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A LL GEM E IN EN IL I T ER A TUR - zEITUNG

Mai 1840.

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Am 4. März starb zu Fulda der als Kanzelredner ausgezeichnete Präses des Klosters auf dem Frauenberge A. Wighard, 42 Jahr alt. Den 5. März zu Mannheim der Medicinalrath Dr. Reinhard Steimmig, der sich als medicinischer Schriftsteller durch mehrere Aufsätze in Journalen, namentlich aber durch die Schrift: Erfahrungen und Betrachtungen über das Scharlachfieber und seine Behandlung (Karlsruhe 1828) bekannt gemacht hat. An demselben Tage zu Hannover der Stadtphysicus und Medicinalrath Dr. Georg Friedrich Mühry, IRitter des Guelfenordens seit 1830. Er hat mehrere englische Schriften, wie von Thomson über Nervenbeschwerden (1798), von Portal über die Lungensucht, von Rob. Willan über Kuhpocken-Impfung (1808) ins Deutsche übersetzt und Niemeyer's Materialien zur Erregungstheorie herausgegeben. Zu Journalen lieferte er zahlreiche Beiträge. An demselben Tage zu München der Consistorialrath und Decan P. C. Ebermayer, 70 Jahr alt. Den 8. März zu Weimar der früherhin bei der Preussischen Garde angestellte Oberstlieutenant Ritter C. A. von Gelbke, der sich durch seine litterarisch – artistischen Arbeiten, namentlich die Abbildungen der Wappen sämmtlicher Staaten, so wie durch die Abbildungen und Beschreibungen der Ritterorden und Ehrenzeichen ein anerkanntes Verdienst erworben hat. Den 10. März zu Trier das letzte Mitglied des Collegiatstiftes St. Simon Damian Laurentius von Hontheim. Den 12. März zu Leipzig der Senior des Thomascollegiums M. G. Fr. Baumgärtel. An demselben Tage zu Leipzig der ausserordentliche Professor in der philosophischen Facultät an der dasigen Universität M. Gottfried Heinrich Schäfer. Er war in Leipzig am 27. September 1764 geboren, auf der Nicolaischule gebildet und hatte, um Medicin zu studiren, 1781 die Universität bezogen. Seine Vorliebe für die classischen Studien bewog ihn, nachdem er 1792 die Magister würde erlangt hatte,

