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führt der Weg in einem en Ä fort bis zu einem ben

Engpasse mit schroffen Klippen zu beiden Seiten, Ä welche der Fluss von Aserabad. oder Garran fliesst mit einer Brücke von drei Bogen. An diesem FIusse hinaufsteigt der Weg immer höher zwischen den bewachsenen Hügeln hin in einem engen und romantischen Thale, bis mit dem steilen Uebergange über einen Hügel sich eine wildere Gegend von innmer höher sich thürmenden nackten Bergen zeigt, Bald waren die Reisenden am Aufgange zum Pass Garran angelangt, der seinen Nämen Äon einem Santon tragen soll. Dieser Pass wird für schwieriger gehalten als der von Ardbaba nach Banna weiter nördlich. Zweimal wurde der Fluss Kakor Sekria passirt, welcher westlich fliesst nach Schamian und von da in der Richtung auf Gavro in den Dialä mündet. Fast alles Grifn verschwindet auf der

Höhe, überall zeigen sich nur nackte Felsen und ein

schlechter. röthlicher Boden. Das elende Dorf Dschenawera liegt noch in Meriwan, dem grössten District von Sinna. Der Weg führte fortwährend mit der Hauptrichtung nach Osten aufwärts, wenigstens waren die absteigenden Partieen nicht beträchtlich. Man passirte das Sommerlager der Einwohner des Dorfes. Berruder, welches links- liegen blieb. Weiterhin von dem Dorfe Doweisa, vielches, wie Sinna selbst, im District Hasanabad liegt, schlägt sich der Weg auf Sinna rechts nach Süden abwärts. Der Chan war abwesend, er hatte aber von der Ankunft der Fremden gehört und einen feierlichen Empfang angeordnet, welchen R. nur mit Mühe ablehnen konnte. Er war seit jenem leidigen Fieber nicht wieder gesund geworden, dazu hinderte ihn ein Augenübel öfter an vollständiger Ausführung der Berichte in seinem Tagebuche, und so kam er krank in Sinna an. Diese Stadt macht mit ihrem hochgelegenen Schlosse einen schönen Eindruck, und R. war ganz überrascht, als er in den herrlichen Garten des Wali eintrat, ein wahres persisches Paradies, wie es Rin ganzen Orient nicht schöner gesehen. Es ist wie alle ähnliche Anlagen eine Nachahmung des prächtigen Tscharbagh in Ispahan. Die Kurden, von denen er hier empfangen wurde, waren Guran und Ä unter sich ihren Dialect, mit R. aber persisch. Im Aeussern beobachteten sie das persische Complimentenwesen, wobei sie sich aber etwas linkisch nahmen, was gegen die treuherzige und edle Art der Bebbeh's und der anderen Kurden von den Clans sehr abstach. Am andern Morgen zog R. in den Pallast des Chan ein, wo etwa 100 kurdische Soldaten von Avroman die Wache haben. Unter den Gemälden des Hauptzimmers war u. a. ein Bild, das Alexander den Grossen vorstellen sollte, persisch gekleidet und mit dem Gesicht eines buhlerischen Weibes, denn die dortige Tradition malt ihn bartlos, schön und jung. In einem andern Zimmer sah man neben Salomo und der Königin von Saba die seyn sollenden Portraits des Kaisers von Russland, des Prinzen von Wales, des Königs von Spanien» des deutschen Kaisers und Bonaparte mit

