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ALLGEMEINE LITERATUR - ZEITUNG

April 1838.

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teste, und zwar aus dem dreizehnten Jahrhundert einzige, deutsche Urkunde, ist aus dem Jahre 1290 (eine Güterverleihung des Weissfrauen-Klosters zu Frankfurt an Wolfram von Seckbach, vom 18. Oktober 1290), worauf deren bis 1320 (als von welcher Zeit an der Gebrauch der deutschen Sprache im Urkundenwesen allgemeiner wird, und nicht mehr zu den Seltenheiten gehört) noch sieben folgen; nämlich I) 'eine Sühne der Stadt Frankfurt mit dem Herrn Ulrich von Hanau, Landvogte der Wetterau, vom 19. Mai 1303; 2) eine Entscheidung der Schöffen und des Rathes zu Frankfurt, über die Rechts- und Dienstverhältnisse der am Burnheimer Berge gesessenen Leute, vom 29. Oktober 1303; eine, nicht nur ihres bedeutenden Umfanges, sondern auch ihres Inhaltes wegen wichtige und interessante Urkunde: 3) Gottfrieds, Herrn zu Eppenstein, Bündniss mit der Stadt Frankfurt,... vom 2. März 1304; 4) ein Bekenntniss des Prediger-Klosters zu Frankfurt wegen eines daselbst, in der Kapelle zum Rej gestifteten ewigen Lichtes, vom 23. Februji 5) der vom König Ludwig, mit den Erzbischöfen von Mainz und Trier, dem König von Böhmen und andern nicht einzelnen genannten Herren, und den Städten Cöln, Mainz, Worms, Speyer, Aachen Oppenheim, Frankfurt, Friedberg, Wetzlar j Gelnhausen, aufgerichtete Landfrieden, vom 22. Jun. 1317; ein, sowohl durch den Inhalt, als die Form und Sprache höchst merkwürdiges Dokument: 6) des Schultheissen, der Schöffen und des Ä zu Frankfurt Erneuerung des Stadtfriedens, vom 3. August 1318; 7) Erkenntniss des Schultheissen und der Schöffen zu Frankfurt wegen einer, um versessene Zino, bei ihnen angebrachten Klage vom 5. März 1320. Wiewohl nun hier der RÄ thum an älteren deutschen Urkunden nicht so gross ist, als man erwarten sollte, und als er sich in manchen andern Urkundensammlungen, z. B. dem Urkundenbuche der Stadt Freiburg, darstellt, so ist damit doch immer eine nicht zu verachtende Bereicherung unseres Sprachschatzes, und ein Beweis mehr gegeben, dass wir die schätzbarsten Beiträge zur Kenntniss der älteren deutschen Urkundensprache vorzugsweise aus den Archiven der Städte zu erwarten haben.