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eine Buchhandlung zu errichten. Zahlreiche Ausgaben griechischer Autoren folgten schnell aufeinander, Athenäus, Plutarchs Moralia, der Schluss des Reizischen Herodot, eine eigene Bearbeitung dieses Geschichtsschreibers, so wie auch Abdrücke und neue Bearbeitungen anderer Werke, wie des Porsonschen Euripides, von Ernesti’s glossarium Livianum, von Plinii Epistolae et Panegyricus – keine ohne zahlreiche Zusätze, die aus einem reichen Schatze grammatischer und lexicalischer Observationen flossen und eine gründliche Gelehrsamkeit beurkundeten. Am 12. Juli 1806 erwarb er sich das Recht Vorlesungen zu halten durch Wertheidigung von Meletcmatum criticorum specimen primum, wobei Friedrich Thiersch sein Respondent war; zwei Jahre später erhielt er eine ausserordentliche Professur in der philosophischen Facultät mit einem Gehalte von 150 Thalern. Bei unermüdeter Thätigkeit ist es nicht zu verwundern, dass in kurzer Zeit so viele Werke von ihm herausgegeben werden konnten, unter denen wir Dionysius de verborum compositione und den Tryphiodorus (1808), Lamberti Bosii ellipses graecae (1809), Apollonius Rhodius (1810), Aristophanis Plutus und Gregorius Corinthius de dialectis (1811) nnd die Ausgabe von Valckenarii opuscula (1809) erwähnen, der saubern und mit kritischen Bemerkungen ausgestatteten Ausgaben der Bucolischen Dichter, des Homer, Sophocles, Anacreon und anderer, welche er für die Tauchnitzische Sammlung (nur an den lateinischen Autoren hatte er keinen Antheil) besorgte, nicht zu gedenken. Als Corrector gesucht nicht blos wegen der Sorgfalt, welche er auf die Reinheit des Druckes verwandte, sondern noch mehr wegen der Gelehrsamkeit, die er den Werken selbst zu Gute kommen liess, hat er an zahlreichen in Leipzig gedruckten philologischen Werken, namentlich an den bei Weigel und später bei Teubner (besonders, an Plutarchi Vitae) erschienenen classischen Autoren Antheil, so wie er auch durch die Erneuerung geschätzter älterer, aber selten gewordener Werke, wie des Etymologicum magnum von Sylburg (1816), des Ammonius von Walckenaer (1822), der Briefe des Phalaris von Lennep (1823) und der Collectivausgabe des Demosthenes (London 1822 1826) ein wesentliches Verdienst sich erwarb. Als Walpy eine neue Ausgabe von H. Stephani thesaurus beabsichtigte, überliess ihm Schäfer seine reichen lexicalischen Collectaneen, die auch in dieser Unordnung der Collectaneen in der Londoner Ausgabe abgedruckt sind und den bedeutendsten Theil der dort gegebenen Zusätze ausmachen. Seine an werthvollen Werken reiche und wohl gewählte Bibliothek wurde im Jahre 1818 für die Leipziger Universitätsbibliothek angekauft und er selbst als Bibliothekar angestellt, welches Ant er bis 1833 bekleidete. Eine zweite nicht minder reiche Sammlung seltener Ausgaben der alten Classiker ist nach Russland an die Petersburger Academie von ihn für 3000 Rthlr. verkauft worden. In den letzten Lebensjahren, wo die durch das mühsame Corrigiren geschwächte Schärfe der Augen philologische Arbeiten schwierig machte, lebte er still und zurückgezogen in der Familie seines Schwiegersohnes des Assessor Dr. Höpfner. Sein Leben ist mühevoll gewesen; die Früchte seiner Austrengungen liegen in zahlreichen Werken vor, die alle ein glänzendes Zeugniss von dem grossen Umfange und der Tiefe seines grammatischen Wissens ablegen, die im In- und Auslande die allgemeinste Anerkennung geniessen. Sind es auch hauptsächlich Details, deren Erforschung er sich zur Aufgabe machte, ist auch seine Kritik mehr eine combinatorische und auf grammatische und lexicalische Observation begründete, so verdient doch sein Name einen ehrenvollen Platz in der Geschichte der Phiiologie. Den 16. März zu Donauwörth der letzte Abt des vormaligen Benedictinerstifts daselbst Cölestin von Königsdorfer. Den 17. März zu Greifswald der ordentliche Professor der allclassischen Litteratur Dr. Ru– dolf Heinrich Klausen, im noch nicht vollendeten 34. Lebensjahre. Er war zu Altona am 24. April 1806 geboren, ein Sohn des Rectors am dortigen Gymnasium Gottfried Ernst Klausen. Von achten bis zum achtzehnten Lebensjahre bereitete er sich auf jener Anstalt zu den academischen Studien vor und bezog im Mai 1824 die Universität Kiel, wo er in Eckermanns Hause freundliche Aufnahme und an Dahlmann und Wachsmuth geschätz– te Lehrer fand. Im Herbste des folgenden Jahres ging er nach Berlin, wo Böckh's Unterricht und Umgang den nachhaltigsten Einfluss ausübte, von der die schö– ne Schilderung von dem Leben und der Lehrweise seines Lehrers in Hoffmann’s Lebensbildern am besten Zengniss giebt. Nach einem halbjährlichen Aufenthalte in Leipzig, wo er Hermann hörte, ging er nach Bonn, wo er am 3. Juni 1829 durch Wertheidigung seiner Abhandlung: Theologumena Aeschyli die philosophische Doctorwürde erwarb und sich bald darauf habilitirte. Nach Walchs Tode folgte er einem Rufe als ausserordentlicher Professor nach Greifswald, wo er wenige Wochen vor seinem Tode zum Ordinarius ernannt wurde. Ausser der Ausgabe der Fragmente des Hecatäus (1831) widmete er seine Thätigkeit der Bearbeitung des Aeschylus für die Gothaische Biblio

