wenn man sich aber vielleicht wundert, wie auf diese Weise theils einer vor dem andern habe geltend bleiben, theils einzelne ganz allein genannt werden können, wie Arktinos; so dient auf das Erste zur Antwort, der Zweifel herrscht bei den meisten Gedichten vor, dass Stasinos und Lesches aber über die Rivalen das Uebergewicht haben, und dagegen der Halikarnassier und Diodoros nur wie Schatten erscheinen, muss doch darin seinen Grund haben, dass eben nur die einzelnen Orte die letztgenannten angenommen hatten; wenn aber Arktinos im unbestrittenen Besitz seiner Aethiopis und Persis gewesen und gehlieben zu seyn scheint, so darf hieraus gewiss nicht auf einen seltenern Gebrauch und geringere Verbreitung seiner Gedichte geschlossen werden, sondern der Milesische Handel wird daran seinen Antheil haben, und iiberhaupt hat in der ganzen Sache viel Zufall geherrscht. Zuletzt ist nicht zu übersehn, dass alle unsere Notizen sehr zufällig sind, und dass die vollständigere Literatur noch manchem Gedicht einen oder mehrere Verfasser hinzu bringen könnte. Gehen wir von dieser Erinnerung zu unserem Hauptthema zurück, so nennen wir es sehr möglich, dass das Alterthum noch manche Notiz gehabt haben kann Ä Meinungen, die noch andere Ge

dichte z. B. etwa auch die Aethiopis dem Homer zugeschrieben. Das ändert aber im Ganzen nichts.

Es ist bei alle denn so viel klar, dass kein einziges drittes Gedicht dem Homer je einstimmig in ganz Griechenland zugeschrieben worden ist, und leuchtet ein, dass wenn der Name Homers nicht als ein individueller bloss hier und da eine Uebertragung erfahren, sondern ein appellativer gewesen wäre, weder von den andern Gedichten die andern Verfasser, noch von Ilias und Odyssee eben nur Homer genannt werden könnten.

Hr. W. kann auch seinen Satz, dass der unbestimmte Gebrauch des homerischen Namens sich noch in einigen Citaten zeige, die auf Ilias oder Odyssee nicht passten, nicht behaupten. Rec. hält sich dabei nicht auf, da ja ein Citat aus der Kl. Ilias z. B. als einer homerischen Stelle auf keinen Fall den apellativen Sinn des Namens bezeugen würde, sonern nur dass dieser Schriftsteller den Homeriden auf Chios beigepflichtet und ihrem Sprachgebrauch gefolgt sey.

Rec. sieht dem zweiten Bande dieses Werks mit Verlangen, aber mit dem Wunsche entgegen, dass er dem Vf. dafür ungetheiltern Dank möge darbringen können als es bei diesem ersten möglich ge

wesen ist. Kiel. Nitzsch,

ALT DEUTSCHE LITERATUR.

BAsEL, b... Schweighäuser: Deutsches Lesebuch von Wilhelm Wackernagel. 1ster Theil. Pocsie und Prosa vom V1 – XV. Jahrb. kI. 4. 872 u. XXVIII Spalten. (2 Rthlr. 4 gGr.)