Flinte und Bajonnet. R. nennt diese Gemälde „a tätvdry kind of sign-post paintings” und „horrible daubs." Sonst ist der Pallast in allen seinen TheiIen glänzend und mit persischer Prachtliebe ausgestattet, jedoch noch nicht ganz vollendet. Gleich allen persischen Grossen hat der Chan eine grosse Baulust und er kann sie leicht befriedigen, da er die Baüleute nur mit Privilegien und Exemptionen beIohnt, die dann meist den Bauern zur Last fallen. Die Stadt, welche ganz am Berge liegt und das Schloss umgiebt, hat einige gute Häuser, doch sind die meisten von Erde. Der Name der Stadt ist eientlich verkürzt aus Sinendridsch, sie wurde vor etwa 200 Jahren erbaut, lag aber damals südlicher S. 208), jetzt hat sie 4 bis 5000 Familien, worunter je und 50 chaldäische vom katholischen Ritus, die zur Diöces Mosul gehören und unter dem Patriarchen von Diarbekr stehn. Diese Christen sind meist Handwerker oder Krämer. Die muhammedanische Bevölkerung gehört zu den Sunniten von der Secte des Schafei, nur der Hof will schiitisch seyn, um dem Schah zu gefallen. Der Wali selbst hat einen echt-persischen, d. h. äusserlich glatten aber zweideutigen Charakter, dazu ist er grausam und hahsüchtig im äussersten Maasse. Er besitzt unermessliche Reichthiimer und weiss diese durch Druck seiner Unterthanen stets zu mehren. Er sucht alles für sich zum Monopol zu machen. Bei seiner damaligen Reise durch die Provinzen bot ihm eine Stadt 600 Tomans, wenn er sie mit seinem Besuche verschonen wollte. Er gab zur Antwort, er würde nicht nur kommen, sondern auch 1000. Tomans fordern. R. erfuhr, dass der Zagros bei den Kurden gewöhnlich Schahu genannt wird, wie in den Büchern der Parsen Schaho Name des Elwend ist (S. 208). Ardilan ist nicht eigentlich der Name der Provinz, sondern eines Vorfahren des Wali, der darum Wali von Sinna Ardilan heisst, so dass jene Benennung der Provinz im Grunde auf einem Missverständniss heruht (S. 214). R. sah eine Parade der regulären Truppen, deren Zahl sich auf 300 beläuft. Der Wali hat sie von Europäern dressiren lassen, sie schlugen den englischen Grenadiermarsch. Die besten und meisten begleiteten jetzt gerade den Wali auf seiner Reise, bei dem Aufmarschiren der Parade dachte der Vf. unwillkürlich an Falstaff's Rekruten. Das Gebiet von Sinna ist in 7 Provinzen getheilt: Dschuanrü zu äusserst in SW., Avroman, Meriwan, Banna, Sakis in der Richtung auf Tebris, Hasanabad, wo Sinna liegt, und Isfendabad nach Hamedan zu. Jede dieser Provinzen ist wieder in 4 oder 5. Districte getheilt. Dritthalb Farsach (Parasangen) südlich von Sinna ist der Fluss Garro, der Hauptquellenstrom des Diala. Der Wali hatte gewünscht, dass R. ihn auf seiner Reise aufsuchen möchte, und letzterer entschloss sich endlich, ihm zu willfahren, was die Höflinge des Wali, die im Weigerungsfalle seinen Zorn füre. teten, aus grosser Besorgniss riss. Am 30. Aogot reiste er ab, und ging zunächst gerade nördlich»