*) In Nr. 12. p. 92. sind dem verstorbenen Stiftsprobst Clausen, der nicht ordentlicher Professor der Theologie war, die Schriften seines Sohnes, der Ordinarius zu Kopenhagen ist, beigelegt.

thek, in welcher jedoch nur der Agamemnon (1833)

und die Choephoren (1835) erschienen sind. Darauf wendete er sich zu Untersuchungen über die italischen Volksreligionen, von denen er die Resultate theils in dem zum Jubiläum seines Vaters 1836 erschienenen liber de carmine fratrum Art alium, theils in dem ersten Bande des grossen Werkes „Aeneas - und die Penaten” (1839. 1r Bd.) niedergelegt hat. Zu den philologischen Zeitschriften und auch zu unser A. L. Z. hat er viele schätzbare Beiträge geliefert. Den 20. März der würdige Jubilar, Pfarrer Scheibler in Montjoie, Ritter des R. A. 0., 80 Jahr alt. Den 21. März zu Würzburg der Bischof Adam Friedrich Gottfried Lothar Joseph Maria Freiherr von Gross von und zu Trockau , im 83. Lebensjahre. Er war am 14. März 1758 geboren, wurde am 18. Nov. 1821 zum Bischof von Würzburg geweiht und am 23. December desselben Jahres feierlich installirt. Seine Frömmigkeit und seine rastlose Thätigkeit in seinen oberhirtichen Amte werden gerühmt. An demselben Tage der Dechant des Donnstifts in Trier Thomas Billen, 82 Jahre alt, nachdem er 57 Jahre in Dienste der Kirche gewirkt hatte. In der Nacht von 21. zum 22. März in Luzern der Probst am Chorstift zum heiligen Leodegar Leonz Füglistaller, 72 Jahr alt. Er war früher Pfarrer zu Zurpach im Aargau gewesen und hatte 1821 Schillers Lied von der Glocke in gereimten lateinischen Rhythmen herausgegeben. Ueber seinen Antheil an den Stunden der Andacht ist nichts Bestimmtes bekannt geworden. Den 25. März zu Florenz der Präsident der Consulta und des Cassationshofes Aurelio Puccini. Den 26. März zu Stuttgart der als Numismatiker bekannte Hofrath Christian Binder. An demselben Tage zu Würzburg der Superior und Senior des dortigen Minoritenklosters Balthasar Albcrt , 88 Jahr alt. Den 28. Mlärz zu Kiel der Kirchenrath und ordentliche Professor der Theologie Dr. Georg Samuel Francke, Ritter des Dannebrogordens. Schon 1793 hatte er einige Kanzelreden herausgegeben; es folgten die Schriften: 1805 über Gehalt und Character des dritten und vierten Tuskulanischen Dialogs, 1808 über die neueren Schicksale des Spinozismus und seinen Einfluss auf die Philosophie, 1810 doctrina de operationibus spiritus sancti, 1813 de historia dogmatum Arminianorum, 1819 theologische Encyclopädie, 1824 Grundriss der Vernunfttheologie. Ansserdem sind von ihm viele Gelegenheitsschriften und academische Programme (das letzte zur Todtenfeier des jüngst verstorbenen Königs von Dänemark) herausgegeben und Beiträge zu den kritischen Zeitschriften geliefert worden. An demselben Tage Abends halb zehn Uhr zu Heidelberg der Geheime Rath und Professor Anton Friedrich Justus Thibaut nach kurzer Krankheit am Lungenschlage. Er war am 4. Januar 1774 zu Hameln im Hannoverschen geboren, studirte zu Göttingen, Königsberg und Kiel, wurde 1798 Adjunct der dortigen Juristenfacultät und im folgenden Jahre or