Der Zeit nach, beginnt der Codex dipl. mit den ersten urkundlichen Erwähnungen der Stadt Frankfurt, im Jahre 794, nämlich I) in einer Urkunde Karls o o für das Kloster S. Emmeran zu Regensburg, von welcher, weil sie übrigens nicht hieher gehört, blos das Datum angeführt wird, ünd 2) in dem Protokoll einer Synode, welche zu Frankfürt, wegen der Ketzerei des Elipandus, gehalten wurde, wovon, aus demselben Grunde, nur der Eingang eingerückt ist. Die älteste, eigentlich Frankfurt betreffende Urkunde, ist die, worin Ludwig der Fromme dem Kloster Hornbach gewisse, vorher zum Fiscal- Gute Frankfurt eingezogene Ländereien zurückgibt, vom 8. Januar 823. Ueberhaupt finden sich, diese letztere mit eingerechnet, aus dem neunten Jahrhundert nur vier, aus dem zehnten (nach einer Lücke von 882 bis 975) fünf aus dem eilften (nach einer abermaligen Lücke von 994 bis 1074) nur eine, aus dem zwölften aber neun Urkunden. Diese alle betreffen der Mehrzahl nach entweder geistliche Stiftungen und ihre Güter, oder königliche Besitzungen; die einzige vorhandene Urkunde des 11. Jahrhunderts (Kaiser Heinrichs IV., vom 18. Januar 1074) enthält eine Befreiung der Einwohner zu Worms von den königlichen Zöllen, namentlich dem zu Frankfurt; in einer päpstlichen Urkunde vom 12. December 1139 wird dem Kloster Ilbenstadt der, von Kaiser Lothar demselben geschenkte Schiffszoll zu Frankfurt bestätigt; auch in einigen späteren Urkunden wird des Frankfurter Zolles, in einer Urkunde Kaiser Friedrichs I. vom 1. April 1180 aber der Handelsprivilegien der Stadt Frankfurt gedacht, indem darin den Bürgern der Stadt Wetzlar (für welche die Urkunde eigentlich ausgestellt ist) auf ihren Handelsreisen dieselben Rechte und Freiheiten verliehen werden, deren die von Frankfurt geniessen. Aus dem dreizehnten Jahrhundert erhalten wir eine zusammenhangende und sehr ansehnliche Reihe von Urkunden. Die älteste derselben, Erzbischof Sigfrids von Mainz, aus dem Jahre 1211, betrifft eigentlich das Kloster Eberbach. In einer Urkunde K. Friedrichs II. vom 26. Oktober 1217, ist zuerst von dem Reichs-Schultheissen in Frankfurt die Rede; die älteste, von dem Schultheissen, den Schöffen und Bürgern (scultetus, scabini universique burgenses) zu Frankfurt ausgestellte Urkunde aber ist vom Jahre 1219. 1n diesem und den nächstfolgenden Jahren finden sich auch schon Verträge der Stadt Frankfurt mit der Geistiichkeit, wegen ihrer Besitzungen und gegenseitigen Rechte. Merkwürdig für die Sittengeschichte sind unter andern die Urkunden des Königs Heinrich, vom 15. Januar 1232, und Conrads IV., vom 6. Januar 1240, in deren erster den Städten Frankfurt, Wetzlar, Friedberg und Gelnhausen, in der andern aber insbesondere den Bürgern von Frankfurt versprochen wird, dass keine ihrer Jungfrauen oder Wittwen zur Ehe mit einem Manne vom königlichen Hofgesinde, oder einem andern, gezwungen werden soll; wie denn in der ersteren ÜÄ die Tochter eines gewissen Johann Goltstein zu Frankfurt, namentlich von einem solchen beabsichtigten gewaltsainen Ehebündnisse frei gesprochen wird. Von der

Frankfurter Messe hören wir zuerst im Jahre 1240, wo Kaiser Friedrich II., in einer, in castris in Abs dione Esculi, am 11. Jul. ausgestellten Ä

alle welche diese Messe (nundinas apud Frankenfurth)