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ehriser Strasse und schlug sich mehr westlich durch Berg und Thal auf sehr beschwerlichen Wegen, die um so lästiger wurden, da fast die ganze Gesellschaft joch immer krank war. Auch Rich selbst. Wir fortÄhrend sehr leidend trotz des gesunderen Klimas dieser sehr hohen Gegenden Bei dem Dorfe Strene wurde die Ä durchschnitten. In Ahmedava (wie die Kurden sprechen für Ahmedabad) wurde R. von dem Sohne des Wal und, einigen seiner Minister empfangen, und Abends erhielt er ein reichliches Geschenk in Friichten, von einer feierlich daher schreitenden Reihe von Gesanten dargebracht, deren jeder einige Ä trug: eine Scene, die ihn an die Ä ersepolis erinnerte: Am 7. September zog R. in e j, wo der Wali ihm ein Frühstück gab. Die Stadt heisst eigentlich Beroseh, man benennt sie aber gewöhnlich mit dem Namen des Districts Banna... eben dort viele Juden. Am andern Tage erhielt R. den Gegenbesuch vom Wali, der sich sehr. freundschaftlich zeigte. Er versprach ihm u. a. die wichtige Geschichte der Kurden, 9, ä S*, Zu WEPschaffen, welehe R. schon mehrere Jahre vergebens gesucht hatte und die, nach seinem Urtheil (S. 247), für sich allein eine Reise nach Sinna lohnen würde. Er hat sie später auch irgendwoher erhalten, und sie liegt jetzt äuf dem britischen Museum. Gegen die Eiwöhner rasete der Wali in Grausamkeiten und Erpressungen, auch R. hatte Unannehmlichkeiten, bei denen der Wali trotz seiner freuhdlichen Miene hetheiligt seyn mochte. In der letzten Station or der Grenze Ä Gebiets der Bebbeh's lief R. Gefahr, mit den Leuten des Orts handgemein zu werden, doch glich sich die Sache noch aus und R. war froh, als er von der letzten Höhe der Provinz Bannaider. ersten reizenden Landschaft des ihm befreundeten Gebiets ansichtig wurde. Das Gefühl der wiederge wonnenen Sicherheit lässt ihn die Schönheit des Lan“ des um so tiefer empfinden, je mehr sie mit den zuletzt durchzogenen nackten und beschwerlichen Felsenwegen in Contrast stand. Er ist voll des Lobes. der mälerischen Lage der Dörfer mitten in einerin smaragdenen Grün und der schön gebrochenen Lihielt und Formen der Gebirge, der ganze Boden schien ihm mit einem Male Natur und Farbe zu ändern (s. 259). In der ersten Tiefe strömte der Fluss von Beroseh oder Banna, welcher hier zwischen Persien und dem türkischen Gebiet die Grenze macht und

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's- ere & .. ner Höhe südwestlich, war Mervain Distri Ä lag die Stadt Beytüsch, ihr gegenüber am Gebirge. der Distriet Pischder. H eihe gerade im Ä en von Merowa Ä Kurker. # fn Ä eijs§jiano # knördlich Ä eiter hinein. Der Wegte ülich hö her zu Ä Ä dessen lieblichen Umgebungen sich so lange gar nicht tren nen konnte. Die Ä dahinter heisst wegen der vielen Quellen, die sie in die Tiefe sendet Hasir Känian, d. i. Tausendquellen (von häsar, persisch „z- tausend, und kani pers. Us“ - was im Kurd. der gewöhnliche Name fiiz. Quelle ist, 's. Garzoni S. 148). Die höchste Spitze Gimmogenannt, blieb zur Rechten. Die Aussicht war entzückend. (S.262). Der Sersir Iag gerade im Stidèn. . Das nächste Dorf Kenaru war das erste im District Siivéll. Män setzte über den Fluss von Siwell, der am nördlichen Fusse des Sersir vorüber, dann nach Norden geht und sich. mit dem Fliess von Karatscholan bei Mawuttowerei, nigt. Bald kamen die Berge östlich von Suleimanié wieder zum Vorschein, R. gingiber den Ort, wo einst Karatscholan, jetzt nur ein paar Bauernhütten standen, dann über den Berg Asmir; und gelangte nach einigen Stunden (an 15. Sept«) wieder in dem gastlichen Suleimanie an. Es war ihm zu Muthe, wie wenn er in die Heimath einzöge. . : Rich brachte das Gespräch wieder auf die verschwundené Stadt Schehrisur, der Pascha meinte jetzt, sie könne wohl bei Kis Kalasi in der Nähe von Bistansur gelegen haben, 2 Stunden von Arbet und 5 Stunden von Suleimanie, da sich dort Ruinenspuren finden. Kis Kalasi soll nach der Tradition Alexander der Grfür eine indische PrinÄn goaut haben, so erfuhr jetzt Genaueres über

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kedtivname für alle Bebbeä-Kurden. Der besonders Stamm, zu welchen die Familie der Bebbeh's gehört, heisst Selkir, und zu demselben werden auch die Schinki's und Ghellali's gerechnet. Die Behbeh's stiegen nach dem Sturze der Soran, von Pischder heiab und eroberten zuerst Mergeh, Mawutt und Kikildschi von den Persern und Sengeneh von einem halbkurdischen Stämme (wahrscheinlich. Guran). S. 272 giebt R. ein Verzeichniss der kurdischen Districte rings um Suleimanie. Damit ist die Liste der Stämme zu vergleichen, welche im Gebiet des Pascha von Suleimanie wohnen S. 280. 281.