Seit etwa zwanzig Jahren ist vielfältig davon die Rede gewesen, dass man das Altdeutsche nicht allein auf Universitäten treiben, sondern auch auf Gymnasien dafür eine bestimmte Lection ansetzen müsse uud in Folge dieser Ansicht bekamen wir Schulausgaben des Nibelungenliedes und einzelne Chrestomathieen. Allein es scheint den Rec., als ob es noch gar nicht an der Zeit seyn könnte, nicht blos den Schülern, sondern auch den Lehrern des deutschen Unterrichts an Gymnasien diese Zumuthung zu machen, da es ja ebensowohl an kritisch berichtigten Texten – denn seit einigen Jahren haben wir doch erst die Lachmann'schen, die von Grimm, Benecke und wenigen andern, – als an wohlfeilern Handausgaben fehlt; ja wir haben noch kein Wörterbuch und keine Grammatik, welche dieses Studium erleichtern, denn Grimm's Grammatik und Graff's Sprachschatz werden noch einige Zeit vielen unzugänglich bleiben und schrecken manchen eher zurück als sie ihn ermuthigen. Allein es soll doch deutsche Literaturgeschichte auf Gymnasien gelehrt werden, und wenn diese erfolgreich betrieben werden soll, ist durchaus nothwendig, dass der Schüler auch mit der Sprache der verschiedenen Jahrhunderte bekannt werde, um die Werke auch mehr als nach dem Namen kennen zu lernen. Dies ist ganz richtig nnd Rec. ist sogar der Meinung, dass es nicht immer gut seyn möchte, wenn vom Lehrer die mitzutheilenden Proben nur vorgelesen werden, also der Schüler sie nur hört und nicht sieht; deshalb ist er auch der Meinung, dass Chrestomathien zu diesem Ende sehr zweckmässig sind und es gut ist, wenn nicht blos der Lehrer, sondern auch der Schüler das Buch in Händen hat. Allein es scheint alsdann ebenfalls unerlässlich, dass ein solches Buch mit einem kurzen Abriss der Grammatik und einem Wörterbuche versehen sey, und in dieser Beziehung hat Rec. keines besser gefunden, als des zu früh verstorbenen Franz Budde's Chrestomathie zur Geschichte der deutschen Sprache und Poesie für die obern Klassen der Gymnasien u. s. w. Münster 1829, welche auf 76 Seiten einen kurzen aber genügenden Auszug aus den bis dahin erschienenen beiden ersten Theifen der Grimm'schen Grammatik und auf 97 Doppelcolumnen ein, sorgfältig gearbeitetes Wörterbuoh gibt. Jedoch hat dieses Buch, wie auch das von Adolf Ziemann (Altdeutsches Elementarbuch, 2 Abthl1. Quedlinburg und Leipzig 1833), welches zwar den grammatischen Abriss hat, aber kein Wörterbuch, dessen Mangel der Vf. durch unter den Text gesetzte Erklärungen und Hinweisungen auf die Stämme, obschon nicht ausreichend, zu ersetzen suchte, die Unbequemlichkeit, dass man die Probestücke ausser allem Zusammenhange hat, indem der Inhalt der grössern Dichtungen gar nicht angedeutet ist. Aber von welchen Lehrer ist denn Äuverlangen, dass er alles soll durchgelesen haben, um doch Auskunft darüber geben zu können, da§eine Zeit auch durch andere Lehrgegenstände in Anspruch genommen wird, ja da ihm „oft bei den beschränkten Fonds der Gymnasialbibliotheken und bei den meistens nicht sehr grossen eigenen Besoldungen sogar die Mittel abgehen, sich das Nöthige nur zu verschaffen? Daher hat das Handbuch der altdeutschen Sprache und Litteratur jder ältesten Zeit bis auf die Mitte des achtZehnten Jahrh. u. s. w. von J. G. Kunisch. Leipzig 1824, den Vorzug, dass es, wenn auch kurze, doch schon genügende Einleitungen gibt, obschon es auf der andern Seite den bisher genannten sehr nachsteht; denn das Wörterbuch ist sehr mangelhaft und dürftig und die Texte meistens fehlerhaft, ausserdem die Sammlung sehr unvollständig. Für den Text hatte zuerst Lachmann in seinen Schriften (Auswahl aus den hochdeutschen Dichtern des XIII. Jahrh. u. s. w.) gesorgt, sodann Ziemann, aber auch Ziemann's Buch ist sehr unvollständig und er giebt von bekannten Sachen z. B. von Nibelungenliede verhältnissmässig zu viel. Ueberhaupt kann sich an, keines der genannten Bücher der Vortrag der Litteraturgeschichte so zweckmässig anschliessen als an Yackernagel's Altdeutsches Lesebuch, welches die Veranlassung zu gegenwärtiger Anzeige gibt. . Enthielte dieses Buch einen Abriss der altdeutschen Grammatik, kurze Inhaltsanzeigen der grösseren Gedichte, welche doch der Vf. sämmtlich kennt, und ein Wörterbuch, so würde dadurch jedes andere Unternehmen dieser Art durchaus überflüssig gemacht werden, und das Lesebuch einen noch weit grösser Werth und Nutzen haben, als es gegenwärtig hat. Rec. hat sich dieses Buches sofort bedient als es erschien und glaubt also, zumal er für seine Person die eben angedeuteten Hülfsmittel nicht bedarf, wohl darüber urtheilen zu können und mit gutem Rechte zu erklären, dass von allen Biichern dieser Art das vorliegende das Beste ist; denn Hr. Wackernagel hat nicht allein die grösste Sorgfalt auf die Richtigkeit des Textes der gegebenen Stücke verwendet, sondern

