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ERATUR - zEITUNG

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Dow Ä Ä ich persönlich zu nähern, um die Sächo worläuf „bei einem Glase Wein mit K Ä zibe sprecher. Das hat Unterzeichneter gehän, sowohl yör als nach dem Erscheinen der Schrift, doch ohne dass sich die völlig entgegengesetzten Ueberzeugungen im geringsten verändert hätten. Nur mit Widerstreben entschloss Rec: sich endlich, mit seiner Ansicht, welche die Widerlegung der entgegengesetzten in sich schliesst, an das Publikum zu appelliren. Er hätte wärten können, bis ein. Andrer, ein Besserer sich der Sache annähme." Doch nicht ein Jeder fühlt die Lust zum Schreiben, selbst wenn er von einer Ueberzeugung aufs lebendigste durchdrungen ist. Dazu kommt, ich gestehe es, eine so tief eingewurzelte Verehrung des Sokrates, dass dieser für Rec. beinahe Glaubensartikel geworden ist, welchem zu Gefallen man sich immer, dünkt mich, ein Bischen Fanatismus oder selbst Pedantismus erlauben darf., Sokrates ist eine jener Eminenzen der Geschichte der Menschheit, welche zugleich die wahrhaften Stützen des Glaubens an die Menschheit, an ihre Würde, ihren Fortschritt sind. – Uebrigens glaubt Rec. keineswegs, die Sache durch die nachfolgenden Zeilen zu erschöpfen. Sollte dieses erreicht werden, so wäre das Buch mit einem Buche zu beantworten. Er wird vielmehr nur auf einige Hauptpunkte aufmerksam machen, und möchte dadurch einen Andern- anreizen, die Untersuchung durch allseitige Beleuchtung der fraglichen Punkte zu Ende zu bringen. -- » , „ Die Resultate der zu beurtheilenden Schrift sind kürzlich diese: Sokrates ein Revolutionär und zwar im Sinne der oligarchischen Factionen seiner Zeit, die Athener hatten das beste Recht, ihn hinzurichten, Anytos und Meletos waren vortreffliche Bürr, Xenophons Vertheidigung ist erbärmlich, sein }haracter der beste Beweis von dem verkehrten Stre# des Sokrates, Platons Apologie ist eine Gemeineit. Es wird zunächst angebracht seyn, das Verhält uiss dieser Ansicht zu ähnlichen, worauf sie sich zum Theil heruft, näher zu beleuchten, damit wir es hernach mit dem Vf. allein zu thun haben, nicht 4. L. Z. 1838. Zweiter Band.

mit Niehuhr und Hegel oben ein, mit denen wir nicht gern anbinden möchten. Denn auf jene beiden beruft der Vf, sich S. 88: „Es mag unserer DarsteIung zur Bewahrheitung gereichen, dass sie im Wesentlichen mit der Ansicht jenes grossen Denkers zusammentrifft, der mit seinem Scharfblick selbst durck ein unvollständig erforschtes historisches Dunkel hindurchschaute (Hegel); während auf der andern Seite wir uns getrauen, der nicht mehr einzuholenden Zustimmung des grossen Geschichtsforschers (Niebuhr) gewiss zu seyn, dessen Worte wir dieser Schrift vorangestellt haben." Diese Worte sind folgende: „Ich will denen, die über die Athenienser als über ein heilloses leichtsinniges Volk declamiren, ihr Unrecht nicht zur Verantwortung rechnen, denn sie wissen nicht, was sie thun. Dabei offenbart sich aber, wie ungenügende Kunde zu Unrecht und Verleumdung führt, und warum frägt nicht jeder sein Bewusstseyn, ob er denn auch über das Vorliegende urtheilen könne?" – Sie sind dem bekannten Aufsatze über Xenophons und Platos bürgerlichen Character entlehnt. Xenophon wird dort ein schlechter, Plato ein „nicht guter" Bürger genannt; aber Sokrates? Hätte der Vf, doch die auf das Mitgetheilte gleich folgenden Worte noch ausgeschrieben: „Auch hier wird der Dämon des Sokrates den Redlichen nicht verlassen." Schon hier eine Präsumtion, dass N. über den Sohn des Sophroniskos doch wohl andrer Meinung gewesen; aber man lese nur weiter diese Stelle, wo der Satz exemplificirt wird, dass bei politischen Parteistellungen hänfig der schlechte Mensch auf der Seite der guten Bürger sich befindet, und umgekehrt: KI. Schrr. S. 476: „Bald hernach erschien einer der Häupter der Gegenrevolution und Herstellung der legitimen Regierung (Anytos) unter Sokrates Anklägern: ein merkwürdiges Beispiel, wie wenig sich die politischen Parteien moralisch sondern, und unter den Fahnenträgern des Gesetzes und der gerechtesten Sache Bösewichter nicht fehlen." – Mag der Vf. Niebuhrn zutrauen, dass er dieses ohne „genügende Kunde" des faktischen Zusammenhanges niedergeschrieben, und dass er anders urtheilen würde, wenn er des Vf's Buch gelesen? Auch Hegel aber ist keineswegs derselben Meinung, ja „im Wesentlichen" völlig entgegengesetzter; dä doch das Wesentliche der Behauptung HoF.'s wohl dieses ist, dass Sokrates ein politischerovolutionär gewesen. – Für einen ideellen Revolutionär hält Hegel den Sokrates allerdings; und Ä jte es leugjen, dass Sokrates das gewesen; *