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dentlicher Professor. Im Jahre 1802 folgte er einem Rufe nach Jena, 1805 berief ihn Karl Friedrich mit andern ausgezeichneten Männern nach Heidelberg, um den Flor der Universität neu zu beleben. Bald war er eine der grössten Zierden derselben und von allen Seiten strömten die Studirenden zu seinen Vorlesungen; Unzählige verehren ihn als Lehrer. In weiteren Kreisen hat er als Schriftsteller gewirkt, sein System des Pandektenrechts, welches 1803 zum erstenmale erschien, hat für eine wissenschaftlichere Bearbeitung des Römischen Rechts Bahn gebrochen. Er war der erste, welcher 1814 auf Abschaffung des antinationalen, Römischen Rechts drang, die Abfassung von neuen Gesetzbüchern vertheidigte, die Nothwendigkeit eines für ganz Deutschland gleichen Gesetzbuches in Vorschlag brachte. Jene Schrift über die Nothwendigkeit eines allgemeinen bürgerlichen Rechts in Deutschland hat die Spaltungen unter den Juristen veranlasst und zu den noch nicht erledigten Streitigkeiten Veranlassung gegeben. Sein Tod hat allgemeine Trauer veranlasst; anerkennende Stimmen sind überall laut geworden, auch in der Badischen Volkskammer; unter den bis jetzt erschienenen Charakteristiken genüge es auf einen Aufsatz in der Beilage zur Allg. Zeit. nr. 136 und auf v. Beaulieu's Aufsatz in den Hall. Jahrbüchern nr. 127 fgg. zu verweisen, wo auch der Vorliebe für classische Musik ausführlicher gedacht ist. In der Nacht vom 29. auf den 30. März zu Wien der Hof- und Burgpfarrer Joseph Pletz, Doctor der Theologie, infulirter Abt zur heiligen Jungfrau Maria von Pagrany, k. k. niederöstreichischer Regierungsund fürst – erzbischöflicher Consistorialrath, Director der Theologischen Studien an der Wiener Universität, Beisitzer und Referent bei der Studienhofcommission, Obervorsteher des höheren Bildungsinstituts für Weltpriester zum heiligen Augustin u. s. w. im drei und funfzigsten Jahre seines in den wichtigen Aemtern, die er bekleidete, dem Wohl der Kirche und des Staats mit rastloser Thätigkeit gewidmeten Lebens. Er war den 3. Januar 1788 geboren und hat sich als Schriftsteller durch die Werke: Christkatholischer Unterricht über das heilige Sacrament der Firmung (1819), dogmatische Predigten (1820), Betrachtungen über einige Wahrheiten des Christenthums, vorgelegt in Predigten

