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Schrift erschienen ist), sondern vorzüglich auch die Autoritäten, die in der ersten Ausg. den Bedeutungen beigesetzt waren. Eine dritte As... Von welÄher bereits die Rede ist, wird hoffentlich diese Mängel wieder decken. Von Bopps Glossar ist nur erst Fasc. I. angeführt, da es doch längst vollendet ist und schon eine neue Ausgabe desselben bevorsteht. So kennt der Vf. auch von Burnouf's Vendidad - Sade nur die drei ersten Lieferungen und die Ausgabe der Parsen zu Bombay noch gar nicht. Der Vf, der Commentatio de affinitate etc. Vindob. 1827 (nicht 1817, wie S. 69. 74 steht) ist Prof. Wenderich. Bei Aufzählung der sich immer mehr häufenden Arbeiten über vergleichende Sprachkunde S. 62 – 9 wäre eine strengere Scheidung des jetzt noch Brauchbaren und Besseren von dem mit unterlaufenden Unbedeutenden oder Nichtswürdigen sehr an der Stelle gewesen; der Anfänger zumal wird hier am wenigsten wissen wohin er sich wenden soll. Am Schlusse erwähnt der Vf. Diefenbachs Werk über die romanischen Sprachen mit den Worten, die wie manches Andere seinen Mangel an Sachkenntniss auf eine recht fühlbare Weise zu Tage legen: „Der Romanische Sprachstamm (sic) soll ebenfalls zu dem indo-germanischen gehören": als wenn das irgend anders seyn könnte, wenn das Römische dazu gehört!

II. Denkmäler der Sanskrit-Sprache und ihre Literatur (scil. im Allgemeinen, s. Th. III.) Hier werden die wichtigeren Inschriften und die sie betreffenden Abhandlungen in genügender Vollständigkeit nachgewiesen, ebenso die Werke und Aufsätze, die über Umfang, Werth u. s. w. der Sanskrit-Literatur handeln.

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dus entstanden, wie man aus S. 158 Not. 1 schliessen könnte, sondern es ist englische Corruption des portugiesischen gentios d. i. gentiles. In dem Abschnitt über die philosophische Literatur ist die englische Uebersetzung von Talboys besonders reichhaltig, und die zweite Ausg. Hn. Adelung's hat dies neue Material mit Anerkennung herübergenommen. Die Astronomie der Inder betrifft auch ein Aufsatz von Schaubuch in Bode's astron. Jahrbuch für 1812. Nr. 6. Zu S. 195 über das Ziffersystem der Inder s. noch die Transactions of the litter. Society of Madras Th. 1. Nr. 4, zu S. 222 über Metrik Ferd. Benary in der Einleitung zu Malodaja. Ueber die HindiUebersetzung des Ramájana durch Tulasi Dása, Calcutta 1815, welche in Indien so viel gelesen wird, ist der Vf. S. 228 im Unklaren. Eine authentische Notiz darüber, wie auch über andere Werke jenes populären neueren Dichters, giebt u. a. Wilson in den Asiat. Researches T. XVI. p. 49. Ueber Mahabharata ist jetzt Lassen's Ä Abhandlung nachzutragen in der Göttinger orient. Zeitschr. Bd. . H. I. Die persische Uebersetzung der Episode von Nal und Damajanti (S. 246) wird dem Feizi zugeschrieben, sie befindet sich handschriftlich auch in Dresden, s. Fleischers Catalog Nr. 321. Die zweite Ausgabe von Iückert's Bearbeitung der Episode von Wulus ist kürzlich erschienen (Frankf. 1838). Ueber Bhodscha Prabandha (S. 268) steht das Richtige in Mackenzie Collection I. p. 112. Zu S. 275 kommt jetzt noch Rückert's meisterhafte Uebersetzung von Gitagovinda in der Göttinger orient. Zeitschr. Bd. 1. H. 2. Die Calcuttaer Ausgabe der 100 erotischen Stanzen des Amaru ist unsres Wissens schon im J. 1819 und zwar mit einem Commentar erschienen. Die Pseudonymität des französischen Herausgebers Aptdy d. i Chézy von dem lateinischen apud (chez) und y giebt der Vf. richtig an; es hätte aber noch bemerkt werden können, dass Chézy nicht das Ganze, sondern nur eine Auswahl von 5 Stanzen mittheilt, wie Rückert von diesen wieder nur 38 übersetzt hat. So ist auch Dubois Uebersetzung der Pantscha Tantra nicht eine „vollständige", wie S. 282 steht, sondern nur eine theilweise. Unter den deutschen Uebersetzungen von Calila we Dimna fehlt noch die von Ph. Wolff, Stuttgart I837. Von den älteren europäischen Uebertragungen fehlen mehrere, deren vollständige Aufzählung jedoch kaum verlangt werden kann. Vortrefflich in seiner Art ist jetzt der Abschnitt von den Erzählungen und Mährchen, S. 296 bis 308, so wie der darauf folgende von den Dramen, wie dies nach den neuesten Arbeiten auf diesem Felde zu erwarten war. In Betreff der deutschen Bearbeitung des Wilson'schen Theater der Hindu's möchte der Vf, im Irrthum seyn, wenn er zuvörderst den ersten Theil aufführt als von H. H. Hermes übersetzt, Weimar 1828, und dann als eine davon verschiedene Uebersetzung die von O. L. B. Wolff, Th. 1. 1829 und Th. 2. 1831. Diese letztre existirt, aber Th. I mit der Jahrzahl 1828. Die erstere Angabe scheint nur auf irriger Zeitungsnachricht J

