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eine Sache nennen. Das Recht aber, welches geltend gemacht werde, beziehe sich entweder auf die Gegenwart, oder auf die Zukunft; sey hiernach entweder dingliches, oder persönliches Recht. Dingliches Recht, worin die Befugniss liege, alle fremden Ansprüche an die Sache zurückzuweisen und die eignen Ansprüche gegen einen Jeden zu verfolgen, sey ein Eigenthumsrecht. Der Gegenstand eines Eigenthumes könne nur eine Sache seyn. Das Eigenthum sey nämlich der Inbegriff aller Rechte, die einem Menschen an einem Gegenstande zustehen könnten: auch an einem Rechte gäbe es ein Eigenthum, aber alsdann werde das Recht zu den Sachen gezählt. Wenn nun hiernach eine Sache im Sinne des Rechts, als der vorhandene Gegenstand eines Rechtsstreites verschieden sey von dem Begriffe, den wir im gemeinen Leben mit den Ausdruck Sache verbänden, so sey es begreiflich, ja es sey, eine nothwendige Folge, dass die Rechte des Eigenthums von dem Körper der Sache unabhängig seyn müssen. Wer eine Säche körperlich sein nenne, sey darum noch nicht unbeschränkter Eigenthümer einer Sache: denn es sey möglich, dass noch ein Anderer Ansprüche an die Sache habe, die zwar nicht auf bestimmte körperliche Theile, aber doch überhaupt auf die Sache gerichtet seyen. Man könne sich daher neben dem Eigenthum des Körpers, dem physischen Eigenthum, auch ein moralisches an der Sache denken. Beide müssten auf gleiche Art und Weise geschützt werden. Das unbeschränkte Eigenthum hätten die Römer dominium genannt, die Begrenzung desselben durch das moralische Eigenthum servitus. – So lautet die Deduction des Hn. Dr. Luden, wodurch er die Hauptgrundsätze der Servitutenlehre in dem Besitz, dessen sie sich seit langer Zeit erfreuen, zu stören sucht. Wenn Rec. aber den Gedankengang richtig aufgefasst hat, so beruht diese ganze Theorie vom physischen und moralischen Eigenthume, die auch nicht im geringsten auf historischem Wege begründet ist, durchaus auf Verwechselungen juristischer Begriffe. Will man auch über die Widersprüche hinwegsehn, welche die Darstellung enthält und die besonders durch den schwankenden Gebrauch der Ausdrücke „Sache" und „Eigenthum" entstehen, so muss doch zuerst die Wahl der Ausdrücke „physisches“ und „moralisches Eigenthum“, „physischer und moralischer Eigenthümer" getadelt werden. Es lässt sich gegen sie dasselbe einwenden, was schon so oft gegen die Begriffe einer „moralischen Person" eingewandt ist. Aber die beiden Ausdrücke haben auch an sich durchaus keine Realität. Sie beruhen nach der Darstellung des Vfs. auf der Bedeutung der Begriffe von „ Sache" und „ Eigenthum". Schon der erste Satz, von dem der Vf. ausgeht: „Sache sey ein jeder Gegenstand, an dem ein Recht möglich sey“, ist nicht richtig. Allerdings ist die Bedeutung des Ausdrucks „Sache" in Sprachgebrauch des Lebens eine andere, als die von res in den juristischen Quellen: allein Personen sind jedenfalls,