(2 Bde 1826), die Ehe nach dem Willen unseres Herrn (1832) und viele einzelne Predigten und Schriftchen bekannt gemacht. Den 30. März Johann Philipp Beck, Decan und Districts – Schulinspector zu Nördlingen, 74 Jahr alt. Den 31. März zu Köln Richard Benedict Schmitz, weiland Baccalaureus und Professor der schönen Wissenschaften, auch Schulinspector zu Köln. Er war vorher Lehrer der französischen und italienischen Sprache zu Münster gewesen und 1807 nach Köln versetzt worden. Er schrieb über die Grundsätze der Sprache, Schreibart und Dichtkunst der Franzosen (Münster 1789), und „die französische Dichtkunst durch classische Beispiele erörtert” (1827). Auch wird ihm beigelegt das Leben Karls von Navarra aus dem Franz(Lpz. 1790). Im März zu Paris Philipp Albrecht Stapfer, nach langer Krankheit im 75. Lebensjahre. Er war im Sept. 1766 geboren, wurde Lehrer am politischen Institute in Bern, 1789 Prediger, 1796 Professor der didactischen Theologie bei der Academie zu Bern, Minister der helvetischen Republik, 1815 Mitglied des grossen Rathes in Aargau. Er privatisirte zu Paris und war bis an sein Lebensende Vorsteher mehrerer religiösen Vereine der Französischen Protestanten, nimentlich Präsident der Pariser Bibelgesellschaft. Mehrere kleine Schriften de philosophia Socratis, de vitae immortalis spe /ir.mata per resurrectioneit Christi; de natura, conditore et increments reépublicae ethicae u. a. gab er in der letzten Decennien des vorigen Jahrhunderts heraus. In Paris heilte er den Franzosen manche Kenntniss deutscher Literatur und Wissenschaft mit, übersetzte Eichhorn's Literaturgeschichte, lieferte Beiträge zur Biographie universelle, liess 1812 die Voyage pittoresque de l' Oberland Bernois erscheinen und war Rathgeber und Freund mehr als eines nachher berühmt gewordenen Mannes, wie denn Guisot als junger Schriftsteller mehrere Monate im seinem Hause lebte. Im März zu Paris der Maler Wandael, geb. 1764 zu Antwerpen, dessen Blumenstücke sich durch geschmackvolle Anordnung und glänzende Farben auszeichnen.

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vor seiner Erscheinung vielfach die Aufmerksamkeit des Publicums erregte. Zunächst möge es den Besitzern der berühmten Criminalrechtsfälle von Feuerbach , Bischoff und Bauer als eine neue, interessante Folge zu diesen Werken empfohlen sein.

Es ist erschienen und durch alle Buchhandlungen zu haben:

Ueber die Verpflichtung der evangelischen Geistlichen auf die symbolischen Schriften. VOm

Dr. Joh. Wilhelm Bickell, Kurfürstl. Hess, Ober-Appellations – Rathe. gr. 8. 1840. In J. C. Krieger's Verlagshandlung in Casse I. (8 Bog.) broschirt. Preis 12 gGr. oder 54 Kr.

Der Abdominal-Typhus.
Monographische Skizze
von

Dr. Fr. Cramer,

prakt. Arzte zu Cassel. gr. 8. 1840. In J. C. Krieger's Verlagshandlung in Cassel. (9 Bogen.) broschirt. Preis 20 gGr. oder 1 FI. 30 Kr.

In der Fest’schen Verlagsbuchhandlung in Leip – zig ist so eben erschienen und in allen Buchhandlungen zu haben: Album deutscher Schriftsteller

ZU I" vierten Säcularfeier der Buchdruckerkunst du r Cln D. Karl Halt aus. gr. 8. 21% Bogen. broch. Ladenpreis 2 Rthlr. auf feinstem Velinpapier 2% Rthlr.

Dieses Album enthält Beiträge von 231 deutschen berühmten und genannten Schriftstellern, die auf irgend eine Weise die Wissenschaft gefördert haben, ohne Berücksichtigung der verschiedenartigen Tendenzen, die sie befolgen, und giebt nicht nur Charakter, Aufenthaltsort, Geburtsjahr und Geburtsort derselben, sondern auch Gutenbergs Bildniss und die Facsimilia der Namenszüge. Die Beiträge selbst bestehen in grösseren und kleineren prosaischen und poetischen AufsätZCI1.

III. Herabgesetzte Bücher-Preise.

TITTI LIWEILI O P E IR A. O MI N I A

ANIMADVERSIONIBUS ILLUSTRAVIT F. A. STEROTH RECENSUIT ET SUAS OBSERVATIONES ADSPERSIT - F. G. BDOEHRING. EDITIO AUCT. ETEMEND. WII Woll. 8vo. 1806–1824. Ladenpreis 11 Rthlr. können durch alle Buchhandlungen, so lange es der geringe Vorrath erlaubt, zu dem bedeutend ermässigten Preise von:

