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ALLGEMEINE LITERATUR - zEITUNG

Mai 1838.

Weueste Predigt - Literatur.

Bei der fast unabsehbaren Masse, mit welcher diese Seite der praktischen Theologie bedacht wird, befolgt Rec. die Ordnung, dass er zuvörderst die Fortsetzungen von früher begonnenen Sammlungen erwähnt, dann wird die möglichst unbefangene Characteristik neu begonnener Predigt-Sammlungen folgen und so oder anders ausgezeichnete Einzel- Predigten mögen die Uebersicht beschliessen.

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Die Klarheit, die milde Wärme, das Textgemässe und Einfache der Hauptsätze und der Dispositionen, die Würde und das Beredte in der Darstellung des Hr. H. sind bekannt. Sie bleiben sich in den achtzehn Predigten dieser Sammlung gleich. Hin und wieder möchte jedoch die Kraft und Eindringlichkeit auch hier durch ein zu künstliches Periodisiren etwas gelitten haben und mehrere Hauptsätze erscheinen zu allgemein d. h. zu unbestimmt gefasst. So gleich der erste: „ Ueber einige der wichtigsten Segnungen des Christenthums,” zumal, da hiebei der Text Matth. 11, 28–30 nicht genug berücksichtigt wird. Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Homilieen des Vf's, besonders rücksichtlich der Form. Die über das Gleichniss vom verlornen Sohne, welche den ganzen Text umfasst und diesen auf die ganze gottentfremdete Richtung der neuern Zeit bezieht, dürfte zu dem Besten gehören, was kürzlich in dieser Redegattung geleistet ist.

LEIPzIG, b. Wuttig: Neueste Bibliothek protestantischer deutscher Kanzel- Beredsamkeit in Origimalbeiträgen namhafter jetzt lebender Kanzelredner. Herausgegeben von D. Jonathan Schuderoff. Erster und zweiter Band. 1837. (Jeder Band 2!/ Rthlr.)

Unter diesem veränderten, sicher aber verbesserten Titel wird die früher von Schott redigirte Sammlung der s. g. „ Musterpredigten" fortgesetzt. Wie im Uebrigen die Einrichtung dieselbe geblieben ist, so enthält die „Bibliothek" fortwährend auch rücksichtlich des inneren Gehaltes eine Reihe tüchtiger und gediegener Predigten, unter die sich nur dann und wann ein mittelmässiges Produkt verläuft, welches, bei dem strengen Massstabe, den der Herausg.

4. L. Z. 1838. Zweiter Band.

sonst anzulegen pflegt, die Aufnahme vielleicht nur diesen oder jenen äussern Rücksichten verdankt. Ausser diesem Uebelstande, welcher leicht zu beseitigen seyn dürfte, scheint dem Unternehmen aber besonders für die Zukunft noch ein anderer zu drohen. Es will nämlich Rec. bediinken, als wäre der Kreis der Mitarbeiter auf die Dauer zu klein und als kehrten die Beiträge von Einigen derselben zu oft wieder. Dies schadet der Mannigfaltigkeit, welche bei solchen Sammlungen besonders ins Auge gefasst seyn will, in sofern ihr Werth darauf beruht, dass sie ein möglichst vollständiges Bild der kirchlichen Beredsamkeit in einer bestimmten Zeit liefern und desshalb Beiträge von noch mehr divergirenden theologischen Richtungen enthalten müssen, als uns hier därgeboten, werden; um so eher, da eine Divergenz in dieser Beziehung oft auch einen entscheidenden Einfluss auf die Form der Predigt ausübt.

