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s uns in Syrischen und Chaldäischen vorliegt, son# Ä Gestaltung desselben, worauf wir weiter unten, zu reden kommen, werden, aber dass gerade dieser Aramaismus zuerst von den semitisc en Dialecten durch die Schrift constatirt seyn solle, -ist eine ganz bodenlose Behauptung. Doch sehen wir vor allen Dingen, wie der Vf. die Entstehung der hebr. Sprache weiter verfolgt! – Die Hebräer sprachen also ursprünglich aramäisch; seit der Wanderung, Abrahams aber aus Mesopotamien, dem Sitze des Aramaismus, nach Canaan wurde die Sprache dieses Landes die der Hebräer (§. 63), doch musste die Familie Abrahams bei Annahme dieser Sprache, wenigstens einige Zeit hindurch, noch verschiedene, aramäische Worte, Formen und Redeweisen beibehalten, und dies um so mehr, da Jakob nach Mesopotamien zurückkehrte, dort sich lange Zeit aufhielt, sich verheirathete, und dort auch fast alle seine Söhne geboren und erzogen wurden (§. 64). Diese Spuren des Aramaismus mussten jedoch nach und nach aus der Sprache der Israeliten verschwinden, seit diese sich unter Josua in Canaan festsetzten und in fortwährende Berührung mit den Ureinwohnern kamen, die mehre Jahrhunderte hindurch sich mitten unter den neuen Besitzern des Landes erhielten. Auch während ihres Aufenthaltes in Aegypten, in der Provinz Gosen, fehlte es nicht añ Berührungen mit den Canaanäern, und so kam es, dass die Sprache, ihre aramäische Färbung immer mehr verlor und sich der phönizischen näherte, mit der sie sich endlich ganz identificirte (§. 65. 66). »Die Aramaismen oder Chaldaismen, so zu Archaismen geworden, wurden anfgenommen, ja sogar gesucht, von den Dichtern, welche in allen Sprachen ungewöhnlichere und weniger gebräuchliche Ausdrücke und Formen zu lieben pflegen (§ 67)." Ganz dieselbe Ansicht hat schon Gesen. ausgesproehen in der Gesch. der hebr. Sprache § 7 und sie beibehalten in der Grammatik, wo er sagt: „So weit wir die Geschichte übersehen, war Canaan ihre (der hebr Spr) Heimath, und war sie der Hauptsehe nach schon die Sprache der canaanitischen oder Ä Völkerstämme, welche Palästina vor der Einwahderung der Abrahamiden bewohnten, wurde von diesen angenommen, nach Aegypten verÄ und wieder nach Canaan mitgebracht"; und

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Idiotismen..... sind wol historisch für Archaismen zu halten, welche das Hebräische nur in der Poesie beibehielt." Aehnlich spricht sich Ewald aus, Gramoatik §-2 u. 6. Wie aber der Vf, gerade durch diese Ansicht mit seinem grammatischen System in Widerspruch kommt, werden wir weiter unten sehen. Was die von Hn. L. angeführten poetischen Chaldaismen betrifft, so gehören mehre von den zum Beweis angeführten Stellen durchaus nicht hierher, denn die Chaldaismen in Ps. 116, 12. u. 53, 8 dürften eher der spätern chaldäischen Färbung der Sprache zuzurechnen, als poetische Archaismen seyn, und die in Ps. 57, 5. Jes. 2, 6. 18 angenommenen beruhen auf falscher Erklärung dieser Stellen. Ueberhaupt