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sTAATsWISSENSCHAFT.

FRANKFURT a. M., b, Körner: Das Staatsbürgerthum der Juden, vom Standpunkte der inneren Politik beleuchtet von Robert Haas, evangelischem Pfarrer zu Dotzheim bei Wiesbaden. 1837. XVIII u. 307 S. gr. 8. in farbigem Umschlage. (1 Rthlr. 12 gGr.)

„P7'0 captu etaffeetu sua fata habent libelli!" Äuch diese Wörte stehen auf dem Titel der merkwürdigen Schrift. Ist es denn nicht merkwürdig gezug, wenn ein evangelischer Pfarrer in der Unablängigkeit einer ernsten, Wissenschaft und Prüfung sich der Sache der Juden annimmt? Aber diese Sache ist nicht nur zu einer grossen Angelegenheit Europas, sondern auch der ganzen Menschheit gediehen. Sie berührt gleichzeitig die Idee und das Leben und kann mithin nicht erschöpft werden, bevor sie nicht den Sieg errungen hat. Was bis jetzt darüber erschien, rührt her entweder von blindem Judenhasse oder von blinder Judenliebe. Um so willkommner inuss das vorliegende Werk seyn, welches mit Benutzung der vorhandenen Streit - und Flugschriften wie der vereinzelten Ansichten, in einen wissenschaftlich geordneten Ganzen diese wichtige Angelegenheit behandelt. Die nicht nur lesenswerthe, sondern in der That auch beachtenswerthe Schrift zerfällt in drei Abschnitte, wovon der dritte S. 227 die neueste Lage und Bestrebungen der Juden auf dem ganzen Erdkreise schildert, insbesondere in Deutschland mit Benutzung vieler literarischer und politischer Tageblätter, mündlicher und schriftlicher Mittheilungen achtbarer Gelehrten und in der Ausführung Riicksicht nehmend auf Anzahl, Emancipationsstand, Ackerbau, Handwerke, Industrie, Handel, Kunst und Wissenschaften, Verhältnisse zu anderen Confessionen, Schulen und Kirchenwesen und selbst auf das moralische Leben. So zahlreich äuch die hier zusammengehäuften Thatsachen sind, so bleiben es dennoch nur Bruchstücke;

weil, wie der Vf, selbst bemerkt, die Berichte über

die neueste Lage und die neuesten Bestrebungen der Juden eines Theils noch in den Häfen der Cabinette ruhen, andern Theils noch zu wenig auf dem Forum der Wissenschaft angelangt sind. Der erste Abschnitt S. 1 erzählt die Geschichte der zerstreuten Juden zwar mit fleissiger Benutzung der Forschungen ihres wahrheitliebenden Geschichtschreibers Dr. Just zu Frankfurt am Main, doch auf eigenthümliche Weise verarbeitet. Dieser Rückblick auf das ge

A. L. Z. 1838, Erster Band.

April 183 8.