besuchen, in seinen und des Reichs besonderen Schutz nimmt. Eine allgemeine Bestätigung der alten und neuen Rechte, Freiheiten und Gewohnheiten der Bürger zu Frankfurt (ohne Erwähnung einzelner Gegenstände derselben) findet sich zuerst von Conrad IV. im Mai 1242; darauf ebenso vom König Wilhelm, vom 9. August 125; hernach vom König Richard, vom 8. September 1257, wo äher einzelne besondere Rechte namhaft gemacht werden; sodann wieder in allgemeinen Formeln, ohne Erwähnung bestimmter Rechte, von Rudolf I., d. 5. December 1273; u. s. f. Aus einer Urkunde Conrads IV. im Mai 1246 (S. 76.) erfahren wir, dass damals eine Verfolgung und Austreibung der Juden in Frankfurt statt gefunden hatte, wegen deren die Frankfurter sich den Unwillen des Kaisers (der bekanntlich die Juden als seine Kammerknechte betrachtete), zuzogen, von dem sie aber in der gedachten Urkunde, wegen ihrer sonst bewiesenen Treue, freigesprochen werden. Im Jahre 1255 finden wir (S. 93) die Stadt Frankfurt in einem grossen Landfriedensbündnisse, uuterschieden von dem bekannten rheinischen Städtebunde, dem Frankfurt übriens auch angehörte, und dessen Verhandlungen S. 100 u. f.) ausführlich uñd zusammenhangend mitgetheilt werden, wiewohl auch einige früher eingeriickte Urkunden, namentlich der Abschied des zu Mainz gehaltenen Städtetages, vom 17. März 1256, Ä 97) sich auf denselben beziehen. Eben so half ie Stadt Frankfurt, am 6. Mai 1265, den Wetterauischen Landfrieden schliessen“ (S. 134.). Ueberhaupt werden Städtebündnisse und andere Verhandlungen mit Auswärtigen, von dieser Zeit an, immer gewöhnlicher. Eines Stadtraths, als einer besonderen städtischen Verwaltungsbehörde, unter dem Namen Consules, wird zuerst in einer Sühne der Stadt mit dem Herrn Reinhard von Hanau, vom 28. September 1266, (S. 139) gedacht; denn in den Ä Urkunden ist nur von scabinis die Rede, die eigentlich eine blossé Gerichtsbehörde waren, wie denn auch die von ihnen ausgestellten Urkunden sich meistens auf Erbschaften, Besitzübertragungen und andere Rechtsgegenstände beziehen. Zu den ersten, die innern städtischen Verhältnisse betreffenden Urkunden gehört das Statut vom 19. Mai 1268 (S. 147), worin Schultheiss, Schöffen, Rath und Bürgerschaft versprechen, jedem ihrer Mitbürger das, was er auf ihren Kriegszügen etwa verliert, zu ersetzen, und wenn er gefangen wird, ihn äuszulösen. Von einer selbstständigen innern Gesetzgebung und Verwaltung zeigt ferner das Statut vom 26. August 1277 Ä 182 worin Schultheiss, Schöffen, Rath u. s. w. den Zo bestimmen, welchen die mit Eisen beladenen Wazen der Wetzlarischen Bürger ü der Frankfurter esse entrichten sollen. Mit o twickelung der

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städtischen Verfassung sehen wir zugleich auch Streitigkeiten eintreten, in welche fast allenthalben die Städte mit den benachbarten Grundherren verwickelt wurden, nämlich über die Aufnahme fremder Unterthanen zu Bürgern. Nach einer Urkunde vom 27. Jun. 1279 (S. 192), untersagte Köuig Rudolf 1. den Herren von Falkenstein die Fortsetzung der Feindseligkeiten, welche sie gegen die Städte Frankfurt, Friedherg und Wetzlar, deshalb, weil einige ihrer Unterthanen daselbst zu Bürgern aufgenommen worden, begonnen hatten, und es wird bei dieser Gelegenheit diese Bürgeraufnahme den Rechten und Freiheiten der Städte gemäss erkannt; in einer Urk. vom 25. Sept. 1289 (S. 245) hingegen verbietet derselbe König den Frankfurtern, keinen von den Leuten des Grafen von Katzenellnbogen zum Bürger aufzunehmen. Im Jahre 1280 stellt ein Frankfurter Arzt (magister Jacobus clericus et artemedics) eine Urkunde aus (S. 198). Im Jahre 1282 finden, wir das Reichsdorf Sulzbach, in einem gewissen Abhängigkeitsverhältnisse von der Stadt Frankfurt, indem die von Sulzbach sich verpflichten, an den Kriegszügen der Stadt Theil zu nehmen, welche dagegen jene in ihren Schutz nimmt (S. 209). Ein ausdrückliches Privilegium de non evocando finden wir zuerst von Rudolf I. vom 30. Mai 1291 (S. 259). Ein vollständiges Verzeichniss der städtischen Rechte, wie sich ihrer die Bürger zu Frankfurt von Alters her bedient zu haben versichern, kommt erst bei der Gelegenheit zum Vorschein, als König Adolf im Jahre 1295 der Stadt Weilburg das Frankfurter Stadtrecht verlieh (S.297), worauf Schultheiss, Schöffen und Rath zu Frankfurt, auf Ansuchen der Stadt WeiIburg, unterm 24. Januar 1297, eine urkundliche Nachweisung ihrer Rechte und Freiheiten ausstellten (S.304). Eine eigentliche Stadtrechts-Verleihungsurkunde, wie deren die jüngeren, seit dem 12. Jahrhundert entstandenen Städte aufzuweisen haben, würden wir überhaupt bei Frankfurt, so wie bei andern gleichartigen uralten und ursprünglich königIichen Städten vergebens suchen, da diese ihre Rechte, der allgemeinen Grundlage nach, gar nicht durch äussere Verleihung, sondern aus unvordenklichem, die bekannte deutsche Territorialverfassung an Alter weit übertreffendem Herkommen besassen. – Aus dem vierzehnten Jahrhundert, dessen Urkunden allein über die Hälfte des Buches einnehmen, bemerken wir im Allgemeinen vorzugsweise die zahlreichen, sowohl für die Sprache, als grossentheils auch für die Geschichte merkwürdigen und werthvollen deutschen Urkunden der Kaiser Ludwig und Karl IV. – Das Verhältniss der Dörfer Sulzbach und Soden, zu Folge dessen sie der Stadt Frankfurt zu gewissen Diensten verpflichtet waren, wird im J. 1321 urkundlich festgestellt (S. 460). Für die Handelsgeschichte wichtig ist unter andern das Verzeichniss der in Frankfurt erhobenen Zölle, welches der Herausg. nach Wahrscheinlichkeit in das J. 1329 setzt (S. 505); und die kaiserliche Verlei