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zn beruhen und auf dem Umstande, dass sich der Uebersetzer erst in dem Vorwort zum zweiten Theile genannt hat. Uebrigens ist eben die Wolf'sche Uebersetzung meistens metrisch; auch enthält sie äusser den vollständig übersetzten Dramen in einem Anhange des zweiten Theils Nachrichten und stückweise Uebersetzung anderer nach Wilson, so jedoch, dass zwei derselben hier nur im Auszugestehen, die Wilson vollständig übersetzt hatte. Auch ist über diese VVolff'sche Bearbeitung Bohlen's Recension zu vergleichen in dieser A. L. Z. 1833. St. 63. 64. Höfer's deutsche Uebersetzung von Urvasi, Berlin 1837, kannte der Vf. noch nicht. Mudra Rakschasa ist zu Calcutta 1831 gedruckt und im Auszuge auch von Wolff übersetzt. Die Nachträge, ohne welche ein Buch der Art nicht bestehen kann, nehmen 33 Seiten ein. Den Beschluss macht das doppelte Register der angeführten Schriftsteller und der Büchertitel, wie schon bei der ersten Ausgabe. Das Verzeichniss, der Verbesserungen tilgt bei weitem nicht alles Fehlerhafte, ja nicht einmal die Druckfehler. So steht z. B. S. 95 Fetl fiir Fell, S. 147 Duvancel für Duvaucel, S. 318 Kama für Rama, S. 319 Vasantasema für Vasantasena, S. 244 Durdschodhana für Duryodhana, S.268 Bhoga für Bhodscha und vieles Andere, dem wir hier den Raum nicht opfern können. Der Vf, hat allerdings viel Ungehöriges getilgt, aber S. 51 z. B. steht noch die von Wilkins edirte Wurzelsammlung doppelt aufgeführt. Er wollte durch das ganze Buch deutsche Schreibung der Sanskritnamen einführen, aber sehr häufig findet man noch englische oder anderweitig corrumpirte Orthographie. Der Vf, würde wohlthun, wenn er das Buch vor einer dritten Auflage eiÄ Kenner des Sanskrit zur Durchsicht vorlegen wollte. –

VÖLKER KUNDE.

MANNHEIM, b. Hoff: Sittengallerie der Nationen. Das Buch der Völker in Bildern und Vignetten von Dr. Le Petit. 1836. 520 S. gr. 8. (i Rthl. 12 gGr.)