welchen Begriff von „Sache" man annehmen wolle, von dem Begriff der Sache stets ausgeschlossen. An allen Sachen, im weitern Sinn genommen, soll nun auch ein Eigenthum möglich seyn, nicht allein an körperli s sondern auch an Rechten, woraus denn weiter gefolgert wird, dass die Rechte des Eigenthums von dem Körper der Sache ganz unabhängig seyn HRiissen. AHein schon der Satz, aus dem gefolgert wird, ist, von jeder Seite betrachtet, unrichtig: denn entweder ist der Vf, der Ansicht, dass der juristische Begriff des Eigenthums mit allen seinen Folgen auf alle Rechte anwendbar sey, eine Ansicht, welche, da sie auf einem gänzlichen Missverstehen aller Grundwahrheiten des Rechts beruht, sowohl in der Theorie, als in der Praxis zu den grössten und schädlichsten Verwirrungen führen muss; oder es wird der juristische Begriff des Eigenthums mit dem weitern Begriff verwechselt, wonach Eigenthum so viel bedeutet als Zuständigkeit und dann auf alle möglichen Vermögensobjeetebezogen werden kann. Alsdann erscheint aber das physische und moralische Eigenthum in den Grundbedingungen ganz verschieden und beide dürfen auf keine Weise als Theile des nnbeschränkten Eigenthums angesehn werden. Und auch wenn man dem Vf, die Richtigkeit seiner Begriffe zugeben wollte,

würde behauptet werden müssen, dass der physische

Eigenthümer zugleich moralischer Eigenthümer sey, da er durch Einräumung einer Servitut sich nicht aller Eigenthnmsrechte begiebt und in Ansehung der bei ihm zurückgebliebenen ein moralisches Eigenthum anzunehmen wäre. Der Begriff eines physischen Eigenthums, als Eigenthum an einem Körper ohne Eigenthumsrechte, würde alsdann aber als juristischer Begriff völlig verschwinden, indem eine Sache, nur insofern Rechte an ihr stattfinden, Gegenstand des Rechts seyn kann. Genug! der Begriff eines physischen und moralischen Eigenthums ist nichtssagend und widerspricht dem Geiste des R. R. ebensosehr als ausdrücklichen Quellenäusserungen, die das Eigenthum als das rechtliche Gewaltsverhältniss einer Person über eine körperliche Sache bestimmen.

Wenn nun der Vf, sich damit begnügt hätte, diese Begriffe bloss aufgestellt zu haben, so wäre weniger dabei zu erinnern: allein sie sind der leitende Grundgedanke der ganzen Arbeit geworden, wodurch fast alle schwierige Fragen mit grösster Leichtigkeit entschieden werden. Besonders zeigt sich dieses bei der Begriffsbestimmung der Servitnt. Der Vf. hält die bisher aufgestellten Definitionen der Servitut für ungenügend und definirt die Servitut so: sie sey eine Verminderung der Eigenthumsrechte an einer Sache zum Vortheile eines Andern. Rec. ist der Meinung, dass die von mehrern Juristen gegebene Definition der Servitut, als einer Beschränkung des Eigenthums, die dinglichen Character und im alten Civilrecht ihren Grund habe, als eine zu formelle Definition nicht für genügend zu halten sey: wohl aber glaubt er, dass die von Mühlenbruch (Lehr