MAGDEBURG, b. Bühler: Zwölf Predigten vor der Dom-Gemeinde zu Magdeburg gehalten von dem Äser G. A. Bethmann. 1837. 151 S. 8. (18 gGr.) Der Vf, bemerkt in dem Vorworte, dass diese Predigten nicht für den Druck gearbeitet und nur veröffentlicht seyen; um mehrfachen Wünschen entgegen zu kommen. Wir halten dies bei ihm für keine blosse Redensart und können uns wohl denken, dass die grosse Anschaulichkeit, mit welcherer zu reden weiss, die blühende und leichte Sprache, die neue und überraschende Art, wie er hin und wieder den Text benutzt und das Gemüthliche, welches bei ihm vorwaltet, die Zuhörer angezogen hat. Allein es dürfte bei ihm noch zu sehr an dem eigentlichen Kerne der Lehre fehlen. In der Masse der gehäuften Beispiele geht der das Ganze beherrschende Gedanke zu oft verloren. Bei dem Mangel an der gehörigen Entwikkelung, auch da, wo es auf überzeugende Beweisführung ankam, flattert die Predigt nicht selten in Iauter Aphorismen aus einander, und dass es bei der Neuheit nicht immer um fruchtbare Wahrheit zu thun sey, zeigt z. B. die neunte Predigt über I. Kor. 15, I u. 10.2, die Erscheinung der Todten im Leben," wó sehr willkührlich das Bild, welches uns von Verstorbenen vor die Seele tritt, mit der Erscheinung des auferstandenen Christus parallelisirt und Vieles in falscher Sentimentalität Ä und her geredet wird, was so schwerlich auf die Kanzel gehört. Wollte sich der Vf, um eine festere uud klare theologische

Richtung bemühen, so würde schon aus diesem Grun-.. die scharfe Polemik gegen die, welche

de Vieles besser bei ihm werden.

LEIPzG, b. Barth: Sammlung erlesener Predigten von Dr. H. A. Schott. Aus seinem Wachlasse. 1837. 270 S. gr. 8. (1 / Rthlr.) Zwei und zwanzig Kanzelvorträge, meist Festpredigten, aus den Jahren 1830 bis 1835, den letzten Lebensjahren des Verewigten. Bleibt seine Predigtweise nun auch nach der Ansicht Mancher bereits hinter den Forderungen der neuesten Zeit und hinter der grösseren Freiheit zurück, mit welcher sich in dieser die geistliche Rede entwickelte, so ist sie doch auch frei von den misslichen Auswüchsen, welche dabei, wie nicht zu verkennen ist, hervortreten. Schott sucht nirgends nach Pikantem, Schlagendem und. Aufregendem. Aber seine Rede gleicht dem Flusse, welcher still und ruhig dahinzieht und sich ohne viele Krümmungen sicher zu seinem Ziele bewegt. So bringt sie, von einer klaren Entwickelung des Textes getragen, stets einen wohlthuenden und befriedigenden Gesammteindruck hervor und man fühlt es ihr an, dass, wie das kurze Vorwort sagt, der Selige zu denen gehörte, bei welchen der Mensch und der Prediger, das Wort und das Leben einander durchdringen und ergänzen.

BERLIN, b. Duncker u. Humblot: Bethanien. Dreizehn Homilien über das elfte Kapitel des Evangel. Johannis von August Fonärnier, Prediger an der französischen Kirche in Berlin. 1837. 270 S. kl. 8. (IRthlr. 4 gGr.)

Rücksichtlich der Form in vieler Beziehung ausgezeichnete Vorträge und in sofern etwa denen von Theremin verwandt. Für die freie Homilie können sie mit zu dem Vorzüglichern gezählt werden. Nur hätten wir ein noch tieferes Eingehn in die Lebensverhältnisse gewünscht, während, wie der Vf. die Sachen angreift, das Ganze oft zu hoch über dem Leben schwebt und bisweilen mehr einer Abhandlung gleicht, als der unmittelbar auf dasselbe gerichteten Rede. Zum Theil schien uns dies die Folge von dem theologischen Standpunkte des Vf's zu seyn. Es ist der des strengen Supernaturalismus, der, an dem unvermmittelten Bibelworte haftend, es zu sehr verschmäht, die christlichen Ideen dem natürlichen Bewusstseyn nahe zu bringen. So mag Hr. I. in seiner Gemeinde Leute haben, die einen Satz wie folgenden annehmen und vielleicht sich auch zurecht zu legen wissen: „das sinnliche Leben, das warm und mächtig in unsern Pulsen klopft, das im thätigen Verein aller Kräfte zu unsrer leiblichen Erhaltung und Ausbildung wirkt, wir verdanken es Christi allmächtiger Schöpferkraft, welche allen Wesen Gestalt gegeben, jedem seine Stellung und seine Bestimmung angewiesen; denn er ist das Wort, das im Anfang war, durch welches Gott die Welt geschaffen" (S. 110). Anderwärts würde das auch von denkenden und im Evangelium recht gut unterwiesenen Gemeindegliedern für eine übertriebene Consequenzmacherei gehalten werden, für welche sich in demselben kein ge

nügender Grund nachweisen lässt, Eben so Yerletzt lehe bei der A nahme von Wundern das Recht der Prüfung gelten machen, und gewiss hätte der Vf. hier auch bei seiner Ueberzeugung einen mildern Weg einschlagen können.