hung eines neuen Marktes an die Stadt Frankfurt, vom J. 1330 (S. 506), die ohne Zweifel mit andern gleichartigen und gleichzeitigen Verordnungen Kaiser Ludwigs in ursachlicher Verbindung steht. Dass die Ertheilung von Marktprivilegien damals sehr häufig geschah, und dabei gemeiniglich Frankfurt als Muster diente, zeigt unter andern die Urkunde des Kaisers vom J. 1332 (S. 517), worin derselbe die merkwürdige Erklärung ausspricht, dass die den Städten der Herren (d. h. mittelbaren Städten) nach dem Beispiel von Frankfurt verliehenen Freiheiten, nicht alle Rechte dieser Stadt umfassen, sondern sich blos auf Wochenmärkte beziehen sollen. Ein Ausschliessungsprivilegium finden wir zuerst im J. 1337 (S. 542), wo der Kaiser verspricht, weder der Stadt Mainz noch einer andern, zum Nachtheil der Stadt Frankfurt eine Messe oder Markt zu verleihen. In Ansehung des, mit dem Handel so eng verbundenen Münzwesens, bemerken wir, dass der Kaiser noch in den Jahreu 1340 (S. 563) und 1345 S. 589) das“Münzen zu Frankfurt in seinem eigenen amen durch einzelne Personen verrichten lässt, wobei zugleich Nachrichten über damals cursirende Miinzsorten vorkommen; erst im Jahre 1346 erhält die Stadt Frankfurt von dem Kaiser das Privilegium, selbst eine Münze nach ihrem Gefallen einzurichten (S. 606). Interessante Notizen zur älteren Rechtsverfassung finden sich unter andern in Beziehung auf das Einlager- Recht in der Urkunde Gottfrieds von Eppenstein vom J. 1333 (S. 521), worin, anderer rechtsgeschichtlich merkwürdiger Bestimmungen nicht zu erwähnen, für den, nach erlangter Volljährigkeit eines noch minderjährigen Sohnes beizübringenden Verzicht desselben, Bürgen mit eventueller Verpflichtung des Einlagers gestellt werden; und noch mehr in der Urkunde vom 29. Jun. 1376 (S. 741), worin Kaiser Karl IV. und sein Sohn, König Wenzel, für eine von der Stadt Frankfurt ihnen geliehenene Geldsumme, den Erzbischof von Prag, des Kaisers Neffen, Markgrafen Jost von Mähren, den Hofmeister Peter von Wartemberg, und den Kammermeister Thime (sonst auch Tymo, Thune, wie S. 742 Z. 19 und S. 743 Z. 1 steht, ist wahrscheinlich Druckfehler) von Colditz, zu Bürgen stellen, die jedoch im eintretenden Falle nicht selbst das Einlager halten, sondern, von den beiden ersten, jeder drei, von den beiden letzten jeder zwei Ritter mit ihren Knechten und Pferden dazu senden sollen; desgleichen in Beziehung auf das im Mittelalter so bekannte Pfahlbürgerwesen, ein kaiserliches Gebot vom J. 1340 (S. 565), wodurch die Pfahlbürger in den Wetterauischen Reichs- und mittelbaren Städten für abgeschafft erklärt werden; das aber doch nicht wirksam genug war, da im J. 1346, mit Abstellung der bisherigen Gebote, ein Vertrag zwischen den Wetterauischen Herren und Reichsstädten, über das Pfahlbürgerwesen ganz andere Bestimmungen aufstellte (S.607). Eine besondere rechtshistorische Merkwürdigkeit anderer Art ist auch das (in lateini