bedarf dieser Punkt der hebr. Sprachforschung, der für die biblische Kritik von so hoher Wichtigkeit ist, bis jetzt noch einer genauen und gründlichen Untersuchung und verdiente wohl, einmal in einer Monographie ganz besonders behandelt zu werden. – Die in der angegebenen Weise entstandene hebr. Sprache wurde durch Moses in seinen Gesetzbuche fixirt, auf feste Regeln zurückgeführt (§. 69), und erhielt sich 9.Jahrhunderte hindurch ohne bedeutende Veränderungen in derselben Gestalt, wie sie Moses festgestellt hatte. (§. 70). Hierbei nimmt Hr. L. ,, mit dem ganzen Alterthume an, dass Moses der Vf. des Pentateuch sey", obgleich ihm wohl bekannt ist, „dass einige Neuére, von Rosenmüller in seinen Prolegg. zum Pentateuch angeführt und widerlegt (?!), behaupten, dies heilige Buch sey von viel geringerem Alter." Auf wie schwachen Füssen aber diese orthodoxe Ansicht ruht, dürfte bei uns wohl Jedermann bekannt seyn, wenigstens sind diese Untersuchungen über Echtheit oder Unechtheit des Pentateuchs durchaus noch nicht so abgeschlossen, um ohne Weiteres daraus Folgerungen für sprachliche Erscheinungen ziehen zu können. Ist doch bekanntlich gerade jenes Gleichbleiben der Mosaischen Sprache durch 9. Jahrhunderte hindurch als ein Beweis gegen die Echtheit urgirt worden! – Bei dieser Gelegenheit berührt der Vf. auch das Verhältniss der Vulgärsprache zu dieser eingeführten Büchersprache und äussert sich darüber ganz annehmbar folgender Maassen: „ Es konnte die Vulgärsprache in verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Provinzen des israelitischen Staates ein wenig differiren; aber die, welche von den Schriftstellern und Dichtern gebraucht wurde, blieb immer die Sprache des Moses, die Sprache der Priester und Propheten; fast vergleichbar dem volgare illustre Italiens, welches in Schriften, in öffentlichen Reden und von jeder angesehenen Person gebraucht wird, ohne dass es genau der Local-Dialect einer Stadt sey." (§. 72 74). Die Geschichte der hebr. Sprache vom babylonischen Exile bis zu Ende, wo sie aufhört, lebende Sprache zu seyn, und nur noch als Büchersprache unter den gelehrten Rabbinen fortdauert, ist klar und mit interessanten Belegen dargestellt, doch im Ganzen in Uebereinstimmung mit Gesenius, wesshalb wir uns - ausführlicherer Mittheilungen überhoben glauben. Es folgen nun S. 107 – 132 die „Grundgesetze der grammatischen Bildung der Wörter", wobei -wir uns aber nur auf eine Relation der Hauptpunkte einlassen können; eine kritische Würdigung des ganzen von Hn. L. aufgestellten Systems würde eine eigene Abhandlung erfordern, die hier nicht an ihrem Orte seyn kann. – Als Grundgesetze, die al

len Sprachen gemeinschaftlich sind, stellt der Vf. im

ersten Abschnitte dieser Abhandlung folgende vier auf: 1) das Gesetz der Deutlichkeit; 2) das der Kürze, 3) das der Leichtigkeit der Aussprache, 4) das der Unbeständigkeit (ein wunderliches Gesetz!), von welchem die Ausnahmen, denen die grammatischen Gesetze unterworfen sind: herrühren." Ohne uns bei der nicht eben tiefphilosophi

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schen Darlegung dieser Gesetze aufzuhalten, gehen wir sogleich zum 2ten Abschnitt über, welcher in §. 104 – 118 die „speciellen Grundgesetze der aramäischen und ursprünglich auch der hebr. Sprache" behandelt. Zuvor ist noch zu bemerken, dass der Vf. unter dieser aramäischen Sprache den ältern, reinen Aramaismus versteht. „ Dieser ist nicht der biblische Chaldaismus des Daniel und Esra, welcher nicht frei von Hebraismen ist; dieser ist auch nicht die Sprache der chaldäischen Paraphrasen und eben so wenig die syrische Sprache, welche zu späten Zeiten angehören und voll von Hebraismen, GräcisInen, Latinismen und Neologismen sind. Der alte reine Aramaismus ist eine schon untergegangene Sprache; die Quelle aller aramäischen Dialecte, kann er nur vermittelst einer genauen Vergleichung dieser aller zum Theil sich darstellen lassen." Somit ist der „alte und reine Aramaismus" nur eine Abstraction aus den uns bekannten aramäischen Dia1ecten, und die Darstellung seiner eigenthümlichen Gesetze diirfte wohl immer etwas sehr Hypothetisches bleihen. Gesetzt aber auch, es liesse sich etwas Bestimmtes darüber feststellen, so folgt daraus doch noch gar nichts für die Anwendung desselben auf die hehr. Gramm., denn die hebr. Sprache, „wie sie jetzt ist," hat ja nach der eigenen Aeusserung des Vfs. (s. §. 65. 66) sich mit der der Ureinwohner Canaans, der phönizischen, identificirt und ihre aramäische Färbung verloren, ist folglich eine ganz andere. Freilich sind beide noch Schwestersprechen und haben als solche viel GemeinschaftliÄ aber dies schliesst doch nicht aus, dass jede sich selbstständig und auf verschiedene Weise ausgebildet hat. Hier kommt der Vf. offenbar in Widerspruch mit seiner Behauptung von der Identität beider Sprachen, und um nun diesen Widerspruch auszugleichen und zur Einheit zu erheben, muss er, wie er einen „ursprünglichen reinen“ Aramaismus annimmt, auch einen „ursprünglichen Hebraismus" annehmen und so Hypothese auf Hypothese bauen, um sein System zu retten. Diesem gemäss stellt er daher folgende Grundgesetze des (reinen) Aramaismus (und Hebraismus) auf: 1) „Bewahrung der Natur einer jeden Sylbe, so dass die langen, zusammengesetzten und starken dies so viel als möglich bleiben." Ausser der gewöhnlichen Benennung: einfache und zusammengesetzte Sylben nennt der Vf. a) lange Sylben solche, die eine lit. quiescibilis oder ein Kamez enthalten, mögen sie einfach oder zusammengesetzt seyn, z. B. "2, 2,52; b) kurze die, bei welchen dies noch der Fall ist, z. B. 2, 3, -2,"2; c) schwache die, welche zugleich kurz und einfach sind, z. B. 2, 2; d) stark, welche aus 3 Consonanten, mit dem Vocale bei dem mittleren, bestehen, z. B.