V

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buch der Pandekten. §.294d. 2. Aufl.) aufgestellte allen Foderungen, die man an eine Definition billigerweise machen kann, vollkommen entspricht. Keineswegs aber hat es ihm gelingen wollen, sich von der Richtigkeit der hier aufgestellten Definition zu überzeugen. Auch die Bestellung eines Pfandrechts enthält eine Verminderung der Eigenthumsrechte zum Vortheile einer Person: worin dieser Vortheil besteht, kann ja ganz gleichgültig seyn. Dasselbe gilt von der Bestellung der Superficies und der Emphyteuse, die mit einem für ewige Zeiten verzinslich ausgeliehenen Capital verglichen wird. Nachdem der Vf. seine Definition aufgestellt und näher erläutert hat, wendet er sich zur Vereinigung derselben mit den iiberlieferten Grundsätzen des R. R. Nur Einzelnes wird hiervon zu erwähnen seyn. Den Grundsatz „servitus in faciendo consistere nequit" erklärt er so: Wenn man die Servitut als eine Verminderung der Eigenthumsrechte betrachte und sich an den Unterschied von Eigenthum und Eigenthumsrecht erinnere, so leuchte ein, dass eine Servitut nicht in faciendo bestehen könne. Die Worte bedeuteten nämlich eine Pflicht zum Handeln. Wenn nun die Rechte des physischen Eigenthümers in der Weise beschränkt seyen, dass er sie gegen einen bestimmten dritten nicht geltend machen dürfe, so könne man in der Servitut auf keine Weise eine Pflicht zu einem Handeln erblicken. Die Ansicht ist keineswegs neu und namentlich auch von Guyet entwickelt; aus den Begriffen des physischen und moralischen Eigenthums braucht man sie in keinem Falle abzuleiten. Die scheinbare Ausnahme von jener Regel bei der servikus ÄÄ wird aus der Operis novis nuntiatio auf eine höchst eigenthümliche Art erklärt: man müsse annehmen, das Haus sey auf die Mauer gebaut worden zu einer Zeit, als die Mauer dem Erbauer des Hauses gehört habe, welcher sie später veräussert habe. - Der Erwerber der Mauer habe nun diese Servitut selbst ohne Verabredung übernehmen müssen, und wenn er versucht habe die Mauer einzureissen, so sey der Servitutberechtigte mit der O. N. N. hervorgetreten. So wenig der Eigenthümer der Mauer aber diese habe verschlechtern können, ebenso wenig habe sie in Verfall gerathen dürfen und so gehe aus der Pflicht, die Mauer zu schonen die Verbindlichkeit hervor, für deren Erhaltung zu sorgen. Rec. hält die Ansicht Mühlenbruchs, nach der diese scheinbare Ausnahme aus dem bekannten Nachbarrechte erklärt wird, für die einzig richtige und wundert sich nur darüber, dass dieselbe noch nicht ganz allgemein angenommen ist, zumal nachdem sie in einer besonderen Abhandlung in ihrer vollen Consequenz und Schärfe entwickelt ist. Durch sie kommt. Alles in den besten Einklang und die Quellenäusserungen werden vollkommen befriedigend erklärt. Auch scheint dem Rec. ein Einwand, den er zuweilen dagegen hat aussprechen hören, als müsse dasselbe bei der serv. tign immttendi gelten, durchaus unbegründet, da die Verbindung zwischen Säule und Mauer bei der serv. oneris ferendi