sein Buch ist auch das Vollständigste dieser Art; er hat nicht allein nach gedruckten Ausgaben seine Mittheilungen gemacht, sondern vielfältig aus Handschriften zum ersten Male Bruchstücke (in Prosa und Vers) und ganze Gedichte bekannt gemacht und das Ganze zweckmässig nach Jahrhunderten geordnet, so dass es in einer chronologisch geordneten Reihe von Beispielen die Entwicklung der deutschen Sprache und Litteratur, mithin auch die einzelnen Dichtungsarten und metrischen Formen in ihrer geschichtlichen Begründung dem Leser vor Augen führt, dass man aus ihm Litteraturgeschichte und historische Grammatik praktisch lehren kann: und da der Vf. nach demselben Grundsatze verfuhr, welchen der Herausgeber des Handbuchs der abendländischen Litteraturen und Sprachen u. s. w. Magdeburg 1833 u. fgl. befolgt, so kann ein gemüthlicher Freund der Litteratur mit um so grösseren Vergnügen Blumen darin lesen, weil er daneben auch Unkraut gewachsen sieht. Da eine vollständige Inhaltsanzeige hier überflüssig scheinen könnte, so begnügt sich Rec. blos anzugeben, was der Vf. zum ersten Mal nach Handschriften mitgetheilt hat. Aus der Sangallischen Rhetorik (Sp. 49), aus der Sangall. Abhandlung von den Syllogismen (Sp. 51). Sermo in nativitate Domini (Sp. 127), – Stücke aus Ulrich von Lichtenstein's Frauendienst (Sp. 487), Lieder von Konrad von Würzburg (551), Eingang der Legende von Pilatus (207), welche seitdem in Mone's Anzeiger für Kunde des deutschen Mittelalters u. s. w. 1835, Heft 1V Sp. 434–446 ganz abgedruckt ist. Heinrich vom Gemeinen Leben (153), Hartmann vom Heiligen Glauben (175), Konrad von Fussesbrunnen (429), der Gauriel Kunharts von Stoffel (507), Haug's von Langenstein Heil. Martina (589), Hansens von Bühel Diocletian (735), ein Osterspiel (781) u. A.

Die Ausstattung des Buches ist ebenfalls sehr zu loben und die nicht unzahlreichen Druckfehler sind am Schlusse sorgfältig verbessert; Rec. kann nur damit schliessen, dieses Altdeutsche Lesebuch allen Lehrern der deutschen Sprache und Litteratur auf Gymnasien, wie jedem Freunde der altdeutschen Litteratur bestens zu empfehlen. Einem zweiten nach diesem Plane gearbeiteten Theile des Lesebuchs, welcher die Litteratur auf die neuern Zeiten fortführt, wird man mit Vergnügen entgegensehen.

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ORIENT A LISCHE LITERATUR.

LEIPzG, b. Cnobloch: Georg. Guil. Kirschi Chrestomathia Syriaca cum Lexico. Denuo ed. Georg. Henr. Bernstein, Theol. et Phil. Dr., LL. OO. in Univ. Vratislav. Prof. P. O. etc. Pars I. Chrestomathia ex Codd. mss. emendata et aucta. 1832. XXX u. 226 S. gr. 8. Pars II. Lexicon penitus novatum. Erste Lief. 1836. VIIIu. 208 S. gr. 8. (Beide Theile 3 Rthlr. n.)