LÜNEBURG, b. Wahlstab: Festpredigten gehalten in der St. Marienkirche zu Uelzen von Arnold Hölty, Archidiaconus. 1837. 144 S. gr. 8. (16 gGr.) An diesen Predigten ist nur eine gewisse Gewandtheit in der Form der Disposition und in der Diction zu loben. Im Uebrigen haben sie nichts Ausgezeichnetes und bisweilen behandelt der Vf. seinen Gegenstand mit einer gewissen Flachheit und Flüchtigkeit. So gleich in der ersten Predigt am Ärst. über 1 Cor. 13, 13. „ Was uns bleibt?" Glaube, Liebe und Hoffuung, letztere als „die Hoffnung, welche die Erde verkläret und den Himmel uns öffnet." In der ersten Beziehung heisst es: Hoffnung verkläret die Erde. Diese Wahrheit wird Niemand leugnen, der jemals gehofft hat. Wie der Frühling die düstere Winterlandschaft mit frischem Grün und bunten Farben schmücket, so schmücket Hoffnung die dunkle Zukunft unseres Lebens aus. Wem Hoffnung froh im Busen lebt, der trägt den Lichtglanz in sich auch ausser sich in die Welt hinein und verkläret sie mit seinem Schimmer. Hoffnung beflügelt die Schritte des Jünglings, der in weiter Ferne sein Glück sucht. Hoffnung stärkt die Kraft des Mannes, wenn es wichtigen Zwecken gilt, grossen Schwierigkeiten gegenüber. Hoffnung leuchtet dem Greise in seinen dunkeln Tagen noch. Hoffnung begleitet den Armen, Hoffnung tröstet den Kranken, Höffnung erquicket den Sterbenden noch. Wie Viel tausend Mal hat wohl das eine Wort Menschenherzen schon entzückt: „Es ist Hoffnung vorhanden!" Mit der Hoffnung steigt unsres Lebens Glück und Werth. Wo sie ihr holdes Angesicht zeigt, da schlagen die Herzen in Wonne, da glänzen die Augen in Freude." Nur noch wenig solche Phrasen und der ganze Untertheil ist zu Ende. Dies aber soll wahre Erbauung und Erhebung gewähren? Gediegener sind die

Predigten von Eduard Niemann, Consistorial-Assessor und Hof- und Schlossprediger. Hannover, in d. Hahn'schen Buchh. 1837. 389 S. 8. (2 Rthlr. 8 gGr.) Zwar vermisst man bei diesen noch zu sehr den entwickelnden Gang, der durch eine frische Gedanken-, hewegung erzeugt wird und mehr, als das Blühende und Glatte der Darstellung den Zuhörer innerlich wahrhaft einnimmt; ja nicht selten scheint es, als werde der Kunst, mit welcher der Vf. die letztere beherrscht, der rechte Nachdruck absichtlich aufgeopfert und die scharfe Grenze zwischen der blossen Schönrednerei und der wirklich durch die Sache geforderten stylistischen Vollendung ist nicht immer beobachtet. Aber dennoch legtes Hr. A. auf mögliche Erschöpfung des Thelns an. Er wählt dasselbe z. " "Z: ... ------- -- -- – - - textgemäss; die Disposition ist einfach und übersicht# # schl Ä Partieen sind mit Umsicht verÄ die Gedänken werden nicht abgehetzt; in allen Vorträgen zeigt sich eine gewisse theologische Bildung, und eine schriftgemässe Auffassung des Evangeliums Verbindet das Licht mit der Wärme, das religiöse mit dem sittlichen Elemente. Gewiss wird sich der Vf. nicht täuschen, wenn er sich von dieser Sammluag eine Aufnahme verspricht, die ihn veranlassen kann, eine zweite und dritte der Oeffentlichkeit zu übergeben: dann möchten wir wünschen, dass er sich rücksichtlich des ganzen Organismus seiner Predigten noch freier bewegte und besonders in Beziehung auf die Form der Einleitungen diese Freiheit für sich in Anspruch nähme. Verstatteten es die hier gesteckten Grenzen, so würden wir bei der ähnlichen Stellung der Verff, eine homiletische Parallele ziehe zwischen dieser Sammlung und den - Predigten über die sämmtlichen Evangelien des Kirchenjahres, nebst einer Sammlung von Kasualreden aus dem homiletischen Nachlasse von A. H. d'Autel, Königl. Würtemb. Oberhofprediger u. s. w. Mit einem Vorwort von Dr. C. C. von Flatt, Prälat u. s. w. Reutlingen b. Mäcken. 1837. 702 S. gr. 8. (2 Rthlr. 4 gGr.)