eine durchaus vage ist, das Aufhören der Ausübung der Servitut den Einsturz des Gebäudes in jedem Falle zur Folge haben würde, was dagegen bei der serv. tigmi immittendi nur etwas ganz Zufälliges seyn konnte. Ganz seltsam ist aber der Einwand, den der Vf. dieser Ansicht macht: „ er möchte gegen die so scharfsinnige Ansicht das Bedenken äussern, dass ja die Schadhaftigkeit der Mauer durch die Last des berechtigten Grundstücks veranlasst werde. Das Haus könne für die Mauer ebenso gefährlich werden, als die Baufälligkeit der Mauer für das Haus. "Warum – so fährt er fort – sollte auch nicht der Eigenthümer der Mauer nach dem Nachbarrechte von dem Andern die Erleichterung, die theilweise Hinwegnahme des Gebäudes oder eine Cautionsleistung verlangen dürfen"? Hätte Hr. Dr. Luden dieser Ansicht ein näheres Nachdenken geschenkt, so würde er unstreitig eine solche Frage nicht aufgeworfen und eine Ansicht aufgestellt haben, die nicht allein unjuristisch und gezwungen ist, sondern auch die Anomalie, welche sie erklären soll, völlig unerklärt lässt. – Nemini res propria servit. Auch diese Rechtsregel wird auf leichte Weise gelöst: wo eine Servitut bestehe, müssten mehrere Subjecte vorhanden seyn, zwischen denen dieses Verhältniss obwalte: denn der Eigenthiimer einer Sache und die Sache könnten hier nur als ein und dasselbe Subject angenommen werden, zwischen denen gar kein rechtliches Verhältniss bestände. Auch der Fall, wo Jemand Miteigenthümer einer ihm dienenden Sache wird, soll keine Ausnahme dieser Regel bilden, weil in Beziehung auf den, denn Miteigenthümer zukommenden, Theil die Sache ihm gar nicht dienstbar sey. Darüber, wie man dieses sich denken solle, wird nichts gesagt, so wie eine Reihe von Stellen, die hier Schwierigkeiten genug verursachen, ganz übergangen ist. – Servitus servitutis esse non potest. Die Erklärung des Satzes beginnt mit der Interpretation der so sehr schwierigen L. 1. D. de usu et usufr. per legat. dat. (33. 2). Es ist in der That keine unbillige Forderung, wenn man von einem Schriftsteller, der eine Monographie über die Lehre der Servituten schreibt, verlangt, dass er solche Stellen nicht mit der Leichtigkeit behandelt, wie hier geschehn ist und dass er nicht anstatt einer wirklichen Erklärung eine ganz oberflächliche Uebersicht gebe. Der von Paulus in die Stelle eingeschobene Satz: nec erit ettile er S. C. –, wodurch so grosse Schwierigkeit in die Stelle gebracht wird, finden wir gar nicht berührt, sondern ganz einfach folgenden Satz angegeben: „Ein Testirer habe seinem Erben ein Grundstück hinterlassen und dabei seine Absicht zu erkennen gegeben, ein dritter solle für seine Person das Recht haben, über das Grundstück zu gehen u. s. w. Bei der Erklärung dieser Ansicht habe sich der Testirer des Ausdrucks bedient: der dritte solle den Niessbrauch der Wegegerechtigkeit haben und dieser Ausdruck werde vom Juristen Ver

worfen. Dass hier der Erbe Eigenthümer des Grund

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cks gewesen sey, an dem ein Ususfruct einer
egegerechtigkeit errichtet werden sollte, ist ge-
n den ganzen innern Zusammenhang der Stelle:
nn es heisst am Ende der Stelle, entweder müsse
r Erbe dafür sorgen, dass der Legatar, so lange
lebe, gehen, fahren könne; oder es könne auch
natürlich nicht ohne Einwilligung des Eigenthü-
ers – dem Legatar das legirte Recht als persönli-
e Servitut errichtet werden, was freilich nach dem
rengen Rechte nicht möglich war, aber durch die
raxis doch zugelassen wurde. Auch würde Pau
s in der blossen Ausdrucksweise schwerlich so viel
edenkliches gefunden haben. Nach dieser Inter-
etation folgt eine Erklärung des allgemeinen
rundes des Satzes, die durch fortwährendes Ein-
ischen des physischen und moralischen Eigen-
ums vollends gänz verfehlt ist. – Auch die Un-
eilbarkeit der Servituten wird aus den aufgestell-
in allgemeinen Principien abgeleitet und für die
usnahme beim ususfructus wird folgender Grund
ngegeben: bei den andern Servituten soll nämlich
ie iast nur auf einem Theil der Sache liegen;
eim Ususfruct dagegen diene die Sache dem Be-
echtigten ganz. Rec hält die Widerlegung solcher
Ansichten für völlig überflüssig. Die Schwierigkeit
ieser Lehre würde gewiss ein längeres Verweilen
nd tieferes Eingehn in das Einzelne vollkommen
erechtfertigt haben. – Es bleiben noch im ersten
Abschnitt, der den Begriff der Servituten im All-
emeinen bestimmt, noch die Eintheilungen der Ser-
ituten übrig. Der Hr. Dr. Luden hält eine nähere
Jntersuchung der Frage: ob man die Servitut nach
em berechtigten oder belasteten Grundstück..ge-
annt habe, für unwichtig: Rec. glaubt, dass diese
Frage in einer umfassenden Arbeit ihre Stelle sin-
lenniisse, selbst wenn man zugeben. wollte, dass
ie unwichtig sey. - Die Eintheilung in affirmative
und negative Servituten wird verworfen, da leiden
1nd unthätig seyn müssen, ziemlich nahe mit ein-
under verwandt seyen, und nicht solche Gegensätze
pildeten wie durch affirmativ und negativ ausge-
drückt werden; ferner nicht einzusehn sey, wie die
Eigenthumsrechte affirmativ und wie im entgegen-
gesetzten Fall sie negativ vermindert, werden könn-
en. Allein wir können diese Eintheilung gewiss
mit mehr Recht gelten lassen, als die des Eigen-
thums in physisches und moralisches: auch Wollen
jene Einwürfe wenig sagen, indem nicht die Eigen-
humsrechte entweder affirmativ oder negativ ge-
mindert werden, sondern dem positiven (affirmativen)
Bestandtheil der Eigenthumsrechte d. h. dem Rechte,
auf die Sache nach Willkür einzuwirken, die nega-
tiven Servituten correspondiren; dem negativen Be-
standtheil der Eigenthümsrechte d. h. dem Rechte,
jeden dritten von der Einwirkung auf die Sache b-
zuhalten die affirmativen Servituten. – Auch über