De syrische Chrestomathie von Kirsch zeichnet sich durch zweckmässige Auswahl und Anordnung so Vortheilhaft vor manchen andern ähnlichen Werken aus, dass gewiss jeder ältere Freund des Syrischen mit dankbarer Freude der Zeit gedenkt, wo ihn das unscheinbare Büchlein zuerst über die engen Gränzen des Gutbier'schen oder Schaaf'schen Neuen Testamentes hinaus in das freie Feld selbstständiger Sprachgestaltung führte. Es war daher ein glücklicher Gedanke der Verlagshandlung, einem so gediegenen Kenner des Syrischen, wie Hr. Dr. Bernstein, die Besorgung einer neuen Ausgabe dieser Chrestomathie zu übertragen, zumal da die erste aus dem Buchhandel verschwundene vieler Berichtigungen bedurfte, welche von ihrem hochbejahrten Urheber natürlich nicht mehr zu erwarten ständen, der, nach einer Anmerkung zur Vorrede seines Nachfolgers, noch 1832 auf seinem Landgute Slaikow bei Dänzig völlig erblindet lebte; während Hr. Dr. B. seinen Aufenthalt in England dazu benutzt hatte, die aus dem Chronikon des Barhebräus genommenen historischen Stücke, welche bekanntlich den grössten Theil des Buches ausmachen, mit den beiden, von Bruns nicht immer sorgfältig genug abgeschriebenen Bodleyischen Mss. des Chronikon zu vergleichen, wodurch allein schon eine Menge von Stellen geheilt werden konnten. Aber noch gab es manche äussere Schwierigkeiten zu überwinden. Die ungefügen, stumpfen Lettern des ersten Bogens der beabsichtigten neuen Ausgabe missfielen Hn. Dr. B. so sehr, dass er lieber das ganze Unternehmen aufgeben, als so weiter drucken lassen wollte. Das Buch sollte nun in Breslau erscheinen; aber die dortigen syrischen Typen waren noch schlechter als die Leipziger und überdies in zu geringer Anzahl. Auch eine Probe der damals vom sel. Tauchnitz neugeschnittenen Typen erhielt des Herausgebers Beifall nicht Ergänz. B. zur A. L. Z. 1838.