Man begreift nicht wohl die Motive und den Zweck dieser Publikation. Wir möchten sie, in dieser letztern Beziehung, einem Kunstwerk vergleichen, das bekanntlich, nach den Lehrsätzen der Aesthetik, um sein selbst willen da seyn soll. Der Verf. bewährt sich übrigens als ziemlich guter Zeichner und besonders als Farbenmaler; nur gewährt dem Beschauer, der in dem Portefeuille, das er vor ihm ausleert, etwas Weues, Originelles zu finden wünscht, dasselbe eben keine Befriedigung. Die Sprachform ist poetische Prosa, die sich freilich mit der Statistik, deren Bereiche das Werk, seinem wesentlichsten Inhalte nach, angehört, nicht ganz gut verträgt. Dr. L. P. hatte dabei vielleicht die wohlmeinende Absicht, eine so trockene Wissenschaft, wie die Staatenkunde ist, für einen grossen Kreis etwaiger Dilettanten desto zugänglicher zu machen. Inzwischen

ist es unmöglich, dass der gute Doctor, giebt er uns auch zu verstehen, er sey ein viel und weitgereiseter Mann, durch eigne Anschauung, alle jene thatsächlichen Notizen einsammelte, welche Gegenstände seiner Schildereien sind. Er entlehnte solche daher, zum grössten Theile wenigstens, bereiten Quellen, die er uns, weniger mit Umsicht und Fleiss, als nach Geschmak und Laune, ausgebeutet zu haben scheint. Denn sind wir bei Durchwanderung seiner Gallerie eben auf keine sehr bedeutenden Unrichtigkeiten in den Hauptzügen der Abbildungen jener Gegenstände gestossen; so ist er doch bei deren Auswahl ganz Planlos, fast nur willkürlich zu Werke gegangen und ohne sich von irgend einer konsequent durchgeführten Idee leiten zu lassen. In der Detailausführung aber ist manches Bild, – und das Buch enthält, wie schon das Titelblatt verheisst, ihrer gar mannigfaltige, – in ein zu helles, manches Andere in ein zu dunkeles Licht gehalten, um der Natur treu zu seyn. Mehrere Bilder erscheinen auf diese Weise sogar als wahre Karrikaturen, deren Bedeutung man nur an einigen besonders hervorstechenden Zügen erkennt. Die Ursachen solcher Missgriffe muss man freilich grossen Theils in den poetischen Bestrebungen des Vf's. suchen, der es eben desshalb mit der Platten Wirklichkeit so genau nicht nehmen konnte und in deren Stelle die Gebilde seiner Phantasie setzte. Daher kommt es denn, dass er verkleinert oder Vergrössert, verschönert oder verzerrt, je nachdem diese Wirklichkeit seinem Ideale entspricht oder hinter demselben mehr oder minder zurückbleibt. Vorbehaltlich unser hier nur in Kürze angedeutetes Urtheil im Verfolg unseres Berichtes näher zu begründen, wollen wir es jetzt versuchen von der innern Einrichtung der vor uns sich erschliessenden Gallerie einen Begriff zu geben. Mit den Geographen unsern Planeten in fünf Haupttheile zerfälsend ist jedem derselben eine besondere Section gewidmet, die eine gewisse, wiewohl sehr ungleiche, Zahl von Bildern, Vignetten, Medaillen u. s. w. in sich begreifen. Doch scheint der Vf. ganz besonders mit der alten Asia befreundet zu seyn. Sie sitzt ihm zu sieben Bildern und giebt ihm Stoff zu nahe an 40 Vignetten. Wir wollen die Ueberschriften der Bilder anführen, weil sie bezeichnend sind; sie heissen: Inden's Weisheit; – China's Thorheit; – Japan's Eifersucht; – Persien's Chronik; – Arabien's Weihrauch und Palestina's Altar; – Siberien's Völkerschmach; – Kleinasien's Mondbeleuchtung. – Beschauen wir einige dieser Bilder, um deren Umrisse hier wieder zu geben: Indiens Weisheit offenbart sich dem Doctor ganz besonders in den Grundzügen des Brahmaglaubens; in dem versöhnenden Kontrast zwischen alter und neuer und doch derselben Kultur – », wie sie allmälig .... Menschengestalt gewinnt und sodann sich durch die sieben Läuterungsperioden des Lichts zu einer Dewesa oder Genie aufschwingt." Das bekannte indische Kastenwesen will nun zwar der Vf- eben nicht billigen. „Aber dass es in Indien nimmer Vertilgt werden kann, bemerkt derselbe, ist

