Abbildungen der Seite
PDF

ALLGEMEINE LITERATUR - zEITUNG

[merged small][merged small][merged small][ocr errors]

2) BoNN, b. Weber: „Die Altpersischen Keilin

schriften von Persepolis. Entzifferung des Alphabets und Erklärung des Inhalts. Nebst geograÄ Untersuchungen über die Lage der im erodoteischen Satrapienverzeichnisse und in einer Inschrift erwähnten Altpersischen Völker. Von Dr. Christian Lassen, ausserordentl. Prof. an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms Univers., Ehrenmitgl. der Asiat. Gesellschaften zu Calcutta und London und der Königl. Norwegischen Gesellsch. d. Wissensch. zu Drontheim. Ä VI u. 186 S. 8. Mit 2 Keilschrifttafeln RIM k«, 3) HANNovER, in d. Hahn. Hofbuchh.: Neue Beiträge zur Erläuterung der persepolitanischen Keilschrift. Nebst einem Anhange über die Vollkommenheit der ersten Art derselben. Bei der ersten Secularfeier der Georgia Augusta in Göttingen herausgegeben von Dr. G. F. Grotefend, Director des Lyceums zu Hannover, Corresp. d. königl. Soc. d. Wiss. zu Göttingen, auswärt. Mitgl. der königl. asiat. Gesellsch. v. Grossbrit. u. Irland in London, und Mitgl. and. gel. Gesellsch. 1837. 48 S. 4maj. Mit 4 Steintaf.

Unter allen Gebieten der Wissenschaft giebt es nur wenige, welche dem am Schlusse verflossener Zeiträume das Geleistete Ueberschauenden so offenbare und glänzende Fortschritte der Forschung zeigen, als derjenige Theil der Paläographie, der sich die Entzifferung solcher alten Inschriften, welche in einer unbekannten Schrift eine unbekannte Sprache enthalten, zur Aufgabe gemacht hat. Von der allgemein verbreiteten Meinung, dass hier die Erklärung ausserhalb der Grenzen äer Möglichkeit liege, bis zur allgemeinen Ueberzeugung der Untersuchenden, dass das Meiste und Wissenswertheste richtig erforscht vorliege d. h. dass ein grosser Theil der Inschriften mit eben der Gewissheit gelesen und verstanden werde, als wären sie in unsern Mutterspra4. L. Z. 1838. Erster Band.

chen verfasst, ist verhältnissmässig nur eine kurze Zeit verflossen, welche lehrt, was Benutzung günstigen Zufalls, glückliche Divination, ausgebreitete und gründliche Gelehrsamkeit, hohe Anstrengung in Wiederholung und Prüfung der sich darbietenden Combinationen, vereint vermögen.

Das eben vollendete Jahr erinnert sogleich an ein luculentes Beispiel, wenn man im Gebiete der phönizischen Schrift- und Sprachkunde trotz der äusgezeichneten Verdienste Bärthelémys, die durch Unklarheit und Einseitigkeit der Begriffe über Sprache und Erklärungsgesetze und durch viele eigenthiimliche Schwierigkeiten entstandene Dunkelheit und Verwirrung mit jener Vollständigkeit und Klarheit dieser Begriffe und Gesetze vergleicht, durch welche die phönizische Sprache in Geseniuss Monumenta scripturae linguaeque Phoenicide in die Reihe der bekannten Sprachen herübergetreten ist.

Andere und grössere Schwierigkeiten hat das

hinter diesem zur Zeit noch zurückstehende Gebiet

asiatischer Paläographie, auf welches sich die hier anzuzeigenden Schriften beziehen, deren zweite das interessante Schauspiel einer Aufhellung des Dunkels gewährt, in welche die eins der grössten altasiatischen Reiche beherrschende Sprache, erhalten in einer Schrift der sonderbarsten Gestalt auf Triimmern grossartiger prächtiger Bauten, bisher räthselhaft eingehüllt war,

Die Entzifferung der Keilinschriften, in den ersten Jahren dieses Jahrhunderts durch glückliche Divination begonnen von Hn. Grotefend, hat der grossen Schwierigkeiten wegen, mit welchen sie verknüpft ist, so geringe Fortschritte gemacht, dass es den Anschein haben konnte, als wäre das Dämmerlicht, in welches dieses Gebiet der orientalischen Paläographie unmittelbar nach dem Aufblitzen jener Combinationen getreten war, einer Steigerung kaum fähig; und doch lag in der durch die Eigennamen Darius, Xerxes, Hystaspes, gelegten Basis ein Reiz zu weiterer Forschung in der räthselhaften Schrift, während zugleich das archäologisch-historische, das philologische und das paläographische Interesse des Gegenstandes die stärkste Aufforderung zur näheren