scher Sprache abgefasste) Protokoll des Bornheimer Ä aus dem Jahre 1338 (S. 55), worin der Pfarrer Heilmann zu Frankfurt in Strafe genommen wird, weil er unbefugter Weise im Bornjer Gemeindewalde hatte Hölz hauen lassen. In Beziehung auf das, die Geschichte Deutschlands so tief durchdringendé, und auch im vorliegenden Urjndenbuche jedeutend hervortretende Landfriedenswesens, bemerken wir, ausser dem oben schon in sprachlicher Hinsicht erwähnten Landfrieden von 1317, vorzugsweise den Wetterauischen Landfrieden von 1337 (S. 543), denselben, erweitert durch den Beitritt des Kaisers, des Erzbischofs von Mainz u. A. 1354 (S. 628), und den späteren, von dem Erzbischof Johann zu Mainz, als Landvogt in der Wetterau, aufgerichteten, wetterauischen Landfrieden von 1371 (S. 728), der besonders durch sein Zusammentreffen mit dem gleichzeitigen westfälischen Landfriedensbündnisse merkwürdig ist, aber in der Folge, wie es scheint, durch die weiter. Aus dehnung des letzteren absorbirt wurde. Auffallend war es dem Rec., von dem ausgedehnten Landfriedensbündnisse, das Erzbischof Conrad von Mainz im J. 393 stiftete, in diesem Urkundenbuche gar keine Notiz zu finden. Sollte die Stadt Frankfurt sich von diesem Bündnisse ausgeschlossen haben? (Die S.773 erwähnten Misshelligkeiten des dortigen Rathes mit dem Erzbischof, scheinen doch kaum von solcher Bedeutung zu seyn, um dies zu erklären) jer hat der Herausg. vielleicht die Landfriedensongelegenheiten in dieser Periode nicht mehr in seine esjdere Beachtung gezogen? - Von dem bejten Gegner Karls IV., dem König Ginther, wird (S. 61i) eine Bestätigungsurkunde für die Johjniter zu Frankfurt mitgetheilt. Warum aber nicht die wichtigere Bestätigung der Privilegien der Stadt Frankfurt selbst (oz. Hoffmanns Günther j, Schwarzburg etc. S. 16)? –... In der inneren Geschichte Frankfurts treten in dieser Periode hauptsächlich die Handwerksangelegenheiten hervor. Die Ältesten im vorliegenden Urkundenbuche vorkommenden, und von den betreffenden Zünften selbst aufgerichteten Handwerksordnungeoz sind die der Sejeider und Tuchscherer (S. 623), dann der Bäcker (S. 625), beide vom J. 132; darauf folgen die Artikel der Gewandmacher, Metzger, Kürschner, Bäcker, Schuhmacher, Löber, Fischer, Schneider, Schiffer, Steindecker, Zimmerleute, Steinmetzen, Binder und Gärtner, wie sie dieselben jjj.i355 vor den Schöffen und dem Rathe eidlich ausgesagt haben (S. (35) Bald aber, nachdem auf diese Weise die Zünfte ihr rechtliches Da

seyn beurkunden, finden wir sie schon mit der Stadtobrigkeit in verwickelten und weitaussehenden Streitigkeiten; der erste Versuch einer Beilegung derselben durch die Richtung des Herrn Ulrich von Hanau, im J. 1358 (S. 658), deren Bedingungen uns über die Natur jener Streitigkeiten genugsam belehren, hat ihnen eben so wenig gründlich abgeholfen, als die eignen Entscheidungen des Kaisers im J. 1360 (S. 671) und im Januar 1366 (S. 701), und

der, im Februar 1366, in kaiserlichem Auftrage

gegebene richterliche Ausspruch des Kurfürsten von

Mainz (S. 704); erst mit dem, im Oktober 1366,

ebenfalls in kaiserlicher Vollmacht, von dem Erzbischof von Mainz ertheilten Bescheide (S. 713), finden wir die Verhandlungen geschlossen. Die Stadt Frankfurt hatte, so wie fast alle deutsche