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gesteinigt, gekreuzigt, gemordet sind, um in einer .

bessern. Persönlichkeit, in ihrer Idealität, in dem,

was sie gewollt und gedacht, wieder aufzuerstehen.

und Init allen folgenden Geschlechtern fortzuleben. – Dieses Recht des Unrechts hatten auch die Athenien ser gegen den Sokrates, kein andres aber: so.urtheilt auch Hegel. Er sieht im Sokrates einen „unschuldig Leidenden"; in seiner Lebensgeschichte „den Kampf zwischen zwei gleich berechtigten Mächten (insofern höchst tragisch), dem göttlichen Rechte, der unbefangenen Sitte, und auf der andern Seite dem Rechte des Bewusstseyns, der subjectiven Freiheit" (Gesch. d. Philos. II. S. 487). Jenes Recht hätten die Athenienser für sich gehabt, dieses, das höhere der freien Entwickelung allgemeiner Menschlichkeit, der Unterliegende. – Des Sokrates Stellung im Staate sey etwas Zufälliges an ihm gewesen S. 52: „ Neben diesen für ihn mehr zufälligen Verhältnissen zum Staate (seinen Feldzügen, Magistraturen), die er nur als allgemeine Bürgerpflicht that, ohne eben selbstthätig die Angelegenheiten des Staats zu seiner eigentlichen Hauptbeschäftigung zu machen, noch sich an die Spitze der öffentlichen Angelegenheiten zu drängen." – Er nennt ihn ein vollendetes klassisches Kunstwerk sittlicher Grösse, ein ruhiges frommes Tugendbild, u. s. w.; es ist kaum ehrerbietiger vom Sokrates gesprochen, als von Hegel. Nur bei dem Urtheil über den Tod des Sokrates beschleicht ihn einmal wieder der leidige historische Optimismus; obgleich auch hier seine Ansicht und die des Hn. F. völlig divergiren. Sokrates war nach Hegel so gut wie unschuldig und wäre auch gewiss mit gelinder Züchtigung davon gekommen, wenn er sich nur vor Gericht anders benommen hätte. Man überliess ihm die Schätzung seines Vergehens; er sagte: ich verdiene die höchsten Ehren. Damit habe er sein Gewissen der Volkssouverainität entgegengesetzt, und somit den Tod verdient. Er hätte sich demüthigen müssen, bitten müssen, bei dem Volke „herumgehen", so wie Perikles für seine Aspasia, für den Anaxagoras beim Volke, als dem Souverain, herumgegangen sey und gebeten habe. – Uns scheint dieses eine unwürdige Ansicht; wir führen sie übrigens nur an, um das Verhältniss der Hegelschen Ansicht zu der des Vf.'s vollständig zu characterisiren.