Kunde desselben enthalten mussten. Zwar hat es

nicht ganz an Versuchen gefehlt. GFotefend selbst, von jener Basis ausgehend, gab zugleich mit derselben" eine Entziffering der übrigen Buchstaben und dann sogar Uebersetzungen grösserer Inschriften; da das Precäre derselben in die Augen fiel, beg" so war (1823) auf der Basis des auf der vier

sprachischen Pariser Urne befindlichen Eigennamens erxes die Entzifferung ganz von neuem, war aber noch unglücklicher, weil er nicht nur die Leistungen seines Vorgängers nicht gehörig würdigte, sondern auch die Sache überhaupt zu leicht nahm; nur Rask (1823) hat etwas Wesentliches geleistet, indem er in seiner Schrift über das Alter und die Echtheit der Zend-Sprache und des Zendavest (deutsch, Berlin 1826) eine glückliche Bemerkung hinwarf, die sich indess nur auf Entzifferung zweier Buchstaben bezog und von ihm nicht weiter verfolgt worden ist. Unter solchen Umständen müssen die Monographieen der Hnn. Burnouf und Lassen eine doppelt Ä Erscheinung seyn. Beide Gelehrte gehören zu den grössten Kennern der indischen und persischen Sprachen und der mit diesen zu verbindenden Alterthumskunde, wie ihre früheren und gleichzeitigen ausgezeichneten Werke bezeugen: beide sind vorsichtig und umsichtig, mehr oder weniger geübt in paläographischer Kritik, und wohl bekannt mit den hohen Schwierigkeiten ihres Unternehmens, zu dessen Ausführung sie daher vorzugsweise als berufen anzusehen sind. Das Interesse an der Art und Weise, in welcher jeder von beiden den Werth der einzelnen Zeichen bestimmt, das Alphabet mit dem des Zend und Sanscrit zusammenhält, die Eigenthümlichkeiten der Sprache aufzufinden und grössere Inschriften im Zusammenhange zu übersetzen sucht, wird noch durch den Umstand gesteigert, dass beide Männer, obgleich persönliche Freunde, in den Resultaten ihrer Forschungen vollkommen unabhängig von einander sind: Hr. B. ist gar nicht davon unterrichtet, dass Hr. L. gleichzeitig über Keilinschriften arbeitet, und Hr. L. erfährt erst, als die Hälfte seiner Schrift bereits gedruckt ist, dass Hr. B. im Begriffsey ein Ähnliches Werk erscheinen zu lassen; die Vorrede des Letztern ist vom Mai, die des Erstern vom 1sten Juni datirt. Diese Gleichzeitigkeit verbirgt nothwendig die grössen Vortheile, einerseits dass keine Rücksicht auf das nach mühsamem Forschen vom Freunde Gegebene die Anstrengung der eigenen Untersuchung erschlaffen liess; andrerseits dass sowohl die Vorzüge als die Unvollkommenheiten der nun neben einänder vorliegenden Resultate sich durch die Aufsuchung und Beurtheilung der Differenzen – denn dass solche, und zwar grosse, Statt finden, bringt die Schwierigkeit des Gegenstandes nicht anders mit sich – leichter angeben und auf diese Weise eine Anzahl erwünschter Anhaltungspunkte für die Fortsetzung der richtigen Erklärung der Keilinschristen ausmitteln lassen.

Die grosse Epoche, welche die in diesen beiden Schriften enthaltenen Entdeckungen in der Erklärung der Keilschrift bilden, macht, wenn sie deutlich und richtig gewürdigt werden soll,, die Darstellung des Standpunktes nothwendig, welchen dieses Gebiet vor dem Erscheinen derselben einnahm; so wie zugleich die Stille, in welcher dasselbe jetzt so lange Zeit hindurch bei Seite gestanden, gewiss die Mehr

den.

zahl der gelehrten Leser dieser A. L. Z. einige einleitende Vorbemerkungen wünschen lässt."