Der verewigte d'Autel war ausserhalb seines Vaterlandes bisher méhr als Beförderer des Volksschulwesens bekannt. Diese Sammlung charakterisirt ihn auch als einen in vieler Hinsicht ausgezeichneten Kanzelredner. Zwar ist er etwas wortreich, bisweilen breit; die ganze Weise der Predigten, besonders der früheren, erinnert auch in sofern an eine mehr und mehr verschwindende Manier, und ein tieferes und schärferes Eingehen auf das eigenthümliche Schriftgemässe zeigt sich verhältnissmässig selten. Dagegen treten strenge Gedankenfolge, Klarheit und FassIichkeit der Darstellung, Correctheit und sorgsame Wahl des Ausdrucks als charakteristische Merkmale seiner Vorträge hervor. Auch ist, wie der Vf. der vorangeschickten Biographie bemerkt, später bei ihm ,, das Bestreben sichtbar, die Zuhörer aus den Vorhöfen mehr in das Heiligthum der göttlichen Wahrheit einzuführen und es macht da die oratorische Kunst mehr der Rhetorik des Herzens Platz." „ Alles Extravagante, Ueberschwengliche widerstrebt seinem innersten Wesen." Desshalb und weil es interessant ist, bei einer nie ganz abgeschlossenen Natur das Ringen und Suchen nach dem Rechten und den allmäligen Fortschritt in der homiletischen und der ihr zum Grunde liegenden theologischen Entwickelung zu verfolgen, hat der Herausgeber auch in einem weitern Kreise auf Anerkennung zu rechnen. Vorzüglich aber verdienen diese Anerkennung die Gelegenheits- Predigten und Reden, die, bei den wichtigsten Ereignissen des würtemb. Hauses und Landes im Laufe von zwanzig Jahren gehalten, die feine Beobachtungsgabe, den sichern Takt, die reife Erfahrung und die grosse Gewandheit beweisen, womit d'Autel die Höheren, hin und wieder auch die schwie

rigeren politischen Verhältnisse zu behandeln wusste, ohne dabei, wie es so leicht geschieht, der Sache, welcher er diente, Etwas zu vergeben. Auf sie machen wir daher um so mehr aufmerksam, je seltener gerade in dieser Hinsicht gute und empfehlungswerthe Muster sind.

Weder in Hinsicht auf die Form, noch rücksichtlich des Inhalts lassen sich den unmittelbar vorhergehenden Sammlungen an die Seite stellen die

Elf Predigten von Karl Zimmermann über das Gebet des Christen. Neustadt a. d. O., b. Wagner. 1837. 142 S. 8. (15 gGr.)

Die erste und letzte ausgenommen, die überdies zu sehr mit einander verwandt erscheinen, sind sie sämmtlich über das Vaterunser gehalten. Rec. missbilligt dies keinesweges, wünschte aber, dass dann die Gemeinde tiefer eingeführt werde in den unendlich reichen Sinn dieses Gebetes aller Gebete, als es hier zum Theil geschehen ist. Vielleicht wurde der Vf. an der Erfüllung dieser Forderung schon durch seine Ansicht vom Gebete überhaupt gehindert, vermöge deren es ihm vorzugsweise als Mittel zu der eignen Erbauung gilt. So lange diese Ansicht aber vorwaltet, wird es selten zu einem wahren Gebete kommen. Denn dann denkt leicht der Betende: „Jetzt will ich mich zu Gott wenden, damit ich mich erhane;" damit geht aber der wahre Gebets Geist grösstentheils verloren. Die zwar gut periodisirte, aber zuweilen ins Breite überfliessende Darstellung des Vf's, wird durch die den einzelnen Predigten vorgesetzte matte Witschel'sche Paraphrase des V. U. nicht gehoben. Einen Gegensatz bildet die