Eine Autorität hat Hr. F. allerdings für sich, aber die ist auch danach! Der alte Cato sagt beim Plutarch (v. Catoc. 23) ziemlich dasselbe, was Hr. F. sagt. Ohne Zweifel sprach Cato so, als die Gesandtschaft wegen Oropos die römische Jugend „so gefährlich aufregte, wo denn die Herren Senatoren im Karneades einen directen Schüler des Sokrätes mögen gesehen haben. Wie nur Cato vom Sokrates erfähren haben mag? Hätte er unter den Richtern

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geurtheil haben. - - - - - * - - - sNun haben wir den Vfällein, und wollen wnig

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stens den Hauptargumenten genau folgen: – – 1). „Mit Recht wurde Sokrates angeklagt, nicht an die Athenischen Staatsgötter zu glauben. Dieser Glaube war schon früher wankend gemacht, aber - nie vorher hatte der Rationalismus und in Folge davon der Ä Ä Staatsreligion so um sich gegriffen, zur Zeit des Sakrates und durch ihn. Ist“ Ä f alfen Ä “ein Ä der sich nach der Lehre der Attischen Staatsreligion rechtgläubig nennen konnte?” – Ein Beispiel wäre gleich zur Hand, das des Xenophon, der altväterisch rechtgläubig war wie nur einer; doch diesen wird Hr; F. nicht gelten lassen: ,,so einen alten Sünder“, und ähnliche Epieta würde man hörendejs mals ist härter, heftiger über den Xenophon # heilt worden, als in dieser Schrift. –" Ä ferner, anführen, Sokrates sey es ja eben gewesen, der gegen die Sophisten den Glauben an Ä der in seiner höheren Begründung und Nothwendigkeit aufgewiesen; allein auch äÄ Ä helfen; Orthodoxie will Hr. F., recht krasse. Or. Ä ooch einen Titel von dem, was der Buchstäbe der Solonischen «oßeÄ chen seyn dürfte. – In diesem Sinne möchte man nun allerdings den Sokrates nicht gerne für örthödox halten; wohl aber war er orthodox in dem Sinne, wie es jeder wahrhaft religiöse Mensch ist, der auch in den unvollkommensten Formen immer noch Nahrung genug für sein Gemüth finden, und jene Formen deshalb lieb haben und heilig halten wird. Xenophon sagt ausdrücklich, und durfte sich auf das Publiküis von Athen berufen, Sokrates habe alle Werke der Frömmigkeit geübt, wie die attische Staatsreligion sie vorschrieb. War doch noch seine letzte Handlung eine religiöse, Phaedo p. 118; oder wollen wir, weil dieses Opfer an den Aesculap uns lippisch erscheint, annehmen, dass Sokrates, der Sterbende, damit nur einen Witz habe machen wollen? Und da doch Hr. F. so ausdrücklich auf die Staatsgötter besteht, warum liess er Memorab. IV,3 unberücksichtigt, wo auf die Worte des Euthydemos: „Ja, du bist fromm, Sokrates, ich weiss es wohl. Mich aber beunruhigt es, dass bei so unendlichen Wohlthaten der Götter kein Mensch im Stande ist, Gleiches zu vergelten", vom Sokrates geantwortet wird: Ä du, wie du die Götter verehren sollst, so halte dich daran, was der Delphische Gott antwortet, wenn man ihm dieselbe Frage vörlegt," so zt doo , nach der Weise, wie ein jeder Staat seinen Bürgern vorschreibt, sölle man sie verehren." – Kein Religionslehrer von Profession hätte besser antworten können! Auch das Gespräch mit Aristodem (Memor. I, 4) bietet Vieles des Ä igsten, was vom Standpunkte Ä über GötÄrÄÄ sind die ke o abstracto Wesen, sondenn dieselben, „wele # Atheniensern und allen