Im Allgemeinsten unterscheidet man zwischen babylonischer und persepolitanischer Keilschrift, deren jede von dem Orte benannt ist, welcher sie in grösster Anzahl in seinen Ruinen antreffen lässt und sich dadurch als Hauptstätte oder Vaterland derselben herausstellt. Die babylonische zeichnet sich durch ein sehr künstliches Aussehen und zusammengesetztere Gestalten ihrer Zeichen aus, nach Maassgabe deren sie in verschiedene Schriftarten zerfällt. Man findet sie meist auf Backsteinen in welche sie vermittelst Formen eingedrückt ist, und zwar nicht selten in so kleiner Gestalt, dass man des Vergrösserungsglases bedarf. Die besten Zeichnungen verdankt man Bellino, dessen Eifer und Geschicklichkeit schwerlich ersetzt werden wird. An eine Entzifferung derselben ist für jetzt kaum zu denken, wenn nicht etwa die schöne Sammlung von Zeichnungen, die Hr. Grotefend zu besitzen scheint, etwas Sicheres an die Hand giebt. Die Werke der Hnn. Burnouf und Lassen behandeln diese Schrift nicht. Die persepolitanische Keilschrift, die ausser den Ruinen von Persepolis auch in Medien (Ecbatana), Susiana (Susa), Armenien (am See Van), Aegypten (auf einer Urne und am Verbindungscanal des Nils mit dem rothen Meere), Südrussland (Tarku?), gefunden worden ist, tief und sorgfältig in Marmor oder härten Granit eingegraben, ist eine Hauptzierde jener colossalen Trümmer der Paläste, Grabmäler und andern Monumente der Könige von Persien aus der Dynastie der Achämeniden, auf welche sich die Inschriften in dieser Schrift so ausschliesslich beziehen, dass man letztere geradezu die achämenidische nennen könnte, woraus ihr hohes Alter und ihr allgemeiner Inhalt zugleich erhellt. Die bis jetzt abgezeichneten Inschriften verdanken wir den Reisenden Chardin, Kämpfer, Le Brun, Wiebuhr, Morier, Ouseley, Ker Porter, jetzt auch Schulz, Price, Bellino und Andern, unter welchen besonders NViebuhr seines Fleisses und seiner Aufmerksamkeit wegen zu rühmen ist. Die Gestaltung dieser Schrift ist von einer Einfachheit, die man kaum für möglich halten sollte: die ganze Schrift besteht nur aus zwei Figuren, einer keilförmigen die bald grösser, bald kleiner ist, bald aufrecht steht, bald nach links liegt, und einer winkelkeilförmigen : <; durch Zusammensetzung und Wiederholung dieser beiden Figuren entstehen Zeichen (Keilgruppen), die durch einen Punkt von einander geschieden werDabei zeigen diese Inschriften drei verschiedene Schriftgattungen neben einander, nIle auf diese Weise gebildet, nur dass jede derselben andre KeilFÄ oder eine andré Keilgruppirungsart hat. iese drei Schriftgattungen, die offenbar. Einen Inhalt jede nach ihrer Weise ausdrücken, stehen überall in derselben Ordnung über oder neben einander, so dass man sie durch die Benennung, der ersten, zweiten, dritten Gattung bequem bezeichnen kann. Offenbar enthalten sie nicht Eine Sprache, sondern

[graphic]