der beste Beweis dafür, dass sich all überall die Extreme berühren, dass Tugend nur da blüht; wo Laster als schützendes Unkraut keimt, dass Weisheit sich da am glänzendsten zeigt, wo ihr Dummheit ent gegensteht." Von den Bajaderen heisst es: „sie sind die irdischen Houris des beseligenden Hinduglaubens, sie sind die Vermittlerinnen zwischen dem Unsichtbaren und dem Wirklichen, zwischen Andacht und Befriedigung der Sinnenlust, zwischen Tugend und Frevel." Die Religion heiligt Alles und das InenschIiche Wesen ist das Gesetz der Sittlichkeit (!?). „Endlich nachdem der Doctor eingeräumt, dass die IHindus, mit Ausnahme einiger kriegerischen Völkerschaften, einen fanatisch – religiösen und deshalb verweichlichten Character besitzen, schreibt er ihnen gleichwohl einen ritterlichen Geist zu, „der überall vorherrscht", der aber doch ein anderes Ritterthum, als das des europäischen Mittelalters ist. „ Denn, sagt er, das Faustrecht, die Grundstütze jener feudalistischen, Poesie, war und ist in Indien nur das von den hundert und zehn Geboten geheiligte Gesetz der Geburt, das keinen andern Kampf kennt, als den mit der eignen Seele, keinen Kontrast, als in und mit sich selbst, keine Hoffnung, als in seiner Resignation, keine Versöhnung, als in seinen Maxi1nen.” – In dem Bilde von Palestina heisst es unter andern mit Bezugnahme auf das Christenthum: „Der Geist Gottes war von den Hebräern gewichen, und sein Fluch traf eine Nation, welche nur als trauri

es, warnendes Beispiel auf den Tafeln der Geschichte Platz findet. Oede und verlassen stand Palestina's entweiheter Altar; doch dass er nicht in Schutt sinken, sondern sich als herrlicher Tempel über den gesammten Erdkreis ausstrecken sollte, sandte der Herr einen neuen (!) Messias, seinen eingebornen Sohn .... Der Altar war nicht länger ohne Weihrauch; das Christenthum in seiner ursprünglichen Gestalt, wie Jesus es lehrte und wie seine Apostel es predigten, ist der edelste Myrrhaduft, womit ein Mensch hoffen darf, Gott wohlgefällig zu werden. Schnell gestaltete sich der Altar zur Kirche; doch in dieser Kirche entstanden trotz Bibel und Märtyrthum neue Altäre, Religion war Politik geworden; die Christen zankten sich darum, wie hungrige Hunde un einen abgenagten Knochen oder den Geruch eines Bratens, und Europa wurde das Sakrosanktum des neuen Tabernakels, oder besser gesagt, der feuerfeste Speicher des schon in sich zerfallenden Religionsmagazins..." – Unter Siberien begreift der Vf. auch die Kaukasusgegend, nämlich alle Länder zwischen dem caspischen und schwarzen Mieere, dem Arat, den Kubän und Kama. „Quos ego! quo ego! ruft er aus, das ist Siberiens Völkerschmäch!" Worin aber eigentlich diese Schmach besteht dies wird uns erst mit den letzten Pinselzügen des Bildes recht klar. Es ist dieselbe nämlich das tiefe Leid, das die verschiedenen Völker Siberiens über die ihnen gewtsm aufgedrungene Kultur empfinden, eine Schmach, schliesst der Vf, „die