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Der Vf. spart eher die Worte vielleicht zu sehr, als dass er mit ihnen zu freigebig wäre. Die gewöhnliche Homiletik wird ihm vorwerfen, dass er seine Themata nicht vielseitig genug behandele und nicht hinlänglich erschöpfe, und auch von der ging und gebe gewordenen Art zu disponien findet sich bei ihm öfters keine Spur. Dennoch möchten wir ihn gegen diese Vorwürfe in Schutz nehmen, da sie Punkte betreffen, die immer relativ und durch die Bildungsstufe der Gemeinde bedingt bleiben. ... Ersetzt wird aber ihr Mangel durch den tiefen Ernst, der in den Vorträgen wältet, durch die freiern und schlagenden Gedankeu, durch das Körnige und Krästige des Styls, durch ein scharfes Auffassen der Physiognomie unsrer Zeit und durch eine geistvolle Schriftauslegung. Mehr in der Form von kurzen Skizzen verfolgen die Predigten das nueist sehr gemein aufgesteiite Thema von vorn herein nach ei" eigenthümlichen Seite hin. Aber der Leser so keine aus der Hand ohne einen tieferen Blick "*" Inneres. >-

ALTENBURG, „b. Pierer: Gaben der Dankbarkeit. Predigten während der Jahre 1836 und 1837 in der Peterskirche zu Freiberg gehalten von M. Rüd. Rich. Fischer, Archidiakonus an der Nikolaikirche zu Leipzig. Erster Band. 1837. 286 S. 8. (1 Rthlr. 12 gGr.)

Für die frühere Gemeinde des Vf's mögen sie durch das nähere Verhältniss zu ihm Werth haben. Auch wollen wir ihm gern glauben, wenn er versichert, er gebe hier das Theuerste, was er habe, Früchte seines Glaubens und seiner Liebe, Erzeugnisse der heiligsten und seligsten Stunden seines Lebens. Al1ein jener Glaube ist etwas mattherzig und ein besonders hoher Geist scheint in diesen Stunden nicht über ihn gekommen zu seyn. Rec. wenigstens fand sich häufig abgestossen durch einen widrigen Eudämonismus, durch Mangel an Ernst bei den wichtigsten Fragen, durch eine falsche Sentimentalität, die bisweilen in den Schlussgebeten ihren höchsten Gipfel erreicht. Auch ist die Art zu disponiren, welche der Vf. sich angewöhnt hat, keinesweges der Entwickelung sehr förderlich. Seine Dispositionen gleichen einem Netze, welches sich sofort mit allerlei lose zusammenhängenden Gedanken füllt und einen festen, durch das Ganze dahinlaufenden Faden sucht man in vielen Partieen vergebens.

LEIPziG, b. Tauchnitz: Das Gesetz Gottes erklärt in der evangelischen Kapelle zu Strassburg von C. F. Major, V. D. M. 1837. VIII u. 209 S. 8. (1 Rthlr. 4 gGr.)

Kräftige, erschütternde Mahnungen zur Busse in zwölf Predigten, von denen zwei zur Einleitung über Hebr. 11, 6 und Joh. 17, 17, die andern über den Dekalogus. Meistentheils giebt der Vf. das Bibelwort unvermittelt hin. Wo er sich aber auf Vermittelung durch Beweisführung einlässt, steht er auf dem streng supranaturalistischenpietistischen Standunkte. Mit dem Glauben, dass der Jehovah des A. . der Christ des N. T. ist, steht und fällt der Grund seiner Predigt. In wiefern diese Auffassungsweise des Christenthums „die Evangelisation Frankreichs" bewirken wird, kann nur die Zeit lehren. Jedenfalls ist der glühende Eifer und die grosse Gewalt der Rede anzuerkennen, von welcher diese Vorträge Zeugniss geben, zu deren vollständiger Würdigung aber eine genauere Kenntniss der Gemeinde gehört, zu welcher Hr. M. spricht. In scharfem Gegensatz zu diesen Predigten steht die Sammlung von

Predigten bei dem Hauptgottesdienste in der St. Petri Kirche zu Hamburg gehalten von Dr. Joh. Karl Wilh. Alt, Hauptpastor und Scholarch. Hamburg, Herold'sche Ä, 1835 und 36, 4 Bde., kl. 8. (Jeder Bd. 12 gGr.)