jede von der andern trennt, geradezu für blosse Buch- barkeit sprachlicher Wahrscheinlichkeit drückend bestaben zu nehmen, worin man durch die ausserordent- merkbar wurde, musste Hn. G. die Beistimmung verliche Frequenz, in der einzelne Keilgruppen in einer sagt werden. So gewiss die meisten in den 3 Königsund derselben Inschrift vorkommen, so sehr bestärkt namen vorkommenden Buchstaben richtig entziffert wurde, dass man (mit O. G. Tychsen und Münter) waren, so ungewiss blieb man über alle übrigen. schon für sicher annahm, in dieser Schrift würden. Eine schöne Bestätigung der Entzifferung jener Nadie Vocale nicht wie im Senitischen und im Déwa- men gab 1823 die von Champollion und Saint Martin nägari behandelt, sondern wie im Zend als Buchsta- gemeinschaftlich beleuchtete viersprachige pariser ben dargestellt. Die beiden eben genannten Gelehr- Urne, auf welcher eine kleine Inschrift in den drei ten fanden ferner, dass der einzelne Schrägkeil, wel- persopolitanischen Keilschriftgattungen, die mit chen man nach einer kürzeren Reihe von Buchstaben dem Namen des Xerxes beginnt, eine gleichzeitige (mindestens 2, höchstens 11) wiederkehren sieht, ein hieroglyphische zur Seite hat, in welcher derselbe corttheilendes Zeichen sey; jetzt konnte man schon Name leicht lesbar sich darbot. Zwar bedurfte es von einzelnen Wörtern, ihrer Aufeinanderfolge und dieser Bestätigung längst nicht mehr, doch wurde Häufigkeit Schlüsse über den relativen Inhalt begin- Saint-Martin dadurch veranlasst, eine neue Entziffenen. Von dem Hauptinhalte der Inschriften, na- rung der Keilschrift zu entwerfen. Die Arbeiten mentlich der kürzeren, welche von den Thüren der dieses Gelehrten, so weit sie sich auf Entzifferung hebeiden Paläste zu Persepolis abgezeichnet sind, liess ziehen, entsprechen indess dem Ruhme nicht, den sich so viel errathen, dass Namen und Titel persi- sich französische Ä de Sacy) auf scher Könige, die diese Paläste erbaut, darin zu su- dem Gebiete asiatischer Paläographie erworben hat: chen seyen: und schon zeigte Münter auf ein in jeder das von ihm gegebene Alphabet, in welchem z. B. Inschrift vorkommendes Wort hin, welches „König" die Buchstaben B und R identificirt und einige aufbedeuten werde, vorzüglich da es öfter zweimal un- gestellt werden, die blosse Fehler der Zeichnungen mittelbar neben einander steht, das zweite Mal mit sind, macht den Mangel an Fleiss augenscheinlich; einer Endung, worin er sehr glücklich, den in Monu- und wenn bei solchen Irrthümern dennoch einiges menten persischer Könige zu erwartenden Titel „rex Wenige richtig von ihm getroffen worden ist, so beregum" vermuthete. Aber noch liess sich kein Buch- merkt man sogleich, dass bei dem was darunter das stäbe mit Sicherheit bestimmen; es zeigte sich keine Beste ist (der Vocal i, den aber St. M. nur annäheAehnlichkeit mit andern nach Ort oder Zeit oder rungsweise durch sein y bestimmte), sich keine AhSprache diesem Schriftcharakter nahe stehenden nung, der philologischen Gründe, die jetzt Hr. LasSchriften; man konnte so von Feststellung zerstreu- sen dafür trefflich erörtert hat, vorfindet. Seine ter Buchstaben nicht ausgehen, man musste gleich glückliche Benennung der drei persepol, Keilschrifteine Reihe von Buchstaben, mehrere Wörter auf ein- gattungen hat Rec. oben gerühmt. mal finden. Das grosse Verdienst, dieses gethan zu - - - haben, hat Hr. Grotefend. Einsichtsvoll die Leistun- Das Ä in Ergen seiner Vorgänger prüfend, entschieden das Ver- klärung der Keilschrift trotz des von Hn. G. gemachfehlte derselben (das Rec. hier der Kürzc wegen ten schönen Anfangs war und hlieb die Unbekanntübergangen hat) verwerfend, fand er durch die von schaft mit der Sprache. Die Zendbücher zu Paris, ihm selbst (in Heerens Ideen Th. 1. Beilage II.) dar- von deren Sprache anzunehmen war dass sie der der gestellten Combinationen die Namen Werres, Darius, Keilinschriften am nächsten stehe, bedurften ja, da Hystaspes, deren Vorhandenseyn ausser archäologi- bekanntlich Grammatik und Lexikon fehlten, selbst schen Gründen schon durch ihre relative Stellung in ähnlicher Forschungen, wie Inschriften, in wenig den Inschriften sogleich ausser Zweifel gesetzt wur- bekannter Sprache. Der Erste, der mit jo de, wobei sich zugleich das „König" bedeutende rer Kenntniss des Zend ausgerüstet über Keilschrift Wort dadurch, dafjni den NÄn Xerxes glei- sprach, war der vielseitige Sprachkenner Rask, desche Anfangsbuchstaben hat, aus dem Zend bestä- sen Bemerkungen so Ä waren, dass man nur tigte. So erhielt Hr. G. die Potenz einer Anzahl von den geringen Umfang derselben bedauern musste. Man Buchstaben, durch deren Hilfe er sofort alle übrigen, kann sich sogar kaum der Vermuthung enthalten, er mit Ausnahme eines einzigen, durch Schlussreihen habe die grössern Niebuhrschen Keilinschriften gar über welche nichts verlautete, bestimmen zu können nicht gesehen, sondern kenne nur die kürzern aus einer meinte, und diese Bestimmung auch wirklich a. a. O. secundären Quelle (etwa aus einer Abhandlung Belbekannt machte. Da man indess, wenn man diese linos in den Transact. of the lit. Soc. of Bombay), da Lesung annahm, zu viele Wörter von wildfremder er die so nahe liegende Anwendung seiner BemerPhysiognomie erhielt und überhaupt die Unerreich- kungen nicht gemacht hat. - - - - - - -

(Die Fortsetzung folgt.)

- * -,
. . . . . . .

. . . . . "

[graphic]
[ocr errors]
« ZurückWeiter »