Alexander I. so gut begriff, und deren Ausführung seine Nachfolger gewiss nicht aus den Augen lassen werden." – Aus dem Bilde „ Kleinasijs Mondbeleuchtung mögen, um einen Begriff des Ganzen zu geben, folgende Züge hier wiederholt werden z, Mahmud II. liegt vorläufig noch auf weichem Dij im Serail zu Constantinopel; er schmaucht seine Cogaro» , er kaut an seinem Opium, er zerkaut die englische Stahlfeder, mit der er häufig geheime KÄ

binetsordres à la Louis XIV. befördern will. Aber das Schreiben geht nicht; sein Sekretair kommt, ein französischer Renegat, – und die erlauchtj

Hände belustigen sich allergnädigst damit, einen Bäcker, dessen Brod zufällig zu klein war, mit dem linken Ohre an die Thüre des eignen Ladens zu j geln, oder einer fränkischen Odalisque Lebensart einzublasen; T machmal sogar durch die Nase, wie Gott den Adam das Leben einblies...." Nach diesein Eingange führt uns der Doctor bei Mondschein, auf» den himmelragenden Giebel der hohen ottomannischen Pforte, die, gleich einem rhodischen Colosse, Costantinopel, einst der Sitz griechischer Kaiser,. mit Seuavi, dem Kirchhofe Constantinopels, j det." Er lässt uns nun weithin in die Fernejd Ä allen chtungen schauen, führt flüchtig einige Bilder der Vergangenheit uns vor und schijstjdann: »so lange der Türke noch freien Fuss hat in Europa, so lange er nicht entweder seinem Isaj ganz entsagt, oder ihn treu hält, grünt in Kleinasien kein Eichenlaub des bürgerlichen Verdienstes, des allgemeinen Glücks. Auch das Rosenöl enthält Dornen; – der Tieger schläft nicht." Ungleich kürzer wird Africa abgefertigt; seine Zustände werden mittelst 23 „bunten Vignetten aus der Gegenwart skizzirt. Zuerst „Aegypten unter Mehemet - Ali." Diese Skizze ist treffend und schliesst mit einer Bemerkung, deren Richtigkeit Anerkennung verdient. Nachdem nämlich der Vf. die von Mehemet-Ali bereits bewirkten Reformen in kurzen Zügen angegeben, glaubt er, es einer sPätern Generation überlassen zu müssen, über deÄn Zweckmässigkeit und Erfolg zu urtheilen; „doch, fügt er hinzu, vergesse man nicht, dass die Kultur ein schneidendes Messer ist, das in Kindes- oder Despotenhand gleich gefährliche Waffe wird." – Man begreift nicht wohl, wie die Vignette, Regeneration des osmanischen Reichs" in den Rahmen von 4frie passt. Ihrer Seltsamkeit wegen führen wir eine Art Sentenz an, die der Doctor nebst Anführungen ans dem Werke eines jungen Aegyptiers, „Topographie von Paris und einer Anecdote aus Florenz, "in eben diese Vignette, unter der Ueberschrift: »Alte Moral“, eingezwängt hat. „Zu schwer sitzt Europa, so lautet der Sinnspruch, auf dem Grossvaterstuhl der gesellschaftlichen Institutionen; es denkt nicht eher an den Tod, als bis ihm endlich die Wiege zur Bahre, bis sein BalanceSystem zu einer Rutschpartie wird." (Per Beschluss folgt.)

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V ÖLKER KUND E.

MANNHEIMr, b. Hoff: Sittengallerie der Wationen – von Dr. Le Petit u. S. W.