Griechen, wenn sie durch Mantik befragt werden, das Beste zu rathen pflegen." Und war nicht das ganze Leben und Treiben des Sokrates ein dem Auftrage des Delphischen Gottes, wie er diesen aus dem bekannten Ausspruche mit wahrer Kindlichkeit herausgefunden, geweihetes? oder glaubt der Vf. nicht, was Sokrates in der Platonischen Apologie mit ausdrücklicher Berufung auf bestimmte Zeugen aussagt? – Doch Hr. F. hält sich an das, was auch die Ankläger für ihr Frega öé xauvá öauuórua signyoiusvog allein vorzubringen wussten, an das Dämonion des Sokrates, und, was schlimmer ist, er missdeutet es nicht allein eben so willkührlich wie die Ankläger, sondern er fügt auch noch eine neue Unbilligkeit hinzu. Wenn Sokrates beim Plato sagt, Apol. p. 31 c, sein Dämonion habe ihn immer abgehalten, an den Staatsangelegenheiten Theil zu nehmen. (rö tourt«ö. ztgärteuv), so ruft er aus: „Das also war das neue göttliche Wesen, gegen welches die Athener nach der Lehre des Sokrates ihre alten, noch immer mächtigen Götter hätten austauschen sollen, gegen einen elenden verneinenden Geist, der nichts vermochte, als den Sokrates abzuhalten, seine Pflicht gegen das Vaterland zu thun. – Das Dämonion des Sokrates war kein „neues göttliches Wesen”; Plato sowohl als Xenophon heben überall hervor, dass es weiter nichts gewesen, als eine eigenthümliche in der Individualität des Sokrates durch besondre Naturanlage begründete Art von Mantik; und Schleiermacher hat zum Ueberfluss darauf aufmerksam gemacht, dass Öauó– vor immer Adjectiv sey, mit der Ellipse gmusiov; Uebers. des Plato I, 2. p. 432 f. Ferner: wie kann man tour«ä ngäreuv und Bürgerpflichten identificiren! Es beruht dies auf einer eigenthümlichen Ansicht des Vf.'s, dass nämlich in einer Republik eines jeden Bürgers Pflicht sey toutuxá agátreuv, sofern jeder Bürger nach solcher Verfassung Souverain sey, und der Souverain die Pflicht habe, die Staatsangelegenheiten zu betreiben. Eine wunderliche Consusion zwischen dem, was Recht eines jeden Bürgers und dem, was seine Pflicht war; seine Pflicht war doch nur, Feldzüge mitzumachen, die Volksversammlung zu besuchen, Aemter, wenn er gewählt wurde, anzunehmen; die Staatsgeschäfte aber zu betreiben in dem Sinne, wie Perikles, Themistokles. u.s. w. es gethan, das war doch wohl blos freiwilliger Dienst, dessen sich ein Jeder enthalten konnte,

ohne deshalb schlechter Bürger zu seyn. Ich weiss

Ä nicht eine bestimmte Stelle zu citiren (auch ätte ich Ursache, dieses von Hrn. F. zu fordern, nicht er von mir), aber die ganze Praxis der Alten entscheidet dafür, indem eine politische Carriere in dem Sinne, wie jene Männer sie übernommen, namentlich die Demagogie immer für etwas Freiwilliges gegolten hat. Nun kämpfte Sokrates mit bei Potidäa, Amphipolis und Delion, war hernach mit im Rathe und bei der Gelegenheit noráryg in der VolksVersammlung (Xenoph. Memor. IV, 4 init.), hat also seine Bürgerpflichten wohl gethan; allein, wie Hegel sagt, die Stellung zum Staate war nur etwas Zufäl–

liges an ihm; noch weniger konnte er sich eine Profession daraus machen, in die Regierung des Staates einzugreifen; mit ruhiger Besonnenheit hatte er früh erkannt, dass sein Beruf ein andrersey, der ihm von göttlichen Stimmen bestätigte, Weisheit zu suchen, die völlige, die vollendete, so lange er lebte in Athen, nach seinem Tode in Elysium. – Was übrigens den vermeintlichen Widerspruch zwischen Xenophon's und Platon's Aussagen über das dauóvuov betrifft, so hätte Berücksichtigung verdient, was Schneider zu Memorab. I. 1, 4 bemerkt, dass sehr wohl beider Aussagen neben einander bestehen könnten, indem, so oft das Dämonion den Sokrates nicht abgerathen, dieses Schweigen ja für ein Zurathen hätte gelten können.

2) Die Hauptsache der Beschuldigungen, Sokrates ein verkappter Oligarch. Der Vf. giebt zur Einleitung eine kurze Geschichte der Ä Athens und verweilt besonders beim Perikles un seiner Rede (wie Thukydides sie wiedergiebt) zum Lobe der Athenienser. „Was waren die Athenienser für ein Volk, jeder ein Selbstherrscher, alle gleich thätig, dem Perikles als Freie ergeben, ihm, dem Muster der Gesetzlichkeit im Handeln und in der Gesinnung!" Gewiss, dieses war eine schöne, grosse Zeit; aber nicht auf die Schilderung dieser Zeit kommt es an, sondern auf die der Zeit, in welcher Solrates lebte.