ganz, und mehrere davon wurden nach seiner Angabe geändert; aber theils wegen einiger ihnen am Ende doch noch anhangenden Mängel, theils wegen ihrer zu grossen Kleinheit wurden sie nur zum Notendruck verwendet, für das Uebrige hingegen kamen nach des Herausgebers lithographirten Vorzeichnungen im Anfange des J. 1829 die neuen schönen Tauchnitzischen Typen zu Stande, mit welchen der Text der Chrestomathie endlich bis zum April des folgenden Jahres fertig gedruckt wurde. Während nun Hr. Dr. B. die Chrestomathie mit seinen Zuhörern durchlas, fing er an, das Wörterbuch auszuarbeiten und zum Drucke zu befördern; jedoch bei der gewissenhaften Sorgfalt, welche er sich zur Regel machte, wurde die uns vorliegende erste Lieferung nicht eher als im Anfange des auf dem Titel genannten Jahres beendigt. Eine darauf folgende zweite Reise nach England, und nach der Rückkehr Amtsgeschäfte verschiedener Art verzögerten die Vollendung des Ganzen von neuem; doch sind wir durch unmittelbare Privatmittheilung zu der Hoffnung berechtigt, sie noch in diesem Jahre wirklich erfolgen zu sehen. Die Stücke der ersten Ausgabe sind alle geblieben und neue hinzugekommen, nämlich: die Vorreden zu dem Chronikon und dem Horreum mysteriorum des Barhebräus, das 14. Kap. des Johanneischen Evangeliums und das 13. Kap. des I Br. an die Korinther nach der Peschito und der Philoxenisch- Herakleensischen Uebersetzung, beide einander gegenübergestellt, jene mit vollständiger griechischer Vo– calisation, diese nur theilweise mit den syrischen Vocal- und Lesezeichen, eben so der 15te und 18te Psalm nach der Peschito und der Hexaplarischen Uebersetzung, endlich das 13. Kap. Vs. 17 ff. und das ganze 14. Kap. des Hiob nach der Peschito, und des Barhebräus Ä zum Hiob aus dessen Ilorreum mysteriorum. Die Einleitung dieser Scholien enthält die verschiedenen Meinungen der Alten über die Zeit und Person Hiob's und iiher den Verfasser des seinen Namen führenden Buches; den Scholien selbst liegt der Text der Peschito zu Grunde, der aus ihnen an einigen Stellen berichtigt werden kann; für die Erklärung des Hiob aber ist nichts Neues daraus zu gewinnen. Der schon in der ersten Ausgabe stehende Hymnus des Ephraem, Paraenesis ad poenitentiam überschrieben, ist hier stichen - und strophenweise gedruckt. Andere poetische Stücke hat der Heraussehrmit Rücksicht auf die unterdessen erschienene, und Sieffert nicht aufgenommen. Da die Vorrede zum Chronikon auch von Wisemann in seinen Horis syriacis, Rom 1828, aus einer Vaticanischen Handschrift gegeben worden war, so sind die Verschiedenheiten der beiden Texte hier Vorr. IX aufgezählt. Die Fehler der ersten Ausgabe sind theils aus den Handschriften selbst, theils nach andern Gründen berichtigt, darunter auch die von Kirsch oft falsch gesetzten Vocale, wozu ebenfalls die theilweise vocalisirten Bodleyischen Mss. viele Beiträge lieferten. Ueber sein kritisches Verfahren stattet Hr. Dr. B. in der Vorrede einen sehr ins Einzelne gehenden Gesammtbericht ab. Erstens werden aus den Mss. mehrere, hier nun in den Text aufgenommene Conjecturen von Kirsch bestätigt, während andere in den Noten nur referirt, andere widerlegt oder als völlig ungegriindet übergangen worden. Dann folgen in Bezug auf die Stücke aus dem Chronikon: 1) die Wörter, welche, von Kirsch ausgelassen oder falsch geschrieben, hier theils aus dem gedruckten Chronikon mit Zustimmung der Mss., theils aus diesen letzten allein wiederhergestellt worden sind. 2) Die Stellen, in welchen der Herausgeber nach Vermuthung die Consonanten, und 3) die, in welchen er nach innern oder äussern Gründen die Vocale geändert hat. Hierauf folgen die in den übrigen Theilen der Chrestomathie vorgenommenen Veränderungen, und zuletzt einige nachträgliche Berichtigungen, welche bei neuer Durchlesung des Buches nothwendig befunden wurden. In den Stücken aus dem Chronikon ist auch die Vergleichung der Hist. dynastiarum desselben Verfassers für Sicherung und Berichtigung der Lesarten, besonders in den Eigennamen, sehr ergiebig gewesen. Wir müssen den Veränderungen und Vermuthungen des Herausgebers durchaus beistimmen;

blos dergleichen enthaltende Chrestomathie von Hahn den äÄrlich natürlichern Plural abgewichen ist.

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( Das Beispiel jener ersten Verbindung, welches Gesenius im Lehrgebäude d. hebr. Spr. S. 714 aus dem traditionellen Texte der Lokmanischen Fabeln anführt, ist, wie so manches in diesen leidigen Fabeln, ein Barbarismus, den selbst das Vulgärarabische nicht duldet. Der Concipient hat - LSV-S als