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Im Aprilhefte der A. L. Z. befindet sich eine mit S. unterzeichnete Verurtheilung meiner Fragmente der epischen Poesie der Griechen, in welcher, ohne die Schwierigkeit der Aufgabe und das viele ohne Zweifel Geleistete irgendwie anzuerkennen, kleine Wersehen, die bei einer solchen Arbeit nie ganz zu vermeiden sind, scharf getadelt, andere böswillig hineingelegt, durchaus ungehörige Anforderungen gemacht, ja die gröbsten Unwahrheiten vorgebracht werden, um nur, gedenk des calumniare audacter, den Stab über das unschuldige Buch brechen zu können. Diese vorläufige Anzeige war ich dem Interesse der Sache schuldig, den Beweis gedenke ich in einer Zugabe zum zweiten Theile meiner Fragmente zu führen.

Bonn. H. Düntzer.

Erwiderung des Recensenten.

Vorerst kann Rec. nur das calumniare audacter und die Böswilligkeit abweisen. Herr Dr. Düntzer ist dem Verfasser jener Anzeige weder persönlich, noch durch frühere literarische Berührungen bekannt, so dass also kein äusserer Grund zu Werläumdung und Böswilligkeit vorhanden ist. Rec. las das Buch mit voller Unbefangenheit; das Unternehmen im Allgemeinen fand er sehr lobenswerth und hat es auch ausgesprochen; die Ausführung schien ihm nachlässig und leichtfertig und er glaubt diese Meinung hinlänglich belegt zu haben. Ob die gerügten Fehler wirklich so unbedeutend und bei einer solchen Arbeit nie ganz zu vermeiden, ob die Anforderungen, die Rec. gemacht, so durchaus ungehörig seyen, mögen andere entscheiden, das Buch und die Recension liegen vor; einer Unwahrheit aber, noch weniger einer groben Unwahrheit, ist sich der Rec. nicht bewusst, und er sieht mit Ruhe dem Beweise des H. Dr. D. entgegen, bei dem jedoch zu wünschen ist, dass mit Vermeidung aller Persönlichkeit nur die Sache berücksichtigt werde. Hat der Rec. irgendwo geirrt – bei wiederholter Durchsicht ist ihm kein Fall vorgekommen – so wird er sich gern eines Bessern belehren lassen, da er es sich zum Gesetz gemacht hat, in Sachen der Wissenschaft stets nur diese, nie seine eigne Persönlichkeit im Auge zu halten.

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Den 2. April starb zu Aarau Dr. iur. Feer, der sich durch eine kleine Schrift „über das Bisthum Basel in Beziehung auf den Kanton Aargau (1828)” bekannt gemacht hat. Den 3. April zu Aschersleben der Superintendent und Oberprediger Dr. Johann Christoph Greiling, Ritter des rothen Adlerordens dritter Klasse mit der Schleife, im 75. Lebensjahre. Er wurde am 21. December 1765 in Sonneberg, einem thüringischen Städtchen, geboren. Sein Vater war Bürger und Orgelbauer daselbst, seine Mutter die Tochter des Predigers Johann Andreas Faccius zu Weissenbrunn vorm Walde. Schon 1766 verlor das Kind den Vater; seine Mutter kehrte mit ihm in das elterliche Haus nach Weissenbrunn zurück. Gr, verlebte hier als Knabe keine guten Tage; nur die zärtlichste Liebe der Mutter gab ihm Ersatz für mancherlei Druck seiner Verwandten. Die Mutter pflegte besonders in ihm den religiösen Sinn und trotz der unüberwindlichen Hindernisse, die öconomische Beschränkung der Erfüllung seines Wunsches entgegenstellten, befestigte er sich in dem Bewusstsein zu einem Diener Gottes berufen zu sein. Sein Fleiss, war musterhaft; im 15. Jahre war er bereits Candidat des Schulamtes und wurde bald darauf Sekretär des Geheimonraths Gruner in Koburg. Hier ward sein Verlangen zu gelehrten Studien sich vorzubereiten befriedigt, indem er das dortige Casimirianum besuchte. Um sich im Griechischen mehr auszubilden, las er ein Privatissimum über das Enchiridion Epicteti. Diese kleine Vorlesung war, wie Gr. später manchmal versicherte, zahlreich besucht, verschaffte ihm einen Namen unter seinen Commilitonen, brachte ihm Geld, was er sehr nöthig hatte und förderte ihn im Griechischen so weit, dass ihm die Professoren Briegleb und Lochmann den Privatunterricht ihrer Söhne anvertrauten, Die Lust an philologischen Studien hatte seinen Jugendwunsch Theologie zu studiren fast ganz verdrängt; schon war er als Mitglied des philologischen Seminars bei Heyne in Göttingen angemeldet, als äussere Umstände ihn nöthigten in Jena Theologie zu studiren. Nachdem 1788 Eichhorn von Jena nach Göttingen gegangen war, verliess auch Greiling die Universität und ward Hofmeister beim Oberlandjägermeister v. Böhlau zu Döben in Kursachsen. Dort studirte er gemeinschaftlich mit dem damaligen