Städte von einiger Bedeutung, ihre Periode innerer

Unruhen, die sie aber schneller und glücklicher, als

die meisten andern, durchmachte. – Noch ist, für die Kenntniss ihres inneren Zustandes, die Anstel

lung eines besoldeten öffentlichen Arztes (Jacobus

de Armenia, presbyter comiugatus et in medicinis ma

gistratus) im J. 1385 (S. 762) zu bemerken, bei

deren auch übrigens interessanten Bestimmungen

wir uns jedoch hier nicht aufhalten können. – Wir

geben alle diese Andeutungen nur als einzelne Pro

ben von der Reichhaltigkeit und vielseitigen Wich

tigkeit dieser über alles Lob erhabenen Urkunden

sammlung, der wir nicht nur baldige Vollendung,

sondern auch zahlreiche eben so würdige Nachfolger

aus den Urkundenschätzen anderer bedeutender

Städte wünschen. Möchte vor allen ein Urkunden

buch der Stadt Cöln, der für die Entwickelung des

deutschen Städtewesens ohne Zweifel der erste

Rang gebührt, von geschickter Hand bearbeitet,

erscheinen! – Hinsichtlich der andern Städte,

von welchen der Vf. gegen das Ende der Vorrede

umfassende Urkundenbücher namentlich wünscht,

können wir die bestimmte Versicherung geben, dass

dergleichen, für zwei derselben, Dortmund und

Erfurt, bereits wirklich in Arbeit sind. Ob und

wenn sie auch öffentlich erscheinen können, ist frei

lich eine andere Frage, deren Beantwortung, wie

bekannt, von dem guten Willen eines Herausgebers

gerade am wenigsten abhängt. Für Magdeburg

würde ein solches wahrscheinlich schon längst existi

ren, hätte nicht diese berühmte und einflussreiche

Stadt ihre eignen alten Urkundenschätze, in ihren

bekannten unglücklichen Schicksalen, fast gänzlich

verloren; ein Verlust, der auch aus den, übrigens

reichen Staatsarchiven nur sehr einseitig und un

vollkommen zu ersetzen ist,

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ALLGEMEINE LITERATUR - zEITUNG

April 1838.

REISE BESCHREIBUNGEN.

Lownow, b. Duncan: Narrative of a residence in Foodstan, and on the site of äncient Winevel; with Journal of a Voyage dówn the Tigristo Bagdad and an Account of a visit to Shirauend Persepolis. By the late Claudius James Rich, Esqre the hon. East India Company's esot at Bagdad. Edited by his Widow Vol. L,836. XXX11I u. 398 S. Vol. 11. 1836. VIII u. 410 S. gr. 8. Mit Karten und Steindrucken.

(Preis 60 s.)
Erster Artikel.

Seiten ist es einem Reisenden gelungen, tiefer in die Berge von Kurdistan einzudringen, welches darum bisher auch zu den am wenigsten erforschten Ländern Asiens gehörte und nur lücken- und fehlerhaft beschrieben war. Was Kinneir, Ker Porter und einige Andere davon sagen, hat zu wenig Ausdehnung und betrifft zum Theil gar nicht den Kern