Collectivum behandelt und statt des in solcher Ver

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das, was von der Art im Hebr. vorkommt, indem die gleiche Aussprache jener Formen eine Nachlässigkeit im Festhalten ihrer verschiedenen OrthograPhie veranlasste, welche sich bei den entsprechenden Personen des Fut. nicht zeigt, weil hier der Laut selbst verschieden ist. Auch spricht für diese Ansicht der Umstand, dass, wenn das Singularverbum mit in ihm selbst liegenden Pluralpronomen, zum Theil in bunter Mischung mit richtig geschriebenen Pluralverben, (wie S. 25 I. Z. u. S. 26 Z. 1, S. 57 Z. 4, S. 81 Z. 13, S. 101 Z. 13, S. 105 Z. 2, besonders S. 114 vorI. u. I. Z.), und das Pluralverbum bei einem Singularsubjecte ohne Collectivbedeutung steht, (wie S. 15 Z. 3 mit d. Anm., S. 40 Z. 5, S. 75 Z. 14, S. 83 Z. 2, S. 122 Z. 13, S. 128 Z. 10, in Bezug auf welche letzte Stelle wir Hoffmann's Meinung, Gramm. syr. p. 352 Anm. 21, nicht theilen können), nach aller Sprachlogik kein anderer Erklärungsgrund denkbar seyn möchte, als eben jehe durch phonetische Gleichheit veranlasste graphische Verwechselung. Eben dasselbe gilt von dem auf das Pluralsubject folgenden Singularverhum (Hoffmann S. 354; – den einzelnen Fall dieser Art mit dem Fut., ebendas. Z. 2 u. 3, lassen wir als eine Abnormität einstweilen auf sich beruhen). Dagegen erkennen wir in den Fällen, wo das Singularverbum dem Subjectsplural vorausgeht (wie S. 13 Z. 1, S. 16 Z. 1, S. 17 Z. 3, S. 77 vorl. Z.), dieselbe Sprachweise an, welche im Arabischen gesetzmässig ist. Sie kommt auch bei'm Fut. vor, wie S.70 Z. 2, ganz

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tung unseres es giebt, stehenden soo und con A

sowohl vor als nach dem Ä ganz regelmässig ist (Hoffmann S., 353 u. 35); ja Ä in der angeführten Stelle, das Verbom vorangeht, Älten jÄden Singular für allein richtig, wie auch

das gleichbedeutende GJ dann unverändert bleibt. –

Ueber die besondern Vorzüge des völlig umgearbeiÄn Wörterbuches, dessen erste Lieferung mit dem

VWorte -- abbricht, also etwas mehr als das Drit

tel; des Ganzen enthält, muss Rec. das im Gersdorfjen Repertorium von ihm Gesgte wiederhoo. Ojder Vf, in diesem Werke eine Probe des von ihm zu erwartenden allgemeinen syr. Wörterbuches geben will, so findet man schon hier: Wenn auch nicht die materielle Vollständigkeit, doch die formelle Äjsführlichkeit dieses letztern. Nicht blos aus der Chrestomathie, sondern auch aus andern Druckwerj sind zahlreiche Beweisstellen eitirto, bei wichtigern oder schwierigern Punkten die Glossen BarÄhurs und Bar- Äli's angeführt, und, worin wir einen besondern Fortschritt finden, die verschiedejen Verbindungen und Constructionen der Wörter, besonders der Verba, mit den davon abhängigen Modificationen des Sinnes genau unterschieden. Aus j verwandten Sprachen sind die identischen oder etymologisch verwandten Wörter angegeben, letztere häuptsächlich dann, wenn der Vf, aus ihnen die Grundbedeutung eines syr. Wortes entwickeln will. Eben dieses Streben nach etymologischer Begründung hat auch zahlreiche Versuche, die Abstammung und Zusammensetzung der Partikeln zu erforschen, hervorgerufen. In der Aufzählung der Bedeutungen suct der Vf, den natürlichen Entwickelungsgang derselben darzustellen. Kurz, die ganze Anlage des Buches zeigt eben so sehr treuen Fleiss im Sammeln, Aufbewahren und Sichern des Factisch-Empirischen, wohin auch die Wiedergebung der echt syrischen Rechtschreibung hinsichtlich des Kuschoi und Rchoch gehört, als regen Eifer, sich von dieser positiven Grundlage zum Speculativ - Rationellen zu erheben. Und dabei werden hier keine jener etymologischen Orgien gefeiert, wo sich der nüchterne ForÄcher wie in einem Kreise rasender Bacchantinnen, verzückter Clairvoyants oder stillbrütender Opiumsesser befindet, sondern es geht hier. Alles so ruhig und besonnen her, dass man dem Vf. mit wenigen Ausnahmen wohl zugestehen muss, es könne nach vernünftigem Ermessen wirklich alles so entstanden