(Der Besahlufs folgt.)

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Warmbrunn liegt in dem schönen Hirschberger Thale, in welchem indessen Hernien und Kröpfe endemisch, Lungensucht häufig und an den meisten Orten rheumatische und katarrhalische Leiden stationär sind. Nach einigen geognostischen Bemerkungen theilt der Vf. das Geschichtliche und Topographische über Warmbrunn mit und giebt eine Beschreibung von dem Badeleben und den Vergnügungen während der Saison. Die warmen Schwefelquellen dringen mitten in Warmbrunn 20 Fuss unter der Bodenfläche aus mehreren Spalten grobkörnigen Granits hervor und werden das grosse und kleine Bad genannt. Schon im grauen Alterthume sollen die Quellen zu Bädern benutzt worden seyn. Recht iuteressant sind die geschichtlichen Nachrichten über die Badeinrichtungen seit dem XVI. Jahrhunderte, die bei grösserer Frequenz der Badegäste in neuester Zeit VeoSert und vermehrt wurden.. Eür Kurgäste ist. die Bemerkung des Vfs. gewiss nicht einladend, indem er von dem im Jahre 1825 erbanten Leichenhause versichert, „dass es während der Sommerszeit seinem Zwecke vollkommen entspreche." Die Physischchemischen Eigenschaften der nach des Vfs. Ansichten vulkanischen Ursprungs sich erfreuenden Warmbrunner Thermen werden nach Prof. Fischer angegeben. – Das Baden in den Bassins, in welchen die Geschlechter, Stände und Rangstufen u. s. w. gehörig abgehandelt werden, ist dem in Wannen vorzuziehen, da über diess noch die in jenen sich findende Temperatur von + 28–30° R. eine fast allen Kranken zusagende ist. Die Thermen beruhigen und beleben das Nervensystem, erhöhen die Thätigkeit des Hautorgans, der Blut- und Lymphgefässe und des ganzen vegetativen Lebens, verhindern Congestionen und Blutstockungen und erweichen und zertheilen durch Beförderung aller Ab- und Ausscheidungen Stockungen und Verhärtungen. Metalloxyde werden desoxydirt und auf diese Weise Vergiftungen unschädlich gemacht. Hieraus ergiebt sich die Anzeige zum Gebrauche der Badekur in Warmbrunn bei den verschiedensten, aber in ihrem Wesen sich gleichenden Krankheiten von selbst. – Die Trinkkur beginnt mit einem und steigt bis zu 4 und 6 Bechern. Fast immer sind Vorbereitungskuren bei eingewurzelten Krankheiten nöthig. Man badet anfangs nur 10 Minuten hindurch, später eine ganze Stunde und Gichtische und Gelähmte in der Regel zweimal täglich. Bei Obstructionen setzt man dem Thermalwasser Karlsbadersalz, bei Griesbeschwerden Matron carbon, und bei Lungenaffectionen warme Milch hinZU.

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Wie die rühmlichst bekannte Schrift Monheims über Aachen vorzüglich die Naturforscher berücksichtigt hat, so soll vorliegende mehr das ärztliche und in Aachen Hilfe suchende Publikum belehren, weshalb der Vf. nicht blos seine eignen, seit 10 Jahren gemachten Erfahrungen, sondern auch die älterer Beobachter mittheilt. Mit Uebergehung der Topographie des Ortes und der Quellen, die wir sammt deren chemischen Beschreibung aus dem eben erwähnten vortrefflichen Werke kennen, wenden wir uns zu dem Rein praktischen und, weil wir er nocentibus in der Regel leichter und leider häufiger die Juvantia erkennen lernen, zu den Gegenanzeigen der Aachner Thermalkur. Schädlich ist die Trinkkur bei wahrer Magenschwäche (bei Magensäure dagegen zu