sammte Gebiet der Geschichte der Juden seit der Auflösung ihres nationalen Volksverbandes war erforderlich, nicht nur weil diese Geschichte vielen sogar vielen gelehrten Theologen unbekannt ist, son dern weil sie die gegenwärtige Lage der Juden begründet hat und weil sie daher die Grundlage zur Entscheidung über die unabweisliche Emancipäioj frage abgiebt. Gerade die Geschichte ist es, die uns belehrt, wie es weder der Mangel einer Reformation des Judenthums noch der Juden starres Festhalten an verjährten Missbräuchen oder an eiteIn nationalen Messiasträumen es waren, welche achtzehn Jahrhunderte lang einen eigenen Fluch auf die unglücklichen Volkstrümmer schleuderten. Der Grund dieses Fluches lag vielmehr in der schmachvollen Behandlung, welche sie von Seiten der Christen zu erdulden hatten. Diese allein wiesen ihnen die seltsame exoterische Stellung an, in welcher sie in allen christlichen Staaten schmachteten. Alles erinnert dabei an Schott's Wort: „ wie kann man dem Juden sagen: wir haben dich schlecht gemacht, darum werde besser und wir wollen dir Recht geben. Die Emancipation muss vorangehen !" Gewiss, diese Gleichstellung der Juden mit den übrigen christlichen Staatsbiirgern in Beziehung auf Rechte und Pflichten ist eine der dringendsten Forderungen unseres Zeitalters. Bei weitem der wichtigste Abschnitt bleibt der Zweite S. 39, überschrieben: „Begründung des Staatsbürgerthuins der Juden.” Ehe wir dessen Inhalt näher andeuten, können wir nicht umhin, den Vf, unsere innigste Anerkennung seiner menschenfreundlichen Bestrebungen zu zollen, da er seine wissenschaftliche Ueberzeugung mit einem gerade in unseren Zeiten seltenen Freimuth ausgesprochen hat. „Der Ernst und die Wichtigkeit meines Gegenstandes heisst es S. XI., führt den Beruf mit sich, die volle Wahrheit zu sagen, und wer auch nur eine Aktie dieses Berufs erhalten, hat ihn ohne feile Rücksicht als redlicher Mann zu vollführen, um so mehr, da die Welt so leicht geneigt ist, Gesinnungen auch einem bessern Gemüthe anzumuthen, die sie im eigenen Herzen trägt." Der staatswissenschaftliche Standpunkt, den der Vf. beharrlich festhält, ist der einzige anwendbare. Dieser Standpunkt ist kein anderer als der religiös-sittliche Staatszweck, nach welchem alle Glieder der Gesellschaft von unten herauf bis zum Fürsten berufen sind, ihrer Stellung und ihrem Pfunde gemäss denselben zu befördern, nach dem sich aber auch eine nüchterne Erkenntniss in das wahre, nach ewiger unaufhaltsamer Entwickelung hervortretende ge

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579 ALLG. LITERATUR - ZEITUNG

schichtliche Bedürfniss der Zeit, zwar mit beschei

denen aber furchtlosem und selbstverleugnendem

Freimuth ausspricht und mit anständiger Mässigung bethätigt (S. X.). Wie hoch der Vf, selbst über den Vorurtheilen seines Standes stehet, beweiset folgende S. V 111. entlehnte Behauptung: ,, denn dem Staate nur einen legalen Zweck, der Kirche allein einen moralischen beizulegen, ist eine Usurpation der Kirche, die hiernach in ihrer hierarchischen Welt - und Lebensansicht nicht blos ihren eigenen Ideenkreis, selbst die Begriffswelt positiver Rechtslehrer und den grössten Theil des Publikums bestimmt hat." Gegen die Verleihung des Staatsbürgerthums an die Juden sind bekanntlich mehrfache Gründe angebracht worden. Diese Gründe sind der Gegenstand des ersten Capitels im zweiten Abschnitt des Werkes. Zuerst kommt der nationale Gegengrund umfassend die Kleidung, die Speiseunterschiede, die hebräische Sprache, den Eid, die Ehegesetze, die Beschneidung, die Sabbathfeier, der Talmud und die Messiashoffnung. Darauf folgen der numeräre, der militärische, der merkantilische, der confessionelle, der christlich - oder kirchlich-politische, der religiöse und der moralische Gegengrund. Alle diese Gegengründe werden mit wahrer Sachkenntniss und einer nicht gewöhnlichen Belesenheit dargestellt, durchmustert und reiflich erwogen. Im zweiten Capitel wird nun die Verleihung des Staatsbürgerthums an die Juden begründet oder mit anderen Worten, ihre völlige Emancipation verlangt; weil 1) die Gerechtigkeit sie fordert, 2) die politische Einheit und das Wohl des Staates sie erheischt und 3) die moralische Erziehung der Juden sie nothwendig macht. Die Ausführung dieser Sätze wird man in der Schrift selbst mit wahrem Interesse lesen. Rec., der schon bei mehreren Gelegenheiten, Streckfuss'schen Schrift in diesen Blättern sich freimüthig über dem hochwichtigen Gegenstand ausgesprochen hat, pflichtet dem Hn. Pfarrer II. allenthalben bei. Er giebt ihm das Zeugniss, welches ihm ohnehin kein aufmerksamer Leser versagen wird, dass seine Worte wesentlich dazu beitragen müssen, die grosse welthistorische Angelegenheit des neunzehnten Jahrhunderts zu erhellen. Mögen sie gleichzeitig das Gespenst jüdischer Nationalvorurtheile vollends beschwören und mehrere Millionen Menschen aus einer ungerechten Lage reissen und sie einem segensreichen Gedeihen selbstständiger Entwickelung und humaner volksthümlicher Zufriedenheit zurückgeben!