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Lieutenant von Thielemann, der sein inniger Freund ward, die Kantische Philosophie und schrieb 1793 sein erstes Buch: Ueber den Endzweck der Erziehung und über die ersten Grundsätze einer Wissenschaft derselben. Ein Jahr darauf folgten die damals vielgelesenen „philosophischen Briefe über die Grundsätze der sittlich-religiösen Erziehung". 1795 ging Gr. als Hauslehrer zu dem Hn. von Griessheim in Kl. Zschocher bei Leipzig. Er war unermüdet thätig, seinen wissenschaftlichen Erwerb zum Eigenthume möglichst weiter Kreise der menschlichen Gesellschaft zu machen und eigne und fremde praktische Thätigkeit nach Ideen der Wissenschaft zu ordnen. So schrieb er seine „Ideen zu einer künftigen praktischen Aufklärung." Als Hr. v. Griessheim sein Gut Kl. Zschocher verkaufte und nach Magdeburg zog, weigerte sich Gr., der eine nnerklärliche Schen vor Preussen hatte, entschieden ihm zu folgen; er privatisirte in Leipzig und gab hier anonym den Roman Ariston heraus. Griessheim, der erst in der Ferne fühlte was er an Gr. gehabt hatte, kam von neuem nach Leipzig und überredete ihn endlich ihm nach Magdeburg zu folgen, 1797 ward Gr. Pastor zu Schochwitz im Mansfeldischen; hier verheirathete er sich. Im folgenden Jahre wurde er Pastor in Neu-Gattersleben im Magdeburgischen. Von diesem Jahre an erschienen seine praktischen Kanzelvorträge aus I. Kants Schriften gezogen 6 Bde 1798– 1804, Grossen Beifall fanden seine Hieropolis 1802 und seine Theorie der Popularität 1805. Diese seine schriftstellerischen Arbeiten und sein Ruf als Prediger, der viele Zuhörer aus der Nachbarschaft in seine Kirche zog, verschaffte ihm 1805 die Ober - PredigerStelle an der St. Stephani Kirche in Aschersleben. Hier gab er kleine homiletische Arbeiten heraus: „Amtsvorträge bei feierlichen Gelegenheiten“ und „Andachtsreden bei Uebernahme der Ober- Pfarre in Aschersleben,” – In Aschersleben lebte Gr. glücklich in seinem häuslichen Kreise, nah und fern gleich geachtet als Mensch, als Prediger und als Seelsorger. Seine Mutter war zu ihm gezogen, sobald er seine erste Predigerstelle bekam; er übte an ihr Liebe und Kindespflicht bis zu ihrem Tode 1810. Schriftstellerisch und praktisch war Gr. unermüdlich thätig trotz mannigfachen Unglücks in seiner Familie; nach schwerer Krankheit starb seine Frau Maria Hilprecht, die ihm sechs Kinder hinterliess. Aus dieser Zeit rühren seine „Theophanien", sein „Leben Jesu" und „die bibli

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