- (Beschluss von Nr. 46.) W folgen dem Vf. nach Europa, wo er, nach

einem rhythmischen Eingange, seine Gallerie mit Island eröffnet. Zu Bildern jedoch scheint ihm dieser Welttheil keinen würdigen Gegenstand geliefert zu haben: er schildert ihn uns nur mittelst», Characterzügen, Medaillen und Parallelen, nach eigner und fremder Beschauung." Die Ausführung dieser Schilderung streift nicht selten an das Burleske, zumal wenn der Doctor ironisch seyn will; so, beispielsweise in der Skizze: „das Bärenstechen in Finnland" überschrieben. „Dass Russland, wird dort gesagt, einem gigantischen Murmelthiere gleicht, weiss Jeder, der aufmerksam die Landcharte betrachtete oder die Weltgeschichte studirte; auch bemerkte er leicht, dass Finnland daran hängt, wie das naturhistorische Beutelchen, voll Wintorvorrath und gährender Säfte, oder wie ein Dudelsack voll Luft, Wasser und Musik. Besagter Beutel mag wohl hundert Meilen lang seyn und ist, wie sich's gebührt, unten viel breiter als oben." – Ob es demselben aber mit der elegischen Manier besser als mit der ironischen gliickt, mag der Leser nach folgender Jeremiade beurtheilen, wozu dem Vf. der Svinesund die nächste Veranlassung giebt. „Fürwahr ein herrliches Gewässer dieser Svinesund, so beginnt die Klage, dieser spiegelhelle Mcerbusen, der seit Jahrtausenden Schweden von Norwegen trennte, bis er in dem fluchwürdigen Jahr 1814 durch Gewaltthat geschändet ward; – Vorwegen ist eine Provinz von Schweden, seitdem Schweden einem französischen General gehört. Das alte Worwegen, das Land der hundert M1ährchen von Kraft, Biederkeit, Gastfreundschaft und Treue, es ist gesunken, wie Gomorra in einen Salzsee, es ist verwandelt worden in eine unermessliche Thränenfluth... Die himmelaufgethürmten Gebirgsmassen stehen noch da mit starrem Leben, wie früher, sie altern nicht sobald, sie emigriren nicht in fremde Länder und bleiben unabänderlich dieselben. Diese Berge sind ebrenwerthe Heroen, Norwegen's einziger Adel." Man gewahrt schon, dass es die Vereinigung Norwegens und Schweden's ist, die dem Vf. betrübt. Nachdem er nun das Motiv seiner Trübsal noch genauer bezeichnet, fährt er fort: „Die Natur trauert und weint, doch bleibt sie auch als Sclavin reizend, A. L- Z. 1838. Erster Band

und ihr wehmüthiges Lächeln versöhnt uns mit dem schwermüthigen Wahnsinnsblicke einer -todeskranken Ophelia. Die früher so rüstigen Worweger sind Siebenschläfer geworden und beten wieder, wie im Heidenthume unter Halton Jarl, steinerne Götzen oder goldene Kälber an." Dann folgt eine nationalökonomische Abschweifung, welche die materiellen Nachtheile, die aus dieser Vereinigung Vorwegen erwachsen sind, darzuthun bezweckt; und endlich führt er uns „somnambule Schatten" vor „die im magischen Mondscheinlichte die sanft hingleitenden, in einander verschwimmenden, wie lithographirten, Wogen des Svinesundes betreten." Unter ihnen figuriren Carl AII. der „Napoleon des achtzehnten Jahrhunderts" (!?) Margaretha, Waldemars stolze Tochter" die 3, noch immer vergeblich in den tiefen Schilflauben die drei scandinavischen Kronen" sucht, „die einst im blühenden Leben ihr königliches Haupt schmückten"; – „ Wasa, der Begründer seines Geschlechts, Adolph, der Schneekönig, der Held von Lützen, Gustav III., der von Ankerström ermordete Maskenheros. – Ach, das Meer ist das Schatzkästlein der Geschichte." – Der Vf. unterhält den Leser zwar wenig mit seiner Persönlichkeit; doch erzählt er uns, er sey in Stockholm gewesen „eine königliche Mission zu verrichten" mit welcher er, wie aus dem Verfolg erhellet, vom „Exkönig Gustavson" beauftragt gewesen. Bei diesem Anlass nun fingirt er eine Unterredung mit der Bildsäule Gustav Wasas, die auf ein dem Bereiche der Politik angehörendes Prognosticon hinausläuft. Der Doctor nämlich scheint des Glaubens zu seyn, es werde sich die Dynastie Bernadotte nicht für die Dauer auf dem scandinavischen Throne zu behaupten vermögen und somit ruft er denn aus: „Lebe wohl Stockholm bis auf bessere, nordische Zeiten, – bis auf Baldur's Wiederkehr"! Wir haben diesen Einzelzug nicht unbemerkt lassen zu dürfen geglaubt, weil derselbe andeutet, dass der Doctor zur Kategorie der politischen Restauratoren gehört, er auch wohl, bei aller seiner Poesie, geneigt seyn möchte, nach Zeit und Umständen in das wirkliche Leben thätig einzugreifen. – Sehen wir nun noch, bevor wir mit dem Vf. Europa verlassen, welche Schilderung er von der deutschen Literatur entwirft; wir verweilen bei dieser Schilderung, ist sie auch nur in flüchtigen Zügen hingeworfen, mit desto grösserem Vergnügen, als mehrere dieser Züge treffend sind, daraus auch zugleich ersichtlich, welcher literärischen Schule sich der Doctor selbst gern beizählen mico Derselbe beginnt mit dem Teutoburger &R &