VERMISCHTE SCHRIFTEN. MAINz, b. Kupferherg: Gedenkbuch an die festlichen Tage der Inauguration des Gutenberg-Denkmals zu Mainz am 13., 14., 15. u. 16. August 1837. Nebst den Akten, die Entstehung desselben betreffend und einer kurzen Lebensbeschreibung Gutenbergs. Mit 4 lithogr. Abbild. Auf Kosten

namentlich bei der Anzeige der

sämmtlicher Buchhandlungen. 1837. VIII u. *07 s. 8. (Preis: F. akry. I + Kaum wurde in Deutschland jemals ein Fest begangen, an welchem die Herzen aller gebildeten Menschen der ganzen Welt innigeren Antheil nahmen, als das Fest für die Errichtung des GutenbergDenkmals. Da nur wenige tausend Menschen persönlichen Antheil nehmen konnten, so ist allen Uebrigen interessant, einen vollständigen Bericht des Festes zu erhalten. Daher war es ein guter Gedanke, dass sämmtliche Mainzer Buchhandlungen sich vereinigten, auf ihre Kosten ein Gedenkbuch erscheinen zu lassen, welches des Stifters der Buchdruckerkunst würdig ist, und ihnen zur Ehre gereicht. Nach einer religiös-phantasiereichen Vorrede folgt die Erzählung über die Stiftung vom Gutenbergs - Denkmale in chronologischer Ordnung. Schon im J. 1804 hatte eine Gesellschaft von 24 Gélehrten unter dem Vorsitze des französischen Präfekten Jeanbon- St.-André für die gelungenste Lobrede den Preis von 240 Francs in einer goldenen Medaille mit Gutenberg's Bildnisse gesetzt. Allein weder die Miedaille erschien, noch kamen so viele Geldbeiträge zusammen, dass ein würdiges Denkmal hätte gesetzt werden können. Doch kaufte eine patriotische Gesellschaft Mainzer Bürger den Hof zum Gutenberg, und liess ihn zum Sitze der Musen und des Vergnügens umschaffen. Daselbst wurde am 4. Oktober 1824 ein Denkstein mit Gutenberg's Namen und passender Inschrift errichtet. Einen ähnlichen Denkstein mit Inschrift liess der Eigenthümer des Hofes zum Humbrecht, dem Druckhause von Fust und Schöffer, einmauern. Ein erhabeneres Denkmal, das Standbild Gutenbergs von 6 Fuss, erhob sich in seinen Wohnhause aus dem Meisel des berühmten Scholl am 4. Oktober 1827. Am 13. April 1828 hat der Eigenthümer des vorderen Theils des Hofes zum Jungen einen Denkstein mit Inschrift hauen lassen, bei welcher Gelegenheit Dr. Pitschaft, Dr. Lehne, Dr. Schaab und Dr. Braun mehre Reden hielten und Toasts ausbrachten, welche hier abgedruckt sind. Mit diesen Vorarbeiten noch nicht zufrieden, wurde im Herbste 1831 ein grosses Denkmal auf einem öffentlichen Platze beschlossen, welches im J. 1836 errichtet werden sollte, und am 13. August 1837 wirklich vollendet worden ist. Zur Bestreitung eines Theils der Kosten wurden die Buchhändler, Buchdrucker und Gelehrten der ganzen Welt durch ein Umlaufschreiben zu Beiträgen eingeladen, und die Zeichnung des Standbildes von einem in Strassburg befindlichen Portrait Gutenberg's genommen. Der berühmte Thorwaldsen zu Rom erbot sich, das Modell von 12 Fass Grösse zu fertigen, welches in Metall gegossen werden sollte. Man sammelte die zuverlässigsten Nachrichten über Johann Gutenberg, welcher etwa 1398 gehoren und 1467 gestorben war. Man verzeichnete seine Druckschriften, und die seiner ersten Gehülfen Fust und Schäffer, und theilte die Nachrichten dem Publikum mit. "Die un