A. L. z. Num. 67. APRIL 1838.

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i) Dass ein Endvokal angenommen wird, z. B. "r-po für das aram. r-Eo. k) Dass nach dem Accentweder 3 Consonanten, wie es seyn würde in Soa, To roS, noch 2 Conss., vor oder zwischen denen es Waw oder Jod quiescens sich befindet, (z. B. in Hoo - gooy, F:2-Fro) stehen dürfen. l) Dass oft, der Äb wechselung wegen, die Folge zweier oder mehrer langen Sylben vermieden wird, daher ppox, n-2-3 für "po- , Sohn?; so wie auch die Aufeinanderfolgé derselben Klänge, daher vö-TN u. v.-rn für E-In. – Das 2te Grundgesetz, das der Harmonie, nach welchem der Hebraismus es liebt, den Ton auf die 2te Sylbe des Wortes fallen zu lassen, bewirkt: a) dass das hebr. KameT da nicht angenommen wird, wo der Ton bei Annahme desselben auf die 3te Syibe fallen würde, daher EM-Po, "o; b) dass die Aufeinanderfolge zweier Tonsylben vermieden wird. – 3) Der grammatische Reichthum der hebr. Sprache, der sie vor der aram. auszeichnet, ist theils in der grössern Zahl der Nominal-, theils der Verbalformen sichtbar. (ist etwa diese grammatische Reichthum auch ein Grundgesetz? Der Vf, sagt dies zwar nicht aber aus der Analogie des Vorhergehenden kj man es wohl annehmen.). Wir enthalten uns jedes weitern Urtheils über diese Grundgesetze; doch sind wir begierig zu sehen, wie weit Hr. L. bei der grammatischen Construction des hebr. Sprachgebäudes damit kommen will! –

Es folgen nun die 6 Anhänge, von welc der erste in § 127–132 einige Ä dem Ä Chaldaismus hergenommene Einwendungen gegen den in §. 108 aufgestellten Hauptsatz von der Ausstossung tonloser schwacher Sylhen enthält, welche Hr. L. widerlegt theils dadurch, dass er die gegen seine Behauptung angeführten Wörter als Hebraismen u. Schreibfehler bezeichnet, theils auch dadurch, dass er sich hinter das bei seinen Hauptsätzen ausgesprochene „so viel als möglich" zurückzieht u. sagt, dass die Befolgung des Grundsatzes nur gerade in diesem Falle „nicht möglich" gewesen sey. . Man sieht, dass besonders dieses Grundgesetz sehr schwankend ist, so wie auch das, was schon oben §. 1 10– 113 zu seiner Stitze ühjverdoppelung und deren Compensation gesagt ist, einer festen Grundlage ermangelt. – Nr. 2 geht Ärläuterungen über das aramäische Kämejijen seine Unveränderlichkeit erwähnt jeworformen, in denen es vorkommt (§. 134), mit den Anomalien (§. 135) angegeben werden. Beim Ueber

Endconsonant weggelassen wird, z.B.T-Fer für "TFSF. gänge ins Hebräische verwandelt es sich in Choleh,