versuchen), Nervenschwäche, Schwindsncht und Lungengeschwüren, Herzkrankheiten, Blutflüssen (besonders denen der Lungen), frisch entstandneu Magenkrämpfen, Koliken und Durchfällen (bei chronischen wirkt sie oft wunderbar günstig), congestivem Kopfweh, Fiebern (mit Ausnahme der intermittirenden) und Entzündungen. Selbst die Badekur muss vermieden werden bei Blutcongestionen nach Kopf und Brust, Schwind- und Wassersuehten (letztre werden zuweilen durch Schwefelbäder geheilt. Rec.), wahrer Nervenschwäehe, Blutspeien, Schwangerschaften (Kortum beschuldigte die Bäder, dass sie Frühgeburten erregten; indessen ist der Gebrauch in Aachen allgemein, in der letzten Hälfte der Schwangerschaft fleissig zu baden, ohne däss Z. eine nachtheilige Wirkung bemerkt hätte.), gastrischen Zuständen, Fiebern und frischen Enzündungen. Die Diät und die Regeln beim Trinken und Baden in Aachen sind recht zweckmässig angegeben; aber aufsallend und Erstaunen erregend muss es für jeden seyn, wenn Hr. Reg. Med. Rath Zitterland, der Commissarius perpetuus für die Badanstalten in Aachen und Burtscheid, warnt, wie folgt: „ Ein andrer wichtiger Gegenstand, den der Kurgast nicht aus den Augen verlieren darf, ist, sich die Ueberzeugung zu verschaffen, dass das Bad, welches er nehmen will, rein, d. h. ungebraucht sey. Die vollkommenste Ueberzeugung davon erhält man dadurch, dass man bei dem Einlaufen des Bades selbst gegenwärtig ist, oder es unter die Aufsicht einer zuverlässigen Person stellt!" Ei, ei! wozu mag die Perpetuirliche Commissariatstelle nützen? – Der zweite Abschnitt enthält die Beschreibung einzelner Krankheiten und deren spezielle Behandlung, ist also nicht für Kurgäste, sondern allein für Aerzte. Was auch der Vf. zur Entschuldigung dieser ärztlichen Mittheilungen in einer doch hauptsächlich für Kranke bestimmten Schrift hervorbringen mag, Ref. überzeugt es nicht, da er aus Erfahrung die Nachtheile solcher Erörterungen für Kranke kennt. Aus ihrem Gesichtspunkte, nach ihren mannichfaltigen Kenntnissen beurtheilen sie dergleichen Krankheits- und Genesungsgeschichten und welche Folgerungen ziehn sie daraus; sie quälen sich und ihren Arzt mit Erklärungsversuchen u. s. w. – Ueberflüssig erscheint Rec. die Bitte an die homöopathischen Aerzte, Kranke, die sie nach Aachen senden, als einstweilen aus der homöopathischen Behandlung getreten zu betrachten, da die Kur in Aachen eine allöopathische sey.

Im 3. Abschnitte werden historische, die Aachner Thermen betreffende Notizen mitgetheilt und im 4. auf einige sehenswerthe Gegenstände und Einiges für den Verkehr aufmerksam gemacht. – B

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ALLGEMEINE LITERATUR - z EITUNG

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ALTERTHUMswissENscHAFT.

BERLIN, in d. Nicolai. Buchh.: P. h. Forchhammer; die Athener und Sokrates, die Gesetzlichen und der Revolutionär 11. S. W. (Bescluss von Nr. 87.)