des Landes; Schulz, der nächst Richl am tiefsten ein

drang, wurde ermordet, als er eben den Fuss aus dem Gebirge setzte. Genug, niemand hat bis jetzt unter günstigeren Umständen dieses Land betreten, als C. James Rich, der nicht nur durch eifriges Studium und langen Aufenthalt im Orient, sondern auch durch die vortheilhafteste äussere Stellung, durch angeknüpfte Verbindungen, ja, durch freundschaft1iche Verhältnisse mit kurdischen Häuptlingen die geeignetste Vorbereitung zu solcher Reise und die besten Mittel, sie glücklich auszuführen, sich erworben hatte. Sein tüchtiger Charakter, seine Umsicht und wissenschaftliche Bildung gehen zugleich die Gewähr, dass er vollständig und treu berichtet. Zwar verhinderte ihn der Tod, seinen Tagebüchern selbst die letzte Feile anzulegen, aber das hat ihnen nichts von ihrer Genauigkeit und, wie es scheint, auch wenig von ihrer Vollständigkeit benommen, denn Rich hatte auf seinen Reisen in der Regel Musse genug, um an Ort und Stelle alles Bemerkenswerthe aufzuzeichnen. Dazu hat die Herausgeberin, seine nachgelassene Wittwe, welche ihn selbst auf diesen Reisen begleitete, eine Menge einzelner Skizzen und Notizen, die sich unter den Papieren ihres Mannes fanden, sorgfältig benutzt, um die Tagebücher hin und wieder noch zu ergänzen. Gelehrte Mittheilungen, die zur Erläuterung dienen, sind ihr von Freunden gemacht, unter denen Sir R. H. Inglis in der Vorrede besonders ausgezeichnet wird. Ihr verdanA. L. Z. 1838. Erster Band.

ken wir auch die den ersten B « » richo des Vfs Leben. and eröffnende Nacheboren am 28. März 1787 nahe bei Diion Burgund, kann Rich noch als Kind nach Ä w er, neun Jahre alt, ein arabisches Manuscriptsj ein zufälliger Umstand, der in ihm die spätere Rij ung auf die orientalischen Studien zuerst anrej Schon mit dem 17ten Lebensjahre ging ernj j Orient, nahm seinen Aufenthalt unter verschjej öffentlichen Funktionen erst in Constantinopel Ä I Il Smyrna, von wo aus er Kleinasien bereise ferner in Aegypten, ging von da durch Palästij nach Syrien, von da über Maredin und Bagdad j Bassr und hierauf nach Bombay, wo er j September 1807 anlangte. Im Jahre i808 liess er Ä als Resident der ostindischen Compagnie in Baj nieder. Hier schrieb er seine Abhandlung üÄ Paschalik von Bagdad, wie auch sein Mejnor of the ruins of Babylon und später nach einem zweitej Fj suche dieser Ruinen sein Second Memoir (1818). Unterdessen hatte er seiner wankenden Gesundheit WGgen eine Reise nach dem Abendlande gemacht j sich eine Zeitlang in Paris aufgehalten.“ Auf seinem Rückwege besuchte er besonders die syrischej ster in Mesopotamien und zog hier sorgfältige Nachrichten über die Secte der Jesidier ein Ij. §o machte er die Reise nach Kurdistan und zu den Kj von Nineve. Von da nach Bagdad zurückgekehrt stand er in Begriff, in Geschäften nach Bombay abzugehen als ein unerwarteter Aufstand ihn nöthigte aufj Posten zu bleiben. Er nahm seinen Äufentj Bassra , bis die Unruhen vorüber waren. Auf jnj Reise nach Schiras besuchte er Persepolis; in Schiras selbst wüthete die Cholera, er war jej in der Sorge für die Kranken, unterlag aber baldjbj der Seuche. In einem der dortigen königlichen Gärten erhebt sich jetzt ein Monument über seinem Grabe. Ausser den vorliegenden Reiseberichten und vielen zerstreuten Notizenblättern hat er Tagebücher seiner Reien von Bagdad nach Constantinopel, von da nach Wien, und von Paris zurück nach Bogoj hinterlassen. Seine kostbaren und reichhaltigen Sammlungen von Handschriften, Münzen und Aj thümern hat das Parlament für das Britische Museum angekauft. Die Diarienform des Buches wird besonders von Anfang her allerdings auf manchen Leser den Eindruck trockner und fragmentarischer Notizen machen, wenn er Schritt für Schritt Datum, Stunde und Minute des Abgangs von dem einen und der Anson andern Orte genau nach der Uhr, jede

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