A. L. Z. 1838. Erster Band.

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zeugt nur von des Vfs. Missverständniss dieser Erscheinung im Arabischen. – Nr. 3. „ UrÄ einiger der hebr. Gramm. eigenthümlichen Unbeständigkeiten (§. 142–148)" zählt einige Abweichungen der masoretischen Lesarten in Bezug auf das Keri und Chethib auf. Wir begreifen nur nicht, wie Hr. L. diese masoretischen Differenzen in der Lesung des bibl. Textes Unbeständigkeiten der hebr. Grammatik nennen kann. – Wr. 4 ,,Ueber die hebräischen und aramäischen Vokale." Der Vf. verbreitet sich zuerst §. 149 – 172 über die Aussprache der hebräischen Vokale, wobei er dem Segol den Laut des italienischen E aperto und dem Zere den des E chiuso ertheilt, dem Kamez, aber den Mischlaut oä. Die Gründe sind

die gewöhnlich dafür angegebenen. Wozu §. 170

die Erwähnung und Auseinandersetzung des Altingschen und Danzischen Morensystems dienen solle, sehen wir nicht ein, da es doch schon längst antiquirt ist; eher hätte dies sich in die erste Abhandlung gepasst, wo es als historische Merkwürdigkeit angeführt werden konnte. Was darauf §. 172 – 183 über die aramäischen Vokale gesagt ist, beschränkt sich blos auf die Anzahl und Benennung der syrischen Vokalzeichen und ist aus den Grammatiken hinlänglich bekannt. – Nr. 5 handelt „von den Accenten" (§. 181 – 193); der Vf. giebt

das Accentuationssystem, doch nur einen Theil des

selben, indem er blos die prosaischen Distinctiven behandelt, in der Kürze näch den jüdischen Grammatikern; aber eben darum viel zu äusserlich und oberflächlich. – Wr. 6 endlich handelt in §. 194 – 200 „von der secundären Punctation, zur Erläuterung von §. 147." Dort nämlich sagt der Vs. „die Wakdanim (a": TF2) Leute, die der hebr. Gramm. kundig waren, und deren Amt darin bestand, die handschriftlichen Bibeln, welche von den Calligraphen (den neuern Sopherim) ohne Vokale und Accente geschrieben wurden, zu punctiren; so wie die schon punctirten Texte zu corrigiren, führten in die

Punctation einige leichte Neuerungen ein, welche dahin gingen, die rechte Aussprache den „wenger gelehrten Lesern zu erleichtern. Dies ist die secundäre Punctation, zu unterscheiden von der . primären, welche das Werk der Vokalisatoren ist (diese nennt der Vf. Puntatori; jene Punkeggiatori). Die Gegenstände dieser 2ten Punctation geben sich durch die Verschiedenheit zu erkennen, welche in Betreff derselben in den Mss. und Edd. herrscht." Hr. L. rechnet nun dahin das Schwa compositum, das Metheg und einige besondere Dagesch (cf Gesen. Lehrgeb. pg. 88–92. Ewald krit. Gr. pg. 88–90), worüber einige Bemerkungen, aber durchaus nichts Zusammenhängendes, gegeben werden. – Wir scheiden von dem Vf., indem wir in seinem Buche vieles Gute und Brauchbare, was sich im Einzelnen vorfindet, mit Vergnügen anerkennen, wogegen die Hauptsache, nämlich die Darlegung der grammatischen Grundgesetze, mehrfachen Zweifeln unterliegen dürfte. A. A.

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werthen Bestrebungen und Leistungen unserer geschichtkundigen Vereine, doch Werke grösseren Umfanges, die einer anhaltenden Forschung und planmässigen Bearbeitung bedürfen, besser und sicherer von Einzelnen als von ganzen Gesellschaften hergestellt werden, – das bestätigt sich bei den vorliegenden Werken aufs neue; denn nur das erste derselben ist unter Mitwirkung einer Gesellschaft erschienen, und auch hier beschränkte sich diese Mitwirkung auf die Beförderung des Druckes, während die eigentliche Bearbeitung ganz allein des Herausgebers Werk war; die Herausgeber der beiden andern standen aber, in Beziehung auf diese Werke, mit keiner Gesellschaft in Verbindung. Wr. 1) ist der Geschichte eines kleinen, nur vier und zwanzig Quadratmeilen umfassenden Landes ge