Walde und Hermann, um mit Heine, Boerne, Gutzkow u. s. w. zu schliessen. Indessen wollen wir ihn auf dieser Laufbahn, legt er sie auch mit SiebenmeiIen-Stiefeln zurück, nicht Schritt vor Schritt folgen, sondern nur deren Hauptstadien in Kürze bezeichnen. Schon Tacitus, erzählt er uns, spricht von den kriegerisch-schwermüthigen „ Bardenliedern der Germanen; das Hildebrandslied aber beweist hin1änglich den islandisch scandinavischen Grundton der heidnisch-altdeutschen Poesiemythen. Kaiser Carolus Magnus und Eginhard sammelten diese Volksgesänge und waren demnach die ersten Kritiker und Anthologisten in Deutschland. „– Die bemerkenswerthesten Früchte” des vom neuen Christenthume inoculirten Baumgartens „ waren Ottfrieds" Evangelienharmonie „und das niederrheinische Loblied auf den heiligen Anno, Erzbischof vou Koeln. – „Der Minnegesang war die Glocke der vom Feudalismus umschanzten, mit duftenden Wiesenblumen umkränzten Kapelle." – Mit dem Ritterstande sinkt der chevalereske Minnegesang; „die Dichtkunst wird zünftig." – Mit der Kirchenverbesserung trat auch eine Revolution in der Litteratur ein; denn diese ist nur „das von allen Seiten und zu jeder Zeit rein aufgefasste Spiegelbild des Völkergläubens." – Indess entflieht mit dem dreissigjährigen Kriege die Poesie vor dem Waffenklang; und nunmehr tritt „die Maiund Augustzeit der Gelegenheitsreimerei" ein, wo „jedes Genie versinkt im Moraste der Alltäglichkeit und der süsse Kern vermodert in der „güldenenwurmstichigen Schale.” – „ Indess hat sich die Schweiz durch republikanische Ideen gross gefüttert; es ist ein Mittelding zwischen Gans und Schwan. Johannes von Müller, Haller und Gessner ergreifen ungehindert das alte Ritterschwert, dass es nicht rostig werde in der väterlichen Halle. Gewaltig kämfen sie die Gottschedianer an . . . . Gellert, Rabener, Gleim, Hagedorn etc. boxen sich rüstig, jedoch stets anständig in dieser Bücherbataille herum. Lessing erzeugt die Kritik und das Drama, Klopstock gebiert die Ode und die göttliche Komödie, Herder schafft die Parabeln und Paramythien, Wieland zaubert das Ritterepos und die philosophischen Romane. – Reges Leben waltet in Mittel- und Norddeutschland, im Bezirke des Protestantismus; . . . Unzählige exotische Pflanzen keimen auf . . . und dennoch fällt die Blüthenepoche der Mistbeetgewächse und des wild wuchernden Unkrauts erst in die Anfangsdecennien unseres Jahrhunderts. Jean Paul sitzt in Baireuth . . . und schnitzelt bedächtig unsterbliche Gedankenfloskeln zu wahnsinnig weisen Romanen zusammen; Ludwig Tieck . . . weiss sogar in Berlin Mährchen aufzufinden; Wovalis und Zacharias Werner grämeu sich, Friedrich Schlegel und Müllner magern sich zu Tode. Als Transparent mit bengalischem Feuer umziehen vier grosse Namen Deutschlands Horizont, und wir lesen: Kant, Fichte, Schiller, Goethe! . . . Schiller starb den rechten Moment und Goethe erlebte kaum die Juli- Revolution. Ach es war, so alt wie er auch war, der alte Goethe nicht