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581 - Num. 73. APRIL 1838. 582

ter der Auctorität der Staats- Regierung gebildete Gutenbery's-Commission erstattete am 16. März 1832 den ersten, und am 20. Oktober den zweiten Bericht, theils über die Beiträge, theils über die Vorarbeiten des Denkmals. Dann geschah ein Aufruf an die Plastischen Künstler, ihre ideen, Entwürfe und Modelle über das Denkmal von Gutenberg mitzutheilen. Am 4. Oktober 1833 schrieb Thorwaldsen an die Commission, dass er unter seiner Leitung durch den Bildhauer Bissen die Statue und Basreliefs werde ausführen lassen, und am 28. Juni 1834 zeigte er schon die Vollendung der Arbeit an. Die Commission erstattete dem Publikum am 30. Juli 1833, am 28. Juli 1834, und am 18. Oktober 1835 den 3ten, 4ten und 5ten Bericht über die Fortschritte zur Vollendung des Denkmals. In letzterem wurde bereits angezeigt, dass das herrliche Modell Thorwaldsens von Rom über Marseille nach Paris in die Werkstätte des berühmten Bronçeurs Crozatier gekommen sey, welcher die baldige Vollendung versprach. Da aber die Fabrik-Direktion der MarmorArbeiten zu Eberbach im Rheingaue das Fussgestell nicht sobald herzustellen hoffte; so verschob die Commission die feierliche Errichtung bis zum August 1837, und erstattete einstweilen einen Bericht über die eingegangenen und noch erforderlichen Gelder zur Bestreitung der Auslagen. Aus demselben ging hervor, dass wenigstens noch 7500 FI. fehlen wiirden, für welche die Stadt Mainz garantiren müsse. An den Vortrag über diesen Gegenstand reihte Dr. Pitschaft noch die Nachricht über den genehmigten Platz für die Aufstellung des Denkmals, und ein Geschenk des Dr. Heuss zu Rom mit dem lebensgrossen Bildnisse , Thorwaldsens, welches in der städtischen Gallerie von Mainz aufgestellt wurde. Zugleich erwähnte der Vorstand der Commission mit besonderem Danke die Namen aller Herren, welche zur Verherrlichung des Denkmals beigetragen haben, unter welchen Lebrün an der Spitze steht. Professor Bauer hatte als Mitglied der Commission eine Einladung entworfen, welche von einem Festprogramme begleitet nach allen Gegenden gesendet wurde, alle Gebildeten möchten dem Akte der feierIichen Inauguration des Denkmals beiwohnen. Im Festprogramme war bestimmt, was am 14., 15. und 16. August geschehen sollte, und auch genau vollzogen wurde. Abgedruckt sind hier die Lieder der Buchdruckerei-Genossen von Darmstadt auf ihrem Zuge nach Mainz, die beiden Hymnen und das Schifferlied, welche am Haupttage Nachts 8 Uhr auf dem Rheine bei unzähliger Volks-Menge gesungen wurden, ebenso Urkunden der Städte Carlsruhe, Frankfurt, Dresden, Leipzig, Strasburg, Stuttgart, Giessen u. s. w., theils in Prosa, theils in Versen. Sieben besondere Gelegenheits-Schriften erschienen zu Mainz, und zwei Denkmünzen wurden zu Berlin und Augsburg verfertigt. Aus Moskau, Dresden und Berlin, wie aus Hamburg, Göttingen, Heidelberg u. 8. w. folgten die mannigfaltigsten Begrüssungen. Bei dem Festzuge zeichnete sich die hölzerne