Die sittlichen Zustände dieser Zeit und das innere Verfassungsleben derselben hätte der Vf. schildern, müssen, da er jetzt nur das äussere Gerippe der Ereignisse giebt. Nicht allein er selbst lässt sich hier nicht auf die damaligen Zustände ein, sondern er möchte auch Anderen die freie Forschung darüber verleiden, indem er medusenartig jene Worte Niebuhr's dem Leser entgegenhält: „Ich will denen, die über die Athenienser u. s. w." (S. oben.) Doch Niebuhr kann mit jenen Worten unmöglich völlige Tadellosigkeit der Athenienser haben aussprechen wollen; er meinte sicher nur, auch damals noch waren Keime grossartiger Tugend in den Atheniensern; es wäre Rettung möglich gewesen, wenn sich die dazu berufenen Männer (aber war Xenophon, war Plato ein zu solcher Aufgabe Berufener?) hätten an die Spitze der Angelegenheiten stellen wollen. In einer Untersuchung, wie der über den Process des Sokrates, wo es so wesentlich darauf ankommt zu sehen, was das für Leute waren, die den Sokrates anklagten, verurtheilten, kam es durchaus darauf an, die Hauptgebrechen der Zeit markirt zu schildern: die Characterlosigkeit, die äusserste Gesinnungslosigkeit, mit welcher damals die Volkssouve1ainität vom Volke wie von den Demagogen geübt wurde, wie damals vollkommne Bewusstlosigkeit über das eigentlich Gesetzliche der Verfassung, der ausgelassenste Neotorismus herrschte, wie die Ge1ichte bestechlich waren und ein so künstlich organisirtes und so durchgreifendes Hetärien – Unwesen herrschte, dass an freie selbstständige Thätigkeit des einzelnen Bürgers gar nicht zu denken war. (S. Vischer, Die oligarchische Partei und die Hetärien in Athen, von Kleisthenes bis ans Ende des Peloponn. Krieges. Basel 1836.) Diese Zeit war es und dieser Staat, in welchem Sokrates lebte. S. 24 ff. „Den Alcibiades und den Kritias hat Sokrates gebildet; ihre Politik war die seinige; also mit Recht heisst es, Sokrates habe die Jugend verdorben." – Die alte Rede! was Anytos gesagt, was Aeschines gg. Timarch p. 24 nachspricht, woegen Xenophon und die gesunde Vernunft den SoÄ in Schutz nimmt. Kritias war Oligarch; insofern hat die Insinuation, Sokrates habe Oligarchen A. L. Z. 1838. Zweiter Land.

gezogen, einigen Schein; aber Alcibiades war doch Demokrat; das ist also Widerspruch. Doch wenn nicht seine politische Richtung, so soll jedenfalls seine dissolute Aufführung dem Sokrates Änzurechnen seyn. – S. 29 ist von der Thätigkeit des Sokrates im Iathe die Rede. Der Rath, behauptet der Vf., war damals kein durchs Loos, sondern durch Wahl ernannter: also „die Oligarchen hatten ihren politischen Glaubensgenossen in den Rath gewählt." Aber hätte der Vf, nur nachgewiesen, dass der Rath damals wirklich noch durch Wahl ernannt wurde. Wachsmuth sowohl (Hellen. Alterthumsk. I, 2. S. 205) als K; Fr. Hermann (Staatsalterth. § 167) bekennen sich zu der Ansicht, dass der Räth damals ein rein demokratischer war, und ob sie gleich kein ausdrückliches Zeugniss dafür anführen konnten, so ist doch diese Annahme im Zusammenhange der damaligen Ereignisse und dessen, was Xenoph. Hellen. 1,4, 20 und 7,3 sq. erzählt, im höchsten Grade wahrscheinlich, ja mehr als dieses; zumal da auch bei Plato Apol. p. 32 die damaligen Zustände im Gegensatze zu den späteren demokratische genannt werden. Das wäre denn doch erst zu widerlegen gewesen ehe die Folgerung so zuversichtlich äisgesprochej werden dürfte: dass Sokrates im Rathe gewesen verdankte er lediglich der oligarchischen Faction. “Und wäre auch nur ein Schein von oligarchischer Tendenz in der Weise, wie Sokrates nun im Rathe auftritt! Im Gegentheil, er allein ist, wie Hr. F. selbst eingestehen muss, bei dieser Gelegenheit „guter Bürger"; eben so hernach in der Volksversammlung, vgl. Xenoph. Memorab. IV, 4. S. 33 eine neue Instanz gegen die politische Gesinnung des Sokrates. Während der Ä. der Dreissig (Kritias war Schüler des Sokrates; aber dass auch Theramenes ein solcher genannt wird, ist unbillig; er war Schüler des Prodikós, Scholl. Aristoph. Nubb. 360) erscheint Sokrates zum zweiten Mal in politischer Thätigkeit. „Die Dreissig befahlen ihm und vier Anderen, sie sollten den demokratischen Feldherrn Leon, den selbst sein Feind lobte, von Salamis nach Athen führen, damit er hingerichtet würde. Sie wandten sich mit solchem Auftrage natürlicher Weise an Leute ihres Sinnes." – " Und was that denn Sokrates, dass er eines Sinnes mit Menschen wie Theramenes und Kritias genannt werden darf? Nahm er die Commission än? Keineswegs! Mit Gefahr seines Lebens entzog er sich den Befehle der Gewalthaber. – Ist denn das erlaubt, aus der blossen Zumuthung von Seiten der Tyra"Ä Bern, Tät oder geos anso"

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