die Eintheilung der Servituten in reguläre und irreguläre findet sich durchaus keine genaue und befriedigende Darstellung. Die Unterscheidung soll zusammenhangen mit der allgemeinen römischen Eintheilung in dingliche und persönliche Servituten. Allein hierauf beschränkt sich der Begriff nicht, indem auch im Umfange der Prädialservituten diese Eintheilung vorkommt, eigentliche serv. praed. rustic. als serv. praed. urbanorum bestellt werden und umgekehrt. Alles was über diese Unterscheidung gesagt wird, ist dieses: es sey die irreguläre Servitut immer eine persönliche. Darüber, dass eine ursprünglich nur als Prädialservitut zugelassene Servitut, wenn sie als Personalservitut constituirt ist, auch eine Personalservitut sey, sind aber Alle einig, und nur darüber ist Streit, welchen Charakter eine solche Servitut habe, ob sie den ursprünglichen Charakter beibehalte, oder nicht. – j weit geht der erste Abschnitt des Buchs, worin die Grundlage für die ganze Lehre gelegt werden musste. Es war nöthig, dass der Vf. hier, auf die vorhandenen Quellen fussend, den Begriff der Servitut feststellte, besonders das Verhältniss der Servitut zum Eigenthum; ferner, dass er die Frage einer gründlichen Untersuchung unterwarf, wie derselbe Rechtsstoff Gegenstand einer Prädialservitut, einer Personalrervitut und eines rein obligatorischen Verhältnisses seyn könne. Es ist hier aber versucht, aus einem willkürlich, ohne Rücksicht auf Quellenäusserungen aufgestellten, Begriff von physischem und moralischem Eigenthum Alles herzuleiten; ein Verfahren, das bei einem positiven Institute nie von Erfolg seyn wird. Rec. wird von dem folgenden Theile des Werks nur einzelne der wichtigeren Punkte noch berühren und zwar aus dem 2ten und 3ten Buche: denn wollte er alle Eigenthümlichkeiten hervorheben, so würde er die Grenzen einer Recension überschreiten.

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Käufcontract habe erworben werden können.

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JURISPRUDENZ.

GoTHA, b. Perthes: Die Lehre von den Servituten von Karl Luden u. s. W.