widmet, aber ungeachtet dieser räumlichen Be

schränkung doch von ausgezeichnetem wissenschaftlichem Werthe. Mehre Jahre hindurch hatte der Herausgeber für die Ausführung seines, mit dem verewigten Niebuhr berathenen Planes, einer griindlichen Untersuchung der Staats- und Rechtsgeschichte Dithmarschens, fleissig und erfolgreich vorgearbeitet; die eine Frucht dieser Arbeiten, das vorliegende Urkundenbuch, – denn als eine zweite wird die Ausgabe der eigentlichen Rechtsquellen, der Landund Stadtrechte, Landesschlüsse und Kirchspielsbeliebungen Dithmarschens verheissen – war, wie der Herausgeber in der Vorrede berichtet, schon fünf Jahre vor der Herausgabe, beinahe ganz in seinem jetzigen Umfange vollendet, konnte aber, aus Mangel an den dazu erforderlichen Mitteln, nicht zum Drucke befördert werden, bis dies endlich auf Veranlassung und Kosten der Schleswig- HolsteinLauenburgischen Gesellschaft geschah, die sich hierdurch ein unleugbar grosses Verdienst, nicht nur um die betreffende specielle Landesgeschichte, sondern um die Wissenschaft überhaupt erworben hat. – Der grösste Theil der hier mitgetheilten Urkunden ist dem Königlich-Dänischen geheimen Archive zu Kopenhagen entlehnt, in welches die Dithmarschen betreffenden Urkunden aus dem ehemaligen gemeinschaft Hichen Schleswig-Holsteinischen Archive zu Gottorp übergegangen sind. Diese Urkunden haben aber einen dreifachen Ursprung. Theils sind es altholsteinische Archivstücke, entstanden aus den Verhältnissen der holsteinischen Landesherren zum Erzstift Breinen oder zu dem Lande Dithmarschen selbst; theils sind es -Landesurkunden von Dithmarschen, Welche bei der endlichen Unterwerfung vertragsmäsig ausgeliefert wurden; theils endlich vormalige Erzstift-Bremische Urkunden, deren Auslieferung in Jahre 661 erfolgte, nachdem Schweden, wegen des damaligen Herzogthums Bremen, im Rothschilder Frieden 1658 allen Bremischen Ansprüchen auf Dithmarschen entsagt hatte. Unter letzteren hatte sich auch die älteste, im vorliegenden Urkundenbuehe mitgetheilte Urkunde befunden. – Unter jener Auslieferung der Landesurkunden von Seiten der unterworfenen Dithmarschen, waren zwar diejenigen, welche einzelnen Kirchen oder Gemeinden zustan

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schichte sich die mitgetheilten Urkunden beziehen,

werden grösstentheils dadurch bestimmt, dass ein kleiner, aber eigenthümlicher Volksstamm, mit beschränkten Mitteln, gegen mächtigere Nachbarn seine Unabhängigkeit zu erhalten und zu vertheidigen sucht, bis es endlich zu dem unvermeidlichen Ausgange kommt, dass alle Versuche dieser Art scheitern, und die nothwendige Unterwerfung unter eine höhere Autorität erfolgt. Dies giebt sowohl der Geschichte, als den Urkunden, in welchen sie sich ausspricht, etwas einförmiges, obgleich auch diese Seite derselben nicht ohne Interesse ist. Dagegen finden wir ihre merkwürdigste und lehrreichste Bedeutung in den, so manche Eigenthümlichkeit bewahrenden innern Verhältnissen und Rechten des Landes und Volkes. Es war des Vfs. Absicht, einen zusammenhangenden Faden durch die schriftlich beglaubigten Jahrhunderte, eine gewisse innere Continuität der Reihenfolge urkundlicher Zeugnisse herzustellen, und dies konnte er nicht, ohne zumal für die ältere Zeit einzelne Urkunden wieder aufzunehmen, die schon anderswo, wiewohl weniger correct, gedruckt waren. Dies Verfahren bedarf keiner Entschuldigung; im Gegentheil möchte man wiinschen, dass der Herausg. in dieser Beziehung sich noch mehr Freiheit erlaubt haben möchte; auch gesteht er selbst, dass er noch manches Dokument wiedergegeben haben würde, wenn ihm davon die Urschrift, oder eine völlig glaubhafte Abschrift zur Hand gewesen wäre. Alles versichert er übrigens aus zuverlässigen Handschriften mitgetheilt zu haben, mit Ausnahme einiger, das Verhältniss Dithmarschens zu Hamburg und dem entstehenden Hansebunde aufklärenden Urkunden, welche aus dem bekannten grossen Sartorius-Lappenbergischen Werke entlehnt sind, wo man sich auf ihren genauen Abdruck verlassen kann. Die allseitige Vollständigkeit des vorliegenden Urkundenbuches leidet jedoch dadurch einen nicht unbedeutenden Abbruch, dass der Herausg. fast alle, auf das Verhältniss Dithmarschens zum Erzstift Bremen bezügliche Urkunden deswegen hier weggelassen hat, weil er dieselben seiner im Jahre 1829 erschienenen Schrift: „das alte Dithmarschen in seinem Verhältnisse zum Bremischen Erzstift" einverleibt hat; so dass also erst durch die Verbindung dieses Werkes mit dem vorliegenden Urkundenbuche, die beabsichtigte Vollständigkeit erreicht wird. Uebrigens hat der Herausgeber in diesem Urkundenbuche sich nicht, wie es bei ähnlichen Werken meistens zu geschehen pflegt, auf die ältesten Zeiten

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