zur Errichtun

*

Presse des Buchdruckers Theodor von Zabern aus, auf welcher die älteste Bibel von Mainz, angeblich vom J. 1457 lag. In der Domkirche wurde zuerst feierlicher Gottesdienst gehalten, bis der Zug auf deu Gutenbergs - Platz sich begab, wo Dr. Pitschaft auf einer Bühne eine sehr zweckmässige Rede hielt, nach welcher die Hülle vom Denkmale genommen wurde. Nach grenzenlosem Jubel bestieg statt des krank gewordenen Bürgermeisters Heinrich die Rednerbühne Herr Wael. Am Fusse des Monuments war eine ganz neue schöne eiserne Presse von Dinkler in Zweibrücken, und ein Schriftgiesser - Ofen mit den Giess-Apparaten, Setz- und Druckwerkzeugen von Kupferberg aufgestellt. Kaum hatten sich die Neugierigen anschaulich gemacht, wie die Buchstaben zuerst in Stahlstempel, und aus diesen in Matrizen geschlagen; wie die Bleibuchstaben gegossen, und aus ihren Formen herausgenommen und hergerichtet werden; und wie der Setzer die Form des Satzes bildet, und der Drucker Bogen für Bogen aus der Presse hervorgehen lässt, so waren auch 3 Strophen, Es werde Licht! und Es ward Licht, gedruckt, und in Massen unter das Volk gestreut. Auch hatte unterdessen der Künstler Schneider aus Bockenheim den Namen J. Gutenberg in Stahl zu schneiden angefangen, und während des Gesanges eines Liedes von Weuss vollendet. Erst nach der Vollendung alles dessen konnte sich das Volk herandrängen, das Standbild und die Inschriften der Basreliefs, welche Professor Müller zu Göttingen verfasst hatte, genau zu sehen. Während des Mittagsmahls von etwa 300 Personen am 14. August wurden mancherlei Toasts gebracht. Am 15. August wurde eine Versammlung der Buchdruckerei - und Schriftgiesserei - Besitzer zum wechselseitigen Austausche der GeschäftsIdeen und Erfahrungen, und Abends ein SchifferStechen gehalten. Am 16. vereinigten sich Buchhändler und Gelehrte unter dem Vorsitze Dr. Pitschaft's in der Bestimmung, dass das Buchdrucker – Jubiläum überall im J. 1840 gehalten werden solle. Am Schlusse des ziemlich fehlerlos gedruckten Gedenkbuches ist das Namens-Verzeichniss der Herren, welche die Säcularfeier bestimmten, ein schöner Abdruck von Gutenberg's Standbilde mit Inschrift, die Abbildung eines Buchdruckerkastens und einer Presse, dann des Schifferstechens, wie vor dem Titel der Festbühne auf dem Gutenbergs – Platze am 14. August 1837 mit dem umliegenden Häusern, Verzierungen und der beiwohnenden Menschenmenge.Auf dem hintern Umschlage befindet sich noch das dreiköpfige Bild J. Gutenberg, Faust, Schöffer.

LEIPziG, b. Köhler: Lebens- und Charakterschilderungen zur Beförderung des Christenthums. Nr. 1. Strahlen der Wahrheit von Joseph Tuckermann. Der Zweifler von Mrs. Fallen. . Ins Deutsche übertragen von Dr. E. Freisleben: Nr. 2. Die Heimath von der Vfin des Redwood u. s. W. Aus dem Engl. von A. von Treskow.

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