mehr. Der „westöstliche Divan" ist schon sein litterarisches Testament; . . . Deutschland freut sich, dass es einen Mentzel hat; – aber auch dieser Mentzel träumt sich einen König Wenzel und giebt sich riicksichtslos seinen Scharfrichterlaunen hin, so dass er nichts verschont, als höchstens den schwäbischen Apostelverein eines Uhland, Pfizer und Gustav Ä 12 Als erstes Bild jenseits des Oceans sitzen unserm Sittenmaler die Vereinigten Staaten von Nordamerica. Wir entlehnen demselben nur einen Zug. „Und was ist ganz Nordamerika?" fragt der Doctor. „Ein neuer glücklich vollbrachter Aderschlag an dem schwindsüchtigen Cadaver Europa's." – Ein anderes Bild führt die etwas seltsame Ueberschrift: „Brasiliens Metempsychose die der Vf. wie folgt, periphrasirt: „ Ein konstitutionelles Kaiserreich bleibt immerdar nur ein zierlich blanketirtes Pülverchen von Zucker, Cremortartar, Glaubersalz und Arsenik, lauter süssgiftige Billiontheile, Freiheitsextract in einem Meere von Galle, Prunksucht, Farbenwechsel, Laune und Sclaventhunn aufgelöst. Ein neues Säculum weiht Brasilien zu einer Republik, das ist Brasiliens Metempsychose." Den Beschluss endlich macht „Australiens Christenheit” als „ Alleinbild" des fünften Welttheils. Es ist weit weniger eine Schilderung der Gegenwart, als eine Vision der Zukunft, zufolge welcher dort, aus dem Kampfe „zwischen einem wahren Heidenthume und einem verfälschten Christenglauben" die „auf ihre edelsten Grundnormen zurückgeführte „Christenheit hervorgehen wird." Dess, ruft der Doctoraus, freue sich der Christ, wenn das Crucifix längst auf dem Grabe unsrer Söhne vermodert, – wenn ein neues, unauslöschliches Paar den grossen Völkeraufstand glücklich beschwigtigt!"

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Die Aufgabe, deren Lösung der Vf. dieses Buchs übernimmt, ist wohl eine der wichtigsten und umfassendsten im ganzen Gebiete der socialen Wissenschaften, da sie das eigentlichste Subject derselben, den Menschen selbst und die Erforschung der Idee betrifft, wonach er gebildet ward. An sich ist zwar nun diese Aufgabe keinesweges neu, indem Denker aller Epochen sich mit der Erörterung des nehmlichen Gegenstandes schon vielfältig beschäftigten; allein der Weg, den H. B. um zu seinem Ziele zu gelangen einschlägt, verdient jedenfalls specielle Beachtung, sollte es ihm auch in Anderer Augen nicht gelungen seyn, dieses Ziel so vollständig zu erreichen, als er sich selbst verspricht. Der Vf, nämlich geht von der wohl etwas hypothetischen, Prämisse aus, es sey der Mensch, nach seiner Naturanlage, dem

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