seyn. Eine andere Frage ist dann freilich wieder,

ob dieses vernünftige Ermessen auch wirklich die concrete Wahrheit erfasst habe. Um nicht missyerstanden zu werden, erlaubt sich Rec., seine Ansicht über den Gegenstand im Allgemeinen darzulegen: Von allen Arten der Speculation über Ursachen und Entstehung, ursprüngliche Bestimmung und Beletung, und innern. Zusammenhang der Spracherscheiuungen ist diejenige jedenfalls die beste, welche aus

der schöpferischen Fülle einer wohlverarbeiteten Empirie von selbst als kräftige Blüthe hervorschiesst und zu ihrer Zeit als gereifte Frucht abfällt. Die Ergebnisse dieser Speculation aus dem Grossen und Ganzen tragen den Stempel der Wahrheit so unverkennbar an sich, dass sie in der Regel, wie erkannt, so auch anerkannt werden und Zustimmung erzwingen. Indessen sind viele Spracherscheinungen der Art, dass sie jene Unmittelbarkeit und Sicherheit des sprachlichen Bewusstseyns theils nicht bedürfen, theils nicht zulassen. Zu der ersten Klasse gehören eine Menge Dinge in der Analogie einer und derselben und dem Verhältnisse verwandter Sprachen, welche noch in dem Maasse auf der Oberfläche des Sprachkörpers liegen oder wenigstens ihre Natur so deutlich durchscheinen lassen, dass auch der nur von aussenher Hinzutretende mit gesundem Blick und geübter Combination sie als das, was sie an und für sich oder mit andern zusammengenommen sind, zu erkennen vermag. Zu der zweiten Klasse hingegen rechnen wir alles der geheimen Werkstätte der ersten Sprachbildung Angehörige, in sofern es nur in fragmentarischen Ueberbleibseln erhalten, oder nur durch dürftige Analogieen angedeutet, oder durch frühe Abschleifung zum blossen dynamischen Moment herabgesunken ist, kurz alles was – man erlaube uns den Ausdruck – die empirische Metaphysik der Sprache ausmacht. Wir zweifeln keinesweges, dass die oben bezeichnete concrete, mit der vollsten Empirie gesättigte Speculation auch hier manches Räthsel des bildenden Sprachgeistes zu lösen oder doch anderswoher gebotene Lösungen zu würdigen berufen ist; im Ganzen aber sind wir überzeugt, dass selbst ihr Gebiet hier aufhört und das eines mit ihr verwandten, aber durchaus nicht identischen Scharfsinnes anfängt, welcher durch lange Beschäftigung mit den Gegenständen herangebildet, ohne dieselben eigentlich zu begreifen, ihnen wenigstens so nahe als möglich rückt. Das Schlimme dabei ist freilich, dass man auch im besten Falle der so aufgefundenen Wahrheit selten das klare Geständniss abnöthigen kann, dass sie eben die Wahrheit ist. Doch da jene Wahrscheinlichkeitsrechnung nun einmal das hier allein M1ögliche ist, so wünschen wir, dass diejenigen, welche sich dazu berufen glauben, sie wenigstens immer nur so anstellen mögen, wie es in dem vorliegenden Buche geschieht, d. h. mit Fernhaltung aller Ausschweifungen der Phantasie, welche grade auf diesem Felde von jeher ihre abenteuerlichsten Ausgeburten in dogmatische Formeln umzusetzen liebte, ohne sich's kümmern zu lassen, dass, wenn die Wahrheit überhaupt auf solche Weise gefunden werden könnte, hundert andere Möglichkeiten gleichen Schlages mit ebendemselben oder grösserem Rechte aufgestellt und abgehört werden müssten. Versuchen wir nun, einige Ableitungen des Vfs. auf das, was uns das Richtige scheint, zurückzufüh

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