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D. Vf. trennt bei der Untersuchung über den Erwerb und Verlust der Servituten die dinglichen und persönlichen Servituten, da die ersteren aus Ä unter Lebenden, die letzteren aus testamentlichen Verfügungen hervorgegangen seyen. Eine quellenmässige Begründung dieser Behauptung wird wie immer vermisst. Als die früheste Entstehungsart der Servituten wird die käufliche Erwerbung derselben angegeben: in den Stellen, in welchen einer äuflichen Erwerbung Erwähnung geschehe, würden nur serv. praed. rustic. genannt und hiermit hänge höchst wahrscheinlich auch der Umstand zusammen, dass nur die serv. praed. rustic. durch mancipatio bestellt werden könnten. Da nun serv. praed. urb. nur durch in iure cessio erworben werden könnten, so folge daraus, dass sie nicht käuflich erworben werden könnten. Selbst einen innern Grund gäbe es hiefür: die Ausübung der serv. rustic. nämlich bestehe in einer Handlang des Berechtigten, bei der es kein äusserlich erkennbares Zeichen der Servitut ebe. Um sich das Recht zu sichern habe man sich bei der Bestellung gewisser Förmlichkeiten hedient. Wer aber seinem Grundstück eine Servitut aufgelegt habe, habe dadurch auch versprochen, Etwas leiden zu wollen, wofür er aber Entschädigung verlangen könne. Bei der serv. praed. urban. sey es anders ewesen: denn das Haus, zu dessen Gunsten sie habe bestellt werden sollen, sey in der Regel nicht vorhanden gewesen, als die Bestellung der Servitut erfolgt sey, sondern habe erst in der Folge aufgebaut werden sollen. Desshalb hätten die Römer es gewiss bedenklich gefunden, dass zu Gunsten einer nicht vorhandenen Sache eine Servitut durch Ä 1ese Ansicht, welche fast nichts enthält als juristische und logische Unrichtigkeiten und klar darthut, dass der Begriff von mancipatio und der Unterschied von zres mancipi und nec mancipi dem Vf. ganz verborgen liegt, bedarf nicht einer eigentlichen Widerlegung, zumal da L. 16. D. si serv. vind. (8. 6) geradezu von der käuflichen Bestellung der serv. stillicidii immittendi redet. Nach solchen historischen Einleitungen werden die einzelnen Erwerbsarten durchgegangen; es sind diese: Vertrag, letztwillige Ver-- L. Z. 1838. Zweiter Band,

fügung, Schenkung (ist denn die Schenkung kein Vertrag?), Abnöthigung (d. h. das eigenthiimliche Institut des Precars, bei welchem der Prätor die übertriebene Gutmüthigkeit gegen zudringliche Unverschämtheit schützte), Adjudication und Verjährung. – Die in neuern Zeiten so berühmt gewordene Controverse über die Bestellung der Servituten durch Vertrag hat hier ebenso wenig als alles Uebrige eine gründliche Untersuchung gefunden. Zur Einleitung wird angegeben: die alten Formen seyen durch die Eroberung der Provinzen, wo pactiones und stipulationes gegolten hätten, ausser Gebrauch gesetzt. Justinian habe die mancipatio ganz aufgehoben und habe die Bestellung durch Verträge und Stipulationen zur gesetzlichen gemacht. Pactio beziehe sich darauf, dass Jemand dem Andern ein Recht zugestehe, stipulatio darauf, dass dieser verspreche das Recht nach dem Vertrage zu gebrauchen. Quellenmässige Begründung fehlt ganz. Es werden darauf die Namen der Schriftsteller genannt, die über diese Frage in neueren Zeiten geschrieben haben – die Angabe der Ansichten der Einzelnen findet sich in wenigen Reihen in den Noten, aber weder vollständig, noch richtig – und der Hr. Dr. Luden eilt im Fluge zu einer eigenen Beantwortung. Ein solches Verfahren darf aber offenbar nicht gebisligt werden, sondern der Schriftsteller einer Monographie hat eine solche Controverse nach ihrem beutigen Standpunkte gründlich darzustellen und zu beurtheilen. Besonders würde ein ernstliches Studium der Abhandlung von Hasse dem Vf. nicht allein für diese Streitfrage, sondern auch für viele andere Punkte höchst nützlich gewesen seyn. Die neue Ansicht entspringt aus der Idee des moralischen Eigenthums. Da die Servitut ein Eigenthumsrecht sey an einer fremden Sache, so müssten bei der vertragsmässigen Errichtung der Servitut dieselben Voraussetzungen gelten, die zur vertragsmässigen Erwerbung des Eigenthumserfoderlich seyen. Eigenthum würde aber nicht durch blossen Vertrag, sondern erst durch Besitzergreifung erworben: wende man diese Regel auf Servituten an, so verschwänden alle Widersprüche der Quellen, wodurch die Controverse veranlasst sey. Die Vereinigung der Quellen ist aber so misslungen, dass Rec. sehr zweifelt, ob der Vf. überhaupt die Bedeutung der Controverse sich zu irgend einer Klarheit zu bringen versucht hat. – Man sollte denken, dass der Vf, wenn er consequent mit seiner Idee des moralischen Eigenthums verfahren vong durch Adjudication die Servitut von selbst