Denn während sich der Vf. nach seiner dogmatischen Ansicht auf der Seite eines gemässigten Rationalismus hält, trägt die Form seiner Rede im Ganzen den von Reinhard ausgebildeten Typus mit den Modificationen, welche letzterer aus jener Schule

durch eine Reihe Ä eistlicher Redner erfahP

H Ä fsere Freiheit und Mannigfaltigkeit Ä ÖJ nen, welche Hn. D. Alt oft sehr wohl gelingt, un die meist auch passend gewäh ten hick populär g fässten Hauptsätze nach ihren wichtigsten Seiten zur begründen und eindringlich zu machen. Dagegen vermisst man wohl zuweilen ein tieferes Eingehen in diés Sachen und eine kräftigere Eigenthümlichkeit. Es bleibt Manches zu sehr blos äusserlich. Auch der Darstellung wäre hin und wieder mehr Frische und Lebendigkeit zu wünschen. Im Allgemeinen dasselbe Urtheil gilt von desselben Vf's.: - * * , Predigten über die Sonn- und Festtags- Episteln. Ebendaselbst. 1837. 4 Bde. (Jeder Bd. 12gGr.) Jedoch erschienen sie uns in sofern bisweilen noch ansprechender, als die vorigen, als Hn. Alt's Individualität verhältnissmässig mehr geeignet scheint, speciellere sittliche Verhältnisse und ps Ä. genstände zu behandeln, wozu sich hier mehr Gelegenheit darbot. Dagegen vermisst man in ihnen zu sehr das Bestreben, die einzelnen Momente des Textes in die Predigt hineinzuarbeiten und ihr dadurch die feste biblische Basis zu geben, deren Mangel sich gerade bei den epistolischen Texten besonders fühlbar macht. Dieser Ausstellungen ungeachtet stehen die Arbeiten des Vf's. hoch über den . . . . . Predigten über die Sonn- und Festtags-Evangelien des ganzen Jahres von Gottfr. Sal. Beichhold, kön. bayr. Dekan, Distrikts-Schulinspektor und erstém Prediger an der ev. Stadtkirche zu Dinkelsbühl. Daselbst, Walther'sche Buchh. 2 Bde. 1837. (Jeder Bd. 2 Rthlr.)

Sie konnten füglich ungedruckt bleiben, da sie sich in ziemlich gewöhnlicher, breitspuriger FÄ über oft gar zu allgemein und lax gefasste Themata in eben so gewöhnlichen Dispositionen verbreiten, welche bei ihrem häufig sehr trocknen Schematismus einen lebendigeren Fortschritt der Gedanken von vorn herein unmöglich machen. Um vieles frischer sind

Sechzehn in Altona gehaltene Vakanz-Predigten von H. W. C. E. Möller, Adj. Minist. in Altona und Nachmittagsprediger in Ottensee- Altona, b, Hammerich. 1837. 8. (1 Rthlr. 18 gGr.)

Hr. M. strebt nach fruchtbareren und schlagenderen Hauptsätzen und einer sachgemässeren Äj. Seine Darstellung ist eindringlicher; sein Gedankengang rascher, sein Begriffschärfer und fester. Theils aber stören zu häufige Sprünge den Gang der Betrachtung, theils werden sehr wichtige Punkte zu wenig begründet, wie in der Reformations-Predigt die Antwort auf die Frage: „Wen wir als die Feinde unsrer Kirche zu betrachten haben?" Auch die häufige Anwendung der Liederverse wollte Rec. nicht zusagen, um so weniger, da sie selten einen rechten Kern in sich halten. Zwei Beilagen über kirchliche und Schul-Verhältnisse sind von nur lokalem Interesse.

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