ntstehn lassen müsste, da der Richterspruch auch Eigenthum ohne Weiteres überträgt. Seine Ansicht st hier aber eine andere: der blosse Richterspruch zoll gar keine Servitut begründen können; wohl aber könne durch denselben ein stillschweigend zwischen den Sachen bestehendes Servituten-Verhältniss dahin ausgesprochen werden, dass dasselbe von den Personen anerkannt werden müsse. Diese Servituten nenne man nicht unpassend servitutes necessariae. Noch sonderbarer ist aber folgender Gedanke: die Befugniss, welche man in der deutschen Praxis dem Richter zugestehe, ohne Weiteres eine Servitut auf ein Grundstück zu legen, wenn einem Andern die Benutzung seines Eigenthums allein auf diese Art möglich sey, sey eigentlich dem R. R. zuwider, aber doch zu billigen. Der Fall nämlich, dass Jemand, der früher einen Weg gehabt habe, um zum Grundstück zu gelangen, diesen jetzt nicht mehr habe, lasse sich überhaupt nur so denken, dass beide Grundstücke demselben Eigenthümer gehört hätten, oder dass das eine Grundstück in einem gänzlich wilden Zustande gelegen habe. Im ersten Falle habe zwischen den Grundstiicken schon eine stillschweigende Servitut bestanden, die der Richter nur auszusprechen habe; im letzten Falle sey Adjudication nicht möglich, sondern man habe sich des Precars bedient, man habe durch Bitten den Eigenthümer zu ermüden gesucht, um durch seine Ungeduld wenigstens Etwas von dem zu erlangen, was sein guter Wille nicht gegeben. Es hat gute Gründe für sich, wenn man annimmt, dass dem R. R. das Recht des s. g. Nothweges bekannt gewesen sey, wenn gleich dieses direct auch nur für den Zugang zu einem Begräbnissort ausgesprochen seyn sollte. Der Versuch des Vfs. aber, die Sache aufzulösen, ist völlig missglückt, indem der frühere Weg ja durch Erdbeben, Veränderung des Wasserlaufs u. s. w. verloren gehen kann. – Das über den Erwerb der Servituten durch Verjährung Gesagte leitet Hr. Dr. Luden durch folgenden Satz ein: „ die Analogie des Besitzes, oder die Quasi possessio, wie die Römer die auf der Dienstbarkeit ruhende Gerechtigkeit nannten, war das Ergebniss der Aehnlichkeit, welche die Römer zwischen dem Vorhandenseyn des durch Rechtsmittel geschützten Besitzes und der rechtlich begründeten Servitut fanden." Im übrigen wird angenommen, und wie Rec. glaubt, mit Recht, dass durch eine Lex Scribonia die usucapio der Servituten aufgehoben sey. Allein der für die Aufhebung angeführte Grund würde gegen alle usucapio sprechen: er liegt vielmehr in der kurzen Zeit der usucapio, die früher nur für servitutes praed. rustic., als res mancipi, galt, später aber auf die sero. praed. urbanorum ausgedehnt wurde. – Ehe der Vf. sich

zur Erwerbung der Servituten durch longi temporis ,

possessio wendet, schaltet er seine, ohne alle weitere Begründung vorgetragene – hierher gar nicht gehörende – Theorie über das Verhältniss der usucapio zur longi temporis praescriptio ein. Sie ist höchst »igenthümlich: Bei der usucapiokomme es besonders

Quellenäusserungen, welche klar das Gegentheil

darauf an, dass ein an sich rechtsgültiger Erwerbungsact vorliege, die Zeit habe nur dazu gedient, dem wahren Eigenthümer Zeit zur Vindication zu lassen: bei der 1. t. praescr. habe der Erwerbende sich bloss auf den Ablauf der Zeit berufen und der Vindicant habe darthun müssen, dass jener unrechtmässig erworben habe. Wenn der ÜÄ den gehörig qualificirten Begriff dargethan habe, sey der Vindicant von Gegenbeweise ausgeschlossen worden: denn Usucapion habe quiritarisches Eigenthum gegeben, die l. t. praescr. habe dagegen nur ein Recht gegeben auf Schutz im Besitz bis zur Entscheidung der Rechtmässigkeit desselben. Bei der Usucapion habe der Erwerbende die Sache nur vom Nichteigenthümer erhalten können; wogegen bei der l. t. praescr. die Sache auch aus den Händen des Eigenthümers in den Besitz eines Andern habe gelan- gen können. – Zu solchen Irrthümern kann man nur gelangen, wenn man durch die höchste Neuerungssucht geleitet allem historischen Wissen und allen Bestimmungen der Quellen völlig entsagt. – Uebrigens wird die richtige Ansicht vertheidigt, dass zur Servituten- Ersitzung nicht gerade ein Titel er- / foderlich sey, sondern dass es genüge, wenn nicht vi, clam, precario die Servitut ausgeübt sey: wenn aber behauptet wird, dass eine solche vitiöse Ent

stehung natürlich von dem nachzuweisen sey, der die Servitut anfechte, so ist das nicht für richtig zu halten, vielmehr hat der Ersitzende diesen Beweis, als Bedingung seines Rechtserwerbs, darzuthun; er genügt der Beweispflicht aber, wenn er offenkundige Handlungen darthut, die wie sie äusserlich erscheinen, ohne vitium sind, wo dann die dennoch behaupteten Mängel vom Gegner darzuthun sind. Ebenso wenig darf es für richtig gehalten werden, wenn die bona fides zur Servitutenersitzung nicht für nöthig gehalten wird; Regel ist immer, dass keine Ersitzung ohne bona fides stattfinden könne; eine Ausnahme der Regel findet sich aber bei der Servitutenersitzung nicht anerkannt. Ebenfalls ist die Annahme quellenwidrig, dass bei der Servitutenersitzung keine accessio possessioris gelte, auf jede Weise ist es aber willkürlich die accessio possessionis auf den unmittelbaren Nachfolger zu beschränken. Die Abhandlung von Hasse „Ueber das Beweisthema bei der Servituten-Ersitzung" im 2ten Bande des Rheinisch. Mus. ist gar nicht einmal anÄ Im 3ten Buche hält der Vf. es für passend, ie im 2ten Buche befolgte Trennung der dinglichen und persönlichen Servituten aufzugeben. Auch hier möge es erlaubt seyn, einige der wichtigsten Behauptungen mitzutheilen. – Es wird behauptet, dass die Servitutenklagen nur vom Nichtbesitzenden angestellt werden könnten, nicht vom Besitzenden, da dieser eine Klage gar nicht bedürfe. Fragen wir nun darnach, was den Vf. dazu veranlasst habe, die

sagen, auf eine wirklich leichtsinnige Weise aus dem Wege zoren (die im §. 2. J. de act. 4. 6. vorkommenden Worte in his is agit, qui non possidet

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